Der englische Schulroman (neue Abenteuer im Papierweb)

Ende der Sommerferien brachte ich mir aus England ein Buch mit, das mir zufällig untergekommen war: Stalky & Co von Rudyard Kipling. Ich hatte schon mal davon gehört, außerdem lese ich Kipling gerne (so gerne, dass ich einen Eintrag über ihn schreiben muss), und es war eine schöne Ausgabe. In neun Episoden werden darin die Abenteuer eines Triumvirats von Schuljungen an einer public school erzählt: Stalky, M’Turk und Beetle.

kipling_stalky Toll erzählt, wie fast immer bei Kipling. Er verzichtet auch weitgehend auf die Wiedergabe von Dialekt, die manche seiner Geschichten – und vor allem manche Gedichte – für mich unlesbar macht.

“In Ambush”

Die drei Helden werden vorgestellt. Selbstbewusste, selbstständige Außenseiter; machen nicht bei den semi-freiwilligen Football-Spielen mit, nicht mal als Zuschauer. Sie stehlen sich lieber heimlich davon, um zu rauchen und, äh, zu lesen. Ihr geheimes Lager befindet sich zur Zeit auf dem Grundstück eines streitbaren benachbarten Gutsbesitzers, der eigentlich gar nicht gut auf Fremde zu sprechen ist, die sich auf seinem Gelände herumtreiben. Die drei haben ihn sich mit folgender Szene zum Freund gemacht, die ich dreimal lesen musste, bevor ich sie verstanden habe. Der Hintergrund: die drei werden fast vom Aufseher erwischt, als er Schüsse aus seinem Gewehr abgibt. Statt sich davon zu machen, stürmt der junge M’Turk, selbst zukünftiger Landbesitzer, empört zum Gutsbesitzer:

He choked with emotion. M’Turk’s heel tapped the lawn and he stuttered a little–two sure signs that he was losing his temper. But why should he, the offender [i.e. the trespasser], be angry?
“Lo-look here, sir. Do–do you shoot foxes? Because, if you don’t, your keeper does. We’ve seen him! I do-don’t care what you call us–but it’s an awful thing. It’s the ruin of good feelin’ among neighbors. A ma-man ought to say once and for all how he stands about preservin’. It’s worse than murder, because there’s no legal remedy.”
M’Turk was quoting confusedly from his father, while the old gentleman made noises in his throat.
“Do you know who I am?” he gurgled at last; Stalky and Beetle quaking.
“No, sorr, nor do I care if ye belonged to the Castle itself. Answer me now, as one gentleman to another. Do ye shoot foxes or do ye not?”

Von einem Gentleman zum anderen, auf Augenhöhe sozusagen: es gibt nichts Schändlicheres, als nach Füchsen zu schießen. Fie! Der Aufseher wird natürlich sofort entlassen, der Gutsbesitzer entschuldigt sich vielmals.
Da rieb ich mir das erste Mal verdutzt die Augen und ich wusste, dass ich mich in einer fremden Welt befand.

“An Unsavoury Interlude”

Auch diese Schule ist in houses unterteilt. Das Haus von Stalky & Co wird beleidigt, sie rächen sich. Schön ist der Einblick in die Welt der Lehrer und der Dienstboten, die alle in den kleinen Krieg hineingezogen werden und keinesfalls unparteiisch bleiben.

Zum Personal: Es gibt die masters (Macrea, Hartopp, King, Prout); jeder hat ein house unter sich, ihr gemeinsames Reich ist der common room. Über allem steht der head.
Forms sind die verschiedenen Klassen, einzügig natürlich; die ältesten sind in der sixth form. (Teilweise wird noch nach upper und lower unterschieden, etwa in: upper third.) Prefects sind ältere, Aufsicht führende Schüler; eine Vertrauensposition, die Stalky & Co verwehrt bleibt. Fags sind junge Schüler, die Dienstbotenaufgaben für ältere Schüler verrichten (oder verrichten müssen) und dafür gewisse Privilegien genießen.
Die Schüler leben ziemlich selbstständig in ihren Räumen. “Number 12 form room” ist das Aufenthaltszimmer einer Klasse; verdiente Schüler ergattern einen der kleineren Räume für sich, etwa “number five study”, in der Stalky & Co untergebracht sind.
Prügelstrafe ist akzeptiert und an der Tagesordnung.

“The Impressionists”

Ein Lehrer behauptet, Stalky & Co seien ein schlechter Einfluss für die Schule. Daraufhin erwecken sie gezielt den Eindruck, ihr Haus sei moralisch völlig verkommen – Glücksspiel, Wucher, dunkle Andeutungen wesentlich schlimmerer Dinge. Mitschüler laufen bleich und verstört herum – dabei haben sie nur harmlose Gruselgeschichten erzählt:

“You remember Mrs. Oliphant’s ‘Beleaguered City’ that you lent me last term?” said Beetle.
The Padre nodded.
“I got the notion out of that. Only, instead of a city, I made it the Coll. in a fog—besieged by ghosts of dead boys, who hauled chaps out of their beds in the dormitory.

Gut, musste ich mir also gleich das Buch besorgen. Und außerdem weiß ich jetzt, wo Neil Gaiman – ein großer Kipling-Freund – seine Untoten-Schule in Sandman #24 her hat, die zur Spin-off-Serie der Dead Boy Detectives geführt hat.

“The Moral Reformers”

Unangenehme Vorgänge unter den Jungen. Und wieder: dunkle Andeutungen:

“Good heavens!” said the Reverend John absently. It was some years before Beetle perceived that this was rather a tribute to [Beetle’s] innocence than observation. The long, light, blindless dormitories, devoid of inner doors, were crossed at all hours of the night by masters visiting one another; for bachelors sit up later than married folk. Beetle had never dreamed that there might be a purpose in this steady policing.

Aber erst einmal nichts Sexuelles, sondern nur ein schwerer Fall von bullying. Der Hauspfarrer bittet die Jungs, doch mal die Augen aufzuhalten und sich darum zu kümmern. Und das machen sie, indem sie die drei Übeltäter in eine Falle locken, indem sie einen von sich zum Opfer anbieten (“The bleatin’ of the kid excites the tiger”). Sobald die drei in ihrer Gewalt sind, werden sie strikt nach Katechismus ein bisschen zurückgefoltert:

“Did you give Clewer Head-knuckles?” […]
“We did, confound you!”
“Then you’ll be knuckled;” and knuckled they were, according to ancient experience. Head-knuckling is no trifle; “Molly” Fairburn of the old days could not have done better.
“Did you give Clewer Brush-drill?” This time the question was answered sooner, and Brush-drill was dealt out for the space of five minutes by Stalky’s watch. They could not even writhe in their bonds. No brush is employed in Brush-drill.
“Did you give Clewer the Key?” […]
The torture of the Key – which has no key at all – hurts excessively. They endured several minutes of it, and their language necessitated the gag.
“Did you give Clewer Corkscrews?”
“Yes. Oh, curse your silly souls! Let us alone, you cads.”
They were corkscrewed, and the torture of the Corkscrew—this has nothing to do with corkscrews—is keener than the torture of the Key.
[…]
“He says no. Rock him to sleep. Campbell can watch.”
It needs three boys and two boxing-gloves to rock a boy to sleep. Again the operation has nothing to do with its name. Sefton was “rocked” till his eyes set in his head and he gasped and crowed for breath, sick and dizzy.

“The Flag of Their Country”

Stalky, Beetle und M’Turk werden im Lauf der Geschichten älter. Sie rauchen Zigarren, bis sie kotzen müssen. (Und konjugieren dabei: Je cat, tu cat, il cat. Nous cattons! Cat = schoolboy slang für “kotzen”.) Sie flirten mit der Bedienung und deren Mutter. In den letzten Geschichten findet die Welt außerhalb der Schule mehr und mehr ihren Weg zu den Schülern. Ehemalige kommen zu Besuch, die vom Empire erzählen, vom Krieg, von den ersten gefallenen Ehemaligen. Der Erzähler lässt gelegentlich Bemerkungen fallen über die Zukunft der Jungen: “… said Hogan, not foreseeing that three years later he should die in the Burmese sunlight outside Minhla Fort.”

