Reden in der 9. Klasse

Der Schuljahresanfang in der 9. Klasse Deutsch sah diesmal so aus:

  1. (Optional: Anekdoten von der Nerd Nite erzählen. Eine Junior Nerd Nite an der Schule ankündigen.)
  2. (Optional: ein paar Videoblogs zeigen, um zu zeigen, dass man Sachen auch mit Schwung vortragen kann. In diesem Fall der Nostalgia Critic und Bottleplot.)
  3. Gestaltendes Lesen der Loriot-Rede zum Thema notleidende Vampire (mit Spendenaufruf) aus dem Schulbuch.
  4. Ein bisschen was zu Reden machen: Wiederholung, Parallelismus und Anapher als Stilmittel; Rolle von Situation, Publikum, Ziel.
  5. Dann: eine ähnliche Rede schreiben lassen. Zu einem ähnlich unernsten Thema. Vorschläge dazu machen. In der Schule zu schreiben beginnen, als Hausaufgabe beenden. Länge vorgeben: 200-400 Wörter.
  6. Im Computerraum die Rede in den Rechner tippen lassen. Genaue Vorgaben in Form eines Arbeitsblattes zur Formatierung machen. (Zeilenabstand 1 1/2, Abstand nach jedem Absatz, wo Leerzeichen hingehören und wo nicht.)
  7. Genauer sagen, wie eine gute Rede aufgebaut sein soll. Auch neue Bedingungen stellen. Überarbeiten der Rede im Computerraum.
  8. Einsammeln der Dateien.
  9. Vortragen der Reden im Klassenzimmer am Stehpult. Wenn die Klasse mitmacht, 6 Stück in einer Stunde. Ab der zweiten Stunde einen Schüler bestimmen, der Conferencier macht – den nächsten Redner auswürfelt, Rückmeldungen von der Klasse einfordert etc.
  10. Benotung auf Basis des Vortrags und der Datei. Formatierung stark gewichten.
  11. (Optional: ein paar Schüler in die Parallelklasse schicken und – wenn beide Klassen parallel arbeiten, wie bei uns geschehen – von der wiederum Redner kommen lassen, damit die auch mal vor fremdem Publikum reden.)
  12. (Optional: Weitermachen mit sachlicher Erörterung in Form einer Rede.)

Ich fand das alles sehr rund und zusammenhängend. Sowohl Schüler als Lehrer wissen jeweils, woran man gerade arbeitet, was nächste Stunde passieren wird. Beides halte ich inzwischen für sehr wichtig. (Und eher entspannend für den Lehrer ist das auch.) Die Reden habe ich zum Großteil aufgenommen, hier einige Ergebnisse:

Über Kühe:

Über Österreich:

Über das Trinken im Unterricht:

Über Bleistifte:

Über Taschentücher:

Über Mofas:

(Über Feedreader nicht hörbar, fürchte ich.)

Reden (und Interviews)

In der 9. Klasse Deutsch wird dieses Jahr die erste Schulaufgabe eine Rede sein – eine verkappte Erörterung eigentlich, aber halt eine mit einem Adressaten, eingebettet in eine Situation, wenn auch beides nur fiktiv. Argumentieren müssen die Schüler in einer Rede schließlich auch, und das ist das Wichtigste, das sie bei der Erörterung lernen.

Das Schulbuch unterscheidet zwischen Reden mit Informations- und Appellcharakter sowie Reden zu einem gegeben feierlichen Anlass. Ein Beispiel darin ist eine Scherzrede von Loriot zum Thema „Spenden für notleidende Vampire“.

Nach diesem Vorbild sollten die Schüler erst einmal eine ähnliche Rede schreiben – mit dem Computer zu Hause. Im Computerraum habe ich den Schülern danach das Formatieren auf Zeilenabstand 1 1/2, Schriftgröße 12 pt gezeigt und auf die Vor- und Nachteile der automatischen Rechtschreibkorrektur hingewiesen. Dort mussten die Schüler Klimax, Parallelismus, Anapher einbauen und in den Tagen danach wurden die ersten Reden im Klassenzimmer vorgetragen. Das hörte sich dann so an wie bei dieser Rede zum Schutz der Backwaren:

Schön finde ich vor allem die Neologismen. „Erdmarzipänchen“ ist wirklich neu, im Web habe ich es jedenfalls noch nicht gefunden. Üben müssen wir noch die Vortragsweise. Der Schüler hatte aber eben auch kein Manuskript mit Zeilenabstand 1 1/2 vor sich.

