Ein Spiel für die Klasse: Super-Babel

Von Robert Abbott gibt es ein altes, schmales dtv-Bändchen Kartenspiel als Kunst, in dem nicht nur das Spiel Eleusis vorgestellt wird, wenn auch in der alten Fassung (Blogeintrag dazu), sondern auch ein Spiel namens Babel, mit der Vielspielerversion Super-Babel. Babel ist ein nicht-rundenbasiertes Spiel, wie ich sie sehr schätze (Blogeintrag dazu).

Super-Babel habe ich jetzt mit einer 6. und einer 10. Klasse gespielt, jeweils mit 15 Schülern und Schülerinnen – der Rest war auf Chor- und Orchesterwoche. Man müsste das aber auch gut mit einer ganzen Klasse spielen können, und wenn man das auf Englisch spielen lässt, kann man es vielleicht sogar als Sprachübung verkaufen.

Bei Super-Babel braucht man pro 3 Spieler ein Kartenspiel zu 52 Blatt. Als ehemaliger Pokerspieler habe ich genug Spiele zu Hause, gerne auch mit verschiedenem Rücken, das macht das Sortieren nach dem Spielende einfacher. Für 15 Schüler und Schülerinnen sind das also 5 Kartenspiele, gemischt. Jeder Spieler erhält 10 Karten. Bestimmte Kombinationen kann man bei einem Spielleiter gegen Punkte eintauschen, gibt dabei die zehn Karten ab und erhält zehn neue. (Aus den abgelegten Karten wird ein neuer Stapel gebildet.)

Man kommt an die gesuchten Kombinationen, indem man Karten mit den anderen Spielerinnen tauscht – immer eine gleiche Anzahl, also zwei gegen zwei oder drei gegen drei oder eine gegen eine. Der Rest ist Verhandlungssache. Die Spielerinnen und Spieler laufen also im Klassenzimmer herum und rufen „Suche Karo“ oder „Suche Achter, biete Herz“, und tauschen nach Lust und Laune. Wer ein abgabefertiges Blatt hat, tauscht das gegen Punkte ein, und sobald ein Spieler 200 Punkte erreicht hat, ist eine Partie zu Ende.

Das Erklären des Spiels dauerte knapp zehn Minuten, ein Spiel knapp vierzig Minuten. Mit Müh und Not kriegt man das also in eine Einzelstunde, aber wir haben eh Doppelstunden, und so spielten wir zwei Runden.

Die Kombinationen für Super-Babel kommen vom Pokern:

  • Straight: 5 aufeinanderfolgende Karten. Das As kann dabei hoch oder niedrig sein, aber nicht beides, also etwa A2345 oder TJQKA (T steht für Ten), nicht aber QKA23.
    Wert: 5 Punkte.
  • Flush: 5 verschiedene Karten in einer Farbe, wobei Farbe hier suit heißt: Pik, Herz, Karo (oder „Raute“, wioe es in der 6. klasse heißt), Kreuz. Verschieden heißt, dass zum Beispiel nicht zwei Kreuz Vier verwendet werden dürfen – es gibt ja alle Karten fünffach.
    Wert: 7 Punkte.
  • Full House: Einmal 3 verschiedene Karten von gleichem Wert (und damit automatisch verschiedener Farbe) und einmal 2 verschiedene Karten von gleichem Wert (auch die dann von verschiedener Farbe).
    Wert: 10 Punkte.
  • Four of a Kind: 4 verschiedene Karten von gleichem Wert, also von jeder Farbe eine.
    Wert: 15 Punkte
  • Straight Flush: 5 aufeinanderfolgende Karten in einer Farbe. Ansonsten siehe straight und flush.
    Wert: 20 Punkte.
  • Royal Flush: TJQKA von einer Farbe, also der höchstmögliche straight flush.
    Wert: 21 Punkte.
  • Doppel-Straight: 10 aufeinanderfolgende Karten, As weiterhin hoch oder niedrig, aber nicht in der Mitte.
    Wert: 30 Punkte.
  • Doppel-Flush: 10 verschiedene Karten in einer Farbe (Pik, Herz, Karo, Kreuz).
    Wert: 40 Punkte.
  • Doppel-Straight-Flush: 10 aufeinanderfolgende Karten in einer Farbe, As hoch oder niedrig.
    Wert: 80 Punkte.

Wichtig: Zum Abgeben braucht man entweder zwei reguläre Kombinationen oder eine Doppel-Kombination. Ein Full House allein kann man also nicht beim Spielleiter eintauschen, wenn man einmal Four of a Kind (mit den anderen Karten, versteht sich) hat, dann schon. Alle zehn Karten werden abgegeben und gegebn neue getauscht.

Bei 15 Spielerinnen und Spielern war ich als Spielleiter schon gut beschäftigt. Man muss schnell mischen können; wenn Luft blieb, bereitete ich schon einmal Päckchen à zehn Karten vor und mischte den Ablagestapel. Als Ergänzung wäre noch eine für alle einsehbare Punkteliste an der Tafel gut, oder zumindest die führenden drei Spieler und Spielerinnen.

Eine schöne Sache für die Tage vor den Ferien.

Nachtrag: Geht auch mit einer 11. Klasse in und auf Englisch. Man muss sie schon ermahnen, wirklich nur Englisch zu reden, und man muss als Regel einführen, dass man einander nicht die Karten zeigen darf, weil es sonst zu leicht ist, sich ums Reden zu drücken. Aber dann geht es. Vorher gemacht: Kartenvokabular eingeführt – deal, dealer, cut the cards, hand, winning/losing hand, ante, shuffle (overhand und riffle), wild cards, taking a trick, follow suit und, für dieses konkreteSpiel wichtiger: suit (spades, hearts, diamonds, clubs), und die Namen der Karten, insbesondere Jack, Queen, Ace, Deuce, Trey.

Avatare, Erebos, und Sommernachtstraum

Entwürfe für Zinnfiguren

In der 6. Klasse als Lektüre Erebos gelesen – dickes Buch, trotzdem schnell und leicht zu lesen; es geht um ein geheimnisvolles Fantasy-Computerspiel, bei dem die Missionen im Spiel ausgeweitet werden auf Missionen im echten Leben. (Alter Blogeintrag dazu.)

Interessant ist dabei, dass ein guter Teil des Spiels – wenn wohl auch nicht die Hälfte – in der Fantasy-Spielwelt spielt. Es gibt ja in vielen Büchern eine solche Fantasy-Welt, in die es einen Menschen verschlägt – Alice im Wunderland, die Oz-Bücher, Narnia sind die reputierlichen Beispiele. Hier könnte man argumentieren, dass das Buch ja überhaupt kein Fantasy-Roman ist, die Monster und die Magie sind ja nur im Computerspiel und damit kein Widerspruch zu unserer Welt. Aber die Topoi des stereotyperen Fantasyromans sind trotzdem da.

Zu den Missionen, die Auswirkungen auf die wirkliche Welt haben, zeigte ich diesen Ausschnitt aus der Hochzeit von Pokémon Go:

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Eine große Gruppe von Menschen spontan von Punkt A nach B zu bringen, geht also über ein Computerspiel, und damit geht grundsätzlich wohl auch eine ganze Menge mehr.

