A whole new world (Zu Gast in der Bio-Fachsitzung)

Das war heute Nachmittag vielleicht das erste Mal, dass an unserer Schule ein Deutsch- und Englischlehrer bei der Fachsitzung Biologie anwesend war. Die haben da sogar frisch geschlagene Sahne! Und runde Kuchen! Bei unseren Sitzungen gibt es meistens nur Kuchen vom Blech, ohne Sahne.
Ich war bei der Fachsitzung dabei, weil ich jetzt irgendwie dazu gehöre. Als Informatiklehrer unterrichte ich nämlich auch in der 6. Klasse den Teilbereich Informatik des Faches Natur und Technik (oder, wie Kollege Z. sagt, “Kraut und Rüben”). Und die Fachsitzung Biologie heißt eigentlich Biologie/Naturundtechnik.

Zur Information: Natur und Technik ist eine besonders schlaue Idee des Kultusministeriums. Vor Einführung des G8 wurden vollmundig alle einstündigen Fächer abgeschafft. Mit dem G8 mussten aber Stunden gestrichen werden, und so kommt es, dass es in der 6. Klasse das Fach Natur und Technik gibt, das zu einem Drittel aus Informatik und zu zwei Dritteln aus Biologie besteht – unterrichtet von zwei verschiedenen Lehrern, versteht sich. Im Zeugnis steht aber eine Note. (Das ist etwa so sinnvoll, wie ein Fach “Sprache” einzurichten, in dem sich der Deutsch- und der Englischlehrer die Stunden teilen und gemeinsam eine Note geben. Der Gedanke hat allerdings auch etwas Reizvolles.) Wirklich dumm daran ist, dass Informatik dabei eben wieder einstündig ist. Aber vielleicht merkt’s ja keiner.

Informatik- und Biolehrer machen zusammen ein Projekt mit der Klasse; deswegen war ich bei der Sitzung auch anwesend – bei mir lernen sie Powerpoint Präsentationssoftware, und als Thema gibt es Reptilien. Oder so ähnlich.

In der 7. Klasse gibt’s das gleiche Spiel nochmal, nur mit Physik- statt Biologielehrer. Informatik weiterhin einstündig. Muss ich jetzt in die Bio‑, Info- und Physikfachsitzungen? Und Deutsch und Englisch?

Allem Unken zum Trotz: Es ist spannend, ein neues Fach zu unterrichten. Ich bin einstündige Fächer nicht gewöhnt (wir erinnern uns, es gibt sie gar nicht mehr), und Nachmittagsunterricht nicht, und das Dasein als Nebenfachlehrer auch nicht. Aber die Schüler sind interessiert und freundlich; das wird schon werden. Aber anstrengend waren die ersten Tage schon.

8 Antworten auf „A whole new world (Zu Gast in der Bio-Fachsitzung)“

  1. Sehr anschaulich geschildert. Und für deine Verhältnisse mit einer Menge Seitenhiebe – aber liebevoll. Ich bin sicher, dass das werden wird. Geht mit der Zeit wie durch Sahne, äh Butter. Oder ist das ein Helvetismus? Egal.

  2. Von ein paar weiteren Seitenhieben hat mir Frau Rau abgeraten. “Flucht an die Öffentlichkeit” heißt das und ist so ähnlich wie Fahnenflucht und wird jedenfalls auch mit Kielholen oder zwanzig Hieben vor dem Mast bestraft. Glaube ich.

  3. Ui, das hat die Frau Rau gut gemacht. Manchmal ist der Button “veröffentlichen” etwas gar nah :-)

    Also nicht, dass ich mich nicht freuen würde an den Seitenhieben.

  4. Erstens sieht man an dem offenbar problemlos eingeführten Fach Naturundtechnik, daß all die netten Fächer in der Schule bloß eine Definitionsfrage sind, keine Frage der Sachlogik, und daß die Definitionsmacht bei der staatlichen Aufsicht des Systems liegt. Damit das nun mal endlich offengelegt wurde.
    Zweitens sieht man daran, wie einfach es doch wäre, endlich die Fächer ganz abzuschaffen und projektorientierten interdisziplinären Regelunterricht zu veranstalten – wenn die staatliche Aufsicht es denn wollte. Vielleicht geht der Weg dahin vorher noch über ein Fach Naturundgesellschaft, das würde ich sehr gerne unterrichten. Am liebsten erweitert zu NaturundGesellschaftundtechnikundEnglisch, dann aber sechsstündig: Die Schüler forschen in Blogs zum Thema Kreationismus-Evolutionstheorie, ordnen ihre Funde ein in die wichtigsten Fundamentalismustheorien, lernen dabei Englisch und bloggen.
    Drittens sieht man an der Umsetzung im Unterricht Rau, wie sinnvoll die neuen Kombifächer innovatorisch auf die Praxis wirken: PPP mit Naturthemen ist doch klasse!

  5. Dieser projektorientierte ganzheitliche Unterricht hört sich immer sehr spannend an. Es sollte so etwas wie ein “auf die Walz gehen” für Lehrer geben. Man reist quasi von Schule zu Schule und lernt unterschiedliche Methoden und Konzepte kennen und sammelt Erfahrungen… leider ist das nur schwer umsetzbar…

  6. Zum “offenbar problemlos eingeführten Fach Naturundtechnik” – eben nicht. Auch wenn man die Fächer tatsächlich anders organisieren/zusammenfassen kann, als das jetzt der Fall ist. Das Fach NaturundGesellschaft gefällt mir gut. Unter den Lehrern muss es aber trotzdem Spezialisten geben, oder?

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