Diplomacy in der Klasse spielen

Diplomacy auf Monitor

In den letzten Tagen des Schuljahr habe ich mit meiner 10. Klasse nicht nur Super-Babel gespielt, sondern auch Diplomacy. Diplomacy ist in ernsthaften Brettspielkreisen sehr bekannt, situiert Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa, bei dem sieben Großmächte um die Vorherrschaft in Europa kämpfen. Weniger als sieben Spieler und Spielerinnen sollten es nicht sein, und fürs Klassenzimmer ist es sogar sinnvoll, wenn zu einer Großmacht zwei oder drei Schüler oder Schülerinnen gehören.

Gedacht war Diplomacy als Brettspiel, es wird aber häufig per Brief oder heutzutage über Webforen gespielt. Die Besonderheit daran: Alle Züge werden gleichzeitig ausgewertet und durchgeführt. Das heißt: Man verbringt erst eine Viertelstunde mit Diskussionen in Plenum oder eher der Lobby, um Unterstützung für die eigenen Pläne zu erhalten oder sie anderen zu gewähren; dann schreibt man die Züge auf, dann folgt eine kurze Phase der Auswertung – manche Truppenbewegungen gelingen, andere nicht. Und diese Diskussions- und Planungsphase macht den Reiz des Spiels aus.

Das ist das Spielbrett am Anfang, im Klassenzimmer auf dem Stehpult platziert für die, die sich gerne physisch über Landkarten beugen, ein ganz besonderes Vergnügen:

Diplomacy-Spielbrett

Eigentlich gibt es nur ganz wenig Regeln, aber sie ermöglichen viele Situationen, die man erst auf den zweiten Blick als problematisch erkennt. Deshalb ist es ganz praktisch, die Züge in ein Computerprogramm einzugeben, das die Auswertung für die Runde übernimmt. Ich nutze dazu jDip (Sourceforge). Wer sich dafür interessiert: In „Adjucating Diplomacy Games by Computer“ von Stewart Cross wird beschrieben, an was man bei Umsetzung der Regeln in ein Programm alles denken muss.

Hier wird jDip auf dem Monitor im Klassenzimmer dargestellt, nach den ersten paar Zügen:

Diplomacy auf Monitor

Und parallel dazu wirft der Beamer das Bild an die Wand:

Diplomacy auf Beamer

Als Beschäftigung für das Schuljahresende ideal. Wir haben zweieinhalb Doppelstunden damit verbracht; es hätten ruhig mehr sein können. Die Spielregeln sind komplex und unvertraut genug, um eine angenehme Herausforderung darzustellen, die Verhandlungen der Großmächte untereinander liefen gut. Gerade die kompetitiveren Schüler und Schülerinnen erwischt man sehr gut damit.

Eigentlich will ich auch einmal versuchen, das Spiel unter dem Schuljahr zu spielen. Ich suche noch nach genug Rechtfertigung dafür. Klar, Wissen kann man damit nicht viel vermitteln (außer, und das nicht zu unterschätzen, Geographisches), aber Kompetenzen doch ganz bestimmt. Und sei es nur die, sich an Regeln zu halten und Konsequenzen zu spüren. Ich könnte im Klassenzimmer eine Pinwand für Proklamationen aufhängen.


– So, ab hier hört der reguläre Blogeintrag auf; ich halte ab jetzt nur so viel von den Regeln für Diplomacy fest, wie ich mir merken möchte; insbesondere ein paar Punkte, die ich immer wieder vergesse. So können die Schüle rund Schülerinnen beim nächsten Mal ebendiese nachlesen.

Die Regeln von Diplomacy

Jeder Spieler, jede Spielerin übernimmt die Rolle einer Großmacht Anfang des 19. Jahrhunderts: Deutschland, England, Frankreich; Italien, Österreich-Ungarn; Russland, Osmanisches Reich. Das Spielfeld ist eine Karte Europas, eingeteilt in sogenannte Provinzen. (Die tragen manchmal den Namen von Städten, manchmal von Regionen, das ist egal.) Ähnlich wie beim bekannteren Risiko geht es darum, die Welt zu erobern, oder zumindest Europa. Allerdings kann hier in jeder Provinz nur höchstens eine Einheit stehen. Der Hauptunterschied ist allerdings folgender: Es gibt keine Würfel, und alle Züge aller Spieler und Spielerinnen werden gleichzeitig ausgeführt.

Das heißt: In einer ersten Phase einer Runde planen alle Spieler ihre Züge; zu manchen brauchen sie die Unterstützung anderer Spielerinnen; zu diesem Zweck sprechen sie sich untereinander ab. Das dauert eine Viertelstunde, wenn man Diplomacy als Brettspiel spielt. Dann werden die Züge gleichzeitig aufgedeckt und ausgeführt; manche Abmachungen der Mitspieler werden eingehalten, andere vielleicht nicht. Manche Bewegungen laufen so ab, wie man sie erwartet hat, andere werden durch Mitspielerbewegungen unmöglich gemacht. Diese Phase dauert fünf Minuten. Dann geht es wieder mit den Verhandlungen los.

Und darin liegt der Reiz bei Diplomacy: Man muss verhandeln, sich Partner verschaffen, und wird dann überrascht von den Entscheidungen der anderen Spieler. (Tatsächlich halten sich die meisten an Abmachungen, auch die Schüler und Schülerinnen.)

Die Regeln in etwas mehr Detail

Jeder Spieler schreibt für jede Einheit auf, was die im nächsten Zug tun soll. Zwei häufige Möglichkeiten sind stehen bleiben (die Standardaktion, falls nichts anderes angegeben ist), und sich in eine erreichbare (meist: benachbarte) Provinz bewegen. Und da gibt es drei Fälle:

  1. die Zielprovinz ist leer und niemand sonst will dort hin
    (Variante: das Ziel ist zwar besetzt, aber die Einheit dort zieht erfolgreich weg)
  2. die Zielprovinz ist leer, und mindestens eine andere Spielerin will auch dorthin
    (Variante: das Ziel ist zwar besetzt, aber die Einheit dort zieht erfolgreich weg)
  3. die Zielprovinz ist besetzt, und niemand sonst will dorthin
  4. die Zielprovinz ist besetzt, und mindestens eine andere Spielerin will auch dorthin

Fall 1 ist einfach: Na, dann zieht man die Einheit eben dorthin.

Fall 2: Wenn alle Einheiten mit der gleichen Stärke angreifen, passiert gar nichts, sie blockieren einander – wer soll denn dann auch rein? Das umstrittene Gebiet bleibt leer. Wenn eine Einheit mehr Stärke hat als irgendein anderer Angreifer, dann zieht diese dort hin.

Fall 3: Wenn der Angreifer mehr Stärke hat als der Verteidiger, wird dieser zurückgeschlagen und der Angreifer bewegt sich in die umkämpfte Provinz. (In einer späteren Phase muss sich der Verteidiger dann entscheiden, in welche benachbarte Provinz er sich zurückziehen will; es muss eine leere sein, und darf nicht die sein, aus der der Angriff gekommen ist. Wenn es eine solche nicht gibt, wird die Einheit aufgelöst.) – Wenn der Angreifer nicht mehr Stärke hat als der Verteidiger, bleibt alles unverändert.

Fall 4: Wenn kein Angreifer eine höhere Stärke hat als der Verteidiger, passiert nichts. Wenn ein Angreifer eine höhere Stärke als der Verteidiger hat und eine höhere Stärke als jeder andere Verteidiger, gelingt der Angriff. (Der Verteidiger muss sich wie oben in einer späteren Phase zurückziehen.) Wenn mehrere Angreifer eine höhere Stärke als der Verteidiger haben, aber keiner mehr als die anderen (sich also gegenseitig blockieren), passiert auch nichts, wie in Fall 2.