Im Erebos-Computerspiel gibt es natürlich auch Avatare, und ein bisschen darf gerätselt werden, welcher Avatar welcher Figur im echten Leben entspricht. Also sprachen wir auch darüber – wer sich wohl welchen Avatar aussucht, was sich hinter einer dünnen Elfe alles verbergen kann, und wer selbstbewusst genug ist, sich einen dicken Avatar auszuwählen. Dazu habe ich den Begleitband zur Fotoausstellung Alter Ego herumgehen lassen. Dort sind Fotos von Spielern ihren Avataren gegenübergestellt; hier kann man einige der Bilder anschauen (die Bilder-Diashow auswählen).

Der nächste Schritt war natürlich, selber Avatare zu erstellen. Leider hatte ich keinen wirklich guten anmelde- und flashfreien Avatargenerator gefunden. Aber heroforge.com war einigermaßen für meine Zwecke brauchbar.

Heroforge stellt eigentlich Plastik- und Metallfiguren für Brett- und Rollenspiele her. Und man kann sich eine mehr oder weniger individuelle Figur aus einer sehr großen Auswahl an Modellen zusammenbasteln – bis hin zu Schiebereglern für die Stärke des Grinsens, die Ohrenform, die Beflügelung, und vieles mehr. Das fertige Modell könnte man sich dann gegen Geld als 3D-Druck-Vorlage herunterladen oder als Metall- oder Plastikfigur bestellen lassen. Wermutstropfen: Das alles nur in Grau- oder von mir aus auch Goldtönen, aber jedenfalls nicht farbig. Das Bemalen der Figuren ist dann immer noch die Sache des Spielers selber (hier meine frühen Versuche).

Hier eine Auswahl der Produkte meiner Schüler und Schülerinnen:

Entwürfe für Zinnfiguren

(Alle Rechte bei Heroforge, aber laut den Nutzungsbedingungen darf ich das hier wohl posten.)

Und ja, ein paar Gestalten mit überraschend vielen und großen Schusswaffen waren auch dabei. Immer wieder interessant.

Geübt dabei:
Screenshot machen, in Präsentationssoftware einfügen, Ränder beschneiden; Dateien speichern und umbenennen und verschieben. Kann man nicht oft genug machen. Das wäre alles übrigens auch am Handy gegangen, und sogar viel leichter, aber eben nicht ohne WLAN.

— Danach Schultheater, Sommernachtstraum, in einer angenehm gekürzten Fassung. Es war eine Produktion des Oberstufenfachs „Dramatisches Gestalten“ mit Untersützung durch Mitglieder des Unterstufenchors – als Elfen, mit Blumenkranz im Haar, leider nur für eine Nummer; ich hätte sie gerne öfter auf der Bühne gesehen.

Zu billig: Bottom mit Trump-Maske statt Eselskopf – ich finde, wir haben genug eigene Politiker, die wir als Zielscheibe nehmen könnten, da ist mir Trump ein zu leichtes Ziel. Schön: Puck von zwei rücklings aneinandergenähten Schülerinnen gespielt, bei der mal die eine, mal die andere dem Publikum zugewendet war. Eine Rahmenhandlung mit Schlaflabor, mit einer roten und einen grünen Pille, die Farben des Bühnenbilds aufnehmend. Und die Handwerker, die rude mechanics, alle gespielt von Schülern in Warnwesten, die man, uh, wie sag ich’s diplomatisch, vorurteilshaft vielleicht nicht unbedingt in einer Theatergruppe erwartet hätte. (Ich kannte keinen davon.) Sehr schön besetzt, schön gespielt, mit einem zu kurzen Pyramus-und-Thisbe-Rap am Ende. Habe mich insgesamt sehr gut unterhalten.

Bühnendeko für Schulaufführung

Vertretungsstunde, Konferenzen, vorgemachte Dramenanalyse

Vertretungsstunde: Spontan und unvorbereitet und verspätet, weil sonst keiner da war. Die Klasse, ich kannte sie ein bisschen aus dem Vorjahr, war in der Aula verteilt und wartete. Wenige spielten Karten, viele lasen die Deutschlektüre, andere unterhielten sich, ein paar trieben Gymnastik. Also blieben wir da und ich unterhielt mich mit einigen. Das mit der Gymnastik musste ich etwas bremsen, leider, wegen fehlender Hilfestellung und keinen Matten und so. Dafür demonstrierte ich Foxtrott zu Musik vom Handy.

Dienstagnachmittag Arzttermin, Mittwochnachmittag Vorlesung. Donnerstagnachmittag Konferenz in kleinerem Kreis, Adrenalin und Gegenantrag; danach Teamtreffen zur Vorbereitung des Freitags, danach Elternsprechabend. Freitagmittag Konferenz in kleinem Kreis zum Mediencurriculum. Lief okay. Danach Weiterarbeiten am Curriculum.

Samstag Biergarten mit angereister Berliner Verwandtschaft, Sonntag dann Nichtenkommunion. Dazwischen Korrekturen.

Davor mal mit Deutschklasse Dramenanalyse getrieben; da schreiben sie bald Schulaufgabe, geübt ist alles, also machten wir das so: Ein Schüler versprach, einen auch mir unbekannten Text mitzubringen, den ich dann quasi vor Augen der Schüler und Schülerinnen mir aneignen würde. Also vormachen, wie ich mit einem solchen Text umgehe, wenn ich ihn denn analysieren will. Also brachte der Schüler sechs Buchseiten Václav Havel mit, aus Largo Desolato. Das war für mich sehr interessant, für die Schüler und Schülerinnen hoffentlich auch.

1. Ich beschrieb beim Lesen, was mir auffiel. Stilmittel, Wiederholungen, unklare Stellen, Referenzen auf andere Stellen, Assoziationen. Erst mal neutral, ohne große Deutung. „Da ist ein unvollständiger Satz.“

2. Sobald ein Stilmittel, ein Wort, irgendein Element zum zweiten Mal auftauchte, zum Beispiel ein unvollständiger Satz, formulierte ich mehrere Hypothesen, was es damit auf sich haben könnte. Olbram sagt ein zweites Mal zu Leopold, dass sie es doch alle gut mit ihm meinen, und wird zum zweiten Mal überraschend wortgleich von Lucies Stimme aus dem Off unterbrochen. Das kann Zufall sein. Oder Lucie hat gelauscht. Oder das Stück foppt uns, gleitet ins Absurde ab. Bei der dritten Wiederholung festigt sich dann die Hypothese, und ich baue andere Punkte ein, die mir auffallen. Manches bleibt offen, das halte ich aus, anderes wird erst spät klar, manches übersehe ich sicher auch. Das Wichtige, glaube ich, ist das, dass man eine Weile konkurrierende Erklärungen mit sich herumträgt und erst nach und nach sich für eine davon entscheidet.

Alles Dinge, die ich im Bereich der reader-response theory schon an der Uni aufgeschnappt hatte, aber vermutlich wird das im Klassenzimmer nicht so klar. Also mehr vormachen?

Typographie in Deutsch und Informatik (nur so als Einstieg)

Schriftarten der Klasse 6a

Informatik in meiner 6. Klasse findet nicht immer statt; nachmittags sind oft Konferenzen. Immerhin habe ich die Klasse parallel in Deutsch, so dass ich wenigstens die Namen der Schüler und Schülerinnen kenne. Im Deutschunterricht lasse ich sie am Rechner schreiben, im Informatikunterricht nehme ich als Beispiele Texte aus dem Deutschunterricht.

