Kingmaker

Als ich vor sechzehn oder siebzehn Jahren beim Abklappern der Jugendherbergen in Großbritannien auch nach Harlech in Wales kam, da kannte ich diese kleine Stadt schon. Ich kannte überhaupt schon eine ganze Menge Städte dort. Das lag an diesem Spiel:

Kingmaker. Ursprünglich von Gibson Games, später von Avalon Hill, und vermutlich gab es das Spiel zwischendurch auch mal für den Computer. So schön Computerspiele sein können: Mit ein paar Leuten um einen Tisch sitzen und kleine Pöppel oder Kärtchen auf einem bunten Spielfeld herumzuschieben, ist noch viel schöner. Auch wenn eine Partie Kingmaker, so wie wir sie spielten, selten unter acht Stunden zu Ende war.

Kingmaker spielt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in England. König ist Heinrich VI aus dem Haus Lancaster, als Wappen eine rote Rose. Wer regiert statt seiner, oder nach ihm? Da ist seine Frau, Margarete von Anjou, und der allerdings noch sehr junge Sohn Edward. Keine gute Position für das Haus der roten Rose. Denn da ist noch Richard Plantagenet, Herzog von York, mit der weißen Rose im Wappen. Er will König werden (und hat auf Grund der Thronfolgeregelungen auch einen gewissen Anspruch darauf), wird aber geschlagen, sein Sohn Edmund hingerichtet. Sein ältester Sohn Edward wird später tatsächlich König, stirbt aber bald. Seine beiden Söhne werden von Richard, Herzog von Gloucester im Tower von London gefangen gehalten; sie verschwinden unter ungeklärten Umständen und werden vermutlich ermordet. Richard wird darauf König – jener Richard III, den man aus Shakespeare kennt. Aber das Haus von Lancaster hat noch ein Ass im Ärmel: Henry Tudor, um zwei Ecken in der Thronfolge, aber immerhin. Aus Henry wird dann auch Heinrich VII.
Dazwischen interessierte Adlige, die sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite schlagen. Eine ganz wichtige Figur war Neville, Earl of Warwick mit dem Spitznamen “Kingmaker”.
Das alles heißt “Wars of the Roses” und ist eine Zeit des Bürgerkriegs im ausgehenden Mittelalter. Viel mehr dazu gibt es etwa beim Wikipedia-Eintrag dazu.

In Kingmaker übernimmt jeder Spieler die Rolle einer Interessengruppe, zu der mal die einen, mal die anderen Adligen gehören. Die Kandidaten auf den Thron sind eher machtlose Spielsteine auf dem Brett, die mit den eigentlichen Spielfiguren mitziehen; der Spieler, der den letzten überlebenden Kandidaten in seiner Fraktion hat, gewinnt das Spiel. Man beschützt mit seiner kleinen Armee den eigenen Thronanwärter und versucht, den anderen den ihrigen abzujagen. Wer sich in einer Stadt verschanzt, ist sicherer, sofern nicht die Pest kommt. Gestört wird man vor allem durch Hungersnöte oder Bauernaufstände, die es nötig machen, dass einzelne Adlige sich in ihre Heimatburg begeben müssen, und den eigenen Trupp schutzlos zurücklassen.

Ein schönes Spiel. Auch wenn im historischen Harlech nicht 200 Mann Garnison waren wie im Spiel, sondern nur 30. Hieß es jedenfalls dort in der Jugendherberge.

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5 Antworten auf „Kingmaker“

  1. Hallo Herr Rau,
    genauso erging es mir auch. Ich habe mich an meine Studienzeit 1987 in Canterbury erinnert. Hier habe ich mit meinen Kommilitonen zusammen das Brettspiel Kingmaker gespielt. Es war herrlich. Wo gibt es dieses Spiel? Wissen Sie das zufällig?
    Ein anderes herrliches Brettspiel war “Wooden Ships and Iron Man”?

    Mit freundlichen Grüßen

    Günther Fecht

  2. Meine erste Adresse für Informationen zu Spielen ist boardgamegeek.com, die haben auch zu Kingmaker viel Material. Unter anderem ist angegeben, wo gerade Ausgaben im internen Marketplace verkauft werden. Es gibt tatsächlich einige Angebote, außerdem Links zu aktuellen eBay-Auktionen – im Moment laufen vier Stück in den USA und Canada.

    (Weniger leicht findet man Spieletreffen oder den örtlichen Spieleladen. In München gibt’s noch einen. Versandläden in Deutschland gibt’s auch, aber die haben nicht so viele englische Spiele.)

    Computerunterstützt spielen (per Mail oder am Rechner) lässt es sich mit Vassal oder CyberBoard – das sind keine eigentlichen Spiele, sondern eher Benutzeroberflächen, die man mit dem entsprechenenden Spielmodul füllt. Nicht völlig komfortabel, aber mit den eingescannten Spielplänen, Karten und Pappscheiben, die man mit der Maus verschiebt. Fühlt sich eher an wie ein Brettspiele, nur halt leider nicht am Tisch.

    “Kingmaker” ist tatsächlich ein echter Klassiker. Ich habe meine erste Partie wohl 1985 in Darmstadt gespielt. Zu “Wooden Ships and Iron Men” kam ich nur einmal, war aber auch ein sehr bekanntes Spiel. Es gibt auch eine Computerversion davon.
    Ein schönes taktisches Seeschlachtspiel für den Computer, das fehlt mir aber noch. Mit soviel Details wie bei den Hornblower- oder gar Aubrey-Maturin-Romanen, eher von leichter Flugsimulatorkomplexität.

    Ich kann auch gern mal eine Runde Kingmaker in München veranstalten, so als Anglisten-Fortbildung, falls sich Spieler finden.

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