Almost everything you didn’t know you didn’t know about language and languages

Limits of Language. Almost everything you didn’t know you didn’t know about language and languages von Mikael Parkvall. London 2006. Für Sprachwissenschaftler zu empfehlen, ich habe schon eine zweite Ausgabe zum Verschenken gebunkert.

Dieses Buch begann laut Vorwort als eine Art Guinness-Buch der Rekorde für Sprachen, wurde aber bald ein Sammelsurium von Listen und Statistiken und Anekdoten rund um das Thema Sprache. Es ist angenehm unübersichtlich, dabei weniger niedlich als Schott’s Miszellen, sondern ein massiver 378-Seiten-Steinbruch mit ausgezeichneten weiterführenden Literaturangaben. Das Buch enthält:

  • Einen Hinweis auf Jukka „Dr.“ Ammondt, einen finnischen Tangosänger mit PhD, der eine Platte mit Elvis-Versionen in lateinischer Sprache aufgenommen hat. Nun hic aut numquam („It’s now or never“). Platte ist schon bestellt. Nicht so leicht aufzutreiben ist allerdings die Platte mit Liedern in Sumerisch – darunter „Blue Suede Shoes“.
  • Häufigste Reimwörter in englischsprachigen Hit-Singles.
  • Häufigste Ortsnamen in zwanzig ausgesuchten Ländern.
  • Die meistzitierten Sprachwissenschaftler.
  • Eine Liste von Sprachwissenschaftlern, die schon mal im Gefängnis waren.
  • Sprachwissenschaftler, die Mitglied im Luxuriant Flowing Hair Club for Scientists sind.
  • Dass „Fisch“ auf Klingonisch „ghotı“ heißt.
  • Komische Ortsnamen in den USA – aber dazu muss ich mal einen eigenen EIntrag schreiben.
  • Wieviele Esperanto-Muttersprachler es gibt.
  • Sprachen mit der größten Anzahl von Phonemen, oder der kleinsten.
  • Das komplexeste Phonem, zum Beispiel eine glottalisierte nasalierte velarisierte stimmlose dentale Klick-Affrikate.
  • Index Translatorum: Eine UNESCO-Datenbank, in der man schauen kann, aus welcher Sprache am meisten in welche andere Sprache übersetzt wurde. Anscheinend ist Deutschland führend bei Übersetzungen ins Lateinische.
  • Ethnologue, Languages of the World: Ein enzyklopädisches Nachschlagewerk, in dem „alle 6912 bekannten lebenden Sprachen“ katalogisiert sind.
  • Berühmt gewordene Beispielsätze: Flying planes can be dangerous; Colorless green ideas sleep furiously; A: My car is out of gas, where may I get some? B: There is a gas station around the corner.
  • Wie bilabiale Laute gebildet werden von Sprechern mit lip-plate.
  • Wieviel Prozent aller Sprachen als Satzgliedstellung Subjekt-Prädikat-Objekt haben und wieviele Subjekt-Objekt-Prädikat. (Von letzteren gibt es mehr!)
  • Wieviele Wörter die Eskimos wirklich für Schnee haben und wo dieser Irrgalube überhaupt herkommt.
  • Und Lehnwörter und Scheinentlehnungen und Silbenbau und sprechende Vögel und wie man in tonalen Sprachen überhaupt singen kann. (Das sind Sprachen, in denen die relative Tonhöhe bedeutungsunterscheiden ist.

Für Leser mit einem auch noch so geringen sprachwissenschaftlichen Hintergrund ist das eine Erinnerung daran, wie faszinierend und vielschichtig und kompliziert und menschlich Sprache ist.

Mein Dank der Quelle, die mich auf das Buch brachte – es war irgendwo im Web, aber ich weiß nicht mehr wo. Jetzt suche ich nur noch einen Band mit Aufsätzen, der mir im Studium mal untergekommen ist – eine Festschrift, glaube ich, mit lauter albernen, auch zweideutigen Aufsätzen aus der englischen Sprachwissenschaft. Ich kann mich nur noch an eine Seite erinnern, auf der sprachwissenschaftliche Begriffe auf sich selber angewendet wurden – also „nansal infinx“ (von „nasal infix“). Tatsächlich gibt es bei Google zur Zeit nur einen einzigen Treffer für „nansal infinx“…. ups, inzwischen sind es sogar zwei, und einer davon nennt sogar die Quelle: Studies out in Left Field: Defamatory Essays Presented to James D. McCawley on the occasion of his 33rd or 34th birthday.

Mehr Beispiele daraus: Auslautverhärtunk, Metasethis, Ableut, Reduduplication, Assimilassion, Sprossevokal.

Das ist aber schön, dass ich das wiedergefunden habe. Weil ich mich noch an den infinx erinnern konnte.

Fußnote: Wenn man in Dillingen auf der Tagung schon ein Buch im Zimmer liegen lässt, das einem dann nachgetragen werden muss, dann wenigstens so eines. Es hätte auch The Black Lizard Big Book of Pulps sein können, und wie wär ich dann dagestanden!

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3 Thoughts to “Almost everything you didn’t know you didn’t know about language and languages

  1. Die haben „ghoti“ ins klingonische Vokabular übernommen? Die Geschichte mit G.B. Shaw (der das angeblich erfunden hat, allerdings umstritten) erzähl‘ ich meinen Schülern immer wieder gern, wenn’s darum geht, wie unlogisch die Rechtschreibung im Englischen oft ist…

  2. Zu deiner fußnotischen Befürchtung: Es kommt immer drauf an, *wer* dir das Buch nachträgt
    ;-)
    Zu „Nunc hic aut numquam“: Du schreibst, dass die „Platte schon bestellt“ sei, und dass das relativ leicht ging … Da meinst du aber nicht das Angebot bei Amazon für über achtzig Euro, oder? Wenn nein – könntest du deine Bezugsquelle verraten?
    Zu „Esperanto-Muttersprachler“: Wie soll das gehen? Beide Eltern lernen Esperanto und leben das dann ihrem bedauernswerten Kind als Muttersprache vor?
    Summa summarum: Danke für diesen amüsanten Beitrag :-)

  3. Esperanto-Muttersprachler: Ja, genauso so ist es. Allerdings sind diese Sprecher alle problemlos zweisprachig aufgewachsen. Letztlich ist das mit dem Neuhebräischen ja ähnlich gegangen, nur in größerem Ausmaß.
    Nun hic aut numquam… da melde ich mich per E-Mail.

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