Playing Games I

Gestern Nachmittagsstunde im Englisch-Leistungskurs. Etliche Leute waren nicht da wegen Klausur am folgenden Tag; das ist inzwischen gängige Praxis unter den Schülern. Ich nehme es ihnen inzwischen gar nicht mehr so übel, solange sie sonst regelmäßig anwesend sind, aber mein Respekt sinkt natürlich genauso wie an der Uni damals mein Respekt gegenüber den Kommilitonen, die immer um Verlängerung bettelten.

Das nur am Rande. Es war eine nette Stunde, fand ich. Die Schüler schreiben diese Tage über viel Klausuren und müssen für den Leistungskurs ein – kurzes – Theaterstück lesen, also mache ich gerade schonenden Unterricht. Gestern haben wir gespielt, und zwar „Give Me The Brain“ und „Before I Kill You, Mr Bond“ bzw. auch die aus rechtlichen Gründen umbenannte Neufassung „James Ernest’s Totally Renamed Spy Game“.

„Give Me The Brain“ ist ein Spiel über ein Fastfood-Restaurant in der Hölle, jeder Spieler ist ein Zombie, der dort arbeitet und Feierabend haben möchte. Feierabend kann er machen, wenn er all seine Karten mit Aufträgen darauf losgeworden ist. Für manche Aufträge reicht eine Hand, da kann man zwei auf einmal erledigen, für andere braucht man beide Hände, und am schwierigsten sind die Aufträge, für die man ein Hirn braucht. Davon gibt’s im ganzen Spiel aber nur eines. Daher der Titel des Spiels.

Bei „Before I Kill You, Mr Bond“ spielt jeder Spieler einen Evil Overlord, der geheime Kommandozentralen anlegt und darauf wartet, dass sich ein Geheimagent dorthin begibt. Den kann man dann gleich für wenig Punkte umbringen oder erst noch ein wenig quälen oder mit Hummer und Champagner mästen und vollquatschen, wie das die Schurken in den James-Bond-Filmen immer tun. Das gibt mehr Punkte, aber dafür erhöht sich das Risiko, dass der Geheimagent doch das tut, was sie immer tun, nämlich entkommen.
Vor allem das zweite Spiel profitiert sehr vom sprachlichen Einsatz und dramatischem Flair der Mitspieler.

(Über beide Spiele habe ich vor zwei Jahren schon mal mehr geschrieben.)

Das Bond-Spiel ist, glaube ich, besser angekommen als das andere, aber darum ging es ja gar nicht: Die Schüler sollten vor allem eine englische Spielanleitung lesen und verstehen, sich miteinander auf die Regeln einigen und – auf Englisch – miteinander beim Spielen kommunizieren. Zuerst hörte ich immer wieder deutsche Sätze, aber mittelernste Drohungen meinerseits und die Gewöhnung haben dazu geführt, dass sich bald doch alle weitgehend auf Englisch unterhalten haben.

Die Textsorte Spielanleitung ist beileibe keine einfache. Wie oft haben wir uns in unserer Spielerrunde vor zwanzig Jahren in die Haare gekriegt, und das waren Anleitungen in unserer Muttersprache. Wenn man die Anleitungen aber versteht, wird man belohnt dadurch, dass man ein Spiel spielen kann. Das klingt vernünftig. Trotzdem hat mich gewundert und gefreut, wie wenig Probleme die Schüler damit hatten.
Beide Spiele haben aber auch relativ kurze und eindeutige Spielanleitungen und geben dabei viel Anlass zum Reden. Vielleicht schaffen wir’s auch mal bis zu „Once upon a time“ (dt. Ausgabe: „Es war einmal“), aber das erfordert Vorarbeit.

Ergebnissicherung gab es keine, ich sollte vielleicht nächste Stunde ein Blatt mit den wichtigsten Vokabeln austeilen – to cut the cards, deck, stack, hand, play, move, to shuffle, overhand shuffle, riffle shuffle, ante… wo doch Pokern eh so angesagt ist.

Spiele und Spielerrunden: Mir ist soviel eingefallen, was ich loswerden möchte (genaugenommen habe ich heute Nachmittag eine Kollegin damit vollgequasselt, die mich im Auto nach München mitgenommen hat), dass ich morgen mehr dazu schreiben will.

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3 Thoughts to “Playing Games I

  1. super, klingt gut. die gibts auch über ebay bei einem amwrikanischen versand. ich hab immer eine US version von taboo im schrank, auch sehr nett und sprachfördernd. und amerikanisch, die tröte geht natürlich mit batterie…

  2. Hallo Herr Rau,

    ich werde mit meinen Kleinen (6. Klasse) nach dem Sommer einen Spielenachmittag machen, basierend auf der Erfahrung während der Klassenfahrt, wo ein paar Mädels von sich aus bei UNO-Spiel zu Englisch gewechselt sind!
    Vorher werden wichtige Vokabeln besprochen und ausgeteilt, der Spielenachmittag selber soll soweit wie möglich von den Kindern in Englisch bestritten werden.
    (Die Eltern dürfen mitmachen, oder zugucken, und sich dabei austauschen).
    Ich werde das mit einer bilingualen Profil-Klasse ausprobieren, und gerne berichten, wie es funktioniert hat.
    Lieben Gruß

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