James Hilton

Sommer 1989, eine Jugendherberge in Großbritannien (Llwyn-y-Celyn in Wales). Ich kannte James Hilton schon als Autor von Lost Horizon – ein sentimentaler, abenteuerlicher Roman mit schöner Rahmenhandlung. In der Jugendherberge las ich das erste Kapitel eines weiteren seiner Bücher. Es begann mit einem Zeitungsartikel über den hochlobenswerten Einsatz eines englischen Geistlichen bei einem Zugunglück: Bei einem Zusammenstoß waren die hinteren Waggons in Brand geraten. Heldenmutig und ohne Rücksicht auf das eigene Leben versuchte der Geistliche, die Passagiere darin zu retten, und musste letztlich mit Gewalt davon abgehalten werden.
Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt kehrt der Geistliche zurück, sichtlich mitgenommen, und quält sich durch die Tage.

– und als geübter Leser wusste ich genau, dass da jemand hinten in den Waggons saß, den der Geistliche retten wollte, und von dem niemand erfahren durfte. Irgendeine bittere Liebesgeschichte.
Das Buch ließ ich damals in der Jugendherberge zurück. Zehn Jahre dauerte es, bis ich den Rest der Geschichte endlich erfahren konnte (den Titel des Buchs hatte ich inzwischen längst vergessen).


James (Ernest Benn) Hilton
9.9.1900 Leigh (Lancashire, UK) – 20.12.1956 Long Beach (California, USA)

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In den 30er Jahren schrieb er mit Lost Horizon einen Beststeller (berühmt verfilmt von Frank Capra), mit dem er der englischen Sprache den Begriff Shangri-la gab, und mit Goodbye, Mr Chips gleich noch einen. Später ging er als Drehbuchautor von England nach Hollywood. Heute ist er ein wenig vergessen – das Suchen im WWW liefert hauptsächlich „Shangri La“-Hotels. Zu seinem 100. Geburtstag wurde allerdings die James Hilton Society gegründet.

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Biographisches (aus dem Nachwort von Jahr um Jahr, München: Desch 1956):

James Hilton wurde im Jahre 1900 in der englischen Industriestadt Lancashire geboren. Schon während seiner Studentenzeit am Christ-College in Cambridge schrieb er seinen ersten Roman und gewann schon früh Ansehen als literarischer Mitarbeiter bedeutender englischer Zeitungen. Nach Beendigung des Studiums widmete er sich in London literarischen Arbeiten, von denen er selbst später sagte, daß »sie die Themse nicht in Flammen setzten«. Im Frühjahr 1933 gewann er über Nacht [das stimmt nicht ganz, siehe weiter unten] mit seinem Roman Lost Horizon, der ein Jahr später mit dem Hawthornden-Preis ausgezeichnet wurde, literarischen Weltruhm. Die Zeitschrift »The British Weekly« gab ihm einige Monate später für die Weihnachtsnummer eine längere Novelle in Auftrag; die Frist betrug vierzehn Tage. Nachdem die halbe Frist verstrichen war, setzte Hilton sich an einem regnerischen Morgen an den Schreibtisch und schrieb dann in vier Tagen Goodbye Mr. Chips, ein Buch, das sehr schnell ein Bestseller im anglo-amerikanischen Sprachraum wurde. Mit dreiunddreißig Jahren war James Hilton einer der bekanntesten Autoren Englands geworden.
Seit 1935 lebte er mit einigen Unterbrechungen in Südkalifornien als Autor erfolgreicher Bücher und Filme. In Hollywood zeichnete er sich dadurch aus, daß er – als typischer Engländer – durch nichts zu erschüttern war. Seine besondere Zuneigung galt der Musik; lange wollte er Pianist werden. Früh schon entwickelte er sich beim wiederholten Besuch der Schweiz zu einem passionierten Bergsteiger, der er bis zu seinem Tode geblieben ist.


Seine Buchveröffentlichungen sind:

Catherine Herself (1920)
Storm Passage (1922)
The Passionate Year (1923? 24?)
The Dawn of Reckoning (1925) / US: Rage in Heaven (1932)
The Meadows of the Moon (1926)
Terry (1927?)
The Silver Flame (1928 – 1936?) / US: Three Loves Had Margaret
And Now Good-Bye (1931) / D: Ein Abschied (?)
Murder At School (1931) (as Glen Trevor) / US: Was It Murder?
Contango (1932)/ US: Ill Wind / US: Nine Short Stories (in Avon Modern Short Story Monthly No. 5)
Rage in Heaven (1932)
Lost Horizon (1933) / D: Irgendwo in Tibet / D: Der verlorene Horizont
Good-Bye Mr. Chips (1933/34) / D: Leb Wohl, Mister Chips
Knight Without Armour (1933) / US: Without Armor
We Are Not Alone (1937) / D: Wir sind nicht allein
To You, Mr. Chips (1938)
Random Harvest (1941) / D: Gefundene Jahre (?)
The Story of Dr Wassell (1944)
So Well Remembered (1945) / D: George Boswells Geschick
Nothing So Strange (1947)
Morning Journey (1951) / D: Der Regisseur (?)
Time And Time Again (1953) / D: Jahr um Jahr

Twilight of the Wise (London 1949) – a very short (59 p.) personal narrative of World War I 1914-1918
The Duke of Edinburgh (London 1956) (biography/non-fiction)

„The Bat King“, in: Horrors Unseen, ed. Sam Moskowitz. New York: Berkley 1974.
„The Mallet“, in: Shafts of Fear, ed. Dennis Wheatley. London: Arrow 1964. (Auch in der größeren Sammlung A Century of Horror.)
„The Perfect Plan“, in: Ellery Queen’s Eleven Deadly Sins, ed. Eleanor Sullivan. New York: Walker and Company 1991.

