Daphne du Maurier, Don’t Look Now

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BuchtitelbildDon’t Look Now (britischer Titel: Not After Midnight) ist das erste Buch von Daphne du Maurier, das ich gelesen habe; Rebecca kenne ich dem Namen nach und von dem berühmten Anfangssatz (dessen Ruhm ich nie ganz nachvollziehen konnte), und vielleicht habe ich mal in einer Horror-Anthologie „Die Vögel“ von ihr gelesen. Anlass war ein Podcast zur titelgebenden, bekannt verfilmten Geschichte; insgesamt sind fünf recht lange Kurzgeschichten in dieser Sammlung.

„Don’t Look Now“

(Habe neulich schon von dieser Geschichte erzählt, daher kurze Doppelung.) Spielt in Venedig, und der Film heißt auf Deutsch „Wenn die Gondeln trauer tragen“, und natürlich habe ich das früher immer mit Thomas Manns „Tod in Venedig“ durcheinandergebracht. Und es gibt ja auch Gemeinsamkeiten: Ein Protagonist auf der Suche nach einer oder der Flucht nach einer anderen Sache in Venedig, die Farbe Rot als Symbol des Todes, ein gescheiterter Versuch, der Stadt zu entkommen. In beiden Geschichten halten die Autoritäten Wissen um eine Gefahr in der Stadt zurück – bei Mann die Cholera, und bei du Maurier… da ist es etwas schwieriger. Bei Mann passiert nichts Spektakuläres, die Geschichte lebt von der Erzählweise; bei du Maurier ist die Erzählweise solides Handwerk, aber nichts Besonderes, interessant ist da allerdings die Frage, was überhaupt Geschehen ist und warum. Die Hauptfigur sieht Dinge, die nicht da sind, oder nicht mehr, oder noch nicht, oder nur so ähnlich sind; gleichzeitig gibt es eine Reihe von Todesfällen in Venedig, die vermutlich nichts mit ihm und seiner Geschichte zu tun haben, eine zweite, verborgene Handlung. Die Geschichte weist Leerstellen auf, insbesondere die eine am Ende, und man hat kaum Chancen, sie befriedigend zu füllen.

„Not After Midnight“

Ähnlich ist das in der zweiten Geschichte. Auch sie enthält sinistre Elemente, erzählt wird sie rückblickend von einem in der Zwischenzeit in Ungnade gefallenen Schulmeister, und am Ende weiß man vielleicht, wie das kam. Dennoch bleiben wieder Fragen offen – nicht so wie beim üblichen offenen Ende, wo nicht klar gesagt wird, was nach dem Ende der erzählten Handlung passiert; es geht vielmehr darum, was während der erzählten Handlung eigentlich genau passiert ist. Der Schulmeister ist im Urlaub in Kreta, wird gestört von einem überzeichneten älteren amerikanischen Paar, das er gerne besuchen darf, aber nicht nach Mitternacht. Warum? Und was macht die ältliche reiche Amerikanerin wirklich nachts im Taucheranzug?

„A Border-Line Case“

Wenige Seiten der Einstieg: Eine junge Schauspielerin, in Trauer über den Tod ihres Vaters, will einem seiner alten Kriegskameraden und früheren Familienfreund einen Überraschungsbesuch abstatten. In Irland beginnt dann die eigentliche Geschichte, und zwar wie eine Rückbesinnung auf die weird menace der Pulps: Die Schauspielerin erfährt, dass der zu Besuchende auf einer Insel lebt, wird von Unterlingen dorthin entführt, auch noch auf einen Turm, mit einem charmanten älteren Gastgeber, der seine Insel militärisch streng führt und geheime Experimente macht. Ich habe beim Lesen wild spekuliert, wenn auch nicht so wild wie die Heldin, die zwischendurch enttäuscht auf die Lösung „They were all homos“ kommt. Die tatsächliche Auflösung (eine Gruppe von IRA-Terrroristen) war dann so enttäuschend, und die Auflösung nach der Auflösung so offensichtlich für alle außer der Heldin, dass ich vermutet habe, die Geschichte ist aus irgendeiner Absicht heraus schlecht gemacht. Vielleicht ist sie einfach nur aus der Zeit gefallen. (Immerhin gibt es eine Fahrt/Entführung zum verdeckten Einsatz im Wagen des örtlichen Bäckers, noch mit dem Backwerk des Tages beladen. Das kann keine ganz unbewusste Absurdität sein.)

„The Way of the Cross“

Eine kleine englische Reisegruppe ist auf einem Abstecher in Jerusalem, ersatzweise von einem unvertrauten Geistlichen geleitet: reicher Amerikaner mit Frau, alte Jungfer, jungverheiratetes Paar mit Eheproblemen, feine Leute mit altklugem Enkel. Alle haben verschiedene Probleme, die zum Ausbruch kommen – und hat mich an nichts so sehr erinnert wie einen Slasher-Film, sagen wir: Nightmare on Elm Street. Die Gruppe wird getrennt, die Paare werden aufgelöst, treiben durch eine – für sie – fast schon alptraumhaft fremde Stadt und erleiden jeweils ein ironisch passendes Schicksal. (Aber alle überleben.) Hat mir gefallen, auch weil ich die wechselnden Perspektiven mal in der Schule einsetzen kann.

„The Breakthrough“

Diese Geschichte hat bei mir am wenigsten Spuren hinterlassen. Ein Geheimlabor beschäftigt sich statt mit offizieller geheimer Forschung mit eigener geheimer Forschung, es geht darum, die Seele eines sterbenden messbar zu machen, vielleicht einzufangen. Auf für mich unbestimmte Art und Weise geht es daneben. Es blieben keine Fragen offen, die mich interessiert hätten, und ich habe nichts Neues gelernt.

Weird Menace: Spicy Mystery Stories August 1935

Titelbild Pulp-Magazin

Die pulp magazines, das war eine Art seichte Unterhaltungsliteratur der USA hauptsächlich in den 1920er bis 1940er Jahren, abgelöst dann durch die Comic-Hefte. Ihren Namen haben die Magazine von dem billigen, holzhaltigen Papier, auf dem sie gedruckt waren, mit „wood pulp“ als Ausgangspunkt. Das Gegenstück waren die seriösen Magazine für Hausfrau und Hausmann auf teurerem Papier, die slicks.

Pulps gab es in allen möglichen Genres und Subgenres – Horror, Krimi, übermenschliche Verbrechensbekämpfer, Western, Liebesgeschichte, Science Fiction. Science Fiction auf der Erde, auf anderen Planeten, mit Raumschlachten oder mit Außerirdischen, technisch, weniger technisch – sehr auf den diskriminierenden Kunden ausgerichtet. Ganz ohne Sex oder mit ein bisschen Sex, das heißt: heftig wogende Busen und halbdurchsichtige Gewänder. Das gab es vor allem bei den Spicy Pulps aus dem Haus Culture Publications: Spicy Adventure Stories, Spicy Detective Stories, Spicy Mystery Stories, Spicy Western Stories.
Titelbild Pulp-Magazin

Anfang der 1930er brachten einige reguläre Detektiv-Pulps Geschichten mit übernatürlichen, bedrohlichen Geschichten; das kam an, ein neues Genre war geboren, und damit eine neue Reihe von Magazinen. Die Detektiv-Pulps kehrten zu ihren regulären Geschichten zurück oder stellten wie Dime Mystery (Book) Magazine ganz auf die neue Mode um. Diese Genre nannte man shudder pulps oder weird menace oder the weirds. Da ging es um sinistre Verbrechen, fehlende Körperteile, Entführung, Folter – eher unangenehmes Zeug. Ich habe eine Anthologie davon; deprimierende Lektüre.

Ein wenig besser – aber immer noch schlecht – ist die spicy Variante davon, und da habe ich gerade eine Faksimile-Ausgabe von Spicy Mystery Stories Vol I, No. 4, August 1935 gelesen. Hier die Geschichten darin:

(1) Robert Leslie Bellem, „The Executioner“

Enttäuschend, Bellem ist sonst einer der angenehm übertrieben blumigen Autoren. Hier eine schlichte Geschichte um den New Yorker Gerard, der einen Unfall erleidet und danach den Geist mit seinem ihm unbekannten eineiigen Zwillingsbruder Gerhardt (Scheidung, Emigration, Trennung der Kinder) in Deutschland taucht, der dort für Hitler als amtlicher Scharfrichter arbeitet und dazu gezwungen wird, seine Geliebte hinzurichten. (Die Zwillingstauschgeschichte ist völlig unnötig für die Handlung; in Deutschland ist Gerard auch nur ein bisschen ein verwirrter Gehrhardt. Am Ende sind beide tot.)

(2) Atwater Culpepper, „The Isle of the Restless Dead“

Schatzsuche mit einer kleinen Crew, Meuterei, verführerische exotische Frau (aber dazu mehr in späteren Geschichten), eine Bambuskathedrale eines wahnsinnigen Missionars, Juwelen. Ich kann mich an nicht viel erinnern aus dieser Geschichte; das spricht eher für sie. Ein paar Tahitianische Fremdwörter dazwischen, also nicht alles verloren.

(3) Ellery Watson Calder, „Cats of Cassandra“

Eine Wahrsagerin und cat lady erzählt ihrem Gast, der in Wirklichkeit ein Räuber ist, die Geschichte von Homers Kassandra, hat dann Sex mit ihm. Als sie sich in eine Katze verwandelt, tötet er sie, worauf er dann wiederum von ihren Katzen gefressen wird.

(4) Carl Moore, „Mate for Medusa“

Wir begeben uns zum ersten Mal in echtes weird menace territory. Ein Reporter besucht das Labor eines exzentrischen weltberühmten Chirurgen, das sich inmitten eines Sumpfes vor der Stadt befindet. Der hält seine Schwägerin gefangen, nachdem seine Frau – ihrer Schwester – Opfer seiner Experimente wurde. Der Reporer ertastet den Puls der Schwägerin:

There was no mark to mar the unflecked perfection of her loveliness; the racing heart-beat burning through soft flesh into the palm of his questing hand proved she had merely fainted.

Overwritten, much? Die Erwachte berichtet davon, wie sie davor schon mal erwacht war, weil sie von einem fremden Mann – eben nicht befingert wurde, denn:

The fumbling, passionate digits that swept across burning breasts, caressing he vibrant flesh, were not fingers. They were toes!

Kursiv im Original. Der verrückte Chirurg hat einem Patienten die Arme abgenommen und sich und seinem – schwarzen – Unterling jeweils einen dritten Arm verpasst. Der Armlose macht sich wieder an sein Opfer:

Seeking, probing toes skimmed caressingly over every curve of her round hips, across those tapering thighs so white in the moonlight

Den Rest der Beschreibung schenke ich mir. Die Frau des Doktors lebt noch, ist aber zu einer grotesken Riesing verformt; seine Assistenten lehnen sich aus niederen oder nicht niederen Gründen gegen ihn auf; die Helden werden gerettet und auch für die Ehefrau gibt es wohl noch Heilung.

(5) E. Hoffmann Price, „Naga’s Kiss“

Eine fast schon brauchbare Geschichte. Burma; der weiße Finlay unter abergläubischen Eingeborenen, unterstützt von seinem treuen Sikh-Gefährten. Eine Riesenschlange macht das Dorf unsicher, oder vielleicht ist es ein Schlangendämon? Eine geheimnisvolle Frau erscheint in manchen Nächten und verführt Finlay. Ist sie in Wirklichkeit das Schlangenmonster? Nein, stellt sich heraus, ist sie nicht, aber sie ist ein anderes Schlangenwesen. Am Ende tötet der Sikh die Schlangenfrau. – Interessant ist, wie sie im Bettgeflüster versucht, Verständnis für die Schlangenwesen zu erwecken.

