Our Miss Brooks, und andere Lehrerinnen und Lehrer

Gerade (also vorgestern) im Radio gehört: Einen Aufruf für bessere Bezahlung der Lehrer, für kleinere Klassen und mehr Geld für die Schulen.

Zugegeben, die Radiosendung war von 1947:

(Zur Erklärung: Schulen sind in den USA zumindest teilweise lokal und regional finanziert, früher möglicherweise noch mehr als heute.)

Der Aufruf kam am Ende einer Episode von The Great Gildersleeve (1941-1957, in der klassischen Besetzung allerdings nur bis Mitte 1950), einer Sitcom mit gelegentlichen Soap-Elementen, durch die ich mich gerade höre. Gildersleeve war eine Nebenfigur in Fibber McGee and Molly, bevor er seine eigene Serie bekam. (Mit dem Siegeszug des Fernsehens wanderten beide Serien dorthin, wie auch viele andere, darunter Dragnet, Jack Benny, Burns & Allen.)
Der Sponsor von Gildersleeve war die Firma Kraft – der Sponsor bezahlte damals die Sendezeit, hatte sehr viel Kontrolle über den Inhalt der Sendung; ein Sprecher warb zu Anfang, Mitte und Schluss der Sendung für dessen Produkt. Zu Ostern und Weihnachten gab es immer Ansprachen von Herrn Kraft persönlich.

Gildersleeve ist ein leicht untersetzter Herr in den besten Jahren, Vormund und Familienvorstand von Neffe und Nichte. Er ist ein bisschen aufschneiderisch, manchmal starrsinnig, alles andere als intellektuell, obwohl er gerne so tut. Liebenswert. Nach außen hin ist er kleinbürgerlich, tatsächlich singt er gerne und viel (wie der Schauspieler, Harold Peary, auch) und vor allem ist er ein etwas unüberlegter, aber unbeirrbarer Schwerenöter. Er kommt auch ganz gut an. Eine seiner mal mehr, mal weniger platonischen Freundinnen ist Eve Goodwin, die Leiterin der örtlichen high school. Und in der Episode vom 21. Mai 1947 ging es um die schlechten Zustände in dieser Schule.

Eve Goodwin ist kein verknöcherte Fräulein, wie sie das Vorkriegs-Lehrerinnenbild geprägt haben – aber sie ist auch nicht mehr jung, nicht sehr leichtsinnig und mit hohem Bildungsanspruch. Immerhin, schon viel besser als die böse Lehrerin/Hexe aus The Wizard of Oz von 1939.

Den endgültigen Ausbruch aus diesem ja auch in der Öffentlichkeit verbreiteten Lehrerinnenbild brachte aber erst die Serie Our Miss Brooks (1948-1957). Eve Arden spielt darin Connie Brooks, eine schwungvolle, selbstbewusste Englisch-Lehrerin mit trockenem Humor, aber ohne Bitterkeit. Auch da geht es gelegentlich um die schlechte Bezahlung der Lehrer und Ausstattung der Schulen, die in der Nachkriegszeit in den USA ein Thema gewesen sein muss. Aber hauptsächlich ist das eine Sitcom mit vielen schönen Episoden, die von der Interaktion der Charaktere lebt. Die Episoden spielen fast nie im Unterricht, wenn ich mich richtig erinnere, sondern im Lehrerzimmer, im Büro, in der Cafeteria, zu Hause; es geht auch nie um Unterrichtsprobleme, sondern um das Verhältnis der Personen untereinander:

  • Connie Brooks: unterrichtet Englisch an der Madison High School
  • Osgood Conklin: der Schulleiter, pompös, eingebildet, genannt „our beloved principal“ oder „old marble-head“ – kommt immer wieder auf Ideen, wie man die Schulorganisation verbessern könnte; ein sich väterlich gebender Schultyrann, zittert vor dem Schulamt; trotzdem mit liebenswerten Zügen
  • Philip Boynton: der Biologielehrer, stattlich, aber sehr unbeholfen und ungeschickt im Umgang mit Frauen; der begehrteste Junggeselle am Platz – auch Miss Brooks ist an ihm interessiert
  • Daisy Enright: unterrichtet ebenfalls Englisch, Rivalin um die Gunst von Mr. Boynton
  • Walter Denton: Schüler, holt Connie Brooks mitunter mit dem Auto ab; befreundet mit:
  • Harriet Conklin: Schülerin und Tochter des Schulleiters