Sonderfall: Ein unmittelbarer Tausch zweier Einheiten in benachbarten Provinzen ist nicht möglich. (Die Einheiten können nicht einfach aneinander vorbei lauifen.) Ein Ringtausch von drei oder mehr Einheiten ist möglich.

Die Stärke eines Angriffs:

Hierin liegt der taktische Kern des Spiels. Eine Einheit kann eine erreichbare, benachbarte Provinz mit einer Einheit darin angreifen. Die Angriffsstärke ist 1, die Verteidigung ebenfalls 1 – erstmal ein Patt. Andere Einheiten können den Angreifer unterstützen, wenn die umkämpfte Provinz für sie erreichbar ist. Das erhöht die Angriffsstärke jeweils um 1. Andere Einheiten können auch den Verteidiger unterstützen, wenn die umkämpfte Provinz für sie erreichbar ist. Das erhöht die Verteidigungsstärke jeweils um 1.
Eine Unterstützung wird unwirksam, wenn die unterstützende Einheit selbst angegriffen wird.

Flotten, und Truppentransporte:

In jeder Provinz kann maximal eine Einheit stehen, eine Armee (Land-, Küstenprovinz) oder eine Flotte (Küsten-, Meerprovinz).

Bei den Flotten muss man manchmal darauf achten, an welcher Küste sie liegen, da das darüber entscheidet, wohin sie sich bewegen können. Man kann vom Schwarzen Meer nach Bulgarien, aber nur an die Ostküste; man kann von dort aus nicht is Ägäische Meer, obwohl das Bulgarien benachbart ist. Ähnlich ist das mit St. Petersburg und Spanien.

Eine Flotte kann angreifen oder unterstützen wie eine Armee auch (aber natürlich nur in erreichbare Provinzen hinein, also Küsten- und Seeprovinzen). Wenn Sie in einer Meer-Provinz ist (also nicht an einer Küste), kann sie auch eine Art Seebrücke für eine Armee bilden und einer Armee so die Bewegung (also einen Angriff) übers Meer ermöglichen. An solch einer Seebrücke können auch mehrere Flotten beteiligt sein, dieser Truppentransport geht dann gleich über mehrere Provinzen. (Natürlich kann man auch Truppen anderer Spielerinnen transportieren.) Eine Flotte, die angegriffen wird, kann nicht geleiten; in diesem Fall bricht der Truppentransport zusammen.

Die Sache mit den Versorgungszentren

Die mit schwarzen Punkten markierten Provinzen besitzen Versorgungszentren, die später für den Aufbau und Erhalt von Einheiten wichtig sind. Es gibt Frühlings- und Herbstzüge, die sich abwechseln. Nach jedem Herbstzug wird gezählt, wer wie viele Versorgungszentren kontrolliert. (Man kontrolliert ein Versorgungszentrum, wenn man nach einem Herbstzug eine Einheit darauf stehen hatte – danach kann man die Einheit wegbewegen und man kontrolliert weiter die Provinz, bis ein anderer Spieler nach einem Herbstzug darauf eine Einheit stehen hat.) Hat man mehr Einheiten als Versorgungszentren, muss man im Anschluss Einheiten auflösen; hat man weniger, kann man im Anschluss neue Einheiten bauen – aber nur in den Versorgungszentren von leeren Provinzen, die man bereits bei Spielstart kontrolliert hat; die alte Heimat sozusagen.

Projekttage allgemein, und Schule als Staat

Wer Projekttage sagt, der spricht ein großes Wort gelassen aus – John Dewey, Georg Kerschensteiner, Reformpädagogik, alternative Unterrichstformen. Der Umgang mit dem ursprünglichen großen Projektgedanken ist gelassen geworden, gemeint ist in der Praxis, und das schon seit meiner eigenen Schulzeit: Wie kriegen wir die letzten Schultage herum?

Mit dieser Ausgangssituation kann ich mir keine Schuljahresendbeschäftigung vorstellen, die dem Projektgedanken genüge tut. Wenn die Ausgangssituation die wäre, dass man als Schule ein Projekt machen möchte – dann sollte man das zu einem Zeitpunkt im Schuljahr tun, zu dem genug Zeit zur Vor- und Nachbereitung ist, zur Einbindung in den Unterricht, und wo alle noch bei Kräften sind. Wenn das dann mal geklappt hat, im März etwa, dann kann man ja schauen, ob das auch unter den ungünstigeren Juli-Bedingungen geht. (Wie man die letzten Tage am besten herumkriegt, darauf habe ich jetzt auch keine Antwort. Darum geht es mir hier auch nicht.)

Ein solches Projekt heißt „Schule als Staat“ und hat eine eigene (kleine) Seite bei Wikipedia. Das projekt läuft über mehrere Tage; die Schüler und Schülerinnen bauen dabei eine Art Infrastruktur und Verwaltung auf. Viel habe ich online nicht gefunden, die informativste Seite dazu nennt:

  • eine demokratische Verfassung
  • frei gegründete politische Parteien
  • ein direkt gewähltes Parlament mit Staatspräsident und Minister
  • Beamte und staatliche Institutionen (Zoll, Zentralbank, Wirtschaftskontrolldienst, Müllabfuhr)
  • eine Zentralbank mit einer eigenen Währung
  • viele Betriebe, die eigenständig wirtschaften (Bars, Restaurants, Werbefirmen, usw.)
  • Kulturbetriebe (Kunst, Theater, Sport, … )
  • Gesangswettbewerbe
  • Polizei, Richter und ein Standesamt
  • Presse (Zeitung, TV und Radio)

Bei uns kommt es aus Zeitgründen immer nur zu einer sehr kleinen Form dieses Projekts. Das ist sicher keine schlechtere Idee für die letzten Tage als ohne Staat Kuchen zu verkaufen, aber vom ursprünglichen Gedanken bleibt aus Zeitgründen nur wenig: Der Staat ist vorgegeben; die Verfassung und Gesetze ändern kann man nicht. (Eine Judikative und Exekutive gibt es. Nur eben keine Volksvertreter.) Die Aufgabe des Staats wird reduziert darauf, ein ungestörtes Wirtschaftsleben zu ermöglichen; dementsprechend heißen die Teilprojekte auch „Unternehmen“. Eine Art poll tax gibt es, aber keine Grund-, Mehrwehrts-, Einkommens-, Vermögenssteuer.

Jeder Schüler und jede Schülerin erhält das gleiche Startkapital, was suggeriert, dass das in unserem realen Staat ebenso ist. Ressourcen von außen (von den Eltern gekaufte Elektrogeräte, zu Hause gebackene Kuchen) werden in den Wirtschaftskreislauf in der Schule gebracht, so unerschöpflich wie Bodenschätze und fossile Brennstoffe lange gesehen wurden. Arbeitslosigkeit ist kein Problem, weil man die paar Tage ja ohne Lohn auskommen kann, der ohnehin nicht nennenswert hoch ist.

Mehr geht in zwei Tagen auch nicht, und nicht in der letzten Schulwoche. Schöner wäre halt, wenn man ein richtiges Planspiel daraus machen könnte, oder nur ein Spiel. Dazu gehörten unterschiedliche Ausgangspositionen, vielleicht zwei konkurrierende Gesellschaftsentwürfe. Ein bisschen wie bei Junta, was der Kollege mal in einer Vielspielerversion einzurichten versucht hat – da zieht el presidente die Entwicklungshilfe ein und verteilt die nach Gutdünken. Also mehr LARP als Schule-als-Staat, oder ein Ressourcen-Management-Spiel. (Siehe auch: Nicht-rundenbasierte Spiele.) Dann würden die Teilnehmerinnen sich mehr Gedanken darüber machen, wie Systeme funktionieren, welche Rolle unterschiedliche Ausgangspositionen haben.

