Digilern 2012, dritter Tag, und Wochenanfang danach

Nicht minder interessant der dritte Tag – aber schon bin ich weider im Schulalltag, deshalb nur kurz. Die Keynote hielt Christian Spannagel, den ich endlich einmal persönlich kennengelernt habe. Christian ist in meiner Ecke des Internets sehr bekannt, Professor für Mathematik und Mathematik-Didaktik an der PH Heidelberg. Macht viel mit Schülern, mit Lehrerausbildung und mit Computern, bloggt und twittert. Er stellte Konzepte und Beispiele für Webaktivitäten in der Schule vor (Rezensionsblog, Mitarbeit an Regionalwiki, Flipped Classroom).

Eine seiner Aussagen trifft wohl zu: Fortbildungen bringen nur wenig. Auf die Frage: „Wer bringt mir das bei?“, gibt es wohl nur die Antwort: „Muss man sich selber beibringen.“ Das geht aber auch, wenn man will.

In einem Workshop sah ich mir an, wie das Gymnasium Ottobrunn ihr Moodle für Deutsch-Sequenzen bei der Lektürebehandlung einsetzt. Hat mir sehr gut gefallen und Möglichkeiten gezeigt, das für meine Schule zu übernehmen. (Überhaupt hat mir Ottobrunn gut gefallen. Das ist eine Schule, die weiß, wohin sie will.) Auf den zweiten Teil des Workshops, mit der praktischen Umsetzung, habe ich verzichtet. Ich will bei Fortbildungen nur Beispiele sehen und erklärt bekommen und eventuell mit Beispielen spielen können. Das Nachbasteln und Sich-selbst-erarbeiten kenne ich aus vielen Fortbildungen; vielleicht ist es für Schüler geeignet, für Lehrer nicht.

Danach ging ich noch in einen Workshop bei Christian Spannagel zum Thema „Flipped Classroom“. Didaktisch ganz toll gemacht: erst Inputphase, dann Sammelphase mit verteilten Pro-Contra-Rollen, dann Gedankenaustausch in diesen Rollen. Erwachsene Lehrer stürzen sich sofort und mit Begeisterung in so ein Rollenspiel.
Zum Konzept des Flipped Classroom: einfach mal in Christians Blog danach suchen. Die Kurzfassung:

  • Traditioneller Unterricht sieht so aus, dass Schüler in der Gruppe Vorträge hören und zu Hause alleine die Aufgaben dazu lösen.
  • Andersherum ist es sinnvoller: die Schüler hören sich zu Hause alleine die Vorträge an und machen in der Schule im Beisein des ansprechbereiten Lehrers die Aufgaben dazu.
  • Dazu muss man nach und nach Videoaufnahmen produzieren und ins Web stellen – geschützt oder nicht – die die Schüler dann eben zu Hause anhören.
  • So wird die Zeit der Schüler sinnvoller genutzt.

Ich habe das vielleicht zu knapp zusammengefasst. Natürlich hat die Methode Grenzen. Zum einen: sie passt, wie die plötzliche Entdeckung der Kompetenzorientierung, eher auf die Welt der MINT-Fächer. In Mathematik, Informatik, Physik, da lernt man im Studium in Vorlesungen; Seminare und Seminararbeiten gibt es nur wenige. In meinem Anglistik- und Germanistik-Studium, prä-Bologna, da habe ich die Vorlesungen eher gemieden und viel weniger davon profitiert als von den vielen verpflichtenden Seminaren und Seminararbeiten, wo das tatsächliche Lernen stattfand. Aber vielleicht war das nur ich.
Allerdings bin ich für mehr Vorlesungskultur an Schulen, auch in Deutsch. (Für Englisch: weniger.)
Ein anderes Gegenargument ist das, dass Schüler ja sowieso zu Hause nichts tun. Da könne man genauso sagen: Lest und versteht zu Hause das nächste Kapitel im Buch, in der nächsten Stunde machen wir dann gemeinsam Aufgaben dazu. Und vielleicht sollten wir das auch mehr tun, wenn wir geeignetes Material dazu finden.
Und letztlich sind gerade Deutschlehrer, vermute ich, stolz darauf, nie etwas zweimal zu machen. Da sind jedes Jahr die Lektüren und die Reihenfolge der Lernihalte, alles auf die Klasse angepasst. Vielleicht sollten wir auch davon etwas wegkommen und mehr in wiederholbaren Modulen denken.

Jedenfalls will ich das mit dem Flipped Classroom ausprobieren. Bei der letzten Informatik-Q11 habe ich den Dijkstra-Algorithmus in einem Vortrag erklärt. (Mit der Ansage: „Ich stelle jetzt den zeitlichen Weltrekord im Erklären des Dijkstra-Algorithmus auf.“) Daraus habe ich einen Videoclip gemacht, den bei Youtube eingestellt, und meine aktuelle Q11 kriegt den Vortrag nicht live, sondern soll ihn sich zu Hause ansehen, und das so gut, dass in der Stunde danach die Übung dazu möglich ist. Schauen wir mal, wie das klappt.

– Ansonsten hat die Woche mit einem langen Tag begonnen. Der Unterricht in meiner aktuellen 10. Klasse gefällt mir gerade sehr gut, ich freue mich schon drauf, das laufende Projekt verbloggen zu können. Nach dem Nachmittagsunterricht trafen sich einige Personalräte des Landkreises an meiner Schule, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen und zukünftiges Vorgehen miteinander zu besprechen. (Dabei eine Kollegin getroffen, die ich in meinem ersten halben Jahr nach dem Ende des Referendariats als Schülerin in einer 11. Klasse hatte. Zeit vergeht.)

Ansonsten kommt man ja kaum mit beim Bloggen. Der Spaenle und sein 8,5-jähriges Gymnasium. Das muss jetzt aber warten bis zum nächsten Mal.

Tagged: Tags

One thought to “Digilern 2012, dritter Tag, und Wochenanfang danach”

  1. Für „Flipped Classrooms“ müssen die Schüler schon ein gutes Maß an Selbstdisziplin verfügen. Und – da gebe ich dir recht – für die sprachlichen Fächer ist das System weniger gut geeignet.

    Zum Thema G8,5: Schöne Glosse heute (Mittwoch) auf der Titelseite des SZ-Bayernteils (von Sebastian Beck).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.