Zu abstrakt?

Schultafel mit abstrakten Gliederungen

Schultafel mit abstrakten Gliederungen

<small>(Zu unsauber, höre ich gleich den ersten Kommentar. Zugegeben. Ich habe die Tafel so von der geschätzten Kollegin übernommen.)</small>

Meine Neuntklässler müssen gerade Essays schreiben, und die sind ja freier im Aufbau als die Erörterungen, die sie bisher gewöhnt sind. Das stellt sie vor heilsame Schwierigkeiten. Sie müssen selber entscheiden, welche Struktur sie ihrem Aufsatz geben, und dass er Struktur haben muss, das habe ich ihnen ausreichend klar gemacht. (Was mit Struktur eigentlich gemeint ist… das dauert sicher noch etwas, bis das klar ist.)

Die Modelle A bis F habe ich auf der Tafel skizziert. Modell A ist das, was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler sich gar nicht um die Gliederung kümmern: Einleitung und Schluss, dazwischen eine Aneinandererreihung kaum verbundener Gedanken. Modell F ist zu fisselig. Modell B: Eine Zweiteilung – Vorteile/Nachteile, Privat/Öffentlich, Schüler/Lehrer. Modell C: Eine Dreiteilung – Frühstück/Mittagessen/Abendessen, Eltern/Lehrer/Schüler. Modell D: Vierteilung  – Frühling/Sommer/Herbst/Winter, Modell E: nähert sich schon wieder der bloßen Reihung.

Im Moment habe ich viel zu tun, deswegen lasse ich die Schüler mehr schreiben und einander die Aufsätze korrigieren. Das sollen sie eh lernen, ist aber gar nicht so leicht. Und das mit der Struktur… schauen wir mal, was sich ergibt, wenn sich Schülerinnen und Schüler bewusst für eien Zwei-, Drei-, Vierteilung ihres Hauptteils entscheiden, statt das gelernte und nicht wirklich verstandene Schema der anderen Aufsätze anzuwenden.

Fachsitzung Deutsch: KMS Aufsatz 2016

Ein KMS ist ein kultusministerielles Schreiben, mit verbindlichen Anweisungen aus dem Kultusministerium. So etwas kommt ab und zu, und dann muss man sich daran halten. Daneben gibt es noch den Kontaktbrief aus dem ISB, einer dem Kultusministerium nachgeordneten Behörde, die für dieses die tatsächlichen pädagogischen Aufgaben erfüllt, und den KontaktbriefPlus, weil nicht alles in einen einzigen Kontaktbrief passt. Das ist inhaltlich meist sinnvoller, enthält aber nur Anregungen und Informationen und keine Anweisungen. Die Inhalte all dieser Schreiben werden auf Fachsitzungen an den Schulen besprochen.

Vor allem das KMS vom letzten Juli sorgt dabei für Trubel bei Deutschlehrern, es geht darin ums Aufsatzschreiben. Manche Formulierungen darin sind leider etwas unklar, aber es scheint so zu sein, dass die Gliederung nicht mehr Bestandteil von Schulaufgaben ist. Also: Gliederungen wird es weiter geben, und sie sind auch eminent wichtig und müssen gelernt werden – aber in Schulaufgaben verlangen darf man sie nicht mehr. Mal sehen, ob die Schülerinnen und Schüler dann in Zukunft noch mehr als eine Skizze vor der Schulaufgabe anfertigen. Den guten reicht das sicher, den schwachen – mal sehen. Ich glaube allerdings tatsächlich, anders als manche geschätzten Kollegen, dass die Gliederungen in der praktizierten Form mehr Ressourcen gebunden haben als sinnvoll.

Die Nutzung von Textverarbeitungsprogrammen bei der Abfassung schriftlicher Übungen und Aufgaben außerhalb von Leistungsnachweisen wird je nach den schulischen Gegebenheiten empfohlen.

Vermutlich heißt das, dass man keine Leistungsnachweise am Computer schreiben soll, aber ob das jetzt ein Verbot sein soll oder nicht, das wird nicht klar. Ich kenne diese unklaren Formulierungen auch aus Schulordnungen und Hausordnungen.

— Dass die Schüler und Schülerinnen lernen sollen, ihre Texte zu überarbeiten, ist nichts Neues. Ich halte das auch für wichtig, und das geschieht zu wenig. Aber es lässt sich auch schlecht machen auf Papier; kaum ein erwachsener Mensch schreibt so noch gute Texte. Dass diese Papiertümelei jetzt aber zur eigenen, lernenswerten Fertigkeit stilisiert wird, finde ich etwas albern:

Kriterien und Verfahren des Überarbeitens werden bei jedem Schreibprozess altersgerecht vermittelt. Insbesondere lernen die Schülerinnen und Schüler das saubere Durchstreichen älterer Textversionen und die unmissverständliche Zuordnung überarbeiteter, ergänzter oder umgestellter Textteile – etwa durch das Nutzen von Leerzeilen oder geeigneten Verweissystemen.

Ich seh mich schon ein Übungsarbeitsblatt entwerfen, wo die Schülerinnen lernen, Wörter einzubauen oder Absätze einzufügen und Sätze umzubauen.

Gedankenaustausch bei Twitter: Deutungsthesen und Schulhomepages

Zwei Gedankenaustausche bei Twitter letzte Woche, der erste zum Thema Aufsatzdidaktik: Schülerinnen und Schüler schreiben in allen Bundesländern Interpretationsaufsätze zu Dramen, Erzählungen, Gedichten. Dazu gehört dann jeweils eine Beschreibung der wichtigsten Phänomene – Erzählverhalten, Figurenkonstellation, Art der Äußerungen, Form, und die bekannten sprachlichen und stilistischen Auffälligkeiten. Das alles soll aber münden in eine eigenständige Deutung des Textes: Was bedeutet das alles denn nun? (Das ist eine ganz andere Frage als die, was der Autor damit wollte, wird aber oft damit verwechselt.)

Im Lehrplan heißt das: „Vor dem Hintergrund der Mehrdeutigkeit literarischer Texte entfalten die Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Textverständnis und begründen dieses textnah und plausibel.“

Vorgesehen ist das Arbeiten so, dass man zuerst eine Stoffsammlung anlegt, also – am besten schon strukturiert – Notizen macht. Dann legt man eine Gliederung des ganzen Aufsatzes an. (Die muss in Bayern mit bewertet werden.) Und dann schreibt man den Aufsatz.

Das an meiner Schule eingeführte Schulbuch sieht dazu vor, dass Schülerinnen und Schüler am Anfang des Hauptteils des Aufsatzes, also nach einer kurzen Einleitung, Ihre Deutungshypothese schreiben, und sie im Lauf der Analyse zu beschäftigen, um dann am Abschluss noch einmal (uh, glaube ich) zu bestätigen. Die Deutschlehrer an meiner Schule empfehlen dagegen, erst die Analyse vorzunehmen und diese am Ende in eine Deutung münden zu lassen.

