Tag der Informatiklehrer 2014. Yay!

Heute war der TdI 2014, den ich wie auch die letzten Jahre mitorganisieren geholfen habe. (Insgesamt machen die Organisation vor allem die Lehrstuhlsekretärin und wir drei teilabgeordneten Lehrer am Lehrstuhl, technisch helfen die Systembetreuer uns sehr.) So um die 90 Teilnehmer, ein Vortrag, danach verschiedene Workshops. Organisieren liegt mir nicht, aber ich versuche mir alles aufzuschreiben für die folgenden Jahre. Ich glaube an Checklisten.

Mir hat es nicht nur Vergnügen bereitet heute, sondern Freude. Mein Workshop lief gut, von den anderen habe ich leider nichts mitgekriegt. (Irgendwann wird mir hoffentlich jemand mal eine Einführung in Lego Mindstorms oder App-Programmierung geben; alleine raffe ich mich doch nicht auf.) Freude deshalb, weil es schön ist, andere Informatiklehrer zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Viele davon sehe ich regelmäßig, zwar nur einmal im Jahr, aber immerhin. Das ist schön. Dieses Jahr war der Termin nicht optimal, so dass ein paar ganz regelmäßige Besucher leider nicht konnten.

Am meisten Sorgen bereitet mir übrigens jedes Jahr das Mittagessen. Klingt blöd, ist aber so, weil wir nie genau wissen, wer in welche der drei Gaststätten in der Nähe geht, bei denen wir – genügend? zu viele? – Plätze reserviert haben.

Schön wäre nächstes Jahr ein Workshop, der gleich im Englischen Garten stattfindet. „Rollenspiele im Informatikunterricht“ oder „Sortieralgorithmen im Rollenspiel“, irgendwas, was man machen kann, während die Hälfte der Teilnehmer im Schatten auf der Wiese liegt. Der Englische Garten ist so nah und das Wetter war noch an jedem TdI der letzten Jahre richtig schön.

Selber habe ich auch schon eine Idee für einen Workshop nächstes Jahr: „Crypto-Party an der Schule“. Gestern war ich bei einer kleinen Crypto-Party in München, so als Vorbereitung, um zu sehen, ob ich genug darüber weiß, um das mit Schülern machen zu können. Ja, reicht auf jeden Fall – ich weiß nur noch nicht, ob das genügend Schüler an meiner Schule interessiert. Aber das teste ich im Herbst mal.

Ansonsten arbeite ich jetzt erst mal Liegengebliebenes auf: Links, Schulaufgaben-Respizienzen, Blogeinträge, Emails, vielleicht ein bisschen Krankwerden. (Kratzen im Hals.)

Nachtrag: Seit Jahren machen Informatiklehrer ein Programmierprojekt mit Datenbankanbindung in der 11. Jahrgangsstufe, oder glauben zumindest, das machen zu müssen – so hörte man das auf Fortbildungen, so steht das in den Handreichungen und Büchern; im Probeabitur wurde tatsächlich auch abgefragt, welche Schritte man (in Java) durchführen muss, um eine Datenbankabfrage auszuwerten. Im Lehrplan, fand eine Teilnehmerin zu ihrer und unser aller Überraschung am TdI heraus, steht tatsächlich dazu: nicht. „Größere Softwaresysteme“ müssen gestaltet werden, beachtet werden muss das „Zusammenspiel der verschiedenen Beschreibungstechniken beim Systementwurf: Datenmodellierung – Ablaufmodellierung – funktionale Modellierung – Objektmodellierung“, Listen, Bäume oder Graphen sollen verwendet werden – aber von Datenbanken steht da tatsächlich nichts.

ILTB 2012 – Wandertag – Planspiel Börse

Vorgestern war ich beim Bayerischen Infomatiklehrertag ILTB 2012 in Würzburg. 2011 war ich in München dabei, 2009 in Passau. Das ist eine größere Fortbildungsveranstaltung, die von Uni zu Uni wandert. Die Organisation und Kommunikation war ausgezeichnet. Ich werde auf solchen Tagungen immer wieder ein bisschen bescheidener, wenn ich mitkriege, dass es da ganz viele ganz kluge Leute gibt, die tolle Sachen wissen und machen. Mein Notizbuch ist voll; ich hoffe, dass ich dann auch etwas davon umsetze.

Selber habe ich in einem Workshop wieder Inform 7 (Blogeintrag, Webseite) vorgestellt. Das ist nichts für jeden Lehrer und jede Klasse, aber ich habe die 10. Jahrgangsstufe diesmal damit begonnen und das kommt gut an. Jetzt muss ich den Übergang zu Java schaffen, um später vielleicht auf Inform zurückzukommen.
Inzwischen kann ich Konzept und Sprache in einer guten Stunde vorstellen und erste Aufgaben programmieren lassen. Bei Gelegenheit schreibe ich die Einführungsbroschüre für Lehrer und die für Schüler als pdf.


Gestern war Wandertag, ich ging mit meiner 10. Klasse. Bowling in München, die Klasse hatte das Ziel bestimmen dürfen (nachdem der zweite Wandertag des Jahres bei uns festgeschrieben ist), wenn sie dafür die Organisation übernahm. Hat sie auch. Bowlingcenter aussuchen, anrufen, buchen, Fahrkarten aussuchen, Geld berechnen, Treffpunkt- und Abfahrtszeiten ausmachen und mitteilen, Route heraussuchen und auf dem iPhone markieren. Ich musste morgens nur zaghaft fragen: „Uh, wo steigen wir dann eigentlich um?“
Habe mich von Schülerinnen über Lana del Rey aufklären lassen, die ich nicht umhin konnte durch die H&M-Reklame kennenzulernen; von Schülern über die Wichtigkeit der verschiedenen Klassen bei Online-Rollenspielen. CleanIT ist zumindest diesen Schülern schon ein Begriff, ACTA sowieso. Zu Hause habe ich dann mal diese Lana del Rey angehört – immerhin eine Abwechslung, angenehm altmodisch, wenn auch dreimal das gleiche pro Lied, also ein bisschen dünn.

