Tag der Informatiklehrer und -lehrerinnen 2019

Seit zehn Jahren oder so gehe ich jedes Jahr auf den TdI an der LMU, eine familiäre Veranstaltung inzwischen. Seit acht Jahren habe ich zum ersten Mal keinen Workshop angeboten. Unüberraschend war das so viel entspannender, und ich konnte mit zwei Workshops anschauen.

Ich war in einem Workshop zu Capture the Flag. Darunter versteht man Wettbewerbe aus dem Bereich Computersicherheit; man versucht den eigenen Server zu schützen und den der anderen Teams zu hacken, indem man Schwachstellen ausnützt. In einer anderen, häufigeren Variante erfüllt man verschiedene Aufgaben aus dem Bereich der Computersicherheit, die Hartnäckigkeit und Computer-Fachwissen erfordern – SQL-Injection, Quellcode analysieren, versteckte Botschaften finden, Programme decompilieren, verwundbaren Code erkennen.

Links zum Thema:

Wir haben das auch spielerisch ausprobiert, der Workshopleiter hatte auf einem Server ein paar Aufgaben für uns vorbereitet. Ganz wichtig für die Motivation: Es gab eine Highscoreliste, man sah also, wie weit die anderen (Teams) schon waren. Das spornt viele an, jedenfalls, ahem, wenn man gleich von Anfang vorne mitspielt. Zu den Aufgaben gehörten: Webshortener analysieren, Bilddateien mit Hexeditor betrachten, SQL-Injection, Java-Bytecode decompilieren, Cäsar-Chiffre und andere Codierungen (Base64) – lauter Sachen, die ich schon mal gemacht hatte, aber mir war nicht klar, dass ich dazu gar nicht meine Software brauche, sondern alles webbasiert zur Verfügung steht. Aber es waren natürlich alles simple Aufgaben, und alle haben wir auch nicht geschafft. Erinnert haben sie mich an diese wbbasierten Rätselspiele, die vor ein paar Jahren aufkamen: Notpron etwa, wo man von einer Seite aus jeweils zur nächsten kommen muss. Eigentlich auch nur eine Form von virtuellem Escape Room.

Und ich war in einem Workshop zu Snips (https://snips.ai/). Das ist eine Plattform, auf der man Apps erstellen kann, die dann zum Beispiel auf dem Raspberry Pi ausgeführt werden. Der Raspi kann danach Sprachanweisungen ausführen. Was der Raspi macht, programmiert man selber, in Python; mit der Webseite führt man die Komponente der Spracherkennung hinzu, also: welche Kommandos oder Varianten davon mit welchen Argumenten zu welchem Methodenaufruf führen sollen. Schwierig war an den Unirechnern, die App auf den Raspi zu kriegen, aber das interessiert mich eh weniger als die Softwareerstellung.

Dillingen 2018

Tablett mit Essen

Die letzte Woche war ich in Dillingen an der Donau auf Fortbildung. Dort gibt es die Akademie für Lehrerbildung und Personalführung. In einem früheren Blogeintrag habe ich ausführlich erklärt, was das ist.

Ich glaube, ich könnte mir das angewöhnen – eine Woche Fortbildung im Herbst. Ich kann länger schlafen als zu Hause (zumindest ein wenig) und komme am Abend zum Korrigieren (wenn ich nicht ausgehe oder in den Akademiekeller gehe, aber das bin ich nicht). Dafür habe ich den pädagogischen Tag an meiner Schule verpasst, der am Buß- und Bettag stattfindet, weil die Schüler und Schülerinnen da frei haben und die Lehrer und Lehrerinnen dafür einen Tag arbeiten müssen. Das muss nicht dieser Tag sein, aber der bietet sich an; lange Geschichte. Es mag sicher irgendwo pädagogische Tage geben, bei denen ich es schade finden würde, nicht dabei sein zu können. Aber bis dahin taugt mir der Termin.

In fast allen Bundesländern gibt es etwas, das Bildungsurlaub heißt – bis zu fünf Tage Urlaub im Jahr zur politischen oder beruflichen Bildung. Die Bundesrepublik hat sich 1974 verpflichtet, das einzuführen (sagt Wikipedia), aber wie das mit der Kulturhoheit der Länder ist: Bayern macht da nicht mit.

Dann eben so. Das Thema war Androidprogrammierung in Java, ein Thema, bei dem ich schon einige Vorkenntnisse hatte. Aber ich wusste, dass ich so oder so Zeit bekommen würde, vor mich hin zu programmieren, und da lerne ich am besten. Allerdings brauchte ich schon eine Einführung: Ich habe einfach keine Lust, über Tutorials oder gar – horribile dictu – Videos im Web mich in etwas einzuarbeiten.

Gelernt habe ich viel. Jetzt kann ich das so, wie ich möchte. Tatsächlich bietet einem der MIT App Inventor bereits viele wichtige Konzepte dafür, aber so ist man flexibler und kann vor allem eigene Klassen ergänzen.

Treppenhaus und Handtücher:

Collage aus Handtuch mit Aufschrift und Gewölbe-Treppenhaus

Genau so – nur etwas weniger gut erhalten – sah der Ausblick aus meiner alten Schule aus, ein sehr ehemaliges Kloster in Augsburg. Aber in diesen Hof kam man nicht hin, das gehörte dem Hausmeister. Hieß es damals immer. Und jetzt, wo ich mir das überlege, wird das wohl so nicht ganz korrekt gewesen sein, aber das fällt mir erst jetzt auf.