— Fußnote, weil auch im Schul-Podcast: Letztes Jahr studierte ein Schüler unserer Schule an der Uni ein schon bisschen Informatik. Die TU München bietet nämlich ein Informatik-Frühstudium für begabte Schülerinnen und Schüler an, damit die schon ein bisschen Universitätsluft schnuppern können: An zwei Nachmittagen in der Woche gibt es reguläre Vorlesungen und Praktika, dazu viel webbasiertes Arbeiten. Die Schüler schreiben Klausuren und sammeln dadurch – falls sie später mal an der TU Informatik studieren wollen – bereits Credits für das Bachelor-Studium. Aber natürlich ist das auch interessant, wenn man später etwas anderes studiert. Informatik-Grundkenntnisse kann man immer brauchen

Zwei Neuntklässler haben letztes Jahr ein Interview mit diesem Schüler geführt und ihn zu seinen Erfahrungen befragt:

Ich hätte mich über eine positivere Rückmeldung gefreut, aber man kann nun mal nicht alles haben. Das Interview ist jedenfalls gelungen, finde ich.

Our Miss Brooks, und andere Lehrerinnen und Lehrer

Gerade (also vorgestern) im Radio gehört: Einen Aufruf für bessere Bezahlung der Lehrer, für kleinere Klassen und mehr Geld für die Schulen.

Zugegeben, die Radiosendung war von 1947:

(Zur Erklärung: Schulen sind in den USA zumindest teilweise lokal und regional finanziert, früher möglicherweise noch mehr als heute.)

Der Aufruf kam am Ende einer Episode von The Great Gildersleeve (1941-1957, in der klassischen Besetzung allerdings nur bis Mitte 1950), einer Sitcom mit gelegentlichen Soap-Elementen, durch die ich mich gerade höre. Gildersleeve war eine Nebenfigur in Fibber McGee and Molly, bevor er seine eigene Serie bekam. (Mit dem Siegeszug des Fernsehens wanderten beide Serien dorthin, wie auch viele andere, darunter Dragnet, Jack Benny, Burns & Allen.)
Der Sponsor von Gildersleeve war die Firma Kraft – der Sponsor bezahlte damals die Sendezeit, hatte sehr viel Kontrolle über den Inhalt der Sendung; ein Sprecher warb zu Anfang, Mitte und Schluss der Sendung für dessen Produkt. Zu Ostern und Weihnachten gab es immer Ansprachen von Herrn Kraft persönlich.

Gildersleeve ist ein leicht untersetzter Herr in den besten Jahren, Vormund und Familienvorstand von Neffe und Nichte. Er ist ein bisschen aufschneiderisch, manchmal starrsinnig, alles andere als intellektuell, obwohl er gerne so tut. Liebenswert. Nach außen hin ist er kleinbürgerlich, tatsächlich singt er gerne und viel (wie der Schauspieler, Harold Peary, auch) und vor allem ist er ein etwas unüberlegter, aber unbeirrbarer Schwerenöter. Er kommt auch ganz gut an. Eine seiner mal mehr, mal weniger platonischen Freundinnen ist Eve Goodwin, die Leiterin der örtlichen high school. Und in der Episode vom 21. Mai 1947 ging es um die schlechten Zustände in dieser Schule.

Eve Goodwin ist kein verknöcherte Fräulein, wie sie das Vorkriegs-Lehrerinnenbild geprägt haben – aber sie ist auch nicht mehr jung, nicht sehr leichtsinnig und mit hohem Bildungsanspruch. Immerhin, schon viel besser als die böse Lehrerin/Hexe aus The Wizard of Oz von 1939.

