Wunschberuf Lehrer

Ich kriege immer wieder mal Anfragen, ob ich nicht über die eine oder andere neue Seite etwas schreiben würde. Auf die unseriösen (etwa Linktauschvorschläge) antworte ich gar nicht, auf die anderen meistens schon, wenn ich es nicht zu lange aufschiebe; gelegentlich schreibe ich dann auch tatsächlich etwas darüber. Selten wird mir ein Produkt zum Testen angeboten, noch seltener gehe ich auf solche Vorschläge ein. (Aber immerhin habe ich schon seit einiger Zeit zwei Produkte herumliegen, die mich interessiert haben, und über die ich schreiben will.)

Mein Problem ist, dass ich zumindest inzwischen nicht mehr nur eine Seite vorstelle, sondern – weil mir sonst der Mehrwert fehlt – gleich Gedanken darüber mache oder eine Geschichte dazu erzähle. Und bis mir die Gedanken kommen oder die Geschichte einfällt, ruht auch der Blogeintrag.

Jedenfalls jetzt kurz ein Verweis auf Wunschberuf Lehrer. Die Seite stammt von der Agentur CARE-LINE Bildungsprojekte, die auf anderen Seite Unterrichtsmaterial für Grundschule und Sekundarstufe 1 anbietet. Das sind schön gestaltete pdf-Dossiers zu bestimmten Themen, herausgegeben zum Beispiel von der Volkswagen AG, “Mobil im Klimaschutz”. Natürlich misstraut man als Lehrer solchem Material. Bei Schulbüchern, so gern man auf sie schimpft, weiß man in der Regel, wer sie produziert hat, und was das für Leute sind. Open Educational Resources mag man auch (unter diesem Namen oder einem anderen), also freies Material von Lehrern für Lehrer. Aber natürlich können auch andere Interessengruppen Material erstellen und Schulen anbieten – als Lehrer darf man ja verwenden, was man will, und digitales Material lässt sich ohne großen Aufwand an jeden Schüler verteilen. Nur Bücher, die man kaufen muss, müssen eigens zugelassen sein.

“Mobil im Klimaschutz”: So richtig beurteilen kann ich das nicht. Klar wird zuerst darauf hingewiesen, dass CO2 erst mal ein ganz natürliches und nützliches Gas ist; im Moment ist es ja eher negativ belegt. Dass Handy und Internet zusammen mehr CO2 produzieren als der Flugverkehr, wird erwähnt – illustriert am Beispiel von Second Life statt Facebook. Der Tenor danach ist: wir brauchen schadstoffärmere Autos, keine Rede von: weniger Autos, weniger Individualverkehr. Aber darüber redet ja auch in der Politik kaum einer. Emissionshandel wird vorgestellt als Win-win-Situation für alle Beteiligten.

“Kau dich schlau”: Herausgegeben von Wrigley’s, mit Erklärungen dazu, wieso Kaugummikauen im Unterricht sinnvoll ist, und wie man einen Projekttag zum Thema machen kann. Bei allen getesten Dateien ist das Kopieren in die Zwischenablage unter Acrobat Reader übrigens ausgeschaltet. Wir können über die Gründe nur spekulieren. Umgehen lässt sich das ohnehin leicht.

Für meine Fächer und meinen Unterricht ist nichts dabei, aber das kenne ich auch von anderen Seiten so. Insgesamt wird es Zeit, dass wir uns überlegen, in welcher Art wir uns wünschen, dass die Industrie uns mit Bildungsmaterial unterstützt. Grundsätzlich darf die das ja schon.

Wunschberuf Lehrer hat eine andere Zielgruppe, nämlich Lehramtsstudierende und Junglehrer. Tipps und Tricks, auch für die Versicherung. Etwas optimistich der Anfang: “Ihr Referendariat und damit Ihre Ernennung zum Beamten auf Widerruf steht unmittelbar bevor oder hat gerade stattgefunden? Aufgrund des bundesweit hohen Bedarfs an jungen Lehrern werden Sie dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren zum Beamten auf Probe und dann auf Lebenszeit ernannt.” Das scheint mir sehr von Fach und Land und Jahr abzuhängen. Für Einsteiger ist die Seite eine Möglichkeit, einen Überblick zu gewinnen und sich zu informieren, für Referendare ist man wohl besser mit spezialisierten Büchern bedient, Schulrecht von Günther Hoegg, die Englisch-Fundgrube von Clarke/Preedy. Dafür gibt die Seite nicht genug Text her, keine langen Texte, keine Analysen und nicht genug Konkretes, und für meine Schulart ohnehin nur wenig.

– Andere Seite, eigentlich ganz vergleichbar: die neue offizielle kultusministerielle Seite zur gymnasialen Oberstufe. Auch hier nur kurze Texte. Hat denen jemand weisgemacht, dass der Mensch im Internet keine langen Texte liest, oder gibt es einfach nicht viel zu sagen? Dafür viel Querverlinkung innerhalb der Seite, um eine Fülle an Material zu suggerieren.

Alle Seiten natürlich ohne jene natürliche Feedbackform, die wir Kommentarfunktion nennen.

