Nachrufe

Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen.

Rutger Hauer ( † Juli 2019) als Roy Batty in Blade Runner

Ich habe diese Zeilen zum ersten Mal 1982 gehört; ob sie mir da sofort aufgefallen sind oder erst ein Jahr später, das weiß ich nicht mehr. SIe leuchteten mir sofort ein und führten dazu, dass ich als Teenager über Sterblichkeit nachdachte, vermutlich zum ersten Mal ernsthaft.

Batty trauert nicht um sich, sondern um all das, was mit ihm sterben wird: Seine Empfindungen, seine Erinnerungen, das Schöne und Aufregende und Überwältigende, das er gesehen hat. Jeder Mensch ist eine eigene Welt, die mit ihm stirbt.

Hinterfragt habe ich die Zeilen erst jetzt. Dieser fast solipsistische Ansatz gefiel mir als Teenager, und dass ich weniger wichtig bin als meine Erinnerungen, das passte zu meinem Selbstbild. Aber den Menschen um dich herum ist es völlig egal, ob du C-Beams gesehen hast oder nicht, ob du vor der Schulter des Orion warst oder nicht oder dir das nur eingebildet hast.

Ach. Sophie, ich vermisse dich. Dreimal habe ich dich getroffen; du warst auf unserem Fest, hast das Geschenk besorgt; du warst klug und lieb, und wohl krank. Und jetzt bist du tot und wir hätten vielleicht mehr tun müssen.