Tag der Deutschlehrer 2012

Oder von mir aus auch der Tag der Englischlehrer 2012. Wo bleibt der denn?

Im Fach Informatik gehe ich auf viele Fortbildungen, es werden auch viele angeboten. Die LMU München hat eine größere jährliche Fortbildungsveranstaltung für Informatiklehrerinnen und ‑lehrer, die TU München auch, daneben kleinere Veranstaltungen. Andere Unis machen das ebenso. Es gibt einen großen bayerischen Informatiklehrertag, der von Jahr zu Jahr von Uni zu Uni wechselt – ich war schon in Passau und München dabei, im Oktober bin ich in Würzburg.

Referenten sind da geschätzt zu drei Vierteln Schullehrer, die Projekte oder Werkzeuge vorstellen; zu einem Viertel sind es Hochschullehrer, meist Didaktiker. Kann je nach Veranstaltung anders sein.

Für die naturwissenschaftlichen Fächer kenne ich zumindest ansatzweise vergleichbare Konzepte. Für Deutsch oder Englisch kenne ich nichts in dieser Art.

  1. Entweder es gibt so etwas, und ich nehme das nicht wahr.
  2. Oder es gibt so etwas nicht, weil es kein Angebot dazu gibt.
  3. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Nachfrage danach besteht.
  4. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Notwendigkeit dazu besteht.

Zu 1: Kann schon sein. Fortbildungsangebote gibt es schon immer wieder mal, aber gefühlt weit weg oder zu speziellen Themen. Ein kurzer Blick in den Schulbriefkasten: “Wie schreibt man einen Brief? Theorie und Praxis der antiken Epistolographie”, eine Lehrerfortbildung in Weimar, vierstündiges Seminar “Freies Erzählen”; das Programm der Akademie Dillingen mit allenfalls “Journalistische Schreibformen im Deutschunterricht”, das aber gleich fünf Tage lang.

Zu 2: Kann auch sein. Haben die Unis da kein Interesse? Also, ich könnte als Referent schon einen Workshop anbieten. Die Rolle der Metrik im Deutschunterricht (Blogeinträge: Germanische Langzeilen, fünfhebige Jamben, Metrik und Musik, Robert Gernhardt) etwa. Und zu bloggen. Jochen hätte sicher genug zu Englisch, und mir fallen auch Kollegen ein, die zu Deutsch etwas zu sagen hätten. (Baskerville-Workshop, Herr Kollege?)

Zu 3: Kann auch sein. Vielleicht bilden sich Deutschlehrer eher weiter, indem sie Fachzeitschriften lesen… Das Verhältnis des Kultusministeriums zu Fortbildungen ist ambivalent, so richtig ermuntert, Fortbildungen zu machen, werden Lehrer nicht – jedenfalls nicht zu fachwissenschaftlichen/didaktischen Themen, mehr so Qualifizierung für Führungspositionen. Ich denke aber doch, dass sich auch Deutschlehrer gerne mal zum Austausch träfen.

Zu 4: Zugegeben: Informatik ist ein junges Fach mit vielen Fragen, die noch diskutiert werden müssen. Da bieten sich Fortbildungen an. Vielleicht haben sich Fachdidaktik und Schule im Fach Deutsch nichts mehr zu sagen? Vielleicht sind Deutschlehrer schon voll qualifiziert und brauchen keinen Austausch?
Oder es liegt daran, dass an einer Schule selten mehr als zwei, manchmal sogar noch weniger Informatiklehrer sind. Deutschlehrer dagegen gibt es an Schulen zuhauf, die können sich ja eh gegenseitig fortbilden, sollte man meinen. Mhja. Trotzdem, man könnte ja mal so etwas überlegen. Man bräuchte für den Anfang, ganz klein gehalten, nur eine Schule mit Mensa, ein paar frei zu machende Räume (auch mit Computern), einen Hauptvortrag von der Uni und Referenten für ein paar Workshops. Kollege Z., Interesse?

