Das Flexibilisierungsjahr

In der Zeitung standen heute Informationen über das Flexibilisierungsjahr, das ab nächstem Schuljahr kommen wird, und das *keine* heimliche Rückkehr zum G9 ist. Ich betone das nur, weil das unser Unterrichtsminister extra so verstanden haben will, laut Presse. Mit uns redet er ja nicht. Wir Lehrer sind immer etwas pikiert, wenn wir von solchen Reformen erst aus der Zeitung erfahren. Allerdings – und das meine ich jetzt sogar ernst – gibt es wohl wirklich keine Grund, uns vor der Presse zu informieren. Mit Fachleuten, darunter auch Lehrervertretern, sind die Neuerungen ja theoretisch besprochen worden; unsere Meinung wird also ohnehin jetzt nicht mehr eingeholt – es gibt keinen zwingenden Grund, die Exekutive vor der Presse zu informieren. Es fühlt sich nur nicht gut an. Hier ist die angekündigte Broschüre mit Details – es hätte nicht viel gekostet, das als Mail an die Schulen gehen zu lassen.

Richtig viel Neues gibt es auch nicht, das meiste ist schon im September gesagt worden. Neu ist nur: „Den Schulen wird dazu das nötige Personal in den kommenden beiden Schuljahren zugewiesen.“ 12 Lehrstunden soll es geben für die besondere Förderung. Ein Schüler der 10. Klasse sagt am Ende der – bestandenen – 10. Klasse, dass er sie gerne zur Festigung wiederholen würde, wobei er drei Nebenfächer mit 2 Stunden ablegen darf. (Alternativ: Er entscheidet bereits vor der 10. Klasse, dass er sie auf zweimal machen wird.) Was der Schüler mit seiner gewonnen Freizeit macht, welche Art Förderung angeboten wird, bleibt ihm und der Schule überlassen.

Meine Meinung dazu: Das Ergebnis hängt davon ab, wie es von den Eltern/Schülern angenommen wird. Und das kann ich nicht beurteilen.

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30 Thoughts to “Das Flexibilisierungsjahr

  1. Das entsprechende KMS ging am Freitag mittag, 12.30Uhr an die Schulen. Darin die Info,dass heute auch entsprechende Materialien auf amtlichen Webseiten veröffentlicht werden. Keine Chance für die SL, das Kollegium sinnvoll vor der Presse zu informieren.
    Möglicherweise Absicht: Gibt man die Informationen zunächst über die SL an uns Betroffene (was in jeder Schule mit unterschiedlichen Informationsschwerpunkten und Meinung zwischen den Zeilen passiert wäre), bricht binnen 24h im web ein wilder Chor an Stimmen und Skulationen und Halbwahrheiten aus; die dann in bekannter Weise verkurztwittert zugespitzt Meinung machen.

    Also ich kann mit einer solchen Veröffentlichung „auf einen Schlag“ gut leben. Wie Du selbst sagst, unsere meinung wär eh‘ nimmer angehört worden.

    Die Zahl der zugewiesenen Stunden wird für die Schulen, die das schon im kommenden Jahr anbieten, erstmal sogar noch niedriger liegen: 7-9 je nach Schulgröße. Ab 2014 dann mehr. Heißt wohl konkret: wir werden einen Teil des bestehenden Förderstundenbudgets, bisher stärker in 5-8 investiert,in die betroffenen Jahrgangsstufen 8-10 verschieben müssen, um zumindest ansatzweise dem an und für sich durchaus sinnvollen Ziel näher zu kommen.

  2. DAS WIRD SCHEITERN!

    Bevor ich diesen Schmarrn so umsetzen tät, wie das KuMi es jetzt versucht, hätt ich nen anderen Vorschlag: Die Stundentafel umstellen. Latein statt 6 und 5 Wochenstunden (inkl. Intensivierung) auf 4 Stunden kürzen, den Stoff der Klassen 5 bis 8 auf Klasse 5-9 strecken und den Stoff zusätzlich kürzen. Die Tempi in Latein und Deutsch angleichen. Den MINT-Fächern mehr Stunden für die Basics geben. Und bei Klasse 7-9 längere Projektphasen einbauen.

  3. Wie zur Hölle soll das funktionieren?
    Muss der Schüler dann das Jahr nur teilweise wiederholen, i. e. Fächer ablegen? Wenn ich mir meine Pappenheimer aus der 8. Klasse so ansehe,sehe ich nicht alle die gewonnene Freizeit sinnvoll nutzen. Und wie ist das mit der Aufsichtspflicht? Haben die Flexibilisierer dann nicht unglaublich viele Freistunden zwischen den Festigungsstunden? Läuft das Ganze nicht auf eine Art zusätzliches, aufgelockertes Wiederholungsjahr hinaus?

