Der englische Schulroman (neue Abenteuer im Papierweb)

Ende der Sommerferien brachte ich mir aus England ein Buch mit, das mir zufällig untergekommen war: Stalky & Co von Rudyard Kipling. Ich hatte schon mal davon gehört, außerdem lese ich Kipling gerne (so gerne, dass ich einen Eintrag über ihn schreiben muss), und es war eine schöne Ausgabe. In neun Episoden werden darin die Abenteuer eines Triumvirats von Schuljungen an einer public school erzählt: Stalky, M’Turk und Beetle.

kipling_stalky Toll erzählt, wie fast immer bei Kipling. Er verzichtet auch weitgehend auf die Wiedergabe von Dialekt, die manche seiner Geschichten – und vor allem manche Gedichte – für mich unlesbar macht.

„In Ambush“

Die drei Helden werden vorgestellt. Selbstbewusste, selbstständige Außenseiter; machen nicht bei den semi-freiwilligen Football-Spielen mit, nicht mal als Zuschauer. Sie stehlen sich lieber heimlich davon, um zu rauchen und, äh, zu lesen. Ihr geheimes Lager befindet sich zur Zeit auf dem Grundstück eines streitbaren benachbarten Gutsbesitzers, der eigentlich gar nicht gut auf Fremde zu sprechen ist, die sich auf seinem Gelände herumtreiben. Die drei haben ihn sich mit folgender Szene zum Freund gemacht, die ich dreimal lesen musste, bevor ich sie verstanden habe. Der Hintergrund: die drei werden fast vom Aufseher erwischt, als er Schüsse aus seinem Gewehr abgibt. Statt sich davon zu machen, stürmt der junge M’Turk, selbst zukünftiger Landbesitzer, empört zum Gutsbesitzer:

He choked with emotion. M’Turk’s heel tapped the lawn and he stuttered a little–two sure signs that he was losing his temper. But why should he, the offender [i.e. the trespasser], be angry?
„Lo-look here, sir. Do–do you shoot foxes? Because, if you don’t, your keeper does. We’ve seen him! I do-don’t care what you call us–but it’s an awful thing. It’s the ruin of good feelin‘ among neighbors. A ma-man ought to say once and for all how he stands about preservin‘. It’s worse than murder, because there’s no legal remedy.“
M’Turk was quoting confusedly from his father, while the old gentleman made noises in his throat.
„Do you know who I am?“ he gurgled at last; Stalky and Beetle quaking.
„No, sorr, nor do I care if ye belonged to the Castle itself. Answer me now, as one gentleman to another. Do ye shoot foxes or do ye not?“

Von einem Gentleman zum anderen, auf Augenhöhe sozusagen: es gibt nichts Schändlicheres, als nach Füchsen zu schießen. Fie! Der Aufseher wird natürlich sofort entlassen, der Gutsbesitzer entschuldigt sich vielmals.
Da rieb ich mir das erste Mal verdutzt die Augen und ich wusste, dass ich mich in einer fremden Welt befand.

„An Unsavoury Interlude“

Auch diese Schule ist in houses unterteilt. Das Haus von Stalky & Co wird beleidigt, sie rächen sich. Schön ist der Einblick in die Welt der Lehrer und der Dienstboten, die alle in den kleinen Krieg hineingezogen werden und keinesfalls unparteiisch bleiben.

Zum Personal: Es gibt die masters (Macrea, Hartopp, King, Prout); jeder hat ein house unter sich, ihr gemeinsames Reich ist der common room. Über allem steht der head.
Forms sind die verschiedenen Klassen, einzügig natürlich; die ältesten sind in der sixth form. (Teilweise wird noch nach upper und lower unterschieden, etwa in: upper third.) Prefects sind ältere, Aufsicht führende Schüler; eine Vertrauensposition, die Stalky & Co verwehrt bleibt. Fags sind junge Schüler, die Dienstbotenaufgaben für ältere Schüler verrichten (oder verrichten müssen) und dafür gewisse Privilegien genießen.
Die Schüler leben ziemlich selbstständig in ihren Räumen. „Number 12 form room“ ist das Aufenthaltszimmer einer Klasse; verdiente Schüler ergattern einen der kleineren Räume für sich, etwa „number five study“, in der Stalky & Co untergebracht sind.
Prügelstrafe ist akzeptiert und an der Tagesordnung.

