Mindmaps

Mach ich neulich mit meinen Fünftklässlern eine mind map in Englisch (das ist im Buch sogar Lernvokabel), da kennen die das schon aus anderen Fächern. So ist’s recht.

Es gibt ein tolles Open-Source-Programm zum Erstellen von Mindmaps: FreeMind. Auf der Seite von FreeMind bei sourceforge.net kann man jeweils die neueste Version herunterladen. Es ist flexibler als manche anderen Mindmap-Programme, die ich kenne, es ist Open Source, es ist kostenlos, und es ist XML.

Möglich ist das: Eine Auswahl an Icons verwenden, Links auf andere Mindmaps, auf ausführbare Dateien oder WWW-Seiten, auf Zweige der aktuellen Mindmap. Export unter anderem nach HTML und XHTML, als voll verlinkte Graphik oder als Text, so dass man alles auf- und zuklappen kann. Graphiken kann man auch einbinden, die funktionieren im WWW allerdings nicht so recht. Denn mit einem Java-Applet kann man die Mindmaps auch in WWW-Seiten einbauen: Zum Ausprobieren habe ich hier mal eine kurze Mindmap zu mir gemacht. Durch Anklicken kann man die einzelnen Knotenpunkte öffnen oder schließen. Sollte mindestens in IE und Mozilla laufen.
(Dort ist auch ein Link zur FreeMind-Anleitung enthalten. Man kann die Anleitung, die ebenfalls in Form einer MindMap ist, aber auch hier anschauen. Da sieht man eine Menge davon, was mit FreeMind alles geht.)

Nächsten Dienstag zeige ich das Programm meinen Elftklässlern, wir notieren dann gleich darin die Diskussionspunkte der Stunde.

Kann man das am Ende sogar als Alternative zu Powerpoint für Referate vorschlagen?

Philip J. Hindle-Briscall, 1083, Bond Street (Teil 1)

(English version below.)

Mit diesem Buch hat es eine besondere Bewandtnis und ich bitte um Hilfe.

Vor etwa fünf oder sechs Jahren blätterte ich müßig im Bücherregal meiner Schwiegereltern und stieß auf ein Buch mit Lustigen Weltrekorden oder Merkwürdigen Tatsachen – nicht das Guinness Buch der Weltrekorde, aber so etwas ähnliches. Es war vielleicht vom Schneider Buch Verlag, auf jeden Fall mit Pappeinband, ziemlich bunt – wenn ich mich recht erinnere.
In der Kategorie “Bücher ” stieß ich darin auf Einträge zu Krimis, wer am meisten davon geschrieben hat und dergleichen, und auch eine Kuriosität: Ein Buch, bei dem der Leser der Täter ist. Der Titel des Buches war 1083, Bond Street und der Name des Autors war “Philip J. Hindle-Briscall”.
Der Beweis für die Wahrheit meines Berichts so weit:

Das ist die Streifenkarte, auf deren Rückseite ich damals Autor und Titel notierte, und die ich seitdem immer mit mir herumtrage. Dieses Buch wollte ich finden (ich interessiere mich ein bisschen für Erzähltheorie und Krimis) und ich war ja auch versiert im Aufstöbern von Büchern. Bei diesem Buch und diesem Autor habe ich allerdings versagt. Nichts, nirgendwo. Dabei klang die Idee so vielversprechend. Ich war ihr schon zuvor begegnet, und vermutlich habe ich sie mir auch deshalb notiert:
Auf der letzten Seite von der Nachschrift zum ‘Namen der Rose’ (italienische Fassung 1983, zitiert die deutsche Ausgabe von 1986) schreibt Umberto Eco (der sich auch ein bisschen für Erzähltheorie und Krimis interessiert):

Kürzlich soll das Pariser OuLiPo (“Ouvroir de Littérature Potentielle”) ein Pattern aller möglichen Krimikonstellationen aufgestellt haben (der Mörder ist der Butler, der Mörder ist der Erzähler, der Mörder ist der Detektiv, usw. usw.), wobei herauskam: Es bleibt noch ein Buch zu schreiben, in dem der Mörder der Leser ist.

OuLiPo ist eine Organisation von avantgardistischen, sprachverliebten Autoren, Herumspielern und Mathematikern. Raymond Queneau, François Le Lionnais, Claude Berge, Georges Perec, Italo Calvino gehörten unter anderem dazu.

Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass Philip J. Hindle-Briscall ein erfundener Autor ist, wie sie ja gelegentlich durch die Nachschlagewerke ziehen, oft als gemeinschaftlich hergestellter Schabernack.

