Bessere Lehrer

Ein Essay – ist das jetzt die deutsche Übersetzung von Op-ed? – von Dietmar Pieper bei Spiegel Online fordert: „Unsere Lehrer müssen besser werden.“ Auf die komme es an, die Systemfrage führe in die Irre.

Ideale Lehrer müsse man sich unter folgenden Kriterien anschauen: „Sind es vor allem Menschen, die gern mit Kindern und Eltern Umgang haben? Die erzählen können, bis die Augen der Zuhörer leuchten? Die wissen, wie man ein Rudel kleiner Wölfe führt?“

Der Lehrer als Leitwolf statt als Lernbegleiter? Lehrerzentriertes Geschichtenerzählen? Das befindet sich pädagogisch auf dem Stand von vor zwanzig, Jahren. Da befinde ich mich allerdings oft auch noch, ehrlich gesagt.

Pieper wünscht sich bessere Lehrer. Hm, ja. Nicht bessere Politiker, Banker, Manager, Journalisten, obwohl wir die doch auch alle brauchen könnten. Warum bei den Lehrern anfangen? Intuitiv gebe ich ihm trotzdem recht. Ich glaube, dass sehr viel vom Lehrer abhängt. Kaum etwas von den Methoden. Und noch viel mehr übrigens vom Schüler – es gibt Klassen, da lernen die Schüler noch beim schlechtesten Lehrer sehr viel. Wie entstehen diese Klassen? Beschäftigt sich irgendwer in der Didaktik damit?
Offen bleibt, wie man herausfindet, was ein guter Lehrer ist. Und was man tut, wenn man lauter gute Lehrer hat, es aber keine Stellen für sie gibt?

Gute Lehrer kriegt man nicht nur durch Übeprüfung auf Gutlehrersein während des Studiums, sondern indem man den Beruf attraktiv für die Leute macht, die man haben will. Mein Vorschlag: Beamtentum abschaffen. Wenn nach zehn Jahren Lehrer in die Wirtschaft oder Erwachsenenbildung wechseln können, kriegt man zum einen die guten (die sich ansonsten vielleicht nicht lebenslang an einen Arbeitgeber binden wollen), und kann zum anderen den schlechten eine Alternative bieten.

Pieper wünscht sich Schule als kundenorientierte Dienstleistungsbetrieb. Kann man so sehen – aber wem leisten wir Dienste, dem Staat oder den Eltern? Ganz schnell wird daraus ein Anspruch der Eltern, nicht bis zum Leistungsvermögen der Schüler zu fördern, sondern bis zum bestmöglichen Abschluss, Eignung hin oder her. Pieper hätte halt doch gerne den Abitur-Gesamtschulabschluss, liest man dann. Und schon gar keine Trennung nach der 4. Klasse. (Seine Kinder sind 9 und 11.) So viel zur Systemfrage, die in die Irre führen soll.

51 Thoughts to “Bessere Lehrer

  1. Darf ich mal eben einwerfen, dass ich mich als Lehrer in der Erwachsenenbildung durch solche Sätze missverstanden fühle? Die Erwachsenenbildung als Abstellgleis für schlechte Lehrer ist eine Vorstellung, die auch zwanzig Jahren überholt sein dürfte. Zumindest in NRW haben die (staatlichen!) Schulen „schulscharf“ eingestellt und sehr genau auswählen können in den vergangenen Jahren.

  2. So wollte ich das gar nicht verstanden haben, und man muss das auch so gar nicht lesen – aber man kann, deshalb hier zum Klarstellen: Nicht die schlechten Lehrer sollen in die Erwachsenenbildung, sondern die Lehrer, die nach zehn Jahren etwas anderes machen wollen, sollen das können, zum Beispiel in der Erwachsenenbildung, aber keinesfalls nur in der staatlichen, sondern auch in Unternehmen oder anderswo. Und gleich in die Erwachsenenbildung zu gehen, heißt keinesfalls, dass man in irgendeiner Form schlechter als ein Lehrer für Kinder ist – entschuldige, wenn das so rüberkam.

  3. „Ist die Systemfrage nicht schon die, was ein guter Lehrer ist?“ Seh ich nicht. Ein Lehrer ist dann gut, wenn er seinen Schülern (nachhaltig muss heut wohl ergänzt werden) das beibringt, was er ihnen entsprechend irgendeines Bildungs- und Lehrprogramms vermitteln soll. Was nicht in allen Fällen leicht messbar ist.

    Eine Systemfrage gibts zB um die Inhalte eben jener Bildungspläne.

  4. Ich finde die Pauschalierungen „…muss erzählen können, dass die Augen leuchten…“ immer so…naiv. Jemand, der 5-Klasser-Augen zum Leuchten bringt, schafft das vielleicht nicht bei 11.-Klasser-Augen und umgekehrt. Deshalb würde ich sehr dafür plädieren, „Spezialisten“ für bestimmte Jahrgangsstufen heranzubilden, die dann über mehrere Jahre die selbe Stufe unterrichten und so ihren Unterricht perfektionieren können.

    Und nachdem die Atmosphäre auch nicht unwichtig ist, hätte ich gerne das Fachraumprinzip realisiert – jeder Vollzeitlehrer hat seinen eigenen Raum, den er „personalisieren“ kann. Das ist schon mal vom Psychologischen her nicht schlecht – die Schüler kommen zum Lehrer „auf Besuch“, nicht „der Lehrer wagt sich in die Raubtierhöhle“.