Die deutschen Titel habe ich nur angegeben, soweit sie mir bekannt waren. Bei einigen deutschen Titeln weiß ich, dass sie existieren, aber nicht, zu welchem Buch sie gehören; diesen Titeln habe ich ein Fragezeichen beigegeben. Ich gehe davon aus, dass noch weitere Bücher übersetzt worden sind; zumindest eines ist noch als Gewitterwind erschienen.


Drehbücher von James Hilton (alle US):

1936 Camille (dt. Die Kameliendame) mit Zoe Atkins und Frances Marion
1939 We Are Not Alone (dt. Ihr seid nicht allein)
1940 Foreign Correspondent (dt. Mord) mit Charles Bennett, Joan Harrison und Robert Benchley
1942 Mrs. Miniver mit Arthur Wimperis und George Froeschel
1943 Forever and a Day (dt. Auf ewig und drei Tage) Episodenfilm, 7 Regisseure, 21 Autoren, darunter Hilton
1944 The Story of Dr Wassell (Dr. Wassells Flucht aus Java) mit Alan LeMay und Charles Bennett

Also fast alles zusammen mit anderen Autoren, fast alles Filme mit britischem Hintergrund.


Verfilmungen seiner Romane:

1937 GB Knight Without Armour
1937 US Lost Horizon
1939 GB Goodbye Mr Chips
1939 US We Are Not Alone
1942 US Random Harvest
1944 US The Story of Dr Wassell
1947 US So Well Remembered
1969 GB Goodbye Mr Chips (Musical)
1973 US Lost Horizon (Musical)

Hörspielfassung seiner Romane:

James Hilton präsentierte unter anderem die Hörspielreihe Hallmark Playhouse (1948-53) (später, ohne Hilton, The Hallmark Hall of Fame, 1953-1955) und wählte auch die Buchvorlagen für die Reihe aus.
Unter anderem waren das:
· Lost Horizon (Dec 30, 1948)
· Random Harvest (Feb 17, 1949)
· Goodbye Mr. Chips (Sep 16, 1948 & Feb 1, 1951).

Die Reihe Lux Radio Theater brachte an aktuelle Verfilmungen angelehnte Radiofassungen, häufig mit denselben Schauspieler wie im Film:
· Goodbye Mr. Chips (Nov 20, 1939)
· Lost Horizon (Sep 15, 1941)
· Random Harvest (Jan 31, 1944 & Apr 19, 1948).

Academy Award Theater präsentierte:
· Lost Horizon (Nov 27, 1946)

Orson Welles zeigte in The Campbell Playhouse (ursprünglich Campbell Theater):
· Lost Horizon (?) (Dec 3 1939)

Es gibt noch mindestens ein halbes Dutzend weiterer Hörspielaufnahmen.


Zur Publikations- und persönlichen Geschichte Hiltons:

Seinen ersten Roman, Catherine Herself, schrieb er als junger Student (undergraduate) mit 17 Jahren, zwei Jahre später wurde er veröffentlicht. Im Anschluss daran schrieb er einige Jahre lang für den Irish Independent eine zweimal pro Woche erscheinende Kolumne, seine Haupteinnahmequelle. 1921 beendete er sein Studium in Cambridge (Christ College; honours in English and a history degree). Daneben schrieb er weiter Romane, Beiträge für Zeitungen, Kritiken und unterrichte in Cambridge.
Erstes literarisches Lob holte er sich 1931 mit And Now Good-Bye, finanziell war aber erst Good-bye Mr. Chips (1933) ein Erfolg. Dessen Bekanntheit trug dann auch zu besseren Verkaufszahlen des eines halben Jahr zuvor erschienenen Lost Horizon bei, das zu einem der bekanntesten Bücher der Epoche wurde. Hilton bekam den Hawthornden Prize als vielversprechendster junger Autor; Lost Horizon wurde zum ersten Buch, das je als Paperback veröffentlicht wurde (je nachdem zumindest, wie man Paperback definiert – es war jedenfalls No. 1 der Reihe Pocket Book); Franklin Roosevelt nannte seinen Sommersitz in Maryland „Shangri-La“ (das heutige Camp David), es wurde zu einem Theaterstück, einem Film, einem Musical, einem Fernsehfilm.
1935 zog Hilton nach Kalifornien. Er schrieb weiter Romane, Artikel, Kritiken und daneben Drehbücher; er hielt Vorträge, auch im Radio.
Hilton wehrte sich gegen die Wiederveröffentlichung seiner Werke vor Lost Horizon und Good-bye Mr Chips. Die einzigen Ausgaben, die ich kenne, sind amerikanische oder kanadische Taschenbuchausgaben aus den 40er Jahren. Viele seiner Bücher tragen unterschiedliche britische und amerikanische Titel. Er blieb, was seine Schauplätze und Personen betrifft, eigentlich immer ein britischer Autor, der aber in Amerika lebte und schrieb und veröffentlichte.
1951 sagte er über sich selbst: „I dislike organized games, swimming pools, fashionable resorts, night clubs, music in restaurants and political manifestos; I enjoy driving from coast to coastm good food and drink,a few friends, dogs, the theatre, long walks, music (except grand opera) and free conversation. I read a dozen so so [sic] books a week (if I can find that many I want to read). I spend three or four hours a week in radio listening and an hour or so with television.“ (Zitiert nach: Lost Horizon. Notes [Coles Notes 991]. Toronto et al.: Coles 1965)


