Abifeier sentimental

Schnell noch schreiben, bevor der Sekt verfliegt…

Heute war Abiturfeier. Insgesamt: schön. Die Reden: nichts dazu zu sagen. Die Dauer angemessen, dreieinviertel Stunden einschließlich Pause. Das Programm: bunt – und vor allem alles selbstgemacht: Improtheater, Klavierspiel (Chopin, eine Nocturne), Chor, Lied – keine kommerziellen Videos, keine aufwändige Selbstbeweihräucherung, kein zu Tode gerittenes Motto. Motti haben ohnehin nichts bei Abiturfeiern verloren. Viele Cocktailkleider, kaum Abendkleid – liegt das an der neuen Bescheidenheit oder daran, dass die Schüler im G8 ein Jahr jünger sind?

Nach der Pause bestand der Großteil des Programms in der Überreichung der Zeugnisse, wobei wieder jeder Schüler mit seinem eigenen Musikclip einmarschierte. Das war dann doch kurzweilig – über die Kleidung gab es nicht so viel zu reden wie letztes Jahr, aber ich habe sie mir gerne angeschaut, die Abiturienten, von denen ich ein Drittel im Unterricht in diesem Jahr hatte. Und zugehört, welche Musik sie sich ausgesucht haben. Wenig Überraschungen: ein paar Filmsoundtracks, viel nicht zu schweres Havy Metal. Aber im Gespräch über Musik mit dem Kollegen schon gleich Lust darauf beommen, selber wieder mal Musik zu hören.

Nach der Zeugnisübergabe gab es einen Sektempfang. Dabei habe ich mich noch mit einigen Schülern unterhalten können und bin ganz sentimental geworden. Liegt natürlich auch am Sekt. Aber dieser Jahrgang war auch ein sehr netter Jahrgang. Der Deutschkurs hat mir Spaß gemacht, der Informatikkurs hat mir auch Spaß gemacht (und war insofern befriedigender, als Lehrplan und Schülervermögen besser zusammenpassen). Umarmt geworden. Das sind wirklich nette Menschen, unsere Schüler – wie ja auch die meisten Menschen zu den Guten gehören. Wobei, Fußnote, mein Menschenbild trotzdem dem vom Herr der Fliegen entspricht – zum Guten im Menschen muss noch die Zivilisation kommen, sonst setzt sich das nicht durch.

Auf der Rückfahrt in der S‑Bahn habe ich dann sentimentale Musik auf dem iPod gehört. Allen voran “Some Other Time” aus On the Town (eine Version hier), das sentimentalste Lied, das ich kenne. Dann noch einige Nummern von Bob Seger, angeregt durch die Schüler-Musikclips. Still the Same, Old Time Rock ’n Roll, We’ve got tonight. Wie wird Musik sentimental? Sicher auch dadurch, dass man sie in bestimmten Stituation, in einem bestimmten Alter kennengelernt hat. Ich habe im Lauf meines Lebens quasi immer wieder Lieder mit Energie aufgeladen, die ich jederzeit wieder abzapfen kann.
Weitere Nummern jedenfalls noch: “Sweet Thing” von den Waterboys, von den gleichen auch: “Has Anybody Here Seen Hank” und “And A Bang On the Ear”. Oder gleich das ursprüngliche “Sweet Thing” von Van Morrison. Oder die deutsprachige Coverversion von den Flowerpornoes. Überhaupt, Van Morrison. Und dann noch “Tunnel of Love” von den Dire Straits, aber dann ist wirklich aus. (Das ist das Lied, das Arthur und Fenchurch in “So long and thanks for all the fish” hören – für Douglas-Adams-Fans.)

2 Antworten auf „Abifeier sentimental“

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