Lebenszeichen

Es geht mir gut, mir liegen endlich wieder viele Blogeinträge in den Fingern, aber ich habe keine Zeit dafür. Nach meiner Abwesenheit wartet Aufgeschobenes: Eltern besucht, Freund beim Aufsetzen eines neuen Betriebssystems geholfen, gewandert, davor Personalausflug. Und jetzt erst mal die Schule. Am Schuljahresanfang finde ich die immer besonders anstrengend. Nicht, weil ich das Unterrichten nicht mehr gewohnt bin – da ist man gleich wieder drin. Das Vorbereiten kostet besonders viel Zeit. Im Lauf des Schuljahres denke ich mindestens ein paar Wochen voraus, meistens noch weiter, weil ich dann weiß, wo ich bin und wo ich hinwill mit der Klasse. Die konkreten Stunden überlege ich mir zwar auch erst ein oder zwei Tage vorher, aber die Grobplanung habe ich im Kopf. Am Anfang des Schuljahrs kenne ich die Klasse noch nicht. Soll ich jetzt mit Lyrik weitermachen oder mit Erörterung? Steige ich mit Vektorgrafik ein, oder doch mit ein wenig Pixelgrafik zuvor, oder mit Theorie, wie es das Buch vorsieht? Selbst wenn ich einen Kurs aus dem Vorjahr fortsetze, weiß ich das nicht sicher. Also hangle ich mich von Tag zu Tag und halte mir viele Optionen offen.

Wobei hangeln nicht gleich baumeln ist, im Sinne von baumelnden Füßen. Heute zwei Stunden Unterricht, Pause, zwei Stunden Unterricht, Pausenaufsicht, Teamtreffen Q11, Personalrats-Schulleitungstreffen, zehn Minuten Pause, Treffen der Schulentwicklunsgruppe, zwei Stunden Unterricht. Von letzterem klingelt mir jetzt noch ein Ohr – eine 6. Klasse zum ersten Mal im Computerraum, das summt und brummt. Ich bin aber auch gerade erkältet und so.

3 Antworten auf „Lebenszeichen“

  1. Dieser “saisonale Charakter” des Lehrerberufs ist einerseits irgendwie faszinierend für mich, andererseits auch irgendwie erschreckend. Ich kann mir das gar nicht so richtig vorstellen. Ich meine: Deadlines kennt jeder, in jedem Beruf, aber bei den vielen Faktoren die da mit reinspielen (Schüler sind ja nicht genormt) stelle ich mir das als ein ständiges anpassen an neue Situationen vor, ohne dass die Regeln an die man sich zu halten hat sich ändern (Länge des Schuljahrs z.B.).
    Was passiert eigentlich wenn man eine Horror-Klasse hat, und deswegen in einem Jahr den Lehrplan nicht durchkriegt? Also wenn man merkt dass man für ein Thema länger braucht (z.B. weil Vorwissen fehlt) und deswegen schiebt sich alles nach hinten, und ein Thema fällt dann hinten runter weil das Schuljahresende kommt.
    Oder sind da überall Puffer eingebaut?

  2. So schwer vorstellbar klingt das nicht. Natürlich muss man sich ständig anpassen, das macht den Beruf ja so schön und anstrengend.
    Horror-Klassen habe ich noch nicht erlebt, auch noch nie an meiner Schule bei jemand anderem, aber weiter reicht meine Erfahrung nicht. Der Lehrplan deckt nur einen bestimmten Prozentsatz der Stunden ab, die restlichen Stunden sind für Wiederholung, Festigung, Leistungskontrolle gedacht. Das fällt dann halt knapper aus. Schlechte Klassen lernen weniger, das hat aber nicht viel mit der Länge des Schuljahres zu tun. Wenn tatsächlich mal Lehrplanelemente fehlen, wird am Ende des Schuljahres darüber eine Notiz gemacht, die im neuen Schuljahr an den neuen Lehrer weiter gereicht wird. Theoretisch, wie das praktisch gehandhabt wird, hängt von der Schule ab. Kommt so oder so nicht oft vor, vielleicht mal wegen längerer Erkrankung. Am meisten Stunden dürften übrigens durch Fahrten der Schüler ausfallen.

  3. Danke für die Erläuterung!
    Ich hatte mir das wohl schwieriger vorgestellt als es ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.