Arbeitszeiterhöhung

Ja, ab nächstem Schuljahr also 25 statt 24 Stunden. Letztes Jahr waren es noch 23. Die neue Stunde geht zwar auf ein Arbeitszeitkonto und wird nach fünf Jahren wieder gutgeschrieben – aber das Vertrauen, das die Lehrerschaft dem Kultusministerium gegenüberbringt, ist minimal.

Die Stunden selber sind es nicht; 25 Stunden zu unterrichten ist nicht das Problem. Aber das Korrigieren nimmt halt auch zu. Schon jetzt sammle ich außer bei Übungsaufsätzen kaum mehr Hefte ein. Irgendwie geht’s immer, und das reicht dem KuMi auch.

(Eine Entschuldigung an alle Bundesländer, bei denen die Lehrer noch mehr Stunden arbeiten müssen.)

Nachtrag, viele Jahre später: Alle zusätzlichen Stunden vom Konto sind wieder zurückgegeben worden.

11 Antworten auf „Arbeitszeiterhöhung“

  1. Danke, Rheinland Pfalz nimmt die Entschuldigung an :-)
    Auch ich spare Stunden an, die ich dann, irgendwann, vielleicht, im Erlebnisfalle, zurückbekomme.
    (Vergessen Sie doch bitte nicht, die Größen der Klassen zu erwähnen, auch sie steigt. Wo früher 24 Schüler in einer Klasse saßen, gucken heute über 30 auf die Tafel )

  2. Ja, es ist erschreckend und doch nicht verwunderlich, dass die meisten Kollegen mit tiefem Misstrauen reagieren: Die eingearbeiteten Stunden sehen wir nicht wieder, weil inzwischen der Schülerberg nicht genügend abnimmt oder es mit größeren Klassen ja auch geht oder die Staatsregierung wieder Geld einsparen will oder oder…
    Der Zynismus und die Resignation muss sich ja zwangsläufig auf das Unterrichtsklima auswirken – die Stunde mehr ist tatsächlich nicht das Problem. Es geht ums Prinzip, um Stilfragen und um defektive Kommunikation zwischen Ministerium und Lehrerschaft.
    Ob der neue Besen da besser kehrt als die Strauß-Tochter?

  3. Leider ist es überall so, in so vielen Berufen wird man nicht mehr als Mensch gesehen, nur noch als Kostenfaktor. Ist das die Welt, die wir wollten? Und wie sollen wir die Kinder und Jugendlichen darauf vorbereiten? Wenn wir als Lehrer diesen Druck weitergeben, den wir empfangen, ist die nächste Generation bald verhärtet, aber vielleicht besser vorbereitet als wir das sind.

    Schade, dass Frau Hohlmeier weg ist. Sie war die einzige Billdungsminiisterin mit passendem Namen ;-)

  4. Von Schneider erwarte ich mir wenig. Ich habe ihn mal in einer Podiumsdiskussion erlebt, da hat er ganz vernünftige Sachen gesagt. Da musste er auch nichts davon umsetzen. Die Kommunikation zwischen KuMi und Lehrern ist tatsächlich miserabel. – Den Arbeitsdruck werde ich nicht auf die Schüler weitergeben; die werden durch den neuen Lehrplan ohnehin genügend gedrückt. Aber ich werde mich halt schlampiger vorbereiten. Mit meinem Charme komme ich so relativ gut durch manche Stunde, aber besserr verwendet könnte diese Zeit dann allemal sein. Und weniger korrigieren. Letztlich ist das dem Ministerium aber auch egal, solange keiner durchfällt. Und dann wird halt weniger durchgefallen. Vielleicht hat das ja auch was Gutes.
    (Zu den zusätzlichen Stunden kommt immer mehr auch die Aufsicht am Nachmittag außerhalb des Unterrichts. Das werden brav alles wir machen.)

    Zu laut darf ich nicht jammern, dafür gibt es zu viel ungenutzte Möglichkeit, wie wir uns im Kollegium die Arbeit selber erleichtern könnten.

  5. Ein Kollege von mir hat das so formuliert:
    Alles, was ich tun soll,wird von anderen bestimmt, mein Gehalt, meine Unterrichtsstunden.Das einzige, was ich selbst bestimmen kann,ist mein Stundenlohn.
    In Rheinland-Pfalz muss man die Abiturarbeiten selbst verfassen,sie werden dann eingeschickt und ausgesucht. Für Biologie sind das dann 3 Klausurthemen, von denen 2 ausgesucht werden, in Deutsch sind es 4 Themen. Früher hat jeder Lehrer für seinen Kurs Arbeiten fabriziert. Heute sitzen die 3 Kollegen der Biologiekurse zusammen, und jeder macht eine Aufgabe. Solche Dinge entlasten enorm.

  6. Herr Rau sagte: “Aber ich werde mich halt schlampiger vorbereiten.”
    Hmm…!?
    Ist es das, was das KuMi wirklich will? (Das sollten sich die Damen und Herrn dort mal ernsthaft überlegen!)
    Wollen Sie das wirklich, Herr Rau? (Ohne dass ich Ihnen absprechen möchte, dass Sie “mit …Charme…relativ gut durch manche Stunde” kämen.)