So ein Planspiel könnte man parallel zum Unterricht laufen lassen, und erst einmal mit einer kleineren Gruppe, und natürlich mitten im Schuljahr.

Ich war als junger Mann mal eine Weile Mitglied in einem Briefspiel-Verein. Spiele per Post, das war mal eine große Sache, vor dem Internet. Diplomacy etwa ist ein Briettspiel, das in Europa in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg spielt, für das man sieben Spieler braucht und viel Zeit – die Spieler verbringen eine Viertelstunde mit Verhandlungen, auch privat geführten, am besten in der ganzen Wohnung verteilt, und schreiben danach ihre Züge auf einen Zettel (die vielleicht dem entsprechen mögen, was sie versprochen haben). Die Züge werden ausgeführt, und dann kommt die nächste Verhandlungsrunde. – So bietet sich Diplomacy besonders als Briefspiel an; alle zwei Wochen eine Zugabgabe, dazwischen stilvolle diplomatische Verhandlungen per Post.

In diesem Briefspiel-Verein liefen parallel viele Spiele, und die laufenden Ergebnisse wurden im regelmäßig erscheinenen Magazin veröffentlicht. Unter anderem gab es auch ein Meta-Spiel, eine Art Aktienhandel: Man handelte mit Aktien der Spieler in den anderen Spielen, also etwa der Diplomacy-Runde – schien da ein Spieler gut zu spielen, gingen dessen Aktienkurse hoch. Pädagogisch unmöglich, aber spieltechnisch reizvoll, wären Aktien auf Schulklassen. Am Anfang des Jahres gibt es für die Klassen 9a, 9b, 9c, 9d Aktien, und die Gewinnausschüttung hängt von den Halbjahresnoten oder der Menge an erteilten Ordnungsmaßnahmen ab. Geht natürlich nicht, ist aber gar nicht so weit entfernt von dem Punktesystem bei Hogwarts.

(So, ich mach jetzt erst mal weiter Urlaub.)

Konzentriertes Arbeiten im Klassenzimmer

In einer Klasse musste ich neulich Aufsicht führen für eine Lehrkraft, die absehbar verhindert war und deshalb einen Arbeitsauftrag in Form eines umfangreichen Arbeitsblattes hinterlassen hatte. Theoretisch ist es so, dass man in solchen Fällen Aufträge hinterlassen soll; tatsächlich funktioniert das nur so mittel – die Kollegen, mich eingeschlossen, sind da nicht diszipliniert genug, und nicht alle Schülerinnen und Schüler sind es gewohnt, allein zu arbeiten.

Diese Klasse war es jedenfalls nicht gewohnt.

Also habe ich – erst einmal mit einer anderen Klasse, aus organisatorischen Gründen – etwas ausprobiert: Jede Schülerin, jeder Schüler musste sich etwas mitnehmen, um sich vierzig Minuten lang zu beschäftigen. Weitere Regeln: Kein Musikhören, Videoschauen, Computerspielen; kein Basteln, kein Stricken, keine Kreuzwort-, Sudoku- oder Logikrätsel. Keine Mandalas ausmalen. Vokabeln lernen: Ja. Hausaufgaben: Auch möglich. Möglich: Zeitschriften, Zeitungen, Bücher lesen. Verboten: Mit Nachbarn kommunizieren.

Zwei Schüler hatten Laptops dabei (Unterrichtsstunde vorbereiten, Programmieren), zwei Handys (jeweils mit Buch zum Lesen). Die meisten anderen hatten Bücher (Romane). Zwei oder drei lernten Vokabeln/aus einem Schulbuch; einer las Zeitschriften (zwei andere waren bald von Zeitschriften zu Romanen gewechselt). Alle beschäftigten sich vierzig Minuten allein, wortlos. Als dann die Glocke läutete und ich die regelmäßige kurze Pause ankündigte (Toilettengang, Beine vertreten), fühlte ich mich, als müsste ich alle erst behutsam in die Schulwelt zurückholen, wie nach einer Meditationsrunde. Ich redete auch ganz leise. Die Schülerinnen und Schüler blieben ebenfalls ganz leise, egal ob sie aufstanden oder weiterlasen; danach sprachen wir kurz über die Erfahrung. (Tenor: Viel konzentrierter als in einer normalen Stunden; nur zwei waren ermüdet.) Auf Wunsch der Klasse wurde der Rest der Doppelstunde dann weiter so gemacht, nachdem ich meine Pläne für die nächste Woche vorgestellt hatte. Leider störte Musik von draußen am Ende etwas, jedenfalls mich.

Fazit: Zumindest diese Klasse kann 40 Minuten konzentriert arbeiten, wenn die Arbeit Lesen ist, und wenn sie sich die Arbeit selber aussuchen können.

Die Eskalationsstufe nächste Woche, in Absprache mit der Klasse: Wieder 40 Minuten konzentrierte intellektuelle Einzelarbeit; diesmal muss es aber fachbezogen sein – Englisch, Physik, Deutsch. Es muss aber kein Schulbuch sein. Ein englischer Roman, ein populäres Physikbuch reicht.

Die Woche danach, wenn das bunte Schuljahresendtreiben das noch zulässt: Es muss etwas mit dem Fach Deutsch zu tun haben. Reines Romanelesen zählt nicht, es muss irgendetwas Schriftliches entstehen. Aber wieder selbstgewählt.

Und wenn die Schülerinnen und Schüler das auch können, dann werden wir mal schauen, wie das mit Aufgaben geht, die nicht selbstgewählt sind.

Es gibt eine Unterstufenklasse, die ich einmal pro Woche mucksmäuschenstill arbeiten sehe, wenn ich mit dem Treppensteigen den Schultag beginne; die Klassenzimmertüre ist dabei immer offen. Geht also auch da.

Für Jan-Martin Klinge mit seinen Lerntheken sind so etwas alte Hüte. Und auch von der Grundschule höre ich häufig, wie selbstständig die Schüler dort sind, aber das halte ich nicht für einfach übertragbar.

Das Geister-Registrierungs-Gerät: Ein Pokémon-Go-Simulator

Oberfläche des Pokémon-Simulators GeRGeMon

Wie hoffentlich die Hälfte aller Informatiklehrer mache ich mir gerade Gedanken, wie ich das allgemeine Interesse an Pokémon Go für die Schule nutzbar mache. (Level 14 übrigens, und wenn ich ein neueres Gerät hätte, auf dem das Programm anständig liefe, wäre ich schon weiter.) Ingo Bartling hat sich schon überlegt, was man daran alles zeigen könnte, und dann nochmal hier mehr davon.

Mit Schülern in der 10. Klasse könnte man mit einfachen Fragen zur Kommunikation anfangen: Was will die App denn eigentlich vom Server wissen? Zum Beispiel, wo die nächsten Pokémon sind. Allerdings kann der Server das nur beantworten, wenn er weiß, wo denn der Spieler im Moment ist. Das kann in einem Hin und Her von Fragen und Antworten geschehen:

Sequenzdiagramm App>Server 1

Oder man schickt das, was der Antworter braucht, in der Frage gleich als Information mit:

Sequenzdiagramm App>Server 2

Dann überlegt man, welche Vorteile und Nachteile die Lösungen haben. Und was die App sonst nocht alles wissen können will vom Server.


Ich werde nächstes Jahr mit meiner 10. Klasse nicht versuchen, Pokémon Go direkt nachzubauen. Das hat technische Gründe: Das Programmieren für Smartphones ist aufwendiger; bei uns im Computerraum gibt es keine Entwicklungsumgebung dafür; außerdem ist es dem Systembetreuer noch nie gelungen, dafür zu sorgen, dass die Treiber für einen Smartphone-Emulator richtig installiert werden. Also will ich das ganze auf dem PC programmieren – deswegen wird das also nur ein Pokémon-Go-Simulator. Und der wird grafisch natürlich viel, viel weniger aufwendig, und ohne Kamera. Also eigentlich gar nicht wie Pokémon Go – aber da die Schülerinnen und Schüler das Vorbild kennen, wissen sie, was am Ende herauskommen könnte. Das macht das ganze weniger abstrakt. Herumlaufen geht in der Schule eh nicht so gut, und der Handyempfang im Schulgebäude ist sehr schlecht.