Bei Twitter habe ich gefragt, wie andere Lehrer das halten:

Wenn ich die Deutungsthese nur am Schluss bringe, vermeide ich eine Wiederholung, und vor allem riskiere ich weniger, mich zu früh auf eine Deutung festzulegen, die nicht haltbar ist und auf die dennoch alles folgende hin mechanisch ausgerichtet wird. („Gedicht stammt aus dem Jahr 1918, ist also garantiert expressionistisch“ oder „das Wort ‚Vernichtung‘ taucht auf, es geht also um eine Warnung vor dem Dritten Reich“). Denn die eigentliche Interpretation eines Gedicht entsteht – vielleicht – ja erst beim Analysieren und beim Verschriftlichen der Gedanken, siehe auch Kleists Aufsatz „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“.

Andererseits: Wenn ich die Deutungsthese bereits am Anfang nenne, ist die Gefahr geringer, dass ich danach ziellos und mechanisch Beobachtungen aneinanderreihe, die letztlich mit der späteren Deutung nichts zu tun haben. „Im Gedicht überwiegen männliche Kadenzen.“

Hauptberufliche Didaktiker haben sich bei der Umfrage leider nicht zu Wort gemeldet, die sagen vermutlich nur so wenig Hilfreiches wie „Man muss die Schülerinnen und Schüler dazu bringen, dass sie selbst entscheiden können, wie sie ihren Aufsatz aufbauen und wo sie ihre Deutung platzieren.“

Ganz früher war ich ein Vertreter der Deutung-nach-vorn-Schule. Dann die letzten Jahre über: Deutung nach hinten. Inzwischen kehre ich wohl wieder zurück. Es ist wohl doch nicht so, dass Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken beim Schreiben entwickeln; die Analyse hat dann doch zu wenig mit der darauffolgenden These zu tun. Zwingt man sie, am Anfang ihre Hosen an den Mast zu nageln (uh, gibt diese Redewendung nur auf Englisch? bin schon, uh, sehr im Feierabend), dann überlegen sie vielleicht tatsächlich schon lange vor dem Schreiben, worauf sie hinauswollen.

– Zweitens eine kurze Diskussion zu Schulwebseiten. (Gibt es dazu eigentlich schon Forschung? Sollte leicht zu machen sein und klingt interessanter als die Befragungen, die im Lehrerforum immer wieder auftauchen.) Adressaten von Schulhomepages sind: die eigenen Schüler, die eigenen Eltern, die vorgesetzte Behörde, fremde Eltern und Schülern, die eigenen Lehrer. Für wen sind die Beiträge auf der Homepage jeweils gedacht, und wen erreichen sie wirklich? Ich bin ja sehr skeptisch, was die Reichweite von Homepages betrifft. Vertretungsplan und Mensa-Speisezettel sind für Schüler interessant, sonst eher nichts. (Allerdings: Umfrage mit Kommentarmöglichkeit wird tatsächlich gut genutzt.) Was interessiert die Eltern der eigenen Schule; wie groß ist der Werbe-Effekt im Vergleich zu anderen Schulen wirklich? Ist es gut oder schlecht, wenn Schulen über ihren Webauftritt in Wettbewerb miteinander treten, oder passiert das gar nicht? Ich denke manchmal, am ehesten interessieren sich noch die vorgesetzten Behörden für Homepages. Jedenfalls werden die bei Ministerialbeauftragten und externer Evaluation regelmäßig angeführt.

Mir ist egal, was der Autor meinte

(Bild: Was der Autor meinte vs. Was dein Deutschlehrer denkt, was der Autor meinte.)

War sicher lustig gemeint, und sollte vielleicht einfach die Deutschlehrer auf die Palme bringen. Aber viele Leute scheinen echt zu glauben, das dass an diesen Gedanken etwas dran ist. Und das liegt an einem Missverstehen.

Also: Mir als Lehrer und Leser ist egal, was der Autor meinte. Und hoffentlich – zugegeben, hoffentlich – ist das bei allen anderen Lehrern auch so.

Warum uns egal ist, was der Autor meinte:

(a) wir wissen es ohnehin nicht (es sei denn, wir hätten Briefe von ihm gelesen, und das ist selten der Fall),
(b) der Autor weiß nicht unbedingt, was er tut, und
(c) seine Meinung ist genau so viel oder wenig interessiert interessant wie die Meinung jedes anderen. Autoren meinen sicher oft, sie haben unglaublich witzige und spannende Geschichten geschrieben. Das kann mir aber egal sein, wenn ich die nun mal nicht spannend oder witzig finde.

(2005 habe ich schon mal viel dazu geschrieben, 2014 ein wenig.)

Schauen wir uns das vermeintlich überzeichnete Beispiel oben an. „Die Gardinen waren blau“, schreibt ein Autor, und der Deutschlehrer interpretiert mächtig viel heraus. Dabei meinte der Autor nur: „Die Gardinen waren blau.“
Dass der Autor sich dabei nichts gedacht hat, ist gut möglich. Und doch: Wieso ausgerechnet blau? Die Farbe des Meeres, des Himmels und der Ferne? Ob der Autor das beachsichtigt hat, weiß ich nicht, aber blau ist in unserer Kultur natürlich mit diesen Dingen assoziiert. Und: das bedeutet außerdem, dass derjenige, der das Zimmer eingerichtet hat, der Typ Mensch ist, der blaue Gardinen gewählt hat. Oder dass man das zumindest denkt. Wer schon mal engliche Studentenwohnungen gesehen hat, weiß, was es da für Farbalternativen gibt. Überhaupt: Wer hat denn schon blaue Gardinen?

Es ist eine Illusion, man könnte – als Autor etwa – einfach so eine Farbe zufällig herausgreifen, etwa „blau“. Der Mensch ist völlig dazu ungeeignet, zufällige Daten zu erzeugen. Da lassen sich immer Muster finden. So sehr wir auch Individuen sind: Entscheidungen werden auch getroffen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Normen und Konventionen. Das gilt für Autoren wie für alle anderen ebenso.

Ganz schwach ist, sich darauf zu berufen, die beschriebene Szene sei aber wirklich so passiert, und die Gardinen seien nun mal blau gewesen. Erstens ist sicher nicht alles unverändert geblieben, warum ausgerechnet die Gardinen? Zweitens hätte der Autor auch viele andere Details beschreiben können, lässt die aber sicher weg (ich sag nur: der Lampenschirm); warum werden ausgerechnet die Gardinen genannt?

Und doch müsste man sich eigentlich anschauen, woher dieser Witz, dieses Unbehagen über die Interpretationen der Deutschlehrer kommen. Eine kleine Rolle spielt die genialische Vorstellung vom Künstler als jemand, der mehr zu sagen hat als andere; daneben sind sicher viele Deutschlehrer schuld, wenn sie von Schülern verlangen, den Absichten eines Autors hinterherzuspekulieren; und es liegt an einer allgemeinen Schwierigkeit, Texte als interpretationsbedürftig zu akzeptieren. Aber das gibt dann vielleicht mal einen anderen Beitrag.