Ausblick auf Innenhof mit Gras

Abendessen. Das bunte rechts oben ist ein Krabbencocktail:

Tablett mit Essen

Insgesamt war das Essen der schwächste Teil der Fortbildung. Kaffee gab es nur zum Frühstück, und das bei Lehrern. Ach, die Lehrer. Die Leute, mit denen ich in der Fortbildung war, waren ganz normal. Aber so im großen Speisesaal, wenn alle Lehrer und Lehrerinnen sich versammeln, dann kommen sie mir schon komisch vor. Vielleicht sind sie nur einfach nicht mein vertrautes Kollegium. Oder man zieht sich besonders an, wenn man in Dillingen ist? Geht nur ein bestimmter Typ nach Dillingen? Vielleicht ist es auch das Ambiente, beruflich und doch außerschulisch – am Ende sind’s einfach die vielen Schwaben, die ich sonst nicht so treffe.

ILTB 2018 – Basteln mit sozialen Netzwerken

Tasche mit MNU-Logo, Kressesamen als Verlagswerbung

So mag ich meine überregionalen Fortbildungen: Einmal ohne Umsteigen mit der U-Bahn von zu Hause aus, mit der Jahreskarte vom Münchner Verkehrsnetz. Diesmal war es der Informatiklehrertag Bayern 2018, der letztes Jahr in Passau war und nächstes Jahr Bayreuth stattfinden wird.

Dieses Jahr fiel der ILTB auf die Osterferien. Denn gleichzeitig fand die – größere – Tagung des MNU statt, eines Verbandes aller mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, und in die wurde der ILTB integriert. Manche Lehrer und Lehrerinnen mag der Termin abgeschreckt haben, und ich hätte auch meine Urlaubspläne nicht geändert – aber diese Ostern bleibe ich in München, und so passte mir das gut, und viele andere Informatiklehrer und -lehrerinnen waren auch da. Aber klar, wer Kinder hat und mit denen in den Ferien Urlaub macht, der kann zu den Ferienterminen nicht kommen.

Tasche mit MNU-Logo, Kressesamen als Verlagswerbung

Vortrag

Der Tag begann mit einem Vortrag von Prof. Daniel Cremers vom Lehrstuhl für Computer Vision & Artificial Intelligence an der TUM. Das Thema: Wie 3D-Modelle der realen Umwelt für den Computer entstehen. Da gibt es wohl zwei Möglichkeiten: Man scannt die Umwelt mit einem Laser ein. Das ist wohl genau, aber teuer, und eignet sich nur für eine unbewegte Umwelt. Die andere Möglichkeit, die von Cremers verfolgt wird, besteht darin, aus Foto- und Videoaufnahmen ein 3D-Modell zu erstellen. Das ist erst einmal gar nicht so einfach, weil diese Bilder ja nur ein 2D-Abbild darstellen. Aber wie schon bei der Kinect zu sehen, kann man aus mehreren zweidimensionalen Bildern schon rekonstruieren, wie weit ein Bildpunklt von der Kamera entfernt war.

Und so kann man jetzt mit ein oder zwei Kameras zu Fuß oder mit dem Auto oder mit einem Quadcopter eine Strecke entlanggehen, -fahren oder fliegen, und hat danach ein brauchbares 3D-Modell. Wenn man eine Szene filmt, etwa für einen Film, hat man danach ein animiertes 3D-Modell der Szene, farbig, und kann dann eine virtuelle, auch bewegte, Kamera an Stellen platzieren, an denen nie eine echte Kamera war.

Workshop: Socialbotnet

Mit den beiden Workshops, die ich besuchte, hatte ich Glück; sie waren gut und behandelten Themen, die mich interessierten. Im ersten stellte Benjamin Knorr seine Zulassungsarbeit vor, an der er gerade arbeitet: Socialbotnet. Das ist eine Art Twitter im Kleinformat, das man als Lehrer als Server laufen lässt. Man kann sich über den Browser registrieren, an- und abmelden, sein Profil bearbeiten und vor allem Mininachrichten veröffentlichen und die Nachrichten anderer Nutzer liken.

Screenshot Webseite socialbotnet

Das ist aber eigentlich nur die Bedingung für das eigentliche Projekt: Die Schüler und Schülerinnen schreiben Programme (zum Beispiel in Java, unter BlueJ), die sich die aktuellen Mininachrichten vom Server geben lassen, sie eventuell auswerten und auf sie mit eigenen Kommentaren oder Likes reagieren. So etwas nennt man gerne Bot. Man kann zum Beispiel einen Bot schreiben, der sich regelmäßig alle neuen Nachrichten geben lässt und auf diejenigen, die mit „Ich bin ja kein“ beginnen, eine Antwort schreibt: „Bist du doch!“

So etwas Ähnliches habe ich auch mal für Twitter programmiert, denn die echten sozialen Netzwerke bieten genau die gleiche Möglichkeit, programmgesteuert Nachrichten zu lesen und zu verfassen und mit anderen Nachrichten zu interagieren. Das kann gut gemacht sein; ich folge bei Twitter etwa dem MythologyBot, der regelmäßig die Kategorisierung verschiedener mythologischer Motive aus dem Thompson-Index twittert. Noch surrealer ist der MagicRealismBot, der bedachtsam generierte, oft fesselnd abstruse Kurznachrichten – oder Geschichtenvorschläge? – präsentiert.

Aber natürlich kann man auch Bots erstellen, die so tun, als wären sie echte Menschen, und die gezielt auf ausgewählte Nachrichten reagieren – ob sie Falschnachrichten verbreiten oder nur Stimmung machen, sie können zur Manipulation eingesetzt werden, indem sie eine große Zahl an Menschen vorgaukeln, wo keine sind, und gezielt auf bestimmte Nutzergruppen zugeschnitten sind. Wie groß die Gefahr durch diese Bots wirklich sind und ob die Falschnachrichten eher durch tatsächliche Menschen verbreitet werden: anderes Thema.

