Fontanefan Walter Böhme stellt an andere bloggende Bildungsinteressierte die Frage, wie man unmotivierte Schüler motiviert. Mit der Vorgeschichte der Frage (einer Sitzung auf einer Tagung) habe ich mich nicht beschäftigt, vielleicht sind meine wenigen Gedanken dazu bereits dort in ähnlicher Form vorgebracht worden.
Ich halte die Frage für eine wichtige Frage, aber eine andere Frage noch für wichtiger: Wo kommen denn die unmotivierten Schüler her? Ich habe in Klassen unterrichtet voller motivierter Schüler, und in unmotivierten Klassen. In einer Klasse mit motivierten Schülern ist alles leichter. Die Schüler lernen mehr und haben mehr Vergnügen an der Schule, und das relativ unabhängig vom Lehrer. In solchen Klassen lernen die Schüler von jeder Lehrkraft. Man kann in der Schule gerne versuchen, unmotivierte Schüler zu motivieren, aber es bringt so viel mehr, wenn die Schüler selber schon mal motiviert sind. Vielleicht sollte man Ressourcen eher darauf verwenden herauszufinden, woher diese Motivation kommt?
(Übrigens sind die meisten Schüler an meiner Schule eher motiviert.)
Dann ist es an meiner Schulart so, dass die Schüler dort laut Gymnasialer Schulordnung motiviert sind – sonst sind sie nicht für diese Schulart geeignet. Warum muss ich sie dann besonders motivieren? Muss ich de facto natürlich schon, weil das Papier, auf dem die Schulordnung gedruckt ist, natürlich geduldig ist und die Realität nicht viel mit dem pädagogischen Indikativ zu tun hat. Wenn ich im Lehrplan schon immer lese „Der Schüler kann…“ und „Der Schüler hat…“ – Aber dann muss man bitteschön den Schulordnungstext anpassen.
Kinder und Jugendliche wollen lernen, klar. Davon trennen möchte die ich die Vorstellung, dass der Mensch immer lernt. Das stimmt schon, aber der Begriff des Lernens in der Lernpsychologie geht weiter, als man so meint. Man kann lernen, dass Zigarettenpausen etwas mit guter Stimmung zu tun haben, man kann lernen, dass beständiges Händeklatschen Elefanten vertreibt, man kann lernen, eine Tafel Schokolade zu essen, wenn es einem schlecht geht, und man kann lernen, in Werbepausen sich ein Bier zu holen. Aber: Kinder und Jugendliche wollen lernen. Noch mehr wollen sie Erfolgserlebnisse, beim Lernen oder anderswo. Wenn ihnen die Schule keine Erfolgserlebnisse gibt, demotiviert das. Man motiviert sie, indem man ihnen Erfolgserlebnisse verschafft.
Aber es kann für chronisch unmotivierte Schüler auch andere Gründe geben: Alle motivierten Schüler sind einander ähnlich; aber jeder unmotivierte Schüler ist auf seine besondere Art unmotiviert. Manche davon müssen erst mal heraus aus der Schule; man kann nicht jeden jederzeit zu allem motivieren. Geht nicht.
Denkbar ist natürlich, dass eben nicht alle zur gleichen Zeit das gleiche lernen, sondern jeweils das, was sie wollen, wann sie wollen. Aber dann lernen sie nicht unbedingt das, was die Gesellschaft sagt, dass sie lernen sollen. Ob das gut oder schlecht ist, ist ein anderes Thema.
Für alle Schüler, nicht nur die unmotivierten, gilt sicher, dass man eine angenehme Lernatmosphäre schafft, Berechenbarkeit erzeugt, Vertrauen weckt, und interessante Aufgaben stellt.
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