Besuch in der Grundschule

Gestern waren zwei Kolleginnen und ich zu Besuch in einer benachbarten Grundschule, um uns eine Englischstunde dort anzusehen. Wir planen mehr solche gegenseitigen Besuche, um uns Vorurteile zu nehmen (oder sie zu begründeten Urteilen werden zu lassen) und zu wissen, worauf wir aufbauen können beziehungsweise worauf die Grundschule vorbereiten muss. Allerdings muss die Grundschule ebenso auf die anderen Schularten vorbereiten.

Der Besuch war spannend und nutzbringend. 26 Schüler, aber ein großes Klassenzimmer mit freiem Raum in der Mitte, wo Tische mit Freiarbeitsmaterial standen. Das Klassenzimmer und die Räume davor, die sich zugegeben im neuen Teil des Gebäudes befanden, waren sehr bunt und sehr sauber. Überall Farben und Bilder; die Füße in Hausschuhen; alles aufgeräumt. Ein Projektor mit fest montierter Leinwand über und hinter der Tafel – einer Metalltafel, an deren einem Flügel zumindest Bilder mit Magneten aufgehängt werden konnten. An der seitlichen Wand eine kleinere Tafel, auf der alle Hausaufgaben des Tages für die verschiedenen Fächer notiert waren. Unter den Pulten der Schüler waren Körbe für Bücher und Arbeitsmaterial. (Bei uns sind diese Fächer abgeschafft oder abmontiert worden, da sich regelmäßig zuviel Müll dort sammelte. Körbe sind natürlich noch eine viel bessere Idee als das brachiale Entfernen.) Hinten im Klassenzimmer waren Matten, Bücher, ein Computer, Malblöcke, Farben, Regale.

All das habe ich neidisch beobachtet. Man hört vielleicht an meinem Tonfall, dass wir all das nicht haben – schon mal deshalb, weil die Räume nicht den Lehrern zugeordnet sind, so dass kein Lehrer für einen Raum verantwortlich ist und kein Lehrer all sein Material in einem Raum deponieren kann. Auch sind unsere Klassen größer, unsere Schüler älter.
Aber so schön bunt und so schön sauber, das hätte ich auch gern.

Die Englisch-Stunde hat mir sehr gut gefallen. Es gibt viele Vorurteile unter Gymnasiallehrer Gymnasiallehrern, sag ich jetzt mal so, gegen die Grundschule. Vielleicht treffen manche davon auch zu. Aber diese Englisch-Stunde war so, wie ich sie mir für die Anfangsjahre Englisch an der Grundschule erhoffe. Sehr viel mündlich, neue Vokabeln, sehr viel Kommunikation. Das fällt auch nicht so schwer, schließlich sind die Kommunikationsanlässe begrenzt und den Schülern vertraut. Das Englisch der Lehrerin war sehr gut; die Unterrichtssprache war die ganze Stunde über Englisch. Die Schüler sprechen zwar nur selten in ganzen Sätzen (abgesehen von rituellen Begrüßungs- und anderen Formeln), kennen aber viele Vokabeln und haben keine Scheu zu reden. Ihre Aussprache ist gut.

Leider können wir uns am Gymnasium noch nicht darauf verlassen, dass alle Schüler mit einheitlichen Kenntnissen zu uns kommen – ein verbindlicher Lehrplan gilt erst ab der aktuellen dritten Klasse; diese Schüler kommen also erst in zwei Jahren zu uns. Dazu kommt, dass neben Englisch auch Französisch als Grundschulfremdsprache zugelassen ist; einige Grundschulen nehmen diese Möglichkeit auch wahr.

Wir laden die Grundschullehrer (Deutsch, Englisch, Mathe) auch zu uns ein; ich bin gespannt, was die dann zu unserem Unterricht sagen.

4 Antworten auf „Besuch in der Grundschule“

  1. Es gibt Kollegen, die genau sagen können, beim welchem Grundschullehrer welches Kind unterrichtet wurde, nur anhand seines Kenntnisstandes.
    Ich war auch schon Teil einer Austauschdelegation und fast es so spannend wie Sie .…..

  2. Danke!
    Bin Pool-Kraft in der Grundschule und mache gerade die Englisch-Didaktik-Fortbildung. Schön, dass es auch Lehrer an weiterführenden Schulen gibt, die verstehen, worum es in der GS geht.
    Bin gerade auf Ihren Blog aufmerksam gemacht worden und werde mal ein wenig weiterlesen…

  3. Hallo frauj,
    soweit ich weiß, tritt jetzt das Schriftliche (in der Fremdsprache) mehr in den Vordergrund an der Grundschule. Das müsste meiner Meinung nach gar nicht sein.
    Aber einheitlich Englisch und auf vergleichbarem Niveau, das bräuchte es schon, nur dann können wir darauf aufbauen. Insofern gebe ich croco Recht; die Unterschiede sind wohl groß.
    Aber das, was ich gesehen habe, war wirklich schön.

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