Außerdem will ich nicht die Pokémonwelt nachbauen, urheberrechtlich nicht und auch so. Wo ich vor einer Woche das Ghostbusters-Remake gesehen habe (das mir überraschend gut gefallen hat, trotz der mauen Kritiken; Kate McKinnons Rolle ist ganz wunderbar), fielen mir natürlich die Geister ein. Also:

  • Das Spiel spielt auf dem Schulgelände, mit einer Top-Down-Draufsicht als Grafikhintergrund.
  • Es gibt Geister in dieser Welt. (Später dann: verschiedene Arten von Geistern und Gruselgestalten.)
  • Mit einem Geister-Registrierungsgerät und Monitor im Smartphone-Format kann man diese Geister sichtbar machen. Ansonsten sind sie für das bloße Auge unsichtbar – sind ja auch Geister.
  • Zu bestimmten Zeiten tauchen an bestimmen Orten diese Geister auf, bleiben ein Weilchen, verschwinden dann wieder.
  • Zu jedem Geist gehören Zeichnung, Name, Hintergrundgeschichte.
  • Man selber spielt einen Geisterjäger, der mit dem Geister-Registrierungsgerät und Monitor („Gergemon“) diesen Geistern nachforscht und sie einfängt.
  • Das Gergemon kann sagen wir 20 oder 40 Geister beherbergen, dann muss man wieder Platz schaffen und die gefangenen Geister zur Auswertun schicken. Soll aber nicht zu sehr nach Labor und Tierversuchen an Geistern klingen. Mit dem Fangen und Verschicken von Geistern erhält man Wissenspunkte zu diesem speziellen Geistertyp, und kann so leichter Geister finden? besser verborgene Geister finden? stärkere? sie leichter fangen?
  • Die Positionsangaben sollen in echten Geokoordinaten angegeben werden.
  • Ob man die Geister auch gegeneinander kämpfen lassen kann: weiß noch nicht.
  • Wie man die Geister fängt: weiß noch nicht. Auf Knopfdruck oder mit einem Minispiel wie das Bällewerfen bei Pokémon Go?
  • Später kann man dann noch Karma-Knoten oder andere Dinge auf der Welt platzieren.
  • Die Geister haben einen Basiswert. Bei jedem Levelaufstieg eines Geistes steigt dieser um 1-6 Punkte. Man braucht darüber hinaus eine Methode, um sich gleich einen fertigen Geist des Levels n geben zu lassen.
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen möglichst wenig mit dem GUI zu tun haben, das lediglich wenige Methoden zum Platzieren von Geistern bereitstellt; die Hauptarbeit besteht darin, Klassen für die Geister anzulegen, und zu entscheiden, wo welche wann auftauchen.
  • Kollisionskontrolle wird es erst mal keine geben, man kann also – simuliert – überall hin gehen

(Alternativ auch: Die Schulheinzelmännchen aus dem Deutschunterricht reaktivieren und deren Spuren auf dem Schulgelände verfolgen. Die treiben sich ja quasi auch verborgen auf dem Schulgelände herum. Und vielleicht doch mal nicht mit einem einfachen Kartenausschnitt als Hintergrund, sondern mit live vom Server geholten Daten aus dem Open-Street-Map-Projekt; da betreue ich gerade eine Studentenarbeit, die das für die 10. Klasse einsetzbar machen soll.)

Als Spielwelt habe ich diesen Grundriss der Schule genommen: bei einschlägiger urheberrechtlich geschützter Karte die Längen- und Breitengrade der Ecken notiert, und die Karte digital abgepaust, also mit dem Pinsel auf eine Ebene darüber gemalt und dann verfremdet. Ich kann mich noch nicht entscheiden, was besser aussieht, die linke oder die rechte Hälfte:

Grundriss der Schule, verfremdet

Die weißen Flecken sind die Gebäude, wo noch die Innenräume fehlen. Ist ja nur ein Prototyp. Und so sieht der Prototyp bisher aus:

 

Den mäßig aufbereitete Code gibt es für SVN hier: svn.code.sf.net/p/informatik/code/Gergemon

Zu tun am Protoyp ist noch viel. Der Basiscode war etwa 25% der Arbeit, 60% waren Design, und 15% allein die Mathematik dieser dämlichen Längen- und Breitengrade. Das Datum kann geholt (und beliebig gesetzt) werden, wird aber nur bei Bewegung aktualisiert. Sommerzeit geht noch nicht. Im Moment ist der Hintergrund einfach nur eine große Grafik, das ist für den Arbeitsspeicher gar nicht gut, besser wären Kacheln. Dann auch eine Minimap dazu? Und die Tastatursteuerung ändern.

Links:

Oberfläche des Pokémon-Simulators GeRGeMon

Automatische Metrikanalyse

Norberto42 hat in einem Blogeintrag auf den Metricalizer2 hingewiesen. Das ist ein Projekt zur automatischen Analyse von Gedichten. So etwas steht schon länger auf meiner Liste von Programmierprojekt-Vorschlägen für Informatikstudenten – aber es ist nicht überraschend, dass es das schon gibt. Und auch nicht überraschend, dass das Projekt bisher noch kein Informatikstudent haben wollte.

Man gibt einen Gedichttext ein und klickt dann auf „Gedicht analysieren“. Die Reime werden richtig erkannt, selbst bei Reimen wie „Eiche“ und „Gesträuche“, die traditionell als vollkommen akzeptabel gelten, von Schülern aber gerne mal nicht als Reim erkannt werden.

(Im Übermut und aus diesem Anlass habe ich den Schülern neulich ein Vokaldreieck an die Tafel gezeichnet, so mit hohen und tiefen und vorderen und hinteren Vokalen, und Umlauten. War natürlich erst mal kein Arbeiten mehr, weil jeder mit aaaah- und uuuh-Sagen und der Position der eigenen Zunge beschäftigt war.)

Aber am spannendsten ist natürlich die metrische Analyse. Ich habe nur einigermaßen regelmäßige Gedichte getestet, wie sie auch in der Schule drankommen, und das klappt: Jambisch, trochäisch, daktylisch. Einfache männliche oder weibliche Kadenzen sind kein Problem.

Nehmen wir mal die ersten drei Verse von Schillers „Der Ring des Polykrates“ als Beispiel, weil ich darüber schon mal geschrieben habe.

Er stand auf seines Daches Zinnen,
Er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf das beherrschte Samos hin.

  • Jambisch, 9 Silben in den ersten beiden Verse (und damit weibliche Kadenz), 8 Silben in der dritten Strophe.
  • Vers 1 und 2 reimen sich.
  • Bei „Samos“ meint der Metricalizer einen Widerspruch zwischen Metrum und – tatsächlich aber falsch vermuteter – normaler Sprechbetonung auszumachen, da er glaubt, „Samos“ würde die „famos“ betont. Richtig hat er erkannt, dass „mit“ in Vers 2 und „das“ und „hin“ in Vers 3 eigentlich unbetonte Wörter sind, die dennoch auf eine Hebung fallen.

Laut Metrum sind die die Silben 2, 4, 6 und 8 betont. Nicht alle vom Metrum vorgesehenen Hebungen werden aber gleich stark verwirklicht:

metricalizer

Vor allem die Hebungen in Silbe 4 sind anscheinend meist eher wenig betont. (Die Grafik bezieht sich auf alle untersuchten Verse.) Das widerspricht zumindest nicht mit einer eigenen Analyse.