Außerdem habe ich einen Witz erzählt bekommen, auf den ich zehn Jahre gewartet habe, seit ihn mir mal mein Schwager erzählt hatte, worauf ich prompt die Details vergaß: Ein Indianer und ein Cowboy treffen sich und unterhalten sich mit Zeichensprache. Der eine hebt einen Finger, der andere zwei, der erste macht wieder eine Geste, der zweite eine abschließende Geste. Dann gehen sie auseinander; der Cowboy gibt jemandem seine Version des Gesprächs, und der Indianer jemandem seine Version. Beide Versionen unterscheiden sich deutlich voneinander. (Hier ist eine Fassung aus Geographie Heute (117/1994) mit Illustrationen.)
Merken hatte ich mir den Witz deshalb wollen, weil ich diese Geschichte bereits aus Salcia Landmann: Jüdische Witze. Nachlese 1960-1976 (dtv 21978, S. 128f., Erstausgabe 1972/77) kenne. Da geht es allerdings um erzwungenen Disputationen zwischen Rabbinern und katholischen Geistlichen im Mittelalter, in denen der kleine Moritzl sich einem Bischof stellen muss. Die Zeichenfolge ist hier: ein ausgestreckter Daumen, zwei ausgestreckte Finger, flache Hand, geballte Faust. Danach kommt noch ein wortloser Austausch um einen Kelch mit Erbsen. Der Bischof gibt sich geschlagen und nennt seine Interpretation des Dialogs; Moritzl erzählt zu Hause seine abweichende Interpretation, in der er viel weniger klug dasteht als der Bischof dachte.
Und davor wiederum bin ich der Geschichte begegnet in Paul Reps, Ohne Worte – ohne Schweigen (O.W. Barth 1987, S. 47f., Erstausgabe 1976), einer Sammlung von Zen-Parabeln. Da geht es auch um eine erzwungene, stumm geführte theologische Diskussion zwischen zwei Mönchen, Abfolge: ein Finger, zwei Finger, drei Finger, Faust ins Gesicht. Der selbsterklärte Verlierer überschätzt auch hier die Qualität der Argumente des anderen.


Und dann haben mir die Schüler noch vom Planspiel Börse erzählt, an dem sie teilnehmen. Hm. Ich hatte mir das immer ein wenig anders vorgestellt. Also: Die Schüler kriegen 50.000 Euro und handeln mit Aktien. Die Börsenkurse liegen am Anfang möglicherweise parallel zu den echten Börsenkursen, entwickeln sich dann aber unabhängig davon weiter – es gibt einen Nachrichtenticker in dieser Miniwelt, und die Kurse werden laut Schüleraussagen von den europaweiten Käufen und Verkäufen der am Planspiel teilnehmenden Schüler beeinflusst. Der eine Eintrag auf unserer Schulhomepage dazu ist leider mager. Vermutlich beeinflussen die Informationen des Tickers das Kaufverhalten? Oder geht es doch um reale Kurse? Gibt es da auch Geschäftsberichte und Quartalsberichte, Analystenprognosen und Gewinnwarnungen?

Diskutierenswert finde ich, dass Schüler Noten kriegen, je nach dem, wie sie abschneiden. Gewinn gemacht: gute Note. Verlust gemacht: schlechte Note – es sei denn, man kann die Entscheidungen, die zu Verlusten geführt haben, begründen. („Es sah zu diesem Zeitpunkt nach einer guten Idee aus, weil.“) Hm. Dann sollte wenigstens die Lehrkraft mitspielen, um zu demonstrieren, dass Gewinn und Verlust nicht vom Zufall abhängen, sondern von Kenntnissen und Fähigkeiten. Außerdem habe ich den Verdacht, dass Schülern so beigebracht wird, im Nachhinein alles mögliche zu rechtfertigen – ein Verhalten, das man aus Politik und Wirtschaft kennt, aber als Laie nicht so schätzt. Fehler gibt es keine, nur zu wenig umfangreiche Erklärungen.

Zu ernst muss man das mit der Note allerdings auch nicht nehmen: es kommen wohl nur ordentliche Noten heraus, und Wirtschaft in der 10. Jahrgangsstufe ist alles andere als ein Angstfach.

Tag der Deutschlehrer 2012

Oder von mir aus auch der Tag der Englischlehrer 2012. Wo bleibt der denn?

Im Fach Informatik gehe ich auf viele Fortbildungen, es werden auch viele angeboten. Die LMU München hat eine größere jährliche Fortbildungsveranstaltung für Informatiklehrerinnen und -lehrer, die TU München auch, daneben kleinere Veranstaltungen. Andere Unis machen das ebenso. Es gibt einen großen bayerischen Informatiklehrertag, der von Jahr zu Jahr von Uni zu Uni wechselt – ich war schon in Passau und München dabei, im Oktober bin ich in Würzburg.

Referenten sind da geschätzt zu drei Vierteln Schullehrer, die Projekte oder Werkzeuge vorstellen; zu einem Viertel sind es Hochschullehrer, meist Didaktiker. Kann je nach Veranstaltung anders sein.

Für die naturwissenschaftlichen Fächer kenne ich zumindest ansatzweise vergleichbare Konzepte. Für Deutsch oder Englisch kenne ich nichts in dieser Art.

  1. Entweder es gibt so etwas, und ich nehme das nicht wahr.
  2. Oder es gibt so etwas nicht, weil es kein Angebot dazu gibt.
  3. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Nachfrage danach besteht.
  4. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Notwendigkeit dazu besteht.

Zu 1: Kann schon sein. Fortbildungsangebote gibt es schon immer wieder mal, aber gefühlt weit weg oder zu speziellen Themen. Ein kurzer Blick in den Schulbriefkasten: „Wie schreibt man einen Brief? Theorie und Praxis der antiken Epistolographie“, eine Lehrerfortbildung in Weimar, vierstündiges Seminar „Freies Erzählen“; das Programm der Akademie Dillingen mit allenfalls „Journalistische Schreibformen im Deutschunterricht“, das aber gleich fünf Tage lang.

Zu 2: Kann auch sein. Haben die Unis da kein Interesse? Also, ich könnte als Referent schon einen Workshop anbieten. Die Rolle der Metrik im Deutschunterricht (Blogeinträge: Germanische Langzeilen, fünfhebige Jamben, Metrik und Musik, Robert Gernhardt) etwa. Und zu bloggen. Jochen hätte sicher genug zu Englisch, und mir fallen auch Kollegen ein, die zu Deutsch etwas zu sagen hätten. (Baskerville-Workshop, Herr Kollege?)

Zu 3: Kann auch sein. Vielleicht bilden sich Deutschlehrer eher weiter, indem sie Fachzeitschriften lesen… Das Verhältnis des Kultusministeriums zu Fortbildungen ist ambivalent, so richtig ermuntert, Fortbildungen zu machen, werden Lehrer nicht – jedenfalls nicht zu fachwissenschaftlichen/didaktischen Themen, mehr so Qualifizierung für Führungspositionen. Ich denke aber doch, dass sich auch Deutschlehrer gerne mal zum Austausch träfen.