    Ich fühle mich nicht gut informiert und bin sehr, sehr skeptisch, auch nach meinen Erfahrungen mit einem Wiederholer-Sprössling.

  4. @querulant:
    Alle, die sich jetzt festlegen, dass das nicht gelingt, hoffen ja im Grunde auch darauf, dass es nicht gelingt. Damit sie recht hatten. Und tragen somit dort, wo sie involviert sind – ob als Eltern, als Lehrer, in egal welcher Funktion – ihren Teil dazu bei, dass es schwer wird, auch nur Teile des Paketes sinnvoll umzusetzen.

  5. Aus dem fernen Norden betrachtet (Niedersachsen) würde ich nach jedem Strohhalm greifen, der mich und die Schüler von dem G8-Wahnsinn etwas befreien kann. In meinem Bundesland werden die Schüler in die Arme der Gesamt- und Berufsbildenden Schulen getrieben, weil dort mit einem Abi nach 13 Jahren gelockt werden kann. Ein – wie ich es verstehe – Wiederholungsjahr mit den Schwerpunkten dort, wo die Defizite liegen, würde ich begrüßen. Das Ganze sollte aber nicht zum Automatismus führen, sondern durch eine pädagogische Beratung begleitet durchgeführt werden. Überlasst bloß nicht den Schülern die volle Verantwortung für ihr Lernen…

  6. @Steff

    Ich glaube nicht, dass Skepsis bedeutet, dass der Skeptiker hofft, er würde durch das Scheitern des Programms recht behalten.
    Ich selbst wäre übrigens gerne weniger skeptisch, wenn man mir ernsthaft erklären könnte, wie das Ganze denn in der Praxis funktionieren soll.

  7. @Susan:
    Eine gesunde Skepsis ob der Durchführung heg ich auch; und schätze ich. „Querulant“ (nomen est omen) schreit in Versalien: DAS WIRD SCHEITERN! und legt einen Vorschlg G9+zusätzliche Stoffkürzung nach.

    Ich erkenn bei solcher Grundeinstellung keinerlei Aufgeschlossenheit, sich auch nur ansatzweise mit dem Modell auseianderzusetzen und vernünftige Elemente daraus vernünftig umzusetzen. Das ist eine ähnliche destruktive Konfrontationsstrategie wie leider auch allzu oft in der Politik zu beobachten: die zielt doch oft nur auf die Demontage des Bestehenden, in der Hoffnung auf einen Systemwechsel, an dem man dann selber partizipiert. Herr Wenzel beherrscht dieses Spiel mit großer Effizienz.

  8. @Steff
    „Herr Wenzel beherrscht dieses Spiel mit großer Effizienz.“ Da reden Sie von Aufgeschlossenheit und lassen dann ein derartiges Pauschalurteil vom Stapel. Dass sich der BLLV für eine längere gemeinsame Grundschulzeit und für flexible Lösungen vor Ort einsetzt (das kann dann im Bayerischen Wald durchaus auch die Gemeinschaftsschule sein) ist kein Geheimnis. Allerdings weiß ich auch um die hervorragende Arbeit der Fachgruppe Gymnasium im BLLV. Diese setzt sich für eine Fortentwicklung und Pädagogisierung des bayerischen Gymnasiums ein. Um das Gymnasium schlecht zu machen? Um es abzuschaffen??? Die üblichen Schwarz-Weiß-Malereien funktionieren nicht mehr!

  9. Ich kann den forumsinternen Querelen nicht wirklich folgen, was mich interessieren würde, das ist mehr die tatsächliche Planung.

    Angenommen, ein Kind will unbedingt Jgst. 8 wiederholen.
    – Was ist der Unterschied zur „normalen“ Pflichtwiederholung? Die Freiwilligkeit?
    – Wenn es drei Fächer „ablegen“ darf, was passiert dann nach dem Flexibilisierungsjahr? Weiß es dann noch irgendetwas aus den vorangegangenen Jahren? Was, wenn nicht? (Fairerweise muss ich sagen, ich habe Schüler, die trotz lückenloser körperlicher Anwesenheit keinen Tau haben, was sich in den letzten Jahren so abgespielt hat)
    – Was passiert mit den so entstehenden Freistunden? Gibt es dann einen Aufenthaltsraum, oder hängt das Kind halt nur so rum?
    – Wer sorgt dafür, dass die entstandene Mehrfreizeit nicht nur in Zocken und Fernsehen verbrannt wird? Wieder die Muttis? Wird das womöglich ein Instrument, mit dem die ehrgeizigeren Eltern ein nicht so gaz begabtes Kind versuchen, am Gymnasium zu halten?