    Aber das ist hier kein Wunschzettelblog und es ist nicht Weihnachten *seufz.

  5. Beamtenum abschaffen. Hmja.

    Fluglotsen waren früher Beamte, genauso wie Bahnmitarbeiter. Jetzt denkt man vor allem daran, dass das die Leute sind, die an wichtigen Stellen sitzen und Streiks mit einem gehörigen Hebeleffekt versehen können.
    In Zukunft dann also mal ein Zentralabitur bestreiken, um 10% mehr Lohn durchzusetzen? (Ob Beamte auch streiken dürfen lassen wir mal kurz außen vor) Aber wahrscheinlich gibt es dafür einfach zu viele Lehrer, die nicht so leicht alle zusammenarbeiten….

    Messen, was ein guter Lehrer ist….
    Das Problem gibt es in vielen Bereichen: Wie kriegt der Vorgesetze raus, wie „gut“ jemand ist, ohne aber die Arbeit lückenlos messen zu können.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Principal-agent_problem

  6. @steff
    „entsprechend irgendeines Bildungs- und Lehrprogramms“ das da, laut isb, wäre: z.B. lebenslanges Lernen und Gottesfurcht. ;-), abgerechnet wird dann im Fegefeuer der Eitelkeiten am jüngsten Tag.

  7. Warum bei Lehrern anfangen?
    Ich habe mal durchgerechnet, wie viele Schülergenerationen durch einen unfähigen Lehrer ‚versaut‘ werden können. Ich habe das Ergebnis vergessen, aber es waren viele…
    Jeder Lehrer kennt in seinem Kollegium sicher eine Handvoll Lehrer, die man keinem Schüler wünscht. Und da können meiner Meinung nach auch „gute Klassen“ nicht unbedingt gegen ankommen. Ich habe gute Klassen erlebt, die ich z.B. in der 7. Klasse ubernommen habe und mit denen ich den Stoff der letzten Schuljahre erst aufarbeiten musste (Mathematik), damit ein sinnvoller, auf den Vorkenntnissen aufbauender Unterricht überhaupt möglich war (Die Schüler litten nicht nur unter dem natürlichen Wissensschwund, der bei jedem Schüler meistens im Laufe der Ferien auftritt).

    Ich bin völlig der Ansicht Piepers: Dringend Lehrer besser machen – leider ist auch das wieder eine Frage des Systems, denn nach Letzterem entscheidet sich, in welche Richtung die Lehrerausbildung ver(schlimm)bessert wird.

    Ich halte sehr viel davon, den Weg einer ‚Eignungsprüfung‘ in irgend einer Form für Lehrer genauer zu prüfen. Ich weiß leider nicht mehr, an welcher Uni es gemacht wurde, aber irgendwo in Süddeutschland (Ulm?) wurden die Lehramtstudenten ‚freiwillig‘ in Hinsicht auf Ihre Eignung interviewt, beraten und Tests (z.B. Präsentation vor einer Gruppe) unterzogen. Das Ergebnis war, dass sich die Studenten doch einmal näher mit ihrem Berufsziel auseinander setzen und sogar Abstand vom Lehramt nahmen, nachdem ihnen ins Gesicht gesagt worden ist, dass sie ungeeignet seien (wohl gemerkt: ohne, dass negative Konsequenzen bei Nichtbefolgung des wohlgemeinten Rates in Betracht kamen).

  8. „gut“ liegt immer im Auge des Betrachters – und kann aus Schülersicht oder Elternsicht (Unterrichts-Evaluation gibt da doch ganz gute Einblicke für einen selbst) anders aussehen als aus Bewertersicht… Das Prädikat „guter Lehrer“ ist für mich daher auf jeden Fall eine Systemfrage.
    Das Raumlehrerprinzip habe ich in den USA erlebt – schöne Sache, für Ein-Fach-Lehrer bzw. Lehrkräfte ohne Fachraum-Fächer. Mit Mathe, Chemie und Informatik kann ich beim Lehrerraum immer nur müde lächeln (auch wenn es viele Probleme, die wir mit den Räumen im Augenblick haben, an der Wurzel packen würde).

  9. Freilich braucht man Mechanismen, wie man Lehrer, die sich irgendwann als Lernhindernis für die Mehrheit ihrer Schüler erweisen, für Arbeiten einsetzen kann, wo sie sinnvoller arbeiten können.
    Leider überhäuft man aber alle – nicht zuletzt die bewährtesten – Pädagogen mit Verwaltungsaufgaben, mit Versuchsaufbau, mit Aufsichten, für die sie überqualifiziert sind. Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt; aber offenbar traut sich niemand zu, es in Angriff zu nehmen.
    Freilich ist das Problem auch nicht einfach zu lösen, denn gute Pädagogen sind oft auch bessere Verwalter als weniger geeignete Pädagogen …
    Übrigens, Herrn Raus Artikel wie auch dazu geäußerten Kommentare habe ich als Antworten zur Frage „Worauf kommt es beim Lernen an?“ verlinkt (http://fontanefan.blogspot.de/2013/03/blogparade-worauf-kommt-es-beim-lernen-2.html).

  10. Auch wenn man das nicht glaubt, wenn ich von meiner Schulzeit berichte, so hatte ich doch ein paar wenige gute Lehrer. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, komme ich auf keinen gemeinsamen Nenner, außer: Bei denen hat man tierisch viel gelernt, ohne sich schlecht zu fühlen. Aber wie waren die so? Eine war mehr so der Kumpel, gemeinsam Kaffee trinken. Einer war der Strenge aber Faire. Ein anderer hatte einfach eine starke Persönlichkeit, die mich als Schüler gefangen nahm.