Den endgültigen Ausbruch aus diesem ja auch in der Öffentlichkeit verbreiteten Lehrerinnenbild brachte aber erst die Serie Our Miss Brooks (1948-1957). Eve Arden spielt darin Connie Brooks, eine schwungvolle, selbstbewusste Englisch-Lehrerin mit trockenem Humor, aber ohne Bitterkeit. Auch da geht es gelegentlich um die schlechte Bezahlung der Lehrer und Ausstattung der Schulen, die in der Nachkriegszeit in den USA ein Thema gewesen sein muss. Aber hauptsächlich ist das eine Sitcom mit vielen schönen Episoden, die von der Interaktion der Charaktere lebt. Die Episoden spielen fast nie im Unterricht, wenn ich mich richtig erinnere, sondern im Lehrerzimmer, im Büro, in der Cafeteria, zu Hause; es geht auch nie um Unterrichtsprobleme, sondern um das Verhältnis der Personen untereinander:

  • Connie Brooks: unterrichtet Englisch an der Madison High School
  • Osgood Conklin: der Schulleiter, pompös, eingebildet, genannt „our beloved principal“ oder „old marble-head“ – kommt immer wieder auf Ideen, wie man die Schulorganisation verbessern könnte; ein sich väterlich gebender Schultyrann, zittert vor dem Schulamt; trotzdem mit liebenswerten Zügen
  • Philip Boynton: der Biologielehrer, stattlich, aber sehr unbeholfen und ungeschickt im Umgang mit Frauen; der begehrteste Junggeselle am Platz – auch Miss Brooks ist an ihm interessiert
  • Daisy Enright: unterrichtet ebenfalls Englisch, Rivalin um die Gunst von Mr. Boynton
  • Walter Denton: Schüler, holt Connie Brooks mitunter mit dem Auto ab; befreundet mit:
  • Harriet Conklin: Schülerin und Tochter des Schulleiters

Eve Arden wurde zum Ehrenmitglied National Education Association ernannt und erhielt 1952 ein Auszeichnung der Teachers College of Connecticut’s Alumni Association „for humanizing the American teacher“. In Grease und Grease 2 spielte sie die Schulleiterin.

Radio-Episoden von Our Miss Brooks kann man im Internet Archive herunterladen oder live anhören. Ich empfehle als typische Episode „Model School Teacher“ vom 21. November 1948: Ein Magazin schickt Reporter an die Schule, um Connie Brooks als Vorzeigelehrerin einen Tag lang zu begleiten. Conklin und Mr. Boynton verfallen dem Charme der Journalistin, der Connie selber gar nichts abgewinnen kann. (Wie modern das Frauenbild in der Episode wirklich ist, darüber kann man geteilter Meinung sein.)

Lehrerserien gibt es viele, und alle scheinen sie besser zu sein als Unser Lehrer Dr. Specht. (Vielleicht bringe ich da auch etwas durcheinander, die Serien sahen alle gleich aus.) Vergleichbar unsäglich ist nur Dangerous Minds (1995) mit Michelle Pfeiffer. Andererseits finde ich alle Leherr-Serien der Kategorie Drama (statt Komödie) uninteressant.
Weitere ernste Lehrerfilme hier.

Gerne, aber dunkel erinnere ich mich an Welcome Back, Kotter – John Travolta als Schüler. Die Erinnerungen habe ich gerade bei Wikipedia aufgefrischt.

Der Großpapa der Lehrergestalten ist wohl Mr. Chips von dem von mir verehrten James Hilton. Seine anderen Bücher mag ich aber noch lieber. Verfilmungen 1939 (Robert Donat, Oscar als bester Schauspieler) und 1969 (Peter O’Toole, Oscar als bester Schauspieler in Comedy/Musical), verschiedene Fernsehfassungen.

Facharbeit zum Lehrerbild in Serien?

Interviews zu Berufen

Die Schüler meiner 9. Klasse machten dieses Jahr Interviews zum Thema Berufe (Lehrplan Deutsch, Wirtschaft, Französisch, Englisch: Bewerbungsgespräche und so weiter). Die meisten davon gibt es nur in gedruckter Form, einige außerdem als Ton-Interview, aber davon sind wiederum viele nicht öffentlich. (Eines mit einem Mitarbeiter im Jugendamt etwa, der für Vormundschaft zuständig ist.)

Dieses hier darf ich aber auf die Schulhomepage stellen und auch hier veröffentlichen: Der Pâtissier.

Könnte vielleicht noch ein bisschen geschnitten werden. Ende des Schuljahres kriege ich hoffentlich ein weiteres Produkt zum Vorzeigen.