Zeitung in der Schule lesen

Zum Halbjahr habe ich eine 8. Klasse etwas unvermittelt übernommen; gestern haben wir Zeitung gelesen. Das habe ich ja schon ewig nicht mehr gemacht mit Schülern. So einfach, wie man sich das vorstellt („bringt doch alle mal eine Zeitung mit“) ist das gar nicht:

  • Nicht alle Haushalte haben eine Zeitung, früher schon nicht, heute noch weniger.
  • Und man darf auch nicht voraussetzen, dass die Schülerinnen einfach so die Zeitung mitnehmen dürfen, also: eher die vom Vortag sich geben lassen.
  • Nicht alle Schüler wissen, was eine Zeitung ist. Was zusammengeheftet ist, ist eine Zeitschrift.
  • Keine Zeitung: Anzeigen- und Wochenblätter, auch wenn die ungeheftet und auf Zeitungspapier gedruckt sind.

Dass die meisten Schülerinnen und Schüler keine Zeitung lesen, ist völlig normal. Deshalb zeigt man sie ihnen ja auch im Unterricht ein bisschen genauer und lässt sie lesen. Dazu habe ich einige Textsorten vorgegeben, sortiert nach „Meinungsformen“ und „sachliche Formen“, und jede Gruppe musste jeweils ein Beispiel dafür finden, ausschneiden und auf einen großen bunten Karton kleben. (Ja, ich hatte Karton, Schere und Klebstoff dabei; die Schüler teilweise auch.)
Interessant sind die Formen, die Schüler nicht so recht zuordnen können: Ist eine nur mäßig witzige und interessant Glosse immer noch eine? (Ja.) Bedeutet ein launiger Einstieg im Lokalteil schon eine nicht-sachliche Form? (Nein.)

  • Nicht vergessen: Genug Zeit fürs Aufräumen einkalkulieren.

Wenn ein Computerraum frei wäre oder es WLAN für Tablets gäbe, und Tablets, würde ich das jetzt natürlich auch online machen. Ich halte den Umgang mit Papier und Schere schon für wichtig, aber online ließen sich im Anschluss schöne Portfolios von Textsortenbeispielen erstellen.

In der Stunde zuvor sprachen wir kurz darüber, wie der Weg von einem Ereignis zu einem Artikel in der Zeitung verlaufen kann. Dazu könnte man dann schön den Twitter-Account der Münchner Polizei lesen lassen und danach die Pressemitteilungen der Polizei. (Reportagen eher beim Polizeireport des BR. Da aber auswählen vorher.) Auf Basis der Pressemitteilung könnte man dann eine sachliche Meldung verfassen oder einen reißerischen Artikel. Oder man merkt, dass man für eine ordentlichen Artikel oder gar einen Kommentar dazu noch selber recherchieren müsste.

Hugo Ball & Dada

Der folgende Text von Hugo Ball ist ein Klassiker aus seinen Tagebucherinnerungen, „Die Flucht aus der Zeit“ von 1927. Darin schildert eher die dadaistische Aufführung eines dadaistischen Gedichts. Den Dadaismus behandle ich in Deutsch nur ganz am Rande im Zusammenhang mit dem Expressionismus, aber ein dadaistisches Gedicht müssen ein paar Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ihren Mitschülern schon präsentieren.

Ein Foto habe ich nicht gemacht, und an den Aufzug von Hugo Ball – siehe Bericht und Foto unten – sind die Schüler nicht herangekommen. Aber ein mehrstimmiger Vortrag, etwas Verkleidung und eine Schriftrolle waren involviert.

dada_schriftrolle


23. VI 1916

Ich habe eine neue Gattung von Versen erfunden, „Verse ohne Worte“ oder Lautgedichte, in denen das Balancement der Vokale nur nach dem Werte der Ansatzreihe erwogen und ausgeteilt wird. Die ersten dieser Verse habe ich heute abend vorgelesen. Ich hatte mir dazu ein eigenes Kostüm konstruiert. Meine Beine standen in einem Säulenrund aus blauglänzendem Karton, der mir schlank bis zur Hüfte reichte, so dass ich bis dahin wie ein Obelisk aussah. Darüber trug ich einen riesigen, aus Pappe geschnittenen Mantelkragen, der innen mit Scharlach und außen mit Gold beklebt, am Halse derart zusammengehalten war, dass ich ihn durch ein Heben und Senken der Ellbogen flügelartig bewegen konnte. Dazu einen zy­linderartigen hohen, weiß und blau gestreiften Schamanen­hut.

Ich hatte an allen drei Seiten des Podiums gegen das Publikum Noten­ständer errichtet und stellte darauf mein mit Rotstift gemaltes Manu­skript, bald am einen, bald am andern Notenständer zelebrierend. Da Tzara von meinen Vorbereitungen wusste, gab es eine richtige kleine Premiere. Alle waren neugierig. Also ließ ich mich, da ich als Säule nicht gehen konnte, in der Verfinsterung auf das Podest tragen und begann langsam und feierlich:

gadji beri bimba
glandridi lauli lonni cadori
gadjama bim beri glassala
glandridi glassala tuffm i zimbrabim
blassa galassasa tuffm i zimbrabim . ..

Die Akzente wurden schwerer, der Ausdruck steigerte sich in der Ver­schärfung der Konsonanten. Ich merkte sehr bald, dass meine Ausdrucks­mittel, wenn ich ernst bleiben wollte (und das wollte ich um je­den Preis) dem Pomp meiner Inszenierung nicht würden gewachsen sein. Im Publi­kum sah ich Brupba­cher, Jelmoli, Laban, Frau Wiegmann. Ich fürchtete eine Blamage und nahm mich zusammen. Ich hatte jetzt rechts am Notenständer „Labadas Gesang an die Wolken“ und links die „Elefanten­karawane“ ab­solviert und wandte mich wieder zur mittleren Staffelei, fleißig mit den Flügeln schlagend. Die schwe­ren Vokalreihen und der schleppende Rhythmus der Elefanten hatten mir eben noch eine letzte Steige­rung erlaubt. Wie sollte ich’s aber zu Ende führen? Da bemerkte ich, dass meine Stimme, der kein ande­rer Weg mehr blieb, die uralte Kadenz der priesterlichen Lamentation annahm, jenen Stil des Messge­sangs, wie er durch die katholischen Kirchen des Morgen‑ und Abendlan­des wehklagt.

Ich weiß nicht, was mir diese Musik eingab. Aber ich begann meine Vokalreihen rezitativartig im Kir­chenstile zu singen und versuchte es, nicht nur ernst zu bleiben, sondern mir auch den Ernst zu erzwin­gen. Einen Moment lang schien mir, als tauche in meiner kubistischen Maske ein bleiches, verstörtes Jungengesicht auf, jenes halb erschrockene, halb neugierige Gesicht eines zehnjährigen Knaben, der in den Totenmessen und Hochmessen seiner Heimatpfarrei zitternd und gierig am Munde der Priester hängt. Da erlosch, wie ich es bestellt hatte, das elektrische Licht, und ich wurde vom Podium schweiß­bedeckt als ein magischer Bischof in die Versenkung getragen.