(6) Jerome Severs Perry, „Dead Legs Walk“

Wieder weird. Ein Paar nackter wandelnder Frauenbeine – ohne Körper darüber – erschreckt den Zeitungsmann Dexter im nächtlichen Schlafzimmer; als der Licht macht, liegen zwei amputierte Frauenbeine und ein Drohbrief auf dem Boden: Er solle sich heraushalten, sonst gehe es ihm und den Beinen seiner Verlobten Doris schlecht; gez. The Doctor of Death.

Doris wohnt mit ihrer Halbschwester und dessen Ehemann zusammen. Ihr französisches Dienstmädchen ist verschwunden. Die Polizei wird verständig, die amputierten Beine sind verschwunden. — Der Drohbrief kann nur von Professor Astro kommen, einem Scharlatan, gegen den Dexters Zeitung eine Kampagne führt. Dexter dorthin:

The place was a brooding, rococo frame structure overshadowed by ancient, gnarled trees that wispered with a thousand sinister tongues in the night wind. Grotesque wooden ornamentation, twisted carvings, rotting and weather-decayed filigrees marked every inch of the black facade of the house; shuttered, unlighted windows loomed liked close eyes of a corpse. […] A malevolent, noxious atmosphere of foreboding permeated the very air that surrounded the house. In the trees above Dexter’s head, a bat flitted eerily… An owl hooted…

Das ist schon sehr viel sinistre Atmosphäre auf einmal. Zu viel, das ahnt der geübte Leser bereits: Professor Astro ist unschuldig, auch wenn die Leiche des Zimmermädchens bei ihm gefunden wird:

Her nude body gleamed whitely in the bluish light; her breasts, firm and heavy and crimson-centered[,] were rounded melons of pathetic, lifeless beauty.
And her swelling white thighs ended horribly in blood-raw, hacked ends of flesh from which pinkish bones protruded nauseatingly…

Es war wieder der Schwager, und alles nur ein elaborierter Plan.

(7) Don King, „Hell Hole of Horror“

Die Zirkusbesitzerfamilie Elkins scheint verflucht; es verschwinden im Lauf von Jahren mehrere ihrer Kinder. Der Polizist Lane ermittelt auf eigene Faust; die Spur führt in den Black Forest, wo es Schlangenspuk gibt und er eine exotische Schöne trifft:

It was already too dark to see the feminine ripeness that was so rapturously soft against him, but Lane’s sense of touch was keen enough to appreciate each quivering hill and each undulating valley of her figure.

Man möchte sich waschen nach der Lektüre. Auffällig die Metaphorik aus der Geologie, mit der hier Frauenkörper beschrieben werden. (Ein paar Zeilen davor erscheint noch „firm hillocks“.) Aufgeräumt aund aufgeklärt wird alles hektisch auf der letzten Seite der Geschichte: Böse alte Frau entführt Elkins Kinder und wandelt sie in Schlangenwesen um, die sie dann als Freaks an Zirkusse verkauft, um sich zu rächen. Stirbt an ihren eigenen Schlangen.

(8) Charles R. Allen, „Out of the Tomb“

Martin, Reporter, kriegt mit, wie im Hotelzimmer nebenan die schöne Helen einen kryptischen Drohbrief kriegt; als sie zum angeführten Ort fährt (einem örtlichen Friedhof mit Vampirlegenden), folgt er ihr heimlich mit dem Betreiber des Hotels, Costigo. Damit ist für erfahrene Leser alles klar. Auf dem Friedhof ist es unheimlich, am Ende stellt sich heraus, dass Costigo der unbekannte Mann war, der Helen und ihren Vater epresst hat (der war mit „Hasheesh“ willenlos gemacht worden). Costigo wird erschossen. – Eine zivile Geschichte, keine zu übertriebenen Stellen, nichts Unappetitliches, auch die Frauenkörperbeschreibung hält sich in Grenzen. Bin ich schon mal dankbar für.

(9) Charles A. Baker, Jr., „Bride of the Serpent“

Hier merkt man, dass die Autoren nach Wortzahl bezahlt wurden. Sich wiederholende Beschreibungen, die nichts zur Wirkung beitragen. – Sandra und ihr Ehemann Clive sind irgendwo in einem für sie exotischen Land; wir erfahren nicht mal einen Namen, aber es gibt natives und tropical heat. Die beiden besuchen Clives Cousin Malik, dessen Haus ganz im Schlangenmotiv gehalten ist: Teppich, Wandbehänge, Kaminsims, Feuerzangen, Leuchter. In der Nacht geht Sandra wie hyptnotisiert in das Haus, trifft eine Riesenschlange, liebkost sie auf metaphorisch auffällige Weise, bevor Clive die Schlange erschießt – und das Haus anzündet, denn der Schlangenleichnam war verschwunden; stattdessen lag dort Maliks toter Körper!

(10) Arthur Wallace, „Death Vault of Venus“

Ein frisch verheiratetes Paar im Bus Mailand-Rom. Der hat einen nächtlichen Unfall; in Begleitung eines anderes Fahrgasts, Dr. Vecchio (sic) suchen sie das in der Nähe gelegenen Haus von dessen Bekannten auf, Dr. Cagliostro (sic). Gruselschloss mit groteskem Zweg Ubaldo, mit Stiletten. Als wär seit Ann Radcliffe und der gothic novel nichts passiert. Vecchio ist ein ehemaliger Kollege von Cagliostro, der ein wahnsinnsiger, mordender Wissenschaftler, der dessen Frau und Tochter gefangen hält. Er wird überwältig.
Zuerst wollte ich lobend die Brocken Italienisch erwähnen, die man in der Geschichte aufschnappen kann, aber non podemos liberarnos kam mir recht Spanisch vor.


Zum Format: Alle Geschichten beginnen auf einer geradzahligen Seite, also links; so kann man auf die ersten Seiten jeder Geschichte eine große, über zwei Seiten gehende Illustration platzieren. Nach acht oder zwölf Seiten wird die Geschichte abgebrochen, falls sie nicht gerade zu Ende ist, damit die nächste Geschichte wieder auf einer Doppelseite beginnen kann; die letzten ganzen oder halben Seiten der ersten Geschichte stehen viele Seiten später am Ende des Magazins („Continued on page 118“).

Auffälliges: Der Held ist stets ein Mann; gibt es einen zweiten Mann als Nebenfigur, stellt sich dieser am Ende als der drahtziehende Schurke heraus. Eine Ausnahme ist (5), aber vielleicht zählt ein Sikh nicht als ebenbürtig. Der Mann besiegt das Böse stets, mit Ausnahme von (1) und (3) – in der letzten Geschichte ist das aber auch kein Held, sondern ein Räuber; und auch in diesen Geschichten stirbt – wie in allen – der Schurke. (3) und (5) sind die einzigen Fälle, in denen sich die Frau als zumindest teilweise böse herausstellt; sonst ist sie Opfer und muss gerettet werden. Die Frau ist entweder bereits mit dem Mann liiert (6, 9, 10) oder die beiden werden nach der Rettung ein Paar (2, 4, 7, 8). Zweimal hat die Frau eine Schwester oder Halbschwester (4, 6), das ermöglicht, diese stellvertretend für die Frau zum Opfer oder zur Mittäterin zu machen. Wissenschaft taucht als Chirurgie auf und ist gefährlich (4, 10). Verwirrspiel um Körperteile gibt es in (4) und (6).

Siehe auch: Ignaz Ferdinand Arnold, Der Schwarze Jonas (Blogeintrag) – das Äquivalent aus der deutschen Räuberromantik.

Karl May wiederlesen: Orientzyklus, Band 4-5

Diagramm zu In den Schluchten des Balkan

Nachdem ich letztes Jahr die ersten drei Bände gelesen habe, kommen hier meine Anmerkungen zu 4 und 5. Lang geworden, da Notizen für mich; unter den Diagrammen steht jeweils das Wichtigste.

In den Schluchten des Balkan

Titelbild "In den Schluchten des Balkan"

Kapitel 1: Kara Ben Nemsi, Halef, Osko und Omar Ben Sadek verfolgen die drei Flüchtigen. Sie erfahren, dass noch jemand hinter diesen her ist, wohl ein Bote, der sie vom Überleben der Helden informieren will. Außerdem fällt zum ersten Mal der Name des Schut als Anführer der Räuberbande. Kara trennt sich, weil der mit seinem schnellen Pferd und Querfeldeinritt den Boten überholen will; er wird die anderen später treffen. Auf dem Weg gewinnt er das Vertrauen des Rosenzüchters Jafiz, der schenkt ihm Rosenöl (gegen Tabak), hilft ihm beim Weg, und empfiehlt ihm seinen Bruder Schimin, einen Schmied – der kenne Geheimzeichen der Räuberbanden. Kara erreicht die Schmiede und befreit den Schmied und dessen Frau – die drei Flüchtigen hatten sie im Keller gefangen, weil sie erkannt worden waren. Der Schmied erzählt vom neuen Geheimzeichen, einer silbernen Schnalle. Philosophisches Gespräch zwischen Kara und Schimin über Kolonialisierung.
Bald taucht auch der erwartete Bote (Pimosa/Mosklan) auf und wird selber in den Keller gesteckt.

Kapitel 2: Mosklan behauptet, Boschak, ein Zuckerbäcker und Färber, könne für ihn bürgen. Auf dem Weg zu diesem schließt Kara – wieder einmal – zufällig günstige Freundschaft mit einem Fremden, Ali, der Ikbala, die Tochter Boschaks liebt – unterstützt von der Mutter, wogegen der Vater sie eben dem Mosklan versprochen hat. Kara hilft der Mutter und entdeckt dabei ein Schmugglerlager Boschaks. Dessen Kontakt ist Deselim, Waffenschmied und Kaffeewirt in Ismilan (ein Schwager des Schut). Kara epresst Boschak, sich vom Schmuggelkumpan Mosklan zu lösen und seine Tochter Ali zu geben. Dann wird Kara von Boschak auf einen Botengang zu einem Bettler mit Wald geschickt – doch es deutet sich bereits an, dass dieser eine Falle vorbereitet hat.

Kapitel 3: Eine Falle, Kara wird überwältigt und für tot gehalten. Zur Hütte kommen weitere Schurken, auch Deselim. Halef kommt und rettet Kara. Deselim stiehlt Rih, stirbt aber bei der Verfolgungsjagd. Mosklan ist dem Schmied entkommen, sein Gebiss wird von Kara beim Kampf zerschmettert. Boschak stimmt endlich der Hochzeit zu, es gibt detailiert beschriebenen Hammel-Pilaw. Die Schurken – freigelassen, letztlich – gehen weg, einer will allerdings Verwandte Deselims zum Angriff anstacheln. Kara und der Schmied Schimin verfolgen ihn und holen ihn ein. (Halef so: „Du willst doch nicht etwa auch in dieser Nacht uns voranreiten?“ Aber klar will er.) Weitere philosophische Gespräche, Kara schenkt dem Schmied ein Neues Testament und macht diesen glücklich damit.

Kapitel 4: Kara trifft in heruntergekommener Kneipe Spuren des Reisenden Madi Arnaud, dem der Wirt eine Brieftasche gestohlen hat und der die Magd, die das gesehen hat, auspeitschen lässt, bis Kara eingreift. Alle vier wieder vereint reisen nach Ismilan, kehren beim Bruder des toten Deselim ein. Omar und Osko sind zwar wieder dabei, kriegen aber weiterhin nichts zu tun. Alle geben sich als Mitglied der Räuberbande aus. Sie erfahren, dass Manach el Barscha nach Menelik will, zum Fruchthändler Glawa. Sie treffen im Gasthaus den Madi Arnaud, tatsächlich: Martin Albani. Er sing Stanzl. Sie kennen ihn aus Band 1. Er will auch nach Menelik.