Vor fünf Monaten schrieb ich in die Kommentare bei Lila [nach Lilas Blog-Umzug leider nicht mehr aktuell] von dieser Geschichte. Etwa gleichzeitig suchte ich bei meinen Schwiegereltern nach dem Buch, das diese Suche ursprünglich ausgelöst hatte. Es war nicht mehr da. Und meine Schwiegereltern sagten, es sei unwahrscheinlich, dass sie je so ein Buch besessen hätten. (Ganz vielleicht würde der Schwager mehr wissen.)
Es schien eine dieser Geschichten zu sein um geheimnisvolle Läden, in denen man etwas kauft, und die danach sich in Luft auflösen. Damit war die letzte Spur verschwunden. Ich war froh, dass ich noch die Streifenkarte hatte (mit DM-Aufdruck, ansonsten ohne eruierbares Datum), die ich oben eingescannt habe. Mehr war mir als Beweis nicht geblieben.

Meldet sich doch vor zwei Tagen der Sohn von Philip J. Hindle-Briscall bei mir.

Er war über Lila, der ich gar nicht genug danken kann für diese Geschichte, auf mich gestoßen. Ich habe einige E‑Mails mit ihm gewechselt und will nun unseren Wissenstand mit seiner Erlaubnis hier präsentieren.
Sein Vater hieß Percy John Hindle-Briscall, genannt Pip oder manchmal auch Philip. Er lebte von 1907–1978, änderte etwa 1928 aufgrund einer Testamentsklausel seinen Namen von Briscall in Hindle-Briscall. Sein Sohn ist der einzige weitere männliche Träger dieses Namens. P.J. Hindle-Briscall war Journalist und später in der PR, geboren in Manchester, gelebt in London. Er hat seinem Sohn zufolge einen einzigen Roman geschrieben, der kurz vor dem zweiten Weltkrieg in Paris hätte erscheinen soll, dann aber nie herauskam. Kein Krimi.

Und Adrian Hindle-Briscall und ich, wir würden zu gerne wissen, was es mit dieser Geschichte auf sich hat. Wie kommt Philip J. Hindle-Briscall in diese Sammlung von Rekorden? Ich meine: Ich spinne doch nicht, oder?
Falls also irgend jemand hier ein Lustiges Buch der Rekorde, Tausend Tolle Tatsachen oder Die Größten, Schnellsten, Weitesten zu Hause hat: Könntet ihr bitte aufstehen und nachschlagen, ob da etwas über Krimiautoren und Philip J. Hindle-Briscall steht? Den kleinen Bruder, die kleine Schwester fragen? Andere Blogger fragen? Vermutlich handelt es sich bei dem Buch um eine Übersetzung aus dem Englischen, aber das muss nicht sein.
Dieses Buch herauszufinden ist wohl die heißeste Spur zum Krimi, in dem der Leser der Mörder ist. Oder was auch immer.

(Mögliche Theorien: Ein Hoax. Eine Verwechslung. Hindle-Briscall als Rezensent und nicht als Autor.)

(Und die Bond Street in London geht nicht bis zu dieser Hausnummer. Incidentally. Wenn das ein Hoax ist: Ich war’s wirklich nicht.)

(PS: Fehlanzeigen nehme ich auch entgegen, damit ich nicht bei Ebay Bücher kaufe, in denen es sicher nicht drinsteht.)

The tale told in English

Dear reader, I’m looking for a book and an author and this is how that came to be:

Some six years ago, I was staying at my parents-in-law and idly looking through their bookshelves. In one of the books there, in a collection similar to the Guinness Book of World Records, I found a chapter on interesting facts on mystery writers – who wrote the most, or the fastest. One book was mentioned which featured something very interesting: a book in which the reader was the murderer.

I had heard of that idea before, on the last page of Umberto Eco’s 1984 Postscript to ‘The Name of the Rose’, where Eco writes about having heard that the (avantgarde French) OuLiPo society had “recently” analyzed whodunit constellations and found out that the only thing left to do was a version where the reader did it.
I like whodunits, I like mysteries, I like literary criticism and narrative theory. I found all this fairly intriguing. So I wrote down the title of the book and the name of its author, both of which I got from that book of fun facts (or whatever it was called) in my parents-in-law’s library.
As proof I offer you the tram ticket, on whose back side I jotted down this information:

Philip J. Hindle-Briscall, 1083, Bond Street.

I rather pride myself on being able to locate obscure books, but I never found out anything about book or writer. Some months ago I wrote at Lila’s blog about my problem, and at the same time went to my parents-in-law’s to look for the book that had started it all.
Guess what, the book wasn’t there anymore. Not only that, but my in-laws also don’t remember such a book and think it unlikely they ever had possessed such a book. So I resigned myself to the fact that author and book were made-up, in the way that many entries even in respectable works of reference are made up (see a previous blog entry). And the book at my in-laws must have been one of these books similar to those now-you-see-them-now-you-don’t shops (which see).