    Ich würde übrigens viel lieber viel weniger skeptische Fragen haben, allein meine Erfahrung mit dem KuMi zeigt, dass nicht alle Ideen, die uns zur Umsetung übergeben wurden, so super durchdacht waren.

  10. >bricht binnen 24h im web ein wilder Chor an Stimmen und Spekulationen und Halbwahrheiten aus; die dann in bekannter Weise verkurztwittert zugespitzt Meinung machen.

    Und wenn schon, das hätte auch niemand gestört. Dass wegen Bildungspolitik ein #aufschrei durch die Politik geht, das kann ich mir nicht vorstellen. Mir gefällt jedenfalls das Systematische und Symptomatische daran nicht.

    Susann, das sind gute Fragen. Auf ein paar gibt es Antworten. Bisher gibt es ja auch schon die Möglichkeit, ein Jahr freiwillig zu wiederholen, nur macht kaum jemand Gebrauch davon. Ob sich das jetzt ändert, wenn man 6 Stunden dafür erlassen bekommt? Einen großen Unterschied gibt es: Das neue Jahr zählt nicht zur Ausbildungshöchstdauer am Gymnasium. Man kann also jetzt 11 Jahre fürs Gymnasium brauchen statt bisher 10.

    In den entstandenen Freistunden wird der Schüler besonders gefördert. Wie, da hat die Schule alle Freiheiten… Blockseminar, zusätzliches Übungsmaterial, Online-Lernplattform. (Hör mir auf. Was diese Onlinekurse alles Wunder wirken sollen. Gute Kurse werden nicht nebenbei erstellt, da müsste das StMUK jemanden beauftragen und bezahlen. An Realschulen habe ich allerdings bessere Kurse gesehen, und eine schönere Moodle-Installation, als am Gymnasium.) Ich hoffe jedenfalls sehr, dass Schulen da nur etwas einrichten, wenn die Lehrer dafür ausreichend bezahlt werden. Ich kann mir vorstellen, dass da viel nebenher und in Arbeitsgruppen und irgendwie gemacht werden soll.

    Mehr steht in der Broschüre vom StMUK, die DÄMLICHERWEISE nicht als pdf herunterladbar ist, sondern nur als „E-Paper“ in einem Flashplayer anzusehen ist und damit nicht zum Download oder zum Durchsuchen nach Wörtern gedacht ist. Was für eine Kommunikationsgröße hat sich denn das ausgedacht?

    Ob dieser Versuch scheitert oder nicht, hängt vor allem davon ab, was man damit eigentlich erreichen möchte.

    • Mehr Abiturienten.
    • Bessere Abiturienten.
    • Zufriedenere Schüler.
    • Zufriedenere Eltern.
    • Zufriedenere Wähler.
    • Ende der Diskussion ums G8.

    Das genaue Ziel ist mir noch nicht klar.

  11. @ Herr Rau –

    das frage ich mich ja, wie diese Sonderförderung funktionieren soll, wenn, sagen wir, pro Schule 10 Schüler von Klasse 7 bis Klasse 10 wiederholen. Ja, ich weiß schon, individuelle Förderung, Lehrer als Lernbegleiter, blablabla, die Krux ist ja nur, dass ausnahmslos ALLE Schüler, die ich jemals als Wiederholer erlebt habe, keine Leute sind, die einen Onlinekurs freudig nützen und eigenständig und motiviert lernen, wenn ein Lehrer sie behutsam begleitet.
    Man kann wirklich nur hoffen, dass die Schulen nicht wie üblich Befehlsempfänger spielen und sich da irgendwie durchwurschteln, sondern sich zu einer klaren Ansage aufraffen: so geht das nicht. Aber da dran glaub ich nicht so recht, die bayerischen Lehrer habe ich als notorisch Kumi-hörig erlebt. Erst wird geraunzt, aber dann werden die Vorgaben so gut wie möglich erfüllt, oder zumindest wird Erfüllung vorgetäuscht.

  12. > zumindest wird Erfüllung vorgetäuscht.

    Reicht ja vielleicht bereits – je nach Ziel des Versuchs.