Kapitel 5: Auf dem Weg werden sie aufgehalten, weil sie eine tote Frau finden, eine heimliche Christin; sie trösten ihren Mann und die Kinder und erfahren ihre Geschichte. Sie war zum Christentum bekehrt worden von einer dann aus dem Haus gejagten Dienerin. Kara bringt dem Witwer das Christentum näher, wieder einmal. („Ich als Laie konnte freilich an ihm nicht zum Missionär werden.“) In Menelik werden sie abgepasst und landen bei einem Fuhrmann, der ihnen verheimlicht, dass das Haus des Fruchthändlers gleich nebenan ist – Kara soll von den Verschwörern gefangen genommen oder getötet werden. Hilfe erhalten sie von einer Dienerin im Haus des Fruchthhändlers, eben jener christlichen Magd. Kara belauscht die Bande von einem Taubenschlag aus, als Halef dazu kommt, stürzen sie herunter, entkommen aber. Vorher hören sie, dass Manach el Barscha in der Ruine von Ostromdscha wartet.

Kapitel 6: Auf dem Weg helfen sie einem Paar, dessen tote Tochter für einen Vampyr gehalten wird. Es war dann doch der Knecht, der den Verlobten der Verstorbenen vergiftet.

Kapitel 7: Ein Han, ein Gasthof: der gute Wirt Ibarek ist in der Nacht zuvor bestohlen worden, und zwar von den Flüchtigen, Manach el Barscha und dessen Gefährten. Kara macht sehr einen auf Sherlock Holmes, „die geknickten Nesseln sind nicht verwelkt; sie hängen nur matt ihre Blätter“. Er entdeckt, wie der Diebstahl abgelaufen ist, und will dem Wirt helfen – mit ihm Richtung Ostromdscha. Zwei Boten aus Menelik kriegen Freigetränke im Han, damit sie nicht nachkommen und warnen. (Kara belauscht sie noch vor der Abreise, obwohl Horchen eine Schande ist. Außerdem erfahren sie, dass es um einen Mübarek geht, der ein Passwort erwartet.) — Kara erklärt nebenbei ein bisschen Astronomie: dass es Sterne gibt, die wir noch gar nicht sehen, und welche die wir sehen, die es aber nicht mehr gibt.

Kapitel 8: Zur Ruine von Ostromdscha. In der Ruine soll es Geister geben, die der vor fünf oder sechs Jahren herbeigekommene und wie ein Heiliger verehrter Mübarek zu bannen sucht; die Geister gibt es aber auch erst seit der Zeit. Immer wieder werden Tote gefunden, mit den Hals umgedreht, das wird den Geistern zugeschrieben. Die Leute glauben, dass der Mübarek Krähen und andere Vögel als Boten hält, die ihm alles zutragen. Tatsächlich führt er ein Doppelleben als an Krücken gehender Bettler. Halef legt sich mit einem albernen Polizisten an, der die Gruppe daraufhin beim Richter anzeigt. Währenddessen bringt Kara einen Spitzel dazu, das Passwort zum Mübarek zu verraten („Ein Vertrauter“). Außerdem macht er sich wieder Freunde, indem er einer armen Frau Geld schenkt und ihr Rat gegen den Rheumatismus gibt. Dann das Übliche hin und her mit der korrupten und zu beeindruckenden Obrigkeit. Während der Mübarek als Schreiber bei der Gerichtsverhandlung wartet, überraschen die Helden die drei Verfolgten und fesseln sie. Dann auf zur Gerichtsverhandlung – die Handlung bricht mittendrin ab.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu In den Schluchten des Balkan

  • Weniger interessant als Band 1 oder gar 1, Städte als Schauplatz sind mir lieber als Dörfer oder Gehöfte.
  • Das Wort „Firnis“, dem ich hier im Grundschulalter zum ersten Mal begegnete, taucht endlich auf, aber wirklich nur in einem Nebensatz. Was einem so alles hängen bleibt.
  • Schön beschrieben: Der fette und nicht sehr hygienische Hammel-Pilaw zur Verlobungsfeier von Ali und Ikbala.
  • Die Handlung ist letztlich linear und überschaubar: Am Anfang reiten sie den drei Verfolgten hinterher, am Ende haben sie sie endlich eingeholt, das war es letztlich. Kurzer Ausblick auf Band 5: Die Verfolgten entkommen, und es geht wieder den ganzen Band hinterher.
  • Unerwartet die Vampirgeschichte in Kapitel 6, die als ausgeführte, aber gänzlich unverbundene Geschichte nicht zum Rest passt. Hier wollte Karl May woll ein bisschen Dracula-Stimmung mitnehmen.
  • In Kapitel 1 und 2 ist Kara ben Nemsi weitgehend allein, danach ein bisschen mit Halef unterwegs; die beiden anderen – Osko und Omar – sagen kaum mal einen Satz und sind völlig überflüssig.
  • Am ehesten sind sie mit NPCs beim Rollenspiel zu vergleichen, Non-Player Characters, die man gut spielen kann oder nicht – hier reiten sie einfach mit, man kann sie vielleicht mal da oder dorthin als Boten schicken, aber alle Enstcheidungen werden von den NPCs getroffen. Wie bei einem nicht gar so guten Überland-Szenario bei einem Rollenspiel ist die Handlung linear, mit kleinen folgenlosen Sidequests, dazu farbige Hintergründe, Wikipediaten zu Preisen und Entfernungen, aber alles recht zweidimensional.
  • Der Diebstahl beim Gastwirt Ibarek ist ganz interessant; hier gibt Kara den Sherlock Holmes: Ein leerer Tresor, der nicht geöffnet worden zu scheint, Spuren vor dem Fenster, das volle Programm.
  • Zum Weiterlesen: „Von Arnauten und Skipetaren. Albanien und die Albaner bei Karl May“ von Michael Schmidt-Neke

Durch das Land der Skipetaren

Titelbild "Durch das Land der Skipetaren"

Der Mübarek wird entlarvt und gefangen genommen, entkommt aber mit den drei anderen Gefangenen – Spoiler: Am Ende des Buchs sind sie immer noch flüchtig, wie schon am Ende des vorletzten Bandes.

Kara macht den Leuten weis, er sei kugelfest, indem er Kugeln aus Wismut und Quecksilber gießt, die sich nach dem Schuss auflösen, bevor sie Schaden anrichten können. (Das Rezept gibt der Autor nicht an, weil kein Laie das nachmachen soll.) Den Helden lauert ein Räuber-Brüderpaar auf, die Aladschy, die werden aber überlistet, indem sich Kara als wandernder Moslem ausgibt. Dabei verstaucht er sich den Fuß und verbringt den Rest des Buchs hinkend oder sitzend beziehungsweise reitend.

In einer Ortschaft werden Kara und die anderen in eine Falle gelockt, weil der Mübarek und die anderen vor ihnen da sind und sie in eine Felsenhütte locken, in der die Helden verhungern sollen. Aber sie entkommen und verwunden dabei den Mübarek, töten den Fleischer, der sie in die Falle gelockt hat. Der Bruder des Fleischers nimmt sich der Blutrache an, wird von Kara besiegt und freigelassen, woraufhin er die Blutrache ruhen lässt und Kara zeremoniell sein Beil übergibt. Aber es gibt einen neuen Feind: Suef, der Schneider, der sie führen soll und in eine weitere Falle lockt, nämlich in das Haus des Habulam. Dort werden die Verfolger im Turm der alten Mutter untergebracht, ein Gift-Mordanschlag scheitert, weil Kara zuvor Freundschaft mit einer Magd und einem Knecht geschlossen hat. Ein weiterer Anschlag fällt ins Wasser – die belauschten Schurken wollen von oben herab die Helden überfallen, aber die verriegeln die Falltüre und setzen mit einem Schlauch das oberste Stockwerk unter Wasser.

Die eigentlichen Feinde entkommen wieder, die anderen – Habulam und Suef – erhalten die Bastonade und werden ausgehorcht, so dass Kara weiß, wo es weiter zum Schut geht, nämlich zum Karanirwan-Khan.

Diagramm zur Handlung:

Diagramm zu Durch das Land der Skipetaren

  • Noch weniger ergiebig als der vorhergehende Band.
  • Das Phosphorfläschchen Karas, an das ich mich noch erinnerte, kommt endlich zum Einsatz.
  • Die Wasserspiele auf dem Turm sind selbst für Halef eine alberne Idee.
  • Eine schöne Nebenfigur: Der erst hochmütig-quacksalberische, aber später durchaus lernfähige Arzt, der von Kara ben Nemsi lernt, Brüche und Verstauchungen einzugipsen, sofort den Wert dieser Technik erkennt und voller Enthusiasmus das an einem Versuchskaninchen von Kopf bis Fuß erprobt.

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2018)

Vieles an dem Buch hat sich sehr gut gehalten, manches ist erstaunlich gut extrapoliert. Zugegeben: Die Männer gehen arbeiten und die Frauen bleiben zu Hause, und als der emotional mitgenommene Guy Montag sich im Wohnzimmer erbricht, ist es seine Frau Mildred, die sofort den Wischmopp zum Saubermachen holt.

Aber das betrifft kein zentrales Thema des Buchs. Anders ist es bei Folgendem: In der Welt von Fahrenheit 451 sind Bücher verboten. Das Medium Buch wird dabei keineswegs anderen Medien gegenüber als etwas prinzipiell Besseres dargestellt; Faber erklärt, dass die wichtigen Dinge, wegen derer Bücher nach und nach verboten wurden, sich genau so gut in Hörspielen oder Fernsehsendungen mitteilen lassen. Um die Inhalte geht es, nicht um die Form. Weiterhin sind zwar Bücher verboten, und es gibt einen autoritären, vielleicht totalitäten Staat, der über Medien die Gesellschaft belügt und ruhig hält – aber es war nicht der Staat, der die Bücher abgeschafft hat, sondern die Gesaellschaft selber. Die Gesellschaft hat beschlossen, nicht mehr Originale zu lesen, sondern nur Wikipedia-Fassungen davon; die Gesellschaft hat beschlossen, dass Gedanken, die Unwohlsein auslösen können, nicht mehr veröffentlicht werden. Bücher enthalten kritische und unliebsame Inhalte, das führt zu Unfrieden, deshalb verzichtet man auf sie.

So weit, so gut. Das sehen meine Schüler und Schülerinnen sofort ein. Zensur nicht gut – aber um Zensur, das habe ich betont, geht es ja gar nicht, allenfalls um Selbstzensur. Es ist ja eben nicht der Staat, der das eingreift. Sondern: Die Minderheiten. Je größer die Gesellschaft, desto mehr Minderheiten, so erklärt es im Buch der Feuerwehrmann Beatty, der allerdings zu den Bösen gehört. Niemandem darf man in solch einer großen Gesellschaft auf den Schlips treten – zu empfindlich sind „the dog-lovers, the cat-lovers, doctors, lawyers, merchants, chiefs, Mormons, Baptists, Unitarians, second-generation Chinese, Swedes, Italians, Germans, Texans, Brooklynites, Irishmen, people from Oregon or Mexico.“ Der Markt sorgt dafür, dass man niemanden verschreckt (diesen Effekte halte ich für realistisch). „Colored people don’t like Little Black Sambo. Burn it. White people don’t feel good about Uncle Tom’s Cabin. Burn it. Someone’s written a book on tobacco and cancer of the lungs? The cigarette people are weeping? Burn the book.“ Alles um des lieben Friedens willen.