Technischer Einschub

Ein Programm kommuniziert mit so einem Server im Internet folgendermaßen: Der Server muss erst einmal so eine Möglichkeit zur Verfügung stellen, das heißt dann API (Application Programming Interface). Wenn man zum Beispiel den Server über folgende http(s)-Anfrage aufruft, eine sogenannte GET-Anfrage, manuell oder über ein Programm:

http://localhost:30003/api/posts?limit=5 bzw. auf Benjamins Beispielserver
https://social-bot-net.herokuapp.com/api/posts?limit=5

dann erhält man eine Antwort, nämlich die letzten 5 Beiträge, die im Browser etwas unübersichtlich dargestellt werden, für den Computer aber gut lesbar sind. Häufig sind GET-Anfragen, um Informationen zu erfragen, und POST-Anfragen, um Informationen zu senden. Die genaue Form dieser API variiert von Server zu Server, und auch die Art der zurückgegebenen Daten, beliebte Formate dazu heißen XML oder JSON. Diese maschinenfreundlich formatierte Server-Antwort kann man dann mit dem Programm auswerten.

Habe ich das Programm zum Laufen gekriegt? Ja. Aber wenn man, wie ich, nicht genau weiß, was man tut, ist das gar nicht so einfach. Man muss die Software Git und die Software Maven auf dem Rechner installiert haben. Dann kann man das von der Kommandozeile aus mit zwei Zeilen Code machen. Oder man hat die Entwicklungsumgebung Eclipse installiert, die Git und Maven bereits enthält. Mit Git kopiert man das Projekt aus dem Internet auf den eigenen Rechner (das geht, weil Benjamin wie viele andere auch ihren Code auf diese Weise zu Verfügung stellt). Aber lauffähig ist das Programm dann noch nicht.

Denn ein größeres oder auch kleineres Softwareprojekt entsteht heutzutage nicht mehr dadurch, dass sich ein Team oder auch nur einer hinsetzt und von vorne bis hinten alles programmiert. Vielmehr greift man auf Teilprojekte zurückt, die bereits von anderen erstellt wurden, und baut auf diesen auf. Es muss ja nicht jeder das Rad neu erfinden. Also besteht ein Projekt aus 90% Code von anderen, fremden, Leuten, zu denen 10% eigener Code kommen. Wenn ich den Code meines Projekts jetzt online stelle (und nicht nur das fertige, ausführbare Progamm), damit andere damit arbeiten können, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Ich stelle meine 10% online, und die 90% Fremdcode ebenso. Das macht Arbeit.
  • Ich stelle meine 10% Code online, und vermerke, welche 90% fremde Packackes nötig sind, damit mein Projekt funktioniert. Wer mein Projekt nutzen will, besorgt sich einfach diese 90% von anderswo her. Vielleicht hat er oder sie ja eh schon Teile davon.
  • Es wäre ziemlich umständlich, sich von Hand diese fehlenden Programmteile herunterzuladen. Also gibt es wieder Software, die das für einen tut, so dass ich zu den 10% heruntergeladenem Code sagen kann: Besorge mir bitte die 90% fehlenden Code. Ein solches System, das natürlich noch viel mehr kann, heißt Maven, und das wurde bei diesem Projekt benutzt.

Fazit für den Einsatz in der Schule:

  • Tolle Idee, gutes Design. Inhaltlich sehr interessant für die Schule, zur Zeit 10. oder 12. Klasse.
  • Wenn das Produkt ganz und gar fertig ist, hätte ich gerne das vollständige Programm als Download, nicht unbedingt den Code selber, sondern vor allem die ausführbaren Dateien. Das gibt es noch nicht.
  • Ich habe das Projekt auch nur unter Eclipse zum Laufen gekriegt und nicht von der Kommandozeile aus, das macht den Einsatz in der Schule einen Tick schwerer, aber geht schon. Irgendwann kriege ich das auch mit der Kommandozeile hin.
  • Die Änderungen an der Datenbank noch nicht gespeichert, sondern bei jedem Neustart wird der – allerdings veränderbare – Ausgangszustand wiederhergestellt. Wäre anders schöner, ist aber kein großes Problem.
  • Lieber wäre mir Software in PHP, die ich auch auf meinem gemieteten Server und damit im Internet laufen lassen könnte (auf dem ich keine Java-Programme installieren kann), aber für den Computerraum geht es auch so – vorausgesetzt die Windows-Firewall blockiert das nicht, wie an meiner Schule.

Workshop: InstaHub

Im zweiten Workshop stellte Julian Dorn sein Projekt InstaHub.org vor. (Für das ähnliche Vorgängerprojekt hat Julian 2017 den Preis der GI – Gesellschaft für Informatik – erhalten.) InstaHub ist ebenfalls ein soziales Netzwerk, angelehnt an Instagram. Man arbeitet aber nur im Browser damit, es gibt keine API, um von außen darauf zuzugreifen. Auf der Webseite kann man sich registrieren, an- und abmelden, ein Profil ausfüllen, und Bilder veröffentlichen und verschlagworten – und die Bilder der anderen Benutzer anschauen und mit einem Like-Sternchen versehen. Es geht aber gar nicht darum, dass man das macht; das Netzwerk ist von Anfang an bereits mit 200 Nutzern gefüllt und mit hunderten von Bildern.

Screenshot InstaHub

Vielmehr ist jede Schülerin der (alleinige) Administrator des eigenen InstaHub-Systems. Jeder Schüler kriegt also sein eigenes Netzwerk, das unabhängig von den anderen funktioniert. Als ein solcher Administrator hat man Zugang zur Rückseite des Netzwerks, sozusagen, und zwar insbesondere auf die Datenbank, in der (fast) alle Daten von InstaHub verwaltet werden. Die Datenbank ist vom im Web verbreiteten Typ MySQL, und man kann in der Datenbanksprache SQL – Stoff der 9. Jahrgangsstufe Informatik in Bayern – Anfragen stellen, also etwa:

select name from users where city = 'München' and gender = 'male'

Nach und nach können die Schüler und Schülerinnen weitere vorgegebene Tabellen anlegen (mit Bildern, Kommentaren) und automatisch befüllen und damit komplexere Anfragen über mehrere Tabellen durchzuführen. Außerdem können sie als Administratoren die Inhalte der Datenbank bearbeiten – Nutzer löschen, ihr Passwort ändern oder einsehen (allerdings in gehashter Form, also nicht im Klartext gespeichert), Beiträge der Nutzer ändern, was man als Admin halt so kann, aber nicht sollte.