    Und dann doch, ich glaube das ist es: Alle haben sie ihren Job auf ihre Art sehr gemocht. Vielleicht hat sie das, so unterschiedlich sie auch waren, gute Lehrer sein lassen.

    Schaue ich mich heute an meiner Hochschule so um, so denke ich leider: Viele studieren hier irgendwelche Sprachen auf Lehramt, weil ihnen halt sonst nichts einfällt. Das gilt als leicht. Da wird in Englisch auf Lehramt doch ernsthaft von einem britischen Dozenten verlangt, es soll in Seminaren Deutsch gesprochen werden. Und das ist nur ein Beispiel. Es sollten also meiner Meinung nach nur die auf Lehramt studieren, die wirklich Lehrer werden wollen.

  11. Beratung im Studium, TomJork, gefällt mir als Idee, wenn Sie denn sinnvoll machbar ist. Ein Pflichtveranstaltung „Gehe in dich und überprüfe dein Lehrersein“? Kommt darauf an, wie man es gestaltet.

    Ein guter Lehrer, davon bin ich überzeugt, kann das auf viele verschiedene Arten sein. (Meine kurze Definition dabei: Die Schüler lernen bei einer guten Lehrkraft das, was sie lernen sollen. Und: Eine gute Lehrkraft entscheidet mit, was dazu gehört.) Da gebe ich DrNi recht. Kumpelhaft oder streng, langweilig oder unterhaltsam. Geschätzt oder nicht geschätzt. Die Arbeit mögen als Kriterium? Gibt es Umfragen dazu, wie gern Lehrer ihre Arbeit machen? Das wäre mal ein Anfang.

  12. Es haben aber schon alle, die hier posten, das Referendariat gemacht?
    Also in meinem Referendariat war das so, dass Leute, die aus welchen Gründen auch immer als Lehrer ungeeignet waren, achtkantig rausgeflogen sind. Die haben 5er Lehrproben gesammelt und sind dann verschwunden.
    Menschlich war das nicht ok, aber aussortiert, wie oft gefordert, wurde und wird im Ref.

  13. @Tom
    Ja, das Referendariat habe ich durchlaufen :-)
    Und ich kann von meinem Ausbildungsseminar behaupten, dass mehr als einmal beide Augen zugedrückt worden sind, um dem Referendar nicht die Zukunft zu verbauen – Mit Englisch und Deutsch auf dem freien Arbeitsmarkt sieht es nämlich düster aus. Wer dennoch auch bei dem 2. Versuch der Examensprüfung durchgefallen ist, der hatte wegen Lehrerknappheit und der Unterbezahlung an Privatschulen dort noch die Chance unterzukommen – Ich weiß von 2 Fällen während meines Referendariats, in denen absolut unfähige Kollegen an einer Privatschule angefangen haben zu „unterrichten“.
    Aus diesem Grund muss schon im Studium die richtige Wahl getroffen werden – und auch dort am Beginn des Studiums. Denn wer erstmal im Hauptstudium ist oder das Referendariat begonnen hat, der wird in den seltensten Fällen von sich aus aufgeben und sich eingestehen, dass man die letzten 5-6 Jahre auf das falsche Pferd gesetzt hat. Da wird lieber auf die Profs und Ausbilder geschimpft, die immer auf einem rumhacken und einem nur Böses wollen… Dieses Verhalten kenne ich sonst nur von Schülern.

  14. Die meisten Gymnasiallehrer unterrichten zwei Fächer in acht verschiedenen Jahrgangsstufen bei sich immer rascher verändernden Schülergenerationen und Lehrplänen. Für ein paar Jahre war ich ein Lehrer, der sich sehr gut für den anspruchsvollen Leistungskursunterricht im Fach A eignete. Für den derzeitigen Unterricht in diesem Fach in der Oberstufe fühle ich mich weniger gut geeignet. Gut, dass mir da die Schulleitung bzw. die Fachbetreuerin Spielräume eröffnet. Was aber, wenn das nicht geht? Wer dauernd nur im Fach B in der Unterstufe unterrichtet, fühlt in sich bald ein Element der fortschreitenden Infantilisierung. Mit der Schülergeneration vor 15 Jahren bin ich deutlich besser zurechtgekommen. Wird das mal wieder besser? Welche Rolle spielt mein Elternsein? Bin ich gerade in der Phase besonders gut, in der meine eigenen Kinder stecken, oder ist es aus Projektionsgründen gerade andersherum? Wo steht denn, dass eine Lehrerin oder ein Lehrer einmal gut genug war und dass er oder sie das dann bleibt?
    Lehrer werden weder von Lebens- noch Sinnkrisen heimgesucht, sie haben das Lehrergen zu haben, das sie in der Erinnerung ihrer Schüler zu Superhelden und – heldinnen macht. Geht’s noch?
    Halten zu Gnaden: Die Vorstellung vom „guten Lehrer“, die hier formuliert wird, ist reichlich manichäisch.

  15. Was für ein wunderbarer Artikel!
    Der Lehrer als Dienstleister! Eignungstests für Lehramtsstudenten! Motivierende Lehrer für motivierte Schüler! Und es soll Länder geben, wo das tatsächlich existiert, es ist nicht zu glauben. Aber man wird ja noch träumen dürfen.