Zu 4: Zugegeben: Informatik ist ein junges Fach mit vielen Fragen, die noch diskutiert werden müssen. Da bieten sich Fortbildungen an. Vielleicht haben sich Fachdidaktik und Schule im Fach Deutsch nichts mehr zu sagen? Vielleicht sind Deutschlehrer schon voll qualifiziert und brauchen keinen Austausch?
Oder es liegt daran, dass an einer Schule selten mehr als zwei, manchmal sogar noch weniger Informatiklehrer sind. Deutschlehrer dagegen gibt es an Schulen zuhauf, die können sich ja eh gegenseitig fortbilden, sollte man meinen. Mhja. Trotzdem, man könnte ja mal so etwas überlegen. Man bräuchte für den Anfang, ganz klein gehalten, nur eine Schule mit Mensa, ein paar frei zu machende Räume (auch mit Computern), einen Hauptvortrag von der Uni und Referenten für ein paar Workshops. Kollege Z., Interesse?

Deutschlehrerfahrt nach Weimar 2012

Vor vielen Jahren, lange vor diesem Blog, gab es an der Schule, an der ich unterrichte, regelmäßige Fahrten der Deutschlehrer. Damals, als das Wünschen noch geholfen hat, gab es manchmal sogar einen Tag frei für diese Art der Fortbildung. Dann schlief das ein. Der Fachbetreuer hatte die Idee, das wieder aufzuwecken, und so fuhren ein Großteil der Deutschlehrer gemeinsam nach Weimar. Ohne einen Tag frei dafür, aber mit selbst gebastelter Fortbildungsbescheinigung. Hervorragend vorbereitet, mit Reader und Podcasts für Autobahn- oder Zugfahrt.

Links das Romantikerhaus in Jena, rechts die Pension in Weimar, in der wir untergebracht waren.

Das Gartenhaus Goethes im Park, in das er sich zum Schreiben und zu Treffen mit Frau von Stein zurückgezogen hat. Der Park an der Ilm ist schön und groß und berühtm für seinen Sichtachsen. Damit man die nicht verpasst, steht so etwas am Boden:

Hebt man folgsam den Blick, sieht man das:

Leider lässt sich die Markierung nicht drehen. Das wäre doch mal schön interaktiv.

Sehenswert für Geologen: die Parkhöhle, zum Teil zum Luftschutzbunker ausgebaut.

Zurück in der Stadt geht man dann in Goethes Wohnhaus, jetzt Museum. Viele Zimmer, davon jedes für einen eigenen Zweck gedacht. Empfangen von Gästen, von Freunden, Arbeiten an diesem, Arbeiten an jenem. Unsereiner kennt ja mehr multifunktionale Zimmer. Gegenüber vom Haus macht man dann erst einmal bei strahlendem Sonnenschein Pause:

Danach kann man weitergehen. In Weimar liegen viele Sehenswürdigkeiten nah beinander. Goethes Haus, Schillers Haus (jeweils mit Museen), das Haus der Familie von Stein, das Gartenhäuschen, die Anna-Amalia-Bibliothek. Das erinnert mich an meine Studienzeit, als L. und I. und ich und G. und F. und A: alle recht nah beisammen in der Augsburger Innenstadt wohnten, uns spontan besuchen und treffen konnten. Schöne Sache, so etwas.
Daneben gibt es noch ein Bauhaus-Museum, ein Musterhaus und eine Wohnanlage dazu. Auch den Friedhof mit der Fürstengruft.

Links die Gruft, rechts daneben die russisch-orthodoxe Kirche von Weimar.
In der Gruft – man darf nicht fotografieren, wie nirgendwo und nirgends und in keinem Musem Weimars, auch nicht ohne Blitz – liegen unten die Särge der Fürstenfamilie. Sieht alles etwas vorläufig aus. Und eben auch zwei Särge mit der Aufschrift Schiller und Goethe. Wo Goethe draufsteht, ist auch Goethe drin. Der Schiller-Sarg ist seit 2008 leer. Da hat maan nämlich endgültig bewiesen, dass die Gebeine dort nicht zu Schiller gehörten – auch nicht der Schädel, auf den Goethe das Gedicht „Bei Betrachtung von Schillers Schädel“ schrieb. Da hatte Bürgermeister Schwabe 1826 kein Glück, als er nachts und eher klammheimlich einige Gebeine aus einem verfallenden Gewölbe holte und zu Schillers deklarierte:

Ansonsten viel Grün und Getier dort:

Auf dem Rückweg gesehen:

Ich hatte zwar mein iPad dabei, habe aber nichts getwittert. Eine Kollegin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mitfahren konnten, beklagte sich darüber, dass auf Facebook nichts zu sehen gewesen sei. Stimmt, das gehört mit dazu heutzutage.

Goethe ist natürlich allgegenwärtig in Weimar. Als Wilhelm Ernst würde ich mich ärgern:

Auch im Wahlkampf fehlt die Klassik nicht:

Versammelte Deutschlehrer:

Außerhalb von Weimar liegt Oßmannstedt, wo sich Wieland ein Gut zulegte, um ländlicher und in Frieden zu leben. Auch nicht schlecht.

Für mich am liebsten Leben in Weimar im Winter, in Fußentfernung von allen Bekannten, und im Sommer und an den Wochenenden Rückzug aufs Landgut. Für das Museum dort durften wir die Museumssoftware auf einem iPad erproben. Das Vorlesen der Texte habe ich gleich mal ausgveschaltet. An der Benutzerführung kann man noch arbeiten (ein Zurück-Knopf fehlt), aber im Prinzip schon richtig – aber natürlich auf dem eigenen Tablet/Smartphone und nicht auf dem museumseigenen.

Und weil wir da waren, noch ein Bild vom Musentempel auf dem – noch winterlich geschlossenen – Schloss Belvedere der Anna Amalia:

Zum Zeichen der abgelegten Pilgerfahrt nach Weimar darf ich mir ein silbernes Gingko-Blatt anstecken, wenn ich das denn wünschte, und mich Oberstudienrat i.W.g. nennen – „in Weimar gewesen“. Die Amtsbezeichnungen an sich sagen ja nicht so viel aus, man bräuchte statt derer mehr solcher Kürzel.

Toll organisiert von den Kollegen S. und Z.

Nachgetragener Gedanke: Wenn man erst einmal eine bestimmte Menge über eine Sache weiß, wie etwa Goethe und Weimar, dann werden selbst so etwas wie Goethe und Weimar interessant. Aber erst mal muss etwas Wissen da sein.

Digilern 2012, dritter Tag, und Wochenanfang danach

Nicht minder interessant der dritte Tag – aber schon bin ich weider im Schulalltag, deshalb nur kurz. Die Keynote hielt Christian Spannagel, den ich endlich einmal persönlich kennengelernt habe. Christian ist in meiner Ecke des Internets sehr bekannt, Professor für Mathematik und Mathematik-Didaktik an der PH Heidelberg. Macht viel mit Schülern, mit Lehrerausbildung und mit Computern, bloggt und twittert. Er stellte Konzepte und Beispiele für Webaktivitäten in der Schule vor (Rezensionsblog, Mitarbeit an Regionalwiki, Flipped Classroom).