Gemischte Gedanken, aus historischen Gründen auf Englisch:

1. What I Found Interesting

I think there is a clue, or a key, to reading James Hilton. With Hilton, you often have characters with a much richer inner life than their surroundings suspect.
You often have a) an outside world that is aware only the surface appearance of a set of events, and b) stories in a what-really-happened-mode that are known to a very few characters only (two, one, or sometimes even none at all). I’ll call these stories inner stories.

For example:

· In Lost Horizon there is the story of what really happened to Conway. For some time, not even Conway himself is aware of his inner story (while he is suffering from amnesia). After his full recovery he confides in Rutherford, who then – in the frame story – tells it to the unnamed narrator, but only after they have got rid of the third member of their party, Wyland. „I don’t much care for Wyland“, Rutherford says. Conway’s inner story is not for everyone to hear. (An additional point is that there is no certainty that Conway’s story is the true at all. At the end of the book, the narrator and Rutherford discuss the arguments for and against the truth of the story. Maybe we have not got the real inner story after all.)

· In Random Harvest, Charles Rainier is also suffering from amnesia. Twice. As a shell-shocked officer in World War I, having no memories of his former life, he escapes from an asylum and marries a singer and is idyllically happy. Years later, another shock erases his memories of this life and he returns to his former life, even remarrying. At the time of the beginning of the novel he suspects that he has lost something terribly important. Here, his inner story is hidden not only from his family and colleagues, but also from himself. Until he remembers.

· In Knight Without Armour, Fothergill, a British diplomat, rescues a very young Russian princess during the Russian Revolution 1917 (I don’t remember exactly – was it Anastasia herself?) and arranges for her to be brought up in America. Years later, when she is a young woman, middle-aged Fothergill traces her and makes her acquaintance. He does not reveal himself and for a long time does not tell her who she really is, finally even burning the papers that would have proven her identity. That night, they climb a mountain. He tells her: „I’d rather wanted to have a particular talk with you about something“ but the climb has proven too strenuous. He has a weak heart. They decide he will tell her the following morning, but we are not certain just what he is going to tell her. He dies during the night.

· In We Are Not Alone, a young doctor is accused of murdering his wife, sentenced to death and executed. The main witness at the trial was a young boy. Now, as an adult, he has doubts. He discovers that the doctor’s son (who had not been present at the trial) had inadvertently been responsible for his mother’s death. (That is, if the doctor’s son is to be believed. As a child, he was fond of telling tall stories.) But since they cannot prove anything, and since it all happened so long ago anyway, they don’t see any point in telling anybody.

· My favourite example is And Now Good-Bye. In the summer of 1989, I found a copy of this book in a British youth hostel, a bound copy too. Sigh. Anyway, I read the prologue (with Hilton, almost inevitable) and was hooked. I did not pinch the book, but it took me ten years to find another copy and read it (in 1998 I found the book, read it in 1999).
The prologue contained the following (this is a summary, not a quotation):
Howat Freemantle, a British clergyman, is highly praised by the British press, by his wife and daughter, by the people of the small town he lives in, for a heroic deed. Travelling from London by train, he was in a serious rail accident, 14 dead. More people would have lost their lives if it hadn’t been for him, desparately trying to get people out of the burning carriages. His action was the more laudable as he did not even know any of the other passengers. Ah yes, and among the charred bodies were two unaccounted for, both of women. Throughout the prologue we never hear Freemantle himself, who seems to have grown very quiet after the accident.
And from the first paragraph you realize that there is something the public does not know about Howat Freemantle, about his trying to save people from the burning carriage, and about the unidentified bodies. The main part of the novel consists of the events leading up to that accident. In the epilogue, only one person gets to hear Freemantle’s story, and he tells him better to forget it.

· Nothing So Strange takes its title from a quotation, chosen as the book’s motto: „There is nothing so powerful as truth – and often nothing so strange.“ (Daniel Webster). Since it has been quite a while that I read the book, I don’t remember all that much, so I’ll just quote from the very first page:

„Yes, I knew him,“ I said, „but it was years ago – in England….“
You can make things sound very simple when you are answering questions on oath […] And all the time, behind the facts as you truthfully state them, there’s the real truth that you remember slowly […] That, of course, isn’t the kind of truth you’ve promised to tell, but it probably shows in your eyes and makes you look as if you were hiding something. Which, in a sense, you are.

· Morning Journey: Same here; I have forgotten a lot. At the end of the prologue, George and Randolph are having a telephone conversation about actress Carey Arundel and director Paul Saffron:
„Personally, I can’t understand it. Not only throwing away a career but for God’s sake what can she see in Saffron? What on earth did she see? Don’t suppose we’ll ever get the whole truth about that.“
[…] „She must have had an interesting life, Randy. Born in Ireland, she told me – on a farm. …I wonder how she ever…“ But there were so many things he wondered.
Hilton takes us back in time and space to Ireland, in order to tell the whole story.