Gestern ging es um die Klasse ABSATZ bei Textverarbeitungssystemn und deren Attribute; davor wiederholten wir die lange zurückliegende Klasse ZEICHEN und deren Attribute – darunter zum Beispiel die gewählte Schriftart. Und dass solche Schriften entworfen werden und 10.000 Euro kosten (habe ich mal so geraten, hängt sicher von vielen Dingen ab) und dass es allein schon mal deswegen rücksichts- und geschmacklos ist, so einen sorgfältig gestalteten Zeichensatz durch automatische Unterstreichung zu verhunzen. Denn ja, liebe Kinder, Unterstreichung als Mittel der Hervorhebung ist legitim bei alten Schreibmaschinen; wenn man nicht auf einer solchen arbeitet, nutzt man stattdessen andere Möglichkeiten – der Text kann fett sein oder kursiv oder in einer anderen Schriftart und -größe (aber vielleicht auch nicht alles davon auf einmal). Auf Fortbildung neulich so ein Medienmensch, der iPads für seine Schüler forderte, aber munter die Unterlängen seiner Zeichen beim Unterstreichen durchsäbelte – wer keinen Sinn für Form hat, dem traue ich auch beim Inhalt nicht.

Und dann ging es um Times New Roman und Comic Sans, und was da jeweils das Problem ist oder nicht ist – genug, am nächsten Tag präsentierte ich im Deutschunterricht den Schülern und Schülerinnen ein Gedicht, das wir ein bisschen besprachen, bevor ich dann ihre Meinung zum verwendeten Zeichensatz einholte. Den hatte ich nämlich selbst entworfen, basierend auf meiner Handschrift.

Darauf teilte ich in der Klasse eine Tabelle aus, so dass jeder sich selber eine Schrift zusammenbasteln konnte. Und in einer halben Stunde im Lehrerzimmer hatte ich aus dem ersten Dutzend Entwürfen jeweils TrueType-Zeichensätze gemacht, die jetzt zum Beispiel unter Windows wie andere reguläre Zeichensätze verwendet werden können:

Schriftarten der Klasse 6a

Das sind die Schriftarten aus der Klasse, dazu meine und die eines Kollegen, der an der Theke im Lehrerzimmer auch rasch mitspielte. Dass manche Schriftarten sich ähnlich sind, liegt am Entstehungsprozess, dazu später mehr. Der Sinn… Wertschätzung von Schriftarten, Reflexion der eigenen Handschrift, Spaß am Gestalten. Dazu informatisch: Vektorgrafiken, Umgang mit Informatiksystemen. Denn der fertige Zeichensatz lässt sich noch bearbeiten; an einzelnen oder allen Zeichen kann man feilen.

Das Grundwissen dazu:

  • So ein Zeichensatz besteht aus einer Sammlung von Vektorgrafiken. Jedes Zeichen ist eine kleine Vektorgrafik, die mit einem Programm erstellt werden kann. FontForge ist so ein Propgramm, mit dem man unter anderem TrueType-Dateien einlesen und verändern kann. Open Source, gibt’s auch in portable.
  • Man kann handschriftliche Zeichnungen digitalisieren und in eine Vektorgrafik umformen lassen. Inkscape ist ein Programm, mit dem man das machen kann, auch Open Source.
  • Für vieles, was man manuell selber machen kann, gibt es Webseiten, die das für einen erledigen.

Unter http://www.myscriptfont.com/ ist so eine Seite. [Nachtrag: Die Seite gibt es nicht mehr, sondern stattdessen einen Nachfolger, für den man sich registrieren muss. Schade! Ich müsste mal schauen, ob es das noch anderswo gibt.] Man druckt eine Vorlage aus (einfacher gleich als png herunterladen und nicht als pdf, weil die pdf-Datei im Letter-Format ist), füllt sie mit schwarzem Filzstift aus. Füller geht nicht so gut, Kugelschreiber und Bleistift gar nicht, denke ich. Doppelt vorsichtig sein bei den Unterlängen, gerade beim g lieber noch zusätzlich Platz lassen. Dann scannt man die Vorlage ein, mit einem echten Scanner, nicht mit dem Handy. Bei Füller muss man unbedingt noch mit der Gammakorrektur kräftig verdunkeln. Die Bilddateien lädt man bei der Seite hoch, und schon hat man seine TTF-Datei.

Mit den richtigen Werkzeugen geht das wirklich im Handumdrehen: Die Schüler-Blätter per automatischem Einzelblatteinzug im Kopiergerät der Schule einscannen und auf USB-Stick speichern. (Das können Kopiergeräte heute.) Allerdings speichert das Kopiergerät das dann alles in einer einzigen pdf-Datei, also braucht man ein Programm, mit dem man aus pdf-Dateien Grafiken (png oder jpg) erstellen kann. Weil ich das oft brauche, habe ich das ohnehin auf meinem kleinen Privatrechner, den ich in der Schule immer dabei habe. Gammakorrektur braucht am längsten, und wenn es mehr gewesen wären, hätte ich den Batch-Modus bei IrfanView genutzt; ist eh auch am Rechner. Morgen kriegen die Schüler und Schülerinnen ihre Fonts, die anderen wollten noch zu Hause an den Vorlagen arbeiten. Danach schauen wir uns die Fonts in FontForge an. Es macht wirklich Spaß, mit Informatiksystemen umgehen zu können.

Mit einem Dienstrechner wäre das alles übrigens nicht gegangen. Deswegen ist es unsinnig, wenn in NRW gerade der Datenschutz dahingehend interpretiert wird, dass Lehrer keine Schülerdaten auf Privat-, sondern nur auf Dienstrechnern verarbeiten dürfen.

– Für meine Zulassungsarbeit in Mittelhochdeutsch im letzten Jahrtausend habe ich übrigens bereits Zeichensätze angepasst. Da ging es um die Analyse einer frühneuhochdeutschen Handschrift hinsichtlich der Schreibung und des mutmaßlichen Lautstands bei Lautveränderungen, und da brauchte ich viele spezielle diakritische Zeichen. Klar hätte ich die alle unter „å“ zusammenfassen können, aber so war es viel lustiger.

Nachtrag: So sieht ein Zeichen aus, wenn man es nachträglich bearbeiten will.

Zeichen "e" in Software FontForge

Lebenszeichen: Griechische Sagen, Who’s on First, Oscar Wilde, schnell mal das meiste notiert, was los war

Ich schmettere derzeit jedem Kollegen, der über zuviel Vertretung oder fehlendes Wissen bei den Schülerinnen und Schülern klagt, ein frohes: „Schule muss mehr sein als Unterricht!“ entgegen. Meine Hoffnung, dass die Kollegen dabei einen Zusammenhang herstellen (oder mir wenigstens widersprechen), wurde bisher noch nicht durch eine eindeutige Reaktion als eine begründete bestätigt.

Das mit dem „mehr als Unterricht“ höre ich etwas zu oft im Moment.

***

Griechische Sagen: Kommen sehr gut bei der 6. Klasse an, aber die wollen wirklich sehr viel wissen, da reicht mein sehr solides Halbwissen nicht ganz aus. Hier meine Diagramme dazu:

theogonie1

theogonie2

Aber natürlich fehlt immer noch was: Was war mit der Mutter von Prometheus? — Mir kommt es dabei vor allem darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler das als ein gewachsenes Flickwerk verstehen, dass nie unbedingt jemand an all das gleichzeitig geglaubt hat. Dass Aphrodite nicht die Tochter von Zeus ist, oder doch schon, auch, dass es jedenfalls mindestens zwei Mythen gibt, die sich widersprechen, und dass Aphrodite nach dem anderen Mythos aus dem Geschlechtsteil des Uranos stammt, als das ins Meer fiel, nachdem Kronos es abgeschnitten hatte.

