ILTB 2015 in München

Letzte Woche war ich wieder mal auf Informatiklehrer-Fortbildung, dem 8. Informatiklehrerinnen und -lehrertag Bayern, diesmal in München, organisiert von der TU und der Gesellschaft für Informatik. Konferenz-WLAN gibt es inzwischen immer, offizielle Hashtags noch nicht. Ich war der einzige, der es mal mit #iltb2015 versucht hat. Das ist okay: erstens sind Informatiklehrer keine großen Twitterer, und zweitens gab es während des Tages genug zu tun. Twittern von einer Veranstaltung dieser überschaubaren Größe dient ohnehin nicht der Kommunikation untereinander, sondern kann eigentlich nur den restlichen Twitter-Teilwelten mitteilen, dass es diese Veranstaltung gibt. Insofern wär’s irgendwann mal doch nicht blöd…

Mein Favorit war der Vortrag „Inklusion und Informatik“ von Dino Capovilla. Sein Forschungsschwerpunkt ist Informatik-Unterricht für Blinde und Sehbehinderte. Der Vortrag gab nur einen kurzen Einblick, das war der Situation und dem Publikum angemessen: Ein Überblick über Inklusion („Minenfeld“, „kein wissenschaftlich fundiertes Konzept“), über die Meinungen von Lehrern dazu, mögliche Auswirkungen verschiedener Ausprägungen davon auf das Schulsystem. Capovilla hat seine eigene Meinung durchscheinen lassen, aber darauf hingewiesen, dass es ganz unterschiedliche Antworten zu allen Fragen gibt, auch bei den Behinderten. Schwierig für die Forschung sei allerdings die heterogene und kleine Zielgruppe.

Zwei Kerngedanken gab es zum Mitnehmen: „Atypische Situationen möglichst vermeiden“ – solche gebe es durch Unterrichtsmethoden und Medien, durch erhöhte Aufmerksamkeit und auffällige technische Unterstützung. Es soll so wenig Sonderrolle geben wie möglich.
Das geht zweitens – bei Sehbehinderten – schon mal nicht, wenn Bilder gezeigt werden oder Filme, oder wenn in der Informatik die Datenstruktur Baum mit einem, ja, Baum und seinen Verzweigungen verglichen wird. Veranschaulichung ist ein Kerngedanke jeglichen Unterrichts, vielleicht ein bisschen weniger zentral in den Sprachen, sicher mehr in MINT-Fächern. Aber Anschaulichkeit müsse nicht immer über Bilder laufen, zumal es – einer nicht repäsentativen Untersuchung nach – ohnehin viel weniger visuelle Lerntypen gebe als man vermute. (Selber halte ich ja eh nicht viel von Lerntypen.) Vielleicht profitieren ja auch andere Schüler davon, wenn man dazu gezwungen wird, sich andere – haptische, enaktive – Methoden der Veranschaulichung einfallen zu lassen.

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2 Thoughts to “ILTB 2015 in München

  1. Interessanter Beitrag! Vor allem, weil ich mit der Thematik auch schon befasst war. Das Baum-Beispiel verstehe ich aber nicht. Warum sollte man einen Baum denn nicht zur Veranschaulichung hernehmen? Ich bin mir sicher, dass auch ein Blinder eine ziemlich genaue Vorstellung von einem Baum hat. Halt nicht über eine visuelle Erfahrung, sondern über eine haptische Begegnung.

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