Was ist ein professioneller Lehrer?

Gefunden bei Xenon B., gleich zusammen mit meiner Selbsteinschätzung:

  1. Ein professioneller Lehrer wählt seinen Beruf primär in Hinblick auf die Berufstätigkeit, in zweiter Linie aufgrund des Fachinteresses oder aufgrund von Arbeitsmarktbedingungen.
    – Hm. Gilt schon mal nicht wirklich für mich. Ich wollte Lehrer werden, weil mir das der richtige Beruf zu sein schien, aber gleichrangig war mein wissenschaftliches Interesse an den Fächern. Die Arbeitsmarktbedingungen warenmir egal.
  2. Er hat ein mehrfaches Selektionsverfahren und eine professionelle, berufsbezogene Ausbildung hinter sich gebracht.
    – Okay, habe ich. Inhaltlich stehe ich nur teilweise hinter diesem Punkt. Die Qualität unserer professionellen Ausbildung und der Selektion ist allerdings Thema für eine Diskussion. Klar will ich universitäre Lehrerbildung. Zur Zeit wird ja viel ohne entsprechende Qualifikation unterrichtet, um akutem Lehrermangel zu begegnen. Ich habe dabei aber auch toll unterrichtende Quereinsteiger getroffen. Das gibt’s also schon auch.
  3. Er nimmt regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teil und befindet sich deshalb auf dem jeweils gültigen Stand fachlicher und berufswissenschaftlicher Forschung, deren Resultate in das berufliche Handeln umgesetzt werden.
    – Ich nehme zwar zur Zeit regelmäßig an so etwas teil, aber nicht in allen Fächern, und befinde mich nicht auf dem jeweils gültigen Stand. Aber nur knapp dahinter. Das Wichtigste ist, dass aufgrund der Rahmenbedingungen (Arbeitslast, Unterrichtsräume, rechtliche Einschränkungen) das Umsetzen in das berufliche Handeln nur sehr, sehr bedingt möglich ist. Freiarbeit kannste vergessen.
  4. Er hält angemessene Distanz zu Schülern und Eltern.
    – Ja, ich glaube schon. Warum steht das hier? Ist die Distanz meist zu groß oder zu gering?
  5. Er erwartet ein angemessenes Feedback über seine Arbeitsqualität von den Dienstvorgesetzten.
    – “Erwarten” im Sinne von “einfordern”? Nein. Im Sinne von “damit rechnen”? Eigentlich auch nicht. Ich hab ja nur einen einzigen unmittelbaren Dienstvorgesetzten, den Leiter der Schule. Der muss die Schule leiten, sich um Eltern und Schüler kümmern, und soll 80 Lehrer beurteilen und Rückmeldung geben? Angemessen? Das halte ich für überhaupt nicht möglich, beim besten Willen nicht. Das ist eines der dümmsten Sachen am Lehrersein, dass man kaum Feedback kriegt außer durch die Schüler. Halt! Alle vier Jahre kriegt man als Lehrer eine Note! Allerdings legt den Notendurchschnitt für die Schulen das Kultusministerium dabei vorher fest. Das kann man dann als Feedback auch nur mäßig ernst nehmen. Wenn ich so Noten machen würde…
  6. Er verfügt über die Fähigkeit, gültiges Wissen bei den Schülern entstehen zu lassen und dieses auch begründen zu können.
    – Hm. Ein bisschen. Davon träumt jeder Lehrer. Ist mit “begründen” gemeint, dass man erklären kann, wie durch einen selber das gültige Wissen entsteht?
  7. Er verfügt über technisch kontrolliertes Regelwissen des Unterrichtens und des Erziehens.
    – Ich weiß nicht, was das heißt. Ich verfüge über Regelwissen, neben anderem Wissen. Mehr davon wäre sicher nicht schlecht. (Allerdings: Nicht alle Regeln der Pädagogik, die ich mal gelernt habe, sind noch gültig.) Was heißt “technisch kontrolliert”?
  8. Er übt seinen Beruf souverän aus, das heißt, er bestimmt selbst den Ausnahmezustand, gegebenenfalls auch mit direktiven Mitteln.
    – Wenn es das heißt, was ich vermute, dann okay.
  9. Er ist konflikt- und teamfähig.
    – Doch schon. Einigermaßen. Weshalb wird dann so wenig im Team gearbeitet?
  10. Er hat eine optimistische Grundeinstellung.
    – Ganz sicher.
  11. Er definiert klare Unterrichtsziele und führt einen klar strukturierten Unterricht durch.
    – Hm. Nicht so sehr wie ich möchte. Daran könnte ich arbeiten.

Quelle: Pressemitteilung der Freien Universität Berlin vom 07.05.2003

Trotzdem, interessant. Die Leitbild-Erfahrung bei Tanja hat mich drauf gebracht, dass ich ganz gerne irgendwo schriftlich fixiert hätte, was meine Schule und ich als Lehrer eigentlich wollen und sollen, und zwar an prominenterer Stelle als versteckt in Lehrplan-Vorworten.

4 Antworten auf „Was ist ein professioneller Lehrer?“

  1. Ui, da muss ich auch mal darüber nachdenken, ist ja kein Fragebogen (die mag ich nämlich nicht, bääh). Ich glaube, 11. ist nie abgeschlossen, denn schon das Runterbrechen der Informations- und Richtziele auf Unterrichtsziele ist eine Lebensaufgabe. Doch dran bleiben an dem, an etwas, das höchstens parziell perfekt wird, das ist die Herausforderung für mich.

    Vielleicht kannst du ja die Lehrplan-Vorworte sieben und einen Leitbildvorschlag platzieren ;-)

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