24. VI 1916

Vor den Versen hatte ich einige programmatische Worte verlesen. Man verzichte in dieser Art Klangge­dichte in Bausch und Bogen auf die durch den Journalismus verdorbene und unmöglich gewordene Sprache. Man ziehe sich in die innerste Alchimie des Wortes zurück, man gebe auch noch das Wort preis, und bewahre so der Dichtung ihren letzten und heiligsten Bezirk. Man verzichte darauf, aus zweiter Hand zu dichten: nämlich Worte zu übernehmen (von Sätzen ganz zu schweigen), die man nicht funkelnagelneu für den eigenen Gebrauch erfunden habe. Man wolle den poetischen Effekt nicht länger durch Maßnahmen erzielen, die schließlich nichts weiter seien als reflektierte Eingebungen oder Arrangements verstohlen angebotener Geist‑, nein Bildreichigkeiten.

hugo_ball

Fortbildung LehrplanPLUS

Heute war ich den ganzen Tag auf einer Fortbildung für die Fachbetreuer Deutsch. Es ging um die anstehende Einführung des neuen Lehrplans (https://www.lehrplanplus.bayern.de). Wie man der Webseite entnehmen kann, ist sie für alle Schularten in Bayern gedacht; ob eine davon federführend war, weiß ich nicht – aber wie kann man heutzutage noch ernsthaft auf einer hochoffiziellen Schulwebseite Comic Sans verwenden? Um Tafelschrift nachzuahmen?

Was der Unterschied zwischen den Kompetenzen „Texte planen und schreiben“ und „über Schreibfertigkeiten bzw. -fähigkeiten verfügen“ wurde mir zwar in einem Satz erklärt, aber nicht so, dass ich ihn verstanden hätte. Es geht jedenfalls nicht um „richtig schreiben“, das ist eine dritte Kompetenz.

Manche der Änderungen sind nur kosmetisch, muss halt sein. Statt „Beachten von Umgangsformen und Gesprächsregeln: zuhören“ heißt es jetzt ausführlicher: Die Schülerinnen und Schüler „hören ihren Gesprächspartnern aufmerksam zu, um Aussage und Intention zu erfassen und Wertschätzung auszudrücken“.
Andere Änderungen haben tatsächlich Folgen, aber über die muss ich noch nachdenken.

Schwierig ist das weiterhin mit dem Adressatenbezug und der Kontextuierung von Aufsätzen. Das beste ist sicher, echte Schreibanlässe aufzugreifen, wenn sie sich bieten. Vermeiden würde ich selber das, was ich vor allem vom Englischunterricht her kenne: Stell dir vor, du schreibst für die Schülerzeitung…. Du bist Austauschschüler in England und erklärst deinen neuen Mitschülern… Für die Homepage der Schule schreibst du einen Artikel… Du schreibst einen Brief an die Schulleitung… da fühlen sich die Schüler doch veräppelt. Nein, entweder ganz ohne simulierten Adressaten (klassische Inhaltsangabe, Erörterung) oder die Schülerinnen sollen sich in die Rolle von erwachsenen Schreibern versetzen. Bei Erzählungen in der Unterstufe verlangen wir auch nicht, dass die Schüler erzählen, was ihnen – in den Ferien etwa – Spannendes widerfahren ist. Und dann sollen sie auch nicht ihren Eltern gegenüber schriftlich begründen müssen, warum sie mehr Taschengeld brauchen.

Bei einigen Kollegen war der Wunsch nach mehr Austausch da, das ging aber nicht so weit, dass man einen E-Mail-Verteiler errichten würde; ich habe es gar nicht erst vorgeschlagen. Aber ohne wird’s Austausch nicht geben.

Friedrich Schiller, Der Geisterseher

„Einer der besten Krimis aller Zeiten“ hieß es vor drei Wochen in der Süddeutschen Zeitung (online) über Schillers Romanfragment Der Geisterseher, das in fünf Teilen in Heft 4-8 (1787-1789) der Zeitschrift Thalia erschien und danach für die erweiterte Buchausgaben noch etwas umgestaltet wurde.

Das ist Unsinn. Das Buch ist meinethalben seiner Zeit voraus, genreprägend, stilbildend, vielleicht sogar ein Krimi, sicher Schillers größter Publikumserfolg – aber ein planloses Durcheinander, was Erzählweise und Plot betrifft.

Der Graf von O. erzählt uns im Buch, was er selbst miterlebt hat: Die Geschichte vom Niedergang des Prinzen von **. Der ist ein deutscher Prinz, gut protestantisch, in der Thronfolge weit abgeschlagen, der zu Beginn der Handlung inkognito und bescheiden in Venedig einige Zeit verbringt. Dort wird er in Intrigen verstrickt, macht dubiose Bekanntschaften und Schulden und nähert sich dem Katholizismus an. Es gibt einige ungelöste Rätsel und geheimnisvolle Gestalten, allen voran der Armenier. Die explizite Auflösung fehlt, da der Roman unvollendet blieb, auch wenn es es von anderen Händen immer wieder Fortsetzungen gab (Wikipedia). Die meisten Interpreten folgen den Andeutungen im Text und gehen davon aus, dass ein katholischer Geheimbund mit vielerlei hochkomplizierten Ränken den Prinzen katholisch macht und gleichzeitig seinen Weg zum Thron vorbereitet. Aber nichts muss so sein, wie es scheint.

schiller_geisterseher

Folge 1: In Venedig scheint ein geheimnisvoller Mann den Prinzen und Graf O. zu verfolgen. Sie nennen ihn den Armenier. Er raunt ihnen orakelhafte Sprüche ins Ohr:

„Neun Uhr,“ wiederholte die Maske nachdrücklich und langsam. Wünschen Sie sich Glück, Prinz (indem sie ihn bei seinem wahren Namen nannte.) Um neun Uhr ist er gestorben.“

Und verschwindet dann. Eine gute Weile später erhält der Prinz tatsächlich die Botschaft, dass just zu diesem Zeitpunkt einer seiner Cousins gestorben ist. Wie konnte der Armenier das wissen, und wie hatte er den Prinzen erkannt? — Als ein Venezianer Streit mit dem Prinzen anfängt und ihm mit gedungenen Mördern droht, sorgt der Armenier dafür, dass die Staatsinquisition Venedigs den Erzürnten kurzerhand hinrichtet. Und dann kommt der ausführlichste Streich des Kapitels: Das Heldengespann lernt den Sizilianer kennen, einen Geisterbeschwörer, den Geisterseher des Romantitels. Es kommt zu einer Séance, der Prinz und sein Begleiter staunen ohne jedes größere Misstrauen, als tatsächlich das ganze Arsenal aufgefahren wird: Donnergrollen, wirkungslose Pistolenkugeln, elektrische Entladungen, Rauchwolken, ein beschworener Geist, der mehr weiß, als eigentlich möglich ist. Dann ein überraschender letzter Satz, als der Russe dem Sizilianer Betrug vorwirft, worauf dieser zusammenbricht.

Folge 2:

Stellt sich heraus, der Russe ist der Armenier in Verkleidung, der dem Prinzen schon wieder zur Seite steht und ihm aus einer brenzligen Situation hilft (nämlich dem betrügerischen Sizilianer aufgesessen zu sein, der an den historischen Cagliogstro angelehnt ist). Der Sizilianer kommt ins Gefängnis, der Prinz besucht ihn mit dem Grafen und fragt ihn aus. Er und wir kriegen eine lange Binnenerzählung serviert, in der der Armenier – wiederum nur als Randfigur – als geheimnisvoller Drähtezieher auftaucht.
Der Prinz, plötzlich dynamisch und aufmerksam, erkennt einen geheimen Plan und klärt den naiven Grafen von O. auf: Das ganze sei ein Trick im Trick, die Geschichte des Sizilianers reine Erfindung, die Aufdeckung des Betrugs ein wesentlicher Teil eines umfassenderen Plans – mit dem Ziel, den Prinzen für irgendetwas vorzubereiten oder die Figur des Armeniers als wohlgesonnen und mächtig zu etablieren.

