Dillingen 2018

Die letzte Woche war ich in Dillingen an der Donau auf Fortbildung. Dort gibt es die Akademie für Lehrerbildung und Personalführung. In einem früheren Blogeintrag habe ich ausführlich erklärt, was das ist.

Ich glaube, ich könnte mir das angewöhnen – eine Woche Fortbildung im Herbst. Ich kann länger schlafen als zu Hause (zumindest ein wenig) und komme am Abend zum Korrigieren (wenn ich nicht ausgehe oder in den Akademiekeller gehe, aber das bin ich nicht). Dafür habe ich den pädagogischen Tag an meiner Schule verpasst, der am Buß- und Bettag stattfindet, weil die Schüler und Schülerinnen da frei haben und die Lehrer und Lehrerinnen dafür einen Tag arbeiten müssen. Das muss nicht dieser Tag sein, aber der bietet sich an; lange Geschichte. Es mag sicher irgendwo pädagogische Tage geben, bei denen ich es schade finden würde, nicht dabei sein zu können. Aber bis dahin taugt mir der Termin.

In fast allen Bundesländern gibt es etwas, das Bildungsurlaub heißt – bis zu fünf Tage Urlaub im Jahr zur politischen oder beruflichen Bildung. Die Bundesrepublik hat sich 1974 verpflichtet, das einzuführen (sagt Wikipedia), aber wie das mit der Kulturhoheit der Länder ist: Bayern macht da nicht mit.

Dann eben so. Das Thema war Androidprogrammierung in Java, ein Thema, bei dem ich schon einige Vorkenntnisse hatte. Aber ich wusste, dass ich so oder so Zeit bekommen würde, vor mich hin zu programmieren, und da lerne ich am besten. Allerdings brauchte ich schon eine Einführung: Ich habe einfach keine Lust, über Tutorials oder gar – horribile dictu – Videos im Web mich in etwas einzuarbeiten.

Gelernt habe ich viel. Jetzt kann ich das so, wie ich möchte. Tatsächlich bietet einem der MIT App Inventor bereits viele wichtige Konzepte dafür, aber so ist man flexibler und kann vor allem eigene Klassen ergänzen.

Treppenhaus und Handtücher:

Collage aus Handtuch mit Aufschrift und Gewölbe-Treppenhaus

Genau so – nur etwas weniger gut erhalten – sah der Ausblick aus meiner alten Schule aus, ein sehr ehemaliges Kloster in Augsburg. Aber in diesen Hof kam man nicht hin, das gehörte dem Hausmeister. Hieß es damals immer. Und jetzt, wo ich mir das überlege, wird das wohl so nicht ganz korrekt gewesen sein, aber das fällt mir erst jetzt auf.

Ausblick auf Innenhof mit Gras

Abendessen. Das bunte rechts oben ist ein Krabbencocktail:

Tablett mit Essen

Insgesamt war das Essen der schwächste Teil der Fortbildung. Kaffee gab es nur zum Frühstück, und das bei Lehrern. Ach, die Lehrer. Die Leute, mit denen ich in der Fortbildung war, waren ganz normal. Aber so im großen Speisesaal, wenn alle Lehrer und Lehrerinnen sich versammeln, dann kommen sie mir schon komisch vor. Vielleicht sind sie nur einfach nicht mein vertrautes Kollegium. Oder man zieht sich besonders an, wenn man in Dillingen ist? Geht nur ein bestimmter Typ nach Dillingen? Vielleicht ist es auch das Ambiente, beruflich und doch außerschulisch – am Ende sind’s einfach die vielen Schwaben, die ich sonst nicht so treffe.

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15 Thoughts to “Dillingen 2018

  1. Dillingen ist einfach der „It-Place“ für bayrische Lehrerkräfte, egal ob sie Sakko, Kostüm oder Strickpulli und Kordhose tragen. Während sich Arbeitnehmer, die in großen Konzernen arbeiten, in noblen Fünf-Sterne-Tagungszentren mit viel Komfort, Kaffee und Tratsch den Geist erhellen, fahren Staatsbedienstete zum Zwei-Sterne-Bildungsurlaub in die ehemalige kirchliche Akademie. Das Essen wird – da vom Steuerzahler subventioniert – nur leicht kulinarisch aufgerüscht, aber daran gewöhnt man sich. Auch an die laute Bahnhofsatmosphäre im eigentlich schönen Speisesaal gewöhnt man sich spätestens nach vier Tagen. Jedoch das Team und die Dozenten in Dillingen sind es, die den Betrieb ausmachen. Sie bringen die Frische, die gute Laune und die Abwechslung, die von am laufenden Band korrigierenden Lehrern so gewünscht wird. In diesem Sinne ist Dillingen wirklich ein Ort der Anregung, des Netzwerkens und des Lernens, denn auch Schulmeisterinnen und Schulmeister brauchen nicht nur das tägliche Bad in der Klasse, sondern auch den so wichtigen Input von außen.