Habe ich das Programm zum Laufen gekriegt? Ja und nein, wie oben. Mit Git das Projekt aus dem Repository geklont, dann die 90% fehlenden Programmteile hinzugeladen – diesmal nicht mit Maven, sondern mit dem PHP-Äquivalent Composer. Nach Beseitigung meiner Tippfehler problemlos – im Nachhinein ist das alles leicht, wenn man erst einmal weiß, was das ist, was man gerade tut. Allerdings ist das Programm für den Einsatz auf einem echten Webserver gedacht, mit vollem Zugriff auf das benutzte MySQL-Datenbanksystem. Das schließt leider aus, dass das Programm auf meinem billigen gehosteten Server läuft, denn auf die MySQL-Datenbank dort habe ich keinen vollen Zugriff, sondern habe nur 1 Benutzer auf 1 Datenbank, und kann nicht automatisiert weitere Benutzer und weitere Datenbanken erstellen.

Also lasse ich das Programm nicht auf einem echten Server im Web laufen, sondern lokal auf dem Windows-Rechner zu Hause. Dazu muss man einen MySQL-Server installieren, und einen Webserver, und die Sprache PHP, in der viele Programme fürs Web geschrieben sind. So etwas gibt es glücklicherweise vorkonfiguriert unter dem Stichwort XAMPP. Nur gibt es dann immer noch zwei Probleme: Erstens habe ich mit XAMPP vorerst keine Domain oder Subdomain; die Webseite ist vielmehr unter der Adresse http://localhost oder http://127.0.0.1 erreichbar. Aber damit sind keine Subdomains möglich, und die verlangt InstaHub – jeder Schüler kriegt sein eigenes kleines Netzwerk unter einer eigenen Subdomain, also etwa fuhse15.instahub.grg. Aber auch das ist unter Windows möglich, dazu muss man in einer kleinen Textdatei im Windows-Ordner ergänzen, dass Browseranfragen an instahub.grg („GRG“ ist der Name meiner Schule) umgeleitet werden sollen nach 127.0.0.1. Dann kann ich auch tatsächlich einfach http://instahub.grg in den Browser eingeben, obwohl es diese Adresse im Web gar nicht gibt, und lande bei 127.0.0.1, also letztlich dem Webserver unter XAMPP. Leider bringt mir das für die Schule nichts: Zum einen kann ich da nicht in die Windows-Systemdateien eingreifen, zum anderen müsste ich jede mögliche Subdomain von Hand in diese Textdatei eintragen.

Leichter zu lösen ist das zweite Problem, dass der öffentlich zugängliche InstaHub-Ordner logisch auf der obersten Webserver-Ebene und nicht in einem Unnterverzeichnis liegen muss, wie es tatsächlich der Fall ist. Das lässt sich aber durch eine Konfigurierung des XAMPP-System anpassen. Und dieses XAMPP-System kann ich auch in der Schule laufen lassen.

Also werde ich in den sauren Apfel beißen und mir einen ordentlichen Webserver mieten müssen. Denn ausprobieren will ich InstaHub (das dann natürlich InstaMeineSchule heißen würde) schon.

Fazit für den Einsatz in der Schule:

  • Zur Didaktik wieder nichts, weil mir da viel einfällt.
  • Sehr schön: das Design. Mir selber würde es reichen, wenn es auf einer strukturellen Ebene Instagram und dergleichen entspricht, aber angenommen werden solche Projekte von vielen Schülern und Schülerinnen nur dann, wenn sie auch gut aussehen.
  • Lieber wäre mir, wenn eine einzelne Datenbank ausreichen würde. Aber das wäre sehr unpraktisch, umständlich, fehleranfällig und von der Leistung her ungünstig, okay, okay.
  • Installation: Auf einem echten Webserver sicher leichter zu installieren, aber unter Windows kann man – leider nicht für den Schulbetrieb – das ganze schon einmal ausprobieren. Julians Installationsanleitung ist verständlich und man kommt damit auch als verhältnismäßiger Laie zurecht.
  • Man kann auch Julians Server dazu benutzen, muss sich dazu nur bei ihm als Lehrer melden, dann gibt er einem Lehrerrechte auf seiner instahub-Installation, und als Lehrerin wiederum kann man die sich zugeordneten Schüler und Schülerinnen und deren Datenbanken verwalten.
  • Trotzdem erfordert das Eingewöhnungszeit, aber dann kann man schöne Sachen damit machen.

Wieder was gelernt, bei der Fortbildung, und vor allem danach, beim Ausprobieren. Fachliche Fehler sind nicht ausgeschlossen, ich habe viel zusammengefasst und möglicherweise falsch.

Wilde Woche, weiterhin (und Thomas Pynchon, Lot 49)

Bogenschützen beim Schießen

Montag

Nachmittags Fachsitzung Englisch, Informationen zum LehrplanPLUS. Fazit: Für Englisch keine Änderungen, das Fach war eh schon kompetenzorientiert. Es gilt weiterhin der SBR (spezielle bayerische Referenzrahmen für Sprachen), der an den GER (gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen) angelehnt ist, aber zusätzliche Stufen kennt – hier der Blogeintrag zur Faustregel, anhand derer man sich merken kann, in welchen Jahrgangsstufen A1, A1+, A2, A2+ und so weiter erreicht sein sollen.