· Murder at School is a mystery novel, and therefore carries by definiton an inner story with it that, again by definition, is discovered at the end. Everybody gets to know the true story, for a change.

· Then there is Hilton’s collection of short stories, as it were. Contango a.k.a. Ill Wind consists of nine short stories with a common thread. The main character of one story becomes a minor character in the next, and so on. This time, not a single character is aware of how their lives are interacting and interconnected, and how a hat blowing off at the beginning of the first episode ultimately influences the fate of a British minister of state in the last story. (An illustration of chaotic systems.)
Incidentally, several of the stories on their own contain variations of the inner story theme:
– In the first story, a British diplomat gets all the blame, while he in fact has only tried to be fair and just (coupled with some fatal indecisiveness, though). He is made out to be incapable of doing his job, and nobody wants to hear how everything really happened.
– The second story features a case of mistaken identity, where a character dreams up a secret inner story for another character, just to have it pierced at the end.
– Three: An impostor, which we realize only in the next story.
– Four: The same impostor, in a different role this time.
– Five: Three corpses in the aftermath of an earthquake. They died through a misunderstanding, one of them realizes with his dying thoughts. He is the only one who has seen through the misunderstanding (not that he can tell anybody).
– Sixth story: A journalist is the only one who has discovered a corpse’s identity (US film celebrity) after an earthquake in South America, but fails to reach civilization and tell.
– Seven: The journalist is living as a madman in the jungle, under unusual circumstances. The men who discover this don’t tell his surviving relatives, as the true story would be too cruel, they couldn’t get the strange details across anyway.
– Eight: A former aristocrat and survivor of the Russian revolution works as a chambermaid in a Swiss hotel and gets to know and even like a Russian diplomat. She never tells him her story. (Actually, she shoots him at the end of the story, for complicated reasons.)

So, in many of Hilton’s stories, there is a secret, more exciting, story that the public never learns about. This explains the narrative structure of many of Hilton’s books: Frequently there is a prologue (and an epilogue), constituting a frame for the story. Rarely the story is told in chronological order, flashbacks are frequent. We often get first the outside view of a character, and then go back into the past to the hidden story. Often we know the outcome of a story (the end of the novel, as it were) before we get told the events that led to it. (Lost Horizon, Knight Without Armour, And Now Good-Bye, Morning Journey, Random Harvest, We Are Not Alone, Nothing So Strange). Typically, this takes the form of knowing at the beginning that somebody is going to die at the end, so you can’t avoid a sense of doom while you watch the love affair unfold.


This is just a list of motives that seem to appear often in Hilton. It serves as a reminder to myself to work on this at some later stage; I haven’t had the time yet to go through my Hilton books again, so this is mostly from memory.

Ireland (Morning Journey, Knight Without Armor)
Piano/Chopin (Lost Horizon, And Now Good-Bye)
Mountains (Lost Horizon, Knight Without Armour, Random Harvest, Ill Wind [Florence Faulkner])
Doctors (We Are Not Alone, And Now Good-Bye)
Clergymen (And Now Good-Bye)
Amnesia (Random Harvest, Lost Horizon)
Courtroom scenes (Ill Wind [Gathergood], Nothing So Strange)
Diplomats (Ill Wind [Gathergood], Time and Time Again, Ill Wind [Henry Elliot]t)
Middle-Aged Man with Young Woman (Knight Without Armour, We Are Not Alone, And Now Good-Bye, Morning Journey [Hare and Arundel])

Knowing the ending of a story at the beginning (Lost Horizon, Knight Without Armour, And Now Good-Bye, Morning Journey, Random Harvest [partly])
Russia (Ill Wind [Paula Courvier], Knight Without Armour)
Murder (We Are Not Alone, Murder at School)


2. James Hilton and Mediocrity

„Lost Horizon, which won the Hawthornden Prize in 1933 for the most promising young novelist, is Hilton’s best book. It is prophetic that as „Glory“ Conway never fulfilled the promise of his early brilliance, so Hilton did not go on to write a great novel. He was content to turn out pleasant stories rather than serious works. Perhaps he had found his own private Shangri-La, and that satisfied his inner needs.“ Lost Horizon. Notes (Coles Notes 991). Toronto et al.: Coles 1965 .

There is very little on James Hilton on the web. There is one highly critical review of Lost Horizon by James Schellenberg. It is quite a damning review, actually, but not unfairly so. While I do not agree with some of the minor points, I can see the point in accusing Lost Horizon of championing mediocrity, a claim that is supported by the relevant entry in the Kindler, Germany’s major (4 ft.) encyclopedia of world literature.
Schellenberg accuses Conway, the hero of Lost Horizon, of exhibiting „a lethal (to the reader’s interest, that is) mix of indecision and introspection.“ In my opinion, this is also valid, even characteristic, for other Hilton heroes. Compare: „Brown was a likeable and even interesting personality, but he wore an almost constant air of observing life rather than participating in it“ (Ill Wind). Many of Hilton’s characters have, as I have tried to show above, incredible or moving stories to tell but, for whatever reason, they remain silent. Gathergood’s (Ill Wind) career is ruined because he can’t or doesn’t want to explain his actions. David Newcome (We Are Not Alone) is hanged for a murderer, though he knows that he is innocent. Fothergill (Knight Witout Armour has an incredible story to tell; he doesn’t. Carey Arundel and Paul Saffron (Morning Journey) could explain their elopement; they don’t. Freemantle (And Now Good-Bye) is suffering in silence instead of telling people that there was somebody he tried to rescue from the burning carriage.

