Informierendes Schreiben: Die Walhalla

Es gibt seit zehn Jahren im Abitur “informierendes Schreiben”, meist in Form einer Eröffnungsrede oder eines Vorworts zu einem Ausstellungskatalog, mit Themen wie: “Das Unheimliche in der Literatur” oder Faust. Dazu gibt es dann jeweils vier oder fünf Seiten Material, aus denen man sich einfach die interessanten Sachen heraussucht. Es ist keine sehr beliebte Aufsatzsorte im Abitur und taucht dort auch nur alle paar Jahre auf – aber diesmal eben schon, so dass ich meinen Kurs darauf vorbereite. Das haben wir schon im letzten Schuljahr gemacht, aber zu einem Übungsaufsatz war es nicht gekommen, und ich wollte nicht gleich wieder …

Zaubersprüche und ihre Namen (Wortschatzübung)

Im Fantasy-Rollenspiel (Pen & Paper) Das Schwarze Auge gab oder gibt es viele Zaubersprüche, die oft gereimt sind und mit altmodischen Wörtern oder Fremdwörtern spielen. Zum Beispiel stecken im Namen des Zaubers „Armatrutz – Schild und Schutz!“, mit dem man eine magische Rüstung erzeugen kann, das lateinische arma, „Waffen“ (englisch arms, deutsch Armee, Alarm, französisch arme) und das deutsche Trutz, „Widerstand“ (auch in: trotz, trotzen, Trotz, Trutzburg). [Fußnote: Zaubersprüche und Rituale aus verschiedenen Auflagen des Spiels werden hier zusammengefasst dargestellt. In späteren Fassungen heißen die Sprüche weniger blumig.] Deine Aufgaben: Schreibe für jeden Zauberspruch die mehr oder weniger versteckten Wörter …

TDDL 2021

Leider zu spät daran gedacht, sonst hätte ich das vor ein paar Tagen hier geschrieben: Gestern, heute und morgen sind die jährlich stattfindenden Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, in deren Rahmen der Ingeborg-Bachmann-Preis (Wikipedia) verliehen wird. Jeder Kandidat, jede Kandidatin wird dabei in einer Stunde präsentiert: Nach einführenden Worten wird ein Vorstellungsvideo gezeigt, daraufhin lesen Autor oder Autorin fünfundzwanzig Minuten aus ihrem Werk (dieses Jahr auch das per aufgezeichnetem Video), worauf sich die Jury darüber live darüber unterhält. Passt wunderbar in einer Schul-Doppelstunde. Alle Jury-Mitglieder hatten Gelegenheit, vorher den Text zu lesen; der Autor oder die Autorin sind während …

Der IT-Imperativ

Hessen stellt für das Abitur in Informatik in Java Namenskonventionen auf: Java-Styleguides der Abiturkommission, orientiert an anderen Konventionsgebern. Vieles davon ist sinnvoll. Aber an folgende, auch in Bayern verbreitete Regelung halte ich mich schon einmal nicht: Attributnamen beginnen im Englischen immer mit einem Kleinbuchstaben und im Deutschen mit einem Großbuchstaben, da sonst gegen die Lesegewohnheiten verstoßen wird. Ich ergänze: da sonst auch gegen die Rechtschreibung verstoßen wird. Im Deutschen beginnen Substantive wie Alter, Gehalt und Verbrauch mit einem Großbuchstaben. Im Informatikunterricht diese mit Kleinbuchstaben beginnen zu lassen, ist im Sinne des sprachsensiblen Fachunterrichts vollkommen kontraproduktiv. via Twitter: https://twitter.com/a_siebel/status/1401618841533358084 Meine Attributsbezeichner …

Zeichnungen zu Gedichten

Elfte Klasse, den Inhalt eines Gedicht als Bild zusammenfassen, im Unterricht – auf Papier oder hier auf verschiedenen Tablets: Welches Gedicht hier abgebildet wird, ist Deutschlehrkräften wohl sehr schnell klar, und wer sonst einen kleinen Überblick über deutsche Lyrik hat, kennt das sicher auch. Der Hintergrund ist der: Zu manchen Gedichten lässt sich leicht eine Illustration anfertigen, zu anderen nicht. Aufgabe: Finde weitere Gedichte im Schulbuch, die sich gut oder eben auch schlecht illustrieren lassen. Ergebnis: Gedankenlyrik geht gar nicht. Gedichte, in denen es viel um Innenleben geht (sagen wir mal: Erlebnislyrik), gehen dann, wenn das Innenleben an konkreten Bildern …

