Lebenszeichen: Griechische Sagen, Who’s on First, Oscar Wilde, schnell mal das meiste notiert, was los war

Ich schmettere derzeit jedem Kollegen, der über zuviel Vertretung oder fehlendes Wissen bei den Schülerinnen und Schülern klagt, ein frohes: „Schule muss mehr sein als Unterricht!“ entgegen. Meine Hoffnung, dass die Kollegen dabei einen Zusammenhang herstellen (oder mir wenigstens widersprechen), wurde bisher noch nicht durch eine eindeutige Reaktion als eine begründete bestätigt. Das mit dem „mehr als Unterricht“ höre ich etwas zu oft im Moment. *** Griechische Sagen: Kommen sehr gut bei der 6. Klasse an, aber die wollen wirklich sehr viel wissen, da reicht mein sehr solides Halbwissen nicht ganz aus. Hier meine Diagramme dazu: Aber natürlich fehlt immer … Continue reading "Lebenszeichen: Griechische Sagen, Who’s on First, Oscar Wilde, schnell mal das meiste notiert, was los war"

Einstieg in die Erörterung: Mit Liegestützen zum Bürgerentscheid

Ich habe ja oft genug geschrieben, dass ich mit der Erörterung hadere. Aber gut, auf ein Neues! Vor vier Wochen gab es einen Bürgerentscheid in München, abgestimmt wurde über folgende Frage: Sind Sie dafür, dass der Block 2 (Steinkohlekraftwerk) des Heizkraftwerks Nord bis spätestens 31.12.2022 stillgelegt wird? Zusammen mit den Unterlagen zum Bürgerentscheid kam ein kleines vierseitiges Heftchen, in dem die Vertreter des Bürgerentscheids auf der einen sowie der Stadtrat auf der anderen Seite Stellung zu dem Entscheid nahmen – Pro und Kontra, These und Antithese. Diese Texte lasen die Schülerinnen und Schüler und mussten sich danach ohne größere Diskussion … Continue reading "Einstieg in die Erörterung: Mit Liegestützen zum Bürgerentscheid"

Schullektüre 2017 (2) Whisper

Wenn man als Lehrer die Schullektüre auswählt und sie den Schülern und Schülerinnen nicht gefällt, ist das kein Problem. Das halten Lehrer aus, und außerdem kommt es ja auch nicht darauf an, dass die Lektüre unmittelbar gefällt. Dass es der Deutschunterricht mit den Lektüren ist, die Schülern das Lesen vergällt, halte ich ohnehin für ein Gerücht. Wenn man die Schülerinnen auswählen lässt, und ein Vorschlag wird dann genommen, und dann gefällt es der Klasse nicht – das stelle ich mir schon schwieriger vor. Aber vermutlich reicht es da, wenn der Lehrer sagt, dass ihm das Buch nicht gefallen hat, um … Continue reading "Schullektüre 2017 (2) Whisper"

Schullektüre 2017 (1) Die Brautprinzessin

In der einen neunten Klasse lesen wir als Lektüre William Goldman, Die Brautprinzessin — ein Schülervorschlag, und Sieger bei der Abstimmung. Selber habe ich das Buch seit sicher mehr als zwanzig Jahren nicht mehr gelesen, damals war es toll; beim Wiederlesen jetzt war ich etwas enttäuscht – aber das lag vielleicht an der Übersetzung, die mir an etlichen Stellen unangenehm auffiel. Aber vielleicht bin ich zu empfindlich, bei Filmen allerdings stören mich Synchronfassungen kaum. Bei Schullektüren geht es nicht hauptsächlich darum, ob einem das Buch gefällt, sondern was man damit anfangen kann im Unterricht. Erzählperspektive anschauen, Figurenkonstellation, sprachliche Bilder, Symbolik? … Continue reading "Schullektüre 2017 (1) Die Brautprinzessin"

Brauchen wir einen literarischen Kanon? (Und: Schullektüren, Lesebücher.)

So lautete, verkürzt gesagt, das Erörterungsthema im bayerischen Abitur 2017, aufgehängt an einer Analyse der Argumente und Argumentationsweise einer Rede von Roman Herzog 1997. Bob Blume macht sich auch Gedanken über Literaturkanons, und darum, ob man Computerspiele im Unterricht so wie Texte behandeln sollte. Und weil ich heute mit meiner 9. Klasse die nächste Schullektüre ausgewählt habe, möchte ich auch meinen Senf zu Literatur im Deutschunterricht geben. 1. Ja, wir brauchen einen Literaturkanon. (Gründe siehe irgendwo, da gibt es genug, die schenke ich mir.) Aber wir kriegen nicht so leicht einen. Ich wüsste ja auch keine Instanz, die einen verbindlichen … Continue reading "Brauchen wir einen literarischen Kanon? (Und: Schullektüren, Lesebücher.)"