  2. :) Über Dillingen habe ich in den letzten Jahren auch so meine Theorien entwickelt.
    Kann aber den Rest aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich meide in der Regel den Essenssaal, vor allem aber wegen der Lautstärke und der miserablen Akustik (Mein Tinnitus wird läuft dort zu Höchstform auf), und gehe außerhalb essen. Beim letzten Mal im September bin ich dafür an einem Abend nach Augsburg gefahren. Da war ich nämlich vorher noch nie.
    Achja, Schulleitungsfortbildungen finden im Haus C statt: besseres Wlan und Frühstück vor Ort, nicht im Essenssaal.

  3. Die Bilder der Akademie, die Handtücher: Alles so wie von den 70ern bis zu den 90ern (später durfte H. nicht mehr nach Dillingen). Gebracht haben die Aufenthalte teilweise sehr viel, vor allem der informelle kollegiale Austausch.
    Einmal gab es eine Rebellion: Plötzlich war der Rundfunk da; großes Geschrei bei den vorgesetzten Behörden und die Teilnehmer wurden zum Rapport vorgeladen.
    @tommdidomm: Ja, die Akustik im Speisesaal war stets grauenhaft. Gegenüber der Akademie gab es ein eingesessenes Gasthaus, das auch Kutteln servierte. Heute ist dort irgendein Gasthaus mit nichtssagender Speisekarte (gesehen auf der Radtour mit dem Freund im Juni).
    Ja, und das mit dem nicht gewährten Bildungsurlaub ist ein Skandal. Die Kulturhoheit der Länder gehört auf den Müllhaufen.

  4. >Dillingen ist einfach der „It-Place“ für bayrische Lehrerkräfte

    Die richtig coolen Beamten kommen allerdings nach St. Quirin: Ein inzwischen denkmalgeschütztes Landhaus aus dem 3. Reich am Tegernsee (Zeitungsartikel), Orchideen am Zimmer, Humidor im Salon unten, wo man auf der Liste im Salon ankreuzt, wie viele Zigarren man sich aus dem Humidor dort genommen hat (Santa Damian 5,70€, Churchill 4,70€; Preise von 2011). Immerhin drei Bewertungen auf Google, genau so viel wie meine Schule.

    Netzwerken: Ich habe immer wieder mal allein im schönen Speisesaal gegessen, und mich auch abends verdrückt. Tatsächlich brauchte ich wohl auch etwas Pause, und außerdem bin ich schnell übermenscht. Das nächste Mal netzwerke ich mehr, aber ich kann ja schon mein jetziges nicht pflegen.

    Gegenüber ist jetzt ein indisches Restaurant, die Beschriftung sieht ganz neu aus. – Ich frage mich, was die Dillinger so von den Lehrern halten, die regelmäßig ihre Wirtschaften heimsuchen.

    Rebellionen: Ich muss mal den „Bericht über die Vorfälle am 28.5.68“ veröffentlichen, als es einen „Aufruf zum Schulstreik durch außerschulische Personen“ an meiner jetzigen Schule gab, geschickt an die Landpolizei Fürstenfeldbruck. Er endet mit: „Einige Schüler der oberen Klassen (diese hatten gerade eine Freistunde) diskutierten noch kurze Zeit mit den Aufwieglern, gingen aber bald zum Unterricht.“

  5. In einem Podcast hieß es einmal: Heutzutage hat man keine Ausrede mehr, etwas nicht zu lernen, es gäbe für alles ein YouTube-Video…

    Was ist die Alternative zum App Inventor?

  6. >Heutzutage hat man keine Ausrede mehr, etwas nicht zu lernen, es gäbe für alles ein YouTube-Video…

    Da ist schon etwas dran. (Aber: Klavierspielen und so weiter.) Und doch stimmt’s natürlich nicht, sonst könnte ich meine Schüler und Schülerinnen einfach vor den Rechner setzen. Außerdem muss etwas schon sehr lernen wollen, um aus Videos zu lernen. Und für die Schule, rein von der Argumentation her, müsste man vergleichen, ob das Lernen am Video auch so effizient ist wie in einem Lehrgang oder im Unterricht. (Vermutlich ja.)

    DIe Alternative zum MIT App Inventor (neben dem ähnlichen Thunkable): Mit dem Eclipse-artigen Android Studio das Java zu Fuß schreiben.

  7. Zum lernen aus der YouTube:

    Prinzipiell Zustimmung. Es ist ein wenig anders, mit Vorteilen und Nachteilen. Ich denke es hängt viel vom Lernenden ab, und natürlich auch von der Qualität der Videos, die wiederum in Teilen vom Können und/oder der Ausbildung des Content Creators abhängen. Es gibt Videos von Leuten die didaktisch so schlecht sind, dass man aus ihren Videos schlecht lernt, auch wenn sie zweifelsfrei das gezeigte sehr gut beherrschen. Und auch den umgekehrten Fall gibt es.