Vor dem Hintergrund der Kommunistenhatz der frühen 1950er Jahre in den USA ist das verständlich. Und doch: Liest sich das nicht wie eine Verteidigung gegen die damals noch gar nicht so existierende political correctness? Können die Minderheiten nicht einfach zufrieden sein mit dem, was für die Mehrheit gut genug ist? Der Negerkönig von Takatukaland soll nicht mehr so heißen, ist das schon der erste Weg Richtung Fahrenheit 451? Mir fehlt ein wenig das Verständnis dafür, dass die Minderheiten vielleicht mit manchen Vorwürfen Recht haben könnten. Wie man dann mit diesen Problemen umgeht, ist eine andere Frage, aber man sollte die Vorwürfe als legitim anerkennen. Da macht es sich Bradbury zu leicht, finde ich.

Die Schüler und Schülerinnen konnte ich nicht überzeugen. Hier geht es um Verbrennung von alten Pipi-Langstrumpf-Ausgaben, da um eine Petition, ein Bild eines jungen Mädchens aus dem Museum zu nehmen – ein Bild, das übrigens für das Titelbild der Ausgabe von Nabokovs Lolita gewählt wurde, das sich im Hause Rau befindet. Würde man heute auch nicht mehr machen, und ist das auch schon ein Schritt Richtung Fahrenheit 451?

Vom Gendern halten die beiden Klassen, die ich heute dazu gefragt habe, übrigens auch nichts. Als Anrede für eine einzelne Frau ist die weibliche Form schon begrüßenswert (Bundeskanzlerin, Studiendirektorin, Schülerin), aber das generische Maskulinum ist voll akzeptiert.

Bücher 2017

Meine gelesenen Bücher 2017. Zu einigen habe ich etwas gebloggt, zu anderen einen Podcast gemacht. Die Bücher mit ° habe ich wiedergelesen. Ingesamt wieder etwas mehr gelesen, aber lange nicht so viel wie früher. Zum Kochen und Lesen komme ich jedenfalls einigermaßen.

Ein prägendes Buch war diesmal nicht dabei. Lean on Pete ist mir vielleicht am ehesten nachgegangen. Ein Meisterwerk ist immer noch Remains of the Day, aber das hatte ich auch so noch in Erinnerung. 10 Bücher von Frauen, 37 von Männern, Rest so nicht zuordenbar. 18 Bücher wiedergelesen, 35 neu. 8 Nonfiction.

  1. J. C. Wezel, Belphegor
  2. Stephen King, The Bazaar of Bad Dreams
  3. Martin Amis, Time‘s Arrow
  4. Andre Norton, Bannkreis des Bösen°
  5. Penelope Fitzgerald, The Bookshop
  6. Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel (und hier
  7. Stefan Zweig, Schachnovelle°
  8. Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker°
  9. Karl May, Im Lande des Mahdi II: Menschenjäger
  10. Karl May, Im Lande des Mahdi III
  11. Slightly Foxed No. 53
  12. Karl May, Durch die Wüste°
  13. Bruder des Schwertes (Terra Fantasy 10)°
  14. Karl May, Durchs wilde Kurdistan°
  15. Karl May, Von Bagdad nach Stambul°
  16. Kenneth Robeson, The Man of Bronze°
  17. Willy Vlautin, Lean on Pete
  18. Andreas Eschbach, Ein König für Deutschland
  19. Philip K. Dick, Do Androids Dream Of Electric Sheep?°
  20. Philip K. Dick, Time Out of Joint
  21. Hartmut Laufhütte (Hrsg.), Deutsche Balladen
  22. Slightly Foxed No. 54
  23. Dorothy Hartley, Food in England
  24. William Goldman, Die Brautprinzessin°
  25. Isabel Abedi, Whisper
  26. Thomas Pynchon, The Crying of Lot 49
  27. Fritz J. Raddatz (Hrsg.), ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher
  28. Ursula K. Le Guin, The Left Hand of Darkness°
  29. Helen Macdonald, H is for Hawk
  30. Peter Bichsel, Über das Wetter reden
  31. Robert E. Howard, Degen der Gerechtigkeit°
  32. Johannes Schiltberger, Als Sklave im Osmanischen Reich und bei den Tataren, 1394-1427
  33. Robert E. Howard, The Complete Chronicles of Conan
  34. Robert E. Howard, The Best of Robert E. Howard, Vol. 1
  35. Abbé Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (und hier)
  36. Rudyard Kipling, Captains Courageous
  37. Michael Moorcock, Ritter des schwarzen Juwels°
  38. Zadie Smith, Swing Time
  39. Charles Dickens, The Pickwick Papers°
  40. Slightly Foxed No. 55
  41. Frank Schwieger, Ich, Zeus und die Bande vom Olymp
  42. Diana Knodel, Philipp Knodel, Einfach Programmieren für Kinder
  43. Robert E. Howard, The Best of Robert E. Howard, Vol. 2
  44. Arthur Bloch, Murphy’s Law°
  45. Naomi Alderman, The Power
  46. Robert Anton Wilson, Masken der Illuminaten°
  47. Oscar Wilde, The Importance of Being Earnest°
  48. Kazuo Ishiguro, The Remains of the Day°
  49. Swantje Ehlers (Hrsg.); Das Lesebuch. Zur Theorie und Praxis des Lesebuchs im Deutschunterricht
  50. Slightly Foxed No. 56
  51. Robert Menasse, Die Hauptstadt
  52. Ruth Klüger, Katastrophen
  53. Paul Hühnerfeld, Der Kampf um Troja

(Bücher 2016.)
(Bücher 2015.)
(Bücher 2014.)
(Bücher 2013.)
(Bücher 2012.)
(Bücher 2011.)
(Bücher 2010.)
(Bücher 2009.)

Naomi Alderman, The Power

Titelbild The Power

Titelbild The Power

Ein gutes Buch, aber nicht so gut, wie es sein könnte.
Das heißt, das Buch, das ich nicht lese, aber im Kopf immer noch erwarte, ist eben noch besser – zwei Bücher zum Preis von einem, wie schön!

Die Prämisse dieses Romans: In Folge einer – ausreichend glaubhaft herbeierklärten – Genveränderung entwickeln weltweit alle oder fast alle Frauen die Fähigkeit, elektrische Stromstöße auszusenden, teilweise von großer Stärke.

Und wie Science Fiction so ist, heißt es von da an: Schauen wir mal, wo uns das hinführt – das heißt, eigentlich weiß man vorher schon, wo das hinführen soll: Wie sähe die Welt aus, wenn plötzlich ein Geschlecht sehr viel mächtiger als das andere wäre? Aber eigentlich ist das auch nicht die Frage, weil die Antwort kennen wir ja schon – in so einer Welt leben wir ja. Also nochmal: Das Buch zeigt, in welcher Welt wir leben, indem die Rollen umgedreht werden. Damit ist es vielleicht doch weniger Science Fiction und mehr Gesellschaftsabbild.

Anhand von fünf Hauptpersonen wird die Geschichte erzählt vom ersten Auftreten dieses Phänomens, über die ersten Reaktionen, erste kleine Veränderungen im Machtverhältnis, Revolutionen in Saudi Arabien und Moldawien, bis hin zu… es kann nichts Gutes sein, was da kommt, und das weiß man schon am Anfang. Die Kapitel überschrieben sind mit „Noch zehn Jahre“, „Noch neun Jahre“, „Noch acht Jahre“. Das geht nicht gut aus. Es gibt auch etliche brutale Szenen, wenn auch noch innerhalb der Schullektürenzumutbarkeitsgrenze.

Ich war beim Lesen mancher Stellen versucht zu sagen, dass, ja, das Prinzip der Umkehrung habe ich schon verstanden, aber das ist jetzt doch ein wenig übertrieben… aber natürlich ist da nichts dabei, was nicht in unserer Welt mit den herkömmlichen Vorzeichen tatsächlich so der Fall ist. Es geht lediglich vielleicht ein wenig Herr-der-Fliegen-artig schnell mit dem Wandel der Verhältnisse. Wo doch Frauen von Natur aus ja eigentlich das empathischere, friedlichere Geschlecht sind.

Nach den ersten enorm spannenden fünfzig Seiten war das Buch immer noch spannend zu lesen, aber nicht mehr so ganz interessant für mich wie am Anfang. Der Grund: Ich mag diese weit verbreitete Erzählweise mit zwei oder vier, oder hier auch mal fünf, Hauptpersonen nicht, aus deren Sicht abwechselnd die Kapitel erzählt werden. (In den jungen Jahren meines Blogs habe ich mal den Tipp gegeben, dass zumindest manche solcher Bücher eine interessantere Leseerfahrung bieten, wenn man dann tatsächlich nur jedes zweite oder dritte Kapitel liest.)
Die Erzähldistanz ist damit notgedrungen auch immer sehr gering, es wird also nicht im Rückblick der Personen erzählt, nicht über der Handlung stehend, sondern beständig mittendrin, kein auktorialer Erzähler kommentiert – da könnte ich gleich einen Film anschauen. (Und natürlich ist der Stoff bereits verkauft, das schreit gerade zu nach einer Fernsehserie.)

Interessant ist die Erzählweise dann, wenn sie dann doch einmal von diesen fünf Fokuspersonen wegkommt. Diese sehen immer wieder mal Schnipsel einer kleinen Frühstücksfernsehsendung im Hintergrund, mit zwei Moderatoren, weiblich und männlich, am Anfang nur als Teil der Informationsvermittlung, was aktuelle Geschehnisse betrifft, dann verändert sich – erst subtil, dann weniger – das Verhältnis zwischen den beiden Moderatoren. Das hat mir gefallen. (Das erste Mal habe ich die Technik, Informationen über die Welt und Handlung unaufällig-auffällig außerhalb der unmittelbaren Handlung zu platzieren, übrigens beim Film RoboCop bemerkt, dort allerdings als Werbung. Artikel dazu.)

Außerdem gibt es zwischen den Kapiteln Illustrationen zu archäologischen Objekten, mit erläuternden Kommentaren dazu. Diese Objekte stammen sowohl vor als auch nach unserer Gegenwart; sie werden aber jedes Mal als Artefakte aus ferner Vergangenheit dargestellt, über deren Funktion man sich nicht sicher ist. Das Motiv des angebissenen Apfels, das wohl auf vielen Artefakten erscheint und zur Eva-Apfel-Paradies-Symbolik im restlichen Buch passt, kann unserereiner heute leichter zuordnen als die späteren Archäologen. — Diese Illustrationen schwanken zwischen lustig und bitter. Bei der male genital mutilation dachte ich zuerst auch, dass das schon etwas übertrieben ist, bis ich mich erinnerte, dass, na ja, doch nicht.

Aus dieser Perspektive einer Kultur, die sich nach irgendeiner großen Katastrophe nur dunkel an unsere Zeit erinnert, sind auch die ersten und letzten Seiten des Romans geschrieben. Der beginnt nämlich mit einem Brief des Autors Neil an seine Lektorin Naomi, begleitend zu seinem neuesten Manuskript – dem phantasievollen historischen Roman The Power eben. Und diese Korrespondenz ist mit das beste am Buch: Neil ist vorsichtig, sich zurücknehmend, klein machend; Naomi gönnerhaft dominant. Sie bezweifelt ein bisschen die historische Korrektheit solcher Konzepte wie „male soldiers“ und „boy crime gangs“ und vermutet, dass die nur als erotische Spannungselemente im Buch sind. Dazu kommt, dass sie sich das Geschehen so nicht recht vorstellen wird – wäre schließlich eine Welt, die von Männern beherrscht wird, nicht eine friedlichere Welt? Die wenigen Patriarchate, für die es historische Belege gibt, waren jedenfalls alle friedlich – kein Wunder, sprechen doch evolutionspsychologische Gründe dafür, dass Männer (für schwere Arbeit am Heim zuständig) kooperativer, freundlicher, sanfter sind als Frauen (die doch ihre Kinder beschützen müssen).