„The Impressionists“

Ein Lehrer behauptet, Stalky & Co seien ein schlechter Einfluss für die Schule. Daraufhin erwecken sie gezielt den Eindruck, ihr Haus sei moralisch völlig verkommen – Glücksspiel, Wucher, dunkle Andeutungen wesentlich schlimmerer Dinge. Mitschüler laufen bleich und verstört herum – dabei haben sie nur harmlose Gruselgeschichten erzählt:

„You remember Mrs. Oliphant’s ‚Beleaguered City‘ that you lent me last term?“ said Beetle.
The Padre nodded.
„I got the notion out of that. Only, instead of a city, I made it the Coll. in a fog—besieged by ghosts of dead boys, who hauled chaps out of their beds in the dormitory.

Gut, musste ich mir also gleich das Buch besorgen. Und außerdem weiß ich jetzt, wo Neil Gaiman – ein großer Kipling-Freund – seine Untoten-Schule in Sandman #24 her hat, die zur Spin-off-Serie der Dead Boy Detectives geführt hat.

„The Moral Reformers“

Unangenehme Vorgänge unter den Jungen. Und wieder: dunkle Andeutungen:

„Good heavens!“ said the Reverend John absently. It was some years before Beetle perceived that this was rather a tribute to [Beetle’s] innocence than observation. The long, light, blindless dormitories, devoid of inner doors, were crossed at all hours of the night by masters visiting one another; for bachelors sit up later than married folk. Beetle had never dreamed that there might be a purpose in this steady policing.

Aber erst einmal nichts Sexuelles, sondern nur ein schwerer Fall von bullying. Der Hauspfarrer bittet die Jungs, doch mal die Augen aufzuhalten und sich darum zu kümmern. Und das machen sie, indem sie die drei Übeltäter in eine Falle locken, indem sie einen von sich zum Opfer anbieten („The bleatin‘ of the kid excites the tiger“). Sobald die drei in ihrer Gewalt sind, werden sie strikt nach Katechismus ein bisschen zurückgefoltert:

„Did you give Clewer Head-knuckles?“ […]
„We did, confound you!“
„Then you’ll be knuckled;“ and knuckled they were, according to ancient experience. Head-knuckling is no trifle; „Molly“ Fairburn of the old days could not have done better.
„Did you give Clewer Brush-drill?“ This time the question was answered sooner, and Brush-drill was dealt out for the space of five minutes by Stalky’s watch. They could not even writhe in their bonds. No brush is employed in Brush-drill.
„Did you give Clewer the Key?“ […]
The torture of the Key – which has no key at all – hurts excessively. They endured several minutes of it, and their language necessitated the gag.
„Did you give Clewer Corkscrews?“
„Yes. Oh, curse your silly souls! Let us alone, you cads.“
They were corkscrewed, and the torture of the Corkscrew—this has nothing to do with corkscrews—is keener than the torture of the Key.
[…]
„He says no. Rock him to sleep. Campbell can watch.“
It needs three boys and two boxing-gloves to rock a boy to sleep. Again the operation has nothing to do with its name. Sefton was „rocked“ till his eyes set in his head and he gasped and crowed for breath, sick and dizzy.

„The Flag of Their Country“

Stalky, Beetle und M’Turk werden im Lauf der Geschichten älter. Sie rauchen Zigarren, bis sie kotzen müssen. (Und konjugieren dabei: Je cat, tu cat, il cat. Nous cattons! Cat = schoolboy slang für „kotzen“.) Sie flirten mit der Bedienung und deren Mutter. In den letzten Geschichten findet die Welt außerhalb der Schule mehr und mehr ihren Weg zu den Schülern. Ehemalige kommen zu Besuch, die vom Empire erzählen, vom Krieg, von den ersten gefallenen Ehemaligen. Der Erzähler lässt gelegentlich Bemerkungen fallen über die Zukunft der Jungen: „… said Hogan, not foreseeing that three years later he should die in the Burmese sunlight outside Minhla Fort.“