“The Flag of Their Country” ist eine der witzigsten Geschichten im Buch. Ich musste – allerdings nicht zum ersten Mal im Buch – mehrfach laut lachen. Ich weiß nicht, ob ich das hier erklären kann.
Die Handlung beginnt mit Extrasportstunden als Strafarbeit, und während dieser Stunden müssen die Schüler (von denen ein Großteil später zum Militär gehen wird) Formalausbildung machen, also: Marschieren üben, Rechtsum, solche Sachen. Das sieht ein Gast, hält das Herumalbern für Ernst und sorgt dafür, dass ein Kadettenkorps an der Schule eingerichtet wird. Das ist freiwilliger Extraunterricht, mit dem sich Schüler auf die Militärakademie vorbereiten können; später sind auch Uniformen angekündigt, geübt wird mit echten, aber unbrauchbar gemachten Gewehren.
Den Jungs macht das Spaß, auch wenn sie keinen anderen aus der Schule zuschauen lassen, auch keine Lehrer, und sich weigern, öffentlich aufzutreten. Sie üben zum Beispiel auch dadurch, dass sie – immer abwechselnd – sich vor die stillgestandene Mannschaft stellen und diese im besten Kasernentonfall anschreien und beleidigen. Wer zuckt oder rot wird, muss nach vorne und löst den bisherigen Anschreier ab.

Das Vergnügen daran wird ihnen dadurch genommen, dass ein wohlmeinender M.P. stolz an der Schule vorbeischaut und einen patriotischen Vortrag hält, der gegen die Kate Fox’schen Prinzipien moderation und modesty verstößt. Damit ist das Kadettenkorps an der Schule Geschichte.


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Natürlich musste ich danach den Essay Boys’ Weeklies von George Orwell lesen. Darin berichtet er von der Fülle an Zeitschriften für Jungs, die es zu seiner Zeit gab, von vielen neuen, aber auch zwei der älteren Vorbildgeneration. Allen gemein ist, dass ein idealisiertes Bild der public school gezeichnet wird. Ein Bild, das sich obendrein seit vor dem ersten Weltkrieg nicht verändert hat. Orwell sieht Stalky klar als Vorläufer dieser Geschichten, auch wenn Kipling sicher meisterlicher und auf ganz andere Art blauäugig schreibt.
Nach Orwells Einschätzung lesen die meisten englischen Jungs diese Magazine, aber wer dann mit zwölf tatsächlich auf eine renommierte public school geht, hört dann auf damit; wer auf eine weniger renommierte Privatschule geht, liest sie ein paar Jahre weiter. Und ja, auch die working class mag diese Geschichten und träumt von den public schools. Lesenswert ist der Essay, wenn es um die Leserschaft solcher Magazine geht, und weil darin viel über das Wesen von Serien überhaupt gesagt wird.

The Magnet hieß das bekannteste dieser Magazine, und ihr bekanntester Held war Billy Bunter, “one of the best-known figures in English fiction”. Die Geschichten sind “the clean-fun, knock-about type of story”. “Sex is completely taboo, especially in the form in which it actually arises at public schools”. (Vergleiche Stephen Fry, The Liar.)

Also musste ich Billy Bunter lesen.


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Billy Bunter war zuerst eine Nebenfigur in den Magnet-Geschichten um die Schule Greyfriars. Die Hauptpersonen waren die Famous Five (nicht zu verwechseln mit den Famous Five von Enid Blyton): Harry Wharton, Bob Cherry, Frank Nugent, Johnny Bull und Hurree Jamset Ram Singh, Sohn eines indischen Nabob mit idosynkratischem Englisch. Alles aufrechte, wackere Internatsschüler. Aber Billy Bunter wurde schnell populärer als diese Helden: er ist dick, faul, geschwätzig, gefräßig, eigennützig, ein chronischer Schnorrer, dessen angekündigter Brief mit Geld nie ankommt und der seine Schulden nie zurückzahlt. Ein echter Antiheld. Seine Abenteuer erschienen von 1908 bis 1940 in The Magnet und danach in Romanform. 1967 erschienen die letzten Romane des ursprünglichen Autors.

(Aber auch danach blieb Bunter aktiv. Er spielt in Alan Moores The League of Extraordinary Gentlemen: The Black Dossier mit. In But for Bunter (1985) von David Hughes taucht Bunter als rüstiger Neunundachtzigjähriger auf. Von Val Andrews gibt es Sherlock Holmes and the Greyfriars School Mystery. Und Bunter Sahib (1985) von Daniel Green erzählt die Abenteuer seines Ururgroßvaters im Indien des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist da die Parallele zu Flashman, dem berühmtesten Antihelden und Abenteurer des 19. Jahrhunderts, ebenfalls einem Public-School-Roman entsprungen. – Jedenfalls musste ich mir die drei genannten Bücher gleich besorgen, aber davon wird ein anderes Mal die Rede sein.)

Billy Bunter’s Rebellion ist eher harmlos. Bunter weigert sich, zu arbeiten, wird bestraft, verweigert die Bestrafung, härtere Strafen werden angekündigt, aber Bunter entgeht immer wieder der Durchsetzung, und der Konflikt zwischen Autorität des Lehrers und Trotz des Schülers schaukelt sich immer weiter hoch, bis Grenzen überschritten werden – aber eine befriedigende Auflösung fehlt. Irgendwann heißt es dann, dass Bunter wieder im Karzer sitzt, arbeiten muss, mit Prügeln gestraft wird, und nicht mehr auskommen kann. Aber richtig befriedigend ist dieses Ende nicht. Immerhin, ich habe mir ein paar Magnet-Faksimile-Ausgabe besorgt, um mir mal die Originaltexte anzuschauen.


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Ein Kapitel von Billy Bunter’s Rebellion ist betitelt: “Waxy!” Schülerjargon dieser Zeit. Diesem Wort war ich vorher nur einmal begegnet, aber das doch so, dass ich es mir gemerkt habe. Und das war in William Golding, Lord of the Flies. (Blogeintrag dazu, in dem ich auf den schönen alten public-school-Slang hinweise. Da wusste ich noch nicht, wie alt diese Sprache war.)

Und plötzlich ging mir ein Licht auf. Lord of the Flies muss man eigentlich vor dem Hintergrund dieser hanebüchenen Schulromane lesen. Vor allem die in Richtung Billy Bunter. Denn Kipling wusste in Stalky sehr wohl, dass Jungen Wilde sein können:

Now that West-African war-drum had been made to signal across estuaries and deltas. Number Five was forbidden to wake the engine [d.h. diese Trommel] within earshot of the school. But a deep, devastating drone filled the passages as M’Turk and Beetle scientifically rubbed its top. Anon it changed to the blare of trumpets–of savage pursuing trumpets. Then, as M’Turk slapped one side, smooth with the blood of ancient sacrifice, the roar broke into short coughing howls such as the wounded gorilla throws in his native forest.

So bereiten sich Stalky & Co darauf vor, die Ehre ihres Hauses zu verteidigen.


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Der Großvater all dieser Schulromane ist natürlich Tom Brown’s Schooldays von Thomas Hughes. Das ist auch der Roman, dem George Macdonald Fraser den fiesen Harry Flashman entnommen und zum Helden der oben schon erwähnten Flashman-Serie gemacht hat.

