Cheapass Games

Einige meiner schönsten Stunden hatte ich bei Spieleabenden mit Freunden. Stunden, die so selbstverständlich und schön waren, dass mir das immer erst im Nachhinein aufgefallen ist. Dieser Eintrag ist diesen Spielerunden gewidmet.

Cheapass Games ist ein kleiner amerikanischer Spieleverlag mit viel Humor und kleinen Preisen. Die ersten Spiele kamen in weißen Papeirumschlägen und enthielten keinerlei Würfel, Münzen doer Spielfiguren. Jeder Hobbyspieler hat davon ohnehin genug zu Hause herumliegen. Die nächjste Generation kam dann schon in etwas stabileren Pappkartons, und einige Luxusausgaben in Farbe gibt es auch schon. Die Preise sind nicht mehr ganz so niedrig, aber ab US$ 7.50 gibt’s schon eine Menge Spiele; wer keinen äußerst gut sortierten Spieleladen kennt (in München kenne ich keinen), muss auch noch Porto aus den USA zahlen.

Die Spiele heißen zum Beispiel „Give Me The Brain“. Die Spieler übernehmen die Rolle von Zombies in Friedey’s, the fast food restaurant from hell. Ihr Ziel: Alle aufgetragenen Arbeiten zu erledigen und Feierabend zu haben. Jeder Spieler kriegt eine Reihe von Karten auf die Hand, die größtenteils verschiedene Aufgaben enthalten. Wer alle Karten los ist, hat gewonnen.
Auf manchen Arbeits-Karten ist eine Hand abgebildet, auf anderen zwei. Auch ein Zombie hat nur zwei Hände, jedenfalls ohne die Zusatzkarte „I found this in the back“: Man kann pro Runde zwei Karten ausspielen, die nur eine Hand abgebildet haben, oder eine Karte, für die man zwei Hände braucht.

Außerdem braucht man für manche Jobs etwas Gehirn. Das erkennt man an dem abgebildeten Gehirn links unten. Das Problem ist nur, es gibt nur ein einziges Gehirn für alle mitspielenden Zombies, daher auch der Name des Spiels: „Give Me The Brain“. Nach jedem Gehirneinsatz besteht die Gefahr, dass man das Gehirn auf den Boden des Fast-Food-Restaurants fallen lässt, worauf alle Zombies dann erst mal darum wetteifern, das Gehirn zu ergattern.
Ich find’s lustig.
Es gibt bei Cheapass Game auch eine komplett tschechische Ausgabe des Spiels. Die tschechisch-englische Übersetzungshilfe darf immer nur der Spieler benutzen, der gerade das Gehirn hat.

Das Spiel „Before I Kill You, Mr Bond“ heißt jetzt aus rechtlichen Gründen nicht mehr so, sondern „James Ernest’s Totally Renamed Spy Game“. Es erklärt, warum die Helden immer doch noch aus den Fängen der Superschurken entkommen. Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Superschurken, der sich sein geheimes Superschurkenzentrum aufbaut. Punkte kriegt man durch opulent ausgestattete Zentren, und durch gefangene Geheimagenten. Die kann man gleich töten, oder man kann sie erst noch etwas zappeln lassen. Dann sind sie mehr Punkte wert. Und wenn man sie dann noch einmal zappeln lässt, bringt das wieder mehr Punkte. In jeder Zappelphase haben Mitspieler Gelegenheit, dem gefangenen Agenten zur Flucht zu verhelfen.
Das schöne am Spiel sind die Karten, mit denen man sein Geheimzentrum ergänzt (Espressomaschine, Faxgerät, Luxusyacht, Klonfabrik, Obst, Unterlinge), und vor allem die Karten, mit denen man dem gefangenen Agenten mehr Punkte entlockt (und die gleichzeitig den Mitspielern eben Gelegenheit zum Stören geben): „I insist on engaging you a in a blindfolded karate match.“ „I shall taunt you with this deadly weapon, blithely unaware that a child could have untied those ropes by now.“ „Allow me to reveal the full extent of my depravity by hunting you alive on my wild game preserve.“ „I shall dazzle you with my brilliance by revealing the secret manner in which I intend to conquer the world.“
Kreative Spieler lassen diese Sätze dramatisch von der Zunge rollen, ergänzt um eigene Kommentare, wahnsinniges Lachen und triumphierende Gesten.

Daher auch die Einordnung dieses Eintrags zu Schulkram (mal machen). Das wäre doch mal was für meine Neuntklässler. Oder vielleicht das: Unter http://www.cheapass.com/free/index.html gibt es kostenlose Spielanleitungen zum Herunterladen, auf Englisch natürlich. Die meisten dieser Spiele brauchen kein lustiges Zusatzmaterial, aber Bleeding Sherwood gibt’s als pdf zum Herunterladen, Ausdrucken und Ausschneiden. Ich hab’s noch nicht gespielt, es hat sich wohl nur mäßig verkauft, aber ich bring’s meinen Schülern mal mit.

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