Eine seiner Aussagen trifft wohl zu: Fortbildungen bringen nur wenig. Auf die Frage: „Wer bringt mir das bei?“, gibt es wohl nur die Antwort: „Muss man sich selber beibringen.“ Das geht aber auch, wenn man will.

In einem Workshop sah ich mir an, wie das Gymnasium Ottobrunn ihr Moodle für Deutsch-Sequenzen bei der Lektürebehandlung einsetzt. Hat mir sehr gut gefallen und Möglichkeiten gezeigt, das für meine Schule zu übernehmen. (Überhaupt hat mir Ottobrunn gut gefallen. Das ist eine Schule, die weiß, wohin sie will.) Auf den zweiten Teil des Workshops, mit der praktischen Umsetzung, habe ich verzichtet. Ich will bei Fortbildungen nur Beispiele sehen und erklärt bekommen und eventuell mit Beispielen spielen können. Das Nachbasteln und Sich-selbst-erarbeiten kenne ich aus vielen Fortbildungen; vielleicht ist es für Schüler geeignet, für Lehrer nicht.

Danach ging ich noch in einen Workshop bei Christian Spannagel zum Thema „Flipped Classroom“. Didaktisch ganz toll gemacht: erst Inputphase, dann Sammelphase mit verteilten Pro-Contra-Rollen, dann Gedankenaustausch in diesen Rollen. Erwachsene Lehrer stürzen sich sofort und mit Begeisterung in so ein Rollenspiel.
Zum Konzept des Flipped Classroom: einfach mal in Christians Blog danach suchen. Die Kurzfassung:

  • Traditioneller Unterricht sieht so aus, dass Schüler in der Gruppe Vorträge hören und zu Hause alleine die Aufgaben dazu lösen.
  • Andersherum ist es sinnvoller: die Schüler hören sich zu Hause alleine die Vorträge an und machen in der Schule im Beisein des ansprechbereiten Lehrers die Aufgaben dazu.
  • Dazu muss man nach und nach Videoaufnahmen produzieren und ins Web stellen – geschützt oder nicht – die die Schüler dann eben zu Hause anhören.
  • So wird die Zeit der Schüler sinnvoller genutzt.

Ich habe das vielleicht zu knapp zusammengefasst. Natürlich hat die Methode Grenzen. Zum einen: sie passt, wie die plötzliche Entdeckung der Kompetenzorientierung, eher auf die Welt der MINT-Fächer. In Mathematik, Informatik, Physik, da lernt man im Studium in Vorlesungen; Seminare und Seminararbeiten gibt es nur wenige. In meinem Anglistik- und Germanistik-Studium, prä-Bologna, da habe ich die Vorlesungen eher gemieden und viel weniger davon profitiert als von den vielen verpflichtenden Seminaren und Seminararbeiten, wo das tatsächliche Lernen stattfand. Aber vielleicht war das nur ich.
Allerdings bin ich für mehr Vorlesungskultur an Schulen, auch in Deutsch. (Für Englisch: weniger.)
Ein anderes Gegenargument ist das, dass Schüler ja sowieso zu Hause nichts tun. Da könne man genauso sagen: Lest und versteht zu Hause das nächste Kapitel im Buch, in der nächsten Stunde machen wir dann gemeinsam Aufgaben dazu. Und vielleicht sollten wir das auch mehr tun, wenn wir geeignetes Material dazu finden.
Und letztlich sind gerade Deutschlehrer, vermute ich, stolz darauf, nie etwas zweimal zu machen. Da sind jedes Jahr die Lektüren und die Reihenfolge der Lernihalte, alles auf die Klasse angepasst. Vielleicht sollten wir auch davon etwas wegkommen und mehr in wiederholbaren Modulen denken.

Jedenfalls will ich das mit dem Flipped Classroom ausprobieren. Bei der letzten Informatik-Q11 habe ich den Dijkstra-Algorithmus in einem Vortrag erklärt. (Mit der Ansage: „Ich stelle jetzt den zeitlichen Weltrekord im Erklären des Dijkstra-Algorithmus auf.“) Daraus habe ich einen Videoclip gemacht, den bei Youtube eingestellt, und meine aktuelle Q11 kriegt den Vortrag nicht live, sondern soll ihn sich zu Hause ansehen, und das so gut, dass in der Stunde danach die Übung dazu möglich ist. Schauen wir mal, wie das klappt.

– Ansonsten hat die Woche mit einem langen Tag begonnen. Der Unterricht in meiner aktuellen 10. Klasse gefällt mir gerade sehr gut, ich freue mich schon drauf, das laufende Projekt verbloggen zu können. Nach dem Nachmittagsunterricht trafen sich einige Personalräte des Landkreises an meiner Schule, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen und zukünftiges Vorgehen miteinander zu besprechen. (Dabei eine Kollegin getroffen, die ich in meinem ersten halben Jahr nach dem Ende des Referendariats als Schülerin in einer 11. Klasse hatte. Zeit vergeht.)

Ansonsten kommt man ja kaum mit beim Bloggen. Der Spaenle und sein 8,5-jähriges Gymnasium. Das muss jetzt aber warten bis zum nächsten Mal.

Digilern 2012, Zweiter Tag

Am Anfang zwei Keynotes, dann Workshops oder Gespräche. Gabi Reinmann begann mit der Bedeutung mediengestützter Wissensprozesse bei Lehrenden und deren Bedeutung für den Unterricht. Zum Schluss das Resümee, dass man unter Lehrern
(1) vor fünf Jahren noch hören konnte „Ich bin nicht im Netz“;
(2) heute hören kann „Ich bin nicht in Facebook“
(3) es interessant sein wird, was sich in weiteren fünf etabliert haben wird.

Ich mag Vorträge, habe ich wieder einmal festgestellt. Diesmal habe ich zum ersten Mal die Versuchung erfahren, während des Vortrags zu twittern. (Siehe auch das Twitter-Debakel von Bielefeld bei Telepolis.) Nachdem ich sonst kein fleißiger Twitterer bin, wird das an der Situation gelegen haben: Vortrag + Rechner + Leute um einen herum, weniger echter Mitteilungsdrang als die Freude am heimlichen Weiterreichen von Zettelchen, einfach weil man es kann. Unhöflich oder nicht? Stört es die eigene Konzentration auf den Vortrag oder nicht? Ist auf der Re:publica sicher etwas anderes als auf einem Lehrerkongress, aber tendenziell wohl ja und wahrscheinlich. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Achim Lebert (der Schulleiter des Gymnasiums Ottobrunn) stellte in seinem Vortrag am Beispiel von Ottobrunn vor, wie man eine Schule verändern kann, welche Vorbilder es dafür gibt und auf welche Schwierigkeiten man gefasst sein muss. Der Tenor: ein Lehrer muss in seiner Klasse anfangen, dann mehrere in einer Klasse, dann mehrere in einer Jahrgangsstufe. Und man braucht eine Vision, ein Ziel, ein Konzept, wo man hin will. Auch dann sind die Schwierigkeiten groß, es wird nicht alles klappen, kann sich am Schluss aber lohnen.