Das Schlagwort zu Hughes’ Erziehungskonzept lautet Muscular Christianity: Christliche Werte, ja, aber auch viel Sport. Der gesellige, selbstbewusste, aktive Tom Brown und der kluge, fleißige, aber schüchterne Arthur ergänzen sich erst zum Idealbild. Ach ja, und der Roman spielt in Rugby (der public school), wo das gleichnamige Spiel erst kurz zuvor erfunden worden war.

Aus dem Vorwort zur 6. Auflage:

Several persons, for whose judgment I have the highest respect, while saying very kind things about this book, have added, that the great fault of it is ‘too much preaching’; but they hope I shall amend in this matter should I ever write again. Now this I most distinctly decline to do. Why, my whole object in writing at all was to get the chance of preaching! When a man comes to my time of life and has his bread to make, and very little time to spare, is it likely that he will spend almost the whole of his yearly vacation in writing a story just to amuse people? I think not. At any rate, I wouldn’t do so myself.

Erfrischend ehrlich, und trotzdem gar nicht so übel zu lesen.


Was mir aufgefallen ist: Hat der Schulroman als typisch englische Gattung auch zum Entstehen der typisch englischen Gattung des Universitätsromans geführt? Bedeuten die erkennbaren Parallelen zwischen Kiplings Schul- und Regimentsgeschichten etwas? Auch die Regimentsgeschichten um Private McAuslan von, wieder einmal, George Macdonald Fraser gehören in diese Ecke, und nicht zu vergessen die letzte Stalky-Geschichte von Kipling:

“Slaves of the Lamp. Part II

Im ersten Teil, einem frühen Kapitel, hatten die Schüler der Schule ein orientalisches Theaterspiel aufgeführt. Themen und Methoden des dort geschilderten Streichs werden hier wieder aufgegriffen – aber die Geschichte, die in einer Rahmenhandlung erzählt wird, spielt fünfzehn Jahre später, in Afghanistan, im Krieg im Dienste der Königin.

Hier sind wir schon sehr nah an der Grenze zu Flashman, zu Armee-Anekdoten aus dem Empire. Und diente nicht Kiplings fiktive Schule dazu, genau solches Menschenmaterial für das Empire heranzuziehen? Das erklärt, warum die letzten Geschichten mehr und mehr mit der Armee zu tun haben. Allerdings ist das auch wieder realistisch; für Schüler dieser Schule und Kinder dieser Eltern ist die Armee der natürliche Schritt nach dem Schulabschluss.

Dennoch: eine ungemein interessante, fremde und witzige Lektüre mit einer ganz eigenen, die folgenden Generationen prägenden Sprache.

Die Rahmenhandlung der letzten Geschichte beginnt übrigens damit, dass alte Schulfreunde bei Wein und Tabak zusammensitzen und sich an ihre Schulzeit erinnern, Geschichten aus den Kriegen in Afghanistan austauschen und vor allem an den einen Schüler denken, der nicht unter ihnen sitzt, aber dennoch sehr präsent ist – in diesem Fall Stalky.


Eines meiner Lieblingsbücher, Lost Horizon von James Hilton, beginnt mit einer vergleichbaren, nur etwas realistischeren Szene:

Cigars had burned low, and we were beginning to sample the disillusionment that usually afflicts old school friends who have met again as men and found themselves with less in common than they had believed they had.

Diese Szene spielt vierzig Jahre später als die letzte Stalky-Geschichte, aber es geht wieder um Afghanistan, und der abwesende gemeinsame Schulfreund heißt Hugh Conway – und seine Geschichte ist es, die im Roman erzählt wird.

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Zu Harry Potter müsste ich noch was schreiben, und zum Genre des magischen Schulromans. Aber irgendwann muss Schluss sein.

Und all das nur, weil ich in England auf Stalky & Co gestoßen bin. Eigentlich hatte ich andere Pläne. Damn you, Kipling!

– Zur Zeit lese ich Her Fearful Symmetry von Audrey Niffenegger. Und schon jetzt möchte ich A Fine and Private Place von Peter S. Beagle wiederlesen, der einige ganz ähnliche Motive benutzt – einen Friedhof als Schauplatz; menschenscheue Gestalten; etwas Phantastik. Der Titel dieses Erstlingswerks ist ein Zitat aus Andrew Marvells “To His Coy Mistress”, ein Gedicht, das Niffenegger in ihrem ersten Roman, The Time Traveler’s Wife als Leitmotiv einsetzt. Es hängt irgendwie schon wieder alles zusammen.

Einfach verkettete Liste, Rekursion und Entdeckungen bei Powerpoint

Gestern habe ich in Informatik die erste rekursive Methode eingeführt: die Länge einer Liste bestimmen. Hm, ja. Dann muss ich wohl zuerst erklären, was eine Liste ist. Das wird jetzt etwas technisch. wer durchhält, wird mit Videos belohnt.

1. Die Liste

Eine beliebig lange Liste von Objekten, zum Beispiel Wörtern, oder Schülern, oder Gegenständen im Computerspiel, kann man mit einer einfach verketteten Liste darstellen. Einfach verkettet heißt, dass sich einfach jedes Element seinen unmittelbaren Nachfolger merkt. Das sieht dann so aus:

liste1

Die Liste ist hier dargestellt als waagrechte Schnur mit Knoten daran, und an jedem Knoten baumelt – wie bei einem Adventskalender – ein Säckchen mit dem von dem Knoten verwalteten Element – Wort, Schüler, Patient, Gegenstand, was man halt alles auflistet. Und jeder Knoten merkt sich seinen Nachfolger; er hat quasi einen Zeiger hat, der auf den Nachfolger verweist. Eine Ausnahme ist nur der Zeiger des letzten Knotens; der verweist ins Leere, informatisch null genannt.

Das mit den Knoten und dem Baumeln geschieht deshalb, weil es einem Wort, Schüler, Patient, Gegenstand ja egal sein sollte, wer sein Nachfolger ist; mit diesen Verwaltungsaufgaben ist der dazu gehörende Knoten beschäftigt. Diese Verwaltungsaufgaben werden später immer mehr, wenn es darum geht, die Liste zum Beispiel alphabetisch zu sortieren, oder Elemente daraus zu löschen oder welche hinzuzufügen. Das machen dann die Knoten unter sich aus, welche Elemente unter ihnen baumeln, ist weitgehend egal..

Mit einer kleinen Geschichte gesagt:

Im Reich der Schätze und Dschinn

Harun ar-Raschid, Kalif von Baghdad, der herrlichsten Stadt des Landes und aller anderen Länder unter der Sonne, hatte viele Frauen, viele Paläste, viele Schätze. Eifersüchtig hütete er seinen Besitz und war stets voller Misstrauen, deshalb verfügte er, dass jedes Stück durch einen Dschinn, einen Geist, bewacht werden sollte.

Jeder Dschinn erhielt eine Kiste für das Gut, das er bewachen konnte. So konnte es dem Dschinn egal sein, was er bewachte, Hauptsache, es passte in die Kiste.

Nun hatte Harun so viel Besitztümer, dass er sie nicht zählen konnte, so viele, dass er ihre Namen nicht wusste, so viele, dass er sie nicht zu finden wusste, wenn es ihm nach einem besonderen Kleinod verlangte.

Deshalb verfügte er, dass sich in Zukunft Verwalter um die Fülle seines Besitzes kümmern sollten. Den ersten unter ihnen, Jaffar, ernannte er zum Herren über die Schätze, also Juwelen und Perlen und Ringe und anderes Geschmeide.
Jaffar erhielt eine magische Lampe, in der ein Dschinn wohnte, der einen Schatz bewachte. Und dieser Dschinn hatte ebenfalls eine Lampe, und in dieser hauste ein weiterer Dschinn mit seinem Schatz, und auch der hatte wieder eine Lampe mit einem Dschinn darin.
Nur der letzte Dschinn, der bewachte zwar auch noch einen Schatz, er hatte auch eine Lampe, aber diese Lampe war leer und kein weiterer Dschinn wohnte darin

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

liste

Diese Liste verwaltet zwei Elemente (Perlen und Gold). Jeder Dschinn kennt genau einen Nachfolger, bis auf den letzten in der Liste. Jeder Dschinn ist ein Knoten der Liste.