Eve Arden wurde zum Ehrenmitglied National Education Association ernannt und erhielt 1952 ein Auszeichnung der Teachers College of Connecticut’s Alumni Association „for humanizing the American teacher“. In Grease und Grease 2 spielte sie die Schulleiterin.

Radio-Episoden von Our Miss Brooks kann man im Internet Archive herunterladen oder live anhören. Ich empfehle als typische Episode „Model School Teacher“ vom 21. November 1948: Ein Magazin schickt Reporter an die Schule, um Connie Brooks als Vorzeigelehrerin einen Tag lang zu begleiten. Conklin und Mr. Boynton verfallen dem Charme der Journalistin, der Connie selber gar nichts abgewinnen kann. (Wie modern das Frauenbild in der Episode wirklich ist, darüber kann man geteilter Meinung sein.)

Lehrerserien gibt es viele, und alle scheinen sie besser zu sein als Unser Lehrer Dr. Specht. (Vielleicht bringe ich da auch etwas durcheinander, die Serien sahen alle gleich aus.) Vergleichbar unsäglich ist nur Dangerous Minds (1995) mit Michelle Pfeiffer. Andererseits finde ich alle Leherr-Serien der Kategorie Drama (statt Komödie) uninteressant.
Weitere ernste Lehrerfilme hier.

Gerne, aber dunkel erinnere ich mich an Welcome Back, Kotter – John Travolta als Schüler. Die Erinnerungen habe ich gerade bei Wikipedia aufgefrischt.

Der Großpapa der Lehrergestalten ist wohl Mr. Chips von dem von mir verehrten James Hilton. Seine anderen Bücher mag ich aber noch lieber. Verfilmungen 1939 (Robert Donat, Oscar als bester Schauspieler) und 1969 (Peter O’Toole, Oscar als bester Schauspieler in Comedy/Musical), verschiedene Fernsehfassungen.

Facharbeit zum Lehrerbild in Serien?

6 Antworten auf „Our Miss Brooks, und andere Lehrerinnen und Lehrer“

  1. Tolle Liste! (Ich hatte sie schon gelesen, aber nicht mehr daran gedacht. War vielleicht auch eine Inspiration.) Wenn mir noch ein deutscher Lehrerfilm einfällt, melde ich mich unbedingt bei dem Blogeintrag. Da sind jetzt aber schon viele Filme dabei, die ich nicht kenne.

  2. Ein bemerkenswerter Beitrag, aber entweder bin ich blind oder die Quelle des Beitrages ist hier nicht eindeutig verlinkt. Ich wüsste schon gerne, wo sich das »Original« des Beitrags findet – ein wenig konkreter als

    »Der Aufruf kam am Ende einer Episode von The Great Gildersleeve (1941-1957, in der klassischen Besetzung allerdings nur bis Mitte 1950), einer Sitcom mit gelegentlichen Soap-Elementen, durch die ich mich gerade höre. Gildersleeve war eine Nebenfigur in Fibber McGee and Molly, bevor er seine eigene Serie bekam.«

    wäre wirklich nett (und angemessen).  – Oder habe ich was übersehen? Dann wäre dies hier natürlich völlig unnett und unangemessen. Wo? Wo finde ich den Link zum Originalbeitrag?

  3. Die Quelle ist die Sendung vom 21. Mai 1947, Episode 250. Das hätte ich wirklich angegeben können, aber ich dachte nicht, dass sich jemand dafür interessiert. Die Quelle: private Sammlung.

    Aber ich habe eben recherchiert (Kunststück, ich kannte ja das Datum): Unter http://www.archive.org/details/GG_S_06 kann man alle Episoden der 6. Staffel herunterladen, unter anderem auch die drittletzte, „Teacher Problems“.

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