Ich zeigte diesmal gleich am Anfang das Kamishibai, und die Schüler und Schülerinnen spielten mit meinem Bildern zum Urteil des Paris (ganz unten hier) gleich etwas, das fast schon ein bisschen Powerpoint-Karaoke ist, erzählten also die gerade gelesene und gesehene Geschichte unvorbereitet mit den Bildern nach. Ging gut.

***

The Importance of Being Earnest: Mit der Q11 gelesen. Oll, aber gut. Mit Psychologietests Persönlichkeitsprofile der Charaktere festgestellt und spätestens da festgestellt, dass die eigentlich alle eher keine netten Menschen sind. Danach kurz Inszenierungsmöglichkeiten verglichen – eigentlich wollte ich nur Ausschnitte aus dem Film von 2002 zeigen, aber der war dann so interessant, dass wir den ganz ansagen. Die Inszenierung erinnert mich sehr an die Jeeves-und-Wooster-Serie mit Stephen Fry und Hugh Laurie, ist nur etwas besser. Firth ist solide, Rupert Everett vor allem in der ersten Hälfte brillant, Judi Dench ist Judi Dench, und Frances O’Connor als Gwendolyn ist sa-gen-haft mit hingehauchter Verführung. Hier eine Fassung von 1986 zum Vergleich, man achte auf das „That makes me so nervous“:

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Und hier 2002:

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(Später lässt sich Gwendolyn den Namen „Ernest“ auf ihren Po tätowieren.)

***

Früher waren vielleicht die Lehrer cool, die mit der Zigarette ins Klassenzimmer kamen, was schon zu meiner Schulzeit extrem selten vorkam, selber gehe ich wenigstens ab und zu mit der vollen Kaffeetasse in den Unterricht. (Essen und Trinken – außer Wasser – ist Schülern und Schülerinnen im Unterricht verboten.) Aber die Teetasse mit Teebeutel drin, die ich beim Kollegen sah, ist noch cooler.

***

Später dann mal in der Q11 die ersten paar Takte des Klassikers „Who’s on First“ (Youtube) gezeigt, dann ausgeteilt und eine Audioversion dazu hören lassen. Dass das ein immer noch sehr lebendiges amerikanisches Kulturgut ist, sieht man auch an der Fassung von Jimmy Fallon mit Billy Crystal und Jerry Seinfeld. Immerhin kennen ein paar Schüler Jimmy Fallon, die anderen, na ja, nicht mehr so.

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Danach probierten die Schülerinnen und Schüler den paarweisen Vortrag in Ausschnitten. Ein Klassenzimmer voller Leute, die gleichzeitig und durcheinander „Who’s on First“ üben, das ist schön.

Einstieg in die Erörterung: Mit Liegestützen zum Bürgerentscheid

Ich habe ja oft genug geschrieben, dass ich mit der Erörterung hadere. Aber gut, auf ein Neues!

Vor vier Wochen gab es einen Bürgerentscheid in München, abgestimmt wurde über folgende Frage:

Sind Sie dafür, dass der Block 2 (Steinkohlekraftwerk) des Heizkraftwerks Nord bis spätestens 31.12.2022 stillgelegt wird?

Zusammen mit den Unterlagen zum Bürgerentscheid kam ein kleines vierseitiges Heftchen, in dem die Vertreter des Bürgerentscheids auf der einen sowie der Stadtrat auf der anderen Seite Stellung zu dem Entscheid nahmen – Pro und Kontra, These und Antithese. Diese Texte lasen die Schülerinnen und Schüler und mussten sich danach ohne größere Diskussion für eine Seite entscheiden. Also mit Ja stimmen, mit Nein, oder gar nicht erst zum Entscheid gehen – denn diese Möglichkeit sollte es auch geben. Dass bei Klassensprecherwahlen die Wahlbeteiligung immer 100% ist, irritiert mich ja jedesmal, also konnte, wer nicht wollte, einfach nicht abstimmen. Im Gegenteil, um die Mühsal des Wahlvorgangs wenigstens ein bisschen zu simulieren, musste jeder, der abstimmen wollte, zehn Liegestütze oder zwanzig Kniebeugen machen.

Trotzdem lag die Wahlbeteiligung bei 95% (München: um die 18%, glaube ich), das Quorum wurde damit erreicht (München: 10%, kleinere Städte: 20%), mit 55% stimmte eine knappe Mehrheit für Ja (München: 60%).

Danach begann die eigentliche Diskussion, zusammen mit einer Betrachtung der beiden Stellungnahmen: Welche Seite war überzeugender? Die Ja-Seite hat mehr, aber kürzere Punkte; die Nein-Seite wenige, ausgeführtere Argumente. Quellen gab es da keine, bei der Ja-Seite schon – andererseits waren die Belege dort nicht sehr relevant oder nicht von unparteiischen Organisationen. Die Ja-Seite war je nach Sichtweise entweder umfassend oder zu wenig konkret.

Daran schloss sich die Lektüre eines an sich nur mäßigen Kommentars der Süddeutschen Zeitung (Münchenteil) an, dessen Tenor war, dass Bürgerentscheide mit ihren Ja-Nein-Entscheidungen nicht das richtige Instrument für komplexe Probleme wie dieses seien. Und schon waren wir bei dem, was früher die dialektische Erörterung war, die vor sechseinhalb Jahren und anderthalb Lehrplänen zum letzten Mal in der Wildbahn beobachtet wurde. (Abitur 2011: „Erörtern Sie ausgehend von einer sorgfältigen Klärung des Zitats Hegels, inwiefern das von ihm diagnostizierte Problem auch auf den heutigen Kulturbetrieb zutrifft, und zeigen Sie Lösungsmöglichkeiten auf!“)

Inzwischen gibt es nur noch die antithetische Erörterung, oder das antithetische Erörtern, oder das Erörtern von Sachverhalten – aber die Wörter „dialektisch“ oder „Synthese“ stehen nicht mehr im Lehrplan. Dennoch schnappen die Schülerinnen und Schüler sie beim einen oder anderen Lehrer auf und wollen sie erklärt haben. Also bitte: Synthese heißt hier, dass man sich nicht abhängig machen soll von den Optionen, die einem der Aufgabensteller gibt, sondern die Möglichkeit haben soll, einen dritten, besseren Vorschlag darzubieten. Im Schulbuch steht das unter „Fazit“, was zu leicht auf eine oberflächliche Zusammenfassung des zuvor Geschriebenen oder einen exakt in der Mitte platzierten Kompromiss hinausführt.

(Download der Broschüre, notdürftig eingescannt.)

Für den Übungsaufsatz gibt es natürlich ein anderes Thema, mehr aus der Lebenswelt der Schüler. Ich glaube aber, dieser Ausflug in die Lebenswelt Münchner Bürger hat ihnen auch etwas gebracht.