These characters seem to be content with the outside world being unaware of the true story. They prefer it that way.
His heroes are not happy in the world they live in, not happy with the part they have taken upon themselves to play (out of a sense of responsibility?). Rather than do anything about it and change their surroundings, they create and live in their own world.
„But he was thinking of something else; he was thinking – By God, I believe there is something in me, if it had a chance; I believe what I’m everlastingly seeking for wouldn’t always elude.“ (And Now Good-Bye)
Freemantle will always continue to believe that there is something in him, for he will never get the chance to show it, he will never have to prove it, either to himself or others.
While I agree with Kurt Vonnegut that you don’t have to use your talents just because you happen to have them, I am suspicious of the feeling of „I too could be brilliant, if the world only knew“ I get when reading Hilton.
Hilton almost never shows the dangers of being too introspective. It is only in Ill Wind that Charles Gathergood’s indecisiveness leads to catastrophe. When a native on an island is accused of murdering a white man (which he is possibly not guilty of), Gathergood waits too long and the native is killed by a lynch mob. This leads to a revolution (of sorts) on the island, and more white people are killed. For once, the narrator’s sympathies do not lie with the puzzled main character (although Hilton does not offer any solution for Gathergood’s dilemma).

Hilton’s is a sense of wonder. He looks at all the windows in a street and wonders what strange stories may take place behind them. I find that splendid. But he does not go on and make a statement about appearances and reality. Maybe, if this had been what Hilton wanted to explore, and if he had questioned his indecisive heroes more, he would have been more recognized as an author.
As it is, I dearly love him for his stories (sentimental as I am), for his twisted way of telling, for his glimpses under the surface of ordinary-looking people.


Footnote

There have been at least two sequels to Lost Horizon. One is Return to Shangri-La by acclaimed British film critic Leslie Halliwell (1987). It’s been some time that I read it, and I only remember that I found it uncomfortably conservative (looking back to the good old days when workers wouldn’t go on strike all the time), but I may be quite wrong there. The blurb says it is „a tribute to the magical adventure movies of the 1930s“. The action takes place 50 years after the publication of Lost Horizon, when „two chance acquaintances in the Californian desert find reason to believe that the celebrated story may have had a basis is truth. A trail of danger, detection and excitement leads them from a flooded canyon in Death Valley back to the London blitz of 1940; from the spurious glamour of Hollywood to a peaceful island off the Pembrokeshire coast; and finally by an obscure Asian route to a discovery which changes their lives and could even affect the future of the world“ (blurb again).
The other book is Shangri-La: The Return to the World of Lost Horizon by Eleanor Cooney and Daniel Altieri (1996). I haven’t read that one yet.

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6 Thoughts to “James Hilton

  1. Erstmal vielen Dank, dass es diese Seite überhaupt gibt! Als ich vor ungefähr zwei Jahren auf James Hilton stieß, hatte ich erstmal das Gefühl, dass ihn (zumindest in Deutschland) niemand außer mir gerne liest – oder auch nur kennt. Hier konnte ich mich überzeugen, dass dem nicht so ist, und ich bekam einige interessante Anregungen und Sichtweisen auf Hiltons Bücher.

    Ich kam ganz zufällig in Berührung mit seinem Werk. In einem Stapel älterer amerikanischer Taschenbücher km mir eines in die Hand mit dem Titel „Random Harvest“. Das Titelbild sah nach einer simpel-kitschigen Geschichte aus, doch so klang der Titel nicht. Auf dem Umschlag wurden Buch und Autor dann sehr gelobt: großer Erfolg, Verfilmungen, einer der größten Erzähler,… Ich beschloss also, einmal hineinzulesen.

    …und hätte es fast nach dem ersten Kapitel schon wieder beiseite gelegt. Ich empfand den Anfang als recht spröde und sehr spannungsarm, die Charaktere blieben mir fremd. Zum Glück entschied ich mich doch für das Weiterlesen, denn allmählich wurde ich immer tiefer in die Geschichte hineingezogen. Die großen Rätsel in der Handlung empfand ich als faszinierend, die Darstellung der Personen als überzeugend und sehr menschlich, den Stil als sehr angenehm. Und mir gefielen auch die kleinen philosophischen Ausflüge des Autors, wenn er sich etwa mit freundlichem Spott über den Charakter des britischen Volkes auslässt.

    Als die Geschichte ihrer Auflösung entgegenstrebte, wurde ich immer mehr gefesselt – und als ich das Ende gelesen hatte, war ich begeistert. Und wollte mehr! Also schaute ich nach Informationen über den Autor und nach anderen Werken von ihm.

