Nathan-Themen (und warum und wo ist Normung notwendig?)

Gestern Schulaufgabe geschrieben, literarische Erörterung zu Nathan der Weise. Da gibt es wohl nur begrenzt viele Themen, bei teachsam.de sind Dutzende davon zusammengetragen – zu Nathan, Saladin und zu Al-Hafi.

Einige davon habe ich auch schon in Schulaufgaben verwendet.

Und auch schon welche bei Kollegen gesehen.

Wie alt manche dieser Themen im Web und auf den Klausuren wirklich sind (“Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass Lessings Drama “Nathan der Weise” 1945 auf vielen deutschen Bühnen als erstes Stück gespielt wurde?”), weiß ich durch meinen kleinen Quell unerschöpflicher Weisheit für den Deutschlehrer:

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Von der Erörterung zum Reifeprüfungsaufsatz. 3000 Aufsatzthemen.
(Dietrich Wolf und Dorothea Klotz, 1966)

Manche Themen in diesem Buch riechen tatsächlich ein bisschen alt, aber die Vielfalt der Themen und Aufsatzformen sehe ich heute nicht mehr: Erörterung (einfache Fragen, Alternativfragen, Wertungsfragen), Erlebnisbild (schildernd, ab Klasse 10, gibt’s leider nicht mehr), Plauderei/Glosse/Essay, Begriffserläuterung, Besinnungsaufsatz, Literarische Themen. Wobei das nicht heißt, dass von dieser Vielfalt vor vierzig Jahren auch wirklich Gebrauch gemacht wurde.

Erörterungsfragen aus der Mittelstufe, alle von einer willkürlichen Seite aus dem Buch:

Warum und wo ist Normung notwendig? Erörtere diese Frage mit Beispielen.
Vorteile der Ölöfen
Welche Erfindung aus neuerer Zeit hältst du für besonders wichtig? Begründe deine Entscheidung!
In welchen Männern und Frauen unserer Zeit siehst du Vorbilder? Begründe deine Wahl!
Welchen Einfluss haben Lob und Tadel auf dich?
Was ich vom Leben der Jugendlichen in Mitteldeutschland weiß
Wozu muss der Bürger Steuern zahlen?
Warum braucht der Mensch Festtage? Wie soll er sie feiern?

9 Antworten auf „Nathan-Themen (und warum und wo ist Normung notwendig?)“

  1. autsch. Mitteldeutschland ist nicht gleich der DDR. Da gehörte noch so etwas wie Meck-Pomm, Brandenburg, Ost-Berlin und ehemaliger Regierungsbezirk Magdeburg dazu – beileibe bestand nicht die gesamte DDR aus Mitteldeutschland.

  2. Was mich interessieren würde: Haben die Gymnasiasten vor vierzig, fünfzig und sechzig Jahren wirklich einen geistigen Höhenflug nach dem anderen absolviert – oder klangen die Themen einfach tiefgründiger, und der Herr Gymnasialprofessor war auch mit gedanklicher Hausmannskost zufrieden?
    Du hast nicht zufällig auch das dazugehörige Hausheft mit dazu bekommen?
    Stürmische Grüße (oder sollte es heißen: Kyrillische?)
    Peter.

  3. Mitteldeutschland sollte den Begriff “DDR”, auch mit Gänsefüßchen, vermeiden. Mit Ostdeutschland hingegen waren zu dieser Zeit die ehemaligen deutschen Gebiete jenseits der Oder gemeint, sollte wohl alles nicht so eine endgültigen Charakter bekommen.

  4. Peter, das Hausheft wäre schön. Meine Aufsatzssammlung ist leider klein – ich nur noch meine eigenen Grundschulaufsätze, Texte meiner Schüler, ein englisches Geschichtsheft (year 8, sehr aufschlussreich) und das Buch Abitur. 150 Jahre Zeitgeschichte in Aufsätzen prominenter Deutscher von Birgit Lahann, mit Abituraufsätzen von Karl Marx bis Walter Kempowski.

    Karl Marx 1835 “Betrachtung eines Jünglings bei der Wahl seines Berufes”, der fünftbeste Aufsatz seiner Klasse, das “übertriebene Suchen [nach einem zu] bilderreichen Ausdruck” führt nur zur Note “ziemlich gut”:

    Dem Tiere hat die Natur selber den Wirkungskreis bestimmt, in welchem es sich bewegen soll, und ruhig vollendet es denselben, ohne über ihn hinauszustreben, ohne auch nur einen anderen zu ahnen. Auch dem Menschen gab die Gottheit ein allgemeines Ziel, die Menschheit und sich zu veredeln, aber sie überließ es ihm selber, die Mittel aufzusuchen, durch welche er es erringen kann; sie überließ es ihm, den Standpunkt in der Gesellschaft zu wählen, der ihm am angemessensten ist, von welchem aus er sich und die Gesellschaft am besten erheben kann.

    Aber über die normalen Aufsätze vor vierzig, fünfzig Jahren weiß ich nichts.

  5. > aber die Vielfalt der Themen und Aufsatzformen sehe ich heute nicht mehr

    Stimmt, trifft leider auch auf Englisch zu. Durch die m.E. viel zu starke Fixierung auf “comprehension tests” sind alternative Aufgabenformen völlig in Vergessenheit geraten. Besonders schön fand ich immer (literarische) Nacherzählungen, eine gute Mischung aus Textverständnis, Gedächtnisleistung und eigenem Ausdrucksvermögen.

  6. Ich mochte diese Aufsätze sehr und habe mich auf die Deutscharbeiten gefreut. Die freien Themen waren meine Lieblinge! Wenn ich sehe, dass heute die Jugendlichen nur noch Texte bekommen, die sie nach erlerntem System abarbeiten, so finde ich das schrecklich langweilig

  7. Ich auch. Ich tue aber zu wenig dagegen, ich gebe es zu. Je freier das Thema, desto schwieriger ist es, Noten zu begründen. Denkt man. Stimmt vermutlich gar nicht.

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