Casey at the Bat

JochenEnglish schlägt das Auswendiglernen von Gedichten als Möglichkeit vor. Als Nachtrag zu einer kurzen Baseball-Einlage vor den Weihnachstferien habe ich heute im LK diesen amerikanischen Klassiker von Ernest Lawrence Thayer gemacht. Auswendig werden ihn meine Schüler nicht lernen, aber bis Montag müssen sie den Vortrag üben.

Nötig ist ein bisschen Baseball-Grundwissen; ich empfehle auch sehr die Entstehungs- und Aufführungsgeschiche bei Wikipedia nachzulesen. Meine Audioaufnahme (unten angehängt) ist nicht perfekt, aber für mehr als zwei Versuche habe ich keine Zeit. Am schönsten war doch der Vortrag heute in der Schule – man braucht einfach ein Publikum dafür und muss das ganze natürlich durch Mimik und Gestik unterstützen.

Casey at the Bat

The outlook wasn’t brilliant for the Mudville nine that day:
The score stood four to two, with but one inning more to play.
And then when Cooney died at first, and Barrows did the same,
A sickly silence fell upon the patrons of the game.

A straggling few got up to go in deep despair. The rest
Clung to that hope which springs eternal in the human breast;
They thought, if only Casey could get but a whack at that –
We’d put up even money, now, with Casey at the bat.

But Flynn preceded Casey, as did also Jimmy Blake,
And the former was a lulu and the latter was a cake;
So upon that stricken multitude grim melancholy sat,
For there seemed but little chance of Casey’s getting to the bat.

But Flynn let drive a single, to the wonderment of all,
And Blake, the much despis-ed, tore the cover off the ball;
And when the dust had lifted, and the men saw what had occurred,
There was Jimmy safe at second and Flynn a-hugging third.

Then from 5,000 throats and more there rose a lusty yell;
It rumbled through the valley, it rattled in the dell;
It knocked upon the mountain and recoiled upon the flat,
For Casey, mighty Casey, was advancing to the bat.

There was ease in Casey’s manner as he stepped into his place;
There was pride in Casey’s bearing and a smile on Casey’s face.
And when, responding to the cheers, he lightly doffed his hat,
No stranger in the crowd could doubt ‚twas Casey at the bat.

Ten thousand eyes were on him as he rubbed his hands with dirt;
Five thousand tongues applauded when he wiped them on his shirt.
Then while the writhing pitcher ground the ball into his hip,
Defiance gleamed in Casey’s eye, a sneer curled Casey’s lip.

And now the leather-covered sphere came hurtling through the air,
And Casey stood a-watching it in haughty grandeur there.
Close by the sturdy batsman the ball unheeded sped-
„That ain’t my style,“ said Casey. „Strike one,“ the umpire said.

From the benches, black with people, there went up a muffled roar,
Like the beating of the storm-waves on a stern and distant shore.
„Kill him! Kill the umpire!“ shouted someone on the stand;
And it’s likely they’d a-killed him had not Casey raised his hand.

With a smile of Christian charity great Casey’s visage shown;
He stilled the rising tumult; he made the game go on;
He signaled to the pitcher, and once more the spheroid flew;
But Casey still ignored it, and the umpire said, „Strike two.“

„Fraud!“ cried the maddened thousands, and echo answered fraud;
But one scornful look from Casey and the audience was awed.
They saw his face grow stern and cold, they saw his muscles strain,
And they knew that Casey wouldn’t let that ball go by again.

The sneer is gone from Casey’s lip, his teeth are clenched in hate;
He pounds with cruel violence his bat upon the plate.
And now the pitcher holds the ball, and now he lets it go,
And now the air is shattered by the force of Casey’s blow.

Oh, somewhere in this favored land the sun is shining bright;
The band is playing somewhere, and somewhere hearts are light,
And somewhere men are laughing, and somewhere children shout;
But there is no joy in Mudville – mighty Casey has struck out.

Published in The Examiner (San Francisco) (3 June 1888)

Wie viele andere bin ich durch einen Aufsatz von Martin Gardner auf das Gedicht aufmerksam geworden. Es gibt viele Aufnahmen davon, Links alle bei Wikipedia. Fortsetzungen, Parodien, Neufassungen gibt es zuhauf; verschiedene Fassungen sowieso.

Mit Schülern kann man die Handlung zusammenfassen, die wenigen wichtigen Spielpositionen aufzeichnen und überprüfen, ob die Baseballregeln sitzen. Außerdem kann man mock-heroic untersuchen und die verschiedenen Register des Gedichts untersuchen, die nicht alle zur letztlich ja banalen Handlung passen.

