In zwei Wochen sind Osterferien. In diesen zwei Wochen ist Unterricht – Wechselunterricht zwar, tageweise (epidemiologisch weniger klug), und mit Masken, aber ohne vollmundig angekündigte Tests. Nicht dass ich mir von den viel erwarte; sinnvoll wäre allein, die Schulen geschlossen zu halten.
Ich verstehe nicht, warum die Schule jetzt für diese zwei Wochen aufmachen. Natürlich wird es schön sein, Schüler und Schülerinnen zu sehen, für mich und vor allem sie selber. Aber es ist für meine Schulart pädagogisch nicht nötig und psychologisch nicht so nötig, dass das die Infektionen rechtfertigt. Der Großteil der Bürger und Bürgerinnen verlangt nicht nach Öffnungen zu den aktuellen Bedingungen, sondern nach Plänen und Perspektiven. Warum wird dann aufgemacht?
Ist es, weil es keine Pläne und Perspektiven gibt? Ich fürchte, das stimmt. Mir sind keine wirklichen mittel- oder längerfristigen Pläne bekannt.
Ist es, weil absehbar ist, dass nach den Osterferien keine Gelegenheit dazu sein wird? Lieber zwei Wochen jetzt, damit alle wenigstens kurz einander sehen, und danach die Sintflut?
Ist es, weil die Entscheider – Ministerpräsident:innen – dumm sind? Ich will das wirklich nicht ausschließen. Glauben die wirklich, dass die Bevölkerung das will? Glauben die wirklich den Scharlatanen, die meinen, das wird alles nicht so schlimm jetzt?
Ist es, weil die Entscheider die falschen Ratgeber haben, die ihre Ansicht gut verkaufen, aber natürlich nicht das Gemeinwohl im Sinn haben?
Geht es um Wahlkampf? Angst davor, dass deie Covid-Spinner alle AfD wählen? Das fällt für mich unter dumm/schlechte Beratung.
Oder ist es, weil die Entscheider mehr Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge haben? Sonstiges Geheimwissen?
In drei, vier Wochen wird es heißen: das sei nicht absehbar gewesen; wir haben nach bestem Wissen und Gewissen; wir haben auf unsere Berater gehört, die sich geirrt haben – und Verantwortung wird niemand übernehmen.
Gelesen: Gretchen McCulloch, Because Internet: Understanding the New Rules of Language. War leider nicht ganz so interessant, wie ich gedacht habe; wahrscheinlich habe ich mir anderes erwartet oder war missgestimmt. An sich nämlich schon interessant und lesenswert. Mitgenommen habe ich, zu welchen Änderungen in der Sprache die Verbreitung des Telefons geführt hat, angefangen mit Begrüßungen. Statt „Good morning!“ oder welcher Tagezeit auch immer beginnt man mit „Ahoy“ (Bell) oder „Hello“ (Edison) – beides vorher unübliche Begrüßungen, die etwas Befehlshaftes haben. – Die Etymologie scheint unklar, für das deutsche „Hallo“ wird eine alte Imperativform zu holen angegeben, und zwar war das der Anruf an den Fährman, überzusetzen („hol über“), während für das englische „hello/hallo/hullo“ eine alte Kombination von „hey“ und „lo“ genannt wird, also ein völlig anderer Ursprung.
„Hello“ hat sich dann verselbständigt und ist eine Standard-Begrüßungsformel geworden, auch wenn sie noch eine Weile den abrupten Tonfall behielt und von konservativen Sprechern abgelehnt wurde. So wie „Servus“ als Begrüßung durch Schüler:innen, das kann ich gar nicht ab.
Jedenfalls ist es mit dem Internet ähnlich: Twitter, WhatsApp, Chat führen zu neuen Umgangsformen, die von manchen Sprecherinnen voll akzeptiert, von anderen als irritierend verstanden werden. Junge Leute finden „…“ passiv-aggressiv, auch der Punkt am Satzende ist aggressiv – der unmarkierte Normalfall ist oft kein Satzschlusszeichen, sondern Leerzeile oder neue Nachricht.
Gelesen: In der Zeitung stand, dass Schüler der 12. Klasse unserer Schule einen anonymen Brief an Schulleitung (und Zeitung) geschrieben haben: Sie sind unglücklich mit dem verpflichtenden, benoteten Sportunterricht in Fußball und anderen Kontaktsportarten, weil sie einander dabei unangenehm nahe kommen, und sie bitten die Schulleitung, das auszusetzen. Das war alles völlig nachvollziehbar und gut argumentiert, meine Untersützung haben sie. Aber: a) man muss zumindest informiert sein über die formalen Vorgaben des Kultusministeriums, bevor man so einen Brief schreibt, und das klang nicht so, und b) anonym geht gar nicht. Noch dazu mit der faulsten aller faulen Behauptungen, sie hätten Angst davor, dann schlechte Sportnoten zu kriegen und ihre Abiturnote zu gefährden. Ich finde das peinlich. – Wenn nicht anonym, dann hätte es außerdem ein Interview auf der Homepage und mit der Zeitung gegeben und damit vielleicht ein wenig Wirkung.
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