— Bis hierhin hätte das eine durchaus spannende Geschichte werden können. Der allgegenwärtige Armenier erinnert mich an den nicht minder geheimnisvollen Perser aus Gaston Leroux‘ Das Phantom der Oper. Und ja, an der Erzähltechnik kann Schiller noch arbeiten. Auf die Binnennovelle des Sizilianers folgt des Prinzen Analyse des Gesprächs: 13 Seiten reiner Dialog, unterbrochen von sehr gelegentlichem „sagte der Prinz“ und vier Zeilen vorausdeutendem Erzählerkommentar. So mag ich meine Epik nicht.

In dieser Folge ist der Prinz aktiv und überlegend kritisch und lässt sich nichts vormachen. Die Geschichte des Sizilianers entlarvt er als Täuschung, den Aufbau der größeren Täuschung des Armeniers erklärt er minutiös – aber eher wie Nero Wolfe vom Schreibtisch aus, ohne den Schauplatz der Tat noch einmal zu besuchen. Die Lupe Sherlock Holmes‘ fehlt, aber der Graf gibt einen braven Watson ab:

„Das möchte schwer zu beweisen sein,“ rief ich mit nicht geringer Verwunderung.
„Nicht so schwer, lieber Graf, als Sie wohl meinen.“

Und das hier klingt doch schon ein wenig nach Holmes‘ Diktum („Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, dann muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, wie unwahrscheinlich es auch ist“):

„In der Tat,“ rief ich, „für so gut als unmöglich.“ –
„Diese Redensart verstehe ich nicht. Widerspricht es allen gesetzen der Zeit, des Raums und der physischen Wirkungen, dass ein so gewandter Kopf, wie doch unwidersprechlich dieser Armenier ist, mit Hülfe seiner vielleicht ebenso gewandten Kreaturen […] in so weniger Zeit so viel zustande bringen könnte? […] Wollten Sie lieber ein Wunder glauben, als eine Unwahrscheinlichkeit zugeben?“

Folge 3:

In der vorhergehenden Folge war der Prinz aktiv, analytisch und aufdeckend, ab jetzt wird er zur Puppe, beliebig formbar. Er wird in eine mäßig geheime Verbindung eingeführt, lauter Atheisten und verderbte Freigeister. Dort herrscht „die zügelloseste Lizenz der Meinungen“, so der erzählende Graf – es gibt sehr viel telling und fast kein showing, also müssen wir mal sein Wort dafür nehmen. Der Prinz verliert „die reine, schöne Einfalt seines Charakters“ (im vorherigen Teil zeigt er alles andere als das, nämlich ein souveränes Verständnis von Intrigen und Ränken), sein „durch so wenig gründliche Kenntnisse unterstützter Verstand“ (von dem er eben noch so guten Gebrauch machen konnte) kann die gottlosen Argumente nicht widerlegen. Er entfernt sich von der guten protestantischen Kirche, macht immer mehr Schulden, lernt zweifelhafte Leute kennen. Dass das alles Teil eines Plans ist, wird angedeutet; wer alles darin verwickelt und Teil der Verschwörung ist, kann man nur raten. Der Armenier taucht nicht mehr auf.

Die Erzählweise wechselt jetzt zum Briefroman, der Graf von O. verlässt Venedig, lässt sich die weitere Handlung per Brief berichten. Das ändert nichts am vielen telling.

Folge 4:

Jetzt passiert wieder mal ein bisschen. Der Prinz beobachtet in einer leeren Kirche eine Frau, die ihn fasziniert, und sucht sie eine Weile, bis er sie findet. Das war’s dann aber auch.

Folge 4 1/2 („Ein Fragment aus dem zweiten Bande des Geistersehers.“):

In der Buchfassung steht dieses Fragment an etwas anderes Stelle. Wir erfahren als kleine Binnenerzählung Andeutungen zur Hintergrundgeschichte einer Frau, die vielleicht die Frau aus der vorherigen Folge ist. Oder auch nicht. Was auch immer.

Schluss

Steht nur in der Buchausgabe, soweit ich weiß. Auf der vorletzten Seite wird Graf von O. nach drei Monaten Pause nach Venedig gerufen, wo alles drunter und drüber geht: Der Marchese im Sterben, der Kardinal sinnt auf Rache und dingt Mörder, Prinz unerkannt im Kloster, eine „sie“ ist tot, wahrscheinlich vergiftet, der Prinz trauert um sie. (Ist die Frau diejenige aus dem vorherigen Teil? Was ist mit dem Marchese, wer ist der Kardinal? Wir wissen es nicht.) Auf der letzten Seite ist er angekommen, des Prinzen „Schulden sind bezahlt, der Kardinal versöhnt, der Marchese wieder hergestellt.“ Und der Prinz ist bei der katholischen Messe – womöglich war alles nur ein Komplott, um den Prinzen genau dorthin zu kriegen.
Dieser Sprung in der Handlung gefällt mir ausgesprochen gut. Erst mal alles hinknallen, und danach kann man das immer noch erklären. Aber leider ist da das Buch zu Ende.

Nu, stilbildend isses: Im ersten Teil haben wir Held und Begleiter in der exotischen Großstadt wie später bei Karl May. Der zweite Teil hat einen analytischen Aufdecker, der seinem tumberen Begleiter die Zusammenhänge erklärt – wie bei Poe und Doyle. Dazu Briefroman und damit Herausgeberfiktion. Geheimnisvolle Geheimbünde kamen da erst langsam in Mode.

Ignaz Ferdinand Arnold, Der Schwarze Jonas

arnold_der_schwarze_jonasDer Schwarze Jonas, Kapuziner, Räuber und Mordbrenner. Ein Blutgemälde aus der furchtbaren Genossenschaft des berüchtigten Schinderhannes. Aus einem Inquisitions-Protokoll gezogen ist ein – darf ich sagen berüchtigter? dabei wenig bekannter? – Räuberroman von 1805. Ich habe ihn in einer Ausgabe aus dem Jahr 2000 gelesen, print on demand, aber trotzdem ansprechend gemacht, leider mit einigen Tippfehlern, aber dafür in der Reihe „ExcentricClub“ erschienen – das macht Vieles wett.

In dem dtv-Band Lieblingsbücher von dazumal. Eine Blütenlese aus den erfolgreichsten Büchern von 1750-1860 (Hrsg. Horst Kunze), den ich nie ganz gelesen habe, weil mich der Satzspiegel abschreckt, taucht Arnold nur kurz auf – in einer langen Aufzählung von Autoren, die es trotz ihrer damaligen Popularität aus verschiedenen Gründen leider nicht in die Sammlung geschafft haben. Neben Arnold habe ich dort auch Karl Immermann und dessen Münchhausen gefunden (Blogeintrag dazu), wo mir zum ersten Mal das Genre des deutschen Geisterromans begegnete, wenn auch als Parodie. Auch Schiller versuchte mit „Der Geisterseher“ auf den Zug aufzuspringen, aber sein Herz war wohl nicht recht dabei.