„The Flag of Their Country“ ist eine der witzigsten Geschichten im Buch. Ich musste – allerdings nicht zum ersten Mal im Buch – mehrfach laut lachen. Ich weiß nicht, ob ich das hier erklären kann.
Die Handlung beginnt mit Extrasportstunden als Strafarbeit, und während dieser Stunden müssen die Schüler (von denen ein Großteil später zum Militär gehen wird) Formalausbildung machen, also: Marschieren üben, Rechtsum, solche Sachen. Das sieht ein Gast, hält das Herumalbern für Ernst und sorgt dafür, dass ein Kadettenkorps an der Schule eingerichtet wird. Das ist freiwilliger Extraunterricht, mit dem sich Schüler auf die Militärakademie vorbereiten können; später sind auch Uniformen angekündigt, geübt wird mit echten, aber unbrauchbar gemachten Gewehren.
Den Jungs macht das Spaß, auch wenn sie keinen anderen aus der Schule zuschauen lassen, auch keine Lehrer, und sich weigern, öffentlich aufzutreten. Sie üben zum Beispiel auch dadurch, dass sie – immer abwechselnd – sich vor die stillgestandene Mannschaft stellen und diese im besten Kasernentonfall anschreien und beleidigen. Wer zuckt oder rot wird, muss nach vorne und löst den bisherigen Anschreier ab.

Das Vergnügen daran wird ihnen dadurch genommen, dass ein wohlmeinender M.P. stolz an der Schule vorbeischaut und einen patriotischen Vortrag hält, der gegen die Kate Fox’schen Prinzipien moderation und modesty verstößt. Damit ist das Kadettenkorps an der Schule Geschichte.


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Natürlich musste ich danach den Essay Boys‘ Weeklies von George Orwell lesen. Darin berichtet er von der Fülle an Zeitschriften für Jungs, die es zu seiner Zeit gab, von vielen neuen, aber auch zwei der älteren Vorbildgeneration. Allen gemein ist, dass ein idealisiertes Bild der public school gezeichnet wird. Ein Bild, das sich obendrein seit vor dem ersten Weltkrieg nicht verändert hat. Orwell sieht Stalky klar als Vorläufer dieser Geschichten, auch wenn Kipling sicher meisterlicher und auf ganz andere Art blauäugig schreibt.
Nach Orwells Einschätzung lesen die meisten englischen Jungs diese Magazine, aber wer dann mit zwölf tatsächlich auf eine renommierte public school geht, hört dann auf damit; wer auf eine weniger renommierte Privatschule geht, liest sie ein paar Jahre weiter. Und ja, auch die working class mag diese Geschichten und träumt von den public schools. Lesenswert ist der Essay, wenn es um die Leserschaft solcher Magazine geht, und weil darin viel über das Wesen von Serien überhaupt gesagt wird.

The Magnet hieß das bekannteste dieser Magazine, und ihr bekanntester Held war Billy Bunter, „one of the best-known figures in English fiction“. Die Geschichten sind „the clean-fun, knock-about type of story“. „Sex is completely taboo, especially in the form in which it actually arises at public schools“. (Vergleiche Stephen Fry, The Liar.)

Also musste ich Billy Bunter lesen.


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Billy Bunter war zuerst eine Nebenfigur in den Magnet-Geschichten um die Schule Greyfriars. Die Hauptpersonen waren die Famous Five (nicht zu verwechseln mit den Famous Five von Enid Blyton): Harry Wharton, Bob Cherry, Frank Nugent, Johnny Bull und Hurree Jamset Ram Singh, Sohn eines indischen Nabob mit idosynkratischem Englisch. Alles aufrechte, wackere Internatsschüler. Aber Billy Bunter wurde schnell populärer als diese Helden: er ist dick, faul, geschwätzig, gefräßig, eigennützig, ein chronischer Schnorrer, dessen angekündigter Brief mit Geld nie ankommt und der seine Schulden nie zurückzahlt. Ein echter Antiheld. Seine Abenteuer erschienen von 1908 bis 1940 in The Magnet und danach in Romanform. 1967 erschienen die letzten Romane des ursprünglichen Autors.