Ich fürchte, dieser Schnelldurchgang muss vorerst reichen. Ich könnte das ausführlicher erklären, und bei Schülern geschieht das ja auch langsamer und mit ständiger Umsetzung in Java. Aber das ist ja ein Blog und kein Fernkurs Informatik.

2. Eine Methode, um die Länge zu bestimmen

Also: Die Liste soll eine Methode haben, herauszufinden, wie lange sie ist. Da gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die eine kennen die Schüler schon und manche können sie bereits progammieren. Das ist die, auf die man – nach ersten Programmiererfahrungen – am ehesten kommt. Diese Methode heißt iterativ und sieht so aus, dass die Liste – Jaffar – einfach die ganze Reihe abgeht und mitzählt, und das solange, bis die Liste leer ist. Kennzeichen dafür ist eine while-Schleife und die Tatsache, dass ein Objekt – Jaffar – die ganze Rechenarbeit übernimmt. Man kann es sich so vorstellen, dass man mit dem Zeigefinger die Elemente der Liste durchgeht und bei jedem Knoten den Zähler um eins erhöht. Ist man beim letzten Knoten angekommen, hat man die Anzahl ausgerechnet.

(Wenn man das mit einer Reihe von Schülern vorne im Klassenzimmer macht, wird das Prinzip klar.)

Die andere Möglichkeit ist die rekursive Programmierung. Die ist elegant, und wenn man sie einmal begriffen hat, auch einfach. Aber auf dem Papier lässt sie sicher schwer erklären. Auch hier wieder nur ganz kurz: es gibt keine while-Schleife. Dafür wird die Aufgabe auf mehrere Schultern verteilt. Jeder Dschinn lässt seinen Nachfolger einen Teil der Arbeit machen. Wenn man den ersten Dschinn fragt, wie lang die Liste ist, sagt der: “Warte mal, ich frage meinen Nachfolger, wie lange die Liste ab ihm ist”. Und wenn der dann antwortet, zählt der erste Dschinn eins dazu, und das ist dann die Länge der Liste.

Wie kriegt der zweite Dschinn heraus, wieviele hinter ihm stehen? Genau so wie der erste: er fragt wiederum seinen Nachfolger, wartet auf die Antwort, und zählt 1 dazu – das ist dann seine Antwort. Und das macht jeder Dschinn so, bis auf den letzten, der muss niemanden fragen, der sagt einfach: 1. (Auf die Frage des Vorhergehenden.)

Um das zu illustrieren, sollten sich neun Schüler in einer Reihe aufstellen. Jeder bekam den gleichen Zettel in die Hand:

Das wird ein Experiment. Bitte lesen Sie die Anweisungen genau.
Wenn Ihnen jemand eine Frage stellt, verhalten Sie sich folgendermaßen:
Fall a) Wenn Sie nicht der letzte in der Reihe sind, also ihr Nachfolger nicht null ist:
1.Stellen Sie bitte die wörtlich gleiche Frage an ihren Nachfolger.
2.Warten Sie mit gespanntem Gesichtsausdruck auf seine Antwort. (Schauen Sie ihn dabei an.) Das kann eine Weile dauern.
3.Sobald die Antwort kommt, addieren Sie im Kopf 1 dazu. Teilen Sie diese Antwort laut dem mit, der Ihnen die ursprüngliche Frage gestellt hat.
Fall b) Wenn Sie der letzte sind, also ihr Nachfolger null ist: Antworten Sie laut: Eins.

Dazu muss man sagen, dass die Schüler zu diesem Zeitpunkt mit den angesprochen Konzepten bereits vertraut sein sollten. “Nachfolger”, “null”, das sind bekannte Fachausdrücke.

Wenn die Schüler sich an diese Regeln halten können, sieht das ganz eindrucksvoll aus. (Sie können es leider nicht immer. Lesekompetenz und so.) Wenn man einen Schüler fragt: “Wie lange ist die Liste noch?”, dann schaut der seinen Nachbarn an und stellt ihm die gleiche Frage. (Und wartet auf Antwort.) Der Nachbar schaut seinen Nachbarn an und stellt ihm die gleiche Frage. (Und wartet auf Antwort.) Und der fragt seinen Nachfolger, und so weiter, bis zum letzten Schüler. Der sagt laut “eins”, vorauf der vorletzte “zwei” sagt. Und der vor ihm “drei”. Und so weiter bis zum ersten, der “neun” sagt, wenn die Liste neun Elemente enthält.

Wenn man es sieht, kapiert man’s.

Eigentlich wollte ich das durch folgende Präsentation ergänzen, aber leider hat der Beamer gestreikt. Hier kurz als Video:

Ich schau mal, ob ich nächste Stunde die Schüler dazu kriege, sich auf Video aufnehmen zu lassen, dann wird’s noch klarer.

3. Powerpoint-Basteleien

Erzeugt habe ich den Film mit der Demoversion von E.M. PowerPoint Video Converter. Der macht Videos aus Powerpoint-Dateien. Leider tatsächlich nur aus diesen, nicht aus Impress. (In der Demoversion ist die Auswahl an Videoformaten beschränkt.) Man kann das Programm als Video Capture nutzen, dann nimmt es in der Geschwindigkeit auf, in der man jeweils arbeitet. Das ist praktisch, wenn man in Echtzeit Ton dazu sprechen möchte; auch das ermöglicht das Programm. Will man keinen Ton, geht es noch einfacher, weil automatisiert: Dann gibt man einfach an, wieviel Sekunden zwischen zwei Folien und wieviel zwischen den einzelnen Animationen vergehen sollen, und den Rest macht das Programm allein. Vielleicht machen das neue PP-Version schon selber; ich arbeite mit Impress und habe nur ein recht altes PP herumliegen.

Wo ich gerade bei Powerpoint bin, will ich auf ein richtig cooles Makro dafür hinweisen: The Magic PowerPoint Macro. Leider auch wieder nicht für Impress. Damit kann man das machen, was man eigentlich mit jedem vernünftigen Präsentationsprogramm machen können sollte, und zwar: die Objekte auf der Präsentationsoberfläche per drag & drop verschieben. Während der Präsentation natürlich. Das sieht dann so aus:

(Eher planloses Beispiel, nur zur Demonstration.)

Gibt es Präsentationsprogramm, mit dem ich das ohne Makro machen kann? Während der Vorführung anklicken und bewegen, und vergrößern und drehen und so weiter. Prezi.com ist mir da schon mehrfach empfohlen worden. Ich glaube, ich sollte mich mal ernsthaft damit beschäftigen – allerdings verwende ich eh nicht viele Präsentationen.

Informatik 7. Klasse, 4. Stunde

Nicht viel gemacht heute: Analyse von WWW-Adressen. Einfache Adressen an das Whiteboard geschrieben (der Beamer ging unerwarteterweise nicht), erklärt, aus was die so bestehen. Zum Beispiel:

http://home.graf-rasso-gymnasium.de/joomla/index.php
(1)                (2)               (3)      (4)

(1) Das Protokoll. Wenn man Webseiten sehen möchte, steht vorne http. Da man mit einem Browser fast immer Webseiten oder Elemente davon sehen möchte, kann man die Angabe zum Protokoll auch weglassen, der Browser ergänzt das dann selbstständig. (Ausprobieren.) Andere Protokolle gibt es auch, zum beispiel ftp – da will man keine Webseite sehen, sondern zum Beispiel den Inhalt eines Verzeichnisses auf einem Server. Kann man hier ausprobieren:

Wenn man sich den Quelltext der Seite zeigen lässt – das war mit das erste, das ich den Schülern gezeigt habe -, dann sieht man, dass man eben keine HTML-Seite gekriegt hat. Häufiger dürften Schüler auf das Protokoll https stoßen – auch für Webseiten, aber etwas sicherer. Daher laufen Passworteingaben bei eBay, Amazon, Banken, PayPal und dergleichen über das https-Protokoll.

