Könnten Sie das bitte mal kopieren?

Ich stehe nicht mehr so oft am Kopiergerät im Lehrerzimmer wie früher, seit ich versuche, mit weniger Kopien auszukommen. Aber ab und zu doch noch, und dann tauchen viel zu oft Schüler auf, die schnell mal was kopiert haben wollen. Im Auftrag von Kollegen, weil die das jetzt dringend brauchen und vergessen haben. Mhm. Bin ich kein Freund von. Oder um Arbeitsblätter zu kopieren, weil sie das Original verloren haben, oder Seiten aus dem Workbook, weil sie das vergessen haben. Mhhmm. Bin ich auch kein Freund von und weigere mich auch mal.

Zeit: Geht gerade für Lesen drauf und für Unterrichtsvorbereitung. Vor allem Informatik frisst Zeit, das kann sich jeder vorstellen, der schon mal programmiert hat. Aber das ist Vorbereitung, die Spaß macht.
Zur Zeit besucht wieder die Schulleitung den Unterricht der Lehrer: Beurteilungszeitraum. Das interessiert die Schüler schon auch, was es damit auf sich hat. Wenn man da sagt, dass man als Lehrer auch nicht weiß, kommen die Schüler schon auch mal mit Gegenbeispielen: “Also, der Herr X, der hat das gewusst. Weil da haben wir plötzlich etwas ganz anderes gemacht als sonst, und das hat auch gar nicht zu dem gepasst, was wir in der Stunde zuvor gemacht haben.”

Vielleicht sollte ich auch was vorbereiten; in Informatik in der 11. arbeite ich immer wieder mit Post-it-beklebten Pappschildern, die sich Schüler umhängen, um einfach verkettete Listen darzustellen. (Ich erklär’s später mal.) Das könnte man gut als Grundwissensaufgabe trainieren, um dann beim Unterrichtsbesuch mit Trillerpfeife anzusagen: erstes Element entfernen, jetzt! oder auf mein Pfeifen: hinten einfügen! Dann kleben die betroffenen Schüler ihre Post-its um.

Fundstücke der letzten Tage:

10 Antworten auf „Könnten Sie das bitte mal kopieren?“

  1. Gibts denn bei euch keinen Schülerkopierer? Eine Kopie 5 Cent, Papiervorkommen im Kopierer ist (aus sinnigen Gründen) erstmal auf einen kleinen Stapel limitiert, Nachschub gibts auf Nachfrage im Sekretariat – das hat bei uns ganz gut funktioniert. Da wurden dann auch keine Lehrer belagert ;-)

  2. Es gibt einen Schülerkopierer, aber der ist zum einen genauso oft kaputt wie es Kopierer an Schulen sind, vor allem ist er aber nur zu bestimmten Zeiten – 9.30 bis 12.15 Uhr – zugänglich. Und Kopien sind gerne mal dringlicher. – Wenn es wirklich dringend ist, kein Problem, auch wenn sich um manche Kopieraufträge die Lehrkraft selber kümmern sollte.

    Zum Thema Kopieren gerade gelesen: Lehrer sind Diebe. Etwas harsch formuliert, aber Vorbilder sind manche Lehrer nicht, wenn es um das Einhalten von Gesetzen geht. Dabei lernen Schüler, dass man sich nicht an Gesetze halten muss, wenn man diese unpraktisch findet.

    (CDU/CSU/FDP arbeiten gerade am 3. Korb der Urheberrechtserneuerung. Schwerpunkt: Leistungsschutz, also Verschärfung.)

  3. Hallo, klingt ja so, als wäre der Informatikunterricht inzwischen fast sinnvoll. Wenn ich mir überlege wie es bei uns damals war: ein wenig mit dem toten Turbo Pascal rum probieren … (Habe übrigens von einem Schüler gehört, dass Sie Ihre Sache nicht schlecht machen)

    Was bringen denn Beurteilungen, wenn der Lehrer sich darauf extra vorbereitet?

  4. Vielen Dankf ür den Vortrag und die Vorführung. Die Wichtigkeit des Rhythmus war mir auchs chon aufgefallen – daran hätte Fred Astaire seine Freude haben müssen. Manchmal sieht es aus, als hätte Moschen drei Hände. Bin erst bei der Hälfte, schaue den Rest aber auch noch an.