Voraussetzung: mehr Freiheit, als das Kultusministerium Schulen lässt. Als Modusschule nutzt Ottobrunn etwa die Gelegenheit, nur 3 Schulaufgaben statt 4 im Jahr zu schreiben. Die Schüler – Ottobrunn führt regelmäßig Befragungen durch – mögen das. Andere Besonderheiten in Ottobrunn, in bestimmten Jahrgangsstufen: Klassenleiterstunden in 5/6, Doppelstundenprinzip, Portfolioarbeit, 3 Lerntage pro Jahr. Und Laptops in den 8. Klassen, die sich als geeignet herausgestellt haben, dem pubertären Durchhänger in dieser Jahrgangsstufe entgegen zu wirken.

Von all dem könnte man lernen. Ottobrunn hat selber gelernt von der New Line Learning Academy in Maidstone, Kent, England. Ein Ausgangspunkt dieser Schule: die Schule muss ein Ort zum Wohlfühlen sein, muss schön und einladend sein. Und zwar ganz konkret in der Architektur und Gestaltung. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Auflösung des Klassenzimmers als Lernort. Stattdessen gibt es einen zentralen großen Raum, die learning plaza. Dort arbeiten verschiedene Gruppen gleichzeitig (Foto, das leider nur einen Teil darstellt.)

Von einer Freundin weiß ich, dass in Diedorf bei Augsburg gerade ein neues Gymnasium gebaut wird, und zwar nach einem ähnlichen Konzept. (Zeitungsbericht, mehr auf die Schnelle nicht gefunden.) Pro Jahrgangsstufe gibt es einen großen Gemeinschaftsraum, davon abgehend kleinere Räume, falls man sich doch mal zurückziehen möchte. Aber auch die sind ganz ohne Türen, stattdessen offen. Unterstützung beim Neu- und Umbau bietet das Projekt LernLandSchaft („gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“). Einen Eindruck gewinnt man bei einer Google-Bildersuche nach „Lernlandschaften“.

Auch für das zukünftige Gymnasium in Diedorf gibt es eine Schule als Vorbild, diesmal in Deutschland. Ich habe vergessen, welche das war, werde das hier ergänzen, sobald ich nachgefragt habe.

— Das alles hat mit Laptops wenig zu tun, sondern damit, Schulen gewinnend und einladend zu gestalten, und mit mehr Selbstständigkeit und Freiheit für Schüler. Und dabei möchte ich Laptops als Hilfe sehen. Das eigene Laptop ist Werkzeugkasten und tragbare Bibliothek in einem, wenn das nur als Schreibwerkzeug und individuelle Tafel genutzt wird („macht jetzt alle diese Aufgabe in Moodle/Geogebra“), dann ist das Vergeudung.

(Danach Plaudern mit Herrn Holze und Kubiwahn/tommdidomm und anderen. Am Tag davor Karl Kirst. Literatenmelu verpasst, hoffentlich heute. Ivo Schwalbe noch nicht gesehen, nur gehört. Heute mache ich es aber nicht so lange, hbae Kopfschmerzen. Drei Tage Kongress sind schon anstrengend. Falls sich wer Sorgen macht: es fallen bei mir nur zwei Stunden Oberstufe aus, die Heimarbeit gekriegt haben, und ich gehe auch am Samstag auf die Fortbildung, so there.)

Digilern 2012, Erkenntnisse

Erkenntnis: Alle gehen davon aus, dass in Zukunft (ich sag mal: in zehn Jahren) jeder Schüler seinen eigenen Laptop in der Schule dabei haben wird. Ob das ein Laptop, Notebook, Subnotebook, Netbook, Tablet, Tablet-PC oder reiner E-Book-Reader sein wird, das ist noch offen. Ich teile diese Ansicht. Rechnet… Ich bin noch knapp fünfundzwanzig Jahre im Beruf, also beeilt euch mal, dass ich davon noch etwas mitkriege.

Modell 1: Diese Rechner werden teilweise oder ganz von Eltern finanziert, von der Schule gekauft und an die Schüler weitergegeben, leasing sozusagen.
Modell 2: Jeder Schüler nimmt sein privates Gerät mit.

In beiden Fällen übernehmen Schüler/Eltern weitgehend die Wartung. Zur Zeit gibt es nur Modell 1, ich denke, dass sich Modell 2 durchsetzen wird. Ist mir beides recht.

Eher Zitat als Erkenntnis, aber auch schön: Whiteboards sind das Sprachlabor von heute. (Wohl von Martin Lindner als Moderator der Podiumsdisukssion.)

Erkenntnis: Manche Visionen sind schon sehr visionär. Ein Großteil aller Visionen ist nicht umsetzbar. Aber aus einen kleinen Teil kann mal etwas werden. Dummerweise lässt sich vorher schlecht beurteilen, wozu eine gegebene Idee gehört. Ich selber habe eher wenige gspinnerte Ideen, und schüttle auch gerne mal den Kopf, wenn ich welche höre. Aber es braucht viele Spinner, damit man einen ausreichend großen Teil an Ideen hat, die sich im Nachhinein als brauchbar herausstellen. Also ziehe ich meinen Hut vor den Spinnern, auch wenn ich das Kopfschütteln nicht immer vermeiden kann.

Erkenntnis: Manche Lehrer scheinen es bereits für einen Lernerfolg zu halten, wenn Schüler Filme oder Flash-Animationen erstellen. Also, per se, unabhängig von deren Inhalt. Weil sie dann produktiv und kreativ sind. Ist ein Anfang, aber Produktivität und Kreativität sind nur ein Anfang.

Erkenntnis: Es ist völlig egal, was die meisten Teilnehmer, mich eingeschlossen, wollen oder denken. Entscheidungen fallen anderswo.

Erkenntnis: Vor kurzem erst wurde der Verein Bündnis für Bildung gegründet und auf der Didacta vorgestellt. Da sind die Politik drin, die Schulbuchverlage, Microsoft und andere Interessierte. Eberhard Sinner, MdL (CSU), Zweiter Vorsitzender Bündnis für Bildung, beteiligte sich an der Diskussion, wie Schule in 10 Jahren aussehen wird, und stand auch für einen Workshop zum Gedankenaustausch zur Verfügung.
Das Bündnis für Bildung (BfB) – nicht verwechseln mit anderen Bündnissen gleichen Namens – will länderübergreifende Standards für Schulbau, Hardware, Software und andere Aspekte zukünftiger Bildung. Die Bücher stecken dann in einer oft, sehr oft, zitierten Bildungs-Cloud. (Früher hieß „in der Cloud“ einfach „online“ oder „im Internet“. Wird die Cloud die neue Datenautobahn?)