(2) Der Host, der wichtigste Teil der Adresse. Die schauen wir uns später noch genauer an.

(3) Ein Verzeichnis, es könnten auch mehrere sein.

(4) Die angeforderte Datei. Wenn da nichts steht, wird automatisch der Name index.htm, index.html oder index.php ausprobiert. Deshalb steht bei vielen Adressen oft gar nichts da.

– Jetzt noch mal etwas genauer zu der Host-Angabe, etwa:

home.graf-rasso-gymnasium.de

Die besteht aus mehreren Teilen, von rechts nach links zu lesen: da kommt zuerst die Top Level Domain (TLD), in diesem Fall .de.
TLDs werden von einer Gesellschaft festgelegt, man kann also nicht so einfach eine eigene erfinden. Es gibt .edu für amerikanische Universitäten, .gov für Seiten der amerikanischen Regierung, und noch zehn oder zwanzig mehr. Das haben die Schüler in Wikipedia herausgefunden und sind natürlich gleich auch die abgelehnte TLD .xxx gestoßen, die für Pornographie gedacht war.
Die meisten TLDs sind aber Ländern zugeordnet. Davon kennen die Schüler schon viele, mehr als ich (.kr .hr für Kroatien, hatte ich nicht parat). Auch davon gibt’s eine Liste bei Wikipedia, und da sollten sich die Schüler vor allem über .tv und .vu und .tk informieren. Diese TLDs kennen manche Schüler nämlich, weil es da gerne mal kostenlose oder sehr billige Domains gibt. Das sind kleine Länder, gerne mal Inselgruppen (Tuvalu und Vanuatu), die ihre TLDs an kommerzielle Firmen verkaufen. An Adressen der TLD von Tuvalu sind vor allem Fernsehsender interessier (.tv). Tokelau hat seine TLD .tk an einen Investor verkauft, “der die Adresse für mehrere Millionen Dollar erwarb”. Da wollte ein Schüler gleich dessen Geschäftsmodell wissen. Wie verdient der Geld damit, obwohl es kostenlose .tk-Domains gibt?

Links neben der TLD steht die Domain, etwa wordpress oder graf-rasso-gymnasium herr-rau. Die kann man in gewissen Grenzen selbst wählen, wenn man dafür bezahlt. Kostet gar nicht viel, die Schüler nennen gleich kostenlose Angebote von Billiganbietern.

Links von der Domain steht die Subdomain. Davon kann der Domaininhaber mehr oder weniger beliebig viele anlegen. Und www.graf-rasso-gymnasium.de führt eben nicht zum gleichen Ziel wie forum.graf-rasso-gymnasium.de; es müssen auch keinesfalls alle URLs mit “www” beginnen. (Bittere Erfahrungen: jedes Mal, wenn ich Schülern die Adresse forum.graf-rasso-gymnasium.de diktiere, machen sie www.forum.graf-rasso-gymnasium.de daraus.)

– In der einen Klasse war danach noch Zeit, so dass die Schüler nebenbei meinen Schreibtischdrachen ausprobieren konnten. Den hatte eine Schülerin im Blog gesehen und wollte wissen, wie das geht.

Insgesamt: Diesmal recht viel Vortrag, von kurzen Rechercheaufgaben unterbrochen.

Könnten Sie das bitte mal kopieren?

Ich stehe nicht mehr so oft am Kopiergerät im Lehrerzimmer wie früher, seit ich versuche, mit weniger Kopien auszukommen. Aber ab und zu doch noch, und dann tauchen viel zu oft Schüler auf, die schnell mal was kopiert haben wollen. Im Auftrag von Kollegen, weil die das jetzt dringend brauchen und vergessen haben. Mhm. Bin ich kein Freund von. Oder um Arbeitsblätter zu kopieren, weil sie das Original verloren haben, oder Seiten aus dem Workbook, weil sie das vergessen haben. Mhhmm. Bin ich auch kein Freund von und weigere mich auch mal.

Zeit: Geht gerade für Lesen drauf und für Unterrichtsvorbereitung. Vor allem Informatik frisst Zeit, das kann sich jeder vorstellen, der schon mal programmiert hat. Aber das ist Vorbereitung, die Spaß macht.
Zur Zeit besucht wieder die Schulleitung den Unterricht der Lehrer: Beurteilungszeitraum. Das interessiert die Schüler schon auch, was es damit auf sich hat. Wenn man da sagt, dass man als Lehrer auch nicht weiß, kommen die Schüler schon auch mal mit Gegenbeispielen: “Also, der Herr X, der hat das gewusst. Weil da haben wir plötzlich etwas ganz anderes gemacht als sonst, und das hat auch gar nicht zu dem gepasst, was wir in der Stunde zuvor gemacht haben.”

Vielleicht sollte ich auch was vorbereiten; in Informatik in der 11. arbeite ich immer wieder mit Post-it-beklebten Pappschildern, die sich Schüler umhängen, um einfach verkettete Listen darzustellen. (Ich erklär’s später mal.) Das könnte man gut als Grundwissensaufgabe trainieren, um dann beim Unterrichtsbesuch mit Trillerpfeife anzusagen: erstes Element entfernen, jetzt! oder auf mein Pfeifen: hinten einfügen! Dann kleben die betroffenen Schüler ihre Post-its um.

Fundstücke der letzten Tage:

Kingsley Amis und Robert Conquest, The Egyptologists (1965)

Nicht vorbehaltslos zu empfehlen.… und doch: irgendwie sehr witzig. Der Plot, die Charaktere, alles schön. Aber ein wenig mühsam zu lesen. Eines der Bücher, bei denen ich mir ein Remake wünsche, von Tom Sharpe vielleicht.

Einer der geheimnisvollsten Vereinigungen in London ist die Metropolitan Egyptological Society. Die Adresse steht im Telefonbuch, aber die Straße ist schwer zu finden. Auch das Haus ist schwer zu finden. Wer vorbeischaut, wird freundlich und unverbindlich empfangen, bekommt aber wenig zu sehen (klar, Bücher über Ägypten im Regal, eine Statue oder zwei) und wird sehr bald in den nächsten Pub herauskomplimentiert, wo die Mitglieder der Gesellschaft unglaublich viel unglaublich langweiliges Zeug von sich geben. Außer der Gast versteht etwas von Ägyptologie, dann wird der Kontakt noch schneller abgebrochen – auch für diesen Fall gibt es eine Verhaltensvorschrift, festgehalten in den internen Anweisungen der Gesellschaft. Von diesen Anweisungen gibt es viele: wie man mit der Presse umgeht, mit Besuchern, mit angekündigten und unabgekündigten Besuchen der Ehefrauen im Club. Ein Superintendent der Polizei, der der Gesellschaft auf die Schliche kommt, lobt ihre Vorgehensweise, das geheimdienstlicher Tätigkeit als Vorbild dienen könnte. Und dann will er Mitglied werden.

Denn mit Ägypten hat diese Gesellschaft nichts zu tun; das ist nur ein Vorwand für die eigentlichen Aktivitäten – die Gründungsmitglieder haben bewusst das langweiligste Thema gewählt, das sie finden konnten. (Aber selbst das hält eines der Mitglieder, peinlich, peinlich, nicht davon ab, echtes Interesse für Ägypten zu entwickeln, so dass es heimlich einbrechen und die Bibliothek dort benutzen muss.)