Fazit: Ideal für eine Fernsehserie, aber Serien schaue ich nicht. Die würde mich nur dann interessieren, wenn der dokumentarische Aspekt hervorgehoben wäre, also die Perspektive der späteren Zukunft. Trotzdem große Leseempfehlung.

Arthur Bloch, Murphy’s Law (und: Planning Fallacy)

Spätestens 1985 kaufte ich, siebzehnjährig, in den USA an einem Flughafen (New Mexico, vielleicht?) das schmale Büchlein Murphy’s Law, and other reasons why things go wrong! von Arthur Bloch. Ich habe viel gelernt daraus. Murphy’s Law kannte ich wohl vorher schon irgendwoher, anderen Gesetzen – dem Peter-Prinzip, Clarkes 3. Gesetz – begegnete ich danach immer wieder. Aber ich weiß noch, dass es lange dauerte, bis ich diesen Kalauer verstand:

Cole’s Law: Thinly sliced cabbage.

Hier die Gesetze, die ich über all die Jahre auswendig behalten habe, weil ich immer wieder Anwendungen dafür sehe:

Ginsberg’s Theorem:
1. You can’t win.
2. You can’t break even.
3. You can’t even quit the game.

Das ist eine saloppe Kurzfassung der drei Hauptsätze der Thermodynamik: 1. Die Gesamtenergie in einem geschlossenen System bleibt konstant, 2. aber weil die Entropie ständig zunimmt, kann man nicht mal ein Perpetuum Mobile bauen, und den 3. Hauptsatz verstehe ich zu wenig.

Zymurgy’s first law of evolving system dynamics:
Once you open a can of worms, the only way to recan them is to use a larger can.

Entropie.

Laws of gardening:
4. If nobody uses it, there’s a reason

Das kann man auf so viele Dinge anwenden.

Shaw’s principle:
Build a system that even a fool can use, and only a fool will want to use it.

Wenn man das mit „Mach ein System narrensicher“ übersetzt, kann man das auch auf die Sicherheitseinstellungen in schulischen Netzen anwenden.

Westheimer’s rule:
To estimate the time it takes to do a task: estimate the time you think it should take, multiply by 2 and change the unit of measure to the next highest unit. Thus we allocate 2 days for a one-hour task.

Ich halte diese Regel für etwas zu scharf formuliert, aber im Kern richtig. Und deshalb bin ich auch recht gut in meiner Zeitplanung und falle nicht dem Planungsfehlschluss anheim (engl. planning fallacy): das ist „die Tendenz von Menschen und Organisationen, zu unterschätzen, wie viel Zeit sie zur Vollendung einer Aufgabe benötigen“ (Wikipedia). Wenn man schätzt, wie lange man für etwas braucht, liegt man oft daneben – und zwar jedesmal wieder.

Ich schätze auch, wie lange ich für etwas brauche. Aber dann misstraue ich meiner Schätzung, weil ich aus Erfahrung weiß, wie sehr meinem Gefühl nicht zu trauen ist, und passe sie an, so ähnlich wie bei Westheimers Regel. Das war schon beim rückwärts Einparken so: Wenn ich da beim Blick nach hinten das Gefühl hatte, es geht nicht mehr weiter — dann musste ich noch etwa einen Meter mehr fahren, und dann stand das Auto richtig.

(Weitere zen-artige Weisheiten im Buch: „Wenn man an der Lösung eines Problems arbeitet, ist es hilfreich, wenn man vorher die Antwort weiß.“ Und: „Jemand mit zwei Uhren ist nie sicher, wie spät es ist.“)-

Zadie Smith, Swing Time (und viele, viele Musical-Ausschnitte)

In meiner Leserunde gelesen. Vorab: Viel werde ich gar nicht zu dem Buch sagen. Es hat mir auch nicht sehr gefallen. Interessiert hat es mich durchaus, weil mich zwei oder drei Nebenthemen des Buchs interessierten – ansonsten war es nicht so das meine. Es geht darin um die Freundschaft der Protagonisten mit der gleichaltigen Tracey. Sie wohnen in der selben eher heruntergekommenen Nachbarschaft, haben aber ganz verschiedene Mütter; beide Kinder gehen ins Ballett und lernen Tanz. Sie verlieren sich aus den Augen; die Protagonistin wird Assistentin bei dem an Madonna angelehnten Musikstar Aimee. Ein Großteil der zweiten Hälfte spielt in Afrika, wo Aimee an der Organisation der wohltätigen Pläne Aimees und der Adoption eines Kindes beteiligt ist. Am Ende verliert die Protagonistin ihren Job, nimmt aber wieder Kontakt zu Tracey auf, die, etwas abgedreht, der Mutter der Protagonistin, inzwischen Lokalpolitikerin, Ärger bereitet.

Interessant und lehrreich sind die Passagen in Afrika, die hochfliegenden Pläne von Aimee, die zum Scheitern verdammt sind. Wichtig für das Buch ist die Freundschaft der beiden Mädchen und die Rollen der Mütter. Aber die Protagonistin selber fand ich nicht interessant, und sie ist auch die Erzählerin (ohne konkreten Erzählanlass).

Dennoch habe ich das Buch mit Genuss und Belehrung gelesen. Tracey driftet ab in obskure Chaträume im Internet und hängt Verschwörungstheorien an; das taucht nur ganz am Rand auf, aber dennoch ist es ein Thema, das mich interessiert: da gibt es meine geliebte Echsenmenschen-Verschwörung (S. 94, S. 399) und den ehemaligen Frühstücksfernseh-Reporter, der sie propagiert (S. 93 – nach dem Vorbild David Icke?); eine „secret eighteenth-century Bavarian sect“ bleibt namenlos, aber erst neulich schrieb ich über sie. In Afrika wird oft gefragt, ob dieser oder jene mächtige Star „Illuminati“ sei.

Schon einmal gehört hatte ich von der Nation of Gods and Earths, einer „afroamerikanische[n] gesellschaftlich-religiöse[n] Bewegung“ (Wikipedia), aber viel vergessen; hier bekam ich eine Auffrischung. Viele Leute aus der Hip-Hop-Szene hängen ihr an, viel Hip-Hop-Slang hängt damit zusammen, etwa das „Word“ als Äquivalent eines bestätigenden Aussagesatzes. Nu, es ist eine Religion oder eine esoterische Weltanschauung, klingt jedenfalls reichlich suspekt. Die Bewegung heißt auch Five Percent Nation, weil laut der Lehre 85% der Menschen ignorant sind der Wahrheit gegenüber, 10% wissend, aber böse, und nur 5% wissend und gut.

Aber noch mehr interessiert hat mich das eigentliche große Thema des Buchs: Tanz, und kulturelle Aneignung. Swing Time heißt das Buch und ist benannt nach einem der RKO-Musicals mit Fred Astaire und Ginger Rogers aus dem Jahr 1936. Nicht das beste aus der Reihe, The Gay Divorcee (1934) und Top Hat (1935) sind besser, aber Smith lässt ihre Protagonisten diese Tanzszene sehen:

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Und erst spät fällt der Heldin – schwarz, wie ihre Freundin ebenso – auf, dass Fred Astaire „Bojangles of Broadway“ in blackface tanzt. Blackface: Das ist die Konvention, dass ein weißer (oder auch schwarzer) Entertainer – Schauspieler, Tänzer – sich mit Schminke als Schwarzer maskiert; im 19. und frühen 20. Jahrhundert in den USA durchaus üblich, noch bis 1955 gab es die Sendung „Amos ’n‘ Andy“ im amerikanischen Fernsehen mit zwei Weißen in Blackface in schwarzen Rollen. (Begonnen hatte sie 1928 als Radiosendung.) Heute wird blackface meist als unsensibel, beleidigend, anstößig empfunden.

Die Fred-Astaire-Nummer ist ein Tribut an Bill „Bojangles“ Robinson, einen berühmten Steptänzer – aber schwarz, und deswegen kein so großer Star wie die weißen Tänzer. Hie sieht man ihn, etwa ab Minute 2, in Stormy Weather (1943), fünfundsechzigjährig:

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Tatsächlich war Astaire gar kein so großer Robinson-Fan. Robinson tanzte vor allem mit den Füßen, der Oberkörper blieb relativ ruhig, und das lag Astaire nicht. (Am bekanntesten sind seine Nummern, wie er Treppen hinauf und herunter tanzt, allein oder mit Shirley Temple). Mehr schätzte Astaire John W. Bubbles, hier in Cabin in the Sky (1943):

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Am ausführlichsten beschreibt Zadie Smith aber eine Nummer aus Ali Baba Goes to Town (1937). Dieser Film ist ein wenig von Mark Twains A Connecticut Yankee at King Arthur’s Court inspiriert (Blogeintrag); Eddie Cantor wird in der Jetztzeit in Schlaf versetzt und wacht in Tausendundeiner Nacht auf, macht doch Karriere und Feinde, bevor er am Ende wieder aufwacht. Für Tracey und die Protagonistin ist diese Szene besonders wichtig, weil sie in ihrer zum ersten Mal auf die schwarze Tänzerin Jeni Le Gon stoßen, an deren Stil und Namen sich Tracey orientiert. (Hier sieht man Jeni Le Gon 2008, zweiundneunzigjährig.)

Aber die Nummer ist auch aus einem anderen Grund im Buch, und zwar weil sie etwas über das Verhältnis zwischen Weißen und Schwarzen sagt, über deren Darstellung, über Tanz, über das Abschauen und Übernehmen von Tanzbewegungen. Jeni Le Gon taucht ab 3:44 auf, aber die ganze Nummer ist sehr sehenswert:

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Leider fehlt in diesem Ausschnitt die vorhergehende Minute, anhand derer man die Handlung erst richtig einordnen kann. Hier ist eine – russisch unterlegte – Fassung des kompletten Films, etwa um 29:20 beginnt die Szene. Eddie Cantor begegnet in diesem märchenhaften Bagdad einer Gruppe von Musikern, frisch aus Afrika, die teilnahmslos bleiben und sich am Trubel nicht beteiligen – sie sprechen die Sprache dort nicht, und niemand spricht ihre Sprache. Eddie Cantor versucht es mit Französisch, Spanisch, Italienisch und Jiddisch, bevor ihm – und damit beginnt der Ausschnitt oben – die Idee kommt, es mit dem Ruf „Hi-de-hi-de-ho“ zu probieren. Und darauf reagieren die Musiker! Cantor singt ihnen dann von ihrer und ihrer Musik fantastischen Zukunft vor: „a thousand years from today: there’s gonna be a Harlem“. Und dann erzählt er ihnen vom Swing.

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Blackface, der Foxtrott-Rhythmus, die Phantasieinstrumente, die Karikaturen. Die drei ungewohnt dicken Tänzerinnen. Wenn diese ab 7:30 im Winkel von 45 Grad stehen, hat man das damals noch mit an den Boden genagelten Schuhen gemacht; Michael Jackson hat sich dazu eine besondere Konstruktion patentieren lassen (schreitb Zadie Smith).