    Danke, c.p. (und schön von dir zu hören), ich dachte mir, schon, dass die Datei irgendwo als Original-pdf liegt. Ich bin halt immer wieder mal ohne Flash unterwegs (IOS; frisch installiertes Kubuntu), da ist das schon lästig.

    Vielleicht reicht als Förderung ja, dass man ein Jahr mehr Zeit hat. Wer mit Ach und Krach die 10. Klasse besteht, dem tut ein Wiederholungsjahr nämlich wirklich gut – mit der richtigen Arbeitshaltung. Vielleicht reicht das Schülern und Eltern bereits; die zusätzlichen Fördermaßnahmen stelle ich mir im Vergleich zur Arbeitshaltung weniger ausschlaggebend vor. Manchmal merkt man ja erst am Ende der 10., dass man besser schon seit Anfang der 10. gearbeitet hätte.

  13. Ich glaube nicht, dass die 10.-Klasser das Problem sind – soweit ich das beurteilen kann, haben die meisten von ihnen schon das Ziel Abi irgendwie vor Augen und können sich selbst und ihre Leistungen recht realistisch einschätzen.

    Aber ich unterrichte oft in 8. Klassen, wo diese Perspektive vielen Schülern überhaupt nicht vor Augen steht. Ich habe Schüler, die überhaupt nicht am Gym sein wollen, sondern nur auf Druck der Eltern hier aufgeschlagen sind – entsprechend schlecht sind die Noten.
    Für mich wäre der Supergau so ein unwilliger 8-Klasser mit wohlmeinenden Eltern, die auf die Idee kommen, dem Kind ein Jahr mehr Zeit zu geben, aber es dann dabei belassen und dem Junior nicht kräftigst auf die Zehen steigen. Dann könnte passieren, dass der Junior das Jahr zwar wiederholt, dabei aber vergisst, was in den Fächern passiert, die er ablegen durfte; Andererseits wird er auch nicht besonders intensiv – mit Auf-die-Finger-schauen – gefördert, weil die Eltern das nicht machen, und die Schule irgendeine halbherzige Umsetzung beschlossen hat, in der vielleicht sogar Material zur Verfügung gestellt wird, aber die persönliche Betreuung fehlt. Der Junior genießt das Jahr aus vollen Zügen, da er weniger Lernzeit investieren muss – schließlich hat er weniger Fächer und das, was er lernen soll, hört er ja schon zum zweiten Mal. Im Herbst des folgenden Jahres hat er Lücken in den Fächern, die er ablegen durfte, hat aber auch seine Lücken in den Fächern, die er wiederholt hat, nicht besonders gut gefüllt und startet mit stärkeren Defiziten als vorher.
    Aber vielleicht bin ich da einfach zu pessimistisch. Man wird ja sehen.

  14. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Achtklässler, die mit Mühe und Not die Jahrgangstufe bestehen, diese freiwillig wiederholen werden. Wer da besteht, wird sich nicht am falschen Platz sehen. Die freiwillige Wiederholung erfordert eben Einsicht, und die sehe ich erst später kommen.

    Wer beim ersten Durchgang bestanden hat, muss beim zweiten ja bis auf drei Nebenfächer alle anderen Fächer mitziehen – das wird dann ein Jahr ganz ohne jeglichen Notendruck, weil bestanden ist ja schon. Eventuelle Prüfungen können einem ganz egal sein. Bin gespannt, wie sich das auswirkt – wie gesagt, wenn das überhaupt jemand wahrnimmt.

  15. Mich macht misstrauisch, dass in der Broschüre kein Wort über die finanzielle und personelle Ausstattung des Flexi-Jahres geredet wird. Wer soll denn wann (insbesondere bei ständig wechselnden Stundenplänen) die Betreuung der SchülerInnen übernehmen? Ihre Aufgaben korrigieren? Ihnen Lernportfolios zusammenstellen? Wie wird das vergütet? Und bräuchten viele von denen, die durchfallen nicht eher SozialpädagogInnen, die ihnen zur Seite stehen, ohne fachliche Ansprüche zu stellen? Aber dann müsste ja Geld ausgegeben werden.