    Ich habe sehr, sehr viel aus YouTube-Videos gelernt, in allen möglichen Bereichen. Wenn sie gut gemacht sind, dann würde ich sagen sie sind bei vielen Themen ähnlich gut wie ein Frontalunterricht in der Schule (meine bevorzugte Unterrichtsart).

    Mit den Vorteilen dass man sich ein und dieselbe Stelle an der man einfach festhängt dutzende Male anschauen kann, bei Bedarf kurz pausieren und eine zurückliegende Lektion nochmal aufschlagen, oder (wenn man z.B. ein gutes Vorwissen über einen Teilbereich hat) einfach mal vorspulen kann.

    Allerdings auch mit den Nachteilen dass Fragen schwerer zu stellen und zu beantworten sind, und dass natürlich die Lernkontrolle (man überschätzt sich ja gerne, Dunning-Kruger und so) nicht von Fachpersonal durchgeführt wird.

    Gruß
    Aginor

  8. Ich habe aus Youtube auch viel gelernt, aber eigentlich nur Sachen, die mit Ukulelespiel zu tun haben. Alles andere lief über Text – Stack Overflow, Blogeinträge und so.

  9. Die Stadt München hat ein wunderbares Fortbildungshaus in Achatswies, das mit sagenhaftem Blick und ebenso sagenhaftem Essen punkten kann. Über das PI oder über gute Beziehungen… Ich bin nächste Woche in Gars am Inn, auch so ein altes Kloster, in dem ich aber noch nie war. Ich stelle mir das ein bisschen gruslig vor, wahrscheinlich neblig und einsam…

  10. In Dillingen war ich Anfang Oktober auch auf einer mehrtägigen Veranstaltung. Würde jederzeit wieder hingehen, sehr nette Kollegen (und natürlich auch Kolleginnen), nette Unterkunft und dass das Essen der schwächste Teil der Veranstaltung war, kann ich so nicht bestätigen.
    Ich bin aber auch kein Kaffee-Trinker ;)

    LG
    Malik

  11. In Gars war ich auch schon, aber im Sommer – kein Nebel, nicht gruslig, aber natürlich Gewölbe. Den Speisesaal habe ich als 1970 in Erinnerung, aber vielleicht bringe ich das mit einem anderen Klosterbesuch zusammen. Sieben oder acht Mänche gab es damals noch, wenn ich mich richtig erinnere.

    Kein Kaffeetrinker? An einer Schule? Ist vielleicht vernünftig. Heißes Wasser für Tee gab es immer.

  12. Das Äquivalent im Nachbarländle links ist die Comburg in Schwäbisch Hall. Der Besuch (die Fortbildung *ähem*) lohnt sich nicht nur wegen der wirklich schön gepflegten Burganlage, es gibt im Städtle auch wunderbar verrückte Kunstautomaten quer in der Stadt verteilt (http://www.nurzu.de/rundgang/). Der ursprüngliche Nachbau des Shakespeare Globe wurde mittlerweile leider nach Berlin verkauft; gerade eben habe ich mal nachgeschaut: der Neubau wird 2019 eröffnet. Das ist doch mal ein lohnendes Ziel für Englischlehrer*innen:-).

  13. Was für schöne Automaten. Da würde ich auf einen Rundgang hoffen, auf dem man allen vorbeikommt. (Hat mich erinnert an das Penny Arcade Museum in Brighton, hier bei Atlas Obscura: Lauter. alte mechanische Spielautomaten.)
    An Globe-Nachbauten in Deutschland habe ich noch überhaupt nicht gedacht, da sollte ich mal schauen. Ich merke mir COmburg mal.

  14. Anfang November war ich wie jedes Jahr auch wieder in Dillingen. Da gab es auch den Krabbencocktail. Tatsächlich fand ich das Essen besser als sonst, vor allem das Frühstück hat sich sehr verbessert. Um der lauten Atmosphäre beim Abendessen zu entgehen, haben wir einmal auch den neuen Inder gegenüber ausprobiert. Essen war gut und die Atmosphäre angenehm ruhig. Jährliches Highlight in Dillingen: Der kurze Einkaufstrip zum Fabrikverkauf der Waffelfabrik, eine skurrile Mischung aus Waffeln, Oblaten und reich dekorierten Kerzen mit kirchlichen Motiven.

  15. Frühstück: Ja, das war ausgesprochen gut. Den Inder merke ich mir fürs nächste Mal, und in der Waffelfabrik war ich auch schon einmal. Aber in der Vorweihnachtszeit habe ich eh schon genug Plätzchen und dergleichen.

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