    Ich stellte mit Erstaunen fest, dass er im englischen Sprachraum offenbar einmal große Bekanntheit genossen hatte – und in Gesprächen mit Kollegen merkte ich, dass der Ruhm seines Namens inzwischen weitgehend verblasst war, der seiner Werke aber nicht. „Good-Bye, Mr. Chips“ etwa kennt in England jeder, James Hilton fast niemand. Dieses Buch war auch eines der nächsten, die ich von ihm las, konnte aber den großen Enthusiasmus des englischen Publikums dafür nicht ganz nachvollziehen. Sicher eine nette Geschichte und ein typischer Hilton-Held, aber doch für mich kein Werk von großer Bedeutung – da muss man wohl im englischen Schulsystem und mit solchen Lehrertypen aufgewachsen sein, um das ganz würdigen zu können. Da hat eben England seinen „Mr. Chips“ und wir haben unsere „Feuerzangenbowle“…

    „Lost Horizon“ fand ich in seinem weitgreifenden Konzept schon deutlich interessanter, auch wenn ein Teil seines Erfolges sicher auf die Lust am Eskapismus zu seiner Entstehungszeit zurückzuführen ist. Ganz so leicht springen wir heute wohl nicht mehr auf alternativ-fernöstliche Lebensentwürfe und Heilsversprechen auf. In der Konstruktion der Geschichte und der sich langsam enthüllenden Tiefe der Charaktere aber ist das ein echter Hilton und sehr lesenswert. Ich habe mir danach auch die alte Verfilmung von Capra angeschaut und fand sie beeindruckend, wenn auch notwendigerweise flacher als das Buch. Das interessanteste an dem Buch ist aber eigentlich seine Wirkungsgeschichte: Es hat einen neuen Mythos so überzeugend geschaffen, dass er sich ganz im kollektiven Gedächtnis festgesetzt hat. Keiner meiner Freunde glaubt mir, wenn ich erzähle, dass es sich bei „Shangri-La“ eben nicht um eine uralte Sage handelt, sondern dass der Ort und der Begriff erst 1933 durch Hilton geschaffen wurden. (Das ist wie mit der Loreley: Dass dieses „Märchen aus uralten Zeiten“ erst von Clemens Brentano erdacht wurde, hören viele nicht gerne.)

    Hiltons Roman „And Now Good-Bye“, der letztlich den Anstoß zu dieser Seite gab, habe ich auch gelesen und fand ihn sehr berührend. Es ist zwar richtig, dass hier am deutlichsten von allen Büchern Hiltons (soweit ich sie gelesen habe) der Held eigentlich zu passiv darauf wartet, dass seine Fähigkeiten von der Welt „entdeckt“ werden… aber dieses Verhalten ist so unrealistisch nicht. Es ist auch genau das, was man Fische-Geborenen (wie mir) nachsagt: Sie stehen ein Leben lang am Rand der Bühne und warten auf den Ruf, der sie nach vorne holt, damit sie zeigen, was sie können – aber der Ruf kommt nie, wenn sie sich nicht irgendwann selbst rufen und aktiv werden. Ich kann Howat Freemantles Position und auch seine Schwächen gut nachempfinden… Darum – und auch weil ich mal selbst durch eine ganz ähnliche Situation gegangen bin wie die Hauptfigur mit dem jungen Mädchen – habe ich intensiv gehofft, dass sich das Ende nicht so ergibt, wie man es als Leser ja schon befürchten muss… und wie es dann auch kommt. Trotzdem eine sehr schöne und ungewöhnliche Geschichte, deren „innere Handlung“ ich sehr überzeugend finde.

    Mit dem Buch „Morning Journey“ konnte ich über lange Strecken weit weniger anfangen. Die Handlung und Personen fand ich zwar interessant und sehr lebendig geschildert, doch hatten die Helden nicht soweit meine Sympathie, dass ich wirklich Anteil an ihrem Schicksal genommen hätte. Erst am Ende, als sich Dinge klären und extreme Charakterzüge abmildern, hat sich das etwas gedreht, und insgesamt fand ich es dann doch ein gutes Buch. Auch eines vion denen, wo Hilton die Filmfabrik Hollywood, die er ja aus eigener Erfahrung gut kannte, recht scharf unter die Lupe nimmt.

    Derzeit lese ich „Nothing so Strange“, genauer: ich verschlinge es. Das Buch gefällt mir ausgesprochen gut, weil es neben den üblichen Stärken Hiltons auch noch den politischen Hintergrund von Nazi-Deutschland bzw. -Österreich hat und einige interessante Perspektiven auf die damaligen Vorgänge bietet. Hilton hatte ja die Gabe, nicht nur das Verhalten von Menschen, sondern auch gesellschaftliche Vorgänge sehr schlau zu analysieren und auf den Punkt zu bringen. Ich habe immer das Gefühl, von der Lektüre in vieler Hinsicht zu profitieren. Natürlich ist es besonders interessant, wenn so ein Autor dann seine Eindrücke des Landes verarbeitet, in dem man selbst lebt. Schon in „Morning Journey“ spielte Deutschland eine Rolle, hier jetzt noch viel mehr.

    Was mir beim Lesen wieder einmal auffiel, ist, dass Hilton in jedem seiner Romane auch ein anderes Milieu oder einen anderen gesellschaftlichen Aspekt behandelt. Schule und Erziehung in „Mr. Chips“, Kirche und Moral in „And Now Good-Bye“, Wirtschaft in „Random Harvest“, Wissenschaft und Politik in „Nothing so Strange“, Theater und Film in „Morning Journey“. Dominierend über allem aber sind immer die eigentlich wichtigen Dinge: Liebe, Freundschaft, Zufriedenheit,… die Liebe aber vor allem. Durch alle Bücher zieht sich die Grundannahme, dass emotionale Werte wichtiger sind als alles, was Geld, Macht oder Erfolg je geben können. Hilton war ein moderner Romantiker, und das meine ich nur positiv.