Fachsitzungen, literarische Detektivarbeit, Online-Vorlesen

Mittwoch: Fachsitzungen Am Mittwoch ist Buß und Bettag, ein Feiertag, der gestrichen wurde, aber schulfrei bleibt, so dass die Lehrer und Lehrerinnen den irgendwie reinarbeiten müssen. Ich dachte, das hätten wir für dieses Jahr schon zu Genüge getan, aber sei’s drum, schon okay. Jedenfalls hatte ich drei Fachsitzungen am Vormittag, jeweils per Videokonferenz. Unerwartet zwei Phänomen: Man ist gezwungen, einander ausreden zu lassen und kann einander schlechter ins Wort fallen, weil Konferenzsoftware damit nicht gut umgehen kann. Der parallele öffentliche Chat eröffnet ganz neue Diskussionsformen. Kurz Fragen klären, nachhaken, kommentieren – und das alles am Protokoll vorbei, vermute ich. Oder …

Verschnaufpause

Am Dienstag Big-Blue-Button-Fortbildung angeboten, sozusagen – aber was heißt schon Fortbildung? Zu einer BBB-Konferenz eingeladen und in der BBB vorgestellt – sich bei unserer BBB-Installationen einen Account geben lassen und einfach mal hingehen, das ist ja eigentlich schon alles. Danach einfach mal alle Knöpfe drücken. (Und festgestellt, dass IOS mit Safari große Schwierigkeiten hat und macht.) Danach Green Shakshuka nach diesem Rezept gemacht, auf Kommentatorin Annes Vorschlag hin: War gut, aber mir fiel auf, dass das dann eigentlich auch nur Spinat mit Ei drauf ist, obwohl green shakshuka viel cooler klingt. Am Mittwoch Klassenelternabend, nicht online, aber etwas reduziert: Sehr …

Gulasch, Räuber, kommunikativer Sexismus

Abendessen war Wildschweingulasch, um die Heizperiode einzuleiten: Dazu Böhmische Knödel, fast so gut wie in meiner Kindheit. Ich habe allerdings weniger Rollmuster innen in Erinnerung. Das Rote ist Moosbeerenmarmelade, gesammelt, gemacht und geschenkt bekommen vom lieben Kollegen. Als Nachtisch gab es doch noch Sommerliches: Zum ersten Mal Wassermelone aus dem Kartoffelkombinat, unserer Anbaugenossenschaft. War sehr süß, sehr lecker. In der Schule in der 10. Klasse Die Räuber gemacht. Eigentlich ist ja gerade Lyrik, aber da habe ich Übungsaufsätze gekriegt, und Drama kommt bei vielen besser an – ich finde das Stück auch sehr zugänglich. Erste Szene, Besetzungsfragen: der alte Moor …

Historische Didaktik: Lernzirkel nach 1998 über die Literatur nach 1945

Der Ausgangspunkt: Ich habe im Abiturkurs noch zwei Doppelstunden Deutsch vor den Faschingsferien; zum vorangegangenen Termin wurde die mit dem Thema gründlich abschließende Klausur geschrieben: Was als Nächstes, am folgenden Tag, tun? Nachkriegszeit steht im Lehrplan, keine Epoche, auf die ich einen Schwerpunkt legen will. Da erinnere ich mich an einen Lernzirkel zu diesem Thema, den ich 2004 bereits einmal durchgeführt habe und den ich damit noch gespeichert und auf meinem Stick dabei habe. Ich beschließe spontan, den Lernzirkel auszuprobieren – nach der Klausur und vor den Ferien ist das vielleicht auch eine Abwechslung für die Schülerinnen und Schüler. So …

In der Biberrepublik

Erinnerungen an Venedig “Alle Städte sind gleich, nur Venedig ist ein bissl anders.” So lässt Friedrich Torberg die Tante Jolesch sagen, und die Tante Jolesch hat gar nicht Unrecht damit. Venedig ist anders. Venedig ist ganz genau so, wie es im Film Top Hat (1935) dargestellt wird, zum Beispiel am Anfang dieser Szene: Wohlgemerkt: Das soll das echte Venedig sein, in dem sich die von Fred Astaire und Ginger Rogers gespielten Charaktere aufhalten, nicht etwa eine Venedig-Revue auf einer großen Bühne. Und doch trifft diese Märchenlandschaft das Unwirkliche von Venedig besser, als man meint. Vielleicht ist das Surrealste die Tatsache, …