Category Archives: Bücher

Verschwörungstheorien in den Zeiten vor dem Internet: Das Foucaultsche Pendel

By | 18.2.2017

(Nach meinen ersten Gedanken zur erneuten Lektüre hier der Rest.) Inhalt Die erste Hälfte des Romans ist die Vorgeschichte: Casaubon schreibt in den 1970er Jahren in Mailand an einer Dissertation über die Templer. Er lernt die etwas älteren Diotallevi und Belbo kennen, die bei einem Verlag arbeiten, der als Nebengeschäft Möchtegernautoren für obskure Produktionen Geld aus der Tasche zieht. Ein solcher ist Oberst Ardenti, der ein Manuskript, ein Dokument und eine Verschwörungs-Räuberpistole mitbringt. Bevor aus dem Geschäft etwas werden kann, verschwindet Ardenti unter mysteriösen Umständen; die Polizei unter Inspektor De Angelis munkelt von Mord und ermittelt, kommt aber zu keinem… Read More »

Gedanken beim Wiederlesen von Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel

By | 30.1.2017

Es kommen Erinnerungen auf: Ich habe das Buch zum ersten Mal 1990 gelesen, bald nach Erscheinen, begeistert vom Name der Rose, auch wenn ich für den einige Anlaufe gebraucht hatte. Es geht im Foucaultschen Pendel um Geheimnisse und Rätsel, zumindest oberflächlich, und schon in der Mitte der zweiten Textseite hatte ich damals Nachschlagewerke und Atlanten vor mir ausgebreitet und geheime Verbindungen zwischen den vielen mir fremden Orten und Begriffen herausgefunden, die vielleicht existiert haben mögen, vielleicht nicht – ein Web zum Nachschlagen sollte erst in einigen Jahren da sein. Mein Freund M. las das Buch parallel zu mir und etwa… Read More »

Martin Amis, Time’s Arrow (1991)

By | 15.1.2017

(Mit Spoilern, aber das Buch ist von 1991, die Spoiler sind hier nicht wichtig, und auf Spoiler kommt es eh nicht an.) Die Handlung dieses Buches folgt dem Leben eines Mannes, Tod Friendly (ein etwas ungewöhnlicher, aber kein einzigartiger Name, denken wir an den Regisseur Tod Browning). Ein Ich-Erzähler begleitet dieses Leben, und zwar beginnt das Bewusstsein des Ich-Erzählers zu dem Zeitpunkt, als Friendly stirbt – das Buch ist, man merkt es bald, sozusagen rückwärts erzählt: Friendly stirbt in hohem Alter, und der Ich-Erzähler gewinnt zu diesem Zeitpunkt das Bewusstsein; Friendly wird von Medizinern behandelt, es geht Friendly schlecht, bald… Read More »

J. C. Wezel, Belphegor (1776)

By | 4.1.2017

Nach der Erstauflage 1776 blieb das Buch vergessen, bis Arno Schmidt es 1959 in dem Essay „Belphegor oder wie ich euch hasse“ wieder in Erinnerung brachte. Hier ein Spiegel-Beitrag zur Neuveröffentlichung 1966. Inzwischen kann man Belphegor bequem als E-Buch lesen, leider nur unbequem bei gutenberg.spiegel.de – weshalb man sich am besten mit geeigneter Software aus den einzelnen Webseiten dort eine epub-Version zusammenbauen lässt für das E-Buch-Lesegerät der eigenen Wahl. Arno Schmidt vergleicht das Buch mit Voltaires Candide und Gulliver’s Travels von Swift. Wie bei Voltaire verschlägt es ein kleines Häuflein von Helden quer durch die Welt: Belphegor, der zumindest am… Read More »

Charlotte Lennox, The Female Quixote (1752)