Wie kommt es, dass diese Musiker keine europäischen Sprachen verstehen, aber auf Hi-de-hi reagieren? Das bringt uns zu Cab Calloway, von dem meine Generation zum ersten Mal im Film Blues Brothers (1980) gehört hat. Er spielt darin Curtis Delgado, das Faktotum des Waisenhauses, in dem Jake und Elwood Blues aufgewachsen sind, und als die beiden zu spät auf ihr eigenes Konzert kommen, springt er mit der Band und der Nummer „Minnie the Moocher“ ein:

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(Zum zweiten Mal habe ich von Cab Calloway übrigens in einem alten Englisch-Schulbuch gehört beziehungsweise gelesen. Damals enthielten die noch ordentlich viel Text, und eben auch einen Text von Cab Calloway über Drogengebrauch in der Jazzszene, und dass das etwas ganz Schlimmes war.)

Aber natürlich ist das Lied viel älter, und Cab Calloway ein berühmter Bandleader der 1930er und 1940er Jahre, Stammgast im Cotton Club in Harlem. Das Hi-de-ho war sein Markenzeichen. Hier eine Version des Lieds von 1942:

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Und hier eine Version von 1932, mindestens so interessant und befremdlich:

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Auch hier: Wo soll man anfangen? Betty Boop zu Hause und isst ihren Sauerbraten nicht?


Anhang

Zadie Smith schreibt im Guardian über Tanz:
https://www.theguardian.com/books/2016/oct/29/zadie-smith-what-beyonce-taught-me

Darin geht es auch um die Nicholas Brothers, Harold and Fayard, hier „Jumpin Jive“, wieder aus Stormy Weather (1943), wieder mit Cab Calloway am Anfang:

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Ist das Internet nicht toll? Man findet alle diese Sachen. Hier ein Vergleich von Michael Jackson und Fred Astaire/Cyd Charisse:

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Oder allgemeiner Michael Jacksons Vorbilder:

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Ganz explizit etwa Bob Fosse:

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Man sieht: Tanzelemente werden weitergegeben. Michael Jackson hat den Moonwalk von Bob Fosse, und der von Bill Bailey. Darum geht es auch in Zadie Smiths Buch. – Die ersten Szenen von Bob Fosse stammen übrigens aus einer Verfilmung von Der kleine Prinz (1974), hier die ganze Nummer, in der Fosse eine Schlange spielt. Schau an, Regie Stanley Donen, der Mann ist echt unterschätzt. Bob Fosse war Tänzer, Choreograph, Regisseur, seine Karriere startete durch mit dieser Nummer aus Kiss Me Kate, zusammen mit Carol Haney, von ihm selbst choreographiert.

Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 2)

(Fortsetzung von hier. Diese Seite hier ist dann doch mehr Materialsammlung geworden als ursprünglich geplant, nun ja.)

3.3 Methoden der Illuminaten

Wenn die Ziele der Illuminaten vielleicht im 18. und frühen 19. Jahrhundert besondere Bestürzung hervorriefen, so glaube ich, dass es vor allem ihre Methoden sind, die zu ihrem Nachruhm beigetragen haben. Einige muten verhältnismäßig harmlos an: Die Mitglieder müssen Besinnungsaufsätze schreiben, die von den oberen Graden gelesen werden; die Fragen, anhand derer man die Gesinnung der Mitglieder erkennen soll, sind hoffnungslos durchschaubar. Es gibt Geheimnamen (Weishaupt ist Spartacus, München ist Athen), und Weishaupt ist so stolz auf die Idee des exponentiellen Wachstums, also wenn jeder Adept zwei weitere führt, dass er das mit einem eigenen Diagramm erklärt:

Baumdiagramm zur Hierarchie

(„Auf diese Weise, die einfachste von der Welt, kann ich Tausende von Menschen in Bewegung und in Flammen setzen.“ S. 404)

Weishaupt möchte, dass die Mitglieder des Ordens Wissen sammeln, über einander, aber auch über alle anderen (akzeptierten) Wissensgebiete. Forscher sollen sich gegenseitig unterstützen, aber das Wissen soll innerhalb des Ordens geheim gehalten werden (S. 323) – er will eine „Akademie […], die den Profanen zwar unsichtbar ist, die aber durch unterirdische Bewurzelung, nach allen Seiten sich ausdehnet, wie die Sekte selbst“ (S. 328, Barruels Worte). Streng geregelt ist, wer Zugang zu den Büchern mit diesem angehäuften Wissen hat. Ich finde den Gedanken, dass Bücher so viel Macht habe, reizvoll und naiv. Man muss nur die richtigen Bücher haben, dann hat man einen Wissensvorsprung – so einfach ist es nicht und war es wohl auch nie.

Die zentrale Methode der Illuminaten, zumindest für die Nachwirkung, scheint mir aber das Prinzip der Täuschung zu sein.

Tricksen und Täuschen

Die Mitglieder werden belogen und getäuscht, die echten Ziele verborgen gehalten. Ich glaube, die Illuminaten waren der erste Geheimbund, der das so hielt.

  • Für Frauen sollen zwei nach Eignung und Neigung getrennte, separate Geheimgesellschaften eingeführt werden, die nichts von einander oder von den tatsächlich bestimmenden Männern wissen sollen. Eine der beiden ist für die ordentlichen Frauen, der andere für die Mata Haris:

    „Eine Klasse von Tugendhaften, die andere von Ausschweifenden. Beiden muß unbekannt seyn, daß sie von Männern, geleitet werden, und die Vorgesetzte oder Vorsitzende jeder Klasse muß glauben, eine Mutter-Loge von ihrem Geschlecht zu haben, von der sie Befehle erhält, die aber im Grunde die Männer geben. Die zu ihrer Direction bestimmte Brüder, ertheilen ihnen Vorschriften und Unterricht, ohne sich gleichwohl kund zu geben, den ersteren durch gute Bücher, die sie ihnen zu lesen verschaffen; den anderen durch Anleitung, ihre Leidenschaften, im Verborgenen, zu befriedigen.“ (S. 62)

  • In den Sitzungen der unteren Grade nimmt heimlich ein Mitglied des oberen Grads teil, um sich ein besseres Bild von den Kandidaten zu machen. Man weiß also nie, ob einer, der neben einem sitzt, nicht in Wirklichkeit ein Oberilluminat ist. In den unteren Graden tut man so, als wäre man reiner Freimaurer, und hätte zwar schon die Vernunft und Freiheit als Ziel, sei aber überhaupt nicht gegen Fürsten oder Christentum. Erst nach und nach wird der Kandidat in diese Ziele eingeweiht.
  • Die Show ist das Wichtigste – man macht Hokuspokus, um die Mitglieder zu beeindrucken:

    „Ohne alle andere Absicht, als um geheimnißvolle Befehle zu geben, läßt man z. B. einen Adepten unter seinem Teller, in einem Wirtshause einen Brief finden, den man viel bequemer in seiner Wohnung ihm hätte zustellen lassen können.“ (S. 340f)

  • Auch die oberen Grade belügt man: Es gibt angebliche geheime Stifter des Ordens, keinesfalls identisch mit den aktuell führenden Oberen – „ihren Namen wird man nie erfahren“; alle Dokumente über den Ursprung der Illuminaten sind verbrannt (S. 237).
  • Die Oberen haben das Recht zu lügen (das soll allerdings den Zöglingen auch vermittelt werden): Sie dürfen Dinge behaupten oder Fragen stellen und danach alles wieder zurücknehmen, weil das ja vielleicht nur ein Test war: „Auf diese Weise redet man bald auf die eine Art, bald auf die andere, um nicht verlegen zu seyn, und unsere wahren Gedanken den Unteren undurchdringlich zu machen.“ (S. 301 f.)
  • Adlige können schon auch in die Illuminaten aufgenommen werden, aber dann muss die Kritik an Fürsten und Klerus in den Aufnahmeritualen abgemildert werden (S. 356).
  • Der Provinzial ist dafür zuständig, dass in den unteren Graden keine so freien Reden gehalten werden, „daß daraus starke Vermuthungen auf [ja tatsächlich geplante] Projecte gegen die Religion, den Staat und die Sitten könnten geschöpft werden“ (S. 366).

Und vor allem gibt es ein Verwirrspiel darum, wer und was eigentlich zum Orden gehört. Man legt nahe, dass alle anderen geheimen oder nicht geheimen Gesellschaften in Wirklichkeit zu den Illuminaten gehören, dass alle große Taten den Illuminaten zuzuschreiben sind:

„Zu einer Zeit benutzt man die Neigung der Menschen zum Wunderbaren; zu einer andern Zeit bedient man sich des Reitzes der ansehenden Kraft der geheimen Gesellschaften. Daher ist es mannichmahl nöthig, eure Untergebene vermuthen zu machen, ohne jedoch ausdrücklich es zu sagen, daß alle andere dergleichen Gesellschaften, und die der Freimaurer insgeheim von uns dirigiret werden; oder aber, wie es an einigen Orten wirklich wahr ist, daß die großen Monarchen durch unsern Orden regiert werden, wenn etwas großes, merkwürdiges vorgehet oder geschiebet, so muß auch die Vermuthung hingeworfen werden, daß es uns zuzuschreiben sey. Wenn ein Mann durch seine Verdienste in einer Reputation stehet so macht auch glauben, daß er von den Unsrigen sey.“ (S. 340)

Wo der Orden machtlos ist, soll er sich aufplustern:

„Wenn man einer Orten der Autorität und des Gouvernements sich bemächtiget hat, so stellet man sich, als habe man nicht den mindesten Credit und Einfluß , um diejenigen nicht aufzuwecken oder stutzig zu machen, die gegen uns arbeiten würden. Hingegen, wo Ihr nichts auszurichten vermöget, habet Ihr euch das Ansehn eines Menschen zu geben, der alles vermag. Das macht uns fürchten und suchen, und stärkt unsere Parthey.“ (S. 342)

Und vor allem kann der Orden auch so tun, als wäre er eine ganz andere Organisation:

22) „Wenn unser Orden hier oder da mit der ganzen Form und Einrichtung unserer Klassen sich nicht etabliren kann; so muß man es unter einer andern Gestalt thun. Den Zweck laßt uno vor Augen haben, und damit uns beschäftigen; das ist das wesentliche, wenn er nur erreicht wird, so liegt wenig daran, unter welcher Hülle es geschiehet. Eine oder die andere ist inzwischen immer erforderlich; denn im Geheimniß beruhet ein großer Theil unserer Kraft.“
23) „Darum muß man immer unter den Namen einer andern Gesellschaft sich verstecken. Die unteren Logen der Freymaurerey sind einstweilen das schickliche Kleid für unsere höhere Zwecke, weil die Welt schon gewohnt ist, nichts Großes und Aufmerksamkeit verdienendes von den Freymaurern zu erwarten.“ (S. 345f)

„Er soll mit dem Provinzial über den Deckmantel, den Schleyer, der dem Orden zu geben ist, sich vereinbaren. Gleichwie für die religiösen Institute der römischen Kirche, die Religion, leyder, nur ein Vorwand war; so muß man auf eine edlere Art unsern Orden unterm Anschein einer Handels, Gesellschaft, oder unter einer ähnlichen Außenseite, verbergen.“ (S. 364)

Kein Wunder also, dass man nach dem Verbot und dem Verschwinden der Illuminaten auf die Idee kommen konnte, sie hätten sich nur getarnt und unter einem anderen Namen weitergemacht.