Schullektüre 2017 (2) Whisper

Titebild Abedi, Whisper

Wenn man als Lehrer die Schullektüre auswählt und sie den Schülern und Schülerinnen nicht gefällt, ist das kein Problem. Das halten Lehrer aus, und außerdem kommt es ja auch nicht darauf an, dass die Lektüre unmittelbar gefällt. Dass es der Deutschunterricht mit den Lektüren ist, die Schülern das Lesen vergällt, halte ich ohnehin für ein Gerücht. Wenn man die Schülerinnen auswählen lässt, und ein Vorschlag wird dann genommen, und dann gefällt es der Klasse nicht – das stelle ich mir schon schwieriger vor. Aber vermutlich reicht es da, wenn der Lehrer sagt, dass ihm das Buch nicht gefallen hat, um alle Schüler das Buch plötzlich viel positiver zu sehen.

Normalerweise lasse ich über Lektüren abstimmen, je nach Alter und Thema, mache aber von vornherein klar, dass ich ein Vetorecht behalte beziehungsweise nicht alle Bücher zur Abstimmung zulasse. Wenn es um andere Epochen als um die letzten fünfzig Jahre geht, haben die Schülerinnen und Schüler meist ohnehin keine besondere Meinung. Aber in meiner anderen aktuellen 9. Klasse haben wir schon die zwei Pflichtlektüren gelesen, und eine dritte Lektüre wollte sich die Schüler und Schülerinnen selber aussuchen, also stellten Freiwillige ihre Kandidaten vor, und die Klasse stimmte ab, und mehrheitlich entschied man sich für Isabel Abedi, Whisper. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006.

Titebild Abedi, Whisper

Whisper ist ein modernes Jugendbuch mit Mädchen als Zielgruppe; nicht mein liebstes Genre. Aber okay, nachdem weder die Schachnovelle noch Der Richter und sein Henker irgendwelche nennenswerten Frauenrollen hatten, ist es nur fair, etwas mit Frauen zu lesen. Ich fand das Buch uninteressant, aber es war ergiebig, mal ein schlechtes Mädchenbuch zu lesen und nicht nur die vielen, vielen schlechten Jungenbücher meiner eigenen Jugend. Ich sah die nie als Jungengeschichten, das war einfach ganz normale Science Fiction und Fantasy – aber es ergab sich halt doch immer, dass der Erdenmann auf einem fremden Planeten die Prinzessin aus ihren Schwierigkeiten rettet und am Schluss innig küsst und widergeküsst wird. Whisper enthält andere Klischees, aber es bleiben Klischees.

Was tun mit einer Lektüre? Vom Arena-Verlag gibt es eine Pdf-Datei mit Vorschlägen für die Klassen 7 bis 9, Arbeitsblätter mit Lösungen oder Lösungsvorschlägen. Es gibt einen kurzen didaktischen Kommentar zu den Arbeitsblättern, aber die Aufgaben überzeugen mich nicht – Fotolovestory, Wörtersuchquiz; bei vielem erkenne ich nicht genug Lernziel. Eine Aufgabe heißt „Recherche“:

Die Frage, ob es Geister gibt oder nicht, kann nur schwer beantwortet werden. Die Menschen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, sind sich uneinig über dieses Thema. Recherchiere im Internet und in Büchern und bilde dir selbst eine Meinung. Du sollst das, was du sagst, begründen können und auch angeben, wo du dich informiert hast. Informiere dich auch über das Geisterspiel, das Noa und David durch Gilbert kennen gelernt
haben. Es nennt sich Gläserrücken. Was denkst du darüber?

Oh my. Ja, mit der Geisterfrage werden wir uns beschäftigen, aber doch nicht so, als könnte man das demokratisch und durch Diskussion lösen, und als stünden im Internet nicht lauter Sachen, die nicht stimmen. Also gute: Fake news; Leonhard Euler und die Frage, woher wir wissen, was wahr ist; allgemeine Wahrheiten; Experiment und Hypothesenüberprüfung; Ockhams Rasiermesser; Liste kognitiver Täuschungen – Stoff für die nächste Stunde.

Ansonsten habe ich meine eigenen Arbeitsaufträge erstellt und den Schülerinnen und Schülern ausgeteilt:

  1. Personen
    Erstelle eine Liste oder ein Diagramm aller wichtigen Personen, aus denen die Verhältnisse zueinander hervorgehen.
  2. Parallelen
    Die Geschehnisse von 2005 und von 1975 haben mehrere Parallelen. Finde zwei oder drei davon.
  3. Rätselfragen
    Um Spannung zu erzeugen, werden den Lesern (und den Hauptpersonen) immer wieder kleinere Rätsel oder offene Fragen präsentiert. Mache eine Liste von fünf solchen Rätseln, notiere dabei jeweils die Seite, wo sich die aufmerksame Leserin zum ersten Mal die Frage stellt, und die Seite, auf der es eine Antwort gibt.
  4. Intertextualität
    Texte beziehen sich immer auf andere Texte, bewusst oder unbewusst. Finde vier Beispiele, jeweils mit Seitenangabe, von anderen Texten (Filme, Bücher, Lieder usw.), die in Whisper bewusst referenziert werden.
  5. Klischees
    Es gibt nicht nur die bewusste Referenz, sondern auch das mehr oder weniger unbewusste Übernehmen von Elementen, die man aus anderen Geschichten kennt. Das kann im besten Fall eine originelle Variation eines solchen Bausteins sein, oft ist es aber auch ein Klischee. Finde acht solcher Klischees – Standardsituationen, die man aus anderen Geschichten kennt.
  6. Sprache
    Finde drei Stellen, die sprachlich besonders interessant sind – entweder, weil sie besonders gut oder besonders schlecht sind. (Mir selber sind zum Beispiel viele Hyperbeln aufgefallen.) Denk and die Seitenzahlen!
  7. Bonusaufgabe: Überflüssiges
    Gibt es Elemente, die man hätte weglassen können aus dem Buch, um es vielleicht etwas zu kürzen oder zu vereinfachen? Wenn ja, erkläre und begründe deine Entscheidung.
  8. Bonusaufgabe: Eigener Schwerpunkt
    Hast du eine eigene Frage an das Buch, etwas, das du untersuchen möchtest? Dann mache das.
  9. Noch ein Buch
    Folgende Situation sei gegeben: Das Buch ist ein Erfolg, der Verlag bestellt bei einem Autor oder einer Autorin ein ähnliches, das an die gleiche Zielgruppe verkauft werden soll.
    a) Schreibe eine kurze Inhaltsangabe dieses anderen Buches, sozusagen als Verkaufsvorschlag der Autorin, damit sich der Verlag dafür entscheidet. Schau dir als Beispiel für eine solche Verlags-Inhaltsangabe den inneren Klappentext von Whisper an.
    b) Ergänze eine Art Checkliste von inhaltlichen Punkten, die laut Verlag vorhanden sein müssen, um ein ähnliches Buch erzeugen zu können.
    (Die Reihenfolge der beiden Teilaufgaben ist beliebig.)
  10. Erzählperspektive
    Hierzu gibt es viel zu untersuchen, aber dafür braucht es ein eigenes Arbeitsblatt und eine Präsentation, später einmal.