By | 4.1.2017

Arabella wächst fernab von London in der Abgeschiedenheit des Anwesens ihres Vaters auf. Sie sie hat als Kind und Heranwachsende vor allem romances gelesen und nimmt deren Ereignisse für bare Münze, für Geschichtsschreibung. Alles, was ihr als junger Frau passiert, interpretiert sie vor diesem Hintergrund: Ein Gartenarbeiter, der ein wenig komisch schaut, ist für sie gleich ein verkleidetet Adliger, der sich unrettbar in sie verliebt hat und in die Bedienstetenrolle schlüpft, um heimlich in ihrer Nähe zu sein. (Als er beim Karpfenstehlen entdeckt wird, gelingt es ihr mit nur wenig Mühe, auch das in ihr Weltbild einzubauen.) Und fremde Berittene… Read More »

Bücher 2016

By | 1.1.2017

Meine gelesenen Bücher 2016. Zu einigen habe ich etwas gebloggt, zu anderen einen Podcast gemacht. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Ingesamt wieder nicht so viele Bücher wie früher. Am ergötzlichsten: Evelina und Jane Eyre. Salman Rushdie, Two Years Eight Months and Twenty-Eight Nights John Jakes, Schiff der Seelen (Podcast dazu) Andre Norton, Gefangene der Dämonen° (Podcast dazu) Robert E. Howard, Herrscher der Nacht° (Podcast dazu) J. J. Abrams, Doug Dorst, S. Freeman/Robson, Head First Design Patterns Slightly Foxed No. 49 John Jakes, Tochter der Hölle (Podcast dazu) Umberto Eco, Der Name der Rose° Andrew Crumey, Mr Mee Tim… Read More »

Man kennt das ja: Die Juwelen stecken immer im letzten Stuhl.

By | 16.10.2016

Gelesen: Ilja Ilf, Jewgeni Petrow, Zwölf Stühle Als Kind hatte ich irgendwann mal Dreizehn Stühle gesehen, schwarzweiß, mit Heinz Rühmann: Im Zuge einer Erbschaft erfährt der Held, dass in einem von dreizehn gutbürgerlichen Polsterstühlen wertvolle Juwelen versteckt sind. Die Stühle sind aber längst in alle Winde zerstreut, und natürlich ist unbekannt, in welchem Stuhl der Schmuck steckt. Auf der Jagd nach den Juwelen, von Stuhl zu Stuhl, erleben Held und Sidekick diverse Abenteuer. In einer Anthologie mit Schachgeschichten stieß ich dann zum ersten Mal auf die Originalfassung: Zwölf Stühle von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, 1928 als Fortsetzungsroman in der… Read More »

Marco Polo, Die Reisen des Marco Polo

By | 10.9.2016

Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren steht eine schöne englische Marco-Polo-Übersetzung bei mir im Regal, und jetzt habe ich sie endlich gelesen. Die erste Überraschung: Das Buch ist alles andere als ein Reisebericht; es ist nicht einmal besonders spannend. In einigermaßen geographischer Folge stellt Marco Polo die Reiche und Städte vor, die er gesehen hat. Ganz knapp steht da oft nur: welche Religion es gibt (Christen, Muslime, Götzenanbeter=Buddhisten), welche Bestattungsarten, welche Sprache, wem das Reich tributpflichtig ist, womit die Bewohner ihren Lebensunterhalt verdienen (Jagd, Ackerbau, Handwerk, Handel). Aber die Details sind dann doch interessant. Marco Polo berichtet von dem Rohstoff, der… Read More »

Fanny Burney, Evelina

By | 12.6.2016

Enttäuscht von den zuletzt gelesenen Werken des 21. Jahrhunderts und angeregt durch einen Besuch im Jane-Austen-Museum in Bath wandte ich mich kürzlich endlich Evelina von Fanny Burney zu. Burney ist noch mehr mit Bath verbunden als Jane Austen, die die Romane ihrer Vorgängerin sehr schätzte. Evelina (1778) ist Burneys erster und bekanntester Roman, vielleicht weil von moderaterem Umfang als ihre späteren Werke; er wurde bereits 1779 ins Deutsche übersetzt und ist als Scan online da und dort zu lesen – weitere Übersetzungen kenne ich nicht. Anglisten haben sicher zumindest von Fanny Burney gehört; in Deutschland kann sie mangels Übersetzung kaum… Read More »