Then, I hear from P.J. Hindle-Briscall’s son.

I’ll quote him:

My father was Percy John Hindle-Briscall, usually called Pip or sometimes Philip, 1907–1978. There can have been no other people of that name, as he changed his name from Briscall to Hindle-Briscall about 1928 under the terms of a legacy and I’m the only other male to have had that surname. Hindle had been his third forename.
He had been a journalist and later in Public Relations.
I have never heard of the book you mention. He never mentioned writing any novels, except for one, an erotic story that was to have beeen published by I think the Olympia Press. This was based in Paris and this was just before the Second World War so the book never came out. He may have embellished the story, but I expect there is a basis in fact.
He was from Manchester but lived in London all his adult life. If the title referred to the famous London shopping street called Bond Street, there are not 1083 numbers in it, nor in any other London street I believe.

So Adrian Hindle-Briscall and I, we both would like to know very much what all this is about. Does such a book as 1083, Bond Street exist? Who is its author? How did P.J. Hindle-Briscall get associated with it?
Did I dream it all? Does the Book of Extraordinary Facts which started it all really exist? It must; I’m really not making any of this up.
Our most promising lead is this book. It possibly was a German translation of an English original. If you happen to read this, would you mind just popping into your library, or asking your children to go through theirs, and see if there’s an entry on Philip J. Hindle-Briscall in the Bumper Book of Records?

Your help would be most appreciated.

(Part 2 of this saga, with some new developments.)

(Teil 2, mit einigen neuen Entwicklungen.)

Nachtrag:

Blog-Leserin Db hat recherchiert und mir eine Theorie zu dem Eintrag gemailt. Demnach ist der Lexikoneintrag kein Hinweis auf ein real existierendes Buch, sondern eine codierte Totenehrung für Mr. P.J. Hindle-Briscall.

Er starb 1978; im gleichen Jahr erschien die 4. Auflage mit dem ominösen Eintrag. In der vorherigen 3. Auflage gibt es noch keinen solchen Eintrag.

Mr. Hindle-Briscall war der Besitzer von Modern Books, “London’s first licensed gay sex store”. Damit ist er kein Kriminalschriftsteller – wohl aber ein Verbreiter von krimineller Literatur, denn in den Augen der konservativen Bevölkerung ist Homosexualität noch kriminell. Mit der Schriftstellerei hat H.-B. insoweit zu tun, dass im Todesjahr sein Laden in die Hände des Verlegers des bekannten Gay-Magazines “Zipper” überging, die Buchhandlung wurde ebenfalls in “Zipper” umbenannt.

Der “Modern Books”-Laden liegt zwar [nicht] in 1083, Bond Street. Aber die reale Adresse 283, Camden High Street stimmt zumindest in zwei Ziffern überein – oder gar in drei? 10 in Binärcode gelesen gibt 2 in Dezimalcode…

“Daß der Schuldige nur der Leser selbst sein kann” heißt hier, dass man als Leser homosexueller Erotika in den 1970ern automatisch schuldig war. Erst seit 1967 ist in England (erst später: Nordirland, Schottland) Homosexualität zwischen Männern über 21 nicht mehr strafbar, jedoch nicht in öffentlichen Räumen, Hotels oder wenn etwa ein dritter im selben Haus, jedoch in einem anderen Zimmer anwesend ist.

Großschreibung beim Siezen

Beispielsatz, ohne aktuellen Anlass:

Lieber Herr Rau, Sie schreiben ja so viel in Ihr Blog. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Sie sich manchmal wiederholen?

Gut, beim Siezen wird großgeschrieben: Personal- und Possessivpronomen: “Sie, Ihnen, Ihr”. Warum nicht auch beim Reflexivpronomen “sich”?

- Nachtrag 2018: Zumindest James Joyce schreibt in A Portrait of the Artist as a Young Man in der Mitte (S. 133, meine Ausgabe), bei dieser endlos langen Buß- und Predigtsequenz, das Relativpronomen “Whose” groß, wenn es sich auf Gott bezieht. Das Possessivpronomen sowieso.

Eine Übung für die Schule

Ich er dagegen
bin phantasiebegabt; ist ein Spinner;
bin betroffen und empört; regt sich maßlos auf;
bin äußerst sensibel; ist überempfindlich;
bin total schlank; ist spindeldürr;
liebe gutes Essen; ist ein Fresssack;
habe beim Schreiben Ideen; schweift ständig ab…

(Von Bertrand Russell, bei Norbert042 gefunden. Muss ich auch mal machen.)