Nu, jetzt sind sie da. Also, das sind sie schon länger, sie werden nach und nach eingeführt. Wie oft machten sich Leute, die es nicht besser wissen, lustig darüber, dass Lehrkräfte an staatlichen Schulen noch keine Dienst-Email-Adressen haben – wobei das ja von Bundesland zu Bundesland verschieden ist. Und wie oft (allerdings etwas seltener) krähten Lehrkräfte danach. Also bitte, wer fragt, kriegt Antworten.
Die Dienstadressen sind nämlich unpraktisch. Das müssen sie leider auch sein. Die Dienstadressen erfüllen alle Anforderungen, was Datenschutz betrifft, die auch die Adressen etwa von Finanzbeamten erfüllen müssen. Heißt: Ich kann sie nur im Browser ansehen, sie verbleiben auf dem Server. Kein IMAP, kein Outlook, kein Thunderbird. Keine Weiterleitung an andere Adressen. Immerhin: Ich kann und darf von zuhause aus darauf zugreifen, anders als im Finanzamt, nehme ich an. Obwohl, Homeoffice. Aber keine App, keine Pushnachrichten. Mit To-do-Liste und Kalenderfunktion, schon praktisch – aber ich muss sie halt so benutzen, wie ich sie nie benutzen würde: Einmal pro Tag auf einer Webseite einloggen, schauen, ob da etwas für mich ist, beantworten, und bis zum nächsten Tag alles ruhen lassen. Datenschutzmäßig sicher ist dabei allerdings die Kommunikation unter Nutzern dieses Dienstes, also Lehrkräften – auch da darf man nicht alles kommunizieren, aber immerhin mehr als per regulärer E-Mail.
Verwenden darf ich die Dienst-E-Mailadresse nicht privat. Also, ich will das auch nicht, eben weil sie so unpraktisch ist, und zur Kommunikation mit Schülern, Schülerinnen, Eltern ist auch meine reguläre E-Mail praktischer und nicht weniger sicher, insofern E-Mail da überhaupt das richtige Werkzeug ist. Aber wie sieht es mit dem Google-Alert aus, den ich für den Namen meiner Schule erstellt habe, so dass ich sehr früh erfahre, was in der Zeitung über uns steht – ist das eine private Nutzung?
Als Nächstes kommen dann die Dienstrechner, weil alle danach gekräht haben. Die gleiche Geschichte wahrscheinlich.
Alles in allem: Vielleicht ist das ja auch sinnvoll, mehr Trennung von privat und dienstlich. Reaktionszeiten wie jetzt gibt es dann nicht, aber am Ende ist das gesund.
(Etwas peinlich, dass die Fortbildungsgeber heute nebenbei Twitter geguckt und meine Kommentare gelesen haben. Nun, war schon okay. Sie können ja auch nichts dafür.)
Nachtrag: „Mit dem dienstlichen E-Mail-Postfach bieten wir Ihnen eine datenschutzkonforme Lösung zur sicheren Kommunikation mit allen Beteiligten Ihrer Schulfamilie.“ Ist natürlich Unfug; datenschutzkonform ist das insofern, als es dem Datenschutz nicht widerspricht, solange ich keinerlei personenbezogene Daten übermittle. Im Kontakt zu Eltern ist das kein anderer Status als eine andere Adresse auch. Nur zwischen Teilnehmenden, die die Dienstmail nutzen, geht etwas mehr – aber das ist dann eine kleinere Schulfamilie (ich mag das Wort nicht) als gemeinhin gemeint.
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