Good Night, and Good Luck

Gestern war ich im Kino, Good Night, and Good Luck von George Clooney.
Hat mir der Film gefallen? Ja.
Wird es ein Lieblingsfilm von mir werden? Wohl nicht. Ich brauche mehr Archetypen. Mehr Pathos.
Würde ich mir andere Filme dieser Art anschauen? Ja, unbedingt.

Der Film ist durchweg schwarzweiß. Er beginn auf einer Gala-Versammlung der Radio-Television News Directors Association 1958, mit der Keynote Speech des Fernsehjournalisten Edward R. Murrow. Die Gäste sind reich geschmückt, haben Doppelkinn und Falten und sehen sehr zufrieden aus. Murrows Rede ist auch heute noch lesenswert: Keine Abrechnung mit dem Fernsehen seiner Zeit, sondern eine Mahnung. Die eigentliche Handlung des Films spielt fünf Jahre zuvor, am Ende schließt der Film wieder mit Murrows Rede.

Der Hauptteil des Films handelt von der Fehde zwischen Murrow und Senator Joseph McCarthy. Diese Geschichte wird mit sehr viel Originalzitaten erzählt. McCarthy selbst tritt nur in historischen Fernsehaufnahmen auf; David Strathairn spricht Murrow wortgetreu, soweit ich das beurteilen kann. (Ich habe nur eine Aufnahme in meinem Archiv gefunden, Murrows Reaktion auf McCarthys Gegendarstellung bei CBS.)
Der Film ist kammerspielartig, es gibt keine Außenaufnahmen, keine Totalen, nur gelegentlich eine Halbtotale. Es gibt keine traditionelle Spannungskurve, abgesehen von der historisch korrekten, aber trotzdem konventionellen Nebenhandlung um Don Hollenbeck. Der Film besteht aus Dialog und Zitat und Pausen dazwischen. Eine Jazz-Sängerin im Studio teilt mit ihren verschiedenen Liedern den Film in Kapitel ein. (Und sie ist natürlich deshalb im Studio, weil sie live übertragen wird. Wie ein Großteil des Materials damals.)

Dass und warum in diesem Film soviel geraucht wird, kann man bei der Kritik bei Telepolis nachlesen. Ein Grund ist sicher auch der, dass sich kräuselnder Zigarettenrauch auf Schwarzweißfilm gerne mal sehr gut aussieht. Sehr lustig ist dabei die Zigaretten-Fernsehwerbung vor einer von Murrows Sendungen: „Unsere Umfragen haben ergeben, dass Sie als Zuschauer von Person to Person überdurchschnittlich gebildet sind und nicht leicht auf Werbung hereinfallen. Das freut uns, denn so können wir Ihnen…“ (Nicht erwähnt wird, dass Murrow auch eine Sendung über den Zusammenhang von Krebs und Rauchen gemacht hat.)

Eigentlich geht es in dem Film weniger um die McCarthy-Zeit als um die Rolle, die die Medien spielen können und sollen. Damit ist der Film vor allem eine Kritik an der aktuellen Berichterstattung. Murrows Rede ist heute genauso nötig wie früher. Eine Rückkehr zu Murrows Zeiten ist allerdings nicht möglich; dazu ist das System heute zu veschieden.
In den Frühzeiten von Radio und Fernsehen gab es viele lokale Sender, die von den großen Sendernetzen (wie etwa CBS, Central Broadcasting Network) Programm einkauften. „Syndication“ heißt das, so wie bei den RSS-Feeds. Die meisten Sendungen waren gesponsort, allerdings gönnten sich die Sender auch Sendungen ohne Sponsor. „Sustained“ hieß das dann, und dafür zahlte CBS dann selber. Dennoch war der Sponsor eminent wichtig. Stieg der Sponsor aus, musste man einen neuen finden, oder die Sendezeit selber bezahlen. Erst später kam das Konzept auf, Werbezeit direkt zu verkaufen, ohne einen festen Sponsor für eine Sendung zu haben.
Sehr viele Sendungen wurden live gesendet. Comedy mit Publikum im Studio, Musik mit Orchester im Raum. Werbung hieß, dass der Vertreter des Sponsors das Mikrophon in die Hand bekam und sein Sprüchlein sagte.

Am Ende des Films wird Murrows Sendung, so erfolgreich sie war, auf einen schlechteren Sendeplatz verschoben: Spielshows mit Preisen sind beliebter und viel billiger zu produzieren.

Lesen dazu: Die Kritik bei Anke Groener.

