Heute im Anzug

Denn ich habe Bewerbungsgespräche mit den 9.-Klässlern geführt. Die Tage zuvor (also: Wochen, in der 9. Klasse) hatten wir mit Lebenslauf und Bewerbungsschreiben im Computerraum verbracht; heute mussten sie zu mir in die Personalabteilung.

Das war lustig. Ich glaube, ich sollte öfter Krawatte tragen; auch in der 10. Klasse hat das Spaß gemacht, die Schüler mit “Miss Seibold” (or whatever) anzureden und professionelles Verhalten einzufordern.

Blog-Workshop: Was mach ich nur?

In zehn Tagen oder so bin ich auf einem Symposium zum Thema Zukunft neuer Medien in der Schule und leite dort einen Workshop zu Blogs; Teilnehmer sind andere Lehrer. Ich bin schon ganz aufgeregt. Ich kenne mich zwar mit Blogs aus und mit Schülern und habe schon viel gebastelt, also habe ich wohl schon genug mitzuteilen. Aber ich bin trotzdem aufgeregt. Man bietet mir Beamer an und Rechner und Flipcharts. Hilfe, solchen Reichtum bin ich nicht gewöhnt! Tafelschwämme und Tageslichtprojektoren mit kaputten Birnen sind alles, was ich kenne.

Wie gesagt, ich bin aufgeregt. Was sag ich nur, was mach ich nur, was lass ich machen? Wenn einer von euch Ideen hat, meldet euch. Was würdet ihr denn von einem solchen Workshop gerne mit nach Hause tragen?

Zur Belohnung poste ich dann auch live vom Symposium.

Da trifft es sich gut, dass ich heute Schönes bei Gryanzen zum Thema gesehen habe.

Besuch in der Grundschule

Gestern waren zwei Kolleginnen und ich zu Besuch in einer benachbarten Grundschule, um uns eine Englischstunde dort anzusehen. Wir planen mehr solche gegenseitigen Besuche, um uns Vorurteile zu nehmen (oder sie zu begründeten Urteilen werden zu lassen) und zu wissen, worauf wir aufbauen können beziehungsweise worauf die Grundschule vorbereiten muss. Allerdings muss die Grundschule ebenso auf die anderen Schularten vorbereiten.

Der Besuch war spannend und nutzbringend. 26 Schüler, aber ein großes Klassenzimmer mit freiem Raum in der Mitte, wo Tische mit Freiarbeitsmaterial standen. Das Klassenzimmer und die Räume davor, die sich zugegeben im neuen Teil des Gebäudes befanden, waren sehr bunt und sehr sauber. Überall Farben und Bilder; die Füße in Hausschuhen; alles aufgeräumt. Ein Projektor mit fest montierter Leinwand über und hinter der Tafel – einer Metalltafel, an deren einem Flügel zumindest Bilder mit Magneten aufgehängt werden konnten. An der seitlichen Wand eine kleinere Tafel, auf der alle Hausaufgaben des Tages für die verschiedenen Fächer notiert waren. Unter den Pulten der Schüler waren Körbe für Bücher und Arbeitsmaterial. (Bei uns sind diese Fächer abgeschafft oder abmontiert worden, da sich regelmäßig zuviel Müll dort sammelte. Körbe sind natürlich noch eine viel bessere Idee als das brachiale Entfernen.) Hinten im Klassenzimmer waren Matten, Bücher, ein Computer, Malblöcke, Farben, Regale.

All das habe ich neidisch beobachtet. Man hört vielleicht an meinem Tonfall, dass wir all das nicht haben – schon mal deshalb, weil die Räume nicht den Lehrern zugeordnet sind, so dass kein Lehrer für einen Raum verantwortlich ist und kein Lehrer all sein Material in einem Raum deponieren kann. Auch sind unsere Klassen größer, unsere Schüler älter.
Aber so schön bunt und so schön sauber, das hätte ich auch gern.

Die Englisch-Stunde hat mir sehr gut gefallen. Es gibt viele Vorurteile unter Gymnasiallehrer Gymnasiallehrern, sag ich jetzt mal so, gegen die Grundschule. Vielleicht treffen manche davon auch zu. Aber diese Englisch-Stunde war so, wie ich sie mir für die Anfangsjahre Englisch an der Grundschule erhoffe. Sehr viel mündlich, neue Vokabeln, sehr viel Kommunikation. Das fällt auch nicht so schwer, schließlich sind die Kommunikationsanlässe begrenzt und den Schülern vertraut. Das Englisch der Lehrerin war sehr gut; die Unterrichtssprache war die ganze Stunde über Englisch. Die Schüler sprechen zwar nur selten in ganzen Sätzen (abgesehen von rituellen Begrüßungs- und anderen Formeln), kennen aber viele Vokabeln und haben keine Scheu zu reden. Ihre Aussprache ist gut.

