ILTB 2012 – Wandertag – Planspiel Börse

Vorgestern war ich beim Bayerischen Infomatiklehrertag ILTB 2012 in Würzburg. 2011 war ich in München dabei, 2009 in Passau. Das ist eine größere Fortbildungsveranstaltung, die von Uni zu Uni wandert. Die Organisation und Kommunikation war ausgezeichnet. Ich werde auf solchen Tagungen immer wieder ein bisschen bescheidener, wenn ich mitkriege, dass es da ganz viele ganz kluge Leute gibt, die tolle Sachen wissen und machen. Mein Notizbuch ist voll; ich hoffe, dass ich dann auch etwas davon umsetze.

Selber habe ich in einem Workshop wieder Inform 7 (Blogeintrag, Webseite) vorgestellt. Das ist nichts für jeden Lehrer und jede Klasse, aber ich habe die 10. Jahrgangsstufe diesmal damit begonnen und das kommt gut an. Jetzt muss ich den Übergang zu Java schaffen, um später vielleicht auf Inform zurückzukommen.
Inzwischen kann ich Konzept und Sprache in einer guten Stunde vorstellen und erste Aufgaben programmieren lassen. Bei Gelegenheit schreibe ich die Einführungsbroschüre für Lehrer und die für Schüler als pdf.


Gestern war Wandertag, ich ging mit meiner 10. Klasse. Bowling in München, die Klasse hatte das Ziel bestimmen dürfen (nachdem der zweite Wandertag des Jahres bei uns festgeschrieben ist), wenn sie dafür die Organisation übernahm. Hat sie auch. Bowlingcenter aussuchen, anrufen, buchen, Fahrkarten aussuchen, Geld berechnen, Treffpunkt- und Abfahrtszeiten ausmachen und mitteilen, Route heraussuchen und auf dem iPhone markieren. Ich musste morgens nur zaghaft fragen: „Uh, wo steigen wir dann eigentlich um?“
Habe mich von Schülerinnen über Lana del Rey aufklären lassen, die ich nicht umhin konnte durch die H&M-Reklame kennenzulernen; von Schülern über die Wichtigkeit der verschiedenen Klassen bei Online-Rollenspielen. CleanIT ist zumindest diesen Schülern schon ein Begriff, ACTA sowieso. Zu Hause habe ich dann mal diese Lana del Rey angehört – immerhin eine Abwechslung, angenehm altmodisch, wenn auch dreimal das gleiche pro Lied, also ein bisschen dünn.

Außerdem habe ich einen Witz erzählt bekommen, auf den ich zehn Jahre gewartet habe, seit ihn mir mal mein Schwager erzählt hatte, worauf ich prompt die Details vergaß: Ein Indianer und ein Cowboy treffen sich und unterhalten sich mit Zeichensprache. Der eine hebt einen Finger, der andere zwei, der erste macht wieder eine Geste, der zweite eine abschließende Geste. Dann gehen sie auseinander; der Cowboy gibt jemandem seine Version des Gesprächs, und der Indianer jemandem seine Version. Beide Versionen unterscheiden sich deutlich voneinander. (Hier ist eine Fassung aus Geographie Heute (117/1994) mit Illustrationen.)
Merken hatte ich mir den Witz deshalb wollen, weil ich diese Geschichte bereits aus Salcia Landmann: Jüdische Witze. Nachlese 1960-1976 (dtv 21978, S. 128f., Erstausgabe 1972/77) kenne. Da geht es allerdings um erzwungenen Disputationen zwischen Rabbinern und katholischen Geistlichen im Mittelalter, in denen der kleine Moritzl sich einem Bischof stellen muss. Die Zeichenfolge ist hier: ein ausgestreckter Daumen, zwei ausgestreckte Finger, flache Hand, geballte Faust. Danach kommt noch ein wortloser Austausch um einen Kelch mit Erbsen. Der Bischof gibt sich geschlagen und nennt seine Interpretation des Dialogs; Moritzl erzählt zu Hause seine abweichende Interpretation, in der er viel weniger klug dasteht als der Bischof dachte.
Und davor wiederum bin ich der Geschichte begegnet in Paul Reps, Ohne Worte – ohne Schweigen (O.W. Barth 1987, S. 47f., Erstausgabe 1976), einer Sammlung von Zen-Parabeln. Da geht es auch um eine erzwungene, stumm geführte theologische Diskussion zwischen zwei Mönchen, Abfolge: ein Finger, zwei Finger, drei Finger, Faust ins Gesicht. Der selbsterklärte Verlierer überschätzt auch hier die Qualität der Argumente des anderen.