    Nachtrag: sehenswert, sehenswert, sehenswert. Bis zum Schluss.

    tivno, Beurteilungen bringen so oder so nicht viel. Ich glaube nicht, dass sich viele Lehrer wirklich auf die Besuche vorbereiten. Hoffe ich jedenfalls.
    Aber ja, der Stoff des Informatikunterrichts ist schon okay. (Nur vielleicht zu viel, auf jeden Fall in der 10.) Und danke, das höre ich gerne; mit der 11. bin ich auch selber ganz zufrieden. In der 10. sind es knapp doppelt so viele Schüler, weniger Stunden, weniger Vorkenntnisse und ein Pflicht- statt Wahlpflichfach, da arbeite ich noch am richtigen Zugang.

  5. Das erste Fundstück wirkt geradezu bedrohlich, wenn man davor noch das Jugendbildnis mit dem Hühnerbein rechts oben in der Anzeige hatte.

  6. “Zum Thema Kopieren gerade gelesen: Lehrer sind Diebe.”

    Ich habe diesen Artikel gerade gelesen und folgendes Zitat gefunden:

    “Die Kopierwut könne dazu führen, dass sich für die Verlage die Entwicklung neuer, didaktisch guter Lehrwerke nicht mehr lohne und sie die Lehrmittelherstellung über kurz oder lang einstellten.”

    Ich glaube aber, dass erst umgekehrt ein Schuh draus wird. Lehrer kopieren so viel, gerade weil es viele schlechte Lehrwerke gibt, die den Bedürfnissen von Lehrern und Schülern nicht gerecht werden und deshalb immer wieder ergänzt werden müssen. Außerdem Gründe für das viele kopieren:

    - wie im Text gesagt: geringe Etats für Anschaffungen
    – Forderung nach Lehr- / Lernmethoden, die sehr Materialintensiv sind (Schüler erarbeiten sich Inhalte selbst. Dafür brauchen sie Stoff.)
    – Schulbücher, die keine Ansätze zur Differenzierung bieten.
    – Schulbücher, die den unterschiedlichen Lehransätzen der Lehrkräfte nicht gerecht werden können.
    – Schulbücher die einzelne Themen gut, andere schlecht darstellen und deshalb Kapitel wieder aus anderen Schulbüchern ergänzt werden müssen.
    – Schulbücher, die nicht auf modernen Lehrmethoden basieren (insbesondere im Englischunterricht)
    – zunehmende Problematik, dass sich relevantes Wissen nicht mehr zwischen zwei Buchdeckel pressen lässt, sondern dieses aus dezentralen Quellen zusammengesucht werden muss.

  7. Ich kopiere selten aus Schulbüchern. Allerdings fällt mir das leicht, da ich zur Zeit nur Deutsch und Informatik unterrichte; da gibt es wenig Grund, viel zu kopieren, was nicht direkt aus meinem Drucker kommt. Anders ist das mit Englisch, da lohnen sich direkte Kopien häufiger, aus den angegebenen Gründen. (Für andere Fächer kann ich das nicht beurteilen.)

    Was also nötig wäre, sind Open Source Schulbücher; am einfachsten digital. Und nicht nur open source, sondern so lizensiert, dass die Lehrer flexibel damit arbeiten können – geeignetes GPL oder CC-Lizenz. Es gibt so viel freie Software, an denen auch Teams arbeiten, und manche davon in ihrer Freizeit. Da sollte es doch irgendwann mal auch mehr Schulbücher in dieser Form geben.

    Ein anderer Ansatz ist etwa OER Commons (Open Educationcal Resources), da kann Material veröffentlicht und getauscht werden. Aber ein koordiniertes Gemeinschaftsprojekt ist das nicht.

    Das letzte, das ich ungefragt und damit illegal kopiert habe (wenn ich den Verlag gefragt hätte, hätte mir der das vermutlich erlaubt), war ein Theaterstück aus einem Schulbuch, auf Englisch. Mit verteilten Rollen. Jeder Schüler markierte seinen Text, strich Ergänzungen an, fügte Regieanweisungen hinzu – natürlich muss man so etwas kopieren. Lieber wäre es mir noch gewesen, ich hätte jedem Schüler eine Audioaufnahme als Datei zur Verfügung stellen können. Zum Üben zu Hause.

    Das heißt also: Der nächste Schritt wäre der, dass sich ein Häuflein unerschrockener Englischlehrer zusammensetzt, ein kleines Theaterstück schreibt – Robin Hood, King Arthur – und gemeinsam eine Tonaufnahme erstellt, quasi als Vorbild für die Schüler. Und das der Lehr- und Lernöffentlichkeit zum Geschenk macht.

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