Bei Conrad Ferdinan Meyer, „Der römische Brunnen“ in seiner bekanntesten Fassung:

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund

erkennt er die Fußsubstitution gleich am Anfang:

metricalizer2

Leider muss man selber erschließen, was hier substituiert wurde, nämlich ein Jambus durch einen Trochäus. Diese weitergehende Analyse erhält man, wenn man sich die „Komplexität“ des analysierten Gedichts anzeigen lässt. (Die Darstellungsmodi „Skansion“ und „Vorlesen“ sind dafür wenig brauchbar.)

Gewinnbrignend ist diese Komplexitätsanalyse etwa bei Rilkes „Spanische Tänzerin“ (Blogeintrag). Die vielen Abweichungen vom Metrum werden gut erkannt.

Beim genialen „Trost und Rat“ von Robert Gernhardt klappt das mit dem Differenz zwischen metrischer und natürlicher Betonung nicht ganz so gut, und den Witz in der letzten Strophe – dass die beiden betont zu lesenden und deshalb sogar gesperrt gedruckten Wörter eben ausgerechnet auf Senkungen fallen (also fein synkopiert sind) – kann der Metricalizer natürlich nicht erkennen.

Auch unregelmäßige Daktylen wie bei Heine („Sie saßen und tranken am Teetisch“) sind schwierig, und bei etwas Albernem wie Eichendorffs Mandelkerngedicht klappt die Analyse auch nur halbwegs:

Zwischen Akten, dunkeln Wänden
Bannt mich, Freiheitsbegehrenden,
Nun des Lebens strenge Pflicht,
Und aus Schränken, Aktenschichten
Lachen mir die beleidigten
Musen in das Amtsgesicht.

Aber immerhin! Viele der merkwürdigen Betonungen am Versende fallen dem Metricalizer auf.

Insgesamt ein schönes Spielzeug. Hoffentlich komme ich bald dazu, Schüler damit experiemtnieren zu lassen.

Die achtundachtziger Weine

Bei Durchsicht meiner Bücher entdeckt:

Die achtundachtziger Weine

Ein saures Stück Arbeit

In diesem Jahr am Rheine
sind leider gewachsen Weine,
die an Wert nur geringe,
es reiften nur Säuerlinge
im Verlauf dieses Herbstes;
nur Herberes bracht er und Herbstes –
zu viel Regen, zu wenig Sonnenschein
ließ erhofften Segen zerronnen sein,
nichts Gutes floss in die Tonnen ein.
Der 88er Rheinwein
ist, leider Gottes, kein Wein,
um Leidende zu laben,
um Gram zu begraben,
um zu vertreiben Trauer;
er ist dafür zu sauer.

An der Mosel steht es noch schlimmer,
da hört man nichts als Gewimmer,
nichts als Ächzen und Stöhnen
von den Vätern und Söhnen,
den Müttern und Töchtern
über den noch viel schlechtern
Ertrag der heurigen Lese.
Der Wein ist wahrhaft böse,
ein Rachenputzer und Krätzer,
wie unter Gläubigen ein Ketzer,
wie ein Strolch, ein gefährlicher,
in dem Kreise Ehrlicher
unter guten Weinen erscheint er,
aller Freude ist ein Feind er.
Aller Lust ein Verderber;
sein Geschmack ist fast noch herber
als der des Essigs, den reinen –
ein Wein ist er zum Weinen.

Aber der Wein, der in Sachsen
in diesem Jahr ist gewachsen,
und bei Naumburg, im Tale
der rasch fließenden Saale,
der ist saurer noch viele Male
als der sauerste Moselwein.
Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,
ist dir’s, als ob ein Stachelschwein
dir kröche durch die Kehle,
das deinen Magen als Höhle
erkor, darin zu hausen.
Angst ergreift dich und Grausen.

Aber der Grünberger
ist noch sehr viel ärger.
Lass ihn nicht deine Wahl sein!
Gegen ihn ist der Saalwein
noch viel süßer als Zucker.
Er ist ein Wein für Mucker,
für die schlechtesten Dichter
und dergleichen Gelichter.
Er macht lang die Gesichter,
blass die Wangen; wie Rasen
so grün färbt er die Nasen.
Wer ihn trinkt, den durchschauert es,
wer ihn trank, der bedauert es.
Er hat etwas so Verauertes,
daß er sich nicht lässt mildern
und schwer ist zu schildern
in Worten und Bildern.

Aber der Züllichauer
ist noch zwölfmal so sauer
als der Wein von Grünberg,
der ist an Säure ein Zwerg
gegen den Wein von Züllichau.
Wie eine borstig wilde Sau
zu einer zarten Taube
so verhält sich, das glaube,
dieser Wein zu dem Rebensaft
aus Schlesien. Er ist schauderhaft,
er ist grässlich und greulich,
über die Maßen abscheulich.
Man sollte ihn nur auf Schächerbänken
den Gästen in die Becher schenken,
mit ihm nur schwere Verbrecher tränken
aber nicht ehrliche Zecher kränken.

Wenn du einmal kommst
in diesem Winter nach Bomst,
deine Erfahrung zu mehren,
und man setzt, um dich zu ehren,
dir heurigen Bomster Wein vor,
dann, bitt‘ ich dich, sieh dich fein vor,
dass du nichts davon verschüttest
und dein Gewand nicht zerrüttest,
weil er Löcher frisst in die Kleider
und auch in das Schuhwerk, leider.
Denn dieses Weines Säure
ist eine so ungeheure,
dass gegen ihn Schwefelsäure
der Milch gleich ist, der süßen,
die zarte Kindlein genießen.
Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,
so fährt er mit lautem Gezisch
gleich hindurch durch die Platte.
Eisen zerstört er wie Watte,
durch Stahl geht er wie durch Butter,
er ist aller Sauberkeit Mutter.
Standhalten vor diesem Sauern
weder Schlösser noch Mauern.
Es löst in dem scharfen Bomster Wein
sich Granit auf und Ziegelstein.
Diamanten werden sogleich,
in ihn hineingelegt, pflaumenweich,
aus Patina macht er Mürbeteig.
Dieses vergiss nicht, falls du kommst
in diesem Winter einmal nach Bomst.

Johannes Trojan

Also, ich musste viel lachen. Schlichte Form, paargereimt, darunter auch einige Schüttelreime („Wahl sein/Saalwein“) und dreisilbige, „gleitende“ Reime („zerronnen sein/Tonnen ein“). Die sind gerne mal Zeichen für eine laxere Haltung dem Thema gegenüber. Inhaltlich geprägt durch Übertreibung, noch mehr Übertreibung, und dann noch etwas Übertreibung dazu. Dazu gehören auch übertriebene Bilder und der überwiegend parataktische Satzbau.

Ich habe versucht, ein Parallelgedicht im selben Tonfall und mit derselben Übertreibung zu schreiben. „Die 2013er Kurse“ hätte es geheißen, aber ich bin über den Anfang nicht hinausgekommen. Zu ernst gemeint, vielleicht weil zu wenig übertrieben, wirkt meine Anklage gegen die Schüler, und dabei ich habe eigentlich gar kein Bedürfnis, über sie herzuziehen. Es gefiel mir nicht, was ich schrieb, also ließ ich es sein.

Aber vielleicht kann man ja mit einer metrisch interessierten Klasse „Die 2013er Lehrer“ schreiben? Je Schüler eine Strophe und ein Fach, davon nimmt man dann die besten Strophen, ordnet sie der Reihe nach an, und schon hätte man ein Gedicht. „Im Fach Deutsch steht es noch schlimmer/da hört man nichts als Gewimmer/nichts als Ächzen und Stöhnen/von den Vätern und Söhnen/den Müttern und Töchtern/über den noch viel schlechtern/Zustand der heurigen Lehrer./In jedem Arbeitsblatt zehn Fehler/der Unterricht ist so fade/dass jeder Schüler ohne Gnade/…“ und so weiter. Gerne mit Reimlexikon dazu.