  16. Woran will man eigenlich so eine Eignung zum Lehrer festmachen?
    Wie soll man das bitte nach dem Abi testen?
    Wer von den Leuten die hier schreiben war nach dem Abi schon ein fertig entwickelter Mensch? Wer kann sich sicher sein, dass er oder sie nicht rausgeflogen wäre, wenn man damals einen (wie auch immer gestalteten) Eignungstest gemacht hätte?
    Ich finde diese Forderungen nach Eingangstests lächerlich.

  17. @Beelzebub

    Manichäisch ist ein guter Begriff in diesem Zusammenhang…

    Wie geht’s Ihnen als Lehrer und Elternteil so, würde mich interessieren? Ich fand es immer schwieriger, die gleiche Jahrgangsstufe zu haben, in der sich mein Sohn gerade befand – und andere Jahrgangsstufen sehr erholsam, weil sich der Teenieterror von zu Hause dann nicht in der Schule fortsetzte. Wie geht es Ihnen?

  18. Ich mach grad ein Abitur, parallel mit meinem Sohn in zwei Kursen, in zwei Richtungen (Sohn, Kollegen der anderen Schule) mit Zähneknirschen und Fäustefletschen sowie angezogener Handbremse… Das ist natürlich übetrieben, aber eine besondere Situation ist es doch, denn obendrein überschneiden sich auch noch meine Schüler mit dem Freundeskreis meines Sohnes, auch wenn sie verschiedene Schule besuchen.
    Ich wollte die Diskussion halt etwas relativieren: es ist ja richtig, dass man versucht ein guter Lehrer zu sein, zumal wenn umfangreiche Meta-Studien zu bestätigen scheinen, dass es vor allem auf den Lehrer und weniger auf die Methode anzukommen scheint.
    Die Biographie meines eigenen LK-Lehrers in Deutsch gibt mir zu denken. Das war aus meiner Sicht (!) so ein Idealtyp, wie er hier vorgestellt wird. Nach meiner Schulzeit, nur wenige Jahre später, hatte ich als Praktikant an der Schule zu tun und in dieser Rolle bekam ich dann Meinungen über diesen Lehrer zu hören, die ich völlig unerträglich fand. Ich kam zu dem Schluss, dass sich da gleich mehrere Parameter verschoben haben müssen, so dass aus meinem Idealtyp in der Sicht anderer einer wurde mit dem Prädikat „der hat seinen Beruf verfehlt“. Auch hier sind ein paar Leute mit ähnlichen Urteilen recht schnell bei der Hand.

  19. Ein Freund von mir hat jetzt auf dem 2. Bildungsweg Lehramt Sek I. studiert. Hier in NRW gestaltet sich das Studium an der Uni inzwischen so, dass Lehramtsanwärter sehr frühzeitig im Studienverlauf diverse Praktika an Schulen machen müssen, bei deren ihre Praxistauglichkeit geprüft wird – er musste z.B. auch Stunden aktiv mitgestalten bzw. zum Ende des Praktikums Vertretung leisten. Fazit: Diverse Studenten haben (zum Glück) frühzeitig das Handtuch geworfen, weil sie mit leibhaftigen Schülern nicht klar kamen.

    Zu meiner Zeit, in den frühen 90ern, war’s ja so: Da studierten Leute auf Lehramt, die dann nach Abschluss im Referendariat zum allerersten Mal mit Schülern zu tun hatten. Abgesehen davon gab es etliche, die wie ich EIGENTLICH nur Anglistik usw. studieren wollten, den M.A. aber für nichtswürdig hießen und sich aus dem Grund für das etablierte und wohlklingende Staatsexamen entschieden hatten. ZUR NOT konnte man damit ja immer noch Lehrer werden, wenn’s mit dem Lektorats- oder Kulturjob nichts werden sollte. Tatsache.

  20. Wir hatten heute in der ersten Pause eine Diskussion darüber. Unser Ergebnis war wie hier. Es gab keine Übereinstimmung was eine gute Lehrkraft ausmacht.

  21. @Tom
    Ich denke auch, dass ein Abiturient nicht „voll entwickelt“ sein ist. Aber er ist erwachsen und muss (und will meistens auch) Entscheidungen für sein Leben treffen. Da dies durchaus die falschen Entscheidungen sein können, ist es doch um so wichtiger, dass ihn irgend jemand darauf hinweist.
    Wenn Sie sich das Modell der Uni Kassel ansehen, dann sehen Sie, dass niemandem das Studium verwehrt wird, weil er in einen Eignungstest „durchfällt“ (Es handelt sich dort auch nicht um einen einzelnen Test, sondern um ein 2-semestriges Seminar). Es werden dort aber alle Studierende zu einer gründlichen Selbstreflexion gezwungen – und es wird Ihnen gesagt, wenn sie Defizite haben, an denen sie arbeiten sollten, falls sie mal ‚gute Lehrer‘ werden wollen. Es ist doch allen klar, dass damit noch lange keine Garantie für einen erfolgreichen Berufsweg gegeben ist, aber die Chancen steigen, wenn die Abiturienten an der Uni nicht so weiter machen, wie an der Schule, nämlich passiv berieseln lassen und aus Verlegenheit irgend etwas machen, an dem sie kein Interesse haben (Sehen sie sich mal in den Leistungskursen der Fächer Deutsch und Geschichte um.)

  22. Mal ’ne launige Frage eines Nichtpädagogen an die versammelte Runde hier, wenn’s gestattet ist: Wolltet Ihr überhaupt Lehrer werden? Und wenn ja, warum?

