Einfach verkettete Listen: meine Materialsammlung

Ich habe schon mal etwas über Listen geschrieben, wo ich das Konzept etwas ausführlicher erkläre. Ich wiederhole ein bisschen davon hier, will aber vor allem mein bisher erstelltes Material präsentieren, falls es jemand brauchen kann. (Zielgruppe: bayerische Informatiklehrer der 11. Klassen.)

Einführung

Nehmen wir an, wir wollen ein Computerspiel programmieren. Im Spiel gibt es einen Helden, Threepwood genannt. Und es gibt viele Gegenstände, die Threepwood aufheben und mitnehmen und wieder loswerden kann, darunter: Schaufel, Klavier, Spielkarte.

Diese Bausteine werden jeweils separat programmiert und man hat eine Welt voller Gegenstände mit einem Helden drin. Wie kommt der Held aber an die Gegenstände?

Diese Verbindung wird durch eine Liste hergestellt. Threepwood hat neben der üblichen Spiel-Attributen wie Stärke, Geschicklichkeit, Lebenspunkte auch ein Attribut Ausrüstung. Die ersten drei Attribute sind vom Typ “ganze Zahl”, englisch integer, können also Werte von 0 bis 100 annehmen (genauer: von ‑2147483648 bis 2147483647, aber wir brauchen nur den kleinen mittleren Bereich). Das Ausrüstungsattribut ist vom Typ “Liste”.

In Java sieht das so aus:

int stärke;
int geschicklichkeit;
int lebenspunkte;
Liste ausrüstung;

Das erste Wort ist der Datentyp des Attributs, das zweite Wort ein Bezeichner dafür, den man sich selbst aussuchen kann.

Typische Methoden einer Liste sind: etwas hinten einfügen, etwas vorne einfügen, nach etwas suchen, die Liste sortieren, etwas entfernen, das erste oder letzte Element entfernen und einige weitere.

Im Spiel wird die Liste dann so eingesetzt:

threepwood.ausrüstung.einfügenVorn(schaufel);
threepwood.ausrüstung.einfügenVorn(klavier);
threepwood.ausrüstung.einfügenVorn(spielkarte);

Und schon trägt er drei Sachen mit sich herum. Soll er die Schaufel loswerden, dann schreibt man:

threepwood.ausrüstung.entfernen(schaufel);

Und schon hat der die Schaufel nicht mehr, egal ob sie vorher am Anfang oder Ende der Liste oder irgendwo dazwischen war.

Wie die Liste das genau macht, Gegenstände hinzuzufügen und zu entfernen, zu sortieren, zu durchsuchen, das muss den Programmierer dabei nicht interessieren. Den Informatiker und Elftklässler schon, denn Listen sind ein zentraler Gegenstand im Informatikunterricht dieser Jahrgangsstufe.

Material zu den Listen

Einfach verkettete Listen sehen so aus:

Was da unten baumelt wie Päckchen am Adventskalender sind die verwalteten Elemente, also im Spiel oben die Gegenstände. Die hängen an Knoten, weil die Liste die Knoten dazu benutzt, die ganze Arbeit zu erledigen (sortieren, einfügen etc.). Das geht die verwalteten Elemente nämlich nichts an.

Die Methoden der Liste – Einfügen vorn, hinten oder vor einem bestimmten zweiten Element; durchsuchen und sortieren – werden nach dem Lehrplan der 11. Klasse alle rekusiv programmiert. Um das für Schüler verständlicher zu machen, habe ich verschiedene Präsentationen angelegt, die ich hier zeigen will. Als Materialgrube für inzeressierte Lehrer und Schüler, nicht als Einführung die rekursiven Methoden einer Liste. Wer also gar nichts über Rekursion weiß, wird mit die Folien allein möglicherweise nicht weit kommen.

Präsentationen I

Beispiel: Einfügen eines Datenelements vor einem anderen

Wenn ein Datenelement vor einem bestimmten anderen eingefügt werden soll, wird die Liste einmal durchlaufen bis zu dem gesuchten Element. (Oder bis zum Schluss, was auch immer zuerst kommt.) Dann wird das neue Datenelement mit einem neuen Knoten eingebaut. Danach wird die Liste wieder zurück bis zum Anfang durchlaufen, da jeder Knoten aus technischen Gründen etwas zurückmeldet.

