Nigeria lebt

Dear Sir: I will confide to you through this circular a secret by which you can make a speedy fortune. […]

Ich hab mich wirklich gefreut: Nach langer, langer Zeit hält man mich wieder für würdig, ein paar Millionen Geld zu verdienen, in dem ich mich vertrauensvoll an einer kleinen Intrige beteilige, um 10 Millionen Dollar aus einer nigerianischen Bank zu schmuggeln.

Ah, die Nigeria-Connection! Vor acht oder neun Jahren habe ich dieses Schreiben bei meiner Schwägerin sogar noch schwarz auf weiß auf Papier gesehen. Per Post kommt so etwas immer noch besser als per E‑Mail. Man hat dann ja auch ein richtiges Artefakt, so zum Einrahmen und Herzeigen. Noch besser gefällt mir allerdings die philippinische Diktatorenwitwe, die ebenfalls Geld außer Landes bringen muss. Und ich war auserwählt, ihr zu helfen!

Diese Form von Betrug zählt zu den ältesten, ist aber immer noch erstaunlich erfolgreich. Details dazu stehen bei der entsprechenden Seite der Beitrag von Dirk van den Boom gestoßen, der sich damit beschäftigt, warum ausgerechnet Nigeria immer wieder für diesen Schwindel herhalten muss. (Dirk kenne ich noch von ganz, ganz früher. Wir haben zehn Jahre nichts mehr von einander gehört. Das Web ist klein.)

Und weil ich wissen wollte, wie alt genau dieser Schwindel ist, habe ich zwei Bücher über die Geschichte des Betrugs und Trickbetrugs gelesen.
Aus Frauds, Deceptions and Swindles von Carl Sifakis stammt dieses wunderbare Zitat:

Dear Sir: I will confide to you through this circular a secret by which you can make a speedy fortune. […]

So beginnt ein Rundbrief aus dem Jahr 1882. Aber die Geschichte des Spanish prisoner (auf der die Nigeria-Connection basiert) ist noch älter und geht nach Hustlers & Con Men: An Anecdotal History of the Confidence Man & His Games von Jay Robert Nash über 400 Jahre zurück bis auf die Zeit von Sir Francis Drake.
Typischerweise befindet sich dabei ein würdiger Herr in spanischer, später mexikanischer Gefangenschaft. Sein Vermögen ist außerhalb der Reichweite seiner Häscher, wenn er da nur irgendwie herankäme… Manchmal ist für ihn selber auch schon keine Hoffnung mehr, aber seiner gutaussehenden Tochter könnte das außer Landes geschmuggelte Geld viel helfen (Foto anbei). Im Jahr 1900 zählte die US Post 1431 solcher Briefe, und noch 1952 schätzte die US-Post, dass mit diesem Trick jedes Jahr unvorsichtige US-Bürger insgesamt um 600.000 Dollar betrogen wurden. Damals machten sich die Betrüger aber auch noch große Mühe: Man konnte nach Mexiko reisen und persönlich die Gefangenenwärter bestechen. Dann wurde der Fluchtversuch ruchbar, und der US-Bürger musste sich von der mexikanischen Polizei verfolgt glauben. Ach, diese Romantik und Abenteuerlust ist heute leider verloren gegangen.

Nebenbei: Sehr lehrreich, diese Bücher. Sie enthalten die Namen von Leuten, die wirklich die Brooklyn Bridge oder den Eiffelturm verkauft haben (einer sogar zweimal). Vom short con, dem kleinen Betrug zwischendurch, bis hin zum big store wie im Film The Sting (dt. Der Clou). Den Film hielt ich immer für amüsant, aber übertrieben. Von wegen, es gibt zahlreiche Vorbilder mit noch elaborierteren Plots.

2 Antworten auf „Nigeria lebt“

  1. Diese Sorte von E‑Mail-Betrugsversuch und viele andere, zum Teil auch einfach nur lästige E‑Mail-Bescherungen werden beschrieben auf http://www.hoax-info.de/
    Eine sehr verdienstvolle Sammlung von Frank Ziemann, die auf dem Server der TU Berlin gehostet wird.
    Ist immer eine gute Adresse, auf die man verweisen kann, wenn einem E‑Mails zugeschickt werden, in denen gefordert wird, man müsse unbedingt dem armen krebskranken Kind XY ein Kuscheltier zuschicken, sonst stirbt es schon morgen etc.

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