  23. Tom schreibt: „Wie soll man das bitte nach dem Abi testen?
    Wer von den Leuten die hier schreiben war nach dem Abi schon ein fertig entwickelter Mensch?“

    Gilt das gleiche nicht schon vor dem Abi? Wenn der Münchner Bildungsbericht nicht lügt, dann sortieren wir 40% der Schüler an unseren Gymnasien aus, in der Pubertät die meisten.

    Bruck schreibt: „Lehrer werden weder von Lebens- noch Sinnkrisen heimgesucht, sie haben das Lehrergen zu haben, das sie in der Erinnerung ihrer Schüler zu Superhelden und – heldinnen macht. Geht’s noch?“

    Gilt das nicht auch für unsere Schüler? Gerade die Pubertät stellt, hoffentlich, bekanntlich einen massiven Umbau des Körpers und Gehirns dar. Wer im Kollegium und aktiv aussortiert und fordert, dass sich in der Mittelstufe die Spreu vom Streber trennen muss, der sollte so schnell wie möglich das Weite suchen und die Schule verlassen, wenn er auch nur einen Hauch von Krise spürt.

  24. Bitte das „und“ vor „aktiv aussortiert“ wegdenke!

    Wir haben heute auch diskutiert ob es nicht ein erster Schritt zum guten Lehrersein sein könnte,
    1. die Schülerinnen in der 6., in der 8. in der 10. und nach dem Abi zu befragen, was eine gute Lehrkraft für sie ausmacht.
    2. müsste jeder Lehramtsstudent vor dem Studium, zum ersten und zum zweiten Staatsexamen darüber einen Aufsatz schreiben.
    3. aller fünf Jahre müssen wir das im aktiven Schuldienst auch.

    Vielleicht kommen wir etwas weiter, wenn wir diese Reflexionsphasen dann vergleichen.

  25. Die Autokorrektur wird immer zum falschen Zeitpunkt aktiv. .-(

    Aber lustigfalsche Namenskonstrukte entsehen dabei ebenfalls.

  26. Der Vergleich einer achtjährigen Schülerbiographie mit einer fast vierzigjährigen Lehrerbiographie ist absurd.

  27. Wieso „fast“ vierzigjährige Karriere? Bei mir werden es mehr als 40 Jahre werden…

  28. Es braucht auch keine Übereinstimmung, was eine gute Lehrkraft ausmacht. Und bei schlechten Lehrkräften? Ist ja nicht so, dass das eine das Gegenteil vom anderen wäre.

    >Wolltet Ihr überhaupt Lehrer werden? Und wenn ja, warum?
    Ich schon. Nicht unmittelbar nach dem Abitur, aber doch in dem Jahr danach. Schlaumeiern lag mir im Blut, erklären auch; Spielleiter bei Rollenspielen war so etwas Ähnliches. Wissen vermehren wollen, weil ich Wissen so toll fand.

    Die Analogie Grundschüler-Student finde ich auch weit hergeholt.

    >Wir haben heute auch diskutiert ob es nicht ein erster Schritt zum guten Lehrersein sein könnte,
    1. die Schülerinnen in der 6., in der 8. in der 10. und nach dem Abi zu befragen, was eine gute Lehrkraft für sie ausmacht.
    2. müsste jeder Lehramtsstudent vor dem Studium, zum ersten und zum zweiten Staatsexamen darüber einen Aufsatz schreiben.
    3. aller fünf Jahre müssen wir das im aktiven Schuldienst auch.

    Gar nicht so übel. Aber wieso sollte ausgerechnet eine Schülerbefragung der erste Schritt sein? Können Schüler zwischen Qualität und Unterhaltungswert eines Lehrers unterscheiden? Der erste Schritt zum Herausfinden ist jedenfalls, mehr Feedback einzuholen, definitiv.
    Besinnungsaufsätze über die Schule? Die kommen dann in die Personalakte? Und doch… da ist was dran. Früher oder später glaubt man ja, was man schreibt; da macht es gar nichts, wenn man erst mal nur schreibt, was man glaubt, das man schreiben soll.

    Dann aber auch die Pflicht, alle vier Jahre einen fachdidaktischen Artikel zu veröffentlichen. (Ich übernehme einfach mal diese Idee eines Kollegen.) Oder alle zwei Jahre. Müsste natürlich die Zeit dafür kriegen.

  29. Ich bin eine von den eigentlich-nur-Anglistik-Personen. Gebe ich gerne zu! Aber im Studium musste ich dann ein studienbegleitendes und ein Block-Praktikum absolvieren, da kam mir das mit dem Schulunterricht schon recht attraktiv vor, und letztendlich hat es sich als großer Glücksgriff herausgestellt. Mir macht mein Job richtig Spaß.

  30. Wie wär’s mit folgenden Erklärungen:

    stamme aus einem Professoren-Haushalt;
    war bis weit ins Studium Leiter von Jugendgruppen;
    durfte die Beherrschung von Sprachen als persönliche Freiheit erfahren;
    geriet in Kontakt mit außereuropäischen Kulturen, in denen Lehrer höchstes Ansehen genießen, weil sie sowohl zu Fortbestand als auch Veränderung einer Gesellschaft beitragen können;
    bin eher Generalist als Spezialist (Schwäche und Stärke zugleich);
    lese, reise und sammle gern;
    spiele gern Theater;

    Oder mit:

    will meinen Lebensunterhalt verdienen;
    will meine Familie versorgen;
    will unser Haus abbezahlen;

    Irgendwo dazwischen irisiert die Wahrheit. Mit anderen Worten: Lehrer ist man nicht, sondern man wird es. Was man geworden ist, bleibt man nicht, weil man sich als Lehrer ständig neu erfinden muss. Und ich werde mich nicht jedesmal vor irgendjemand für meine mehr oder weniger gut gelungen Erfindungen meiner selbst rechtfertigen oder gar entschuldigen.