    Wollen wir Lehrer das tatsächlich? …schlampig vorbereiteten Unterricht?
    Ich für meinen Teil will das nicht. Vielleicht bin ich da noch zu idealistisch, aber mich stört noch immer jede weniger gut verlaufene (weil schlampig vorbereitete) Unterrichtsstunde.

    Und allein deshalb finde ich (im Gegensatz zu manch anderem hier), dass eine Stunde mehr definitiv SCHON DAS PROBLEM ist.

    Wir Lehrer machen es da – immer noch und trotz aller Gemeinheiten seitens des KuMI – unserem Arbeitgeber einfach zu leicht…
    Wir jammern…ja, …ein bißchen …und dann? …dann schämen wir uns auch gleich wieder dafür.
    Und… wir kehren wieder (murrend, missmutig, gleichgültig…?!) zur Tagesordnung über: Es wird schon irgendwie gehen. Es ging ja noch immer… irgendwie…!
    Wir lieben uns…in dieser leidenden Rolle. Wir, die einzig wahren Bildungs-Märtyrer. (Zumindest drängt sich mir dieser Eindruck manchmal auf.)

    Und so verpuffen diverse “Maßnahmen des Kollegiums zur Einstellung aller (??) freiwilliger, unentgeltlicher Zusatzarbeiten” bereits nach kürzester Zeit; wie beispielsweise geschehen an unserem Gymnasium, obwohl diese “Streik”-Aktionen noch wenige Monate zuvor mit großer Mehrheit beschlossen wurden.
    Jeder macht inzwischen…doch irgendwie…seine Exkursion, sein Konzert, sein Theater, sein WEBLOG, ob mit oder ohne Anrechnungsstunde! Egal…es geht ja, …irgendwie!!!

    Tja, …wir leiden ja so gerne.

  7. Ich will das nicht so, nein. Aber wenn die Bedingungen sicher nicht ändern, wird schlampigerer Unterricht das Ergebnis sein. Lieber wäre mir etwas anderes, aber das ist meine Prognose. (Und ob das das KuMi groß interessiert, weiß ich wirklich nicht.)
    Was an der einen Stunde mehr mehr Arbeit macht, ist nicht die Stunde Unterricht, sondern das Mehr an Korrektur, an Nachmittagsaufsicht, an Klassenzahl. So meinte ich das. Spürbar ist die eine Stunde natürlich, aber nicht als Unterrichtsstunde, sondern als erhöhtes Korrigieren, als eine Klasse mehr pro Jahr für jeden dritten Lehrer (durchschnittlich).

    - Was wir machen sollten (unabhängig von der kaum vermeidbaren Minderung in der Qualität der Unterrichtsvorbereitung), wäre natürlich effektive Lobbyarbeit. Da gebe ich Ihnen völlig recht.

  8. Das Problem im Land Brandenburg ist ein anderes, wir würden gern mehr arbeiten, dürfen aber nicht. Im nächsten Schuljahr gibt es nur noch 19 Stunden, statt 26 Stunden.Hört sich erst einmal gut an, nur entsprechend wird auch das Gehalt gekürzt. und es taucht die identische Frage auf, warum soll ich mich für die paar Kröten super vorbereiten, wenn ich an allen Ecken und Enden sparen muss.

  9. SCHLAMPIGES VORBEREITEN. Sagen wir mal lieber: Verzicht auf detaillierte Unterrichtsplanung. Das habe ich jedenfalls auch praktiziert, um meine 29 Stündlein zu machen. Und was stellte sich heraus? Der Unterricht wurde davon viel besser. Da habe ich bei Luhmann nachgelesen, dass intentionale Sozialisation (Erziehung) sowieso nur zufällig das erreicht, was sie erreichen will. Das hat mich sehr beruhigt. Und bestätigt. Das Prinzip Kommunikation mit den Schülern zu betreiben, die hinführt, wo sie eben hinführt, statt zielgenauen “Unterricht” vorzustrukturieren , habe ich mal ein bißchen in Thesen gefaßt. Die sind da zu holen: http://bildung.twoday.net/stories/761832 und ich fände es ganz toll, wenn ich darauf ein paar Widerworte zur Irritation bekäme… ;-))

  10. SCHLAMPIGES VORBEREITEN. Sagen wir mal lieber: Verzicht auf detaillierte Unterrichtsplanung” So wollte ich das eigentlich auch verstanden haben. – Dass die geringere Zeit sogar systematisch zu erfolgreicherem Lernen bei den Schülern führen kann, halte ich für möglich. (Denn bei einzelnen Stunden erlebe ich das oft genug. Und beim aktuellen Unterrichtswesen ist der Lernerfolg von der Art, dass man ihn noch verbessern kann. Gelinde gesagt.) Die Widerworte kommen dennoch bald, ich muss heute nur noch einen Satz Übungsaufsätze fertig machen und komme wohl nicht zum Lesen.

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