Place names

Mein Interesse für amerikanische Ortsnamen hat angefangen, soweit ich mich erinnere, mit einem Blogeintrag von Peter David. David, ein bekannter Comic-Autor, trug zumindest damals eine Fehde mit dem ähnlich bekannten John Byrne aus. Lange Geschichte, und vielleicht ist Fehde nicht mal das richtige Wort.
Jedenfalls machte man sich im Byrne-Forum über den Namen eines Schauplatzes in einer Serie von Peter David lustig, eine Stadt namens Bete Noire. So heißt doch keine Stadt!
David kommentierte das in seinem Blog so:

Well, gee. I could have gone for something even more obvious, like Hell, but that’s a real city in Michigan. Or perhaps Panic or Fearnot, but those are both in Pennsylvania. Some believe that Bete Noire is where the dead reside, so I could have called it River Styx, but that’s in Ohio. Peculiar would’ve been good, but the folks in Peculiar, Missouri, might have objected. Maybe the sound makes when one is scared: Eek. But no, that’s in Alaska, the state that also gave us a town called Chicken. The population of Bete Noire is eclectic, but we’d probably hear from the mayor of Eclectic, Alabama, who might have been tipped off to it by the mayor of another Alabama locale, Muck City.

I could have gone for something ironic and called it Plain City, but that’s in Utah, or Boring, but that’s in Maryland. Or just plain No Name, but that’s in Colorado. My search for a city name built to a Climax… …Climax, North Carolina, not to be confused with Climax, Pennsylvania, which is also not to be confused with Intercourse, Pennsylvania.

And shall we discuss Monkeys Elbow, Kentucky or the name of another city in Louisiana…… Uncle Sam, LA? Nah. (blog entry July, 2003)

Davon angestachelt, lieferten die Kommentare zum Blogeintrag viele weitere ungewöhnliche Städtenamen:

  • “Having grown up in North Carolina, I know that Climax, NC is not too far from Horneytown, NC.”
  • “Someday someone will write about all the weird and unusual things that ironically go on in NORMAL, IL.”
  • “In terms of strange place names…please. I live in Newfoundland. I have to drive through Dildo (and South Dildo) to get to my grandparents who live in Heart’s Delight. If I want to see my aunt and uncle, I have to go through Heart’s Desire and Heart’s Content.”
  • “And that doesn’t include places such as Conception Bay, Placentia, Upper Gullies, Joe Batt’s Arm, Virgin’s Arm and Leading Tickles. Just to name a few.”
  • “The One Name to Rule Them All: TOAD SUCK, ARKANSAS.”

Außerdem schlugen die Kommentatoren zwei Bücher zur Lektüre vor: Blue Highways von William Least-Heat Moon. Das habe ich gelesen, auch wenn Ortsnamen nur eine kleine Rolle spielen. Interessanter in dieser Hinsicht ist Passing Gas, And Other Towns Along the American Highway von Gary Gladstone, eigentlich ein Bildband. Das Konzept: Gladstone suchte sich kleine Orte mit merkwürdigen Namen aus, fuhr hin, plauderte mit den Einheimischen, machte ein möglichst prägnantes Porträtfoto und schrieb eine Vignette zu dem Ort. Untertitel: “Portrait from the Heartland.”
Das Buch lebt von den Bildern und den kurzen Texten, die ich hier nicht beschreiben oder wiederholen will.

Die von Gladstone besuchten Orte sind natürlich Gas (Passing Gas ist ein Wortspiel); daneben Surprise, Purgatory, Boogertown, Embarrass, Boring, Good Grief und viele mehr. Auch das oben schon erwähnte Toad Suck ist dabei. Laut Ozzie, dem Besitzer von Ozzie’s Toad Suck One Stop Supermarkt, kommt der Name von den Fährleuten, die dort früher Selbstgebrannten getrunken haben, bis sie aufquollen wie Kröten. Oder so ähnlich.
Allerdings möchte ich auf folgenden NPR Podcast hinweisen, den ich auch schon mal als Listening Comprehension eingesetzt habe: The Dog Who Loved to Suck on Toads. (Google liefert weitere Artikel zu diesem Thema.) Anscheinend ist das Gift mancher Krötenarten eine psychedelische Droge, zumindest für Hunde. Vielleicht sollte man das mal recherchieren.

Aber es gibt ja noch so viel Schönes zu Namen! Im schon mal vorgestellten Limits of Language stellt Mikael Parkvall anhand von etwa fünfzig Beispielen die amerikanische Tradition der Portmanteau-Ortsnamen vor: Calnevari, Nevada, an der Grenze zu California und Arizona. Ähnlich Calneva, Calvada und Calzona. Dakoming zwischen Wyoming und South Dakota. Texarkana auf der Trennlinie zwischen Texas und Arkansas. Mexicali in California, Grenze zu Mexico. (Auf der anderen Seite: Calexico.)
Parkvall führt auch Ortsnamen an, die aus rückwärts buchstabierten Nach- oder Vornamen bestehen: Siwel, Sevets, Nostrebor und Roylat, oder Darnoc, Lebam und Adnaw.

Kein Blogbeitrag des Ortsnamen-Freunds wäre vollständig ohne Erwähnung des Lieds “Entering Marion” von John Forster. Es geht darin um die jährliche Urlaubsreise eines jungen Mannes mit dem Auto durch Amerika, der dabei durch die Stadt Marion kommt. Ich würde das Lied ja neben “The Biggest Ball of Twine in Minnesota” (Weird Al) regelmäßig im Unterricht durchnehmen, wenn der Inhalt nicht so zweideutig wäre:

But the feeling of entering Marion
Had a kick that was hard to define…
A rapturous rush, a physical flush,
Chills up and down the spine.
For the few minutes I was in Marion
All Massachusetts was mine.

