Wofür man Fremdsprachen lernt II

Um mit anderen Menschen wunderbare Zeit verbringen zu können.
Und das kam so:

Gestern abend feierte eine Kollegin Geburtstag und ich war eingeladen, in einer Tapas-Bar, mit Häppchen und Getränken. Um mich herum Kollegen und deren Partner. Und zwei italienische Lehrerinnen, die gerade mit ihren Schülern an unserem Austauschprogramm teilnehmen. Ich setze mich also brav neben die eine davon, weil da noch Platz ist. Und weil ich ein guter Gastgeber sein will, fange ich Konversation an.
Eigentlich bin ich eher still und zurückhaltend, wenn Erwachsene um mich herum sind. Sehr schweigsam, außer Kollege D. will in der S‑Bahn etwas über Comics wissen. (Oder wenn Kollege D. in der S‑Bahn gar nichts über Comics wissen will, aber trotzdem neben mir sitzt.)
Aber wenn ich mich nicht vor Gastgeberpflichten drücken kann, mache ich Smalltalk. Gerne auch mit der hübschen Italienerin neben mir.

Und als wir dann wieder aufschauen, sind drei Stunden vergangen, sie muss gehen, und ich spreche – mehr oder weniger zum ersten Mal – ein paar Worte mit den befreundeten Kollegen. Die grinsen alle und meinen, ich glühte immer noch.

Es war aber auch ein wirklich schöner Abend. Wir haben uns hauptsächlich auf Englisch unterhalten, und nicht ganz so oft auf Deutsch. Zwischendurch spanische und lateinische Brocken, und zum Ausgleich eine Zeitlang auf Französisch, ihrer besten Fremdsprache und meiner schlechtesten. (Das Sprechen in einer Fremdsprache zieht automatisch 20 Punkte vom IQ ab, und man sagt vielleicht eher das, was man richtig sagen kann, als das, was man sagen will. Oder um mit Friedrich Torberg den in die USA emigrierten Franz Molnár zu zitieren: “Es ist sehr traurig, ich habe oft mitten im Satz meine Weltanschauung ändern müssern.”) Ganz bezaubernd, ich erzähle lediglich aus Diskretion nicht mehr.

Ist das Flirten, wenn man aus gegebenem Anlass ein paar Zeilen aus Madama Butterfly singt? Oder wenn man Aschenbecher, Gläser und Tapas-Schälchen auf dem Tisch arrangiert, um eine Geschichte zu illustrieren – eine Vorgehensweise, die ich mir aus amerikanischen Filmen der späten 40er und 50er Jahre abgechaut habe. Rock Hudson oder Red Skelton und so. (Die Geschichte war übrigens die, warum ich Platons Phaidros so lustig finde. Ähem. Das hatte sich ganz natürlich im Gespräch so ergeben. Ehrlich.)

Ich habe den ganzen Tag heute ein breites Grinsen nicht aus dem Gesicht gekriegt. Oder doch eher ein friedsames Lächeln?

Ja, und da die Kollegen meinten, darüber wollten sie gerne im Blog lesen, schreibe ich das jetzt.

2 Antworten auf „Wofür man Fremdsprachen lernt II

  1. “Das Sprechen in einer Fremdsprache zieht automatisch 20 Punkte vom IQ ab, und man sagt vielleicht eher das, was man richtig sagen kann, als das, was man sagen will. Oder um mit Friedrich Torberg den in die USA emigrierten Franz Molnár zu zitieren: “Es ist sehr traurig, ich habe oft mitten im Satz meine Weltanschauung ändern müssern.””

    Zwanzig IQ-Punkte? Sooo schlimm kommt es mir zumindest nicht vor, wenn ich Englisch spreche, und ich habe das Fach nicht mal studiert… (Auf Französisch fehlt mir dafür dann mindestens die Hälfte meines IQ – wenn nicht mehr. ;-)

    Aber das Zitat, das finde ich klasse! :-D

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