Das ist die erste Methode, die Schülern Schwierigkeiten bereitet, finde ich. Der Rückgabewert wird dazu genutzt, den Nachfolger neu zu besetzen (wenn auch meist mit dem alten Wert).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weitere Beispiele

Präsentationen in dieser Art gibt es noch zu:

  • allgemein: Funktion ohne Rückgabewert
  • allgemein: Funktion mit Rückgabewert
  • Berechnen der Länge einer Liste
  • Einfügen eines Datenelements vor einem bestimmten anderen (s.o.)
  • Einfügen eines Datenelements ganz hinten
  • Suchen nach einem bestimmten Datenelement in der Liste

Hier gibt’s alle Präsentationen (odp) zum Herunterladen. Technische Hinweise unten.

Präsentationen II

Angefangen habe ich aber nicht mit diesen abstrakten Präsentationen, sondern mit meinen Dschinn. Die Vorgeschichte:

Im Reich der Schätze und Dschinn

Harun ar-Raschid, Kalif von Baghdad, der herrlichsten Stadt des Landes und aller anderen Länder unter der Sonne, hatte viele Frauen, viele Paläste, viele Schätze. Eifersüchtig hütete er seinen Besitz und war stets voller Misstrauen, deshalb verfügte er, dass jedes Stück durch einen Dschinn, einen Geist, bewacht werden sollte.
Jeder Dschinn erhielt eine Kiste für das Gut, das er bewachen konnte. So konnte es dem Dschinn egal sein, was er bewachte, Hauptsache, es passte in die Kiste.
Nun hatte Harun so viel Besitztümer, dass er sie nicht zählen konnte, so viele, dass er ihre Namen nicht wusste, so viele, dass er sie nicht zu finden wusste, wenn es ihm nach einem besonderen Kleinod verlangte.
Deshalb verfügte er, dass sich in Zukunft Verwalter um die Fülle seines Besitzes kümmern sollten. Den ersten unter ihnen, Jaffar, ernannte er zum Herren über die Schätze, also Juwelen und Perlen und Ringe und anderes Geschmeide.
Jaffar erhielt eine magische Lampe, in der ein Dschinn wohnte, der einen Schatz bewachte. Und dieser Dschinn hatte ebenfalls eine Lampe, und in dieser hauste ein weiterer Dschinn mit seinem Schatz, und auch der hatte wieder eine Lampe mit einem Dschinn darin.
Nur der letzte Dschinn, der bewachte zwar auch noch einen Schatz, er hatte auch eine Lampe, aber diese Lampe war leer und kein weiterer Dschinn wohnte darin.

Beispiel: Einfügen eines Datenelements vor einem anderen

Das ist die gleiche Methode wie oben in der Diaschau, nur eben mit Dschinns. Aus technischen Gründen diesmal als Video ohne Blättermöglichkeit oder Ton – früher war das Flash, aber das baue ich nach und nach aus dem Blog aus:

Weitere Beispiele

Präsentationen in dieser Art gibt es noch zu:

  • Berechnen der Länge einer Liste (einfach)
  • Berechnen der Länge einer Liste (composite pattern)
  • Suchen nach einem bestimmten Datenelement in der Liste (einfach)
  • Einfügen eines Datenelements vorn (einfach und composite)
  • Einfügen eines Datenelements vor einem bestimmten anderen (einfach, s.o.)
  • Einfügen eines Datenelements ganz hinten (einfach)
  • Einfügen eines Datenelements ganz hinten (composite pattern)
  • Volle Listen, leere Listen, Vorteil des Datenelement-Interface

Anmerkungen

Einsatz im Unterricht: Powerpoint-Karaoke

Die Präsentationen habe ich zur Visualisierung eingesetzt, aber auch zum Ausfragen. Mit einer bekannten oder unbekannten Präsentation muss ein Schüler eine (natürlich bekannte) Methode erklären. Auch gut zur Wiederholung.

