William Powell und Myrna Loy

Bei waiterrant hat vor einiger Zeit ein Gast einen Sidecar bestellt und danach ein anderer Gast einen Old Fashioned. „What’s up with the old timer drinks tonight? Next thing you know William Powell and Myrna Loy are gonna sashay through the front door.“

Ah, fond memories! Vielleicht gehöre ich zur vorletzten Generation, denen das noch etwas sagt.

William Powell und Myrna Loy spielten Nick & Nora Charles, Detektivehepaar in einer Reihe von Filmen, angefangen mit The Thin Man (1934). Nick Charles ist ein Privatdetektiv, der seinen Beruf aufgibt, als er die reiche (und zauberhafte) Nora heiratet.
Nur dass er das Detektivspielen doch nicht ganz sein lassen kann; Nora drückt ein Auge zu, da sie selber auch sehr gerne mitmacht. Unterstützt werden sie von Asta, ihrem Terrier.
Die Fälle selbst sind witzig und unterhaltsam, aber vor allem haben mich die beiden Hauptpersonen geprägt, wie ich rückblickend feststellen muss. Das waren Vorbilder für mich.

Von ihnen weiß ich, dass es gleichberechtigte Partnerschaften geben kann. Dass man als Held ruhig etwas dümmlich ausschauen kann: William Powell trägt einen dünnen Oberlippenbart, der aber so gar nicht nach Clark Gable aussieht.
Dass es sehr wichtig ist, in jeder Situation einen Kalauer parat zu haben. Dass man immer ruhig und vielleicht etwas süffisant bleibt. Dass es immer einen Anlass für einen Martini Cocktail gibt. He, ich habe nie gesagt, dass es gute Vorbilder waren… Dass es Cocktails gibt, was es für Cocktails gibt, wie man sie trinkt. Dass man schick angezogen in einen Nachtclub geht, dort vor dem Steak einen Cocktail zu sich nimmt, und der floor show zusieht.

Die Generation meiner Eltern hatte wohl in den 60er und den frühen 70er Jahren mal mit Cocktails experimentiert. Jedenfalls standen Shaker zu Hause herum, Flaschen mit Zutaten, arg eingestaubt und verklebt. Aber immerhin gab es uns bei uns noch am Rande die Tradition der Cocktails: Bei den USA-Besuchen gab es einen Shirley Temple für die Minderjährigen, und Daiquiris für den Rest. Im Sommer Piña Coladas.
Ansonsten waren Cocktails in Deutschland nicht weit verbreitet. Erst in den ganz frühen 90er Jahren, wenn ich mich recht erinnere, begannen Cocktails zum Standard in jeder Kneipe wurden. Was ich da schon oft, auch heute noch, Grässliches vorgesetzt bekommen habe… lauter Sachen mit lustigen Namen, aber einen Martini kannten viele nicht. Wenigstens die Daiquiri- und Margarita-Klassiker kannte man. Aber Sidecar und Old Fashioned gibt es immer noch nicht überall.

Wie schön dagegen, dass ich einst beim Bestellen eines Gimlet gefragt wurde, wie ich ihn denn gerne hätte: Mit Wodka oder in der Raymond-Chandler-Version. Womit wir fast wieder beim Ausgangspunkt wären.

Die Romanvorlage zu The Thin Man stammt von Dashiell Hammett, der auch The Maltese Falcon und Red Harvest geschrieben hat. Über Hammett könnte man noch viel mehr schreiben.
Parodiert wurden Nick und Nora Charles (neben Sam Spade, Charlie Chan, Mrs Marple und Hercule Poirot) übrigens im Film „Murder By Death“, deutsch: „Eine Leiche zum Dessert“. Dort spielen David Niven und Maggie Smith das Ehepaar Dick & Dora Charleston.
Und bei meiner 11. Klasse musste ich zwar kritisieren, dass beim Foto zur Selbstdarstellung zweier Schüler doch wieder Alkohol im Spiel war, musste aber selbstverständlich die entschuldigend-erklärende Verteidigung der Schüler, es handle sich immerhin um einen Martini Cocktail, akzeptieren. Auch wenn sie ihn falsch gehalten haben, nämlich wie einen Cognacschwenker. Aber ohne Nick und Nora Charles ist es halt schwer.

Ich geh mir jetzt einen Cocktail machen, und dann stell ich mich vor den Spiegel und übe geistreiche Kommentare.

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One thought to “William Powell und Myrna Loy”

  1. Wenn man Nick & Nora Charles vergisst, dann wird man auch Screwball Comedies und die Frank Capra- Filme vergessen… also glaube ich wir müssen uns keine Sorge machen.

    Zumindest nicht um „It’s a wonderful life“, eher schon um „It happened one night“.

    *seufz* Spencer Tracy, Catherine Hepburn und alle Cary Grant comedies zeigen einem beeindruckbaren Mädchen ein völlig falsches Bild von souverändem Small-Talk und echter Gleichberechtigung (wobei Audrey in Charade – oder Grace in To Catch a Thief nicht als souverände Partnerin gewertet werden kann, aber Katherine in Bringing up Baby).

    Auch noch DVDs, die ich mir zulegen sollte, bevor sie out-of-print gehen.

    Charade, Arsenic and Old Lace, High Society, An American in Paris und Singing in the Rain habe ich ja schon ^^.

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