CSI: Full circle

In seinem Essay „The simple art of murder“ preist Raymond Chandler seinen Vorgänger Dashiell Hammett:

Hammett gave murder back to the kind of people that commit it for reasons, not just to provide a corpse; and with the means at hand, not with handwrought duelling pistols, curare, and tropical fish.

Vorher hatten Verbrechen in einem Landhaus stattgefunden, mit sorgfältig konstruierten Mordmethoden und Situationen, um das Rätsel möglicht schwer zu machen – der Detektiv hatte das Mordrätsel zu lösen, und der Leser mit ihm, und das machte einen Mordsspaß.
Bei Hammett und Chandler und der amerikanischen hard-boiled school war das dann anders: Der Detektiv lernt die große und die kleine Welt kennen, einfache Verbrecher und die feine Gesellschaft, irgendwer wird erschossen, irgendwer wird verhaftet, aber Rätsel zu lösen gibt es keine.

Ich erwähne das nur, weil wir inzwischen zum Ausgangspunkt zurückgekehrt sind. Gestern im Fernsehen bei CSI starb eine Frau an Kugelfischgift nach dem Besuch eines exotischen Sushi-Restaurants (eines sehr exotischen, dort wurde auf nackten Frauenkörpern serviert): Eine der Frauen ermordete den sie immer wieder demütigenden Gast (weiblich, war mal ihr Boss gewesen), indem sie sich die Zehennägel mit Kugelfischgift lackierte. Der Gast leckte erotisch daran und starb wenig später.

Hammett! Chandler! Wo seid ihr!! Ich schreib noch mal was über euch, versprochen.

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5 Thoughts to “CSI: Full circle

  1. Das ist eine amerikanische Serie! Amerikaner erwarten das ihnen alles vorgepredigt wird die wollen garnicht selber denken. außerdem geht es wohl da erher darum das man sieht, das die Polizei alles herausfindet und man sich nicht vor ihnen verstecken kann. Und sie versuchen uns einzutrichtern dass die arbeit bei der Polizei ja soviel spaß macht und wir zur Polizei gehen sollen. Ich denke hinter solchen Serien steht die Regirung. Die versuchen uns durch die hintersten Ecken zu manipolieren.

  2. So ich Herrn Rau richtig verstand ist der Grundtenor seiner Aussage diametral zur -m.E. beipflichtend zu verstehenden- Auffassung von Laila-Liana.
    Die Rückkehr zum Ausgangspunkt stellt in meinen Augen die Rückkehr zu Chandler und Hammett dar, die J. Bruckheimer in seinem Format "CSI", sowie den Spin-Offs "CSI: Miami" und "CSI: NY", versucht in der Form Fernsehreife zu verleihen, wie Hammett es seinerzeit mit den Printmedien tat.

    Interessant ist für mich der Aufhänger, dass es sich hierbei um eine amerikanische Serie handelt. Zweifelsohne ist die Feststellung richtig, doch sollte die Betrachtung sich nicht darauf versteifen was die Wünsche der amerikanischen Zuschauer sein könnten ("Amerikaner erwarten dass…" ist wenig empirisch): Die Serien laufen in allen drei Fassungen, und seit nunmehr einigen Staffeln, in Deutschland sehr erfolgreich. Insofern die Serie wirklich etwas "vorböte" müsste die Aussage also lauten;
    "Die Deutschen erwarten, dass ihnen alles vorgepredigt wird, sie wollen garnicht selber denken."

    Ferner vertrete ich die Ansicht, dass in den v.g. Formaten ohnehin nicht vorgepredigt wird. Im Rahmen der Möglichkeiten eines Filmemachers werden dem Zuschauer durchaus die Anleitung und die Chance gegeben selbst zu "ermitteln". Jedoch darf man nicht vergessen, dass es sich hier um eine TV-Serie und kein Buch handelt, die wesentlichen Unterschiede sind also:
    -Die Sendezeit muss ausgefüllt werden, darf aber auch nicht überschritten werden. Anders als ein Buch, dass man bei einem Rätsel gerade zur Seite legen kann, kann eine TV-Produktion dem Zuschauer nicht unendlich viel Denkzeit zugestehen.
    -Wollte man den Zuschauer komplett alleine die Rätsel lösen lassen, ohne ihn über die Sendezeit zu begleiten (was m.E. den Anschein des "vorpredigens" erweckt haben mag) müsste man nach den ersten fünf Minuten die den Fall umreissen die Serie beenden, den Zuschauer denken lassen, und 50 Minuten später die Auflösung präsentieren. Hierbei ergeben sich zwei Probleme:
    a) Die Quoten sind während der überwiegenden Dauer so gering, dass kein Sender die Serie mehr ausstrahlen würde. Verkürzte man die Sendung auf 10 Minunten wäre sie wahrscheinlich zu unbedeutend um sie weiter im Programm zu behalten.
    b) Entscheidende Hinweise werden erst über die Sendung verteilt an den Zuschauer gereicht, so dass er alleine das Rätsel ohnehin nicht zu lösen im Stande ist.

    Was die Intention der Serie anbelangt so schlage ich vor sich einige Fakten anzuschauen.
    Die Produktionskosten einer Staffel CSI liegen bei 60 Mio. US-Dollar.
    Ein US-amerikanischer Polizeibeamter hat nach 10 Jahren ein Jahresgehalt von 50.000 US-Dollar und liegt damit erheblich über dem Einstiegsgehalt.
    Bei einer Produktionsrate von je einer Staffel pro CSI -und SpinOffs (NY, Miami)- entspricht das im Jahr dem Gehalt von 3.600 gut bezahlten Polizeibeamten. Ein größeres Verlustgeschäft für die amerikanische Justiz ist kaum möglich. Die Schere wird noch größer, wenn man bedenkt, dass in CSI maßgeblich für forensische Kriminologie geworben wird: Hier sind die Einstiegsgehälter noch geringer, die höhren Besoldungen schwerer zu erreichen.