13 Antworten auf „Tag der Deutschlehrer 2012“

  1. In Schleswig-Holstein gibt’s eine jährliche Fortbildung, den Fachtag Deutsch – allerdings mit einer deutlichen Betonung auf nicht (spezifisch) gymnasialen Inhalten. Weil das Angebot dünn ist, richtet der Fachverband Deutsch im Deutschen Germanistenverband schon seit Jahrzehnten die Sankelmark-Tagung aus – Informationen dazu hier: http://www.fachverband-deutsch.de/der-verband.landesverbaende.schleswig-holstein-hamburg.html. Hier ist auch der informelle Austausch wichtig; viele Teilnehmer kommen schon seit Jahren immer wieder. Zu nennen ist natürlich auch der im dreijährigen Rhythmus stattfindende Germanistentag: http://www.fachverband-deutsch.de/index.php?page=44 , der 2013 in Kiel stattfinden wird und neue Wege der Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis finden will.

  2. Fachtage gibts hier in Mittelfranken auch. Habe welche für Deutsch und Geschichte/Sozialkunde besucht. Organisiert werden diese entweder von den Fachmitarbeitern beim MB oder in dieser Gegend hier vom PI Nürnberg (Pädagogisches Institut) in Zusammenarbeit mit der Uni / an der Uni. AUsgerichtet für alle Schularten.
    Die Spannung/Inhalte sind wechselhaft interessant. Oftmals eher gymnasiallastig. Vor zwei Jahren aber gab es sogar eine Veranstaltung zum Thema Deutsch 2.0.
    Zu 4.: Vor zwei Jahren auf dem Tag fielen spontan zwei Veranstaltungen aus und dann standen da etwa 100 Deutschlehrer rum und mir fiel auf: Wow, wir stehen den ganzen Tag herum und bringen Leuten was bei, aber keiner von uns ist jetzt und hier bereit zusagen: “Hey, ich erzähl euch was aus meinem Unterricht, was ich gut kann.”
    Ich wars damals auch nicht – habe aber erst danach von diesem Barcamp-Dings gelesen, was wir dann in Ottobrunn erlebt haben.
    Meinst du soetwas ginge mit Lehrern? Deutschlehrern?

  3. Ja, Hanjo, auf den Germanistentag bin ich mein kurzen Recherchieren zuvor auch gestoßen. “Germanistik für das 21. Jahrhundert. Positionierungen des Faches in Forschung, Studium, Schule und Gesellschaft”, darunter “Mediävistik für das 21. Jahrhundert” – ich hatte mir etwas Kleineres und Praxisnäheres vorgestellt. Aber zur Not nähme ich auch das. Ein bisschen mehr Wissenschaftsprofil kann dem Fach nicht schaden.

    Das Programm aus Nürnberg sagt mir da eher zu.
    Barcamp mit Deutschlehrern: klar. Für den Anfang kleiner als Ottobrunn, und auch für den Anfang statt Barcamp auch traditionellerer Aufbau mit Anmeldung und Auswahl vorher. (Aber das kann ich nicht beurteilen, und ich halte den Unterschied auch nicht für zentral.)

  4. Letzteres hatte ich mir mal zurechtgedacht. Vielleicht kommt es auf eine gute Mischung an. Selbst in Ottobrunn haben ja nur wenig vorn gestanden (du), weil andere (ich) zu feige waren. Diese traditionelle Geschichte, auch in Nürnberg, lief halt schnell wieder auf das Frontale hinaus – nix gegen frontal, aber wenn ich z.B. etwas über Kreatives Schreiben machen würde, dann würde ich auch fragen, wer eigene Ideen hat und die dann umsetzen wollen…also wirkliche, echte WORK-Shops.