Das geht so lange gut, bis er eine andere Route nimmt und auf die Stadt namens Beverly stößt. Und Sharon. Seine Fahrten geraten außer Kontrolle. Erst nach den Ortschaften Lawrence, Quincy und Norton findet er wieder zu seiner ersten Liebe zurück. Und das alles in sehr fröhlichem Rhythmus.

– Auslöser für diesen Blogeintrag war letzten Endes ein Podcast von Slate zur Neuauflage von Names on the Land von George R. Stewart: “A historical account of place-naming in the United States.” Erstausgabe 1945, überarbeitete Ausgaben 1956 und 1967. Das habe ich bestellt und es liegt vor mir. Freue mich schon darauf. Slate preist das Buch als “a disguised wartime plea for the triumph of cardinal American virtues: buoyancy and tolerance, curiosity and confidence, love of the land and faith in the future.”

George R. Stewart, klingt irgendwie bekannt… von dem ist Earth Abides, ein Klassiker der Science Fiction. Die Welt ist doch klein. Ich habe das Buch nicht gelesen, bin aber immer wieder darauf gestoßen und kenne eine zweiteilige Hörspielfassung aus den 1950ern.

Da wollen wir doch schließen mit ein paar Zeilen aus dem Zwischenkapitel “The Naming of Names” aus The Martian Chronicles von Ray Bradbury:

They came to the strange blue lands and put their name upon the lands. Here was Hinkston Creek and Lustig Corners and Black River and Driscoll Forest and Peregrine Mountain and Wilder Town, all the names of people and the things that the people did. Here was the place where Martians killed the first Earth Men, and it was Red Town and had to do with blood. And here where the second expedition was destroyed, and it was named Second Try, and each of the other places where the rocket men had set down their fiery cauldrons to burn the land, the names were left like cinders, and of course there was a Spender Hill and a Nathaniel York Town.…

Solange es noch Facharbeiten gibt, könnte man ja eine zu diesem Thema vergeben. Mir fällt aber keine gute Fragestellung dazu ein. Ortsnamen in der Literatur? Vergleich mit Ortsnamen der britischen Inseln?

4 Antworten auf „Place names“

  1. Dieser Eintrag hat mich ziemlich fasziniert – und irgendwann ab der Mitte dachte ich ständig: “Wann kommt jetzt der Hinweis auf Douglas Adams?” Möglicherweise trage ich wieder mal Eulen nach Athen (oder Kohle nach Newcastle), aber “The Meaning of Liff”, das man beispielsweise hier, aber auch hier finden kann, ist schon einen Blick wert – wenn es auch kein Buch ist, das man am Stück lesen kann (und sollte).
    Andererseits gehört es vielleicht wirklich nicht hierher, denn Douglas Adams benutzt die Ortsnamen ja als alles andere, nur nicht in ihrer eigentlichen Bedeutung. Ja, es ist schon ein bisschen unsinnig. Maybe I’m just experiencing an umberleigh – although there hasn’t been a dorchester. ;-)

  2. Portmanteau: Dazu fällt mir noch “Azusa” in Kalifornien ein (the A‑Z of the USA), das u.a. von der Figur “Vinnie Webb” in Sam Shepard’s “Simpatico” erwähnt wird.

  3. Ja, rip, The Meaning of Liff hätte noch dazu gehört. Ich habe gar nicht mal daran gedacht, aber ich kenne und schätze das Buch auch. Ich habe es schon mal im Deutschunterricht mit dem Erdkundeatlas nachgespielt.
    Auswendig kenne und schätze ich “ahenny” und “abilene”, “yesnaby” und den ganzen “corrievorrie”-Zirkus.

    Azusa: Ich kenne Azusa aus der Jack-Benny-Show (Radio, 30er-50er Jahre), in der beim Zugfahren der Schaffner als Catchphrase in vielen, vielen Sendungen ausrief: “Anaheim, Azusa and Cuc—amonga”. Wenn man es oft genug hört, wird es lustig.

    Dass Azusa von A‑Z, USA kommt, ist wohl Volks-Toponymie. Damit sage ich vermutlich nichts Neues, ich wollte nur diese schöne Wortschöpfung anbringen, für die es bislang noch keinen Google-Treffer gibt. Parallelbildung zu Volksetymologie.
    (Ähnliches Beispiel: John Philip Sousa – Sound Of USA.)

  4. Ah, Jack Benny – die Show kenne ich wiederum nicht, obwohl der Mann mir natürlich ein Begriff ist (nicht nur weil er im Original von “Zurück in die Zukunft” statt in der Synchro John Wayne als Verteidigungsminister den Finanzminister geben muss, sondern auch von Lubiztschs Original-“Sein oder Nichtsein”). Cucamonga, California ist gaaanz zufällig auch das Wüstenkaff, in das sich Vinnie (den spielte ich damals in der Drama Group, im Film hat ihn Nick Nolte und interessanterweise einige meiner Mannerisms übernommen, aber da KANN ja nur Zufall sein) zurückgezogen hat, nachdem er eine Zeitlang in einem “Motel 6 at the edge of Azusa” residierte. Faszinierend, wie sich nach Jahren solche Kreise schließen.

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