  16. @Sabine
    Mir ist das alles auch völlig schleierhaft.
    10.-Klässler müssen ja nicht mehr beaufsichtigt werden – aber 8.- und 9.-Klässler?? Lässt man die dann alleine im Schulhaus herumhocken? Wer soll kontrollieren, ob sie sich nicht verdünnisieren und shoppen gehen? In welchem Raum, wenn die Schule eh schon überbelegt ist? Zusammengruppieren geht ja auch nicht, weil jede Klasse einen anderen Stundenplan hat, jeder Schüler andere Fächer wegfallen lässt und damit andere Freistunden bekommt. Und wenn die Schulen im ersten Jahr noch nicht einmal die mickrigen 12 Lehrerstunden zugeteilt bekommen, sondern noch weniger, z.B. 9, dann ergibt das pro Jahrgang 3 Lehrerstunden, mit denen wie viele Fächer betreut werden sollen? Hängt die Anzahl der zugeteilten Lehrerstunden eigentlich von der Anzahl der Schüler, die dieses Modell wählen, ab? Oder bekommt jede Schule pauschal die Lehrerstunden?
    Großes Fragezeichen…

  17. Ja, ich hätte mir schon gewünscht, dass von den Modellschulen auch mal ein Rechenbeispiel vorgeführt wird, wie das in der Praxis funktioniert. Statt dessen das aberwitzig sinnfreie Diagramm auf Seite 17 unten oder die lachhafte Geschichte von der musikalischen Schülerin:

    „Interessant ist auch, dass eine Schülerin, die zu den Besten ihres Jahrgangs gehört, Interesse am
    Flexibilisierungsjahr geäußert hat, um ihre musischen Fähigkeiten besser entwickeln und mehr Zeit dafür aufwenden zu können. Man sieht also, dass die Individuelle Lernzeit durchaus auch für sehr gute Schülerinnen und Schüler mit besonderen Fähigkeiten und Neigungen eine gute Möglichkeit bieten könnte“

    Nein, das sieht man nicht. Man sieht lediglich, dass eine sehr gute Schülerin mit besonderen Neigungen schnell erkannt hat, dass das für sie nicht wirklich in Frage kommt, denn sie hat ja offensichtlich das Flexibilisierungsjahr nicht in Anspruch genommen.

    Ich sage ja gar nicht, dass es nicht eine gute Idee wäre. Aber was hier vorgestellt wird, riecht leider nur nach vielen bunten Smarties, für die es keine Finanzierung gibt. Und in einer Schule, in der es nicht einmal ein Zimmer gibt, in dem man Elterngespräche abhalten kann, wenn man einmal vom stinkigen Kartenzimmer absieht, ist ohnehin nicht vorstellbar, wo man all diese auf einmal hochmotivierten Wiederholer fördern soll.

    Was übrigens auch mal gesagt gehört: Immer wenn ich hier einen Kommentar eingebe, bin ich zutiefst beruhigt davon, dass es sich bei diesem Blog um eine erdstrahlenfreie Webseite mit Hochbürder-Zertifikat handelt. Das Leben ist schon schwer genug, insbesondere als Lehrkraft, da tut es der Seele doch wirklich gut, sich nicht auch noch imaginären Gefahren ausgesetzt zu haben. Danke, danke, danke!

  18. Für mich ist das eine Alibiaktion. Ich sehe da sehr große Probleme bei der Umsetzung. Wie sollen dies freiwilligen Wiederholer in Klasse 8, 9 und 10 in den Stundenplan integriert werden? Und das Beispiel der musikalischen Schülerin, das ist komplett unrealistisch. Mehrheitlich wiederholen ja sowieso Schüler.

  19. Mein Kollege hat heute lapidar gemeint, man werde das Konzept „individuell von den Schulen umsetzen lassen“, unter dem Deckmäntelchen der Schulautonomie, und die dann wie gehabt wurschteln und, notfalls, scheitern lassen. So klingt das auch für mich.

    NB: Das Beispiel mit der musisch begabten Schülerin ist ja süß, aber glaubt wirklich jemand, dass das Gros der Flexibilisierer Überflieger und Wunderwuzzis sein werden?

  20. Nimmt das wirklich jemand ernst? Bei uns im Kollegium nicht. Alles was bei uns freiwillig ist, spielt sich im Promillebereich ab und löst die Probleme nicht.

  21. Das Theater geht weiter. Während an vielen Schulen schon Information und Beratung der Kollegen, Elterninformation etc. läuft, ändert das KM laut neuem GSO-Entwurf mal eben wieder die Spielregeln fürs Flexijahr weiter. Das wird sicher nichts mit den schlechten Umfragewerten zum G8 (SZ am Wochenende) zu tun haben, Honi soit qui mal y pense …

  22. Schülerzahlabhängig gibt es z.B. 8 Stunden für „Individuelle Lernzeit“, also Förderung während des Flexijahrs, im Jahr darauf 12. Die Umsetzung liegt ganz in der Hand der Schule. Ich habe nicht vor, mich daran zu beteiligen, da finden sich sicher andere Lehrkräfte, die einen sinnvollen Unterstützungsplan erstellen und umsetzen werden.

