Sonnenfinsternis 2015, in der Schule

Sehen dürfen oder nicht sehen dürfen? Manche Schulen haben ihren Schüler generell verboten, sich die Sonnenfinsternis anzuschauen, wegen der Gefahr. Ingo berichtet von einer Grundschule, aber das war auch an weiterführenden Schulen so. Ich habe von Grundschulen und Kindergärten gehört, wo das ganz problemlos ging und von anderen, wo die Kinder geradezu verrückt gemacht wurden udn sich überhaupt nicht mehr in die Sonne trauten. Frau Novemberregen schreibt köstlich wie immer, wie ihre Tochter letztlich ganz allein mit einer Lochkamera in der Pause die Sonnenfinsternis beobachten durfte.

An meiner Schule ging das ja gut. Wer eine Brille hatte, durfte raus, und in der Aula wurde die Sonnenfinsternis per Kamera übertragen. Unterricht fand keiner statt, soweit ich weiß. Viele Schüler hatten keine Brille dabei, aber auch das war kein Problem, die Schüler tauschten friedlich die Brillen untereinander aus, so dass jeder, der wollte, zumindest einige Male die Sonne sehen konnte.

Bilder und Bericht dazu auf unserer Schulhomepage.

Nachtrag: Mann, Mann. Herr Mess schildert anschaulich die wahnwitzige Paranoia an seiner Schule. “Das Ende ist nah”, allerdings. Für einen Vormittag werden Schüler zu Vampiren, die ja keinesfalls dem Sonnenlicht ausgesetzt werden dürfen. Eigentlich müsste das Stoff für ein paar Masterarbeiten geben, “Der Umgang der Kultusministerien und Schulen mit der Sonnenfinsternis 2015 im Spannungsfeld zwischen Unwissen, Aberglauben, Rechtsabteilung und Elternwillen.”

10 Antworten auf „Sonnenfinsternis 2015, in der Schule“

  1. Bei uns war es ähnlich wie bei OLAF. Die Physik Fachgruppe hat zwei Stationen auf dem Schulhof aufgebaut, um die Sonnenfinsternis gefahrlos zu beobachten. Dazu waren etliche Brillen, Schweißerbrillen und ‑gläser im Umlauf und die Schüler durch etliche Warnschilder gewarnt, nicht direkt in die Sonne zu sehen. Auf dem Schulhof war bei strahlendem Sonnenschein richtig was los und die Schüler voll bei der Sache. Der Physiklehrer erklärte anhand zweier Modelle was bei einer Sonnenfinsternis passiert und gab uns noch Zettel mit Instruktionen, um Fragen seitens der Schüler beantworten zu können.

  2. Bei uns wurde das Haupt-Mädchenklo zugesperrt, weil sich dessen Fenster nicht verdunkeln ließen. So mussten sich ca. 600 Mädchen an diesem Vormittag zwei kleine, muffige Klos mit insgesamt vier Kabinen teilen. Auch sonst war die Paranoia ähnlich wie bei Herrn Mess.

    Aber man kann sich ja auch um alles Sorgen machen.

  3. Bei lag war den ganzen Tag über eine Nebelglocke über NRW, da war an Sonne nicht zu denken. Trotzdem gab es auch bei uns die (mehr als kurzfristig angewiesene) Direktive, Schüler in verdunkelten Klassenräumen zu „beaufsichtigten“.

    Ich finde, Ranga Yogeshwar bringt es in der FAZ schön auf den Punkt:

    […] aus Angst vor möglichen Klagen will niemand mehr Verantwortung übernehmen. Jeder versteckt sich hinter vermeintlichen Sicherheitsmaßnahmen.  […] Wir blicken auf unsere Welt nur noch durch die Schutzbrille.

  4. In England wurde ein “Whole College Event” daraus. Die Schule hat Sonnenbrillen inklusive Logo anfertigen lassen und ausgeteilt, alle Lehrer, Schüler, Sekretärinnen, Reinigungsfachkräfte, Gärtner, Fahrer und was sonst noch so alles an einer Schule arbeitet, haben sich auf einem Sportfeld getroffen und sich die Sonnenfinsternis zusammen angeschaut. Selbstverständlich wurde das ganze Spektakel auch von einem professionellen Fotografen aufgenommen, um es auf diverse Intranet-Facebook-Twitter-Seiten der Schule zu stellen. Um unser “Health and Safety”-Department zufrieden zu stellen, gab es ein Warnhinweis und sogar ein selbst gedrehtes, 5‑minütiges Sicherheitsvideo im Intranet, das auch nochmal gemeinsam angeschaut wurde. Ein sehr schönes Erlebnis

  5. Cool. So organisiert wie da und wie bei euch, Tina (Tina?), waren wir bei weitem nicht. Wir warten bei Events immer darauf, dass bundes- oder bayernweit ein Tag ausgerufen wird, und machen dann zu diesem Tag nichts.

    >Bei uns wurde das Haupt-Mädchenklo zugesperrt
    Ungläubiges Staunen.

  6. Ich musste die letzte Leistungskursklausur vor dem Ende des 4. Semesters zurückgeben und die Endnoten für dieses schrecklich kurze Semester besprechen.
    Ich hatte den Schülern erlaubt, mit ihren Spezialbrillen ruhig zwischendurch mal zum Fenster zu gehen, aber am Ende fanden sie den Unterricht dann doch mal spannender.
    War ein ziemlich ambivalenter Erfolg in meiner Lehrerkarriere…
    PS: Eigentlich schreibe ich diesen Kommentar nur, damit ich unten bei der E‑mail-Benachrichtigung ein Kreuzchen setzen kann ;-)

  7. >PS: Eigentlich schreibe ich diesen Kommentar nur, damit ich unten bei der E‑mail-Benachrichtigung ein Kreuzchen setzen kann ;-)

    Auch ein guter Grund. Deshalb hiermit gleich ein Test, ob das noch funktioniert. Vielleiucht kann ich ja auch mal einrichten, dass man ga rnicht erst zu kommentieren braucht.

  8. Zum Glück hatte ich während der Sonnenfinsternis gerade meine 5. Klasse in Natur und Technik, wo Licht, Sonne und Mond sogar im Lehrplan stehen. Also kurz die Theorie dazu besprochen, dann ausdrückliche Warnhinweise dazu gegeben, und dann raus auf den Pausenhof, wo die Schutzbrille reihum ging und ich auch den Sonnenprojektor aufgebaut hatte. War ein tolles Erlebnis. Auch an anderen Stellen in der Schule bzw. im Pausenhof hatten Physiklehrer Beobachtungsstationen aufgebaut und es herrschte eine ganz tolle Stimmung während der folgenden Pause mit begeisterten Schülern und Lehrern.

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