4. Aufklärung und Hokuspokus

Eigentlich verfolgten die Illuminaten ja Ziele der Aufklärung: die Freiheit von Vormundschaft, die Vernunft, gegen organisierte Kirche und Adel. Gleichzeitig veranstalten sie so einen abergläubischen Zirkus, mit Ritualen und geheimen Oberen. Einerseits sind sie für Freiheit, gleichzeitig überwachen sie einander misstrauisch. Muss man als fortschrittlicher Mensch vor ihnen Angst haben oder als rückwärtsgewandter? Sind die Illuminaten eine Verschwörung von Anarchisten, Demokraten oder Libertariern? Andererseits sagt bereits eine berühmte Figur der Auklärung, Nathan der Weise selber: „Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab.“

— Ich bin überrascht, wie oft ich bei der Lektüre von Barruels Geschichte des Jakobinismus an die Illuminatus!-Trilogie von Shea und Wilson denken musste: Das Versteckspiel, wer jetzt die Illuminaten sind und wer nicht; das Verstecken von Oberen Illuminaten mitten unter anderen; die widersprüchlichen Ziele der Illuminaten. Ich muss doch noch mal hineinschauen.

Fußnote zu Verschwörungstheorien: Es gibt ja die mit den Reptiloiden (Wikipedia), laut der viele Politiker und Weltenlenker in Wirklichkeit zu einer Rasse von Schlangenmenschen gehören, die unerkannt unter uns lebt und über uns herrscht. (Ernsthaft, die gibt es.) Der Gedanke ist verbreitet, bei der Fernsehserie „V – Die außerirdischen Besucher“ gibt es so etwas Ähnliches. Tatsächlich geht das alles auf eine Kurzgeschiche des Pulp-Autors Robert E. Howard zurück, „The Shadow Kingdom“, 1929 in Weird Tales erschienen, die erste Geschichte um Kull, einen Vorläufer von Howards bekannterem Conan. Die Geschichte habe ich neulich wiedergelesen, und da fiel mir die Ähnlichkeit auf. Sachen gibt’s.

Abbé Augustin Barruel, Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Band 3 (Teil 1)

Cartoon

1. Vorrede
2. Zur Geschichte der Illuminaten (aus Wikipedia abgeschrieben)
3. Endlich, das Buch
3.1 Aufbau der Illuminaten
3.2 Ziele der Illuminaten
3.3 Methoden der Illuminaten
4. Aufklärung und Hokuspokus

1. Vorrede

Anfang des Jahres habe ich, auch wegen eines allgemeinen Interesses an Verschwörungstheorien, Umberto Ecos Das Foucaultsche Pendel wiedergelesen. Damals hatte ich mir auch ein Buch notiert, das dort sozusagen als Urvater der Verschwörungstheorien angeführt wird: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus von Abbé Barruel.

Die Jakobiner waren ein politischer Klub während der französischen Revolution, von denen es damals etliche gab. Sie waren politisch links, für die Abschaffung der Monarchie, von Rousseau beeinflusst; ihren Namen haben sie von ihrem Klubhaus (jeder Klub braucht so etwas), einem – ehemaligen – Jakobinerkloster in Paris. Jakobiner, so heißen in Frankreich die Dominikaner; und in Verschwörungskreisen geht der Name des Klubs natürlich auf anderes zurück:

Historische Analysen sehen hinter der Auswahl des Jakobiner-Klosters nur einen Deckmantel, der die wahre Bedeutung verdecken sollte, die hinter dem Namen steht: Zum einen wird der Name Jakobiner auf Jacques de Molay zurückgeführt, dem letzten Führer des Templerordens, da in den Reihen der Jakobiner zahlreiche Freimaurer vertreten waren (Wikipedia, 14. Oktober 2014)

Diese Templer-Theorie kannte ich tatsächlich nur aus Verschwörerkreisen, also wunderten mich die „Historische[n] Analyse“ in Wikipedia schon. Geht man der Fußnote zu diesen nach, stößt man auf ein einzelnes Werk, dessen Thema der alchemistische Hintergrund von Kleists Novellen bildet. Die Rezensionen, die ich dazu gelesen habe, lassen mich an der Qualität der historischen Analysen zweifeln.

Aber so ist das mit Verschwörungstheorien: Wenn man damit einmal anfängt, stößt man immer wieder darauf. Und das liegt eben auch an diesen Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Jakobinismus, Ende des 18. Jahrhunderts auf Französisch erschienen, Anfang des 19. in deutscher Übersetzung: fürderhin ein europäischer und nordamerikanische Bestseller. Band 1 sieht die Französische Revolution als von den Philosophen der Aufklärung vorangetrieben und vorbereitet; Band 2 erkennt die Freimaurer in der gleichen Funktion. In Band 3 geht es um den deutschen Geheimbund der Illuminaten, und Band 4 zieht eine Verbindung von den Illuminaten quer durch die Weltgeschichte bis zum Manichäismus des 3. Jahrhunderts nach Christus. Gelesen habe ich bisher nur Band 3, aber an Band 4 werde ich mich sicher auch noch machen. (Alle online kostenlos als pdf zu finden, vielen Dank an Google fürs Einscannen und Zugänglichmachen. Ich finde es toll, dass ich einfach so aus einer Laune heraus an diese Bücher komme. Ans Frakturlesen gewöhnt man sich.) Angeblich war noch Band 5 geplant, in dem die Juden an allem schuld sind – aber möglicherweise sind die Informationen dazu eine nachträgliche Fälschung. Verschwörungstheorien halt.

Barruel kannte die Illuminaten nur vom Hörensagen; tatsächlich waren sie auch schon verboten und aufgelöst, als er seine Bücher schrieb. Aber er nennt vorbildlich seine Quellen und zitiert ungemein viel daraus; man kann ihm allerdings vorwerfen, dass er bei der Quellenanalyse zu unkritisch vorgegangen ist – er hat schlicht alles geglaubt, was da stand. Die Quellen sind vor allem:

  1. Bemerkungen über einige Originalschriften des Illuminaten-Ordens, welche bei dem gewesenen Regierungsrat Zweck durch vorgenommene Hausvisitation zu Landshut den 11. und 12. Oktober 1786 vorgefunden worden. Auf höchsten Befehl Seiner kurfürstlichen Durchlaucht zum Druck befördert. (1787)
  2. Nachtrag von Weitern Originalschriften (1787)
  3. Der ächte Illuminat oder Die wahren unverbesserten Rituale der Illuminaten, enthaltend den Vorbereitungsgrad, das Noviziat, den Minervalgrad, den kleinen und großen Illuminatgrad, ohne Zusatz und Auslassung. (J.H. Faber 1787)
  4. Philo’s endliche Erklärung und Antwort auf verschiedene Anforderungen und Fragen die an ihn ergangen, seine Verbindung mit dem Orden der Illuminaten betreffend (Adolph Knigge 1788 – Knigge war einer der zentralen Illuminaten und tatsächlich der mit dem Knigge, in dem es aber ursprünglich gar nicht um feines Benehmen geht, sondern Über den Umgang mit Menschen, so der Titel.)
  5. Die neuesten Arbeiten des Spartacus und Philo in dem Illuminaten-Orden. (Ludwig Adolf Christian von Grolmann 1793), darin enthalten:
  6. Kritische Geschichte der Illuminatengrade
  7. Illuminatus dirigens, oder schottischer Ritter. (Adam Weishaupt 1794)
  8. Drey merkwürdige Aussagen die innere Einrichtung des Illuminatenordens in Baiern betreffend (1786)

Alle Bücher sind als pdf kostenlos im Web, bei archive.org sind fast alle und noch etliche mehr gesammelt unter „Weishaupt A – The Complete Collection“, nur Nummer 4 und 8 sind nicht dabei, aber auch leicht anderswo zu finden. Gebraucht gibt es die Bücher so zwischen 140 und 800 Euro – man kriegt fast Lust, sich eine Sammlung anzulegen…


2. Zur Geschichte der Illuminaten (aus Wikipedia abgeschrieben)

1776 lehrte Adam Weishaupt an der Universität Ingolstadt. Er war 28 Jahre alt, Professor für Kirchenrecht und praktische Philosophie, vertrat die Ideale der Aufklärung, und rings um ihn waren nur (ehemalige) Jesuiten – antiaufklärerisch, eine verschworene geheime Gesellschaft. Also gründete er seinen eigenen Verein, die Geheimgesellschaft der Illuminaten. Das Ziel der Illuminaten war, den absolutistischen Staat mit eigenen Leuten zu besetzen und ihn dann abzuschaffen.

Nach den ersten kargen Jahren gab es einen Mitgliederboom: 1776 gab es eine Krise in der deutschen Freimaurerei. Dort war zu jener Zeit die Strikte Observanz tonangebend, eine Bewegung innerhalb der Freimaurer, die behauptete, dass a) die Freimaurer die Nachfolger des 1312 aufgehobenen Templerordens seien, und b) es eine Reihe von Geheimen Oberen gebe, die Hüter von Geheimnissen seien. Der hauptsächliche Vertreter dieser Richtung, der den Kontakt zu den Geheimen Oberen hielt, starb allerdings 1776, und daraufhin war man etwas ratlos, weil sich keine Geheimen Oberen meldeten.

Die zwei wohl wichtigsten Illuminaten, Adam Weishaupt und Adolph Knigge, machten in dem Durcheinander erfolgreich Werbung für ihre Gesellschaft, und die Gruppe wuchs, und daraufhin zerstritten sich die beiden. 1784 gab es einen Kompromiss, und im gleichen Jahr wurden allgemein Geheimgesellschaften verboten; 1785 wurden die Illuminaten explizit suspendiert und 1787 explizit verboten, und damit endet die kurze Geschichte der Illuminaten. Mitglieder gab es vielleicht 2000.

Kleines Einmaleins:

Die Templer: Waren ein Ritterorden von 1118 bis 1312. Geld, Grund, Gerüchte und Exzesse. Wer weiß, vielleicht arbeiten sie im Geheimen noch weiter?

Die Rosenkreuzer: Waren eine erfundene Geheimgesellschaft in einer Reihe von Pamphleten im 17. Jahrhundert. Und weil sich die echten Rosenkrezer nie meldeten, wurden sie eben danach gegründet, und wieder, und wieder, und wieder.

Die Freimaurer: Waren nicht geheim. Bei den Freimaurern gibt es ein einfaches Drei-Grad-System: Man ist Lehrling, Geselle und dann Meister. Aber je nach Ausrichtung und Großloge gibt es noch mehr oder weniger geheime Grade darüber. Die Strikte Observanz hatte so ein Hochgradsystem, und die Illuminaten gaben sich schnell auch ein solches.

Wenn nacht acht Jahren der Illuminaten-Zauber schon vorbei war, wieso erinnert man sich noch so gut an sie? Das liegt an John Robison, der 1797 Proofs of a Conspiracy against all the Religions and Governments of Europe, carried on in the Secret Meetings of Free-Masons, Illuminati and Reading Societies veröffentlichte, das in den USA große Wirkung zeigte, und eben an Abbé Barruels Werk aus dem gleichen Jahr.


3. Endlich, das Buch

3.1 Aufbau der Illuminaten

Ein Großteil des Buches besteht aus Zitaten aus den oben genannten Quellen: Welche Methoden ein Anwerber für den Geheimbund anwenden soll, die Rechte und Pflichten und vor allem das Ritual, wenn man Novize wird, dann Minerval, dann kleiner Illuminat, dann Illuminat/schottischer Novize. Das sind die Vorbereitungsgrade. In ihnen lässt man die Mitglieder im Glauben, man sei nur eine herkömmliche Freimaurerloge.

Wer diese Grade durchschritten hat und nicht wirklich den Idealen der Illuminaten entspricht, der landet im nächsten Grad, dem des Schottischen Ritters, und verbleibt dort auch – man lässt ihn in dem Glauben, dass diese Sackgasse der höchste Grad ist, den es bei den Illuminaten überhaupt gibt.