Under Pig Brook

Englisch-Projekt, noch nicht ganz fertig, aber wann ist es denn je?

Zuerst haben die beiden aktuellen Leistungskurse ein paar Auszüge aus Dylan Thomas‘ Under Milk Wood gehört und gelesen. Die Kurzfassung: Ein Hörspiel aus den 1950ern, sehr poetisch, viele lose verbundene Einzelszenen, die alle an einem Tag in der fiktiven Kleinstadt Llareggub in Wales spielen. (Den Namen der Stadt kann man, ebenso wie den der Stadt Llamedos auf Terry Pratchetts Scheibenwelt auch rückwärts lesen.)
Mitlesen und anhören kann man hier.

Mit diesen Szenen als Vorbild schrieben die Schüler eigene Szenen, nahmen sich auf Band auf und schnippelten je nach Zeit und Geschicklichkeit daran herum. Allerdings spielen die Szenen eben in Emmering (Emmsbury) oder Mammendorf (Mammshire) oder Unterschweinbach (Under Pig Brook).

Herausgekommen ist diese Webseite zum Projekt. Die technischen Spielereien daran stammen von mir, ich geb’s zu.

Das Projekt dauerte nicht sehr lange, hatte Vor- und Nachteile, und vor allem die schon einmal zitierten kritischen Gedanken von norberto42 zu Problemen mit modernem Unterricht geben mir immer noch und immer wieder zu denken. Mehr schreibe ich hier nicht, denn die beiden LK-Lehrer (also ich und der andere Herr R.) haben das ganze gemacht, damit sie dazu auch einen Beitrag für eine Zeitschrift schreiben können. Und da will ich keine Einzelheiten vorwegnehmen.

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Audiokommentare

Wollte nur mal sagen: Ab jetzt sind auch Audiokommentare möglich. Unter jedem Beitrag ist ein Icon, auf das man klicken kann. Man braucht nur ein angeschlossenes Mikro am Rechner, keinerlei Software (außer Java), keinerlei Download. Man kann sich aufnehmen, es sich anhören, dann nochmal versuchen, dann nochmal, und dann schließlich zusammen mit einem Textkommentar absenden.

Dann höre ich euch auch mal, also zumindest die Mutigeren, jedenfalls die mit Mikrophon.

Die Länge der Kommentare ist vorerst auf eine halbe Minute begrenzt. So ganz zufrieden bin ich noch nicht; der Service läuft über das Plugin podPress und damit bei http://www.mobatalk.com. (Evoca ist eine Alternative dazu.) Die Kommentare liegen auf derem Server, ich kann sie nicht archivieren, und wenn ich das Plugin später entferne, sind auch die Audiokommentare weg – oder zumindest im Web verschollen.

Nein, ich hätte das alles lieber auf dem eigenen Server, aber so ein Plugin gibt’s wohl noch nicht. Vielleicht doch mal Loudblog installieren.

Oktoberfestpodcast: English language special.

Anklicken und anhören. 15 MB, eine halbe Stunde, vier freiwillige angesprochene Schüler aus dem Leistungskurs Englisch sind auf dem Oktoberfest und berichten (auf Englisch):

Oktoberfest soundseeing tour, produced by members of the Leistungskurs Englisch

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Genau so habe ich mir das vorgestellt: Die Schüler sollten sich vorher die wichtigsten Vokabeln heraussuchen und dann quasi Gäste durch das Oktoberfest führen. Sightseeing nur mit Ton, also Soundseeing. Zum Beispiel für die englische Partnerschule zum Anhören.

Ein Vorbild waren Podcasts wie diese soundseeing tour durch den Central Park in New York. Wenn man das mit Kopfhörern draußen anhört, weiß man wirklich nicht mehr, ob da jetzt ein Auto im Podcast hupt oder auf der Straße. (Insgesamt ist mir das mit einer knappen Stunde zwar zu lang, selbst dreißig Minuten sind mir zu lang – ich habe es lieber kurz und knapp, drei bis zehn Minuten. Aber das ist Geschmacks- und vielleicht Konzentrationssache.)