Englischunterricht scheint mir inzwischen weitgehend reduziert zu sein auf ein: Englisch verstehen und sprechen und lesen können. Vielleicht ist das auch okay. In meiner Studienzeit wurde in der Fachdidaktik thematisiert, warum am Gymnasium der Englischunterricht traditionell mehr war als ein einfacher Sprachkurs – ob das Standesdünkel war oder Bildungsanspruch, ist eine andere Frage. Deswegen Shakespeare, Elisabethanisches Weltbild, beides noch drin im Lehrplan, ja. Aber die Zeiten, als ich im Leistungskurs Zeit für den Great Vowel Shift hatte, sind vorbei.

Dienstag

Den ganzen Tag in Feucht bei Nürnberg gewesen als Begleiter unseres Schulteams zu den Bayerischen Schulmeisterschaften im Bogenschießen, so wie letztes Jahr.

Bogenschützen beim Schießen

Wunderschönes Wetter. Ansonsten siehe letztes Jahr.

Mittwoch

Nach dem Unterricht Treffen einer der Schulentwicklungsgruppen, mal sehen, ob dieses Schuljahr noch etwas geht, ansonsten nächstes Jahr. Danach wie jeden Mittwoch die Vorlesung Informatik; leider fährt die Straßenbahn zur Zeit nicht von meinem Wohnort aus durch, so dass ich doch lieber die – schnellere – U-Bahn/Bus-Kombination nehme. Mir entgehen dabei halt die vielen Pokestops, die ich sonst bei der gemächlichen Straßenbahnfahrt mitnehmen kann. Thema der Vorlesung diesmal. Informatik udn Gender.

Donnerstag

Titelbild Thomas Pynchon: The Crying of Lot 49Abends Treffen der Leserunde bei Frau Rau und mir. Es gab kalten Wurst- und ebensolchen Zucchinisalat, beides ausgesprochen lecker, dazu Käseplatte. Das Buch, das wir diesmal gelesen hatten, war The Crying of Lot 49 von Thomas Pynchon. Leider war ich der einzige, der viel über das Buch reden wollte. Ich hatte es schon vor fünfundzwanzig Jahren im Regal stehen, zusammen mit Gravity’s Rainbow, und war bei beiden Büchern nie weit gekommen.

The Crying of Lot 49 erschien 1965 und ist ein waschechter postmoderner Roman; ich hatte nicht gewusst, dass das schon so früh losging mit der Postmoderne. The Shaodw wird zitiert auf den ersten Seiten, Perry Mason, Fu Manchu, Bonanza, „Road Runner in blank verse“ heißt es zu irgendeinem Thema, und das ist ja die Postmoderne. Stilistisch und sprachlich konnte ich dem Buch wenig abgewinnen, ausgenommen vielleicht das eingebaute und großzügig zitierte (fiktive) elisabethanische Drama, alles in Blankvers. Inhaltlich ist das Buch schon eher mein Ding: Paranoia, Geheimgesellschaften, Weltverschwörungen; die Welt bricht um die – allerdings gar nicht so bürgerliche – Hauptperson zusammen. Das Buch ähnelt darin dem zuvor gelesenen Philip K. Dick, Time Out of Joint. Und das wiederum hatte Gemeinsamkeiten mit Gravity’s Rainbow, aber die sah vielleicht nur ich. Geschichte und Fiktion werden gemischt, reale Geheimgesellschaften treffen sich mit erfundenen. Und das ist interessant einmal wegen der vielen Verschwörungstheorien der letzten sechzehn Jahre – Kondensstreifen und Identitäre Bewegung und all die ganzen Spinner. Hintergrund des Pynchon-Buchs ist die Kommunistenhatz der 1950er Jahre, die von der Regierung angeordnete Fluoridisierung des Trinkwassers, die schon in Dr. Strangelove als Anlass für Verschwörungstheorien herhalten muss. Eine Auswirkung all dessen, vielleicht von Pynchon beeinflussst, vielleicht nicht, aber auffallend ähnlich, ist die berühmte Illuminatus!-Trilogie von Robert Shea und Robert Anton Wilson, 1975 erschienen. Ähnlich wie Pynchon, aber deutlicher, ist das eine Parodie auf all das.

Verwandte Blogeinträge dazu:

– Als ich bei Twitter etwas über Pynchon twitterte, wurde das gleich von einem Pynchon-Kanal geliked, der das Stichwort wohl abonniert hatte. Über den Kanal stieß ich zu einem Alternative Reality Game zu The Crying of Lot 49, das zur Zeit in Shoreham bei Brighton, meiner englischen Urlaubsgegend, gespielt wird.

Freitag

Seit 2009 bin ich regelmäßig Anfang Juli am Tag der Informatiklehrer und -lehrerinnen an der LMU München. Fünf Jahre lang als Mitorganisator, dieses Jahr nur mehr als Workshopleiter – ich stellte mein Storyworld-Projekt vor (Blogeintrag dazu).

Der Eröffnungsvortrag war von irgendwem über Calliope, einen gerade viel diskutierten Mikrocontroller, entwickelt für die Grundschule. Der „irgendwer“ als Vortragender erzählte dann von seiner kleinen Tochter, einem großen Merkel-Fan, und da dachte ich mir: das kennst du doch irgendwer. Kurze Recherche bei Twitter: der Vortragende war niemand anderes als der Herr Holadiho, mir seit vielen Jahren über Blog und Twitter ein Begriff. Aber wer merkt sich denn schon, dass die Leute echte Namen haben, in diesem Fall „Stephan Noller“? Über Frau Rau, auf Twitter und in Blogs aktiver als ich, kriegte ich immer wieder mal etwas von @holadiho mit. Die Anekdote mit der Tochter, die Merkel so schätzt, war allerdings eine Fehlerinnerung: Eine andere Blog-/Twitter-/Re:publica-Bekannte von Frau Rau war es, deren kleiner Sohn so ein großer Merkel-Fan ist.

Calliope: Sah übrigens sehr, sehr fein aus.

Jetzt Feierabend. Am Wochenende Korrekturen.