Über die Intertextualität – darunter Die Brüder Löwenherz, Eichendorffs Mondnacht (mit Fehler im ersten Vers, der das Metrum stört; kann man zum Wiederholen nutzen) – kommt man zu den Klischees. Stille im Saloon, Das Missverständnis (Es war doch nur seine Schwester), Schatten am Fenster, Finstere Mühle, Unverständliche Weissagung der Alten, Blitz und Donner beim Geisterspiel. Dann die Sprache – ein Schüler hatte das Buch als Ebook dabei, da fällt es besonders leicht, den Text nach „unendlich“ zu durchsuchen – Hyperbeln gehören sehr zum Genre. „Unendlich viel Zärtlichkeit, unendlich viel Schmerz, unendlich Trauriges.“ Thomas Mann schreibt in „Tonio Kröger“ auch einmal von einem „unendlich sympathische[m] Gesicht“, aber ansonsten ist die Liebe Krögers „gut und fruchtbar. Sehnsucht ist darin und schwermütiger Neid und ein klein wenig Verachtung und eine ganze keusche Seligkeit.“ Schon etwas differenzierter.

Das mit der Erzählperspektive ist mir wichtig, erfordert aber noch Vorarbeit. Fast alles ist personal aus der Perspektive der Heldin verfasst, aber dreimal gibt es Varianten von „little did she know“, und einige Male wird die Natur mit Fachausdrücken geschildert („Mädesüß, Hornklee, Wiesenschaumkraut“), die ich mir bei der Heldin nicht vorstellen kann, die also von einer anderen Instanz kommen müssen.

Schullektüre 2017 (1) Die Brautprinzessin

Titelbild Brautprinzessin

In der einen neunten Klasse lesen wir als Lektüre William Goldman, Die Brautprinzessin — ein Schülervorschlag, und Sieger bei der Abstimmung. Selber habe ich das Buch seit sicher mehr als zwanzig Jahren nicht mehr gelesen, damals war es toll; beim Wiederlesen jetzt war ich etwas enttäuscht – aber das lag vielleicht an der Übersetzung, die mir an etlichen Stellen unangenehm auffiel. Aber vielleicht bin ich zu empfindlich, bei Filmen allerdings stören mich Synchronfassungen kaum.

Bei Schullektüren geht es nicht hauptsächlich darum, ob einem das Buch gefällt, sondern was man damit anfangen kann im Unterricht. Erzählperspektive anschauen, Figurenkonstellation, sprachliche Bilder, Symbolik? Oder, notfalls, so etwas Vages wie: Aufbau. Noch ist mir zur Brautprinzessin nicht gar so viel eingefallen, aber das kommt vielleicht noch.

Titelbild Brautprinzessin

Wer es nicht weiß: Zum Buch gehört ein langes Vorwort, in dem der Autor und Drehbuchautor William Goldman etwas zur Entstehungsgeschichte des vorliegenden Buchs erzählt, einer bearbeiteten Fassung des Originals von S. Morgenstern. Goldmans Vater, ein Immigrant, hatte es ihm in seiner Kindheit vorgelesen, dabei aber – ohne Wissen Goldmans – die langweiligen Passagen übersprungen. Als Erwachsener bearbeitet Goldman nun das Original und legt eine Fassung vor, die nur die spannenden Teile enthält: Fecht- und Faustkampf, Rache, wahre Liebe, Verrat, Piraten, Prinzen, Prinzessinnen, Flucht und Triumph. – Das alles ist natürlich erfunden, ebenso wie die Hälfte der biographischen Details. Aber das gibt Goldman eine schöne Gelegenheit, immer wieder als vorgeblicher Bearbeiter teils umfangreiche Kommentare einzustreuen – farblich abgesetzt. Sehr auktorial!

(Genau diese Kommentare sind für mich ein besonderer Genuss am Buch, während meine Schülerinnen und Schüler sie ganz im Gegensatz als irritierend und störend empfanden. Mal sehen, ob ich ihnen meinen Genuss daran noch vermitteln kann.)

Ich nehme den Anfang der Haupterzählung auch gerne als Beispiel für auktoriales Erzählen:

In dem Jahr, als Butterblume geboren wurde, war die schönste Frau der Welt ein französisches Küchenmädchen namens Annette. Annette arbeitete in Paris für den Herzog und die Herzogin von Guiche, und es entging der Aufmerksamkeit des Herzogs nicht, dass jemand Außergewöhnliches ihnen die Zinnteller putzte. Die Aufmerksamkeit des Herzogs wiederum entging nicht der Aufmerksamkeit der Herzogin, die weder sehr schön noch sehr reich, aber enorm gescheit war. Die Herzogin machte sich daran, Annette zu studieren, und schnell fand sie die tragische Schwäche ihrer Gegnerin heraus.

Auktorial ist, wenn man das schlecht verfilmen kann, und wenn die Stimme des Erzählers mehr oder weniger deutlich kommentierend und Stellung beziehend erkennbar ist. Ohne Erzählerstimme aus dem Off lässt sich der Anfang der Brautprinzessin kaum verfilmen.

Als Gegenbeispiel präsentiere ich den Klassen gerne diese Stelle aus der Odyssee, nicht auktorial und fast nicht allwissend, und leicht zu verfilmen:

Jetzo entblößte sich von den Lumpen der weise Odysseus,
Sprang auf die hohe Schwell‘, und hielt in den Händen den Bogen
Samt dem gefüllten Köcher; er goss die gefiederten Pfeile
Hin vor sich auf die Erd‘, und sprach zu der Freier Versammlung:
Diesen furchtbaren Kampf, ihr Freier, hab‘ ich vollendet!
Jetzo wähl‘ ich ein Ziel, das noch kein Schütze getroffen,
Ob ich’s treffen kann, und Apollon mir Ehre verleihet.
Sprach’s, und Antinoos traf er mit bitterm Todesgeschosse.
Dieser wollte vom Tisch das zweigehenkelte schöne
Goldne Geschirr aufheben, und fasst‘ es schon mit den Händen,
Dass er tränke des Weins; allein von seiner Ermordung
Ahnet‘ ihm nichts: und wer in der schmausenden Männer Gesellschaft
Hätte geglaubt, dass einer, und wenn er der Tapferste wäre,
Unter so vielen es wagte, ihm Mord und Tod zu bereiten!
Aber Odysseus traf mit dem Pfeil ihn grad‘ in die Gurgel,
Dass im zarten Genick die Spitze wieder hervordrang.
Und er sank zur Seite hinab; der Becher voll Weines
Stürzte dahin aus der Hand des Erschossenen; und aus der Nase
Sprang ihm ein Strahl dickströmendes Bluts. Er wälzte sich zuckend,
Stieß mit dem Fuß an den Tisch, und die Speisen fielen zur Erde;
Brot und gebratenes Fleisch ward blutig.

Ich finde ja, dass Romane auktorial beginnen sollten: „It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity, it was the season of Light, it was the season of Darkness, it was the spring of hope, it was the winter of despair […].“ Oder von mir aus auch nur: „It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune must be in want of a wife.“ Alles andere ist Kurzgeschichtenanfang. Aber die meisten Romane der letzten hundert Jahre sehen leider anders aus.

— Im Mediävistik habe ich Tropen und Topoi kennengelernt. Ein Topos ist ein Erzählbaustein, der in verschiedenen Formen immer wieder auftaucht, seit der Antike etwa der locus amoenus – ein idyllischer, friedlicher, schöner Ort, oft einer, an dem sich das Liebespaar der Geschichte trifft. Auf Englisch heißt so ein Topos populärsprachlich inzwischen oft „trope“, das ist vielleicht ein wenig verwirrend.