Sicher ist nicht alles fehlerfrei. (Aber der eine Schüler wird sich sicher ewig merken, dass chapel nicht (Musik-)Kapelle heißt.) Und mein Vergnügen rührt sicher auch daher, dass ich die Schüler kenne, und die Textsorte Podcast kenne und mag. Aber so oder so finde ich das ein schönes Stück Arbeit. (Überspielt und geschnitten auch von den Schülern allein, alles übers Wochenende.) Viel besser als ich das selber je könnte. Wie machen diese Leute das eigentlich?

Natürlich muss ich darauf Noten geben – einfach deshalb, weil ich nun mal amtlich Noten machen muss, und was sollte ich sinnvoller benoten als so etwas? 20% der Leistung geht auf die Vorbereitung der Vokabeln, 30% auf Sprachfähigkeit Englisch, 50% auf Erfüllern der Kommunikationssituation. Denn eine echte Kommunikationssituation und ein echter Sprechanlass sind da gegeben, mehr als in der Schule.

(Wieviel Punkte dass dann werden, ist eine schwierige Frage.)

Good Night, and Good Luck

Gestern war ich im Kino, Good Night, and Good Luck von George Clooney.
Hat mir der Film gefallen? Ja.
Wird es ein Lieblingsfilm von mir werden? Wohl nicht. Ich brauche mehr Archetypen. Mehr Pathos.
Würde ich mir andere Filme dieser Art anschauen? Ja, unbedingt.

Der Film ist durchweg schwarzweiß. Er beginn auf einer Gala-Versammlung der Radio-Television News Directors Association 1958, mit der Keynote Speech des Fernsehjournalisten Edward R. Murrow. Die Gäste sind reich geschmückt, haben Doppelkinn und Falten und sehen sehr zufrieden aus. Murrows Rede ist auch heute noch lesenswert: Keine Abrechnung mit dem Fernsehen seiner Zeit, sondern eine Mahnung. Die eigentliche Handlung des Films spielt fünf Jahre zuvor, am Ende schließt der Film wieder mit Murrows Rede.

Der Hauptteil des Films handelt von der Fehde zwischen Murrow und Senator Joseph McCarthy. Diese Geschichte wird mit sehr viel Originalzitaten erzählt. McCarthy selbst tritt nur in historischen Fernsehaufnahmen auf; David Strathairn spricht Murrow wortgetreu, soweit ich das beurteilen kann. (Ich habe nur eine Aufnahme in meinem Archiv gefunden, Murrows Reaktion auf McCarthys Gegendarstellung bei CBS.)
Der Film ist kammerspielartig, es gibt keine Außenaufnahmen, keine Totalen, nur gelegentlich eine Halbtotale. Es gibt keine traditionelle Spannungskurve, abgesehen von der historisch korrekten, aber trotzdem konventionellen Nebenhandlung um Don Hollenbeck. Der Film besteht aus Dialog und Zitat und Pausen dazwischen. Eine Jazz-Sängerin im Studio teilt mit ihren verschiedenen Liedern den Film in Kapitel ein. (Und sie ist natürlich deshalb im Studio, weil sie live übertragen wird. Wie ein Großteil des Materials damals.)

Dass und warum in diesem Film soviel geraucht wird, kann man bei der Kritik bei Telepolis nachlesen. Ein Grund ist sicher auch der, dass sich kräuselnder Zigarettenrauch auf Schwarzweißfilm gerne mal sehr gut aussieht. Sehr lustig ist dabei die Zigaretten-Fernsehwerbung vor einer von Murrows Sendungen: „Unsere Umfragen haben ergeben, dass Sie als Zuschauer von Person to Person überdurchschnittlich gebildet sind und nicht leicht auf Werbung hereinfallen. Das freut uns, denn so können wir Ihnen…“ (Nicht erwähnt wird, dass Murrow auch eine Sendung über den Zusammenhang von Krebs und Rauchen gemacht hat.)