    Noch zwei weitere Hilton-Titel habe ich ungelesen zuhause und gehe sie demnächst an, das sind „We Are Not Alone“ und „To You, Mr. Chips“. Danach werde ich Ausschau nach den noch fehlenden Titeln halten, denn ich habe bislang nicht das Gefühl, als könnte ich von Hilton einmal genug bekommen. Was mich an seinen Büchern fasziniert ist wohl die Verbindung von genauer Analyse einerseits und einer romantischen Grundhaltung andererseits – eine Kombination, mit der ich mich ganz identifizieren kann. „Random Harvest“ ist noch immer mein Lieblingsbuch von Hilton – aber vielleicht nur, weil ich seinen Stil darin zuerst kennenlernte und mich davon packen ließ.

  2. Vielen Dank für diesen langen Kommentar; jetzt weiß ich wenigstens, dass ich nicht der einzige bin. Es ist wunderschön, wenn man so auf Autoren stößt, mehr oder weniger zufällig, aus einem Stapel Bücher heraus.

    An Random Harvest habe ich auch die schönsten Erinnerungen – mir ging’s insgesamt ähnlich, zum Schluss hin wurde es immer intensiver. Sagenhaftes Finale. Besser als zufällig auf dieses Buch stoßen geht wohl nicht.
    Fußnote: In Catcher in the Rye von J.D. Salinger geht Holden Caulfield einmal ins Kino und mokiert sich über den gezeigten Film. „Phony“, wie so vieles im Buch. Die Details zum Film verraten, dass es sich um Random Harvest mit Roger Colman handelt. Ich habe den Film aufgenommen, aber noch nicht angeschaut.

    (Rat für Uneingeweihte: Nicht bei imdb nachschlagen, erst das Buch lesen.)

    Wenn ich jemand von James Hilton erzähle, charakterisiere ich ihn gern mit den Worten: „War in den 30er Jahren weltberühmt“. Das war er, zumindest im englischsprachigen Raum. Und heute ist er wirklich sehr zu unrecht ziemlich vergessen, mehr als seine Schöpfungen Shangri-la und Mr Chips.
    Empfehlen kann ich vor allem noch We are not alone, Ill Wind/Contango und Knight Without Armor. Aber eigentlich alle.

    Inzwischen habe ich alle Bücher (Storm Passage ist von einem Liebhaberverlag als Paperback wieder aufgelegt worden), eines habe ich noch nicht gelesen. Aber ich könnte mal wieder in eines der alten schauen, an Time and Time Again kann ich mich kaum mehr erinnern.

    Noch einmal: Vielen Dank für den Kommentar.

  3. Hier meldet sich nochmal die andere Hälfte des deutschen James-Hilton-Fanclubs zu Wort… Seit ich meinen ersten Kommentar oben abgegeben habe, durfte ich einige weitere Hilton-Titel lesen und möchte jetzt gerne noch den einen oder anderen Gedanken beisteuern.

    Zum ersten noch eine deutsche Ausgabe als Ergänzung für die obige Liste: „Knight without Armour“ gibt es deutsch als „Ein schweigsamer Held“. Ich habe eine Ausgabe der Verlagsanstalt Benziger&Co, Einsiedeln/Köln, zweite Auflage – ohne Jahr, aber mit einer Widmung von 1938. Das Buch müsste also relativ bald nach der Orginalveröffentlichung herausgekommen sein.

    Dann habe ich gerade eine Taschenbuchausgabe von „Was it Murder?“ (Murder at School) gelesen, die 1980 als Perennial-Taschenbuch bei Harper&Row, NY, herausgekommen ist. Ich fand die Lektüre interessant, kann aber auch verstehen, dass Hilton selbst solche frühen Werke nicht mehr aufgelegt haben wollte… Es ist ja sein einziger Kriminalroman im eigentlichen Sinne, ein klassischer „Whodunit“… als solcher aber nicht besonders gelungen. Ich habe den Eindruck, dass Hilton sich bezüglich der Form an damals aktuelle Autoren wie besonders Dorothy L. Sayers angelehnt hat, aber im Grunde scheint ihm das Genre nicht zu liegen. Besonders stört mich, dass sich sein Held Revell noch mehrere Kapitel lang im Theorisieren verliert, nachdem dem Leser schon längst klar sein muss, wohin der Hase läuft. Zudem ist er ermüdend, wenn Revell über viele Seiten seine Theorien alleine hin- und herwälzt, weil ihm irgendeine Art von „Sidekick“ fehlt, mit er sie diskutieren könnte. Am besten ist das Buch darum aus meiner Sicht, wo Revell mit dem Scotland-Yard-Mann Guthrie zusammen ist und die gegensätzlichen Charaktere sich aneinander reiben können. Revell ist übrigens gar nicht der typische Hilton-Held, sondern im Vergleich eher flach – dafür ist die weibliche Hauptrolle ganz in bekannter Manier besetzt: verführerische Kindfrau, klein, zierlich und dunkelhaarig.

    Ein weiteres Hilton-Buch fand ich auf ganz andere Weise irritierend: „The Story of Dr. Wassell“, eine eher kurze Kriegserzählung, habe ich mit Interesse gelesen und habe auch die aus Hiltons reifen Büchern bekannten Ingredienzen genossen: Die Mischung aus Tragik und Hoffnung, die überzeugende Zeichnung der Personen. Nur am Ende war ich ratlos, denn das ganze schien auf eine Pointe hinauszulaufen, die die Geschehnisse in ein anderes Licht stellen würde – aber die kam nicht, sondern es plätscherte einfach so aus. Etwa wie das „Boot“ ohne das finale Bombardement, um im Kriegs-Genre zu bleiben.

