Kingsley Amis und Robert Conquest, The Egyptologists (1965)

Nicht vorbehaltslos zu empfehlen…. und doch: irgendwie sehr witzig. Der Plot, die Charaktere, alles schön. Aber ein wenig mühsam zu lesen. Eines der Bücher, bei denen ich mir ein Remake wünsche, von Tom Sharpe vielleicht.

Einer der geheimnisvollsten Vereinigungen in London ist die Metropolitan Egyptological Society. Die Adresse steht im Telefonbuch, aber die Straße ist schwer zu finden. Auch das Haus ist schwer zu finden. Wer vorbeischaut, wird freundlich und unverbindlich empfangen, bekommt aber wenig zu sehen (klar, Bücher über Ägypten im Regal, eine Statue oder zwei) und wird sehr bald in den nächsten Pub herauskomplimentiert, wo die Mitglieder der Gesellschaft unglaublich viel unglaublich langweiliges Zeug von sich geben. Außer der Gast versteht etwas von Ägyptologie, dann wird der Kontakt noch schneller abgebrochen – auch für diesen Fall gibt es eine Verhaltensvorschrift, festgehalten in den internen Anweisungen der Gesellschaft. Von diesen Anweisungen gibt es viele: wie man mit der Presse umgeht, mit Besuchern, mit angekündigten und unabgekündigten Besuchen der Ehefrauen im Club. Ein Superintendent der Polizei, der der Gesellschaft auf die Schliche kommt, lobt ihre Vorgehensweise, das geheimdienstlicher Tätigkeit als Vorbild dienen könnte. Und dann will er Mitglied werden.

Denn mit Ägypten hat diese Gesellschaft nichts zu tun; das ist nur ein Vorwand für die eigentlichen Aktivitäten – die Gründungsmitglieder haben bewusst das langweiligste Thema gewählt, das sie finden konnten. (Aber selbst das hält eines der Mitglieder, peinlich, peinlich, nicht davon ab, echtes Interesse für Ägypten zu entwickeln, so dass es heimlich einbrechen und die Bibliothek dort benutzen muss.)

Erst in der Mitte des Buches weiß man sicher, worum es wirklich geht. Höhepunkt ist dann ein halbstündiger Fernsehauftritt, zu dem die Mitglieder der Gesellschaft durch eine Intrige gezwungen werden – es geht natürlich um Ägyptologie, und das Fernsehen hat auch einen Experten ins Studio gerufen, der mit ihnen diskutieren soll. Nun haben sie allerdings wirklich herzlich Ahnung von oder Interesse an Ägypten und müssen die halbe Stunde durchstehen. Ich hatte die ganze Zeit die Mitglieder von Monty Python bei gemeinsamen Fernsehauftritten vor Augen.

Am Schluss und auch in Folge des Fernsehauftritts löst sich die Gesellschaft notgedrungen auf, auch wenn es einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt, dass das nicht für immer so sein muss. (Und immerhin, einen amerikanischen Zweig gibt es inzwischen ja auch.)

— Für Science-Fiction-Fans interessant: wenn die Gesellschaft schnell irgendwelche Autoritäten erfinden muss, dann sich das gerne mal der gelehrte Professor Asimov aus Warschau, oder der hierzulande fast völlig unbekannte Ägyptologe Fritz Leiber. Und während für manche Mitglieder die Gesellschaft nur Zeitvertreib ist, sehen andere darin tatsächlich eine größere Aufgabe, nämlich die, eine andere Gesellschaftsform herbeizuführen. Eine Utopie sozusagen. Dreimal erzählen Mitglieder von ihren Träumen, in denen ihnen – per Zeitreise oder anderswie – ein Einblick in zukünftige Zustände gewährt worden ist.

Aus heutiger Sicht ist die Gesellschaft ziemlich banal, hererzfrischend sind nur die Geheimhaltungsstrategien. Aber wenn man sich das Buch vorstellt als einen englischen Film der frühen 1960er Jahre, schwarzweiß, mit Robert Morley dabei – das hätte ein schöner Film werden können.

Eine Antwort auf „Kingsley Amis und Robert Conquest, The Egyptologists (1965)“

  1. Das klingt sehr danach, als ob es mir gefallen könnte. Auch Robert Morley passt sehr gut dazu (ich konnte mit dem Namen nichts anfangen, aber die Bilder haben mich an ihn erinnert – danke).

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