(Nachtrag: Oder gleich die Kursteilnehmer über ihren Kurs schreiben lassen? Jede Klasse kriegt doch eh oft gesagt, dass sie die schlimmsten etc. der ganzen Schule sind. Da können sie doch mal mit einer Strophe zeigen, wie schlimm sie genau sind.)

Tag der Deutschlehrer 2012

Oder von mir aus auch der Tag der Englischlehrer 2012. Wo bleibt der denn?

Im Fach Informatik gehe ich auf viele Fortbildungen, es werden auch viele angeboten. Die LMU München hat eine größere jährliche Fortbildungsveranstaltung für Informatiklehrerinnen und -lehrer, die TU München auch, daneben kleinere Veranstaltungen. Andere Unis machen das ebenso. Es gibt einen großen bayerischen Informatiklehrertag, der von Jahr zu Jahr von Uni zu Uni wechselt – ich war schon in Passau und München dabei, im Oktober bin ich in Würzburg.

Referenten sind da geschätzt zu drei Vierteln Schullehrer, die Projekte oder Werkzeuge vorstellen; zu einem Viertel sind es Hochschullehrer, meist Didaktiker. Kann je nach Veranstaltung anders sein.

Für die naturwissenschaftlichen Fächer kenne ich zumindest ansatzweise vergleichbare Konzepte. Für Deutsch oder Englisch kenne ich nichts in dieser Art.

  1. Entweder es gibt so etwas, und ich nehme das nicht wahr.
  2. Oder es gibt so etwas nicht, weil es kein Angebot dazu gibt.
  3. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Nachfrage danach besteht.
  4. Oder es gibt so etwas nicht, weil keine Notwendigkeit dazu besteht.

Zu 1: Kann schon sein. Fortbildungsangebote gibt es schon immer wieder mal, aber gefühlt weit weg oder zu speziellen Themen. Ein kurzer Blick in den Schulbriefkasten: „Wie schreibt man einen Brief? Theorie und Praxis der antiken Epistolographie“, eine Lehrerfortbildung in Weimar, vierstündiges Seminar „Freies Erzählen“; das Programm der Akademie Dillingen mit allenfalls „Journalistische Schreibformen im Deutschunterricht“, das aber gleich fünf Tage lang.

Zu 2: Kann auch sein. Haben die Unis da kein Interesse? Also, ich könnte als Referent schon einen Workshop anbieten. Die Rolle der Metrik im Deutschunterricht (Blogeinträge: Germanische Langzeilen, fünfhebige Jamben, Metrik und Musik, Robert Gernhardt) etwa. Und zu bloggen. Jochen hätte sicher genug zu Englisch, und mir fallen auch Kollegen ein, die zu Deutsch etwas zu sagen hätten. (Baskerville-Workshop, Herr Kollege?)

Zu 3: Kann auch sein. Vielleicht bilden sich Deutschlehrer eher weiter, indem sie Fachzeitschriften lesen… Das Verhältnis des Kultusministeriums zu Fortbildungen ist ambivalent, so richtig ermuntert, Fortbildungen zu machen, werden Lehrer nicht – jedenfalls nicht zu fachwissenschaftlichen/didaktischen Themen, mehr so Qualifizierung für Führungspositionen. Ich denke aber doch, dass sich auch Deutschlehrer gerne mal zum Austausch träfen.

Zu 4: Zugegeben: Informatik ist ein junges Fach mit vielen Fragen, die noch diskutiert werden müssen. Da bieten sich Fortbildungen an. Vielleicht haben sich Fachdidaktik und Schule im Fach Deutsch nichts mehr zu sagen? Vielleicht sind Deutschlehrer schon voll qualifiziert und brauchen keinen Austausch?
Oder es liegt daran, dass an einer Schule selten mehr als zwei, manchmal sogar noch weniger Informatiklehrer sind. Deutschlehrer dagegen gibt es an Schulen zuhauf, die können sich ja eh gegenseitig fortbilden, sollte man meinen. Mhja. Trotzdem, man könnte ja mal so etwas überlegen. Man bräuchte für den Anfang, ganz klein gehalten, nur eine Schule mit Mensa, ein paar frei zu machende Räume (auch mit Computern), einen Hauptvortrag von der Uni und Referenten für ein paar Workshops. Kollege Z., Interesse?

Interactive Fiction in der Schule

Ich glaube, ich habe da etwas entdeckt, das mir viel Spaß machen wird. Über Text Adventures/Interactive Fiction habe ich ja vor ein paar Tagen geschrieben. Im Englischunterricht habe ich auch schon gelegentlich eine Zork-Stunde eingeschoben, und mit einer Unterstufenklasse, die ich in Informatik und Englisch hatte, habe ich selber mit dem Schreiben experimentiert.

Aber da geht noch mehr.

Einmal für den Literatur- und Fremdsprachenunterricht. Es gibt tolle Spiele: Manchmal muss man viele Rätsel lösen; bei anderen Spielen geht es darum, das historische New York kennenzulernen. Man schlüpft in die Rollen von Papageien oder Kleinkindern im Krabbelalter, mit entsprechend eingeschränkten Möglichkeiten, die Umwelt zu beeinflussen. Andere Werke sind Kurzgeschichten, paradoxe Parabeln und Verwirrspiele, avantgardistische Textexperimente. Auf Deutsch ist die Auswahl an Texten geringer, aber prinzipiell ist das gleiche möglich.

(Bald merkt man: Die Spiele leben nicht von den Rätseln, sondern von der Atmosphäre. Die wird anders erzeugt als in herkömmlicher Epik, ein paar Sätze reichen meist zur Beschreibung. Die Qualität des Schreibens zeigt sich auch darin, wie sehr die Erwartungen und Vermutungen des Spieler-Lesers vorausgeahnt werden; hier wird gleich unmittelbar auf die Reader-Response reagiert.)

Zum anderen kann man das Schreiben solcher Texte – vielleicht – für den Informatikunterricht nutzen. Geschrieben wird Interactive Fiction meist in eigenen, objektorientierten Programmiersprachen. In Inform 6 legt man ein Objekt so an:

Object Staff_Room "Staff Room"
     with
          description "A room for all the staff to meet and sit 
                and get a cup of coffee.",
          n_to hallway,
     has light;

Das sieht doch schon mal nach einer richtigen Programmiersprache aus. Aber in der Informatik geht es ja gar nicht so ums Programmieren. Es gibt auch Ansätze, informatische Konzepte ohne Programmiersprache zu lehren, zum Beispiel in einer Programmierumgebung, die ganz ohne Code und die entsprechenden Syntaxfehler auskommt, in der die Lernenden nur mit Drag-and-Drop arbeiten.

Eine andere Möglichkeit könnte Inform 7 sein. Da sehen die Zeilen Code, mit denen man den gleichen Raum wie oben erzeugt, so aus:

The Staff Room is a lighted room. "A room for all the staff to meet and sit and get a cup of coffee." North of the Staff Room is the Hallway.

Einfacher Inform-7-Code ist leicht zu schreiben, weil Inform 7 der natürlichen Sprache Englisch so nahe kommt wie wohl keine andere Programmiersprache. Deswegen lässt sich der Code auch sehr leicht lesen. Anspruchsvoller Inform-7-Code ist aus genau diesem Grund wohl schwerer zu schreiben, als man denkt. Zu sehr ist man versucht, einfach normales Englisch zu verwenden und übersieht dabei, dass Inform 7 trotz allem vielen Beschränkungen unterliegt. Aber dafür kann man sehr knapp und elegant formulieren:

Instead of a suspicious person (called the suspect) burning something which is evidence against the suspect when the number of people in the location is at least two, try the suspect going a random valid direction.