Die technische Seite

Die Dschinn-Bilder habe ich mit Inkscape und meinem Grafiktablett gezeichnet. (Tipp: Umrisse zeichnen, farbig ausfüllen, dann die Umrisslinien entfernen.) Um die Bilder in Präsentationen einbinden zu können, exportiere ich sie im Format PNG.

Die Präsentationen mache ich mit Open Office Impress. Dabei sind alle Bilder als verknüpfte Dateien gespeichert. Das heißt, es existiert zu jedem Motiv nur eine Bilddatei, die im selben Verzeichnis wie das Präsentationsdokument liegt. Der Nachteil: wenn ich schlaftrunken nur die Präsentation mit in die Schule nehme und die dazu gehörenden Bilddateien vergesse, dann kann ich mit dem Dokument wenig anfangen. Der Vorteil: wenn ich an den Grafiken etwas ändern möchte (Farbe ändern, Turban verschieben), muss ich nur die externe Datei verändern und – abrakadabra! – alle Präsentationen sind aktualisiert.

Bei den anderen Präsentationen habe ich mit Formatvorlagen gearbeitet, wenn auch nicht ganz systematisch. Das heißt, es gibt die Vorlagen “Knoten aktiv”, “Knoten inaktiv” und “Knoten wartend”; wenn ich in der Vorlage zum Beispiel die Farbe ändere, ändert sich auch die Farbe bei allen entsprechend zugewiesenen Knoten.

Die Dschinn-Filme erzeuge ich mit E.M. PowerPoint Video Converter. Das ist viel einfacher als das Abfilmen mit Video Capture, allerdings funktioniert das nur mit Microsoft Powerpoint, so dass ich dafür meine Impress-Dateien auch mal in diesem Format speichere. Aber ein Film, mit der fehlenden Kontrolle über die Geschwindigkeit des Voranschreitens, ist kein gutes Medium, sich mit diesen Inhalten zu beschäftigen. Die Sicherheit, selbst entscheiden zu können, wann es weitergeht, gibt eben das: Sicherheit.

Was ich gerne hätte

Ich hätte gerne eine Möglichkeit, Präsentationen in HTML-Seiten (wie dieses Blog) einzubauen, so dass auch die einzelnen Objekte auf einer Folie der Reihe nach gezeigt und eben auch wieder verborgen werden. Reinfliegen muss ja gar nichts, einfaches Erscheinen und Verschwinden reicht. Mein zugegeben recht altes Powerpoint kennt zwar solch eine Funktion (als Webseite speichern/Veröffentlichen/Weboptionen/Folienanimationen), das Ergebnis funktioniert aber nur unter dem Internet Explorer.
Bis jetzt kenne ich sonst nur Lösungen, die die vollständige Folie als Grafik präsentieren, mit allen Elementen darauf, die jemals auf ihr gezeigt wurden. So eine Diaschau habe ich bei der ersten Präsentation oben benutzt; bei trickfilmartigen Folien führt das aber zu unbrauchbaren Ergebnissen.

Denn: Diese Listen-Visualisierungen mit Dschinns sind keine Präsentationen im herkömmlichen Sinn, sondern kleine Trickfilme. Vermutlich sollte ich gar nicht erst mit Präsentationssoftware anfangen. Viel lieber wäre mir, das in einer Programmiersprache schreiben zu können. Das gäbe elegantere, flexiblere und leichter zu verändernde Filme. (Ich könnte die Befehle zur grafischen Darstellung gleich in die Java-Listenmethoden hineinschreiben. Dann gäb’s keine separaten Filme mehr, sondern die Java-Klassen würden selbst die Filme produzieren.)
Leider habe ich kaum Erfahrung mit dem Einbinden von Grafiken oder überhaupt GUI-Elementen in Java. Mir reicht eine Ein- und Ausgabezeile, die Darstellung reizt mich nicht. VBA kann ich auch nicht, das will ich aber auch nicht.

Selber machen: Gyoza

In den Ferien habe ich dieses Rezept ausprobiert: Gyoza, japanische Teigtäschchen, gebraten und gedämpft, die es zum Beispiel bei Wagamama oder im Shoya in München als Vorspeise gibt. Unter dem Link oben gibt es richtig schöne Fotos, aber hier dokumentiere ich meinen ersten Versuch.

