Deutschlehrerfahrt nach Weimar 2012

Vor vielen Jahren, lange vor diesem Blog, gab es an der Schule, an der ich unterrichte, regelmäßige Fahrten der Deutschlehrer. Damals, als das Wünschen noch geholfen hat, gab es manchmal sogar einen Tag frei für diese Art der Fortbildung. Dann schlief das ein. Der Fachbetreuer hatte die Idee, das wieder aufzuwecken, und so fuhren ein Großteil der Deutschlehrer gemeinsam nach Weimar. Ohne einen Tag frei dafür, aber mit selbst gebastelter Fortbildungsbescheinigung. Hervorragend vorbereitet, mit Reader und Podcasts für Autobahn- oder Zugfahrt.

Links das Romantikerhaus in Jena, rechts die Pension in Weimar, in der wir untergebracht waren.

Das Gartenhaus Goethes im Park, in das er sich zum Schreiben und zu Treffen mit Frau von Stein zurückgezogen hat. Der Park an der Ilm ist schön und groß und berühtm für seinen Sichtachsen. Damit man die nicht verpasst, steht so etwas am Boden:

Hebt man folgsam den Blick, sieht man das:

Leider lässt sich die Markierung nicht drehen. Das wäre doch mal schön interaktiv.

Sehenswert für Geologen: die Parkhöhle, zum Teil zum Luftschutzbunker ausgebaut.

Zurück in der Stadt geht man dann in Goethes Wohnhaus, jetzt Museum. Viele Zimmer, davon jedes für einen eigenen Zweck gedacht. Empfangen von Gästen, von Freunden, Arbeiten an diesem, Arbeiten an jenem. Unsereiner kennt ja mehr multifunktionale Zimmer. Gegenüber vom Haus macht man dann erst einmal bei strahlendem Sonnenschein Pause:

Danach kann man weitergehen. In Weimar liegen viele Sehenswürdigkeiten nah beinander. Goethes Haus, Schillers Haus (jeweils mit Museen), das Haus der Familie von Stein, das Gartenhäuschen, die Anna-Amalia-Bibliothek. Das erinnert mich an meine Studienzeit, als L. und I. und ich und G. und F. und A: alle recht nah beisammen in der Augsburger Innenstadt wohnten, uns spontan besuchen und treffen konnten. Schöne Sache, so etwas.
Daneben gibt es noch ein Bauhaus-Museum, ein Musterhaus und eine Wohnanlage dazu. Auch den Friedhof mit der Fürstengruft.

Links die Gruft, rechts daneben die russisch-orthodoxe Kirche von Weimar.
In der Gruft – man darf nicht fotografieren, wie nirgendwo und nirgends und in keinem Musem Weimars, auch nicht ohne Blitz – liegen unten die Särge der Fürstenfamilie. Sieht alles etwas vorläufig aus. Und eben auch zwei Särge mit der Aufschrift Schiller und Goethe. Wo Goethe draufsteht, ist auch Goethe drin. Der Schiller-Sarg ist seit 2008 leer. Da hat maan nämlich endgültig bewiesen, dass die Gebeine dort nicht zu Schiller gehörten – auch nicht der Schädel, auf den Goethe das Gedicht „Bei Betrachtung von Schillers Schädel“ schrieb. Da hatte Bürgermeister Schwabe 1826 kein Glück, als er nachts und eher klammheimlich einige Gebeine aus einem verfallenden Gewölbe holte und zu Schillers deklarierte:

Ansonsten viel Grün und Getier dort:

Auf dem Rückweg gesehen:

Ich hatte zwar mein iPad dabei, habe aber nichts getwittert. Eine Kollegin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mitfahren konnten, beklagte sich darüber, dass auf Facebook nichts zu sehen gewesen sei. Stimmt, das gehört mit dazu heutzutage.

Goethe ist natürlich allgegenwärtig in Weimar. Als Wilhelm Ernst würde ich mich ärgern:

Auch im Wahlkampf fehlt die Klassik nicht:

Versammelte Deutschlehrer:

Außerhalb von Weimar liegt Oßmannstedt, wo sich Wieland ein Gut zulegte, um ländlicher und in Frieden zu leben. Auch nicht schlecht.

Für mich am liebsten Leben in Weimar im Winter, in Fußentfernung von allen Bekannten, und im Sommer und an den Wochenenden Rückzug aufs Landgut. Für das Museum dort durften wir die Museumssoftware auf einem iPad erproben. Das Vorlesen der Texte habe ich gleich mal ausgveschaltet. An der Benutzerführung kann man noch arbeiten (ein Zurück-Knopf fehlt), aber im Prinzip schon richtig – aber natürlich auf dem eigenen Tablet/Smartphone und nicht auf dem museumseigenen.

Und weil wir da waren, noch ein Bild vom Musentempel auf dem – noch winterlich geschlossenen – Schloss Belvedere der Anna Amalia:

Zum Zeichen der abgelegten Pilgerfahrt nach Weimar darf ich mir ein silbernes Gingko-Blatt anstecken, wenn ich das denn wünschte, und mich Oberstudienrat i.W.g. nennen – „in Weimar gewesen“. Die Amtsbezeichnungen an sich sagen ja nicht so viel aus, man bräuchte statt derer mehr solcher Kürzel.

Toll organisiert von den Kollegen S. und Z.

Nachgetragener Gedanke: Wenn man erst einmal eine bestimmte Menge über eine Sache weiß, wie etwa Goethe und Weimar, dann werden selbst so etwas wie Goethe und Weimar interessant. Aber erst mal muss etwas Wissen da sein.

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7 Thoughts to “Deutschlehrerfahrt nach Weimar 2012

  1. Klingt nach einer guten Zeit, es sei dir gegönnt. Und sofort verspüre ich leichte Sehnsucht nach Studienfahrten im wahrsten Sinne des Wortes.

    Das Eichhörnchen ist übrigens mitnichten Anhänger einer bestimmten (Sub-)Kultur. Vielmehr verfügt es über sogenannte Ohrpinsel. Die Grundschullehrer und Biologen unter uns erkennen daran die Jahreszeit. Boah, ich liebe mein völlig abstruses Fachwissen ;-)

    Viele Grüße (fast schon) aus den Osterferien,
    Frau Weh

  2. Ja, die Ohrpinsel kenne ich auch, hatte aber nie erkannt, dass das etwas mit der Jahreszeit zu tun hat. Naheliegend.

    Euch Eichhörnchenfreunden schöne Ferien!

  3. Da ist Herr Rau in Weimar, ja in Jena gar…. Hättest ’ne Privatführung haben können… Hoffe, es hat gefallen!
    Gruß aus Jena, Uwe

  4. Zefix, es braucht doch ein Lehrerblogger-Jahrbuch. So mit Foto und Widmung, die man sich reinschreibt, den Interessen, und vor allem: dem Ort. Und auf der ersten Seite als Karte. Damit man weiß, wo man vorbeischauen soll. Beim nächsten Mal gerne.

  5. Sie sind aber mit ganz schön eckigen Lehrern unterwegs gewesen. Dabei waren Sie doch gar nicht das Kubismus-Gedächtnis-Rudel, oder?

    Schöne Idee, das mit i.W.g. – ich war da nämlich auch mal mit einer Lehrertruppe, da könnten die Deutschlehrer so ein Kürzel bestimmt auch gut gebrauchen.

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