Erst in der Mitte des Buches weiß man sicher, worum es wirklich geht. Höhepunkt ist dann ein halbstündiger Fernsehauftritt, zu dem die Mitglieder der Gesellschaft durch eine Intrige gezwungen werden – es geht natürlich um Ägyptologie, und das Fernsehen hat auch einen Experten ins Studio gerufen, der mit ihnen diskutieren soll. Nun haben sie allerdings wirklich herzlich Ahnung von oder Interesse an Ägypten und müssen die halbe Stunde durchstehen. Ich hatte die ganze Zeit die Mitglieder von Monty Python bei gemeinsamen Fernsehauftritten vor Augen.

Am Schluss und auch in Folge des Fernsehauftritts löst sich die Gesellschaft notgedrungen auf, auch wenn es einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt, dass das nicht für immer so sein muss. (Und immerhin, einen amerikanischen Zweig gibt es inzwischen ja auch.)

– Für Science-Fiction-Fans interessant: wenn die Gesellschaft schnell irgendwelche Autoritäten erfinden muss, dann sich das gerne mal der gelehrte Professor Asimov aus Warschau, oder der hierzulande fast völlig unbekannte Ägyptologe Fritz Leiber. Und während für manche Mitglieder die Gesellschaft nur Zeitvertreib ist, sehen andere darin tatsächlich eine größere Aufgabe, nämlich die, eine andere Gesellschaftsform herbeizuführen. Eine Utopie sozusagen. Dreimal erzählen Mitglieder von ihren Träumen, in denen ihnen – per Zeitreise oder anderswie – ein Einblick in zukünftige Zustände gewährt worden ist.

Aus heutiger Sicht ist die Gesellschaft ziemlich banal, hererzfrischend sind nur die Geheimhaltungsstrategien. Aber wenn man sich das Buch vorstellt als einen englischen Film der frühen 1960er Jahre, schwarzweiß, mit Robert Morley dabei – das hätte ein schöner Film werden können.

Die Wörter und die Dinge

Ich bin mit dem Deutsch-Leistungskurs an der Jahrhundertwende angelangt – Gegenströmungen zum Naturalismus, also Impressionismus und Symbolismus und fin de siècle und l’art pour l’art (statt: Kunst = Natur – X, wie wir im Deutschgeschäft sagen) und Stefan George und Rilke und Hofmannsthal. Eine Zeit, die ich mag.

Ein Thema der Zeit: Abkehr von der realistisch-naturalistischen Wirklichkeitswiedergabe durch die Kunst:

Die Kunst will jetzt aus dem Naturalismus fort und sucht Neues. Niemand weiß noch, was es werden möchte; der Drang ist ungestalt und wirr; er tastet ohne Rath nach vielen Dingen und findet sich nirgends. Nur fort, um je­den Preis fort aus der deutlichen Wirklichkeit, ins Dunkle, Fremde und Ver­steckte – das ist heute die eingestandene Losung für zahlreiche Künstler. (Hermann Bahr, “Symbolismus”)

Eine neue Methode der Wirklichkeitswiedergabe, die trotz nicht-realistischer Methode der Wirklichkeit doch wieder verblüffend nahe kommt, ist in der Malerei der Impressionismus. Gerade die Lichteffekte, das Flimmern von Laub an den Bäumen im Sonnenschein, sehen dann doch wieder aus “wie echt”. Auch hierzu Hermann Bahr:

Denken wir uns, Leonardo hätte zufällig die Technik des Impressionismus entdeckt. Er hat ja viel versucht und gern herumprobiert. Es wäre ihm also zugestoßen wahrzunehmen, dass die Farbe, in Flecken oder Punkten aufgetragen, eine Macht, eine Wahrheit erhält, die ihr sonst fehlt, und dadurch verführt, hätte er ein solches Bild gemalt, das, in der Nähe ein unerklärliches Gewimmel, auf einige Entfernung erst seine Form annimmt. Das hätte ihn gewiss gereizt. Schon weil es schwer ist. Auch weil es recht ein Vergnügen für seine mathematische Neigung gewesen wäre. [..] Und nun mögen wir uns ihn bei der Arbeit einmal von Messer Bandello besucht denken, der gern, wenn er Zeit hatte, zu ihm kam, auf einen kleinen Plausch und um ihm zuzusehen. Dem hätte er stolz seine Erfindung gezeigt und hätte ihm erklärt, wie es ihm durch sie möglich geworden, manche Erscheinungen, besonders gewisse Reflexe des Lichtes, einzufangen, die so flüchtig sind, dass die meisten Menschen sie gar nicht gewahren, sondern erst jetzt, da er sie gemalt, allmählich auf sie achten würden. Und wir meinen den klugen Bandello fast zu sehen, wie er neugierig zuhört, die Worte des Meisters an seinem Bilde prüft, ein paarmal nickt, aber dann doch, als jener verstummt, leise und fast ein wenig spöttisch lächeln muß, indem er sagt: “Wohl erinnere ich mich, Messer Leonardo, solche Erscheinungen, wie Ihr sie nennt, und besonders der ganz eigenen Reflexe, die sich manchmal auf die Körper legen, wie Wolken über den Himmel ziehen; und es ist mir oft ein Spaß gewesen, das zierliche weiße Näschen einer hochgeborenen und wohlgestalten Dame, wenn wir durch den Garten in der Sonne gingen, plötzlich an der Spitze grasgrün gefleckt zu sehen, ganz wie Ihr es hier auf Eurem komischen Bilde gemalt habt. Aber Ihr wisst so gut wie ich, mein werter Freund, dass das Näschen deswegen doch nicht grün ist, sondern weiß bleibt und es nur unsere Sinne sind, die uns täuschen. […] Ferner erlaubt mir, Euch zu sagen, dass ich hier, dicht an das Bild herantretend, mich gar nicht auskennen kann und keineswegs weiß, was es denn eigentlich sein soll. Nun habt Ihr freilich von mir verlangt, mich fünf Schritte weit aufzustellen; dies sei die Bedingung. Aber erlaubt mir, zu bemerken, Messer Leonardo, daß das nicht die Bedingung der Natur ist. Die Natur entsteht nicht erst, wie Euer Bild, wenn ich mich in ein bestimmtes Verhältnis zu ihr gebe. Sie vergeht nicht, wenn ich es verlasse, die Natur ist immer da, ob ich bin oder nicht. Euer Bild wird erst, wenn ich es ansehe.

Man entdeckte: Das mit der einfachen Wiedergabe der Natur ist gar nicht so einfach. Der Mensch kann nicht anders, als sich in ein Verhältnis zu ihr begeben, und er kann nicht anders, als sie nur mittelbar wahrnehmen. Das gilt nicht nur für die Wahrnehmung, sondern ebenso dafür, wenn man versucht, der Natur mit Worten Herr zu werden. Das Verhältnis zwischen Wörtern und Dingen ist komplizierter, als man lange angenommen hatte.

(Und hier fehlt eine Überleitung, von der ich nicht weiß, wie legitim sie wäre, da ich zu wenig über George und Hofmannsthal weiß.)

Dazu gehört auch der berühmte Chandos-Brief, in dem Hugo von Hofmannsthal seine Kritik an der Sprache als Ausdrucksmöglichkeit in ausdrucksvolle Worte fasst. Die Worte “zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze”, schreibt er. Zuerst die abstrakten, aber dann hat er auch mit den konkreten Dingen Schwierigkeiten: “Eine Gießkanne, eine auf dem Feld verlassene Egge, ein Hund in der Sonne, ein ärmlicher Kirchhof, […] und die tausend anderen ähnlichen [Gegenstände], über die sonst ein Auge mit selbstverständlicher Gleichgültigkeit hinweggleitet, kann für mich plötzlich in irgendeinem Moment, den herbeizuführen auf keine Weise in meiner Gewalt steht, ein erhabenes und rührendes Gepräge annehmen, das auszudrücken mir alle Worte zu arm scheinen.”