(Aber auch danach blieb Bunter aktiv. Er spielt in Alan Moores The League of Extraordinary Gentlemen: The Black Dossier mit. In But for Bunter (1985) von David Hughes taucht Bunter als rüstiger Neunundachtzigjähriger auf. Von Val Andrews gibt es Sherlock Holmes and the Greyfriars School Mystery. Und Bunter Sahib (1985) von Daniel Green erzählt die Abenteuer seines Ururgroßvaters im Indien des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist da die Parallele zu Flashman, dem berühmtesten Antihelden und Abenteurer des 19. Jahrhunderts, ebenfalls einem Public-School-Roman entsprungen. — Jedenfalls musste ich mir die drei genannten Bücher gleich besorgen, aber davon wird ein anderes Mal die Rede sein.)

Billy Bunter’s Rebellion ist eher harmlos. Bunter weigert sich, zu arbeiten, wird bestraft, verweigert die Bestrafung, härtere Strafen werden angekündigt, aber Bunter entgeht immer wieder der Durchsetzung, und der Konflikt zwischen Autorität des Lehrers und Trotz des Schülers schaukelt sich immer weiter hoch, bis Grenzen überschritten werden – aber eine befriedigende Auflösung fehlt. Irgendwann heißt es dann, dass Bunter wieder im Karzer sitzt, arbeiten muss, mit Prügeln gestraft wird, und nicht mehr auskommen kann. Aber richtig befriedigend ist dieses Ende nicht. Immerhin, ich habe mir ein paar Magnet-Faksimile-Ausgabe besorgt, um mir mal die Originaltexte anzuschauen.


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Ein Kapitel von Billy Bunter’s Rebellion ist betitelt: „Waxy!“ Schülerjargon dieser Zeit. Diesem Wort war ich vorher nur einmal begegnet, aber das doch so, dass ich es mir gemerkt habe. Und das war in William Golding, Lord of the Flies. (Blogeintrag dazu, in dem ich auf den schönen alten public-school-Slang hinweise. Da wusste ich noch nicht, wie alt diese Sprache war.)

Und plötzlich ging mir ein Licht auf. Lord of the Flies muss man eigentlich vor dem Hintergrund dieser hanebüchenen Schulromane lesen. Vor allem die in Richtung Billy Bunter. Denn Kipling wusste in Stalky sehr wohl, dass Jungen Wilde sein können:

Now that West-African war-drum had been made to signal across estuaries and deltas. Number Five was forbidden to wake the engine [d.h. diese Trommel] within earshot of the school. But a deep, devastating drone filled the passages as M’Turk and Beetle scientifically rubbed its top. Anon it changed to the blare of trumpets–of savage pursuing trumpets. Then, as M’Turk slapped one side, smooth with the blood of ancient sacrifice, the roar broke into short coughing howls such as the wounded gorilla throws in his native forest.

So bereiten sich Stalky & Co darauf vor, die Ehre ihres Hauses zu verteidigen.


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Der Großvater all dieser Schulromane ist natürlich Tom Brown’s Schooldays von Thomas Hughes. Das ist auch der Roman, dem George Macdonald Fraser den fiesen Harry Flashman entnommen und zum Helden der oben schon erwähnten Flashman-Serie gemacht hat.

Das Schlagwort zu Hughes‘ Erziehungskonzept lautet Muscular Christianity: Christliche Werte, ja, aber auch viel Sport. Der gesellige, selbstbewusste, aktive Tom Brown und der kluge, fleißige, aber schüchterne Arthur ergänzen sich erst zum Idealbild. Ach ja, und der Roman spielt in Rugby (der public school), wo das gleichnamige Spiel erst kurz zuvor erfunden worden war.