Ich habe im Asialaden nur quadratische Teigplättchen gekriegt und keine runden. Rezept und Verkäuferin rieten mir zwar, einfach runde Formen auszustechen, das habe ich aber nach den ersten Versuchen aufgegeben und stattdessen improvisiert.

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Die Füllung besteht aus Schweinehackfleisch, Ingwer, Knoblauch, Frühlingszwiebel, Miso-Paste, Sesamöl und Chinakohl. Die Mengen im Rezept haben für etwa 50 Stück gereicht.

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Die fertigen Päckchen werden zuerst in einer Pfanne ein paar Minuten angebraten, bis sie unten braun und knusprig sind.

gyoza3

Dann kommt eine halbe Tasse Wasser in die Pfanne, Deckel drauf, Hitze runter, und einige Minuten dämpfen lassen.

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Danach sollte das Wasser verdampft und nur noch ein Rest Öl in der Pfanne sein. Dann sind die Gyoza fertig.

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Das Zubereiten war tatsächlich leicht, obwohl ich bei Schweinehack immer die irrationale Angst habe, gleich die Schweinepest oder so etwas zu verbeiten. Am Falten muss ich noch arbeiten, vielleicht treibe ich ja noch runde Platten auf. (Der Teig besteht aus Weizenmehl und Öl und ist nicht für Tortellini geeignet, wie ich am folgenden Tag herausgefunden habe.) Schärfer anbraten muss ich die Gyoza auch noch. Aber die Füllung: die Füllung war ganz extrem lecker. Jederzeit wieder.

Von den ganz fertigen Gyoza auf einem Teller habe ich leider kein Foto gemacht. Zu hungrig.

…hm, soll ich so tun, als hätte das etwas mit Schule zu tun? Im Zweifelsfall immer Vorgangsbeschreibung.

Parabeln

Meine Parabelsequenz sieht meist so aus, dass ich mit einem biblischen Gleichnis beginne, am besten mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf:

Es nahten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: “Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.” Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er deren eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er’s finde? Und wenn er’s gefunden hat, so legt er’s auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. […]
Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
(Lutherbibel, Lukas 15, 1–10)

Das klassische Gleichnis besteht aus drei Teilen: einer erklärungsbedürftigen Situation; einer kurzen Geschichte, die zur Erklärung der Situation beitragen soll; und aus einer Deutung dieser Geschichte, in der ihr Inhalt auf die Ursprungssituation bezogen wird.

Parabeln sind quasi das weltliche Gegenstück zum religiösen Gleichnis. (Ich glaube, die Bibelwissenschaft unterscheidet auch innerhalb der Bibel Gleichnisse und Parabeln, aber das muss mich als Germanist nicht interessieren.) Ich zeige den Schülern ein paar weitere Gleichnisse mit christlich-jüdischem Hintergrund, dann ein paar einfache Parabeln. Bei den Parabeln fehlt allerdings meist die Einbettung in eine konkrete Situation, und oft genug auch der dritte Teil mit einer expliziten Deutung. Dementsprechend sind manche Parabeln auch nicht so leicht zu deuten; schön sind da die Keuner-Geschichten von Brecht. (Bitte, kann mir jemand die Parabel “Luxus” erklären?.)

Manche moderne Parabeln scheinen gar keine klare Sachebene zu haben, auf die man die Bildebene der Erzählung übertragen kann. Kafka bietet sich da an:

Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: “Von mir willst du den Weg erfahren?” “Ja”, sagte ich, “da ich ihn selbst nicht finden kann.” “Gibs auf, gibs auf”, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

In dieser Geschichte bleibt das Verlangen nach Information und Aufklärung unbefriedigt.