Gerade Genre- und Unterhaltungsliteratur, aber nicht nur die die, ist voll solcher Figuren. Ich habe davon einige – seriöse und weniger seriöse – bei tvtropes.org geklaut und für die Schülerinnen und Schüler übersetzt; sie sollten dann Beispiele aus der Brautprinzessin (1 Punkt) und aus anderen Werken – Film, Fernsehserie, Comic, Buch – dafür finden (2 Punkte). Das Team, das als erstes 50 Punkte zusammen hat, meldet sich. Technisch würde man nicht alles als Topos bezeichnen, aber sei’s drum.


Rahmenhandlung
Die Hauptgeschichte ist eingebettet in eine andere Geschichte. Der Rahmen kann nur am Ende oder nur am Schluss oder an beiden Enden auftauchen, oder auch zwischendurch; er kann mehr oder weniger mit der Binnenerzählung zu tun haben.

Höfliche Bösheit
Der Schurke ist ein besonders höflicher und scheinbar freundlicher Mensch. (Allein schon das Konzept „Schurke“ ist ein Topos.)

Der trinksüchtige Held
Ein Held hat ein Laster, häufig Alkohol, gegen das er ankämpft. Gibt es häufig auch im Western.

Anachronismus-Eintopf
Ein Anachronismus liegt dann vor, wenn in einem Werk, das zu einer bestimmten Zeit spielt, etwas erscheint, das erst in einer späteren Zeit erfunden oder bekannt wird. Kann Absicht oder Zufall sein.

Böser Aristokrat
Aristokraten sind böse, einfaches Volk ist gut.

Kampf der Gewitztheit
Held und Schurke messen ihren Verstand.

Der große Kuss
Ein Kuss, auf den der Leser oder die Leserin lange gewarttet haben.

Groß, dünn und klein: Das Trio
Ein Held ist besonders groß, einer besonders dünn, einer klein.

Held mit Schlagwort
Ein Held oder eine Heldin hat einen Ausdruck, den er oder sie immer wieder verwendet.

Prinzessin in Gefahr
Eine Heldin (weiblich), nicht unbedingt eine Prinzessin, ist in Gefahr und muss von einem Helden (männlich) gerettet werden.

Der Drache
Der Oberschurke hat oft einen besonders starken oder mächtigen Gehilfen oder Mitschurken, der erst überwunden werden muss, bevor man zum Oberschurken vordringt.

Albinos sind böse
Selbsterklärend.

Der sanfte Riese
Eine besondes starke, aber auch besonders sanftmütige Figur.

Die Eiskönigin
Eine abweisende Frau, die dann doch auftaut (und sich etwa in den Helden verliebt).

Der Literaturagent
Der echte Autor eines Werks tut so, als wäre er nur der Herausgeber, Bearbeitet, oder literarischer Agent eines erfundenen Autors.

Harmlose Piraten
Piraten, tatsächlich sehr blutrünstige Gestalten, werden als recht harmlos dargestellt.

Attribute sind cool
Eigennamen von Personen, Orten oder Gegenschaften mit einem Attribut (meist: Adjektiv oder Genitiv-Attribut) im Namen.

Der unzuverlässige Erzähler
Ein Erzähler, bei dem man nicht sicher sein kann, dass er stets die wahrheit sagt. Immer ein Ich-Erzähler.


Bestimmt muss man einige dieser tropes problematisieren, etwa die Eiskönigin und die Prinzessin in Gefahr. Und auch Albinos sind nicht böser als andere.
Nach ein wenig Zögern am Anfang fanden die Schülerinnen und Schüler dann doch reichlich Beispiele und hatten Lust am Suchen. Ein Team heimste besonders viele Punkte bei den großen Küssen ein (Vampirgeschichten und so). Viele Beispiele stammten aus Barbie-Filmen, die ich alle nicht kenne. Am schwierigsten war der unzuverlässige Erzähler, da kam nur ein Ergebnis bisher.

Brauchen wir einen literarischen Kanon? (Und: Schullektüren, Lesebücher.)

So lautete, verkürzt gesagt, das Erörterungsthema im bayerischen Abitur 2017, aufgehängt an einer Analyse der Argumente und Argumentationsweise einer Rede von Roman Herzog 1997. Bob Blume macht sich auch Gedanken über Literaturkanons, und darum, ob man Computerspiele im Unterricht so wie Texte behandeln sollte. Und weil ich heute mit meiner 9. Klasse die nächste Schullektüre ausgewählt habe, möchte ich auch meinen Senf zu Literatur im Deutschunterricht geben.

1. Ja, wir brauchen einen Literaturkanon.

(Gründe siehe irgendwo, da gibt es genug, die schenke ich mir.)

Aber wir kriegen nicht so leicht einen. Ich wüsste ja auch keine Instanz, die einen verbindlichen Kanon vorschreiben könnte. Und wem denn überhaupt? Sicher nicht den öffentlichen Bühnen; bleiben also die Schulen, und das Kultusministerium möchte ich sehen, dass eine längerfristig verbindliche Lektüreliste festlegt. Zumal das ja nur bundeslandübergreifend Sinn machen würde.

Einen Kanon in dem Sinn, dass eine Autorität formal ein Buch in eine Liste kanonisierter Bücher aufnimmt, wird es also nicht geben. Obwohl, so eine Art Walhalla oder wenigstens Ruhmeshalle wie hinter der Bavaria wär schon auch nett. Gipsabdrücke zentraler Werke, dann müsste man sie auch nicht lesen. — Was so ein Kanon im ursprünglichen Sinn ist, wissen manche Schüler übrigens sehr wohl: Im Star-Wars-Universum gibt es nicht nur die Filme, und Fernsehserien, sondern auch Bücher. Und manche dieser Bücher und Filme sind kanonisch, das heißt, ihre Handlung gehört offiziell, von Lucas, dann Disney abgesegnet, zum Star-Wars-Universum. Die alten Star-Wars-Comics von Marvel? Nicht kanonisch. Das Star Wars Holidy Special von 1978? Trotz Drehbuch von Lucas nicht kanonisch. Der Roman Die neuen Abenteuer des Luke Skywalker von Alan Dean Foster? Keine Ahnung. Als vor wenigen Jahren die jüngsten Filme ins Kino kamen, wurden plötzlich Jahrzehnte voller Romane aus dem Kanon gestrichen, sind jetzt Häresie, weil sie den neuen Filmen widersprechen. Bei Superhelden, Marvel und DC, und Sherlock Holmes, Star Trek und überhaupt jeder Serie gibt es kanonische und unkanonische Werke, und Aficionados diskutieren das Thema gerne.

Um so einen Kanon geht es also nicht. Trotzdem gibt es so etwas ähnliches. Im Studium hieß es: Kanonisch ist ein Buch dann, wenn man den Inhalt kennt, obwohl man es nie gelesen hat – weil es so oft zitiert wird, weil man so viel davon gehört hat, dass sich das ergibt. Wie groß ist der Buchkanon in Deutschland? Sehr, sehr klein. Wenn ich mit Schülern und Schülerinnen auf gemeinsame Werke zugreifen will, muss ich zu Filmen ausweichen, und selbst da gibt es wenige – Star Wars, Harry Potter. Bei Büchern: Harry Potter, noch. Nach der Schulzeit: Faust, Woyzeck. E.T.A. Hoffmann. Fontane.