Aus dem Vorwort zur 6. Auflage:

Several persons, for whose judgment I have the highest respect, while saying very kind things about this book, have added, that the great fault of it is ‚too much preaching‘; but they hope I shall amend in this matter should I ever write again. Now this I most distinctly decline to do. Why, my whole object in writing at all was to get the chance of preaching! When a man comes to my time of life and has his bread to make, and very little time to spare, is it likely that he will spend almost the whole of his yearly vacation in writing a story just to amuse people? I think not. At any rate, I wouldn’t do so myself.

Erfrischend ehrlich, und trotzdem gar nicht so übel zu lesen.


Was mir aufgefallen ist: Hat der Schulroman als typisch englische Gattung auch zum Entstehen der typisch englischen Gattung des Universitätsromans geführt? Bedeuten die erkennbaren Parallelen zwischen Kiplings Schul- und Regimentsgeschichten etwas? Auch die Regimentsgeschichten um Private McAuslan von, wieder einmal, George Macdonald Fraser gehören in diese Ecke, und nicht zu vergessen die letzte Stalky-Geschichte von Kipling:

„Slaves of the Lamp. Part II“

Im ersten Teil, einem frühen Kapitel, hatten die Schüler der Schule ein orientalisches Theaterspiel aufgeführt. Themen und Methoden des dort geschilderten Streichs werden hier wieder aufgegriffen – aber die Geschichte, die in einer Rahmenhandlung erzählt wird, spielt fünfzehn Jahre später, in Afghanistan, im Krieg im Dienste der Königin.

Hier sind wir schon sehr nah an der Grenze zu Flashman, zu Armee-Anekdoten aus dem Empire. Und diente nicht Kiplings fiktive Schule dazu, genau solches Menschenmaterial für das Empire heranzuziehen? Das erklärt, warum die letzten Geschichten mehr und mehr mit der Armee zu tun haben. Allerdings ist das auch wieder realistisch; für Schüler dieser Schule und Kinder dieser Eltern ist die Armee der natürliche Schritt nach dem Schulabschluss.

Dennoch: eine ungemein interessante, fremde und witzige Lektüre mit einer ganz eigenen, die folgenden Generationen prägenden Sprache.

Die Rahmenhandlung der letzten Geschichte beginnt übrigens damit, dass alte Schulfreunde bei Wein und Tabak zusammensitzen und sich an ihre Schulzeit erinnern, Geschichten aus den Kriegen in Afghanistan austauschen und vor allem an den einen Schüler denken, der nicht unter ihnen sitzt, aber dennoch sehr präsent ist – in diesem Fall Stalky.


Eines meiner Lieblingsbücher, Lost Horizon von James Hilton, beginnt mit einer vergleichbaren, nur etwas realistischeren Szene:

Cigars had burned low, and we were beginning to sample the disillusionment that usually afflicts old school friends who have met again as men and found themselves with less in common than they had believed they had.

Diese Szene spielt vierzig Jahre später als die letzte Stalky-Geschichte, aber es geht wieder um Afghanistan, und der abwesende gemeinsame Schulfreund heißt Hugh Conway – und seine Geschichte ist es, die im Roman erzählt wird.

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Zu Harry Potter müsste ich noch was schreiben, und zum Genre des magischen Schulromans. Aber irgendwann muss Schluss sein.

Und all das nur, weil ich in England auf Stalky & Co gestoßen bin. Eigentlich hatte ich andere Pläne. Damn you, Kipling!

— Zur Zeit lese ich Her Fearful Symmetry von Audrey Niffenegger. Und schon jetzt möchte ich A Fine and Private Place von Peter S. Beagle wiederlesen, der einige ganz ähnliche Motive benutzt – einen Friedhof als Schauplatz; menschenscheue Gestalten; etwas Phantastik. Der Titel dieses Erstlingswerks ist ein Zitat aus Andrew Marvells „To His Coy Mistress“, ein Gedicht, das Niffenegger in ihrem ersten Roman, The Time Traveler’s Wife als Leitmotiv einsetzt. Es hängt irgendwie schon wieder alles zusammen.