Für die anderen gibt es die geheimen oberen Grade: Epopt/Priester, Regent/Prinz, Magier. Verwaltungsgrade sind: Provinzial, National-Direktor, Areopagit (Mitglied im Areopagus, quasi dem obersten Rat), und ganz oben ist der General-Illuminat – Weishaupt selber.

Angelegt ist das auf eine Kontinente umspannende Verschwörung. Tatsächich haben Adam Weishaupt (und später Knigge) dieses System erst mal erschaffen, ohne dass schon eine echte Geheimgesellschaft dahinter stand. Nach dieser Bitte von Weishaupt (aus einem Brief) hat er seine Gedanken nicht einmal systematisch festgehalten:

„Ich bitte Sie, lassen Sie die Maximen, die häufig in meinen Briefen sich finden, nicht verlohren gehen. Sammlen Sie dieselben immer für unseren Areopagus, denn sie sind meinen Gedanken nicht immer gegenwärtig. Mit der Zeit kann daraus ein vortreflicher politischer Grad erwachsen. Philo thut dieses schon seit langer Zeit. Theilen Sie auch einander diese ihnen zubehörigen Instructionen mit; um mit der Zeit ein Ganzes daraus zu machen. Lesen Sie solche mit Fleiß, um sie sich geläufig zu machen. Obschon ich sie inne habe, und auch darnach handle, so würde mirs doch Zeit kosten, sie zusammen zu stellen. Von diesen Maximen durchdrungen, werden Sie desto besser in meine Projekte hineingehen, und in meiner Art zu wirken desto besser mit mir übereinkommen.“ (S. 302f)

Barruel nimmt das aber alles für bare Münze und hält – anscheinend – die Illuminaten für eine echt gefährliche Bande. Wenn man unkritisch liest, wie Weishaupt von unsichtbaren Armeen schreibt, die ihm zur Verfügung stehen, um die Throne Europas umzustürzen, kann man schon Angst bekommen:

„Alle Ringe dieser Kette muß er [der General] nach dem von unserm Stifter entworfenen Plan, selbst ordnen, als das große Mittel vom Heiligthum, wo er seinen Sitz hat, bis zu den äußersten Enden der Welt zu reichen; als das Mittel unserm Orden die Macht der unsichtbaren Armeen zu verschaffen, sie schleunig hervortreten zu machen, in Thätigkeit zu setzen, sie alle zu dirigiren, und durch sie die erstaunlichsten Revolutionen zu bewirken, bevor selbst die, deren Thronen sie umstürzet, Zeit haben, es wahrzunehmen.“ (S. 402)

3.2 Ziele der Illuminaten

Wenn man in den Rang des Epopten aufsteigt, wird man mit den Zielen der Illuminaten vertraut gemacht; vorher werden diese nur angedeutet. Für Barruel sind diese Ziele etwas Furchtbares, er hyperventiliert geradezu, wenn er zu ihnen kommt:

Könige und Unterthanen, Reiche und Künstler, Arbeiter und Kaufleute, Bürger aller Stände, so hört und erfahrt endlich, was sich in dem Grunde dieser Hölen gegen euch anspinnet. Besonders gebe uns eure Schlafsucht nicht etwa flüchtige Leichtgläubigkeit, oder leere Besorgniß Schuld. Diese Lehren der Sekte, welche sie als ihr Meisterwerk betrachtet, ich habe sie vor mir, wie sie aus der Hand ihres Gesetzgebers flossen. (S. 175f)

Unter einem Aspekt sind die Ziele aber gar nicht so dramatisch: Es geht um Bildung, ein Ideal der Aufklärung. „Wären Menschen gleich Anfangs das, was sie seyn sollten, so könnten wir ihnen gleich beym Eintritt in unsere Gesellschaft die Herrlichkeit unsers Plans vorlegen“ (S. 178). Aber die Menschen sind nicht das, was sie sein sollten, also muss man sie erst behutsam dorthin führen. Und die geheime Lehre der Illuminaten ist, laut Kapitel 9 und 10 vor allem, folgende:

  1. Die Entwicklung des Menschengeschlechts findet in Stufen statt: „‚Wie der einzelne Mensch, fährt der Hierophant fort, ’so hat auch das ganze Geschlecht seine Kindheit, seine Jugend, sein männliches und graues Alter.'“ (S. 183) – Und nicht nur hier musste ich an Lessings „Die Entwicklung des Menschengeschlechts“ (1780) denken.
  2. Der Urzustand der Menschheit ist patriachalisch-nomadisch, und dort gab es Freiheit und Gleichheit und, man muss es annehmen, Brüderlichkeit:

    Die Familie ist die einzige Gesellschaft; leicht zu befriedigender Himger und Durst, Schutz vor dem Ungestüm des Wetters, ein Weib, und nach der Ermüdung Ruhe, sind die einzigen. Bedürfnisse dieser Periode. In diesem Zustande genoß der Mensch die beyden vorzüglichsten Güter, Gleichheit und Freyheit. Er genoß sie in ihrer ganzen Fülle; er würde sie ewig genossen haben, wenn er dem Wink der Natur hätte folgen wollen (S. 183f.)

  3. Aber dann vermehrten sich die Familien und der Mensch wurde sesshaft: „das nomadische oder herumstreifende Leben hörte auf; das Eigenthum entstand; die Menschen erwählten sich feste Sitze; der Ackerbau brachte sie einander der näher“ (S. 185). Es kam zu Arbeitsteilung und organisiertem Zusammenleben, es gab Anführer und Angeführte. Und damit keine Freiheit und keine Gleichheit mehr.

    „Wer den andern braucht, hängt von, ihm ab; er hat sein Recht selbst abgetreten. Also, wenig zu brauchen, ist der erste Schritt zur Freyheit; darum sind Wilde, und im höchsten Grade aufgeklärte vielleicht auch die einzig freien Menschen.“ (S. 187) Die Fesseln des Eigentums.

  4. Und so entstehen nach und nach der Familie übergeordnete soziale Strukturen, der Quell allen Übels:

    Unter diesen Menschen waren einige, die den andern Schutz versprachen und ihre Anführer wurden. – Anfänglich waren sie es von Horden, von Stämmen. – Diese wurden entweder überwunden, oder vereinigten sich und bildeten ein großes Volk. Nun entstanden Nationen und Vorsteher, Könige der Nationen. Mit dem Ursprunge der Nationen und Völker hörte die Welt auf eine große Familie, ein großes Reich zu seyn, das Band der Natur wurde zerrissen. […] In dem Augenblick, wo die Menschen sich in Nationen vereinigten, hörten sie auf sich unter einem gemeinschaftltcben Namen zu kennen. – Der Nationalismus oder die Nationalliebe trat in die Stelle der allgemeinen Liebe. (S. 190f.)

Zu diesem Urzustand wollen – laut Barruel und den Zitaten – die Illuminaten die Menschheit zurückbringen. Das hat tatsächlich etwas von James-Bond-Schurkenphantasie: Die Welt erretten, in dem man zurück in die Anarchie geht. Kein Eigentum mehr, keine Städte. Ob Weishaupt tatsächlich so verstanden werden will, weiß ich nicht. Aber so völlig unverbreitet ist der Gedanke nicht, erst vor zwei Monaten erschien dieser Cartoon by SMBC:

Cartoon
http://www.smbc-comics.com/comic/hunting-and-gathering

So sieht das kommende Zeitalter aus:

„[W]enn der Müssiggang nicht weiter geduldet seyn wird, wenn der Schwall unnützer Wissenschaften verbannt seyn, und man nur zu dem, was den Menschen besser macht, Unterweisung geben wird; zu dem, was ihn seinem natürlichen Zustande, seinem künftigen Schicksal näher führt! wenn wir uns werden Glück wünschen können, diesen glücklichen Zeitpunkt verfrühet zu haben, und daran unser Werk erkennen! wenn endlich jeder Mensch in dem andern einen Bruder sehen, und hülfreich ihm die Hände bieten wird!“ (S. 241)

Einerseits ziemlich streng, gerade die unnützen Wissenschaften gaben es mir angetan. Das klingt nach einer autoritären Dystopie. Auf anderen Seiten ist der Weishaupt dann radikal-anarchistisch. Demokratie ist da nicht viel besser als Monarchie:

„Alles was wir bisher für euch gethan haben, zielete dahin, euch würdig zu machen, gleich uns, und mit uns, an der Abschaffung und Vernichtung aller Obrigkeit, alles Staatsregiments, aller Gesetze, aller bürgerlichen Societät, selbst aller Republiken, aller Democratie und Aristocratie, und aller Monarchien, zu arbeiten. Alles dieses sollte nur dienen, nach und nach euch errathen zu machen und einzureden, was wir nun unbewunden euch sagen. – Alle Menschen sind einander gleich und frey; das ist ihr unverjährbares Recht. Aber nicht allein unter den Königen verlieret ihr den Gebrauch dieser eurer Freyheit; sie ist null und nichtig aller Orten, wo andere Gesetze für die Menschen gültig sind, als ihr eigner Wille. Wir haben viel von Despotismus und Tyranney gegen euch gesprochen; aber der Despotismus und die Tyrannen finden sich nicht blos bey dem Monarchen und dem Aristrocraten. Man trift sie wesentlich eben so wohl an, bey dem democratischen souveränen Volke, als bey dem gebietenden Könige. Was für ein Recht hat denn dieses Volk, oder diese Menge und ihre Majorität, euch und die Minorität, ihren Verordnungen zu unterwerfen? war das das Recht der Natur? gab es mehr souveraine und gesetzgebende Völker, wie gesetzgebende Könige oder Aristokraten, als der Mensch im Genusse seiner natürlichen Gleichheit und Freyheit sich befand?“ (S. 269)

Vermutlich ist das alles patriarchalisch-anarchisch-friedlich, solange alle genau das wollen, was Weishaupt oder die Vernunft gebieten, und wer davon abweicht, kriegt dann ganz unanarchisch Ärger. Dieser Urzustand des Menschen ist für Weishaupt natürlich und „vernünftig“, und zu dieser Vernunft will Weishaupt zurück: „‚Denkt von der menschlichen Natur würdiger; geht muthig an das Werk und scheuet keine Schwürigkeit. Macht unsere Grundsätze zu Meinungen und laßt sie in die Sitten übergehen; und endlich macht die Vernunft zur Religion der Menschen, so ist die Aufgabe gelößt.'“ (S. 209)

Vorbild sind Weishaupt dabei die germanischen Stämme der Völkerwanderung, die das zivilisierte (und damit ungleiche, unfreie) Rom vernichten, wenn auch nicht gründlich genug:

„Als der ganze übrige Theil von Europa dem Joche der Gesetze und der Verderbniß unterlag, stellet die Natur, welche in Norden die wahre Race der ersten Menschen in ihrer Reinheit und ursprünglichen Kraft erhalten hatte, sich dar, und kommt dem menschlichen Geschlecht zu Hülfe. Aus dem Innersten dieser armseligen, unfruchtbaren Gegenden, ruft sie diese wilden Völker hervor, und sendet sie in die Länder der Weichlichkeit und der Wollust, um mit neuem Blute den entnervten mittäglichen Leibern neues Leben zu geben.“ (S. 290)

Für den Illuminatenorden möchte Weishaupt allerdings strenge Ordnung und Disziplin, da ist von Gleichheit überhaupt nicht die Rede – den Oberen muss gehorcht werden (S. 300).

— Aber zu den Methoden der Illuminaten: siehe Fortsetzung. Entschuldigung, wenn’s am Ende etwas konfus geworden ist, aber ich wollte das hier vor allem auch als Zitatsammlung nutzen, sonst müsste ich das anderswo tun, und wozu hat man denn ein Blog?