Leider können wir uns am Gymnasium noch nicht darauf verlassen, dass alle Schüler mit einheitlichen Kenntnissen zu uns kommen – ein verbindlicher Lehrplan gilt erst ab der aktuellen dritten Klasse; diese Schüler kommen also erst in zwei Jahren zu uns. Dazu kommt, dass neben Englisch auch Französisch als Grundschulfremdsprache zugelassen ist; einige Grundschulen nehmen diese Möglichkeit auch wahr.

Wir laden die Grundschullehrer (Deutsch, Englisch, Mathe) auch zu uns ein; ich bin gespannt, was die dann zu unserem Unterricht sagen.

Familienstand: Liiert

Heute 9. Klasse, Arbeiten an Bewerbungsschreiben/Lebenslauf im Computerraum. Das machen wir seit ein paar Tagen; nächste Woche gibt es Bewerbungsgespräche. Ein Fachmann dafür bin ich übrigens bei weitem nicht, da sind die Wirtschaftslehrer kompetenter. (Vor allem natürlich Kollege D. mit Leistungskurs Deutsch seinerzeit.)
Ob “Familienstand: liiert” in Ordnung sei, will eine Schülerin wissen.

Vertretungsplanung

Grummelgrummel. Jetzt habe ich mich schon wieder beruhigt, aber ein paar Tage lange hat mich die Stundenvertreterei diese Woche genervt.

Ganz allgemein: Immer wieder können Lehrer ihre Stunden nicht halten. Das ist normal und nicht gänzlich zu ändern; ob und wie man das reduzieren kann, ist ein anderes Thema. Zu den Gründen gehören vor allem Erkrankung, schulische Unternehmungen und Fortbildungen. Schulische Unternehmungen können mehr oder weniger nur während der Schulzeit stattfinden – Skilager, Schullandheim, Exkursionen, Projekttage, Klassenfahrten, Schüleraustausch. Nur dann haben die Schüler Zeit; nur dann kann die Teilnahme vorgeschrieben und verpflichtend sein.

Bis zu einer bestimmten Jahrgangsstufe (die möglicherweise von Schule zu Schule verschieden ist) dürfen Schüler nicht unbeaufsichtigt in ihren Klassenzimmern bleiben, wenn der Lehrer ausfällt. Also muss ein anderer Lehrer in diese Klasse, der zu dieser Zeit keinen Unterricht hat. Im Idealfall unterrichtet dabei ein anderer Lehrer dieser Klasse (und macht seinen eigenen Fachunterricht), oder der Fachlehrer hat Aufgaben zurückgelassen, die die Schüler selbstständig (aber eben unter Aufsicht) bearbeiten. Am ungünstigsten ist es, und das ist wohl ein häufiger Fall, wenn ein Lehrer kurzfristig in diese Stunde muss und die Schüler die Zeit nutzen, um irgendwelche Hausaufgaben zu erledigen – oder Karten zu spielen.
Manchmal schiebt man auch Stunden hin und her, bis die zu vertretende Stunde eine Randstunde ist. Dann kann man die Schüler nämlich einfach früher nach Hause schicken.

Konkret und Ursache des Grummelns: Dienstags habe ich nachmittags Unterricht bis 16.30 Uhr, fange dafür aber auch erst um 11.30 Uhr an. Letzten Montag erfahre ich, dass meine Stunden verschoben werden, da eine Lehrerstunde ausfällt, so dass ich schon um 9.30 Uhr anfange. (An dem Tag war das besonders lästig, da danach noch eine Abendveranstaltung des Elternbeirats war. Zu der habe ich es dann auch nicht mehr geschafft, zumal ich am Tag darauf eine Arbeitsgruppe für den Pädagogischen Tag vorbereiten musste.) Ich hatte also nicht mehr Stunden zu unterrichten oder mehr Schüler zu beaufsichtigen, sondern musste nur zwei Zeitstunden länger in der Schule bleiben.
Am Donnerstag habe ich bereits um 10.30 Uhr keinen Unterricht mehr und kann dann endlich zu arbeiten anfangen (siehe unten). Letzten Donnerstag um neun erfahre ich, dass meine dritte Stunde auf die vierte verlegt wird, so dass ich erst um 11.15 Uhr nach Hause kann. Auch an diesem Tag war abends eine Veranstaltung an der Schule (Sprechtag der 5. Klassen) und ich hatte den Nachmittag bereits verplant. Grummelgrummel.