Aber auch die einfache Parabel macht schon Schwierigkeiten, nicht nur bei der Deutung, auch bei der Bewertung der Sachebene. Hier ist eine buddhistische Parabel, vermutlich sehr bekannt, da sie mir in verschiedenen Fassungen immer wieder untergekommen ist:

Buddha erzählte in einem Sutra eine Parabel: Ein Mann, der über eine Ebene reiste, stieß auf einen Tiger. Er floh, den Tiger hinter sich. Als er an einen Abgrund kam, suchte er Halt an der Wurzel eines wilden Weinstocks und schwang sich über die Kante. Der Tiger beschnupperte ihn von oben. Zitternd schaute der Mann hinab, wo weit unten ein anderer Tiger darauf wartete, ihn zu fressen. Nur der Wein hielt ihn. Zwei Mäuse, eine weiße und eine schwarze, machten sich daran, nach und nach die Weinwurzel durchzubeißen. Der Mann sah eine saftige Erdbeere neben sich. Während er sich mit der einen Hand am Wein festhielt, pflückte er mit der anderen die Erdbeere. Wie süß sie schmeckte!
(Paul Reps, Zen Flesh, Zen Bones. Deutsch: Ohne Worte – ohne Schweigen. O. W. Barth bei Scherz; 12. Auflage: 2008.)

(Fußnote: Ein paar Zen-Koans zeige ich den Schülern auch gerne, wenn es um Parabeln geht.)

Eine Deutung dieser Parabel/dieses Gleichnis fällt Schülern nicht schwer. Aber sie wollen auch wissen, ob es etwas bedeutet, dass die eine Maus schwarz und die andere weiß ist. Zur Erklärung biete ich den Schülern folgende Verse von Friedrich Rückert an:

Es ging ein Mann im Syrerland,
Führt’ ein Kamel am Halfterband.
Das Tier mit grimmigen Gebärden
Urplötzlich anfing scheu zu werden
Und tat so ganz entsetzlich schnaufen,
Der Führer vor ihm musst’ entlaufen.
Er lief und einen Brunnen sah
Von ungefähr am Wege da.
Das Tier hört’ er im Rücken schnauben,
Das musst’ ihm die Besinnung rauben.
Er in den Schacht des Brunnens kroch,
Er stürzte nicht, er schwebte noch.
Gewachsen war ein Brombeerstrauch
Aus des geborstnen Brunnens Bauch;
Daran der Mann sich fest tat klammern
Und seinen Zustand drauf bejammern.
Er blickte in die Höh’ und sah
Dort das Kamelhaupt furchtbar nah’,
Das ihn wollt’ oben fassen wieder.
Dann blickt’ er in den Brunnen nieder;
Da sah am Grund er einen Drachen
Aufgähnen mit entsperrtem Rachen,
Der drunten ihn verschlingen wollte,
Wenn er hinunter fallen sollte.
So schwebend in der beiden Mitte,
Da sah der Arme noch das Dritte.
Wo in die Mauerspalte ging
Des Sträuchleins Wurzel, dran er hing,
Da sah er still ein Mäusepaar,
Schwarz eine, weiß die andre war.
Er sah die schwarze mit der weißen
Abwechselnd an der Wurzel beißen.
Sie nagten, zausten, gruben, wühlten,
Die Erd’ ab von der Wurzel spülten;
Und wie sie rieselnd niederrann,
Der Drach’ im Grund aufblickte dann,
Zu sehn, wie bald mit seiner Bürde
Der Strauch entwurzelt fallen würde.
Der Mann in Angst und Furcht und Not,
Umstellt, umlagert und umdroht,
Im Stand des jammerhaften Schwebens,
Sah sich nach Rettung um vergebens.
Und da er also um sich blickte,
Sah er ein Zweiglein, welches nickte
Vom Brombeerstrauch mit reifen Beeren;
Da konnt’ er doch der Lust nicht wehren.
Er sah nicht des Kameles Wut
Und nicht den Drachen in der Flut
Und nicht der Mäuse Tückespiel,
Als ihm die Beer’ ins Auge fiel.
Er ließ das Tier von oben rauschen
Und unter sich den Drachen lauschen
Und neben sich die Mäuse nagen,
Griff nach den Beerlein mit Behagen,
Sie deuchten ihm zu essen gut,
Aß Beer’ auf Beerlein wohlgemut,
Und durch die Süßigkeit im Essen
War alle seine Furcht vergessen.