Meine Bedenken, welche Inhalte in dieser Bildungs-Cloud landen würden, konnte Stinner nicht zerstreuen. „Nur Verlage können für Inhalte sorgen,“ sagte er bei der Diskussion. OER war kein großes Thema. Ich habe ein paarmal versucht, herauszufinden, ob ich mein eigenes Material auch in diese Cloud tun könnte, wie es bei Apple ja möglich ist, aber irgendwie schien es immer darauf hinauszulaufen, dass ich das ja gar nicht wollen würde.
Nicht dass ich bereits Material hätte, das jetzt schon in einem Zustand ist, dass ich es vorzeigen möchte. Aber einen kommentierten Reader, eine Projektbeschreibung, ein Tutorial für ein Spielprojekt in Informatik, das steht bald an.

Dass es offenes Material gibt, ist seit der Schultrojanerdebatte und der Diskussion um OER klar. Netzpolitik verglich neulich Entwicklungen in den USA mit der erträumten geschlossenen Schulbuchwelt hier:

Radikal offen mutet im Gegensatz dazu das Konzept von “Flat World Knowledge” an. Der US-amerikanische Lehrbuchverlag bietet Creative-Commons-lizenzierte Lehrbücher online kostenlos an und verdient am Verkauf von Printversionen.
Vor zwei Tagen hat nun das Massachusettes Institute for Technology (MIT) eine Kooperation zwischen Flat World Knowledge und dem Hauseigenen “OpenCourseware”-Programm präsentiert. MIT OpenCourseWare bietet bereits seit 10 Jahren vollständige Unterlagen von mittlerweile über 2.000 Kursen ebenfalls unter einer Creative-Commons-Lizenz zum Download an; seit einem Jahr gibt es auch zum Selbststudium aufbereitete Unterlagen (“OCW Scholar“). Im Rahmen der Kooperation mit Flat World Knowledge sollen auf Basis dieser Inhalte Lehrbücher entstehen, wobei Teile der Verkaufserlöse der Printversionen zurück ins OpenCourseWare-Programm fließen werden.

Meine Befürchtung geht jedenfalls dahin, dass digitale Schulbücher in der Hand der Verlage bleiben, wofür es weder einen technischen noch pädagogischen Grund gibt. Arbeitsmaterial muss nicht erst genehmigt werden (jedenfalls wenn es nichts kostet), ich möchte mich jedenfalls nicht auf (Zitat) „zertifizierte Inhalte“ beschränken müssen.

Bayern arbeitet währenddessen an einem Digitalen Bildungsnetz Bayern. Immerhin – anders als die Seite des BfB – mit RSS-Feed. „Das Digitale Bildungsnetz ermöglicht digitales und multimediales Lernen. Über diese IT-Infrastruktur können Schulen u.a. gemeinsame Lernplattformen und Mediatheken nutzen.“ Im Prinzip gut. Es entsteht dadurch natürlich eine weitere gated community wie Facebook oder AOL – ein Ort für Schüler und Lehrer, damit sie nicht mehr ins böse Internet hinaus müssen. Aber das wird ja ohnehin nicht passieren. Und wie sehr das angenommen wird, hängt von der Technik ab. Wenn das so umständlich zu bedienen ist wie Moodle, dann treffen wir uns gleich anderswo im Internet.

Nachgetragene Fotos:

Anmeldung:

Veranstalterin Maria Eirich und Schüler des veranstaltenden P-Seminars vom Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt:

Han’s Klaffl als tolles Abendprogramm (schon mal gesehen):

Pädagogischer Tag 2011/12, und Leseempfehlung: Günther Hoegg, Wie Schüler denken

Dieses Jahr haben wir unseren Pädagogischen Tag schon gehabt. Und zwar nicht am üblichen Buß- und Bettag, sondern an zwei Freitagnachmittagen. Der Inhalt: an unserer Schule haben Lehrer ein Konzept zur Förderung von Lern- und sozialen Kompetenzen entwickelt, das allen Kollegen vorgestellt wurde, da es von der Schule gemeinschaftlich umgesetzt werden soll, von den aktuellen 5. Klassen an langsam aufbauend. Das darf ich hoffentlich öffentlich hier so schreiben, auf der Schulhomepage steht nämlich noch nichts davon. Deshalb halte ich mich mit mehr Details etwas zurück.

Unter anderem habe ich in diesem Zusammenhang auch Ausschnitte aus Treibhäuser der Zukunft von Reinhard Kahl von 2004 gesehen. Die kannte ich zuvor schon. Hm, ja. Ich bin da immer ein bisschen skeptisch. Die Vorzeigeschule des Films, die katholische Bodenseeschule, würde mich als Konfessionslosen schon mal gar nicht als Lehrer annehmen. Überhaupt sind diese Treibhäuser allesamt Orchideenschulen mit jeweils ausgesuchter Klientel, deshalb halte ich viele der Erfahrungen nicht für übertragbar. (Kritisches zum Thema Archiv der Zukunft und Harmut von Hentig auch bei von @ciffi bei der TAZ.) Dennoch sind sie wichtig um uns zu zeigen, was prinzipiell alles möglich ist – wir haben nämlich auch am Gymnasium viel mehr Spielraum, als wir tatsächlich nutzen. Nicht als einzelner Lehrer, aber als ganze Schule.

Mich stört an pädagogischen Konzepten allgemein, dass da sehr wenig experimentell belegt ist, angefangen mit Allvater Piaget. Das sage ich allerdings als absoluter Laie, der lange nicht mehr ernsthaft versucht hat, sich mit wissenschaftlicher Pädagogik zu beschäftigen, vielleicht ist das inzwischen alles ganz anders. Dass etwas einleuchtend klingt und eigentlich logisch ist, reicht mir nicht als Bestätigung. Von Harmut von Hentig habe ich nur sein Bildung gelesen, und die meisten der Beispiele für tolle Lernerfahrungen darin stammen aus der Fiktion: Heidi (Spyri), Kim (Kipling), Simplicissimus (Grimmelshausen), aber auch Autobiographien. Hervorgehoben ist dabei Joan Lowell, „die in ihrem Buch Ich spucke gegen den Wind ihre Kindheit als Kapitänstochter auf einem Segelschiff kurz nach der Jahrhundertwende schildert“ – von der sich beim Recherchieren herausstellt, dass sie von vorn bis hinten erfunden ist.