Historisches:

Vor und während des Zweiten Weltkrieges war Murrow Korrespondent in Europa. Er sendete regelmäßig Reportagen aus Londoner Bombennächten. Die Eröffnungsworte „This…. is London“ kannten viele; Edward R. Murrow genoss das Vertrauen der amerikanischen Hörerschaft als zuverlässiger Berichterstatter. Nur deshalb konnte er McCarthy angreifen.

Spätestens nach dem Ende des Weltkriegs wurde die Sowjetunion nicht mehr als Partner, sondern als Bedrohung für die USA empfunden. 1950 brach der Korea-Krieg aus, 1951 wurden Julius und Ethel Rosenberg als russische Spione hingerichtet. Senator McCarthy machte es sich zum Anliegen, Kommunisten und Sympathisanten aus der US-Regierung und unter den Regierungsangestellten zu entfernen. Streng genommen beschränkte sich McCarthy auf diesen Bereich, aber weite Teile des öffentlichen Lebens, allen voran die Film-Industrie, folgten ihm. Kommunisten und Sympathisanten – und das konnte jeder sein, der zwanzig Jahre zuvor (Depressionszeit) auf der falschen Demo war – kamen auf eine illegale Schwarze Liste. Das lud zum Denunziantentum ein. Arthur Millers The Crucible kann man fast nur als Parabel auf diese Paranoia lesen. Ein schöner Film zum Thema ist The Front. Dort verkauft Woody Allen die Drehbücher all der Autoren, die in Hollywood keine Arbeit mehr kriegen.

In den 50ern tauchte ein weiteres Problem auf: Juvenile delinquency, kriminelle Jugendliche. 1955 erschien der Film Blackboard Jungle über verrohte Jugendliche an einer High School (und mit „Rock around the clock“ von Bill Haley erreichte auch der Rock ’n Roll das Kino). Wer war schuld daran? Einmal der Kommunismus, andererseits auch die Comics. 1953 erschien Frederick Werthams Seduction of the Innocent, ein populärpsychologisches Buch, das den Comics der Zeit Gewaltverherherrlichung, Brutalisierung und Propagierung von Homosexualität vorwarf. Das Buch hatte großen Einfluss und trug einen großen Teil zum Niedergang der Comics in den 50ern bei.

Die Comics versuchten sich zu wehren, indem sie argumentierten, dass gerade die Kommunisten ein Verbot der Comics wollten. Das half ihnen aber auch nicht mehr.

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11 Thoughts to “Good Night, and Good Luck

  1. Sehr spannender Text, doch ich geb es zu, das mit der Lupe fasziniert mich leicht mehr. Der Link zu diesem plugin interressiert mich brennend. Könnten Sie den publizieren? Würd das Tool auch gerne für meine Weblogs gebrauchen… Merci.

  2. Die Lupe gibt’s hier, ich hab sie schon mehrfach verwendet. Allerdings ist das kein Plugin, sondern Javascript. Man muss ein bisschen CSS-Angaben ergänzen und das Javascript in die Seite einfügen oder drauf verlinken. Je nach Blog-Software kann es bei den verwendeten Editoren Schwierigkeiten geben.
    (Ich hab die Funktion ein bisschen umgeschrieben, um die Größe der Lupe als Argument beim Funktionsaufruf zu verwenden.)

  3. Danke für den Hinweis. Ich war so frech und hab mir Ihren Code gezogen. Stylesheet habe ich ebenfalls angepasst. Zwar zeigt es nach zwei Stunden Pröbeln auf der Seite alles an, doch die Lupe erscheint nicht. Muss wohl an den Buttons liegen. Haben Sie mir nen Tipp? Wär echt cool, wenn es irgendwie klappen würde.

  4. Das Problem ist, dass der WordPress-Editor (genauer: wptexturize) in einer Zeile, und nur in der, die einfachen Anführungszeichen durch html-Code ersetzt:

    < p > < script type="text/javascript" > loadMagnifier(& #8217;placeholder& #8217;, & #8216; http:// php.educanet2.ch/psub/wordpress/wp-content/schnspolager06.gif& #8217;, 709, 1032, 0);< /script >< /p >

    Und damit funktioniert Javascript nicht mehr. (Die Leerzeichen habe natürlich ich reingemacht.) Wptexturize ersetzt zum Beispiel die normalen Anführungszeichen durch typographische.
    Vielleicht gibt es eine einfache Lösung, wie man das abstellen kann. Ich habe zum Plugin TextControl gegriffen, mit dem man für jeden Eintrag einzeln entscheiden kann, welche Formatierung angewendet wird. (Option: „No character encoding“).

    Etwas umständlich, aber wenn man’s einmal hat, geht’s dann einfacher.

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