Die nächste Vorgangsbeschreibung: der Schreibtischdrache

Bei Serendipita gefunden: eine wunderschöne optische Illusion in Form eines Papierdrachens zum Ausschneiden und Zusammenkleben. Den Bastelbogen zum Drachen und weitere Erklärungen gibt es hier. Bei mir funktioniert die Illusion am besten (dann aber sehr, sehr gut), wenn ich ein Auge zukneife und etwa einen Meter vom Drachen entfernt bin. Wenn es dann erst einmal klick gemacht hat im Gehirn, dann kann ich auch bis auf zehn Zentimeter und näher heran, und werde dann wirklich verblüfft.

Glücklicherweise funktioniert die Illusion auch auf Film:

Das könnte meine nächste Vorgangsbeschreibung werden: in Blogbeitrag oder Brief an einen Freund erklären, wie man den Bastelbogen herunterlädt, wie man ausschneiden und kleben muss und wie man schließlich die Illusion am besten erzeugt.

Proud Mary: Boinin’ and toinin’

Big wheel keep on turnin’,
Proud Mary keep on burnin’.
Rollin’, rollin’, rollin’ on the river.

Wer seinen sprachinteressierten Englischschülern mal etwas Recherchearbeit geben möchte, kann ja mal versuchen, sie auf diese Frage eine Antwort finden zu lassen:

Warum singt John Fogerty in “Proud Mary” eigentlich immer toining statt turning und boining statt burning?

Ein Freund und ich haben versucht, der Frage nachzugehen, sind aber zu keiner schlüssigen Erklärung gekommen. Klar ist wohl: John Fogerty macht einen Akzent nach, Louisiana würde Sinn machen. So richtig kenne ich dieses vokalisierte r aber nur aus alten Gangstergeschichten, oder eher noch aus alten Parodien darauf. Red Harvest von Dashiell Hammett beginnt so:

I first heard Personville called Poisonville by a red-haired mucker named Hickey Dewey in the Big Ship in Butte. He also called his shirt a shoit.

(Später stellt sich heraus, dass auch andere Leute diese Stadt so nennen.)

Gangster aus Damon-Runyon-Geschichten sagen “boid” statt “bird”, ebenso die komischen Gangster aus dem Musical Kiss Me Kate. Es ist ein im Verschwinden begriffenes Merkmal des New Yorker Akzents.

Bugs Bunny spricht zum Beispiel eine Mischung aus den Akzenten von Brooklyn und Bronx, ein running gag ist wohl der Spruch “left toin at Albukoikee” (oder wie man das schreiben würde):

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Wikipedia sagt zum New York dialect:

As a result of social and commercial contact between the two cities, and the influx of immigrants from the same countries, the traditional dialect of New Orleans, Louisiana, known locally as Yat, bears distinctive similarities with the New York dialect, including palatalization of the /ɜr/ vowel

- das ist doch schon mal eine Spur. Allerdings habe ich bei Yat dialect nichts dazu gefunden, auch wenn die Seite auch so lesenswert ist.

Hörenswert ist auch die Version, die Leonard Nimoy neben überraschend vielen anderen Liedern gesungen hat. (Sie ist ziemlich schlecht.) Einmal singt Nimoy auch toinin’ und boinin’, an den anderen Stellen nicht.

Bekannter ist Nimoy mit der “Ballad of Bilbo Baggins”:

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ILTB: 5. Informatiklehrertag Bayern

Sitze gerade in der Mittagspause am Informatiklehrertag und nutze das Haus-WLAN der Uni Passau. Meine Passwörter für Twitter und Facebook und so weiß ich nicht auswendig, deswegen hier im Blog eine kurze Nachricht.

Ich habe das Stein-Schere-Papier-Projekt vorgestellt, lief gut; Material ist auf den Uni-Server hochgeladen, damit sich jeder Teilnehmer bedienen kann. Als Referent habe ich einen USB-Stick mit Logo der Uni Passau gekriegt, das ist praktisch, denn ich verlege meinen einen Stick immer. (Deshalb sind auch prinzipiell keine sensiblen Daten darauf.) Am Mittwoch will ich schauen, ob Dropbox Portable durch die Schul-Firewall kommt. Morgen nicht, da ist Wandertag.

Die Organisation ist vorzüglich, fühle mich gut betreut, auch wenn ich nur ein kleienr Fisch bin. Aber zum ersten Mal habe ich das Gefühl, wirklich etwas beizutragen – früher war ich ja der Lehrer-Blog-Experte, und da hatte ich oft das Gefühl, nichts wirklich Wichtiges zu sagen zu haben.

Nach meiner Präsentation war ich in zwei Workshops zur 10. Klasse: Erfahrungsaustausch. Viele haben die gleichen Probleme: der Lehrplan überfordert Schüler vom Inhalt und von der Zeit. Also muss man die Sache ganz anders anpacken oder – irgendwann mal auch offiziell – Inhalte streichen. Noch basteln alle an alternativen Ansätzen.
Später gehe ich noch in “Dynamische Datenstrukturen” für die 11. Klasse, dazwischen gibt es den Hauptvortrag “Digitale Dummheiten: Soziale Netzwerke zwischen Mainstream und Maßlosigkeit”.

(Damit der Steuerzahler auch weiß, warum bei mir heute einige Stunden Unterricht ausfallen. Im Namen der Informatiklehrer: vielen Dank, und es es lohnt sich.)

Verursacherprinzip und Solidaritätsprinzip

Wir haben ein schönes neues Schulgebäude und Teppich. Deshalb sollen alle auf die Sauberkeit der Schule achten. Das klappt auch gut; die Schule sieht immer noch schön aus. Allerdings: so ganz zufrieden sind manche Schüler nicht, denn diese Sauberkeit erfordert Einschränkungen. (Keine Wasserspiele in der Aula, auch nicht für die Hochschulreifen.)

Kein Murren gibt es allerdings beim Pausendienst. Der sieht so aus: Jede Woche räumt eine Klasse den offensichtlichsten Müll in der Aula und umliegenden Bereichen auf. Jede Klasse ist also einmal im Jahr dran, an fünf aufeinander folgenden Tagen. Pro Tag werden 6–8 Schüler eingeteilt, die gleich nach der zweiten Pause mit dem Lehrer dieser Stunde ein paar Minuten aufräumen. Dazu gibt es große Zangen, mit denen man Müll vom Boden aufheben kann.

Und ja, die Schulstunde wird dadurch ein paar Minuten kürzer.

Ich habe das jetzt schon mit zwei Klassen gemacht, es gab nie Probleme. Hoffentlich, weil die Schüler das ebenso einsehen wie die meisten Lehrer. Ich erkläre dazu immer Verursacherprinzip und Solidaritätsprinzip, und das manchmal das eine, manchmal das andere sinnvoller ist. Für eine gemeinsame Kranken- und Arbeitslosenversicherung sind die Schüler ja auch.
Andererseits machen diese Zangen vielleicht auch nur Spaß.

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Für die Bilder danke ich Kollege S. – ich hatte selber Unterricht und konnte nicht fotographieren. Am Tag zuvor hatte ich Zeit, aber, äh, da gab’s nichts zu knipsen. Gerade am Anfang des Schuljahrs hat sich das mit dem Aufräumen wohl noch nicht zu jedem Lehrer herumgesprochen, und dann sind eben noch nicht alle Klassen informiert.