Wie entsteht so ein literarischer Kanon? Indem überhaupt erst einmal gelesen wird, und indem über Bücher geredet wird – in Zeitungen, in Blogs, im Fernsehen, im Kino, in der Schule. Bei der Wahl einer Schullektüre ist es ein Faktor unter mehreren, ob ein Buch kanonisiert gehört, meiner Meinung nach. (Wessen sonst?) Bei zwei gleich geeigneten Werken nehme ich das, das Schüler in eine größere Gemeinschaft oder mit der Vergangenheit einbindet.

Das bringt mich zu Schullektüren.

2. Schule treibt Leuten nicht das Lesen aus

Ich lese das immer wieder mal, dass junge Leute so gern gelesen haben, bis die Schule ihnen das mit der Lektürebehandlung dort ausgetrieben hat. Ich glaube nicht, dass das oft vorkommt. In der Pubertät hört man aus verschiedenen Gründen mit dem Lesen auf. Dass man in der Schule Dürrenmatt lesen musste, dürfte nur in seltenen Fällen ein Problem sein. Wenn man dort Lieblingsbücher der Schüler zerredete, vielleicht; aber das kommt nicht vor.
Gleichfalls glaube ich nicht, dass Lektüre, wie man sie in der Schule einsetzt, Spaß machen muss. Es ist schön, wenn das so ist, aber Lesen kann eben auch Arbeit sein, das weiß jeder Geisteswissenschaftler und jeder, der sonst mit Texten arbeitet. Leseförderung in der Schule ist wichtig, aber ich bezweifle, dass Schullektüren, wie sie traditionell eingesetzt werden, dazu beitragen.

3. Ich möchte ein Lesebuch

Das mehr so als ceterum censeo: Was ist eigentlich mit den Lesebüchern passiert? Da gibt es sicher Forschung dazu, aber ich habe nicht die Zeit, ihr nachzugehen. Hier würde ich anfangen: Wikipedia, Notizen mit Quellen (pdf), ein Skript zur Geschichte der Deutschdidaktik (ganz unten auf der Seite). Bis Ende des 20. Jahrunderts hatten Schüler in Bayern ein Sprachbuch, das von meinen liebsten Deutschlehrern nie, und ein Lesebuch, das selten verwendet wurde. (Blogeintrag zu meinem Lesebuch der 11. Klasse.)

Danach verschwand das Lesebuch; Schülerinnen heute kriegen ein kombiniertes Sprach-/Lesebuch, das von Lehrern unterschiedlicher Generationen vermutlich unterschiedlich eingesetzt wird. Ich verwende es nach der Unterstufe nur noch als Materialquelle, vor allem für die Gedichte dort. Selbst die Prosatexte verwende ich nur gelegentlich. Die Erklärungen zum Aufbau eienr Erörterung oder die Arbeitsaufgaben zu den Texten verwende ich sehr selten. Trotz des Buches kriegen meine Schülerinnen und Schüler viel Papier: Die Textauswahl in den Sprachbücher ist viel zu gering. Exploratives Verhalten und offene Aufträge, die nicht an einen bestimmten Text gebunden sind, sind mit solchen Büchern auch schwer möglich, sondern nur mit einem Lesebuch.

Warum ist es verschwunden? Ich weiß es nicht. Damit die Schüler weniger tragen müssen? Weil Lesebücher nach Kanon riechen und der verpönt ist? Weil Schulen keines mehr gekauft haben und die Verlage deshalb keine produzierten? Weil die Verlage keine mehr produzierten, weil Lesebücher vielleicht lehrwerksunabhänging waren und deshalb nicht bei jedem neuen Lehrplan ein neues gekauft werden musste? Weil Lehrer nicht mit Texten allein arbeiten wollen, sondern Begleitmaterial dazu brauchen?

Was ich gerade in meinen Klassen mache

Statt Referate müssen meine Neuntklässler in Deutsch das Jahr über Reden halten. Inhalt und Anlass dürfen sie frei wählen; es gibt eine Note auf den Vortrag und eine auf den Text, der Strktur aufweisen muss und Stilmittel, auf jeden Fall ein gutes Bild und Anaphern oder Parallelismen. Bisher hatten wir schon: Eine Rede zur Silberhochzeit der Eltern, eine zu einem fünfundzwanzigsten Betriebsjubiläum, eine Hochzeitsrede, eine Abiturrede, eine politische Rede anlässlich der US-Wahlen. Die Reden dürfen – angelehnt an eine Loriot-Rede im Schulbuch – Parodien auf Reden sein, das war bisher aber nur eine. Die Texte danach lesen sich gut, aber im Vortrag, mit Ernsthaftigkeit und Textkenntnis und am Stehpult vorgebracht, kommen sie noch viel, viel besser. (Ansonsten gerade: Essays schreiben; Kurzgeschichten lesen.)

Meine 6. Klasse in Informatik sehe ich nur alle zwei Wochen, höchstens, dafür dann jeweils doppel- statt einstündig. Heute eine Ex geschrieben, was sich gut traf, da wir eh in einem Klassenzimmer statt dem engen Computerraum waren. Und danach haben wir ohne Rechner gearbeitet, tut manchmal ganz gut. Ein Schüler sprach mich auf meinen Youtube-Kanal an, den mussten wir dann natürlich anschauen. (Ist ja eh nur Informatik-Zeug drauf, fast nur jedenfalls. Und eine Ukuleleaufnahme, vier Jahre alt, für die ich mich eigentlich entschuldigen muss. Grauslich. War das erste, das sie sehen wollten.)

In der 7. in Informatik heute etwas zu Phishing und anderen Problemen im Zusammenhang mit E-Mails gemacht. Steht zwar alles nicht im Lehrplan, ist aber wichtig. Hier ein Online-Test, ob man Phishing- von echten Nachrichten unterscheiden kann. In der Stunde zuvor haben wir uns über die Vorteile von E-Mail ausgetauscht, und darüber, dass man dafür Apps und eigene Programme nutzen kann. Dann haben wir mit dem Mail-Simulator http://www.minimehl.de/ ein bisschen Mail simuliert.

Das W-Seminar zu text-based computer games musste gestern ein wenig interactive fiction programmieren, mit Inform 7. Das liegt manchen sicher mehr als anderen.

Der Elferkurs Informatik hat letzte Woche Klausur geschrieben; morgen kommt – als Pause vor dem neuen Stoff – ein wenig Programmierübung dazu. Mal sehen, ob sie die selbst programmierten einfach verketteten Listen auch für kleine Vorhaben verwenden können.

Die eine zehnte Klasse programmiert munter das GeisterGo-Projekt vor sich hin (inzwischen mit Kartenmaterial aus dem OpenStreetMap-Projekt) die andere ebenfalls – allerdings mit den Praktikanten zusammen, die meinen Unterricht fast völlig übernehmen und das sehr gut machen. Ich habe mir auch schon neue Ideen abschauen können. Im Informatikunterricht gibt es immer wieder Phasen, in denen die Schülerinnen und Schüler allein arbeiten und dabei auf Probleme stoßen; da ist es besonders hilfreich, wenn nicht nur eine Lehrkraft herumgeht und Hilfe anbieten kann, sondern gleich vier. Auch sonst könnte ich mich daran gewöhnen, in eienr Grupp ezu unterrichten. Wir sollten viel mehr Gespräch unter einander einbauen, quasi sokratische Dialoge dramatisch vorspielen… mache ich natürlich nicht, die sollen ja auch üben, wie das alleine geht. Aber lustig wär’s schon.