Über den Autor

Arnold Ignaz Ernst Ferdinand Kajetan Theodor (Anzahl und Reihenfolge der Namen variieren) ist mir begegnet als Autor des Romans „Der Vampir“, des ersten deutschen Vampirromans, der leider nicht erhalten ist – wenn es denn nicht nur eine Messe-Ankündigung war, aus der dann doch gar nichts wurde. Er hat viel und universell geschrieben und wenig damit verdient (Bibliographie), hier eine ausgewählte Liste seiner reißerischen Titel, mit ein oder zwei harmlosen dazwischen, des schönen Kontrasts wegen.

  • Friedrike von Becheln, oder die vermeinte Fürstentochter. Etwas mehr als ein Roman.
  • Die Doppelte Ursulinernonne. Aus den Memoirs des Grafen R*** mit der aschgrauen Maske.
  • Das Bildniß mit den Blutflecken. Eine Geistergeschichte nach einer wahren Anekdote.
  • Gregor der Wunderthäter oder Hieronymus Knicker der Zweyte. Eine tolle Geschichte von Falk und Cramer.
  • Pinetti, Philadelphia und Enslin, oder die enthüllten Zauberkräfte. Eine Sammlung auserlesener leicht auszuführender magischer chemischer- und Karten-Kunststücke nebst den interessantesten Scherz- und Pfänderspielen zu Belustigung und Unterhaltung für frohe Gesellschaften.
  • Der Brautkuß auf dem Grabe, oder die Trauung um Mitternacht in der Kirche zu Mariengarten. Vom Verfasser der doppelten Ursulinernonne.
  • Der Vampir. 3 Bände, Schneeberg 1801 (nicht erhalten)
  • Theobul der Geisterkönig, oder das mohrische Grosmütterchen. Eine Zigeunergeschichte. Aus den Memoirs der Gräfin F***ina.
  • Schwester Monika, oder: Der Fürst als Jagdjunker. Eine moralische Erzählung aus dem Reiche der Wahrheit.
  • Zaubereien und Wunder nebst Geisterbeschwörungen und ihrer Erscheinung.
  • Mirakuloso, oder der Schreckensbund der Illuminaten. Ein fürstliches Familiengemählde aus dem Nachlaß eines Staatsverbrechers, und der rothen Maske auf dem Vischerad.
  • Die Nachtwandlerin oder die schrecklichen Bundesgenossen der Finsterniß. Aus den Memoires des Grafen F****, gegenwärtigen Staatsgefangenen zu S****n.
  • Der berühmte Räuberhauptmann Schinderhannes, Bueckler genannt. Ein wahrhaftes Gegenstück zum Rinaldo Rinaldini.
  • Nettchen von Neudietendorf, oder Unglück aus Schwärmerei.
  • Barbarina Cimarosa. Oder Freiheitsdrang und Gewissensqual. Ein Spiegel menschlicher Leidenschaften. Aus den hinterlassenen Memoirs des Herzogs von Arkos.
  • Euridane, die Tochter der Hölle. Eine Pfaffen- und Geistergeschichte (aus dem Nachlass des Grafen Portalegre).
  • Die Jungfrau von London oder geheime Geschichte von Hannover.
  • Malerische Wanderung am Arme meiner Karoline durch die Blumengefilde des Frühlings nach dem Thale der Liebe.
  • Die Meuchelmörderin nebst der Beichte ihrer Sünden. Aus den Papieren der Giftmischerin U****s (Geheimräthin Ursinus). Ein wahrer Roman, von ihr selbst geschrieben.
  • Der schwarze Jonas, Kapuziner, Räuber und Mordbrenner. Ein Blutgemälde aus der furchtbaren Genossenschaft des berüchtigten Schinderhannes. Aus seinem Inquisitionsprotokoll gezogen.
  • Die geheimen Bundesschwestern und der Mohrenprinz, Begründer einer genialischen Colonie in Afrika. Fragmente zu einem Sittengemälde aus der Brieftasche eines Reisenden.

Irgendwo gibt es sicher schon eine Liste von Schauer-, Räuber-, Geheimbund- und Geisterromanen des frühen 19. Jahrhunderts. Die hätte ich dann mal gerne. Das sind exakt die für Leihbibliotheken geschriebenen Romane, die Karl May so äußerst ineffektiv in seinen Lebenserinnerungen geißelt – siehe Ende dieses Blogeintrags.

Über das Buch und andere Bücher

Es gibt einen historischen Schwarzen Jonas, dessen Geschichte vorgeblich erzählt wird, ein Räuber und Mittäter des ebenso historischen Schinderhannes – trotzdem ist alles am Roman von vorn bis hinten erfunden.

Jonas verübt schon als Knabe Diebstähle und andere Verbrechen, bald kommt der erste gemeinsame Mord am Hehler der Diebesbande hinzu, dann der erste eigene Mord, weitere Straftaten. Episodenhaft berichtet er von seinen Erlebnissen, die Raub, Mord, Unzucht in und außerhalb des Klosters beeinhalten; am Schluss wird er endgültig gefangen und hingerichtet. Gewürzt ist das mit einem Arsenal herkömmlicher und weniger herkömmlicher Motive der Schauerliteratur: Schlösser, Ruinen, Räuberbanden, Geheimbünde, Mönche, Sex, Mord, Sexualmord, Kannibalismus.

Interessant ist dabei, welche Rolle – lange vor der Postmoderne, die ja eigentlich schon mit Don Quijote beginnt – die Literatur spielt. So richtig angeheizt wird das Verhalten der jugendlichen Kleinganoven, als sie sich in eine Aufführung von Schillers Räubern stehlen. „Aber ein neues Gefühl begann sich bei den Szenen der Räuber in uns zu regen. Alle Knabenfurcht veschwand. Heldensinn durchströmte uns“, was zu dem Entschluss führt, „ein ähnliches Komplott zu stiften, und [wir] schwuren uns mit den gräßlichsten Eiden ewige Liebe und Freundschaft zu. […] Wir brannten vor Begierde, nur bald einen Spitzbubenstreich auszuführen.“ (Kapitel 2, S. 22f.) Wieder einmal sind es die Medien, die die Kinder ins Verderben reißen.

Auch später blitzt immer wieder die zeitgenössische Literatur durch. Bei unheimlichen Ereignissen weiß Jonas nicht, „was ich von dem sonderbaren Abenteuer denken sollte, das ich in eine Geistergeschichte, in Spießens, Tschinks oder sonst eines Modeschriftstellers Geschmack einzukleiden beschloß, sobald ich wieder daheim in meinen vier Pfählen war“ (Kapitel 5, S. 66).

Als Mitglied in der Bande des berüchtigten Schinderhannes verübt Jonas mit den anderen Räubern Diebstähle in der Stadt. Ein Räuber kommt dabei auf die Idee, „als Guckkastenmann aufzutreten, und zu jedermänniglichem Erstaunen die Geschichte von dem verruchten und verfluchten Räuberhauptmann Schinderhannes dem schaulustigen Pöbel im echten Bänkelsängerton“ vorzutragen – während die anderen Räuber, darunter der besungene Schinderhannes selber, die Zuschauer unbemerkt bestehlen (S. 112).