Empfehlen möchte ich als pädagogische Ergänzung Wie Schüler denken …und was Lehrer darüber wissen sollten von Günther Hoegg. Vom gleichen Autor – Jurist und Schullehrer – hatte ich schon ein Buch über Schulrecht gelesen. Auf dieses Buch kam ich durchs Web, weiß aber keine Details mehr, sonst würde ich verlinken.

Dieses Buch benutzt – bei allem Wohlwollen gegenüber Schülern – andere Metaphern als Treibhäuser der Zukunft. Da geht es eher um Revierverhalten und die Rangordnung in der Gruppe. Der Ausgangspunkt ist aber schlicht der: statt immer wieder den Kopf darüber zu schütteln, dass die Schüler nicht so sind, wie man sie als Lehrer gerne hätte (rational, vernünftig, einsichtig – was selbst Erwachsene nicht immer sind), sollte man herausfinden, warum sie sich nicht so verhalten – und dann damit umgehen. Aktuelles Beispiel aus meinem Unterricht: wenn man Schülern etwa sagt, sie sollen einem bis zum Donnerstag in einer Woche (der nächsten Stunde) Ihre Email-Adresse schicken, dann macht ein Großteil der Klasse das wann? Am Donnerstag spät abends und keinen Tag früher. Beim ersten Mal darf man da noch überrascht sein, danach muss man damit leben, dass die so sind – und herausfinden, warum das so ist. Dann kann man vielleicht etwas daran ändern oder das nächste Mal einen früheren Termin nennen.

Einige Erkenntnisse aus dem Buch für mich:

  • Schüler möchten auch eine emotionale Beziehung zum Lehrer – schon mal, weil der ein Erwachsener zum Kennenlernen ist.
  • Das Aufteilen in abgeschlossene Einheiten führt dazu, dass man weiß, ab wann man etwas vergessen darf, und das dann auch tut.
  • „Löschen funktioniert besser als Strafen“ haben wir alle so gelernt. Dann muss man Autoraser einfach nicht beachten und sie stellen das Verhalten ein?
  • Vorschlag von Manfred Spitzer, der auch in Treibhäuser der Zukunft zu Wort kommt, aber sicher nicht damit: Klassenarbeiten a) nicht ankündigen und b) über alles prüfen, außer dem Stoff der letzten Wochen.
  • Lügen und Leugnen ist menschlich und natürlich. Also nicht wundern oder ärgern über ein „Aber ich habe doch gar nichts gemacht.“
  • Der Hinweis auf die Untersuchung von Karpicke und Blunt (2010, Purdue University), hier die FAZ dazu, dort etwas von Purdue auf Englisch. Der Versuch: Zwei Lerngruppen erhielten Texte mit unbekanntem Inhalt. Die einen verbrachten danach Zeit damit, Mindmaps dazu anzufertigen. Die anderen sollten den Stoff einfach auswendig lernen („practicing retrieval“). Nach einer Woche wurde dann geprüft, wer wieviel verstanden hatte. Die Auswendiglerner lagen weit vorn, auch bei Zusammenhangsfragen.

    „When students have the material right in front of them, they think they know it better than they actually do,“ [Karpicke] said. „Many students do not realize that putting the material away and practicing retrieval is such a potent study strategy.“

    Das passt jetzt aber gar nicht ins aktuell populäre Kompetenzverständnis. Allerdings könnte man argumentieren, dass die Geprüften ja wohl nicht ihre Mindmap mitnehmen durften zur Prüfung.

  • Sehr schön auch: Regeln muss man nicht groß aufstellen, Regeln entstehen durch die Wiederholung eines bestimmten Verhaltens, und zwar nur so. Allein dafür möchte ich das Buch küssen.

Ich würde es ja gerne verleihen, aber ich habe es schon einem meiner Zehntklässler versprochen. Vielleicht sollte man einfach mehr solche Bücher lesen. Es gibt wohl zuhauf solche Bücher wie „Das ist okay, dein Körper verändert sich“, aber vielleicht braucht es auch einfach mal ein Gehirnerklärbuch.

Der Informatiklehrertag letzte Woche

Letzten Montag war also der ILTB (Informatiklehrertag Bayern) beziehungsweise der TdI (Tag der Informatik) 2011. Ersterer ist eine größere Veranstaltung und wird mehr oder weniger jährlich von jeweils einer anderen Uni veranstaltet. Letzterer ist eine kleinere Veranstaltung der Ludwig-Maximilians-Universität München und findet eigentlich immer Ende des Schuljahres statt – dieses Jahr fiel der allerdings aus, weil der ILTB diesmal eben an der LMU war für den ILTB diesmal eben die LMU dran war – auch wenn das dann wegen Bauarbeiten an der Hochschule München stattfand.

Das ist das einzige Bild, das ich gemacht habe, noch ganz am Anfang, etliche Leute stehen noch bei der Anmeldung:

Was soll ich dazu sagen… an der Organisation war ich mit beteiligt, wenn auch nur als Juniorpartner, weil ich die Leute und Organisationen und Strukturen alle noch nicht kenne. Aber ich habe mitgekriegt, was es für eine Heidenarbeit ist, so etwas auf die Beine zu stellen. So lange ich das noch einigermaßen im Kopf habe, muss ich mir eine Checkliste aller zu erledigenden Punkte anlegen – falls ich je in die Situation kommen sollte, so etwas auszurichten. Eventmanagement wäre jedenfalls nichts für mich. Vieles hat geklappt, manches leider nicht, habe ich gehört, gerade mit der Technik. Das tut mir leid. Aber das wichtigste war für mich, Leute wiederzusehen. Eine Studentin, die vor eineinhalb Jahren bei mir im Praktikum war, eine Lehrerin, die vor dreieinhalb Jahren als Studentin mit anderen Lehrern bei mir zum Essen war, ein ehemaliger Kollege, der jetzt anderswo in der Schulleitung sitzt, zwei Leute aus meinem eigenen Informatik-Studiumsgang, und andere, die ich nur von Fortbildungen kenne. Sich so ein-, zweimal im Jahr zu sehen und über Schule und Unterricht zu plaudern, das ist schön. Auch wenn ich noch gar nicht viele Informatiklehrer kenne.