Eigentlich geht es in dem Film weniger um die McCarthy-Zeit als um die Rolle, die die Medien spielen können und sollen. Damit ist der Film vor allem eine Kritik an der aktuellen Berichterstattung. Murrows Rede ist heute genauso nötig wie früher. Eine Rückkehr zu Murrows Zeiten ist allerdings nicht möglich; dazu ist das System heute zu veschieden.
In den Frühzeiten von Radio und Fernsehen gab es viele lokale Sender, die von den großen Sendernetzen (wie etwa CBS, Central Broadcasting Network) Programm einkauften. „Syndication“ heißt das, so wie bei den RSS-Feeds. Die meisten Sendungen waren gesponsort, allerdings gönnten sich die Sender auch Sendungen ohne Sponsor. „Sustained“ hieß das dann, und dafür zahlte CBS dann selber. Dennoch war der Sponsor eminent wichtig. Stieg der Sponsor aus, musste man einen neuen finden, oder die Sendezeit selber bezahlen. Erst später kam das Konzept auf, Werbezeit direkt zu verkaufen, ohne einen festen Sponsor für eine Sendung zu haben.
Sehr viele Sendungen wurden live gesendet. Comedy mit Publikum im Studio, Musik mit Orchester im Raum. Werbung hieß, dass der Vertreter des Sponsors das Mikrophon in die Hand bekam und sein Sprüchlein sagte.

Am Ende des Films wird Murrows Sendung, so erfolgreich sie war, auf einen schlechteren Sendeplatz verschoben: Spielshows mit Preisen sind beliebter und viel billiger zu produzieren.

Lesen dazu: Die Kritik bei Anke Groener.

Historisches:

Vor und während des Zweiten Weltkrieges war Murrow Korrespondent in Europa. Er sendete regelmäßig Reportagen aus Londoner Bombennächten. Die Eröffnungsworte „This…. is London“ kannten viele; Edward R. Murrow genoss das Vertrauen der amerikanischen Hörerschaft als zuverlässiger Berichterstatter. Nur deshalb konnte er McCarthy angreifen.

Spätestens nach dem Ende des Weltkriegs wurde die Sowjetunion nicht mehr als Partner, sondern als Bedrohung für die USA empfunden. 1950 brach der Korea-Krieg aus, 1951 wurden Julius und Ethel Rosenberg als russische Spione hingerichtet. Senator McCarthy machte es sich zum Anliegen, Kommunisten und Sympathisanten aus der US-Regierung und unter den Regierungsangestellten zu entfernen. Streng genommen beschränkte sich McCarthy auf diesen Bereich, aber weite Teile des öffentlichen Lebens, allen voran die Film-Industrie, folgten ihm. Kommunisten und Sympathisanten – und das konnte jeder sein, der zwanzig Jahre zuvor (Depressionszeit) auf der falschen Demo war – kamen auf eine illegale Schwarze Liste. Das lud zum Denunziantentum ein. Arthur Millers The Crucible kann man fast nur als Parabel auf diese Paranoia lesen. Ein schöner Film zum Thema ist The Front. Dort verkauft Woody Allen die Drehbücher all der Autoren, die in Hollywood keine Arbeit mehr kriegen.

In den 50ern tauchte ein weiteres Problem auf: Juvenile delinquency, kriminelle Jugendliche. 1955 erschien der Film Blackboard Jungle über verrohte Jugendliche an einer High School (und mit „Rock around the clock“ von Bill Haley erreichte auch der Rock ’n Roll das Kino). Wer war schuld daran? Einmal der Kommunismus, andererseits auch die Comics. 1953 erschien Frederick Werthams Seduction of the Innocent, ein populärpsychologisches Buch, das den Comics der Zeit Gewaltverherherrlichung, Brutalisierung und Propagierung von Homosexualität vorwarf. Das Buch hatte großen Einfluss und trug einen großen Teil zum Niedergang der Comics in den 50ern bei.

Die Comics versuchten sich zu wehren, indem sie argumentierten, dass gerade die Kommunisten ein Verbot der Comics wollten. Das half ihnen aber auch nicht mehr.

Ene mene miste…

Ich fange ja gerade an, mit meinen Schülern Video- und Audio-Umfragen zu erstellen. Irgendwann will ich mal auf Schulradio hinaus, oder jedenfalls halbwegs ernsthafte Radiobeiträge. Ganz so weit bin ich noch nicht, aber jetzt hat wenigstens mal eine Schülerin ihr selbst gesammeltes Audiomaterial auch selbst geschnitten – im Stehen, am Schul-Laptop, im Medienkammerl zwischen Videokassetten und Fernsehern und neugierigen Lehrern. Das macht einige der Schnittfehler verständlicher.

(Eine Umfrage einer Achtklässlerin zu Auszählreimen)