Playing Games II (with Larry Trask and friends)

By | 16.11.2006

Spiele und Spielerunden können so schön sein. Früher viel gespielt haben wir zum Beispiel Junta, Kingmaker und Circus Maximus:

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Junta dauert recht lange und man braucht sieben Spieler, auch wenn man theoretisch mit weniger spielen kann. Ein Spieler ist dabei Präsident einer Bananenrepublik. Er hat wenig direkte militärischer Macht, aber er bestimmt den Innenminister (mit Geheimdienst), die drei Generäle, den Chef der Marine und der Luftwaffe. Jeder Spieler kriegt also genau einen Job. Die Generäle sind alle gleich mächtig, aber einer ist klein und dick und die Zuweisung dieser Rolle gilt als Ausdruck persönlicher Geringschätzung. So war es zumindest bei uns damals. Im Spiel.
Am Anfang jeder Runde zieht der Präsident eine Summe Entwicklungsgelder, klagt heftig darüber, dass es diesmal nicht viel ist, und verteilt das Geld nach Gutdünken an sich und die anderen Spieler. Meistens gehen einige Spieler dabei leer aus, aber zumindest der Innenminister sollte einen Happen abkriegen.
Dann kommt eine Zwischenrunde, in der man sich bei der Geliebten, im Club oder der Bank herumtreiben kann. Will man sein Geld aufs Schweizer Konto bringen, muss man in die Bank, und nur das Geld auf dem Konto zählt fürs Gewinnen. In dieser Runde finden allerdings auch die Attentate statt. Wenn man am richtigen Ort erwischt wird, verliert man sein Geld und seine Position. Nach der Runde kann geputscht werden – dann wird ein bisschen gezogen und gewürfelt, und am Schluss halten verschiedene Spieler verschiedene Schlüsselpositionen und überlegen sich noch einmal ganz genau, ob sie regierungstreu sein oder zu den Putschisten gehören wollen.

Noch häufiger haben wir Kingmaker gespielt, aber darüber habe ich schon mal geschrieben.

Das spannendste Finish hatte Circus Maximus. Es gibt viele Wagenrenn-Spiele, dieses finde ich am spannendsten, auch wenn es ebenfalls länger dauert, als man meint.
Jeder Spieler erhält eine römische Quadriga, ein Gespann von vier Pferden und einen Streitwagen. Man kann am Anfang Punkte verteilen: Schnelle, normale oder langsame Pferde; guter, mittlerer oder schwacher Wagenlenker; leichter, mittlerer oder gepanzerter Streitwagen (mit Sicheln). Dann geht das Rennen los, drei Runden.

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Man kann bei Circus Maximus den Wagen des Gegners zu rammen versuchen, man kann versuchen, die Pferde mit dem Wagen zu verletzen, man kann den Lenker mit der Peitsche schlagen oder die Pferde peitschen – die eigenen wie die gegnerischen. Durchs Peitschen der Pferde werden diese schneller, unter Umständen schneller als geplant. Man kann nämlich nicht beliebig abrupt bremsen oder beschleunigen; fährt man innen in der Kurve, braucht man wenige Felder, darf dafür nicht so schnell fahren wie außen in der Kurve, wo man dafür mehr Felder ziehen muss. Wer zu schnell in die Kurve kommt, läuft Gefahr, eben aus der Kurve getragen zu werden.
Die letzte Runde ist dann die spannendste. Bei den Wagen eiern die Räder, die Pferde keuchen, ein Lenker versucht sich zu Fuß zu retten, ein paar Wracks liegen auf der Strecke.

Einmal habe ich eine besonders schöne Version von Circus Maximus spielen dürfen. Das Spielfeld war in größerem Maßstab teppichgroß aufgebaut worden, und statt kleiner Pappscheiben schoben wir liebevoll angemalte Plastikpferde und -Streitwägen herum. Das war vor fünfzehn Jahren in England. Im Linguistik-Seminar an der Uni war es um exotische Pluralformen gegangen, etwa die Entstehungsgeschichte des archaischen kine. Und da erzählte der Professor, Larry Trask, ein gebürtiger Amerikaner, von den Missverständnissen in seiner englischen Spielerrunde: der Singular von Würfel ist nämlich auf AE „die“ und auf BE „dice“, also genauso wie der Plural.
Ich hörte sofort: Spielerrunde! Tatsächlich trafen sich bei Larry während des Trimesters jeden Freitag einige Studenten und Ex-Studenten zum Spielen. Es gab immer ein paar Snacks und ein Abendessen, ein großes Spiel, und ein kleines Spiel zum Nachtisch. Abgestimmt wurde nach einem komplizierten Verfahren.

Es war wunderbar. Wir spielten bis spät in die Nacht, ein paarmal bis zum Morgengrauen. Ich glaube, ich habe Larry nie richtig für die wunderbare Zeit gedankt, oder den anderen Spielern, die mich abwechselnd zurück zur Uni ins Wohnheim gefahren haben. Ich war jung. (Eine Schuld, die ich versucht habe abzuarbeiten, indem ich Jahre danach Tim immer nach Hause fuhr. Ich bin dem Universum aber immer noch etwas schuldig.)

Ich kann mich noch an viele Abende erinnern, vor allem an einen, mit wunderbaren Spielen, gutem Essen, und viel Wein. (Habe ich immer Wein mitgebracht? Ich hoffe es jedenfalls.) Am Schluss musste auch noch der Portwein dran glauben, weil wirklich nichts mehr da war. Keiner war betrunken, dazu hatten wir zu kontinuierlich und über einen langen Zeitraum hinweg getrunken. Dass das eine tolle Nacht gewesen war, wurde mir erst eine Woche später bewusst. Man kriegt es doch immer erst danach mit.

*

Ich erwähne das alles so ausführlich, weil ich gestern nach Larry Trask gegoogelt habe und in seinem Wikipedia-Eintrag lesen musste, dass Larry vor zweieinhalb Jahren gestorben ist. (Nachruf z.B. bei Telegraph.co.uk.)

Larry war obendrein ein guter Lehrer, jedenfalls für mich. „Pretty damn good“ stand oft unter meinen Arbeiten, nachdem er sie korrigiert hatte. (Die interessanteste davon, hatte was mit Baskisch, Larrys zweitem Standbein, zu tun, habe ich leider mal Uwe geliehen und nie wieder gekriegt.) Transformationsgrammatik habe ich bei ihm gelernt. Und wieso „he sang his didn’t he danced his did“ grammatisch nicht wohlgeformt ist (aber von e. e. cummings) und „Oysters oysters oysters slit slit slit“ schon. Seine Beispielsätze handelten fast alle von Janet. Und was Janet nicht alles über sich ergehen lassen musste! Es war fast wie eine Fortsetzungsgeschichte.

(Im Referendariat, als ich noch Zeit zum Erstellen von Lückentexten hatte, habe ich in einer Klasse auch immer die gleichen Charaktere verwendet. Spannender als die im Buch waren sie allemal.)

Irgendwann muss ich mal über die Spielerrunde in Deutschland schreiben. Oder die Leute wenigstens mal wieder anrufen.

3 thoughts on “Playing Games II (with Larry Trask and friends)

  1. Kollege D.

    Bei ner Junta-Runde wäre ich sofort dabei!

  2. Charlotte

    Bei einer Junta-Runde wäre ich auch dabei. Schade, dass ich im falschen Bundesland wohne. Allerdings hatten wir in der neuen Version viele Unklarheiten in den Regeln. Was ist wenn niemand Präsident sein will? Äh, ja das war bei uns meist schlecht für’s Geschäft…

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