Auch ein bisschen Eigenwerbung zum Thema Schinderhannes darf sein:

Wen dieser merkwürdige Mann, dieser seltene wildlaunige Natursohn interessiert, den verweise ich auf seine Selbstbekenntnisse, die unter dem Titel: Schinderhannes, genannt Bückler, der Räuberhauptmann, ein Seitenstück zu Rinaldo Rinaldini, in zwei Bänden, von ihm selbst geschrieben, herausgekommen sind. (S. 118)

Die genannten zwei Bände sind natürlich ein früheres Werk von I. F. Arnold selber.

In einem Streich von Schinderhannes (S. 122f.) zeigen sich die literarischen Vorbilder. Schinderhannes begleitet mit Jonas, der aber nur aus erzählerischen Gründen dabei ist, unerkannt einen Baron und dessen Tochter. Das Gespräch kommt auf Räuber, und der unerkannte Schinderhannes will den beiden „spaßeshalber“ erklären, wie dieser vorzugehen pflegt. Die folgende Szene wird als Dramenauszug dargestellt, einschließlich Regieanweisungen:

Baron: Er machts recht natürlich.
Baronesse: Wahrlich, Sie würden den Räuber Moor vortrefflich spielen.
Schinderhannes (mit viel Artigkeit): Meinen Sie?

— So furchtbar billig geschrieben ist das ganze gar nicht, man kann es vergnüglich und rasch lesen. Aber ich bin da auch recht resistent. Aber manchmal merkt man es doch. Jonas erschießt einen Bediensteten – „Er winselte in seinem Blute“ – und ein paar Zeilen darunter dessen Herrn – „Er winselte am Boden in seinem Blute“ (Kapitel 5, S. 98 – ein langes Kapitel bis zum Schluss, weil der Autor danach wohl vergessen hat, die Kapitelzählung weiterzuführen) – man müsste das Buch mal durchgehen, ob Erschossene bei Arnold grundsätzlich in ihrem Blute winseln.
Inhomogen und episodisch ist das ganze allerdings. Auf S. 73 hat mich das Ende einer ausführlichen Binnenerzählung überrascht, weil ich da schon vergessen hatte, dass der aktuelle Ich-Erzähler nicht der sonst ich-erzählende Jonas ist, sondern ein Spießgeselle. So richtig auseinander zu halten waren deren Abenteuer nicht. Als Jonas schon zum Ende des Buches hin Mitglied einer Räuberbande werden soll, erzeugt der Autor Spannung mit dessen Reaktion: „Ich trat schaudernd zurück.“ (S. 104) Nach allem, was Jonas bis dahin schon verbrochen hat, darf es keinen Grund für irgendein Schaudern geben. Derjenige, der ihn einlädt, ist der dicke Willem, ein Schulkamarad, den Jonas erst nicht erkennt – und ich auch nicht. Keine Ahnung, ob der zuvor schon einmal aufgetaucht ist, eventuell als „Euer getreuer Klosterknecht“, was auch immer.

Verbrechen

Einige der Abenteuer des Schwarzen Jonas sind eher harmlos-pikaresk. Viele enden aber mit Mord, häufig durch Gift. Er schwängert Mütter und Töchter, Nonnen und Bürgerstöchter. Ziemlich am Anfang seiner Laufbahn steht ein Sexualmord.

Ich rastete an ihren Busen, und während sie ganz entzückt im sinnlichem Genusse, von Wollust betäubt, da lag, zog ich mein Messer, das ich in dieser Absicht zu mir gesteckt hatte, hervor, schlitzte ihr den Bauch auf und meuchelte sie. […] Ich warf mich auf sie, und stach mit meinem breitklinigen Messer in ihren Körper, wie ich dazu kam, ihre Brüste sowohl als ihren Unterleib zerfleischte ich schändlich. (Kapitel 3, S. 33)

Da muss man schon schlucken. Erst am Schluss gibt es wieder ähnliche explizite Taten der ganzen Räuberbande, Schinderhannes ausgenommen:

Selten blieb indessen auch das schönste Mädchen über drei Tag leben, wir machten die meisten in den ersten vierundzwanzig Stunden kaputt. […] Der Keller lag so voll Kadaver, daß sich Knochenberge in die Höhe schichteten.
Ich und meine Genossen waren so weit von den Grenzen der Natur zurückgetreten, daß wir das Fleisch unserer Ermordeten, wenn es gesunde junge Leute waren, fraßen. […] Unter allen Teilen des menschlichen Körpers schmeckt sein Fleisch nirgends delikater als das zwischen der Hand, der Ballen, und was man aus den fortgesetzten Fingerknochen bis zur Wurzel schabt. (S. 120)

Und noch mehr davon.

Aufklärung und Zensur

Eine der „Zehn Thesen zu Produktion, Rezeption und Erforschung des Schauerromans um 1800“, die Dirk Sangmeister in: Barry Murnane/Andrew Cusack (Hrsg.), Populäre Erscheinungen. Der deutsche Schauerroman um 1800. München: Wilhelm Fink 2011 aufstellt, lautet: Die Schauerromane dieser Zeit verstoßen zwar gegen innerliterarische Regeln, was „Dezenz, Ästhetik und zeitgenössische Romantheorie“ betrifft, verstoßen aber nur selten gegen außerliterarische Regeln der Zensur. Sie würden von vornherein zensurkonform geschrieben (weil sie sonst nicht in Leihbibliotheken aufgenommen werden würden). Also Sex und Gewalt, ja, aber keine Kritik am Staat.

Eine interessante These, die erstmal glaubwürdig klingt. Aber ich kenne mich da nicht aus. Eine Passage in Der Schwarze Jonas hat bei mir zu kognitiver Dissonanz geführt. Jonas ist als wandernder Kapuzinermönch verkleidet und Teil einer zechenden Gesellschaft von Beamten und Soldaten. Ein Rittmeister spottet ganz besonders über die Mönche. „Alle Gründe, die jemals von den Aufklärern gegen den Mönchsstand vorgebracht wurden, erschöpfte er und machte sie durch seine militärische Kraftsprache noch weit auffallender und beleidigender“ (S. 76) Das ganze krönt er mit einer ganzen Seite von Spottversen auf Priester und Mönche:

Vor allem sei dein Tor den Priestern stets verschlossen,
Den Kutten jeder Art, und Ordensmitgenossen.
Von weitem fliehe sie; die Welt hat keine Seuche,
Deren Verheerungshauch dem Priesterorden gleiche

Damit hat die Zensur wohl kein Problem. Im Zug von Napoleons Säkularisation haben Klöster keinen guten Ruf, verderbte Mönche sind ein Standardtopos der Schauerliteratur. Das Kloster im Schwarzen Jonas ist verderbter, als Umberto Ecos Abtei es je war (S. 88f.). Weil Jonas ja doch die Hauptperson der Geschichte ist, ist der Leser mit ihm gegen den Soldaten eingestellt, auch wenn Jonas nur ein verkleideter und tatsächlich schurkenhafter Kapuziner ist. Jedenfalls hebt Jonas zu einer Gegenrede an, einer „Deklamation gegen die Soldaten“, angeblich nur als Scherz. Sehr ausführlich (S. 78-82 in meiner Ausgabe):