  31. Ja, Schüler können tatsächlich zwischen Qualität und Unterhaltungswert eines Lehrers unterscheiden. Und eine Schülerbefragung wäre der erste Schritt, denn um die Schüler geht es schließlich. In jeder anderen Dienstleistungsbranche ist es ja auch üblich, sich vom Kunden ein Feedback geben zu lassen.

  32. Interessanter Laden, bei dem das Produkt vom Steuerzahler bezahlt wird,in dem es keine sofort erkennbare Dienstleistung wie einen Haarschnitt oder ein Erzeugnis gibt, das man gleich weiterverkaufen kann, ein Laden in dem auch der Kunde arbeiten muss, und das alles noch dazu ohne jede Garantie.
    Sorry: Ich arbeite nicht in einem Paukstudio (Dienstleistungsbranche), sondern in einer Schule(zumeist ist das eine staatliche Institution, siehe auch: Standesamt, Gericht, Gesundheitsamt).

  33. Ich konnte mir immer gut vorstellen, Lehrer zu werden. Ich habe selbst nur positive Schulerfahrungen, fühlte mich dort wohl und einige meiner Lehrer waren wirklich meine Vorbilder. Ich war fasziniert von meinen jetzigen Fächern und wollte Schülern zeigen, wie cool die sind (-> klappt nicht immer). Mit Kindern hatte ich sowieso zu tun, da in der ehrenamtlichen Jugendarbeit tätig, das passte also auch.
    Ich habe nie an Ferien, Verbeamtung und 20-Stunden-Woche (haha) gedacht, wenn’s um meine Berufswahl ging – ganz ehrlich -, sondern habe eher einen logisch erscheinenden Weg gewählt.
    Es ist echt ein schöner Beruf, immer wieder spannend, immer wieder neu. Die Frage ist natürlich, macht mich das zu einem guten Lehrer?

  34. Danke für die interessanten Antworten & Einblicke in Eure Motivation zur Berufsfindung. Mich interessiert die grundsätzliche Frage der Motivation zur Wahl des späteren Berufswegs, wohl auch, weil ich im Personalbereich tätig bin.

    @B.Bruck: Wenn ich mich erkläre, mache ich schlicht das: Die Frage nach dem Warum beantworten. Eine Rechtfertigung ist das deshalb noch lange nicht. Wozu die Wertung?

  35. @D. Was folgt ist vielleicht etwas einfach ausgedrückt. Es scheint in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit vor allem zwei Typen von Lehrern zu geben: Den Idealisten, der dann im fünften Lebensjahrzehnt ausgebrannt ist, dafür zeitweise aber der Vorstellung vom pädagogischen Superman nahekam und den staatlich beamteten Versorgungsempfänger und Sicherheitsdenker (unkündbar, lange Ferien etc.). Die wirklichen Lehrer bewegen sich unter anderem zwischen diesen beiden Polen. Teilt man der Öffentlichkeit mit, dass man diese Arbeit macht, um Geld zu verdienen, fehlt es der Öffentlichkeit am Berufsethos („Der Lehrer muss für sein Fach brennen…“). Im anderen Fall ist man einer, der sein leben lang nicht aus der Schule herausgekommen ist, der vom wahren Leben ja so gar keine Ahnung hat („weltfremd“).
    Fragt man also Lehrer launig nach der Motivation gerade diesen Beruf zu ergreifen und bekommt eine ehrlich gemeinte Antwort, dann beginnt bei vielen Leuten, – nicht notwendigerweise beim Frager -, sofort dieses Sortierspiel, dem z.B. ein Personalentwickler, Müllwerker oder Zahnarzt nicht unbedingt ausgesetzt ist. Wie letztere zu sein haben, bestimmt das Unternehmen, der Berufsstand selbst oder auch der Gesetzgeber. Beim Beruf Lehrer glauben sich aber alle berufen … mitzuschwätzen, weil jeder mal einem Lehrer begegnet ist, genauso übrigens wie einem Personalentwickler, Müllwerker oder Zahnarzt. Die weitverbreitete Vorstellung, dass das nicht nur eine unbesteitbare Tatsache, sondern auch noch richtig ist, erreicht mittlerweile den Berufsstand selbst (s.o.). Zugleich lassen sich die Äußerungen oben den beiden Typen zuordnen und man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es darin vor (Selbst-)rechtfertigungen wimmelt, auch wenn dies nicht die primäre Aussageabsicht gewesen sein mag.

    Der Gegensatz zwischen kurzfristiger Fremdwahrnehmung der Schüler und Eltern und der biographischen Selbstwahrnehmung über Jahrzehnte ist prinzipiell nicht aufhebbar. Erstere zum Maßstab und zur Maxime des Handelns zu machen, führt uns in die Dienstleistungsbranche mit allen Konsequenzen (Normierte Arbeitszeiten, Streikrecht…). Letztere bietet die Risiken („Beruf verfehlt“) und Chancen („leuchtende Vorbilder“), die bisher gegeben sind, und natürlich alle Schattierungen dazwischen.

  36. Ein sechsmonatiges Praxissemester nach dem 3./4. Semester würde oft schon helfen. Das wäre lang genug, dass die AspirantInnen feststellen, ob denn der Lehrerjob wirklich was für sie ist und früh genug, dass sie hinterher noch umsatteln könnten auf ein anderes Studienziel.