Was ich gerade in meinen Klassen mache

Statt Referate müssen meine Neuntklässler in Deutsch das Jahr über Reden halten. Inhalt und Anlass dürfen sie frei wählen; es gibt eine Note auf den Vortrag und eine auf den Text, der Strktur aufweisen muss und Stilmittel, auf jeden Fall ein gutes Bild und Anaphern oder Parallelismen. Bisher hatten wir schon: Eine Rede zur Silberhochzeit der Eltern, eine zu einem fünfundzwanzigsten Betriebsjubiläum, eine Hochzeitsrede, eine Abiturrede, eine politische Rede anlässlich der US-Wahlen. Die Reden dürfen – angelehnt an eine Loriot-Rede im Schulbuch – Parodien auf Reden sein, das war bisher aber nur eine. Die Texte danach lesen sich gut, aber … Continue reading "Was ich gerade in meinen Klassen mache"

Zu abstrakt?

<small>(Zu unsauber, höre ich gleich den ersten Kommentar. Zugegeben. Ich habe die Tafel so von der geschätzten Kollegin übernommen.)</small> Meine Neuntklässler müssen gerade Essays schreiben, und die sind ja freier im Aufbau als die Erörterungen, die sie bisher gewöhnt sind. Das stellt sie vor heilsame Schwierigkeiten. Sie müssen selber entscheiden, welche Struktur sie ihrem Aufsatz geben, und dass er Struktur haben muss, das habe ich ihnen ausreichend klar gemacht. (Was mit Struktur eigentlich gemeint ist… das dauert sicher noch etwas, bis das klar ist.) Die Modelle A bis F habe ich auf der Tafel skizziert. Modell A ist das, was … Continue reading "Zu abstrakt?"

Fachsitzung Deutsch: KMS Aufsatz 2016

Ein KMS ist ein kultusministerielles Schreiben, mit verbindlichen Anweisungen aus dem Kultusministerium. So etwas kommt ab und zu, und dann muss man sich daran halten. Daneben gibt es noch den Kontaktbrief aus dem ISB, einer dem Kultusministerium nachgeordneten Behörde, die für dieses die tatsächlichen pädagogischen Aufgaben erfüllt, und den KontaktbriefPlus, weil nicht alles in einen einzigen Kontaktbrief passt. Das ist inhaltlich meist sinnvoller, enthält aber nur Anregungen und Informationen und keine Anweisungen. Die Inhalte all dieser Schreiben werden auf Fachsitzungen an den Schulen besprochen. Vor allem das KMS vom letzten Juli sorgt dabei für Trubel bei Deutschlehrern, es geht darin … Continue reading "Fachsitzung Deutsch: KMS Aufsatz 2016"

Gedankenaustausch bei Twitter: Deutungsthesen und Schulhomepages

Zwei Gedankenaustausche bei Twitter letzte Woche, der erste zum Thema Aufsatzdidaktik: Schülerinnen und Schüler schreiben in allen Bundesländern Interpretationsaufsätze zu Dramen, Erzählungen, Gedichten. Dazu gehört dann jeweils eine Beschreibung der wichtigsten Phänomene – Erzählverhalten, Figurenkonstellation, Art der Äußerungen, Form, und die bekannten sprachlichen und stilistischen Auffälligkeiten. Das alles soll aber münden in eine eigenständige Deutung des Textes: Was bedeutet das alles denn nun? (Das ist eine ganz andere Frage als die, was der Autor damit wollte, wird aber oft damit verwechselt.) Im Lehrplan heißt das: „Vor dem Hintergrund der Mehrdeutigkeit literarischer Texte entfalten die Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Textverständnis … Continue reading "Gedankenaustausch bei Twitter: Deutungsthesen und Schulhomepages"

Mir ist egal, was der Autor meinte

Übrigens habe ich da noch ein Bild für die Deutsch-#Lehrer*innen in meiner TL. PS: Mein Tweet hat keine Metaebene. pic.twitter.com/jUkzxO4fK1 — Dejan Mihajlović (@DejanFreiburg) 9. Mai 2016 (Bild: Was der Autor meinte vs. Was dein Deutschlehrer denkt, was der Autor meinte.) War sicher lustig gemeint, und sollte vielleicht einfach die Deutschlehrer auf die Palme bringen. Aber viele Leute scheinen echt zu glauben, das dass an diesen Gedanken etwas dran ist. Und das liegt an einem Missverstehen. Also: Mir als Lehrer und Leser ist egal, was der Autor meinte. Und hoffentlich – zugegeben, hoffentlich – ist das bei allen anderen Lehrern … Continue reading "Mir ist egal, was der Autor meinte"