11 Antworten auf „Der englische Schulroman (neue Abenteuer im Papierweb)“

  1. Hinter Stalky verbirgt sich Kiplings Schulfreund, der spätere General Lionel C. Dunsterville. Seine Autobiographie „Stalky’s Reminiscences“ ergänzen Kiplings Geschichten.

    Und wenn man sich durch Zufälle leiten lassen will: Arthur Corkran (Stalky’s Real Name) hat mich zu Thomas Cochrane, 10th Earl of Dundonald geführt – seine Biographie: Cochrane the Dauntless ist allemal lesenswert.

  2. „I gloat! I gloat!“ (die deutsche Übersetzung von Stalky & Co. hat hier das schöne „Tiralala-itu! Ich muss jodeln“, bei uns zu Hause sprichwörtlich).

    Endlich einer, der Kipling intelligent liest, Freude herrscht. Jetzt noch die Dunsterville-Bücher ausserhalb von Amazon finden, dann ist das Glück vollkommen.

    Herzlich
    ar

  3. An eine deutsche Übersetzung hatte ich noch gar nicht gedacht. Bei Spiegel-Gutenberg gibt es eine alte Übersetzung, ich besorge mir auch mal eine neuere von Gisbert Haefs. Vielleicht geht ja doch mal was in der Schule.
    Ach, ein Haushalt, in dem Kipling sprichwörtlich ist! (Kipling, der englische Tadellöser & Wolff?)

  4. Kipling : Kempowski = 1 : 0. Und oh, konnte der Mann (K1) formulieren! Oder jäten Sie Ihren Garten etwa nicht mit „broken dinner knives“, real und metaphorisch?

    Es war übrigens die alte deutsche Übersetzung, von Haefs kenne ich nur das Dschungelbuch – ach, wenn es mein Patenkind doch läse. Zum Vorlesen ist sie leider schon zu gross, vielleicht mal bei den eigenen testen, ob es schon geht …

    Die Dunsterville-Bücher sind beim Buchhändler meines Vertrauens bestellt, mehr nach der Lektüre. Aber wenn Sie mal nach Zürich kommen sollten: Herr Nufer bei http://pileofbooks.ch/ findet fast alles, hat vieles, schickt es auf Wunsch auch und veranstaltet ab und zu schöne Konzerte.

    Gruss aus der City of Dreadful Nights (keine Geister, nur Rechnungen zahlen und verspätete Referate vorbereiten)
    ar

  5. Bei uns steht noch eine ältere Dschungelbuch-Übersetzung im Haus (wohl von Dagobert von Mikusch) mit „Dschungel“ als Femininum Singular – eine Fundstelle im Web sagt, weil „the Jungle“ bei Kipling mit „she“ bezeichnet wird. Ich habe das Buch schnell durchgesucht und bin auf nichts in der Art gestoßen – gar keine Genusmarkierung bisher, nur einmal „which“ als Relativpronomen.

    Hier habe ich nochmal was über Kipling geschrieben.

    Immer wenn ich in Brighton bin, mache ich einen Spaziergang nach Rottingdan zu den Kipling Gardens. Da hat Kipling gewohnt, während er Stalky & Co. geschrieben hat.

  6. „the above link threw a 404“ – schade, ich hätte auf Erholung vom Refererat Schulabsentismus (es steht! Und ist nicht ganz so plattfüssig wie erwartet!) gehofft.

    Autos und Schiffe sind feminin bei K., an einen femininen deutschen Dschungel kann ich mich nicht erinnern und meine alte deutsche Übersetzung mit dem grünen Stoffeinband ist durch Haefs ersetzt worden, eigentlich schade.

    Osterferien in Burwash (http://www.youtube.com/watch?v=IUYE-kY3e5w) – sehr englisch und sehr schön. Youtube will mich nicht mehr, vielleicht funktioniert der Link ja bei Ihnen.

    12 MB auf die Plattform stellen und dann Frühstück für die Kinder – Ihnen Besseres
    ar

  7. Link verbessert, da war noch ein br-tag drin. Ich habe gerade Ferien, muss aber in die Uni zu einer Veranstaltung, danach etwas korrigieren. Aber geht, ich kann ausschlafen. :-)

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