Moonrise Kingdom

War vorhin im Kino, als einer von wenigen, in Moonrise Kingdom von Wes Anderson, Drehbuch von Wes Anderson und Roman Coppola, mit vielen Schauspielern drin, die man gerne sieht:

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Ganz wunderbar. Erfrischend nicht realistisch. Ich mag den realistischen Erzählmodus in Filmen nicht – weil mir anders als bei Romanen immer klar ist, dass Film nicht Realität abbilden kann, und wenn er es versucht, versagt er meist. Deswegen mag ich die Kategorie Drama im Film gar nicht, sondern eigentlich nur verschiedene Genre-Formen – Musical, Film Noir, Komödie, Science Fiction, Abenteuer, Horror, bei denen klar ist, dass die Regeln, denen der Film folgt, nicht die Realität abbilden sollen.

Und wenn dann noch die Spannungskurve nicht die übliche ist, bin ich besonders froh.

In Moonrise Kingdom ist alles drin, bis auf einen ausbrechenden Vulkan, aber das ging geographisch wohl nicht. Und wenn man den letzten Satz des Films hört, an das Publikum gerichtet: “Thank you for listening”, dann möchte man antworten: “You’re welcome. It was my pleasure.”

In den Credits wird Michael Chabon genannt, an den ich beim Anschauen erinnert wurde, ohen recht zu wissen, warum.

– Wo’s um ein Pfadfinderlager geht, hier zwei Lieder zum Thema Camp als Anhang:

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So, so, so. Ich habe also zu viel Zeit.

Gestern war der Tag der Informatiklehrerinnen und ‑lehrer an der LMU. Lief okay, nicht spektakulär, aber das befürchtete Chaos ist ausgeblieben. Ich bin ja ein großer Befürchter, jedenfalls immer bei ersten Malen.

Dabei habe ich auch von einer Fachbetreuertagung Informatik gehört, auf der kürzlich mein Name gefallen ist. Im Sinne von: “Da ist dieser eine Informatiklehrer, der anscheinend zu viel Zeit hat und immer was ins Internet schreibt.” Ho-hum.

Zum einen muss man da sehen, dass nicht alle Leute wissen, was ein Blog ist. Im Vergleich zu den vielen, vielen größeren und bekannteren Blogs, die es so gibt, schreibe ich ja noch wenig. Im Vergleich zu den vielgelesenen Lehrerblogs – Frl. Krise, Frl. Rot, der Primimaus – schreibe ich noch wenig. Bitteschön: ich stamme doch aus einer Bloggerfamilie, im Vergleich zum Blog von Frau Rau schreibe ich ja noch wenig.

Dazu kommt, dass ich schnell schreibe. Ich schreibe seit meinen Teenagerjahren immer wieder und alles mögliche, und dieses Blog seit acht Jahren, da wäre es doch ein Wunder, wenn ich nicht eine gewisse Übung hätte. Außerdem bin ich tatsächlich gut im Zeitmanagement und kann zum Beispiel einen Kalender bedienen. Und wenn ich mir diese Liste der 33 Digital Skills Every 21st Century Teacher should Have (via Medienbox) anschaue, dann beherrsche ich einen Großteil dieser Skills und wende sie auch an. Das bringt tatsächlich auch was mit der Zeit.

Tatsächlich gibt es noch viel mehr zu Informatik bei Ingo Bartling als bei mir. Ich bin vielleicht lauter und auffälliger, weil ich eben nicht nur von Informatik schreibe (hm, ja, Ingo ja auch nicht, ich sag nur: Ukulele), sondern – na ja, von allem möglichen. Tatsächlich gibt es etliche Punkte, privat oder beruflich, über die ich nie schreibe, aber das fällt wohl nicht auf. Tendenziell macht man sich aber wohl verdächtig, wenn man bloggt, statt zu kegeln oder den Kölner Dom aus Streichhölzern nachzubauen. Oder was andere Leute halt so mit ihrer Zeit anfangen.

Abschlussball Tanzkurs 2012

An meiner Schule findet jedes Jahr ein Tanzkurs für die 8. Klassen statt, Teilnahme freiwillig, etwa zwei Drittel machen meist mit, dieses Jahr gab es zum ersten Mal wohl ernsthaft Probleme mit Jungenmangel. Es mangelt auch immer an Lehrern, die zum Abschlussball mitgehen – aber gut, am Tag zuvor war Abifeier, das hat vielen schon gereicht. (Leider habe ich vergessen, Kollege Z. daran zu erinnern. Der ist zwar, denke ich, kein großer Tänzer, macht dafür aber jederzeit Schabernacke mit.) Und so hatte ich allein mit Frau Rau einen schönen Abend. Vom Bahnhof aus spazierten wir an einem schönen sommerlichen Spätnachmittag eine halbe Stunde zum Veranstaltungsort, links Getreidefelder, rechts, uh, Getreidefelder mit anderem Getreide. Weizen und Roggen? Dann tanzten wir und unterhielten uns, und spazierten am Schluss, weil’s grad so schön war, durch die nach einem Regenschauer auf angenehme Temperatur gebrachte Sommernacht zurück. Glühwürmchen gesehen.