    Über die Frage, was guten Unterricht ausmacht (und damit verbunden, was einen guten Lehrer ausmacht), braucht man nicht mehr zu streiten, die ist empirisch beantwortet. Ein guter Lehrer agiert direktiv in komplexen Lernarrangements (ist also mehr als ein Lernbegleiter), sorgt durch deutliche Führung für eine effektive Nutzung der Lernzeit, reflektiert den Unterricht durch die Augen seiner Schüler, verfügt über ein breites Repertoire an Unterrichtsstilen und – vor allem – sorgt er für eine vertrauensvolle, achtsame Beziehung zwischen ihm und seinen Schülern.

    Quelle:
    http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning

  37. Schön, dass diese Banalitäten (Ich achtsamer Mensch sage dir, was du lernst und wann, ich verstehe, dass du keine Lust dazu hast, und mache deshalb den Methoden-Zampano, vertraue mir also.) jetzt auch empirisch durch eine angelsächsische Metastudie abgesichert sind. So ähnlich habe ich das im letzten Jahrhundert an der Uni, im Referendariat von Kollegen und auf Fortbildungen auch schon gehört.

    Ein sechsmonatiges Praxissemester am Ende des Grundstudiums würde gröbere Missgriffe verhindern? Das glaube ich kaum. Die Erkenntnis oder der Zweifel, man habe vielleicht doch nicht den richtigen Beruf ergriffen, ereilt doch nicht den Studenten, selten die Referendarin, sondern viel eher jemand, der sich nach einem Jahrzehnt oder mehr in einer beruflichen Sackgasse sieht. Es sind doch nicht die mehr oder weniger ans Lehrerdasein angepassten, aber meist hochmotivierten Referendare, die das Problem sind, sondern die ausgebrannten, resignierten, unter- und zugleich überforderten, gelangweilten, perspektivlosen Kollegen. The pro(o)f is in the pudding. Der Pudding ist in diesem Fall nicht zehn Jahre alt, er dauert vielleicht zehn oder fünfzehn Jahre.

    Es ist an dieser Stelle schon mal angeklungen: für diese Kollegen bräuchte es Alternativen. Wobei die Abschiebung in die Verwaltung aber auch kein überzeugendes Konzept ist. Es wird an den Schulen schon viel zu viel verwaltet und zu wenig gelehrt und gelernt.
    Wie wäre es mit verpflichtender Unterbrechung des reinen Lehrerdaseins alle 8 Jahre und zwar für alle?

    Unsortierte Stichworte
    „Lehrer in der Wirtschaft“, zwei Jahre an einer Universität, durchaus in der Lehrerbildung, zwei echte Forschungssemester, ein Sabbatjahr, der vorübergehende Wechsel in eine völlig andere Schulart (z.B. in eine Förderschule), Mitarbeit in einem Jugendamt oder bei Gericht…
    Gibt’s doch alles, wird mancher sagen. Jaja, theoretisch schon, manchmal.

  38. Schülerbefragung über mehrere Jahre finde ich nicht schlecht. Und ein Vergleich, was die verschiedenen Jahrgänge sich darunter vorstellen, könnte ziemlich interessant sein. Auch für die Selbstreflektion des eigenen Lehrerdaseins.

    „Es sind doch nicht die mehr oder weniger ans Lehrerdasein angepassten, aber meist hochmotivierten Referendare, die das Problem sind, sondern die ausgebrannten, resignierten, unter- und zugleich überforderten, gelangweilten, perspektivlosen Kollegen.“
    Wieso sind diese unsere problematischen Kollegen und Kolleginnen das Problem und wie wurden sie DAS Problem?
    Was könnten wir im Kollegium daran zuändern versuchen, daß es nicht soweit kommt, daß diese Kollegen ein Problem werden/bekommen?
    Wie können wir den Schülern dieser Kollegen helfen, mit einem solchen Problem/problematischen Kollegen umzugehen?

  39. Unsere Kollegin schreibt hier:
    „Die Schülerinnen und Schüler sind echte Experten in Bezug auf die Analyse von Unterricht. Kein Wunder, erleben sie doch täglich eine Menge davon mit unterschiedlichen Lehrkräften in vielen Fächern. Natürlich fehlt ihnen die Fachterminologie, aber sie erfassen ganz genau, was wie wirkt, und formulieren das dann in ihren eigenen Worten.“
    http://mutigeschule.wordpress.com/2013/01/19/einfach-mal-die-schuler-fragen/

    Dem kann ich mich anschliessen.

    anderl, wie wir Kolleginnen und Kollegen helfen können, die DAS Problem wurden, ist wirklich eine gute Frage, vor der wir uns täglich lieber drücken.
    Und wie unseren Schülern damit helfen? Auch davor drücken wir uns lieber.

  40. „Die Schülerinnen und Schüler sind echte Experten in Bezug auf die Analyse von Unterricht.“

    Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Wissenschaft sagt: eher nicht. (Der Artikel selbst ist nicht wissenschaftlich, nennt aber Studien.)

  41. „Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Wissenschaft sagt: eher nicht. “

    Herr Precht behauptet auch: Eher schon. (Im neuen Buch. Gute Analyse von damals bis heute. Das Lehrerbäähschingkapitel habe ich noch vor mir.)

    In Finnland soll es übrigens so eine Art Lehrerkandidaten-Casting vor dem Studium geben. Mir Schülerinnen in der Juri. DbLdW?