ILTB 2017 in Passau

Passau Uni Außengelände

Ach! Am Anfang der Woche war ich in Passau auf dem 10. ILTB, das ist der Tag der Informatiklehrerinnen und -Lehrer). Das ist ein inzwischen jährlicher Fortbildungstag, der ursprünglich rotierend von den verschiedenen Unis ausgerichtet wurde – einmal habe ich das mitgekriegt, kurz bevor ich an die LMU ging, und diese Organisation ist so viel Arbeit, dass eine Uni allein das nur mit Anstrengung stemmen kann. Die Informatikabteilungen sind ja oft sehr klein. Inzwischen teilen sich die Organisation eine Universität, die Gesellschaft für Informatik, und die jeweilige regionale Lehrerfortbildung, also der Fachreferent oder die Fachreferentin für Informatik für den Regierungsbezirk. Und das klappt wohl sehr gut, jedenfalls sind die ILTBs tadellos organisiert und immer sehr interessant.

2009 war ich auf meinem ersten, noch vor meiner Unizeit, als Referent, und habe darüber gebloggt. Seitdem war ich tatsächlich jedesmal dabei, meist auch als Referent. Ich fahre stets mit gemischten Gefühlen hin, weil ich ohnehin ein wenig ein Stubenhocker bin (oder sagen wir, weil ich mich zu Hause sehr wohl fühle und sehr gerne Zeit mit Frau Rau verbringe) und weil mich wie ein Hochstapler fühle. Ist mein Workshop verständlich? Sinnvoll? Habe ich – so ist das mit Gästen – zu viel aufgetischt oder zu wenig, so dass sie intellektuell hungrig nach Hause gehen müssen? Außerdem sitzen da lauter wichtige Leute, die sich alle kennen, und echte Informatiker, die noch dazu wirklich schlau sind. Ein bisschen bin ich ja doch stereotyper Nerd, weil ich sozial eher zurückhaltend bin und ungeschickt, bis ich – nach langer Zeit – endlich auftaue. Im Klassenzimmer übrigens nicht, da bin ich ganz Rampensau.

Schild Workshop

Inzwischen – darf ich’s wagen? – fühle ich mich ein bisschen zugehörig zu der Gruppe dieser Leute, die sich alle kennen. Als ich aus dem Bahnhof ausstieg und mich hilflos auf der Karte meines kleinen Tablets zu orientieren versuchte, fragte mich gleich ein vorbeikommender Passant, ob ich der Herr Rau sei, und half mir zu meinem Hotel zu kommen. (Ein Leser meines Blogs und ILTB-Referent, der zufällig des Wegs kam. Das war lustig.)

Passau Uni Außengelände

Passau ist übrigens sehr schmuck. Zum Pokémonsammeln bin ich aber kaum gekommen – Bahnhof, Hotel, abendliche Pizzeria und Uni waren jeweils so gut fünf Minuten von einander entfernt, da bin ich gar nicht zum Spazieren gekommen.

An Anregungen habe ich wieder sehr viel mitgenommen. Ein Blatt, wild bekritzelt mit Stichworten und Links, zu allen möglichen informatischen und anderen Themen, das ich jetzt am Wochenende in den Computer sortieren werde. So mache ich das immer mit meinen Notizen, das sind stets Blätter oder Zettel mit Kritzeleien darauf. Gestern habe ich schon die Kinect des Kollegen mit Scratch verbunden und mit Schülern ein bisschen herumprobiert, das wird gleich das nächjste Projekt.

Außerdem ist es doch immer weider schön, Leute zu treffen. Zwei, die ich seit meinem Studium nicht mehr gesehen habe, andere aus meiner Unifrühzeit, und auch die, die ich jedes Jahr am ILTB sehe. Ich freue mich schon auf 2018.

Informatiklehrertag Bayern 2016, Erlangen (und Sonstiges)

Ich habe mir wieder Anregungen geholt bei einer Fortbildung. Kaffee gab es schon vor dem Eröffnungsvotrag, eine ganz wichtige Sache, finde ich. Nach dem Vortrag war dann eine kurze Schlange sowohl beim Kaffee als auch bei den Toiletten. Jedenfalls bei den Herren – Informatikveranstaltungen dürften einige der wenigen Gelegenheiten sein, bei denen man tatsächlich bei den Damentoiletten weniger lang warten muss als bei den Herren.

Michael Koelling ist der Kopf hinter BlueJ und Greenfoot, zwei sehr verbreiteten und miteinander verwandten Java-Entwicklungsumgebungen für Anfänger, die in Bayern am Gymnasium äußerst verbreitet sind. Er stellte im Eröffnungsvortrag ein tolles neues Feature von Greenfoot (und bald auch BlueJ) vor und plädierte dafür, erst mal machen zu lassen, statt alles bis ins Detail zu erklären. Das heiße auch, dass das in Deutschland gering geschätzte „nur programmieren“ positiver gesehen weren solle. Die Informatikdidaktik in Deutschland betont nämlich sehr (letztlich wohl auch, um den Allgemeinbildungsanspruch des Fachs zu verteidigen), dass es in der Informatik eben keinesfalls ums Programmieren geht, sondern um anderes, etwa das Modellieren. Und das stimmt ja auch. Aber wenn man etwas früher mit dem Programmieren anfinge, finde ich, würde das Modellieren später mehr Sinn machen.

Selber war ich in einem Workshop zum Arduino, scherzhaft informatishes Töpfern genannt: weil es da darum ging, mit Drähten zu arbeiten und Sensoren und Motörchen und so. Das liegt mir selber überhaupt nicht, mir reicht Text zur Ein- und Ausgabe völlig. Aber für die Schüler möchte ich die physikalischere Informatik ja auch anbieten können, also muss ich das auch mal selber ausprobieren. (Drähte. Dioden. Masse. Das ist doch Physik.)

Eine Lehrerin erzählte von ihrem bilingualen Unterricht. War dann aber doch nicht das, was ich dachte, sondern Java und Scratch parallel, also zwei Programmiersprachen.