Sprachkrise eben. Diese führt dann einige Zeit später auch dazu, dass sich die Expressionisten eine eigene Sprache geben, und die Dadaisten sowieso. Um das Problem mit den Wörtern und den Dingen meinen Schülern ein bisschen begreifbarer zu machen, fange ich meist mit einem Gedicht von Michael Ende an, “Der wirkliche Apfel”, das so beginnt:

Ein Mann der Feder, berühmt und bekannt
als strenger Realist,
beschloß, einen einfachen Gegenstand
zu beschreiben, so wie er ist:
Einen Apfel zum Beispiel, zwei Groschen wert,
mit allem, was dazugehört.

Dieser Mann der Feder scheitert an seinem Projekt, er stellt fest, dass er zur treffenden Beschreibung des Apfels ja auch erklären muss, wo er herkommt und wie er schmeckt, die Jahreszeiten, den Baum, den Markt, und nach tausenden von Seiten immer noch nicht fertig ist. Mit der Sprache lässt sich der Apfel nicht vollständig erfassen. Der fiktive Mann der Feder zieht allerdings einer andere Konsequenz als der fiktive Lord Chandos aus diesem Ungenügen der Sprache:

Von da an ließ er es bleiben,
die Wirklichkeit zu beschreiben.
Er begnügte sich indessen
damit, den Apfel zu essen.

Ein schöner Paralleltext dazu ist der hier von Richard P. Feynman, Physiker und Autor verschiedener vergnüglicher naturwissenschaftlicher Bücher:

Ein Poet sagte einst “Das gesamte Universum liegt in einem Glas Wein”. Wir werden wahrscheinlich nie wissen, in welchem Sinn er das meinte, denn Poeten schreiben nicht, um verstanden zu werden. Aber es ist wahr, daß wir bei näherer Betrachtung eines Glases Wein das gesamte Universum sehen. Da sind die Dinge der Physik: die sich drehende Flüssigkeit, welche in Abhängigkeit von Wind und Wetter verdampft: die Reflexionen im Glas, und unsere Phantasie fügt die Atome hinzu. Das Glas ist ein Destillat der Erdgesteine, und in seiner Zusammensetzung sehen wir die Geheimnisse des Alters des Weltalls und die Evolution von Sternen. Welch seltsame Anordnung von Chemikalien befindet sich im Wein? Wie sind sie entstanden? Da gibt es die Fermente, die Enzyme, die Substrate und die Produkte. Dort im Wein ist die große Verallgemeinerung zu finden: Alles Leben ist Fermentation. Niemand kann die Chemie des Weines entdecken, ohne, wie Louis Pasteur, die Ursachen vieler Krankheiten zu entdecken. Wie lebendig ist der Rotwein, der seine Existenz dem Bewußtsein aufprägt, welches ihn beobachtet! Wenn unser kleiner Verstand aus irgendeiner Bequemlichkeit dieses Glas Wein, dieses Universum, unterteilt in Physik, Biologie, Geologie, Astronomie, Psychologie usw., dann erinnern wir uns daran, daß die Natur dies nicht kennt! Also wollen wir wieder alles zusammenfügen und endlich nicht vergessen, wozu es da ist. Lassen wir es uns noch ein letztes Vergnügen bereiten: Trinken wir es und vergessen alles!”

Zitiert nach: Gero von Randow (Hg.), Mein paranormales Fahrrad und andere Anlässe zur Skepsis, entdeckt im Skeptical Inquirer. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1993 (rororo science), S. 213. Von Feynman auch lesen: “Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman”.

Die Parallelen finde ich interessant.

Aber so entspannt wie Ende und Feynman sieht der deutsche Dichter die Sprachkrise selten. Klaus Modick parodiert die “Sprachnot” dieser Spezies in seinem Roman Ins Blaue. Kurt trifft seinen Freund Feuerstein in der Stammkneipe, und der flirtet gerade mit einer, wie sich herausstellt, Lyrikerin. “Geht alles nur um ein Thema. Um das Thema gewissermassen. Es geht bei allen Künstlern immer wieder nur um dies eine Thema”, sagt Feuerstein. Nein, nicht der Geschlechtsverkehr, wie Kurt meint, sondern: “ ‘Sprachnot’, hauchte Petra.” Sie schreibe davon, “warum sie, warum man eigentlich gar nicht schreiben kann. Über die Qual des Schreibens sozusagen. Über die Unmöglichkeit, auch nur das kleinste, das einfachste Ding durch Sprache zu benennen.” Aber sie lässt sich leicht dazu überreden, aus ihrem Werk zu rezitieren.

(Klaus Modick: Vor zwanzig Jahren, vier, fünf Bücher gelesen, die mir sehr gut gefallen haben. Vor ein paar Monaten ein neues gelesen, das ich sehr mäßig fand. Bin ich älter geworden oder er? Oder er nicht?)

– An dieser Stelle leite ich dann über zur Sapir-Whorf-Hypothese und der Frage, wie sehr die Sprache das Denken determiniert oder wenigstens beeinflusst. Halbwegs aktueller Text dazu: “Eins, zwei, viele” aus der SZ. Darin geht es um die etwa 200 Sprecher einer Sprache im Amazonas, Pirahã. In dieser Sprache gibt es keine Wörter für Zahlen größer als zwei, und selbst die Bedeutung der Wörter “eins” und “zwei” ist nicht ganz exakt. Das führt dazu, das die Sprecher dieser Sprache auch keine Vorstellung von Zahlen haben. (Siehe Beschreibung der Experimente im Text. Ist leider nur sehr oberflächlich und keineswegs eindeutig, aber zur Problematisierung reicht es. Wer weiter machen möchte: Pirahã bei Wikipedia. Keine Rekursion, keine Farbadjektive. Exkurs zu Farbadjektiven in verschiedenen Sprachen möglich.)

Dazu Bilder von Monet und Renoir, ein Pointillist oder zwei, und die bekannte Ceci n’est pas une pipe-Serie von Magritte, außerdem “Le bons sens” und “Les deux mystères”. Vielleicht sollte ich das alles auch mal in einen Moodlekurs packen.

Informatik 7. Klasse, 3. Stunde

Gut, dann schreibe ich jetzt jeden Freitag über Informatik in der 7. Klasse. So kann ich dann auch mal zählen, wieviel Stunden tatsächlich stattfinden. Ich habe zwei 7. Klassen parallel; in einer Klasse hatte ich schon eine Stunde mehr, ich orientiere mich jetzt mal an der anderen, und da war heute die dritte Stunde.

Ausgefragt über die letzte Stunde: Der Weg einer Anfrage durchs WWW. Ursachen für Misserfolge dabei. Danach eine Folie mit Provider, Server und Router dazwischen (ein gewichteter Graph); die Schüler sollten den kürzesten Weg herausfinden. Dann fiel einer der beteiligten Router aus; welchen Weg kann die Nachricht dann nehmen?

Aber der Hauptteil der Stunde bestand im Herumspielen. Die Schüler mittels einiger Tools zu WWW-Adressen ihrer Wahl die IP-Adresse herausfinden und dann schauen, was passiert, wenn man die IP-Adresse direkt in den Browser eingibt. Wir lernen: ffb-location.de und fs-location.de sind unter der gleichen IP-Adresse zu finden. (Ersteres ist das Lokalforum, in dem sich unsere Schüler tummeln und zu viel über sich erzählen.) Wir lernen auch: den Webfilter der Schule kann man auch durch Eingabe der IP-Adresse nicht umgehen.

Währenddessen habe ich versucht, Tinte in den Folienstift für das Whiteboard zu kriegen. Im Computerraum gibt’s neben dem Smartboard nämlich auch noch ein simples Whiteboard, und am liebsten arbeite ich mit beidem gleichzeitig. Folienstifte sind Mangelware; mit dem Nachfüllsystem bin ich leider nicht klargekommen.