Du fragst: “Wer ist der töricht’ Mann,
Der so die Furcht vergessen kann?”
So wiss’, o Freund, der Mann bist du;
Vernimm die Deutung auch dazu.
Es ist der Drach’ im Brunnengrund
Des Todes aufgesperrter Schlund;
Und das Kamel, das oben droht,
Es ist des Lebens Angst und Not.
Du bist’s, der zwischen Tod und Leben
Am grünen Strauch der Welt musst schweben.
Die beiden, so die Wurzel nagen,
Dich samt den Zweigen, die dich tragen,
Zu liefern in des Todes Macht,
Die Mäuse heißen Tag und Nacht.
Es nagt die schwarze wohl verborgen
Vom Abend heimlich bis zum Morgen,
Es nagt vom Morgen bis zum Abend
Die weiße, wurzeluntergrabend.
Und zwischen diesem Graus und Wust
Lockt dich die Beere Sinnenlust,
Dass du Kamel, die Lebensnot,
Dass du im Grund den Drachen Tod,
Dass du die Mäuse Tag und Nacht
Vergissest und auf nichts hast acht,
Als dass du recht viel Beerlein haschest,
Aus Grabes Brunnenritzen naschest.

Das Gedicht ist mir mal beim Blättern in Ludwig Reiners Ewigem Brunnen untergekommen. Es erzählt fast die gleiche Geschichte und liefert die Deutung gleich mit.

Bei der Bewertung scheiden sich aber die Geister: Wenn ich Schüler frage, wie Rückert die Haltung dieses Mannes, der da zwischen Kamel und Drache hängt, bewertet, dann erkennen sie nicht, dass diese Haltung kritisiert wird – dieses Genießen des Augenblicks ungeachtet der Gefahr ist kein christlich angemessenes Verhalten. Sage ich jedenfalls. Ich finde das offensichtlich, aber tatsächlich sind die Merkmale im Gedicht, wenn ich sie Schülern zu erklären versuche, nicht viele: “töricht” ist der Mann (aber das könnte ja Ironie sein); die Furcht vergessen kann negativ oder positiv gesehen werden; die “Sinnenlust” wird nicht als negativ gesehen (ist doch schön), und auch das “du bist der Mann” sagt Schülern nichts (Nathan zu König David im 2. Buch Samuel, dem Nathan mit einer Parabel den Kopf wäscht).

(Meine Lieblingsform dieser Geschichte, weil am anschaulichsten: Lord Dunsany, “The Workman”.)

Informatik 7. Klasse, 5. Stunde

Das verlängerte Wochenende über war ich beim Rollenspielen, sehr nett und spannend; deshalb erst jetzt meine Anmerkungen zum wöchentlichen Informatikunterricht freitags in der 7. Klasse:

Viel haben wir nicht gemacht; letzter Tag vor den Ferien, ein wenig erschöpft.

Das Programm des Tages: Ausfragen zum Stoff der letzten Stunde (Aufbau einer WWW-Adresse: TLD, Domain, Subdomain – die TLD, die sich alle gemerkt haben, ist die abgelehnte .xxx-Domain für Pornographie), Demonstration des FTP-Protokolls, danach Planung für den Lehrplanpunkt “gemeinsames Erstellen eines Dokuments mit vernetzter Struktur”, oder so ähnlich. Gemeint ist: Verlinkte Seiten, offline oder on. Ich lasse meine Schüler dazu immer ein Wiki erstellen. Die Themen diesmal: Dokumentation der Sport- und Wanderwoche; Sportvereine und sportliche Aktivitäten in der Umgebung und ein Kochlexikon oder eine Rezeptesammlung.

(Nicht gewählt: Schullexikon; Verzeichnis der Lieblingsorte in der Umgebung.)

Mit einem Klassendiagramm dargestellt, was zu jedem Wikieintag gehört: Text, 1–2 Bilder, 2–10 Links. Keine Stichpunkte, sondern ausformulierter Text. Und natürlich: selbst erstelltes Material – bei der Gelegenheit erkläre ich den Schülern auch nach und nach, welches Material aus dem Web man unter welchen Bedingungen für eigene Seiten nehmen darf, und vor allem: welches nicht.

In der einen Klasse geht das immer viel effizienter als in der anderen. Das heißt also: ja, Klassen sind verschieden. Manche Klassen lernen also mehr bei mir als andere. Ich passe mein Vorgehen und meine Methoden zwar an die Klasse an, das aber auch nur in bestimmten Grenzen.