Überstundenstand der letzten zehn Tage: 5, kommende Woche noch 4 dazu.

Fortbildung LehrplanPLUS

Heute war ich den ganzen Tag auf einer Fortbildung für die Fachbetreuer Deutsch. Es ging um die anstehende Einführung des neuen Lehrplans (https://www.lehrplanplus.bayern.de). Wie man der Webseite entnehmen kann, ist sie für alle Schularten in Bayern gedacht; ob eine davon federführend war, weiß ich nicht – aber wie kann man heutzutage noch ernsthaft auf einer hochoffiziellen Schulwebseite Comic Sans verwenden? Um Tafelschrift nachzuahmen?

Was der Unterschied zwischen den Kompetenzen „Texte planen und schreiben“ und „über Schreibfertigkeiten bzw. -fähigkeiten verfügen“ wurde mir zwar in einem Satz erklärt, aber nicht so, dass ich ihn verstanden hätte. Es geht jedenfalls nicht um „richtig schreiben“, das ist eine dritte Kompetenz.

Manche der Änderungen sind nur kosmetisch, muss halt sein. Statt „Beachten von Umgangsformen und Gesprächsregeln: zuhören“ heißt es jetzt ausführlicher: Die Schülerinnen und Schüler „hören ihren Gesprächspartnern aufmerksam zu, um Aussage und Intention zu erfassen und Wertschätzung auszudrücken“.
Andere Änderungen haben tatsächlich Folgen, aber über die muss ich noch nachdenken.

Schwierig ist das weiterhin mit dem Adressatenbezug und der Kontextuierung von Aufsätzen. Das beste ist sicher, echte Schreibanlässe aufzugreifen, wenn sie sich bieten. Vermeiden würde ich selber das, was ich vor allem vom Englischunterricht her kenne: Stell dir vor, du schreibst für die Schülerzeitung…. Du bist Austauschschüler in England und erklärst deinen neuen Mitschülern… Für die Homepage der Schule schreibst du einen Artikel… Du schreibst einen Brief an die Schulleitung… da fühlen sich die Schüler doch veräppelt. Nein, entweder ganz ohne simulierten Adressaten (klassische Inhaltsangabe, Erörterung) oder die Schülerinnen sollen sich in die Rolle von erwachsenen Schreibern versetzen. Bei Erzählungen in der Unterstufe verlangen wir auch nicht, dass die Schüler erzählen, was ihnen – in den Ferien etwa – Spannendes widerfahren ist. Und dann sollen sie auch nicht ihren Eltern gegenüber schriftlich begründen müssen, warum sie mehr Taschengeld brauchen.

Bei einigen Kollegen war der Wunsch nach mehr Austausch da, das ging aber nicht so weit, dass man einen E-Mail-Verteiler errichten würde; ich habe es gar nicht erst vorgeschlagen. Aber ohne wird’s Austausch nicht geben.

Fünf Tage ohne Kamm

Ich bin gerade in Darmstadt. Ich war schon mindestens einmal in Darmstadt, 1984, glaube ich. Das war auf Burg Frankenstein, mit Übernachtung im Zelt, ein Treffen eines Clubs, der aus historischen Gründen Fantasy-Department hieß. Oder so. Auf dem Bild bin ich rechts in der Mitte:

Und wir spielen gerade DSA. In Darmstadt habe ich auch zum ersten Mal Kingmaker gespielt, und Civilization, bei einem Besuch bei Herrmann Ritter.

— Dieses Mal war ich die ersten zwei Nächte in einem Naturfreundehaus im Wald unter lauter Informatikdidaktikern, als Teil einer kleinen Arbeitsgruppe. Das war ein bisschen so ähnlich. Geradezu gerührt hat mich, dass wir WFF N PROOF gespielt haben. Das ist ein obskures kaum spielbares Logikdenkspiel, für das ich zum letzten Mal vor fünfundzwanzig Jahren Mitspieler gefunden habe. Damals kannte ich noch keine Informatiker. Das Spielen ging jedenfalls richtig gut.

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Am letzten Tag kam die Dame, die sich um das Haus kümmert, kurz vorbei fragte in den Raum, ohne die Gruppe tatsächlich zu kennen, ob vielleicht jemand da sei, der ihr bei einem Problem mit dem Smartphone helfen könne. Schweigen. Eine schwierige Frage für einen Raum voller Informatiklehrer. Wenn man sich nicht auskennt, ist das nicht gut, wenn man sich zu gut auskennt, auch nicht. Das ist ja keine Informatik. Und vorpreschen will man auch nicht. Nun, wir haben es dann ohnehin nicht weit gebracht mit unseren Hilfeversuchen. Aber Schokolade kriegten wir dafür.

Inzwischen bin ich in einem Hotel und nicht mehr im Wald. Jetzt ist nämlich gerade die Informatikdidaktiktagung, wegen der ich hier bin. Gestern abend Essen und Spieleabend mit fremden Menschen, heute Vorträge und Workshop, morgend auch wieder, und ein Konferenzdinner — da habe ich mir den Abend frei genommen, um mal allein sein zu können. Vom Griechenlandurlaub her habe ich noch genug Mitmenschenerfahrung mitgenommen, das reicht dann immer wieder mal.

Inhalte der Vorträge und zur Rolle des Netzwerkens: Vielleicht später mal, wenn ich nicht auf dem Tablet tippen muss.

PS: Kamm zu Hause vergessen. Habe jetzt Ansätze zu schütterer, aber erkennbarer wuseliger Informatikermähne.