    „We Are Not Alone“ habe ich gelesen und fand es ein sehr schönes, obwohl auch extrem trauriges Buch. Unter den tragischen, gescheiterten Helden aus Hiltons Feder ist darin wohl der bedauernswerteste Fall zu finden, und dank des Autors starker Schilderung tut es fast weh beim Lesen… Rundum ein echter Hilton, inklusive der sehr wirkungsvollen Prolog/Epilog-Konstruktion.

    „Stranger than Fiction“, das mich bei meinem Eintrag vor drei Jahren gerade beschäftigte, hat mich nicht enttäuscht, ein sehr gutes Buch. Noch darüber aber, und zwar auf einer Stufe mit meinem bisherigen Lieblings-Hilton „Random Harvest“ würde ich „Time and Time Again“ einordnen. Ich finde es gleichermaßen faszinierend in seiner Konstruktion, der spannenden Handlung über mehrere Jahrzehnte hinweg und in den Charakteren… ein wirklicher Genuss. Hiltons letztes Buch ist damit aus meiner Sicht auch das reifste. (Ganz anders als etwa bei Wilkie Collins, der nach vielen tollen Büchern in seinen letzten Schaffensjahren nur noch ein literarischer Schatten seiner selbst war!)
    Umso mehr ist es schade, dass der Roman in der deutschen Version mit so einem abschreckenden Titel geschlagen ist: „Jahr um Jahr – Roman eines Diplomaten“. Das klingt dermaßen langweilig, dass wohl kaum jemand das Buch gelesen hat. Der Überdetzer hat da wohl versucht, sich an den Originaltitel anzulehnen, aber ich würde das „Time and Time Again“ ganz anders verstehen: als Verweis auf die Duplizität von Ereignissen im eigenen Leben oder auch in dem von Vater und Sohn. Überhaupt ist das Vater/Sohn-Thema in dem Buch auf hintergründige Weise prägend und zudem sehr feinfühlig bearbeitet. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich selbst zwei Söhne habe, dass mich das so packt. (Es wirft für mich auch die Frage auf, ob Hilton selbst Kinder hatte und so zu diesem Thema kam – im Netz habe ich dazu leider nichts gefunden, es ist immer nur von seinen zwei mehr oder weniger gescheiterten Ehen die Rede.) Jedenfalls ist „Time and Time Again“ einfach ein wunderbarer Roman, einer meiner Schätze jetzt, und auch ein echter Hilton. Wobei der Held hier zwar immer noch ein zurückhaltender und mehr nach Innen gekehrter Mensch ist, aber kein „Versager“ oder sonstwie eine tragische Figur.

    Mit viel Vergnügen gelesen habe ich auch „Rage in Heaven“, wo Hilton mal auf besondere Weise die Politik zum Thema macht. Sehr lesenswert, sehr unterhaltsam… und ich weiß noch, wie mich auf den ersten Seiten wieder einmal Hiltons Talent begeisterte, mit wenigen treffenden Sätzen eine lebendige Figur zu erschaffen, wo andere Autoren sich über viele Seiten abmühen und doch nur ein blasses Klischeebild hinbekommen. Fantastisch an diesem Buch ist auch das Finale, das sich schrittweise steigert bis zu einem atemberaubenden Tempo und den gebannten Leser erst mit dem letzten Wort des Buchs atemlos und quasi nassgeschwitzt erlöst… Ein tolles Werk.

    Ein Wort noch zu „To you, Mr. Chips“. Ich habe von einem Nachfolge-Band zu Mr. Chips nicht sehr viel erwartet, fand dann aber einen sehr interessanten autobiographischen Text darin, in dem Hilton viel von sich selbst preisgibt. Es rückt einige der Elemente in den anderen Büchern (etwa was mit Schule und/oder dem 1. Weltkrieg zu tun hat) in ein besonderes Licht. Und eine Stelle daraus möchte ich mal zum Abschluss zitieren – Hiltons Fazit aus dem erlebten Krieg und dem, was danach kam: „There can be no war to end wars, because all wars begin other wars. There can be no such thing as a war to save democracy, because all wars destroy democracy.“

  4. Ich habe gerade gesehen, dass ich meine ausführlichen, aber wirren Gedanken oben überarbeiten sollte. Der Text ist älter als mein Blog hier, der dürfte aus der Mitte der 1990er Jahre sein.

    Dr Wassell: Auch nicht nicht mein Fall. Ich erinnere mich nur an wenig, es wirkte wie eine Erzählung nach einer wahren Begebenheit oder einem Drehbuch – zu wenig für eine Erzählung.

    We are not alone: Hat mich auch sehr mitgenommen.

    Ich habe noch zwei ungelesene Hiltons hier; bei einem habe ich schon mal in die ersten vierzig Seiten hineingeschnuppert, aber die waren schon wieder so gut, dass ich mir dafür eine Gelegenheit mit mehr Muße aufheben wollte. Die kommt hoffentlich bald, damit ich als die andere Hälfte des deutschen Hilton-Fanclubs auch wieder etwas beitragen kann. (Danke für deinen Kommentar.) Außerdem habe ich den James Hilton Companion von John R. Hammond da, da stehen hoffentlich auch viele neue Erkenntnisse für mich drin.

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