Was ist daran ungünstig? Der Mittelpunkt meiner beruflichen Arbeit ist zu Hause in meinem Arbeitszimmer. So ist das zumindest offiziell, deswegen können Lehrer auch tatsächlich noch ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen. Und da ist auch praktisch was dran. Das Unterrichten macht nämlich am wenigsten Arbeit und am meisten Freude – was Arbeit macht, ist das Vor- und Nachbereiten zu Hause, ach was: das Korrigieren.
Zwei Stunden mehr in der Schule sind also zwei Stunden, die direkt von meiner Arbeitszeit weggehen. Denn in der Schule gibt es aus organisatorischen, räumlichen und finanziellen Gründen keinen geeigneten Arbeitsplatz für Lehrer, obwohl man natürlich schon ein bisschen arbeiten kann.

Trotzdem und rückblickend: Die Verschieberei am letzten Dienstag und Donnerstag war zwar lästig und hat mir Arbeitszeit gestohlen, aber möglicherweise war es wirklich die beste Lösung. Die Alternative wäre gewesen, die Stunde des abwesenden Lehrers nicht zu verschieben, sondern regulär vertreten zu lassen von einem zufällig anwesenden Lehrer in dessen Lückenstunde. Der Lehrer hätte eine zusätzliche Vertretungsstunde gehabt (statt eine Freistunde), aber niemand wäre später nach Hause an den Mittelpunkt der beruflichen Arbeit gekommen – andererseits hätten die Schüler eine Vertretungsstunde gehabt, statt eine Schulstunde früher nach Hause zu kommen. (Was durch die Verschieberei möglich geworden war.)

Güterabwägung also. Was ist mehr wert: Zwei Stunden meiner Arbeitszeit zu Hause, oder eine Vertretungs- statt Freistunde für einen Kollegen + 30 Schüler kommen 45 Minuten früher nach Hause?

Grummelgrummel.

Die Zeit der Schüler.

Grummelgrummel.

Aber können die nicht ihre Vertretungsstunde an der Schule sinnvoll nutzen? Viel sinnvoller als ich meine zwei Herumhängstunden?

Nein, wohl nicht.

Grummelgrummel.

Wenn die Schüler ihre Vertretungsstunde sinnvoller nutzen könnten, sähe das anders aus.
Wenn ich meine zwei Stunden an der Schule sinnvoller nutzen könnte, sähe das anders aus.

Also müsste ein Arbeitsplatz für Lehrer an den Schulen eingerichtet werden, oder Vertretungsstunden noch sinnvoller genutzt werden.

Womit ich mir jetzt eben selber dialektisch ein Bein gestellt habe und keinen Grund mehr zum Grummeln habe. Ich finde es immer wieder spannend, wie man durch Überlegung und das Betrachten aus anderen Perspektiven tatsächlich seine Meinung ändern kann.

Was zieht man zum Tanzen mit der Kollegin an?

Was zieht man an, wenn man mit der Kollegin zum Tanzen geht (Tanzabend in der Tanzschule im Nachbarort)? Das Problem hatte ich bisher noch nie. Beide hatten wir Sorge, dem anderen auf die Füße zu treten, ging aber doch recht schön. Einige Schüler haben wir auch getroffen, das gibt dann wieder Gesprächsstoff.

Comics bei Estara

Ich habe eine Erbschaft gemacht.

So habe ich es jedenfalls meinen Nachbarn und dem Hausmeister erzählt, die mich beim Ausladen dieser Kartons aus dem Auto erwischten:

Immerhin 25 Kartons, ein ganzer Kombi voll, Rücklehne umgeklappt, aber nach oben noch gut Platz.
Tatsächlich habe ich die Kartons und ihren Inhalt nicht geerbt; die ehemalige Besitzerin Estara lebt und erfreut sich noch, aber eben nicht mehr an den Kartons.

Also lieh ich mir das Auto meiner Eltern und fuhr ganz allein Richtung Nürnberg, etwa zwei Stunden lang. Das Auto hatte ein Satelliten-Navigationssystem und es war das erste Mal, dass ich das nicht als Beifahrer erlebte, sondern mich selber danach richten konnte. Ich hatte zwar ausgedruckte Karten und Wegbeschreibungen und Atlanten dabei, aber ich bin ein eher unsicherer Navigator. GPS ist sehr praktisch und reine Science Fiction, führt aber dazu, dass ich mich ohne gar nicht mehr orientieren kann.
Bei Estara luden wir die Kartons in den Wagen und gingen dann noch ein Häppchen essen. Vielen, vielen Dank für die Kartons, Estara! So sahen sie bei mir im Zimmer aus:

Die ersten Tage hatte ich kaum Zeit, aber bald ging es ans Auspacken und Sortieren. In fünf der Kartons waren amerikanische Roman-Taschenbücher, an denen mein Interesse geringer ist, aber die restlichen Kartons enthielten amerikanische Comics. Comics, Comics und Comics.
Ein kleiner Teil stammt aus verschiedenen Independent-Verlagen, ein großer Teil ist Marvel (und zwar fast das ganze X‑Universum), und der größte Teil DC: Superman, Batman, Green Arrow, Wonder Woman, Catwoman, Robin, Nightwing, Teen Titans, Legion of Super-Heroes. Alles von etwa 1987 bis 1997, ein zugegebenermaßen unglückliches Comic-Jahrzehnt, vor allem bei Marvel. Deshalb bin ich sogar froh, dass ein Großteil der Comics von DC ist.