  5. Ich mag es bei Fortbildungen eigentlich weniger, selber zu arbeiten – ernsthaft. Ich will mir Sachen zeigen lassen, was etwa bei neuen Unterrichtsmethoden heißt, dass sie unmittelbar und unerklärt *benutzt* werden statt erklärt. (Flipped Classroom, Diskussionsformen.) Und ich will Gelegenheit zum Spielen haben, also meinen wir vielleicht doch Ähnliches. Nur Aufgaben lösen, das will ich nicht. Zeig mir eine Aufgabe, gib mir die Lösung dazu, und dann lass mich ähnliches selber basteln.

    Das behalten wir mal im Auge. Ab 30 Leuten lohnt sich eine eintägige Fortbildung mit Workshops. Wird doch Zeit, dass sich die Deutschlehrer mal etwas organisieren; in Englisch gibt es eine Mailingliste, in Informatik viele Fortbildungen, nur in Deutsch nicht viel.

  6. Wahrscheinlich sind wir nur einen Hauch voneinander entfernt. Ich meine schon, dass man z.B. beim Thema Kreatives Schreiben oder Bloggen oder Twittern einen Mehrwert hat, wenn man nicht lang theoretisiert, sondern loslegt. Gerade bei so produktiven Verfahren ist es wohl erhellender, wenn ich etwas schreibe, was sofort publiziert ist und von anderen gelesen werden kann – das macht ja grad den Reiz aus. und bei produktiv-kreativen Geschichten ist ja das, was ich produziere nur eine von vielen Möglichkeiten und nicht etwas Vorgegebenes.
    Was ich nicht will ist das Kleben von bunten Punkten an eine Wandzeitung. Aber ich will auch keine Vorlesung hören. Ich will mich selber äußern können.
    Nicht: das Nachspielen von einzelnen Unterrichtsstunden, die jemand anders irgendwo schon mal gehalten hat.
    Aber da treffen wir uns: Ein Marktplatz von Ideen gestalten, aus dem man herausziehen kann, was einen anspricht. Aber dann auch Präsentation der Ideen, die angestoßen wurden.

    Ich hoffe, ich bin nicht zu kryptisch.

  7. Ne, hab’s schon verstanden. Sehe ich auch so.
    Könnte als Schauplatz eine Schule im Westen Münchens anbieten, Neubau. Könnte natürlich auch was Zentraleres sein. In den Ferien oder zur Unterrichtszeit? Letzteres, nehme ich an – trotz der Klagen, dass in den Ferien nichts angeboten wird, wird in den Ferien wohl auch weniger wahrgenommen.

    Ich meine, ich habe jetzt noch keine konkreten Pläne, aber ich spiele mal so herum.

  8. München ist für mich nicht grad zentral :D…aber ok. Während der Unterrichtszeit, wenn es groß genug ist, dann dürfte die Rechtfertigung da sein.
    Wie groß soll es sein? So groß, dass ich einen Schulbuchverlag kontaktieren kann als Sponsor? Oder lassen wir uns nicht kaufen? Stellen wir uns eher unter die Schirmherrschaft von “Bildungspakt Bayern” oder sowas?

    “Tag des Deutschlehrers” klingt aber ganz schön sozialistisch. Könnte man ein Thema übergreifend anlegen oder sollte man es bewusst ganz offen lassen?

    Und kein Problem, ich spinne ein wenig mit.

  9. Wie groß: Je nachdem, ob das zwei Leute organisieren, oder mehr, quasi als P‑Seminar. Gegen Verlag spricht nichts. Einen Sponsor braucht man nicht wirklich, hm, also vielleicht für einen Keynote-Vortragenden, Anreise und so. Bildungspakt Bayern, ach ja richtig – mir immer noch suspekt, habe das aber nicht weiter verfolgt.

    Benamsung: Kann mit allem leben. Übergreifendes Thema: ned wirklich. Ab einer gewissen Größe vielleicht, aber ich stell’s mir wirklich kleiner vor.

  10. …okidoki…allerdings beginnt am Donnerstag meine Abschlussprüfungs-Korrektur-Phase, d.h. dass ich weiter Zeit haben werde – mir aber ab einem bestimmten Zeitpunkt die Worte fehlen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.