Es gab einen Hauptvortrag und danach Zeit für drei Workshops/Vorträge mit jeweils Kaffee- und Mittagspause dazwischen, verteilt auf sieben Schienen. Den Hauptvortrag hielt Michael Weigend von der Universität Münster: „Visualisierungen zur Veranschaulichung von Konzepten der Informatik“. Für mich behalten habe ich daraus:

  • Informatikdidaktik arbeitet viel mit Metaphern.
  • Metaphern helfen, Konzepte zu verstehen.
  • Metaphern können auch Missverständnisse entstehen lassen oder erkennen helfen.
  • Beispiele für Metaphern: die Schublade für eine Variable; die Weiche für eine Entscheidung; der Toaster für eine Funktion (eine Sache geht rein in die black box, etwas anderes kommt nach einiger Zeit heraus); und sehr schön: die Spielkarte für eine Boolesche Variable.
  • Ein Bild zur Verdeutlichung dessen, dass Variablen Behälter für verschiedene Datentypen sind. Das Bild hat Michael Weigend in seiner Präsentation gezeigt, ich habe es hier mal für mich und meinen Unterricht übernommen und frech nachgebaut:

    (Zur Erklärung: Variablen kann man als Behälter sehen, so wie Schubladen. In den Schubladen ist etwas drin, das kann man herausnehmen und durch etwas anderes ersetzen. So ist das bei den Variablen auch. In vielen Programmiersprachen muss man festlegen, zu welchem Datentyp der Behälter gehört, also welche Art Sachen hineinpassen und welche nicht. In eine Variable vom Typ int passen in Java nur ganze Zahlen, in eine vom Typ char nur einzelne Zeichen. Also werde ich die Schüler Behälter sammeln lassen, die jeweils für bestimmte Inhalte gedacht sind.)

Ich war in zwei Vorträgen/Workshops und habe einen geleitet/gegeben. Mit, hm, mittlerem Erfolg. Ich arbeite ja auch viel mit Metaphern und habe Videoclips dazu erstellt. Die habe ich gezeigt (und die von anderen auch, unter anderem zwei Schülervideos, die ich nicht veröffentlichen darf) und erklärt, mit welcher Software man so etwas erstellen kann und warum man das sollte. Gut im Verkaufen bin ich allerdings nicht. Ein Lehrer war da und hat einen eigenen kleinen Robot-Karol-Clip gezeigt, der sehr witzig war – aber viel Zeit kostet. Deshalb denke ich, die Schüler sollten Videos erstellen. Mein Systembetreuer hat mir versprochen, für dieses Schuljahr das kostenlose Camstudio auf den Schülerrechnern zu installieren, mit dem man auf einfache Weise den laufenden Bildschirm oder Teile davon abfilmen kann.

Damit und mit einem einfachen Headset-Mikrofon kann man zum Beispiel die Programmierprojekte vorstellen, die in der Q11 entstehen sollen:

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— Getwittert wurde auf dem ILTB ebenso wenig wie auf der INFOS. Ich behaupte mal, Informatiklehrer machen noch weniger Social Media als andere Lehrer. Also nichts mit Web 2.0 oder so. Informatiklehrer haben auch keine lustigen Nerd-T-Shirts. Ich selber habe auch nur ein einziges Informatikshirt, mit einem öffnenen body-tag vorn und einem schließenden hinten. Aber das bräuchte ich inzwischen eine Nummer größer… Völlig anderes Publikum als auf der re:publica jedenfalls. Immerhin, so wurde mir versichert, Informatiker an Unis hätten solche T-Shirts. Aber auch die nutzten kein Web 2.0 – liegt das vielleicht daran, dass alles, was man nicht selbst geschrieben hat, verpönt ist? Aber das kann ein Vorurteil sein. Ich kenne ja gar keine Informatiker.

Moodle-Fortbildung heute und die Hype-Kurve

Heute habe ich zum zweiten Mal eine Gruppe von Deutsch-Fachbetreuern im Umgang mit Moodle fortgebildet. Es ging sehr gut, deutlich beser als beim ersten Mal. Das lag zum einen daran, dass ich jetzt besser wusste, welche Probleme und Schwierigkeiten die Teilnehmer haben würden. Und zum anderen daran, dass unser eigener Computerraum für Gäste einige Schwierigkeiten mehr bietet als der an der Schule, an der ich heute war.

Vielleicht weckt man ja durch die Möglichkeit, sich mittels Moodle mit anderen Fachbetreuern auszutauschen, das Bedürfnis, das auch zu tun. Irgendwie und irgendwann mal. Ich kann jedenfalls mal dazu beitragen, dass möglichst viele Fachbetreuer in einem gemeinsamen Kurs landen.

Meine Moodle-Einführung beginnt mit einer Vorstellung der Hype-Kurve von Jackie Fenn. Das ist eigentlich ein alter Hut, aber wo man ihn noch nicht kennt…


Originalgrafik von Idotter, CC-BY, siehe Quelle

Diese Kurve zeigt, wie nach Einführung einer technischen Neuerung die interessierte Öffentlichkeit reagiert: die Aufmerksamkeit steigt rasch an bis zu einem Höhepunkt der überzogenen Erwartungen an. Dann stellt man plötzlich fest, dass die neue Errungenschaft diese Erwartungen nicht erfüllen kann, und es wird sehr still darum. Das Tal der Enttäuschung ist erreicht. Irgendwann normalisieren sich die Erwartungen dann wieder und die Aufmerksamkeit befindet sich auf dem Niveau, das der Sache gebührt.

Ich habe hier mal eingetragen, wo sich zu diesem Zeitpunkt einige ausgewählte Errungenschaften befinden:

Wo man was auf der Kurve einzeichnet, hängt natürlich davon ab, welche Zielgruppe man meint. Unter Lehrern ist ein 3D-Drucker noch etwas ziemlich Neues, in anderen Kreise schon längst nicht mehr. Ein Tipp: wenn man etwa nach gartner hype 2011 bildergoogelt, findet man aktuelle Darstellungen der Kurve, auf denen gezeigt wird, wo sich welche Technik zur Zeit wirklich befindet.

(Stolz bin ich übrigens auf das kleine Schweinderl links unten. In der Präsentation bewegt sich das nach dem Mausklick nämlich entlang der Kurve, um zu demonstrieren, dass jede neue Sau die gleiche Runde durchs Dorf machen muss.)

Diese Hypekurve habe ich einfach frech auf Bildungskonzepte übertragen. Ist empirisch überhaupt nicht überprüft, aber nicht unwahrscheinlich. Ich habe mal folgende Punkte eingezeichnet:

Vor allem um die Kompetenzorientierung wird gerade so viel Gedöns gemacht, dass ich es kaum erwarten, bis die endlich die Kurve hinuntergerutscht ist. An welcher Stelle in der Kurve sich Moodle gerade befindet, lasse ich offen.

– Ich glaube ja, dass es gar nicht schadet, wenn man Lehrern nicht jede neue Idee (die ja oft genug auch nur aus der Politik kommt) als das Nonplusultra verkauft, sondern auch mal etwas bescheiden ist. Ich habe auch schon an etwas offizielleren Broschüren mitgearbeitet, und da war leider nur Jubeln angesagt – in der Hoffnung, dass man damit die Herzen der Lehrer gewinnt. Nu.

Fußnote: Eine abgespeckte Fassung der Präsentation oben (mit Kurve und Schweinchen) gibt es inzwischen auch unter CC-BY-SA-Lizenz zum Herunterladen.