    Wenn das Flexijahr nicht angenommen wird, kann man das G8 ja gut als Erfolg verkaufen.

    Diese zusätzlichen Stunden werden tatsächlich zusätzlich ausgewiesen, als Zuschlag auf das Budget. Anders sehe ich das bei der angekündigten integrierten Lehrerreserve. Dafür gibt es keinen Budgetzuschlag, das muss einfach aus dem bisherigen Topf mit Anrechnungsstunden bezahlt werden. Und es sollen „im Regelfall“ Deutsch- und Englischlehrer dafür herangezogen werden, so, so, bin gespannt. Ich glaube, ich stelle die Planungsgrundlagen zur Unterrichtsübersicht mal in einem Blogeintrag vor.

  23. “ …der angekündigten integrierten Lehrerreserve. Dafür gibt es keinen Budgetzuschlag, das muss einfach aus dem bisherigen Topf mit Anrechnungsstunden bezahlt werden.“

    Diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Im entsprechenden KMS ist von „zusätzlichen Ressourcen“ in Form von „Personalzuweisungen über den regulären Stundenbedarf hinaus“ die Rede.

  24. >Diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Im entsprechenden KMS ist von “zusätzlichen Ressourcen” in Form von “Personalzuweisungen über den regulären Stundenbedarf hinaus” die Rede.

    Das kann sein. Das stimmt, ja, Verzeihung. Ich habe noch mal nachgeschaut, meine Infos stammen aus dem Material zur Umsetzung in WinLD. Da wird das nicht als Budgetzuschlag gehandhabt, „denn durch die Erfassung als Anrechnungen ist die Lehrerreserve budgetneutral.“ Dann wird es so sein, dass es mehr Anrechungsstunden gibt, die im Budget schon drin sind?

    Nachtrag: Ja, das Budget für Anrechnungsstunden wurde um diese Zahl erhöht.

  25. Als Mittelstufenbetreuer werde ich mich mit dem Flexiblisierungsjahr weiterhin wohl beschäftigen müssen, habe aber bei den Besprechungen im kleinen Kreis meine Überzeugung, dass dieses Modell sinnfrei und wenig durchdacht ist, nicht verhehlen können. Zu all den kritischen Punkten, die in diesem Blog ja deutlich überwiegen, kommt meines Erachtens noch dazu, dass die Umsetzung dieses Konzepts – wir sprechen schulintern von 6 Lehrerwochenstunden für 4 angenommene „Flexiblisierer“ in den Klassenstufen 8 und 9 – eine Verschwendung von Ressourcen darstellt. Was kann man mit 6 bis 12 Lehrerstunden alles machen!! Die echten Wiederholer, die zum Teil sogar von Abweisung bedroht sind, werden wie bisher sich selbst überlassen, die sicherlich ganz wenigen, die das Flexibilisierungsjahr wählen, werden ohne wirkliche Not (denn sie haben das Schuljahr bereits bestanden, erhalten nur noch ein Notenbild, aber kein gültiges Zeugnis) mit persönlichen und fachbezogenen Coaches beglückt, die ihnen zusätzlich zu dem zweiten Durchgang in allen Kernfächern noch weiteres Selbstlern-, Online- und Skill-Material zukommen lassen und sie motivieren. Ich kenne keinen Schüler bzw keine Schülerin, der ich dazu raten möchte.
    Man hat mir erklärt, das Modell solle die Widerholerzahl senken. Ach so!? Wenn das so sein sollte, müsste jemand durch das Flexi-Jahr sich zwei weitere Wiederholungen ersparen, denn die eine hat er sich ja schon „gegönnt“

  26. In den Genuss der individuellen Lernzeit (oder -förderung? kann ich mir nie merken) kommen ja nicht nur die nicht vorhandenen Flexischüler (Ausnahme: Rücktritt von 11/1 in die 10. Klasse, das kann ich mir vorstellen), sondern jeder, der…. uh… das will? dorthin geschickt wird? gefährdet ist?

    In Deutsch stelle ich mir das quasi als ein Probeaufsatz mehr vor, den der Schüler mitnehmen kann. Vielleicht fällt den Schulen ja etwas Schönes ein, dass sie mit den Stunden machen können.

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