Hier sieht man mich, wie ich zu sortieren beginne:

Sortieren ist etwas, das mir großes Vergnügen bereitet. Inzwischen sind alle Serien sortiert und erfasst. Bald geht es daran, die Listen in den Computer zu tippen. Sammler machen so etwas. Und dann muss ich die Hefte natürlich auch noch lesen – wenn auch vermutlich nicht alle. Einige der Independents werde ich zu ebay geben, ebenso die doppelten Hefte. Dem Rest werde ich ein Heim bieten. Deshalb hat Estara mir die Comics auch geschenkt: Sie selber hatte kein Interesse mehr daran, und der Markt in Deutschland ist klein, eBay mühsam. Da ist es schöner, wenn man seine Sammlung in gute Hände geben kann.

So ähnlich geht es mir auch. Noch erfreue ich mich an meinen Büchern und Comics. In dreißig oder vierzig Jahren werde ich auf viele davon verzichten können, aber was mache ich dann damit? Geld brauche ich nicht, ich verschenke oder vererbe die Sachen gerne.

“Wer mit dem meisten Spielzeug stribt stirbt, hat gewonnen,” sei das Credo unserer Gesellschaft, meinte Neil Postman kritisch. So lange mit dem Spielzeug auch wirklich gespielt wird, kann ich dem Satz tatsächlich noch einiges abgewinnen – aber das ist ein anderes Thema.

 

PS: Wenn ihr von einer Serie, zum Beispiel Wonder Woman (1987), die Hefte 1–37, 39–106 und 108–118 hättet: Würdet ihr dann nicht auch erst einmal die Hefte 38 und 107 besorgen, völlig unabhängig davon, ob einem die Serie gefällt oder nicht? Wenn das mit ein paar Mausklicks geht und gar nicht teuer ist? Schon mal aus Ordnungssinn, meine ich. Da kann man doch nicht anders, oder?

Philip J. Hindle-Briscall, 1083, Bond Street (Teil 2)

Das Rätsel um Philip J. Hindle-Briscall – einen Schritt weiter:

Tatsachen: Die verblüffendsten Rekorde der Welt. 4. Ausgabe mit neuesten Daten.
Zusammengestellt von Susanne Bestmann, Dieter Conrads, Rainer Dzösch, Christiane Dzösch-Kümmel, Bodo Harenberg und Ludwig Hertel. Textredaktion: Susanne Bestmann.
(c) 1978 Franz Schneider Verlag, München-Wien
ISBN 3 505 01296 3

(Stichwort Kultur/Bücher und Leser, S. 173)

Man bemerkt, dass das Buch hier 1083, Bondstreet heißt und nicht, wie von mir ehedem notiert, 1083, Bond Street. Ich führe das, ehrlich gesagt, darauf zurück, dass ich damals eine andere Auflage in den Händen hatte. Ich bin bei Literaturangaben sonst nämlich peinlich genau.

Wie wir inzwischen alle wissen, scheint es weder Autor noch Buch zu geben. Ich bleibe dran an der Geschichte.

 
In English:

Some entries below I wrote about Philip J. Hindle-Briscall and the case of the mysterious books: There is news.
I did manage to get hold of the book, the less intriguing one: A collection of world records, unique items and interesting facts. On page 173 it says under the heading of “strangest mystery novel”:

Philip J. Hindle-Briscall, one of the best-known English writers of mystery fiction, is having extraordinary success with his latest work, “1083 Bondstreet” [sic]. He had the brilliant idea to show in the course of the mystery story that the guilty person can only have been the reader.

(very literally translated from German; full bibliographical data see above; also, note that the title of the book is given as 1083, Bondstreet rather than 1083, Bond Street, as jotted down on my slip of paper – I’m quite fussy about correct bibliographical information, so I suppose I had been looking at a different edition, though it is of course possible that I made a mistake back then)

As we all know by now, there appears to be no such writer or book, though there was a gentleman bearing that name. I’ll keep you informed on any new developments.

Fokussiert

Weil Hokey über mangelnde Kommunikation meinerseits klagt: Ich bin, neben anderen Schulblogs, im Focus. Ich hab’s noch nicht gelesen, war aber telephonisch davor interviewt worden. Es geht wohl weniger um dieses Blog hier als um andere Aktivitäten, die teilweise klassenintern laufen.