Und dann haben mir die Schüler noch vom Planspiel Börse erzählt, an dem sie teilnehmen. Hm. Ich hatte mir das immer ein wenig anders vorgestellt. Also: Die Schüler kriegen 50.000 Euro und handeln mit Aktien. Die Börsenkurse liegen am Anfang möglicherweise parallel zu den echten Börsenkursen, entwickeln sich dann aber unabhängig davon weiter – es gibt einen Nachrichtenticker in dieser Miniwelt, und die Kurse werden laut Schüleraussagen von den europaweiten Käufen und Verkäufen der am Planspiel teilnehmenden Schüler beeinflusst. Der eine Eintrag auf unserer Schulhomepage dazu ist leider mager. Vermutlich beeinflussen die Informationen des Tickers das Kaufverhalten? Oder geht es doch um reale Kurse? Gibt es da auch Geschäftsberichte und Quartalsberichte, Analystenprognosen und Gewinnwarnungen?

Diskutierenswert finde ich, dass Schüler Noten kriegen, je nach dem, wie sie abschneiden. Gewinn gemacht: gute Note. Verlust gemacht: schlechte Note – es sei denn, man kann die Entscheidungen, die zu Verlusten geführt haben, begründen. („Es sah zu diesem Zeitpunkt nach einer guten Idee aus, weil.“) Hm. Dann sollte wenigstens die Lehrkraft mitspielen, um zu demonstrieren, dass Gewinn und Verlust nicht vom Zufall abhängen, sondern von Kenntnissen und Fähigkeiten. Außerdem habe ich den Verdacht, dass Schülern so beigebracht wird, im Nachhinein alles mögliche zu rechtfertigen – ein Verhalten, das man aus Politik und Wirtschaft kennt, aber als Laie nicht so schätzt. Fehler gibt es keine, nur zu wenig umfangreiche Erklärungen.

Zu ernst muss man das mit der Note allerdings auch nicht nehmen: es kommen wohl nur ordentliche Noten heraus, und Wirtschaft in der 10. Jahrgangsstufe ist alles andere als ein Angstfach.

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3 Thoughts to “ILTB 2012 – Wandertag – Planspiel Börse

  1. Das Buch über jüdische Witze von Salcia Landmann ist großartig, nciht nur die Witze selbst, sondern auch die kulturellen Hintergrundbeschreibungen. Von der gleichen Autorin (Autor?) gibt’s auch ein prima Buch über das Jiddische. Wenn ich jetzt wüsste, wo ich’s stehen habe…

  2. Oh Gott, dieses unsägliche Börsenplanspiel der Sparkasse erinnere ich noch aus meiner Schulzeit Mitte / Ende der 80er! Damals wunderte mich nicht, dass mindestens die Hälfte der Teilnehmer Mitglied der Jungen Union war & später BWL studierte. Grauenhaft.

  3. Ich habe mir das Jiddisch-Buch mal bestellt. Kenne Jiddisch aus der amerikanischen Literatur ganz gut, kenne mich aber sonst wenig damit aus.

    An mir ist das Börsenplanspiel vorbeigegangen, aber das gab es wohl damals als auch schon. Interessanter war ein Magazin aus der Briefspielszene, die in der Zeit vor dem Internet blühte und gedieht. Da wurden alle möglichen Spiele per Brief gespielt, also nicht etwa Schach, sondern Diplomacy und solche Sachen. Im Magazin (war das Hispiduri, von „Hier spielst du richtig“, 1984-1989, oder doch ein anderes?) wurden die Punkteergebnisse der einzelnen Spielrunden veröffentlicht, und Teil des Magazins war ein Börsenspiel, in dem man Aktien der einzelnen Spieler in den einzelnen laufenden Spielen kaufen und mit ihnen handeln konnte. Der Kurs wurde von den Händlern bestimmt, die Dividende von dem Erfolg des jeweiligen Spielers. Ich habe mich leider nur kurz herumgetrieben in der Szene.

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