(Beispiel aus der pdf-Fassung von Ron Newcombs Inform 7 for Programmers.)

So komplexe Regeln für das Verhalten der Spielwelt wird man in der Schule kaum brauchen. Aber Zustandsautomaten gehen ganz schön, und die macht man zum Beispiel in der 10. Klasse. Da programmiert man zum Beispiel einen Aufzug mit drei Stockwerken/Zuständen. In Inform 7 legt man zuerst den Aufzug und die Knöpfe an, damit man in der Spielwelt auch etwas tun kann:

The elevator is an enterable, transparent container in the basement. It is not portable. The description is "An elevator with an up and a down button."
The up button is a thing in the elevator. It is scenery. The description is "An arrow pointing upwards."
The down button is a thing in the elevator. It is scenery. The description is "An arrow pointing downwards."
The elevator has a number called zustand. The zustand of the elevator is 1.

Und dann kommen die Regeln für die Zustandsübergänge:

Instead of pushing the up button when the player is in the elevator:
if the zustand of the elevator is 0:
now the zustand of the elevator is 1;
say "Going up. (Ground floor.)";
now the elevator is in the ground floor;
otherwise if the zustand of the elevator is 1:
now the zustand of the elevator is 2;
say "Going up. (First floor.)";
now the elevator is in the first floor;
otherwise:
say "Nothing happens."

Instead of pushing the down button when the player is in the elevator:
if the zustand of the elevator is 2:
now the zustand of the elevator is 1;
say "Going down. (Ground floor.)";
now the elevator is in the ground floor;
otherwise if the zustand of the elevator is 1:
now the zustand of the elevator is 0;
say "Going down. (Basement.)";
now the elevator is in the basement;
otherwise:
say "Nothing happens."

Eigentlich müssten die Knöpfe nicht nur im Aufzug sein, sondern auch außen. Aber das ist ja erst mal nur ein einfaches Modell.

Was auch noch gut geht mit Inform: Objekte, Attribute, Klassen, Vererbung, Datentypen; Modellierung, Relationen. Was vermutlich nicht so gut geht: Algorithmik, aber da bin ich noch am Herumprobieren.

Ich habe mal ein paar Seiten erstellt, die ich als Ausgangspunkt für meine Untersuchung von Inform 7 für die Schule nehmen möchte. Dort auch Links zu allem möglichen.

Bislang habe ich mit einer 10. Klasse zwischendurch mal Spiele in Inform 7 geschrieben; bisher ist nur ein kurzes Spiel online, von mir redigiert; ich hoffe, dass die anderen vor dem Schuljahresende auch fertig werden (von den Schülern selber noch redigiert).

Processing

Bei Zurück in die Schule gefunden: Processing, eine Java-Programmierumgebung, mit der man Bilder erzeugen kann. Processing ist eine Lernumgebung und Einführung in das (Java-)Programmieren. Man kann damit einerseits voll objektorientiert schreiben, andererseits kann man genauso gut ohne Objektkrams die vorhanden Methoden benutzen, deren Überbau wunderschön transparent ist.

(Fußnote: Transparent heißt überall anders soviel wie: „Durchsichtig, so dass man ins Innere blicken und die Zusammenhänge verstehen kann.“ In der Informatik heißt transparent allerdings: „Durchsichtig, so dass man hindurchschaut und nichts sieht, also quasi unsichtbar und vor leicht zu verwirrenden Augen verborgen.“)

Man kann mit Processing neue Bilder zeichnen oder bestehende Bilder bearbeiten. Das kann man statisch machen oder dynamisch: dann werden daraus bewegte Bilder, entweder automatisch oder durch den Benutzer mit Maus oder Tastatur gesteuert. So kann man auch ganze Simulationen entwerfen, wenn man möchte. Man kann sich auch eine Methode schreiben, um die ausgegebenen Bilder zu speichern, die sieht so aus:

void mousePressed() {
  save("bild.jpg");
}

Viel einfacher geht es wirklich nicht.

Ich wollte aber Filter schreiben, so wie man sie aus Bildbearbeitungsprogrammen kennt. Hier sind ein paar davon. Die Vorgehensweise ist meist die: Man lädt erst einmal das Originalbild in den Speicher und legt eine – noch leere – Zeichenfläche im gleichen Format an. Dann schaut man sich der Reihe nach jeden Pixel des Ursprungsbildes an, merkt sich dessen Farbe (bzw. den Rot-, Grün-, Blauanteil davon), verändert diese Farbe, und schreibt an dieselbe Position auf der Zeichenfläche einen Pixel mit der neuen Farbe.

1. Hier ein einfaches Weichzeichnen, das erste Bild ist das Original:

Man ändert dabei jede Farbe so, dass man sich von einem Pixel und allen seinen umliegenden Nachbarpixeln (im ersten Beispiel nur die direkt umliegenden, im zweiten auch die in etwas weiterem Abstand) die Durchschnittsfarbe ausrechnet und diese dem Pixel zuweist. Das macht man mit allen Pixeln so und heraus kommt eine Weichzeichnung.

2. Hier eine Gammakorrektur. Die dient zu einer differenzierten Aufhellung oder Abdunklung von Bildern. Dabei wird nicht jeder Pixel im gleichen Maß heller oder dunkler gemacht, sondern es werden zum Beispiel die dunklen Pixel mehr aufgehellt als die (ja eh schon hellen) helleren. Im ersten Bild mit gamma=0.5, im zweiten gamma = 1.5:

Hier sind einem die Nachbarn egal. Man wendet einfach auf den Rot-, Grün-, Blauteil jedes Pixels die überraschend einfache Funktion an:

farbeneu = (farbealt/255)gamma * 255

Die Zahl 255 kommt daher, weil es für jeden Farbton 255 Möglichkeiten gibt. Der Wert des ursprünglichen Blauanteils (von 0-255) wird durch 255 geteilt, womit man diesen Anteil auf eine Zahl zwischen 0 und 1 normalisiert hat. Das wird dann mit dem Gammawert potenziert (bzw. je nach Definition auch dessen Kehrwert) und dann mit dem letzten Faktor wieder auf den ursprünglichen Raum (zwischen 0 und 255) gestreckt.

3. Gemischte weitere Filter:

Der erste ist ein einfaches Schärfen: Man schaut sich wieder die Rot-, Grün- Blauwerte eines Pixels und seiner Nachbarn an und errechnet daraus wieder einen Durchschnitt. Allerdings werden vor der Berechnung die Nachbarn und der Pixel selber noch gewichtet: die Werte der 8 unmittelbaren Nachbarn werden zum Beispiel jeweils um 1 reduziert, die des zentralen Pixels um 9 erhöht – die Durchschnittswerte bleiben also gleich (das Bild wird insgesamt nicht heller oder dunkler), aber mit Betonung des Zentrums.

Der zweite zeichnet einfach an jede n-te Stelle des Bildes einen Kreis mit Durchmesser n von der Farbe des Pixels, der sich im Originalbild an dieser Stelle befindet.

Der dritte ist ein Mosaik. Man könnte zwar, ähnlich wie bei den Ellipsen, an jede n-te Stelle des Bildes ein Quadrat zeichnen, aber so wollte ich das nicht machen. Jeder Pixel sollte extra gezeichnet werden. Ich machte mir dazu folgende Skizze:

Der erste Pixel in der Reihe (in der 0-Spalte) sei zum Beispiel rot. Die beiden Pixel rechts daneben sollten dessen Farbe annehmen. Die Pixel in den Spalten 3-7 sollten die Farbe des Pixels in Spalte 5 annehmen, und so weiter. (Für die y-Koordinate analog, das habe ich bald gemerkt.)