Tag der Informatiklehrerinnen und -lehrer 2015 (und PGP/Verschlüsselung)

Gestern war der Tag der Informatik 2015. Das ist eine Fortbildungsveranstaltung für Informatiklehrerinnen und -lehrer aus Bayern, die seit 2005 an der LMU stattfindet. Das deckt sich ungefähr mit der Einführung des Pflichtfachs Informatik. 2009 war ich wohl zum ersten Mal als Teilnehmer dabei, seit 2012 bin ich im Organisationsteam. Und Organisieren ist etwas, bei dem ich mich eigentlich gar nicht wohl fühle. Ich mache mir immer viel zu viel Sorgen, was alles daneben gehen könnte. Über die Jahre werde ich immer eher neurotischer – bei Zügen bin ich gerne so extrafrüh dran, dass mit Frau Rau diplomatische Verhandlungen über den exakten Zeitpunkt des Wohnungsverlassens geführt werden müssen, bei Eltern-Lehrer-Treffen schreibe ich mir die Nachnamen der Eltern, die ich kennen müsste, vorher auf einen Zettel. (Frau Rau nennt das „professionell“, ich bleibe bei „neurotisch“.)

Workshops zu leiten, damit habe ich keine Probleme, und da bin ich auch nicht nervös. Ich bilde mir ein, gut erklären zu können: Wenn ich etwas erst einmal verstanden habe, was keinesfalls besonders schnell geht, dann fallen mir dazu Beispiele, Metaphern, Möglichkeiten zur didaktischen Reduktion ein, mit denen ich sehr zufrieden bin. Schwierig ist dann immer nur, für das meist doch recht heterogene Publikum den geeigneten Schwierigkeitsgrad zu treffen.

Andersrum übrigens auch: Wenn ich etwas verstehen will, lasse ich mir das gerne erklären. JavaFX zum Beispiel, mit dem man Benutzeroberflächen für Java-Programme gestaltet. Bisher nehme ich immer noch Swing, und vielleicht ist das für die Schule auch die bessere Wahl, aber JavaFX ist die aktuelle Lösung. Aber ich habe keine Lust, Tutorien zu lesen oder anzuschauen, weil ich weiß, dass es viel effizienter ginge, wenn mir einfach mal jemand in einem Workshop erklären und zeigen würde, wie das geht.

Mein Workshop ging übrigens um Verschlüsselung, hier die Folien:

https://www.herr-rau.de/wordpress/archiv/KryptoPraesentation_TdI.pdf

In der Praxis haben wir zuerst mit einem JavaScript-Programm im Browser und vorbereiteten Schlüsseln ent- und verschlüsselt, dann mit dem Browser-Plugin „Mailvelope“ (für Chrome oder Firefox), dann mit dem Thunderbird-Addon „Enigmail“. Erst ein paar Tage vorher eingefallen war mir, dass ich die zwei E-Mail-Adressen für Bob und Alice auf meine eigene weiterleiten lassen konnte, wo sie semi-automatisch entschlüsselt und im Klartext bei WordPress und Twitter veröffentlicht werden. So quasi als Twitterwall, wo man die Ergebnisse der Probemails auf einer Seite sieht. Das lässt sich sicher noch optimieren, aber diese Art der Feedback-Veröffentlichung werde ich in Zukunft wieder nutzen.

Jetzt erst mal wieder Alltag Schule, da geht’s auch gerade heiß her.

ILTB 2015 in München

Letzte Woche war ich wieder mal auf Informatiklehrer-Fortbildung, dem 8. Informatiklehrerinnen und -lehrertag Bayern, diesmal in München, organisiert von der TU und der Gesellschaft für Informatik. Konferenz-WLAN gibt es inzwischen immer, offizielle Hashtags noch nicht. Ich war der einzige, der es mal mit #iltb2015 versucht hat. Das ist okay: erstens sind Informatiklehrer keine großen Twitterer, und zweitens gab es während des Tages genug zu tun. Twittern von einer Veranstaltung dieser überschaubaren Größe dient ohnehin nicht der Kommunikation untereinander, sondern kann eigentlich nur den restlichen Twitter-Teilwelten mitteilen, dass es diese Veranstaltung gibt. Insofern wär’s irgendwann mal doch nicht blöd…

Mein Favorit war der Vortrag „Inklusion und Informatik“ von Dino Capovilla. Sein Forschungsschwerpunkt ist Informatik-Unterricht für Blinde und Sehbehinderte. Der Vortrag gab nur einen kurzen Einblick, das war der Situation und dem Publikum angemessen: Ein Überblick über Inklusion („Minenfeld“, „kein wissenschaftlich fundiertes Konzept“), über die Meinungen von Lehrern dazu, mögliche Auswirkungen verschiedener Ausprägungen davon auf das Schulsystem. Capovilla hat seine eigene Meinung durchscheinen lassen, aber darauf hingewiesen, dass es ganz unterschiedliche Antworten zu allen Fragen gibt, auch bei den Behinderten. Schwierig für die Forschung sei allerdings die heterogene und kleine Zielgruppe.

Zwei Kerngedanken gab es zum Mitnehmen: „Atypische Situationen möglichst vermeiden“ – solche gebe es durch Unterrichtsmethoden und Medien, durch erhöhte Aufmerksamkeit und auffällige technische Unterstützung. Es soll so wenig Sonderrolle geben wie möglich.
Das geht zweitens – bei Sehbehinderten – schon mal nicht, wenn Bilder gezeigt werden oder Filme, oder wenn in der Informatik die Datenstruktur Baum mit einem, ja, Baum und seinen Verzweigungen verglichen wird. Veranschaulichung ist ein Kerngedanke jeglichen Unterrichts, vielleicht ein bisschen weniger zentral in den Sprachen, sicher mehr in MINT-Fächern. Aber Anschaulichkeit müsse nicht immer über Bilder laufen, zumal es – einer nicht repäsentativen Untersuchung nach – ohnehin viel weniger visuelle Lerntypen gebe als man vermute. (Selber halte ich ja eh nicht viel von Lerntypen.) Vielleicht profitieren ja auch andere Schüler davon, wenn man dazu gezwungen wird, sich andere – haptische, enaktive – Methoden der Veranschaulichung einfallen zu lassen.