    Richtig ist allerdings, dass durch die -m.E. fehlerhafte- Politik im Bundesministerium des Inneren der letzten Jahre der Polizeiberuf in Deutschland zur Zeit nicht im besten Licht steht – verdienter Weise.
    Hier einen Manipulationsversuch der deutschen Politik mittels einer amerik. TV-Serie zu sehen finde ich persl. jedoch etwas zu weit hergeholt. Da böten sich deutsche Produktionen wie "Der Bulle von Tölz", "Balko", "Die Wache", "Abschnitt 40" oder "Der Elephant – Mord verjährt nicht" eher an. Selbst "Kommissar Rex" (AUT) oder "Die Gerichtsmedizinerin" (vom Format her CSI am ähnlichsten, leider bereits wieder abgesetzt da das optisch weniger oppulente Auftreten, dass durch zu anspruchsvollen Wortwitz kaschiert wurde, wohl den Geschmack "der Deutschen" nicht traf) wären für eine solch obskure Behauptung besser geeignet gewesen, lesen sich im Post meiner Vorgängerin jedoch interessanter Weise nicht.

    Abschließend ist wohl festzuhalten, dass eine -nach meinem Dafürhalten i.Ü. absolut notwendige- Beschäftigung mit den Medien dieser Tage nicht allzu schnell und lieblos vorgenommen werden sollte; das persönliche Ergebnis -so es öffentlich gemacht werden soll- nicht mit der heissen Nadel gestrickt werden darf.

    -K. Kamm

  3. Vielen Dank, K. Kamm, für den sehr ausführlichen und interessanten Beitrag. Ich stimme ihm größtenteils zu. Allerdings mag ich CSI trotzdem nicht, und ich sehe die Rückkehr eben nicht zu Hammett, sondern zu den Auswüchsen der Agatha-Christie-Schule: Die Fälle werden abstrus und konstruiert. Kugelfischgift an den Zehennägeln? Das sind die tropischen Fische, von denen Hammett die Kriminalliteratur befreite. (Allerdings: An sich mag ich den klassischen Detektivroman manchmal auch.)

    Ich kenne die deutschen Serien vom Durchzappen und schaue nur Tatort regelmäßig – und die Gerichtsmedizinerin, als es die noch gab. Eine schöne Folge davon arbeitete umgekehrt: Die immer konstruierter werdende Erklärung hatte am Schluss eine ganz einfache, aber im nachhinein gar nicht überraschende Erklärung. (Der Busfahrer und die Biene.)

  4. @ K. Kamm: Haben sie mit Absicht so viele Fremdwörter benutzt damit ich das nicht verstehe?

    Die Serie wurde von Amerikanern für Amerikaner entwickelt. Die Europäer (mein Gott schaut des komisch aus ist da was falsch dran?) folgen den Trends der Amerikaner, siehe MC Donalds. Zum Glück nicht in allen Bereichen.

    Das ist wirklich das Problem der Sendezeit, dass einem etwas vorgepredigt werden muss man hat keine Zeit selber zu denken einem wird die Lösung gesagt bevor man Zeit hatte selber zu lösen. Man könnte das aber lösen indem man in einer Sendung die Lösung des Falles der vorgehenden Sendung zeigt und einen Neuen Fall anspielt dessen Lösung es dann in der nächsten Sendung gibt. Man müsste dann halt noch genügend Hinweise in weniger Zeit Quetschen aber das bekommt man auch hin.

    Es kommt nicht drauf an was wirklich ist. Welcher Job wird wohl eher genommen: Der bei dem man gut verdient oder der bei dem einem von Kindheit an eingehämmert wird, dass er Spaß macht, man auf der Seite der „Guten“ steht und eine gute Arbeitsatmosphäre herrscht.

    Amerikanische Serien sollen Amerikaner manipulieren und deutsche Deutsche manipulieren. Somit wird auch mit amerikanischen Serien manipuliert.

    Außerdem war meine Aussage halb im Spaß gemeint.

  5. „Europäer“ ist schon richtig so, trotz der vielen Vokalzeichen.
    Ich glaube, mit Mitdenken haben Fernsehkrimis gar nichts zu tun, weder deutsche noch amerikanische, weder Polizei- noch Detektivgeschichten. (Anders ist es beim klassischen Detektivroman, bei dem man aber auch nur ähnlich wie beim Kreuzwort- oder Logikrätsel eine sehr eingeschränkt auf andere Belange übertragbare Art von Denken übt.)
    Mehr zum Mitdenken fordern Fernsehmehrteiler auf, Vierteiler etwa, mit einer Woche Zeit zwischen jeder Episode. Ein Format, das ich sehr schätze, das es aber kaum mehr gibt.

    — Welchen Beruf man wählt, und welchen man wählen sollte, das hängt von sehr vielen Faktoren ab. So oder so (aber das steht gar nicht zur Debatte, denke ich) habe ich den größten Respekt vor dem Berufsstand Polizist.

    Soviel Fremdwörter waren das gar nicht, finde ich; es waren vor allem Fakten und Zu-Ende-Denken von angerissenen Gedanken. So geht das nun mal.

    Serien sollen nicht manipulieren, Serien sollen verkauft werden und gesehen werden und Werbekunden bringen. Was nicht ankommt wird, wird nicht produziert. Allerdings heißt das nicht, dass alles, was nicht produziert wird, auch nicht ankommen würde.

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