5. Schulwoche 2009/10

Bin etwas müde. Heute abend ist Klassenelternabend. Ab 20.15 Uhr tingeln die Lehrer der 6.–10. Klassen durch eben diese und stellen sich und ihr Fach für dieses Jahr vor. Ab 21.00 Uhr können dann die Klassenleiter diverse Sachen mit den Eltern besprechen. Das dauert vermutlich fünf Minuten, maximal. Danach werden noch Klassenelternsprecher gewählt.

Ich weiß noch nicht, ob mir das Format gefällt. Ist halt schon sehr spät. Andererseits, wenigstens ist alles an einem Abend; früher war das je nach Jahrgangsstufe auf mehrere ähnliche Abende verteilt. Mal sehen.

Dann: zwei Blogposts warten darauf, dass ich sie schreibe. Dazu muss ich aber erst Gedanken sammeln, und im Moment bin ich, wie gesagt, etwas müde. Meine Energie stecke ich in den Unterricht; der profitiert auch davon; ich bin halbwegs zufrieden mit mir in diesem Jahr. In etwas schwierigeren Situationen habe ich dreimal richtige Entscheidungen und einmal eine mäßig falsche getroffen; das ist für meine Verhältnisse schon okay.

Fast ganz ohne Zusammenhang, weil’s neulich in einem Gespräch aufkam: Muss ein Beamter eigentlich alles tun, was einem ein Vorgesetzter anweist? Nein, natürlich nicht. Das muss nicht einmal ein Soldat bei einem Befehl. Bei Beamten sieht das so aus:

Nach den Vorschriften des Beamtenrechts muss der Beamte seine dienstlichen Handlungen auf ihre Rechtmäßigkeit prüfen. Hat er Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit einer Weisung, so muss er seinem unmittelbaren Vorgesetzten gegenüber remonstrieren, d. h. gegen die Ausführung der Weisung Einwände erheben. Bestätigt der unmittelbare Vorgesetzte die Anweisung und sind die Bedenken des Beamten nicht ausgeräumt, so muss sich der Beamte an den nächsthöheren Vorgesetzten wenden. Der Beamte hat hier keinen Ermessensspielraum. Bestätigt auch der nächsthöhere Vorgesetzte (der Vorgesetzte des Vorgesetzten des remonstrierenden Beamten) die Anordnung, so muss der Beamte sie ausführen. Diese Gehorsamspflicht trifft den Beamten allerdings dann nicht, wenn er durch die Befolgung der Weisung eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit begehen würde.
(Wikipedia. Vielen Dank an Mikael aus den Lehrerforen.)

Kann mich nicht erinnern, das in Schulrecht gelernt zu haben.

Claymore Pipes and Drums

Gestern war ich auf einem Dudelsackkonzert.

claymore-pipes-and-drums

Und schön war’s. Veranstalter waren die Claymore Pipes and Drums, es war ihr Jahresabschlusskonzert; Gäste waren vier Solisten vom National Piping Centre in Glasgow, bei einigen Nummern spielte die deutsche Band adrenalin mit. Aber hauptsächlich spielte die Dudelsackband, mindestens 25 Leute, ein Drittel mit diversem Schlagzeug, der Rest mit Dudelsack. Am Eingang lagen Wattebällchen für die Ohren aus – im leeren Saal muss es bei den Proben wohl sehr laut gewesen sein, aber mit geschätzten 300 Zuschauern im vollen Saal war davon nichts mehr zu spüren, das ganze war keineswegs lauter als ein übliches Konzert.

Die Organisation war sehr gut, eine MC (Mistress of Ceremonies? oder auch Master?) kündigte die Nummern an. Und die Musik selber war abwechslungsreich: verschiedene Marches, Airs, Slow Airs, Jigs, ein Pibroch; eine fast schon akrobatische Einlage der Trommler allein, zum Schluss eine choreographierte Version von “The Lion Sleeps Tonight”. Wirklich ganz, ganz schön gemacht. (Nervig allein der plärrende expat hinter uns, aber das gehört sich vielleicht auch so.)

Leider nicht als Video zum Einbinden gefunden: der zu einem Jig tanzende Cary Grant in Indiscreet, und Fred Astaire & Ginger Rogers mit “My Highland Fling” aus The Barkleys of Broadway (hier immerhin zum Anhören – und das ist natürlich keine ganz ernst gemeinte Nummer).

Dafür hier die Claymore Pipes and Drums:

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Geben auch Kurse, machen auch Auftritte. Ich kriege immer wieder etwas Dudelsackmusik mit, da mein Zwillingsbruder der Pipe Major (quasi die erste Pfeife) der Band ist und seine Frau auch in der Band spielt. Macht sich immer wieder sehr gut auf Geburtstagen und anderen Familienfeiern. Bin mächtig stolz auf die beiden.

Die Maus erklärt das Internet

Hier erklärt die Maus das Internet.

internet_maus

Das ist lehrreich, auch für meine Kollegen, die mir im Lehrerzimmer über die Schulter geschaut haben. (Ohne Hefteintrag wird aber wohl nicht viel hängen bleiben.)
Die Maus zeigt Router, Client, Server, DNS, auch wenn die letzten drei Begriffe nicht fallen, und den Weg einer Nachricht im Web. Den Film zeige ich den Siebtklässlern in der zweiten Stunde, wobei die Schüler sich Begriffe aufschreiben sollen, um danach zu sammeln, was sie verstanden haben.

Danach gibt es ein Tafelbild, das etwa so aussieht:

internet_aufbau1

Und meine Schlussfrage ist: Wenn ihr eine Adresse in den Browser eingebt und ihr kriegt eine Fehlermeldung zurück, woran kann das dann liegen? (Das kann nämlich alles mögliche sein: Fehler am eigenen Rechner, keine Verbindung zum Provider, Server kaputt, Provider kaputt, und meist ist auch ein Schüler dabei, der auf: DNS kaputt kommt.)
Außerdem sollen die Schüler Fragen stellen, und das sind teilweise schon die richtigen: “Wenn man im Browser oben gleich die Nummern [die IP-Adresse] eingibt, funktioniert das dann auch?”

Das schauen wir uns in der nächsten Stunde an. Mit einem IP>DNS-Konverter kann man eine Domain eingeben, und das Programm spuckt die dazu gehörende IP-Adresse aus. So ist herr-rau.de etwa unter 85.13.140.136 zu finden. Und bayern.de unter 195.200.71.141. Allerdings: die meisten Adressen, die ich ausprobiert habe, bieten unter dieser Adresse nicht die erwartete Startseite, sondern eine Kein-Zugang-Meldung. Meine auch. Die Domain bayern.de gibt sich ganz besonders garstig:

Unauthorized access prohibited; all access and activities
not explicitly authorized by the netadmins@bayern.de are unauthorized.

All activities are monitored and logged. There is no privacy
on this system. Unauthorized access and activities or any
criminal activity will be reported to appropriate authorities.

You have been warned!

Aber mit anderen Adressen funktioniert das ganz gut, das können dann die Schüler ausprobieren.
Der nächste Schritt ist dann die Analyse von WWW-Adressen: was ist eine Domain, eine Subdomain, eine Top-Level-Domain; welche gibt es und was bedeuten sie?

– Der Maus-Videoclip kursiert auch bei diversen Videoportalen, leider in deutlich schlechterer Qualität und in einer etwas älteren Fassung. Für die WDR-Seite haben sie das Voiceover etwas modernisiert, so dass jetzt auch von DSL die Rede ist. Und auch das Modem piepst in der aktuellen Fassung leider nicht mehr; ein Geräusch, das die Schüler gar nicht mehr kennen. Wer will, kann ja auch die Sevenload-/Youtube-Version herunterladen. Beim WDR ist die Seite als Flash-Video so eingebunden, dass man sie nicht herunterladen und auf dem eigenen Rechner speichern kann.