Narren seien die Soldaten, weil sie im Frieden faulenzen und im Krieg töten, ohne beleidigt worden zu sein, plündern und rauben, ohne Strafe zu fürchten. Auch vor der Religion können sie nicht bestehen. („Welches Gebot übertritt nicht dieser Stand und rühmt sich dessen noch?“) „[D]arauf angewiesen, ohne alles Selbsturteil über Recht und Unrecht zu tun, was ihm ein anderer gewöhnlich in Teufelsnamen hieß, ist er nicht als ein Mitglied des Staates zu betrachten, sondern ein bloßes Werkzeug.“ Dabei sei der Soldatenstand den Zielen des Staates sogar hinderlich:

Der Staat hat die Pflicht, die wahre Bestimmung der Menschen nicht zu hindern. Ausbildung seiner Kräfte und beständiges Streben, frömmer, weise und gerechter zu werden, ist die Bestimmung des Menschen. Wie kann er diese Bestimmung erreichen? Wie kann der Staat seine Pflicht erfüllen, wenn eine Menschenklasse den Herrn in ihm spielt, und die anderen Bürger unterdrückt; eine Menschenklasse, die keine Ausbildung als gewisse mechanische erhält, die blindlings dem Willen Einiger oder eines Einzigen folgen muß und daher nicht weise werden darf, weil es nicht ohne Selbstprüfung möglich ist, und die ihr ganzes Gefühl für Recht und Unrecht unterdrücken muß, weil sie die Menschheit ausziehen und sich zum Mordinstrument eines andern muß: Kann so der Staat, kann auf diese Weise der Mensch seine Bestimmung erreichen?

Also ich als Zensor hätte da eingegriffen.

Als Nächstes lese ich dann wohl mal Schillers „Geisterseher“.

Variationen auf Walter Moers

Eine Fingerübung für Zwischendurch. Ich glaube ja, dass man auffällige Sprache dann besser analysieren kann, wenn man Beispiele dafür auch mal geschrieben hat. Hier sind Variationen auf Walter Moers‘ Märchenroman Der Schrecksenmeister (der seinerseits eine Variation auf „Spiegel, das Kätzchen“ von Gottfried Keller ist). Das Original beginnt mit einer Schilderung vom „krankesten Ort in ganz Zamonien“, hier Schülerprodukte aus der Oberstufe, kleinere Rechtschreibfehler verbessert:

Stellt euch den sportlichsten Ort von ganz Zamonien vor! Eine kleine Stadt mit Laufbahnen als Straße und Hochsprunganlagen auf den Dächern, über der ein sportliches Schloss mit mutigen Athleten thronte. In der es die verrücktesten Sportarten und waghalsigsten Wettkämpfe gab: Wasserlaufen, Granatenbillard, Messeressen, Alligatorschleudern, Dächerdreisprung, Lavaschwimmen, Hammerfangen, Extremcouching, Tsunamisurfen und Phantomjonglieren.
Stellt euch eine Stadt vor, in der es mehr Fitnessstudios und Orthopäden, Sportfachgeschäfte und Hantelstangen, Muskelberge und Knochenbrüche gab als sonst wo auf dem Kontinent! In der man sich mit einem Salto begrüßte und mit Liegestützen verabschiedete. In der es nach Schweiß und Mut roch, nach Ehrgeiz und Eiweißshakes, nach Sieg und Niederlage.

Stellt euch den sportlichsten Ort von ganz Zamonien vor! Eine große Stadt mit breiten Straßen und hohen Häusern, über der ein riesiges Stadion auf einem grünen Hügel thronte. In der es die seltsamsten Sportarten und kuriosesten Sportgeräte gab: Diskusfangen, Stabtiefsprung, Bungee-Falling, Karateschach, Fingeryoga und Rollstuhlmarathons. Schwerathletik, die nur Personen über 200 kg betrieben. Wettschlafen, das jeden Montag um 20 Uhr begann und [bei dem] derjenige gewann, der am längsten schlief.

Stellt euch den sportlichsten Ort von ganz Zamonien vor! Ein riesiger sechseckiger Sportplatz mit Zickzacklaufbahnen, unendlich langen Wettwurfreihen und hohen Kanistern fürs Sandzählen. Ein großer Vorrat an aufgesammelten Leuten fürs Menschenstapeln fehlt natürlich auch nicht. Für eine kurze Auszeit kann man sich zu der Wasserwiese fürs Zehenyoga oder die Haargymnastik begeben. Für die Fitten unter uns ist Tischschwimmen und Fingerturnen der perfekte Ausdauersport. Nicht verpassen darf man das tägliche Barrenhandballspiel, doch auch für die Herren ist der Schminkweitwurf der perfekte Sport für Zwischendurch.

Stellt euch den leckersten Ort von ganz Zamonien vor! Eine kleine Stadt mit Lakritz-Straßen und Lebkuchenhäusern. In der es die besten und einzigartigsten Gerichte gab: Gummibrot, Schokoladenchips und Speckjoghurt. Honig-Cola, die nur Personen verkleidet als Bienen herstellen.
Stellt euch eine Stadt vor, in der es mehr Supermärkte, Süßigkeitenläden und Gummibären gab als sonst wo auf dem Kontinent! In der man sich mit „Hunger?“ begrüßte und mit „Guten Appetit!“ verabschiedte. In der sich süß und salzig, sauer und bitter vermischten.

Erstaunlich, wie viele erfundene Wörter gar keine sind (Schwerathletik, Rollstuhlmarathon) und wie viele scheinbare Neologismen schon längst durch diverse Industrien belegt sind: Haargymnastik, Finger-Yoga, Fingerturnen. Was kommt als Nächstes, E-Sports?

(Davor hatten die Schülerinnen und Schüler einzeln Krankheits-Neologismen erstellt, wie sie bei Moers‘ Original verwendet werden. „Herzrosten“ ist mein Favorit.)

Nachtrag:

Stellt euch den leckersten Ort von ganz Zamonien vor! Eine kleine Stadt mit Zuckergussstraßen und Lebkuchenhäusern, über der ein cremiges Lakritzeschloss auf einem Gummibärchenberg thronte. In der es die deliziösesten Speisen und kulinarischsten Spezialitäten gab: Schokoladenspeck und Gänsekuchen, Erdbeerbraten und Leberlikör, Eierpralinen und Kalbfleischkonfitüre.
Eine Zwergensuppe, die für Personen unter einem Meter Körperumfang gedacht war. Stellt euch eine Stadt vor, in der es mehr Supermärkte und Marmeladenrestaurants, Spargelstecher und Kartoffelmetzger, Gummibärchenzüchter und Pralinenmaler gab als sonst wo auf dem Kontinent! In der man sich mit „Guten Appetit!“ begrüßte und mit „Gute Verdauung!“ verabschiedete. In der es nach süß und salzig roch, nach sauer und bitter, nach scharf und mild.