    Hattie (heute im Spiegel): Zu viele Lehrer speisen ihr Berufsverständnis nur aus ihrer Autonomie: Lasst mich meine Arbeit im Klassenzimmer machen. …
    Sie sprechen häufig über Stundentafeln oder Lehrpläne, aber sehr selten über den Lernfortschritt ihrer Schüler.
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/bildungsforscher-john-hattie-raeumt-auf-mit-schulmythen-a-895106.html

  42. Precht kann behaupten, was er will: er ist kein Wissenschaftler, sondern hat einfach eine Meinung. Die deckt sich zum Teil mit meiner, zum Teil nicht – bleibt aber Meinung.

    Und wer als Beispiel dafür, dass Kinder von Natur aus „lernen wollen“ anführt, dass sie alleine laufen lernen, der argumentiert zutiefst unseriös oder hat keine Ahnung. Das eine ist Reifung, das andere Lernen; die von Precht zitierte Lernpsychologie sieht da einen großen Unterschied.

    Das Buch habe ich allerdings nicht gelesen, aber wenn er da belegt, dass Kinder Lehrkräfte nach deren Lehrbefähigung einschätzen können: nur zu.

  43. „Precht kann behaupten, was er will: er ist kein Wissenschaftler, sondern hat einfach eine Meinung.“

    Ähh, Precht behauptet, fünf Jahre wissenschaftlich in der Schulpädagogik gearbeitet zu haben. Wenn ich mir unsere armselige Pädagogikausbildung ansehe, dann würde ich mal behaupte, jeder von uns ist dagegen ein pädagogischer Laie. Zumindest was die wissenschaftliche theoretische Seite anbelangt.

    Ich belustige mich gerade etwas, über den medialen Zwergenfeldzug unseres Kollegen vom lehrerstuhl.de, gegen Precht, der sich da mit sehr emphatischen Behauptungen, in amazon-Beiträgen, etwas mehr Öffentlichkeit für seinen Blog erarbeitet.

  44. Stimmt, mein Fehler: Wissenschaftler können natürlich ebenso eine Meinung haben wie Nichtwissenschaftler. Das bleibt dann natürlich immer noch Meinung. (Und die Frechheit mit dem Laufenlernen, lassen Sie ihm das durchgehen?)

    Nachtrag: Ich kriege nicht mit, was der Kollegen vom lehrerstuhl.de bei Amazon schreibt, aber beim Lehrerfreund trollt dafür gerade wieder der Typ, den ich hier auch schon rausschmeißen musste. Wenn seine Argumente nur so vielfältig wären wie seine Pseudonyme! (Erkennungszeichen: Münchner Bildungsbericht, 40% usw.)

  45. Ich hab nur das Precht-Dossier von Precht vor zwei Wochen in der ZEIT gelesen und mich furchtbar aufgeregt: nicht, dass es nix zu verbessern gäbe am gegenwärtigen Schulsystem. Aber ich fürchte, solche locker daher fabulierten Bilder von einer Idealwelt unterminieren bei einer eh schon schulkritisch vorsensibilisierten Öffentlichkeit auch noch den letzten Rest an Geduld mit allen redlichen Versuchen, die gegenwärtige Realität weiter zu entwickeln und Schwächen auszubügeln.
    Erst wird alles Bestehende in Grund und Boden geschrieben, dann wächst die Bereitschaft zu jeder, aber auch jeder Art von Gegenentwurf. Motto „Kann ja nimmer schlechter werden“. Und einen Beleg, dass sich dann mit guter Wahrscheinlichkeit der Output des Systems (mehr Bildung, lebenstauglichere Schüler, berufstauglichere Schüler … was auch immer man anstrebt) auch steigern würde, den kann man sich dann bequemlicherweise auch sparen.
    Zu meiner großen Erleichterung wurde Precht in der Folgeausgabe der ZEIT auch schon trefflich gekontert.

  46. Ist das mit den 40% eine Falschmeldung, die nur ein Spinner fälschlich verbreitet? Ich meine, mich erinnern zu können, von einer ehemaligen Lehrerin gelesen zu haben, die das behauptet.

    @steff
    ich bin noch nicht durch mit dem Buch, aber ich glaube, der Hamburger Bildungssenator, hat das Buch nicht gelesen. Oder nur quer.

    Diese Laufenlerngeschichte bildet nur den Auftakt zu einer sehr profund geschriebenen Analyse vom Lernen und Lehren und deren historischer Entwicklung. Ergänzt und untermauert um neue wissenschaftliche Erkenntnisse.. Kein Fehler, sich das genauer anzusehen.

  47. Im Kollegenkreis ist Precht ja sehr umstritten. Ich muss zugeben ich habe eine Schwäche für ihn. Vielleicht kann ich das deshalb unbefangener lesen, finde leider, dass sehr viele der Kollegen an unserer Schule ein Problem im Umgang mit Kritik haben. Könnte sein, dass das der Grund für massive die Ablehnung von Precht s Buch ist, ohne es vollständig gelesen zu haben.

  48. Precht, ist das nicht der eloquente Schönling, der mit viel heisser Luft, viel Geld verdient und bei dessen Namensnennung, das Kollegium aktuell fast kollektiv abkotzt?
    Ist das jetzt Neid? Oder hat der Mann wirklich unrecht? Muss man sich damit wirklich auseinandersetzen?
    Solange wir DAS Kollegenproblem noch nicht gelöst haben, vielleicht wirklich?

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