Weil ich in Mathe nicht gut bin, zeichnete ich mir eine Tabelle auf: links die Position des Pixels, rechts die Position des Pixels, dessen Farbe angenommen werden sollte. f(linkeSpalte) = rechteSpalte. Der Rest ist einfach nur Rechnen. Mathekönner sehen das durch Überlegen, ich habe halt so lange herumgepfuscht, bis ich die entsprechende Funktion hatte. Die musste ich dann noch etwas verallgemeinern, damit sie nicht nur für die Rechnung mit den Mosaiksteinchen von Seitenlänge 5, sondern für beliebige Seitenlängen gilt. Sieht dann so aus:

xZentrumspixel = (x+size/2)/size*size bzw.
yZentrumspixel = (y+size/2)/size*size,

wobei size die Seitenlänge des Mosaiksteins ist. Und nein, das /size und *size kann man nicht einfach kürzen, da x eine Ganzzahl und die Divison in diesem Fall eine Ganzzahldivision ist – es wird immer abgerundet, der Rest verworfen.

Processing gibt’s für alle gängigen Betriebssystem, läuft unter Windows auch ohne Installationsrechte. Tutorials gibt es dort auch ein paar.

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Anhang: So sieht ein vollständiger Sketch in Processing aus. Java-Code, ohne Klassendefinitionen, besteht aus 1 Attribut und den Methoden setup() und draw() und der Berechnungsmethode für das Mosaik, mosaik().

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PImage img; //Platz fuer das im Speicher gehaltene Bild
 
//einmaliges Aufrufen am Anfang
void setup() {
  img = loadImage("test.jpg"); //Laden des Bildes
  size(img.width, img.height); //Groesse der Zeichenflaeche
}
 
//das eigentliche Zeichnen
void draw() {
  //Pixel-Feld zur Verfuegung stellen
  loadPixels();
  //Zaehlschleife fuer alle Pixel mit x- und y-Koordinate
  for (int x = 0; x < img.width; x++) {
    for (int y = 0; y < img.height; y++ ) {
      //Berechnen der neuen Farbe - hier koennte man auch andere Methoden aufrufen
      color c = mosaik(x, y, 9);
      //Umrechnen der Koordinaten in Index des eindimensionalen Pixel-Felds
      int loc = x + y*img.width;
      //Aendern des Pixels im Pixel-Feld
      pixels[loc] = c;
    }
  }
  //Zeichnen aller Pixel
  updatePixels();
}
 
 
//Methode zur Farbberechnung beim Mosaik
color mosaik(int x, int y, int groesse) {
  //Koordinaten des Zentrums ermitteln
  int xZentrum = (x+groesse/2)/groesse*groesse;
  int yZentrum = (y+groesse/2)/groesse*groesse;
 
  //Umrechnen der Koordinaten in Index des eindimensionalen Pixel-Felds
  int loc = xZentrum + yZentrum*img.width;
 
  //sicher stellen, dass Bildgrenzen nicht ueberschritten werden
 loc = constrain(loc, 0, img.pixels.length-1);
 
  //Rot-, Gruen-, Blauanteile des Zentrumspixels speichern
  float rtotal = red(img.pixels[loc]);
  float gtotal = green(img.pixels[loc]);
  float btotal = blue(img.pixels[loc]);           
 
  // Rueckgabe der neuen Farbe
  return color(rtotal, gtotal, btotal);
}

Letzte Schulwoche 2011, Notizen

Aus meinem spärlichen Unterricht habe ich wenig zu berichten. Der Deutschunterricht fehlt mir, da hatte ich Spielraum für Projekte, da gab es mehr vorzuzeigen. Informatik macht schon auch viel Spaß und deutlich weniger Arbeit, aber in den 9. Klassen unterrichte ich das Fach zum ersten Mal, da halte ich mich eher ans Buch. Die 10. Klasse mache ich jetzt zum vierten Mal und scheine endlich eine Reihenfolge gefunden zu haben, mit der ich zufrieden bin und die die Schüler nicht zu sehr abschreckt.

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In der letzten Woche mache ich regulär Unterricht, wenn auch nie mit allen Schülern – Konzertproben, Nachholtermine, unerklärte Abwesenheiten. Videofilme und Plätzchen und Lieder gibt es am Freitag, das reicht. Karaoke mit Youtube, denke ich.

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Weihnachten: Zwei ehemalige Schüler haben sich per Mail gemeldet und erzählen vom Studium. (Informatik beziehungsweise Filmhochschule.) Freut mich.

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Habe heute erfolgreich eine Schülerin entsetzt, die meine neue Brille des Ray-Ban-Tums zieh; ich leugnete und verwies auf eine andere, ähnlich bekannte Marke – bei der der Optiker so nett war, mir das Logo abzufeilen. Dann habe ich den Schülern das Konzept des Sponsoring erklärt: den neuen Kindle Touch gibt es für 100 Dollar mit „Special Offers & Sponsored Screensavers“, also Reklame, oder ohne Reklame für 140 Dollar. Skifahrer kriegen Geld dafür, dass Markennamen auf Ihrern Anzügen prangen. Da werde ich doch nicht kostenlos Werbung laufen für eine Marke.
(Ansonsten: Bin ich in der Midlife-Krise, weil ich im letzten halben Jahr mit Bart experimentiert und jetzt eine neue Brille habe? Ist ein Motorrad der nächste Schritt?)

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Lehrer werden mehr oder weniger bekanntlich alle vier Jahre beurteilt. Für den aktuellen Beurteilungszeitraum (2011-2014) gilt das nicht mehr nur für die verbeamteten Lehrer bis zu einer bestimmten Altersgrenze, sondern diesmal eben für alle. Eine Feedbackkultur und Personalgespräche wären deutlich sinnvoller, zumal völlig unklar ist, welche Rolle diese Beurteilungen etwa für angestellte Lehrer haben. Außerdem wurden die Notenstufe wieder mal geändert. Es sind weiterhin 7, aber die Bezeichungen sind teilweise neu:

HQ in allen Belangen von herausragender Qualität
BG erfüllt Anforderung besonders gut
UB übersteigt die Anforderungen
VE entspricht voll den Anforderungen (früher: entspricht)
HM wird Anforderungen in hohem Maße gerecht (früher: im Wesentlichen)
MA weist Mängel auf
IU insgesamt unzureichende Leistungen

Ich nehme mal an, dass die Stufe 5 attraktiver gemacht werden soll, da die jetzt schöner klingt. „Wird Anforderungen in hohem Maße gerecht“ ist nämlich schlecht, weil eben nur hoch und nicht voll oder überdrüber.

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Ich hätte gerne einen internen Referatslehrplan an meiner Schule. Welches Fach in welcher Jahrgangstufe für Referate zuständig ist, und welche Kriterien wichtig sind. Am liebsten hätte ich es ja, wenn jeder Schüler ein Portfolio hätte und mir etwa in der 10. Klasse zeigen könnte, was er in den letzten Jahren alles an schönen Sachen gemacht hat. Scheitert an fehlender Kontinuität der Lehrer, fürchte ich, und am mangelnden Interesse der Schüler an solch einer Dokumentation.

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Der Unterricht in der Deutsch-Oberstufe ist sehr an den literaturgeschichtlichen Epochen orientiert ist. Sollte man da nicht in der Q11 den Schülern beibringen, wie man sich das nötige Wissen um eine Epoche selbstständig aneignet (lehrergeführt durch Klassik, Romantik, Realismus) und wie man überprüfen kann, ob man genug von einer Epoche weiß, um über sie sinnvoll reden zu können? Dann könnte man in der Q12 von den Schülern verlangen, das an neuen Epochen (Naturalismus, Expressionismus) dann auch selber zu tun. Der Lehrplan sieht das nicht vor und lässt wenig Zeit dazu, und Zeit würde das brauchen.